Zeit und Liebe
Anfang November in einem Zimmer der Traunsteiner Uniklinik:
``Ok Herr Kollege, morgen können sie nach Hause´´ Der angesprochene Reagierte nicht sondern sah weiter aus dem Fenster. Der Chefarzt wartete noch einen Moment und verließ dann das Zimmer. Es dauerte nicht lange bis es Klopfte und ein Mann Mitte Dreißig den Raum betrat. ``Hey, alles klar?´´ ``Klar das siehst du doch´´ bekam er patzig zur antwort. ``Man Michael hör endlich auf dich selbst zu bemitleiden das macht einen ja verrückt. Du weißt genau das du schon längst wieder laufen könntest wenn du es nur willst. Aber nein du sitzt lieber in dem Ding da und starrst aus dem Fenster. Dadurch werden Margarete und Dirk auch nicht wieder Lebendig´´ ``Hör auf´´ Fuhr der Mann im Rollstuhl ihn an und rollte langsam zum Bett. Mühsam hievte er sich hinauf. Als sein Freund ihm Helfen wollte werte er dies energisch ab. ``Warum lässt du mich eigentlich nicht in Ruhe Thomas? Ich bin ein Krüppel, ich werde nie wieder als Notarzt Arbeiten, ich habe meine Frau und meinen Sohn umgebracht. Das sind doch die besten Vorraussetzungen für ein wunderbares Leben´´ Ironisch sah er seinen Freund an. ``Du bist kein Krüppel und das weißt du genauso gut wie alle anderen, wenn du wollen würdest könntest du wieder Arbeiten und du hast keinen von beiden Umgebracht. Für Margarete konntest du nix tun und mit Dirk..., das war ein Unfall.´´ ``Ach lass mich doch in ruhe, geh nach Hause oder zu den anderen. Ich will keinen von euch mehr sehen. Ich will euer Mitleid nicht kapiert?´´ rief er aufgebracht. ``Michael krieg dich wieder ein Ok? Ich komme dich morgen abholen. In der Villa ist alles umgebaut´´ ``Du meinst Krüppelgerecht? Na super genau so habe ich mir mein leben vorgestellt. Du brauchst mich nicht abholen ich komme alleine klar.´´ ``Michael, wir wollen dir doch nur helfen, wir alle´´ ``Ja ja und jetzt verschwinde´´ Michael sah Demonstrativ in eine Zeitung. ``Jetzt reicht es mir, hör mal zu wir haben weit besseres zu tun als uns dauernd dein Gejammer anzuhören. Dein Selbstmitleid ist unerträglich. Wir haben uns Sorgen um dich gemacht und wir alle wollten das du zu uns zurückkommst. Statt dessen verkriechst du dich und machst jedem das leben zur Hölle. Du bist mein bester Freund und ich will dich auf keinen Fall verlieren aber wenn du so weiter machst stehst du bald alleine da. Wach endlich auf und nimm dein leben in die hand.´´ Stink sauer stand Thomas vor seinem Freund. Der sah ihn nur gelangweilt an. ``Fertig? Dann weißt Du ja wo die Tür ist´´ Thomas drehte sich um und verließ das Zimmer. In der Tür stieß er mit einer Schwester zusammen. Ohne sich zu entschuldigen lief er den gang hinunter und raus auf den Parkplatz. In seinem Auto versuchte er erst einmal sich wieder zu beruhigen.
``Wo haben sie den ihre Ausbildung gemacht?´´ fuhr Michael die Junge Schwester an. Man sah ihr an das sie Nervös war und ihre Hände Zitterten. Michael war auf der Station bekannt und keiner schlug sich darum ihn zu versorgen. An allem und jedem hatte er etwas auszusetzen und zu schimpfen. ``Ach geben sie her, das kann man ja nicht mit ansehen´´ schimpfte er und nahm der Schwester die Spritze ab. Er legte die Binde um und zog sie mit den Zähnen fest. Dann setzte er die Spritze an und begann sich selber Blut ab zu nehmen. Die Schwester stand total verschüchtert daneben. Plötzlich ging die Tür auf und die Oberschwester betrat das Zimmer. ``Herr Lüdwitz wie oft muss ich ihnen noch sagen das sie die Schwestern nicht so zusammen stauchen sollen? Geben sie her, Nicole ist schon Ok´´ sie nickte der jungen Frau aufmunternd zu und nahm Michael die spritze ab. Dieser drehte den Kopf zur Seite und Reagierte nicht mehr.
Das ganze war nun schon drei Wochen her. Thomas saß auf der Wiese hinter dem Hangar. Er lehnte mit dem Rücken an der wand des Hangars und hatte die Knie angewinkelt. Er zerpflückte die Wiese neben sich und dachte an Michael.
Es war nun ein Dreivierteljahr her. Michael und Margarete hatten sich nach ihrer Trennung wieder versöhnt und beschlossen mit ihrem neun Jährigen Sohn gemeinsam in den Urlaub zu Fahren. Michael entschloss sich schließlich für Afrika. Also Flogen sie gemeinsam nach Nigeria. Der Urlaub begann wunderbar. Sie hatten Glück und das Wetter ließ sich Aushalten. Sie lebten in einem Bungalow auf einer großen Farm. Jedoch bei einem Ausflug in die Wüste, die mit Übernachtung sein sollte wurden sie von Einheimischen Rebellen gefangen genommen und in ein Wüstenlager gebracht. Margarete und Dirk wurden von Michael getrennt und in einer kleinen Hütte gefangen gehalten. Während ihrem Zweiwöchigen Aufenthalt gab es mehrere Aufstände und versuchte Befreiungen von Seiten der Regierung. Doch das einzige was dabei herauskam waren noch mehr gefangene und teilweise schwerverletzte Rebellen. Da Michael der Einzige Arzt war musste er sich um alle Kümmern. Margarete und Dirk sah er nur selten. Bei einem seiner kurzen besuche bei ihnen bemerkte er das Margarete starkes Fieber hatte. Sofort untersuchte er sie doch bevor er etwas tun konnte wurde er von den Rebellen weggezogen. Sie drohten ihm seinen Sohn zu erschießen falls er sich weigere. Als sie endlich befreit wurden bestand er darauf das Margarete in Deutschland behandelt wurde. Er wollte so schnell wie Möglich zurück. Unterwegs verzweifelte er fast weil er zusehen musste wie es ihr von Minute zu Minute immer Schlechter ging und er ihr nicht helfen konnte. In Deutschland angekommen Starb Margarete. Als sie die Klinik erreichten Atmete sie bereits nicht mehr. Für Michael und Dirk war es fast unmöglich ihren Tod zu Akzeptieren. Nur wenige tage nach der Beerdigung war er mit Dirk auf dem Weg in ihre Berghütte. Er wollte weg von allem. Weg von dem haus das ihn an Margarete erinnert und weg von seinen Kollegen die ihm nicht Helfen konnten. Auf dem Weg dorthin viel er immer wieder in den gefährlichen Sekundenschlaf. Es war Nacht und Dirk schlief auf der Rückbank als er von der Straße abkam und in ein entgegenkommendes Fahrzeug Raste. Er selber erwachte erst in der Klinik wieder. Für Dirk kam jede Hilfe zu Spät. Er war sofort Tod. Für Michael war das dass ende. Er gab sich auf und stürzte in sich zusammen. Er wunde Grantig und hatte oft schlechte Laune die er alle spüren ließ. Die Ärzte sagten ihm immer wieder er könne Laufen wenn er nur wolle doch Michael hatte seinen Lebenswillen verloren und sah es nicht ein sich anzustrengen da es, seiner Meinung nach, eh nichts brachte. Seine Kollegen hatten ihn oft besucht doch nach und nach wurden die Besuche weniger. Keiner wollte sich mehr seine Schlechte Laune anhören. Nur Thomas besuchte ihn weiterhin regelmäßig und ließ alles über sich ergehen. Bis zu diesem Nachmittag eben.
Seid dem hatte er nichts mehr von seinem Freund gehört. Er wusste nicht wo er war und was er tat. ``Denkst du schon wieder an Michael?´´ Erschrocken sah Thomas auf. Langsam nickte er dann. Biggi setzte sich neben ihn. ``Ihm geht es bestimmt gut. Mach dir nicht so viele Sorgen´´ bat sie. Thomas lachte ironisch auf. ``Zu erst werden sie entführt und er sieht Margarete und Dirk so gut wie nie, wieder in Deutschland stirbt sie und er baut einen Unfall, wegen Schlafmangel, bei dem sein Sohn Stirbt. Meinst du nicht das dass etwas viel auf einmal ist?´´ ``Ja schon aber du merkst doch wie er sich aufführt. Außer dir hat ihn in den letzten Wochen keiner mehr Besucht.´´ ``Ja ich weiß aber ich möchte ihm so gerne Helfen. Ich weiß nur nicht wie. Und im Moment weiß ich ja noch nicht mal wo er ist.´´ ``Bitte Thomas mach dich nicht fertig. Ich brauche dich´´ zärtlich strich sie ihm über die Wange und gab ihm einen zarten Kuss auf die Lippen. Er erwiderte den Kuss Liebevoll. Biggi merkte jedoch das er noch immer mit seinen Gedanken bei Michael war.
Dieser saß zu der Zeit am Strand von Sylt. Früher war er oft mit Margarete und Dirk hier gewesen als dieser noch ganz klein war. Sie hatten hier ein kleines Häuschen, ziemlich nah am Meer in das er gefahren war nachdem er aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Es war mühsam für ihn alleine klar zu kommen doch er biss die zähne zusammen und hielt durch. Er wollte keine Hilfe annehmen, er wollte alleine sein. So konnte ihn niemand wie einen Behinderten behandeln und er konnte sich in ruhe in seinem selbstmitleid vergraben ohne das ihm jemand permanent das Gegenteil beteuerte.
Als er mal wieder in seinem Rollstuhl über den Damm fuhr und aufs Meer hinaus sah kam ihm eine Junge Joggerin entgegen. Als er sie bemerkte sah er ihr entgegen. Sie hatte Eine Blaue Sporthose an und darüber ein Ärmelloses Shirt. Eine Sweatshirtjacke hatte sie um die Hüften gebunden. An ihrem Handgelenk sah Michael ein kleines Gerät in dem er einen MP3-Plaer vermutete da ein Kabel zu ihren Ohren führte. Sie sang leise mit und bemerkte ihn erst kurz bevor sie vor ihm stand. Als Michael merkte das sie ihn an sah richtete er seinen Blick wieder aufs Meer. Es war ihm unangenehm das sie ihn beobachtete. Ohne etwas zu sagen lief die Joggerin an ihm vorbei. Michael drehte sich noch einmal zu ihr um. Im selben Moment drehte auch sie sich um. Sofort sah Michael wieder aufs Meer.
Eine Viertelstunde später fuhr er wieder in das kleine Haus. Da es nicht für einen Rollstuhl geeignet war war es sehr mühsam für ihn sich zu bewegen. Das machte ihn nur noch wütender.
Vier Tage später zog eine Familie mit Kindern in das Haus neben an. Als Michael ihr Glückliches lachen hörte musste er an Dirk denken. Sofort Hasste er die Kinder weil sie noch Glücklich Lachen konnten während sein Sohn Tod war. Sooft er konnte schimpfte er über die Kinder obwohl diese sich wirklich mühe gaben leise zu sein um ihn nicht zu stören. Meistens fuhr Michael dann sauer wieder ins haus. Dieses hatte er inzwischen Rollstuhlgerecht umbauen lassen da es anders nicht mehr ging. Es war zu mühsam für ihn. Als der ball der Kinder wieder einmal zu ihm in den garten viel fuhr er zu diesem, hob ihn hoch und nahm ihn mit ins haus. Die Beiden Mädchen standen am Zaun und beobachteten Ängstlich die Terrassentür. Als Michael wiederkam war der Ball kaputt. Er hatte ihn Zerstochen. Wütend warf er ihnen den ball zu. ``Wenn ihr nicht wollt das alle eure Sachen so enden haltet sie von meinen Grundstück fern.´´ Sofort rannten die Mädchen weinend zu ihrem Vater. ``Er hat ihn Kaputt gemacht´´ sagte die kleine Schluchzend. ``Was fällt ihnen eigentlich ein? Das sind Kinder die nur Spielen. Es tut ihnen Leid wenn der Ball in ihren Garten fällt aber verhindern kann man das nun mal nicht.´´ ``Dann sollen sie halt ohne Ball spielen, oder an Meer gehen´´ Michael machte abwehrende Handbewegung. ``Meine Frau kann wegen dem Baby aber nicht an den Strand. Und ich will sie hier im Moment nicht alleine Lassen. Und alleine an den Strand können sie auch nicht.´´ erklärte der Familienvater doch Michael Interessierte das nicht. Bevor er im Haus verschwand drehte er sich noch einmal um. ``Und sorgen sie dafür das ihre Gören nicht so rumschreien.´´ Der Mann nahm seine Töchter auf den Arm und ging zurück ins Haus. Die Terrassentür machte er fest zu.
Wenn er alleine war viel all die Härte von ihm ab. Dann kam der alte Michael zum Vorschein. Im ganzen haus hatte er Spielsachen von Dirk verteilt. Außerdem standen überall Bilder von ihnen als noch alles in Ordnung war. Oft saß er dann da und Weinte leise während er die Bilder betrachtete. Manchmal kam dann aber auch die Wut auf sich selber und auf seine Kollegen.
Er ging immer Seltener aus dem Haus. Die Türen und Fenster ließ er geschlossen. Er konnte einfach nicht mehr. Er vermisste Margarete und Dirk und gab sich immer mehr die Schuld an ihrem Tod. Er verkraftete es nicht mehr ohne sie Leben zu müssen.
Als Michael eines Morgens aufwachte hatte er gleich ein Komisches Gefühl. Draußen regnete es und er hatte Schlechte Laune. Er hatte im Traum immer wieder Dirk gesehen der ihn beschimpfte. Noch immer Müde und Lustlos zog er sich in seinen Rollstuhl und machte sich auf den Weg ins Bad. All das, über das man normalerweise nicht nachdachte bereitete ihm jetzt Schwierigkeiten. Nachdem er im Bad fertig war machte er sich auf den weg in die Küche. Dafür musste er jedoch die Treppe runter. Vorsichtig schob er sich auf den Boden. Der Rollstuhl blieb oben stehen. Langsam rutschte er nun Stufe für Stufe nach unten. Doch Plötzlich verlor er das Gleichgewicht und viel die Treppe herunter. Am Fuß der Treppe blieb er regungslos liegen.
Zur Gleichenzeit stand Lana vor Michaels Haus. Sie war das kleinere der beiden Nachbarsmädchen und gerade erst Sechs geworden. Ihr gefiel das haus sehr da es sie an ein Märchenhaus erinnerte. Eigentlich mochte sie auch den Mann der hier wohnte doch da er immer so Böse zu ihr und ihrer Schwester war hatte sie etwas Angst vor ihm. Seid ein paar tagen hatte sie ihn nun nicht mehr gesehen und immer wieder hatte sie überlegt ob sie einfach in den garten Schleichen sollte. Sie wollte so gerne mal in das Haus sehen. Was war aber wenn der Mann doch da war? Schließlich Atmete sie noch mal tief durch und öffnete das Gartentürchen. Langsam und Leise schlich sie auf die Haustür. Immer wieder sah sie sich um. Vorsichtig drückte sie die Türklinke runter und als die Tür sich öffnete Schlüpfte sie hinein. Verwundert sah sie sich um. Überall lag Spielzeug und an den Wänden hingen jede Menge Bilder von einer Frau und einem Jungen. Auf manchen war auf der Mann zu sehen. Als sie in den Flur kam blieb sie erschrocken stehen. Am Boden lag der Mann und bewegte sich nicht. Sie lief zu ihm und schüttelte ihn doch er zeigte keine Reaktion. Suchend sah sie sich um. Seid ihre kleine Schwester auf der Welt war kannte sie die Notruf Nummer. Als sie nun das Telefon gefunden hatte wählte sie diese und wartete. Als sich eine Freundliche Stimme am anderen Ende meldete sagte sie ihr wo sie war und was Passiert war. Es dauerte keine 5 Min. bis sie den Krankenwagen hörte. Sie lief nach Draußen und zeigte den Sanitätern wo sie hinmussten. Ihr Vater, der sie mittlerweile suchte, rief sie nun zu sich und nahm sie auf den Arm. Gemeinsam sahen sie nun zu wie Michael in den Krankenwagen gebracht wurde. Als sie die Klinik erreichten war Michael wieder bei Bewusstsein. In der Jungen Ärztin die ihn in Empfang nahm erkannte er die Joggerin vom Damm.
Eine Woche Später:
``Guten Morgen die Herren, wie war die Nacht?´´ ``danke sehr gut aber mir gefällt der Morgen wesentlich besser´´ antwortete der Mann im ersten Bett und Lächelte die Gutaussehende Ärztin Charmant an. Michael machte nur ein spöttisches Gesicht. Als die Ärztin ihn an sah antwortete er ``Dunkel, vermute ich mal´´ Die Ärztin lachte und ging zu ihm. Nachdem sie sich sein Krankenblatt angesehen hatte überprüfte sie noch Michaels Werte. Dabei sah sie ihm immer wieder ins Gesicht. Michael wich ihrem Blick jedoch aus. ``Herr Schnall, sie werden gleich zum ZT abgeholt.´´ ``Ist gut Fr. Dr. Thaler.´´ nickte der angesprochene. Keine zwei Minuten Später kam bereits eine Schwester und holte ihn mit dem Rollstuhl ab. ``So Herr Lüdwitz, kommen sie Bitte?´´ Dr. Thaler stellte ihm den Rollstuhl neben sein bett und trat einen schritt zurück. Michael sah nicht sehr begeistert aus doch er sagte nichts. Als er in seinem Rollstuhl saß fuhr Dr. Thaler ihn zum Aufzug. Als sie unten angekommen waren brachte sie ihn in eine Hintere Ecke des Parks. Von den Hauptwegen aus konnte man sie jetzt nicht sehen.
``Was sollen wir hier?´´ ``Reden´´ ``Ich will zurück in auf mein Zimmer´´ ``Und dann? Fahren sie morgen nach Hause und wie geht es dann weiter? Es hat sie hier niemand Besucht. Wer holt sie morgen nach Hause? Wer kümmert sich um sie?´´ ``Es gibt für mich kein zu Hause mehr. Und ich brauche niemanden, ich komme alleine Klar.´´ antwortete er hart. Dr. Thaler lehnte sich zurück und beobachtete wie Michael unruhig seine Hände Knetete und auf seine Knie starte. ``Wissen sie, ich bin nun schon sehr lange Ärztin und ich merke es ziemlich schnell wenn jemand unglücklich ist. Mir ist es wichtig den Menschen zu helfen doch dafür müssen diejenigen auch etwas tun. Wenn meine Patienten nicht wollen das ich ihnen Helfe kann ich nichts für sie tun.´´ Michael sah kurz an. Das was er da hörte erinnerte ihn an sich selber. So hatte er früher immer geredet. Doch seid dem Tod seiner Familie tat er das nicht mehr. Er schwieg während Dr. Thaler ihn beobachtete. Schließlich stand sie auf und brachte ihn zurück in sein Zimmer. Ohne ein weiteres Wort ging sie dann. Michael sah ihr eine weile nach und fuhr dann zum Fenster. Warum konnte er nicht über seinen Schatten Springen? Dr. Thaler gab sich soviel mühe, immer wieder fing sie Gespräche an die er, so wie gerade eben, hart abblockte. Während er da saß sah er wie Dr. Thaler die Klinik verließ. Sie ging zu ihrem Auto und schloss es auf. Bevor sie jedoch einstieg drehte sie sich noch einmal um und sah zu ihm hoch. Traurig fuhr Michael zu seinem Bett und hievte sich hinein. Mit dem Gipsarm, den er seid seinem Sturz hatte, war das jedoch noch Schwerer als vorher. Als er endlich auf seinem Bett lag begann er nach zu denken. Dadurch das er allen um sich herum weh tat tat er doch nur sich selber weh. Seine Kollegen waren mal seine Familie gewesen, hatten ihn unterstützt während der Trennung von Margarete und auch nach ihrem und Dirks Tod hatten sie sich um ihn gekümmert. Er konnte sie verstehen. Wenn sich ein Freund ihm gegenüber so verhalten hätte wie er es getan hatte hätte er ihn auch nicht mehr besucht.
Am nächsten Morgen brachte ein Taxi ihn zu seinem Haus. Der Fahrer brachte ihm seinen Rollstuhl und wollte ihn auch noch hinein bringen doch Michael werte dies ab. Er gab ihm Trinkgeld und verabschiedete sich. Langsam fuhr er dann in das Leere, kalte Haus. Er wollte gerade ins Wohnzimmer als es an der Tür klopfte. Verwundert drehte er um und fuhr zur Tür. Davor stand Lana. ``Hallo, geht es dir wieder gut?´´ wollte sie wissen und gab ihm ein Sträußchen selbstgepflückter Blumen. Michael nahm diese verdutzt entgegen. ``Woher weißt du das ich Krank war?´´ ``na ich hab dich doch gefunden´´ Lana sah ihn an als währe das selbstverständlich. ``Du? Und was hast du in meinem Haus gemacht?´´ Etwas heftiger als er wollte fuhr er sie an. Lana wich etwas zurück. ``Ich... Ich wollte doch nur´´ ``Entschuldige, ist schon gut. Vielen Dank. Möchtest du reinkommen?´´ sagte Michael schnell. Ihm tat es leid das er die kleine so angefahren hatte. Lana zögerte einen Moment, nickte dann jedoch. Michael fuhr vor ins Wohnzimmer und Lana kam ihm nach. Sie setzte sich aufs Sofa und sah sie um. ``Wer ist das auf dem Bild?´´ wollte sie dann wissen. Michael senkte den Kopf. Warum musste sie ihn ausgerechnet danach fragen. ``das ist Dirk, und das da Margarete. Mein Sohn und meine Frau.´´ ``Und wo sind die beiden? Ich hab sie hier noch gar nicht gesehen´´ ``Sie sind Tod´´ antwortete Michael knapp und fuhr zur Terrassentür. Lana km ihm nach, nahm seine Hand in ihre und sah ihn an. ``Meine Schwester wird auch Sterben, und meine Mama´´ Erschrocken sah Michael sie an. ``Warum den das?´´ Lana setzte sich neben ihn auf den Boden. ``Das Baby ist noch in Mamas Bauch aber da geht es ihm gar nicht gut und wenn es rauskommt stirbt Mama und das Baby vielleicht auch.´´ Michael sah auf das Sechsjährige Mädchen hinunter. Sie wirkte total normal. ``Hast du den keine Angst?´´ ``Wovor? Ich kann Mama nicht Helfen, ich kann nur bei ihr sein und ihr zeigen wie lieb ich sie hab.´´ ``geht ihr deswegen nie an den Strand?´´ ``ja, wenn Mama viel Läuft stirbt das Baby und alleine bleiben mag sie nicht.´´ Plötzlich sah sie ihren Vater der über den Zaun sah und sie suchte. ``Ich muss jetzt gehen. Tschüss´´ Sie gab ihm einen Kuss auf die Wange und verschwand durch die Haustür. Michael sah nachdenklich hinüber zu dem Zaun. Die kleine Lana war erst Sechs und wusste das ihre Mama vielleicht sterben musste doch sie war nicht sauer oder Traurig. Er bewunderte sie und es tat ihm Leid wie er sie und ihre Familie behandelt hatte. Er dachte an Margarete und Dirk und ihm wurde klar das es so nicht weiter gehen konnte. Margarete und Dirk würden nicht wiederkommen auch wenn er sich vergrub und sich die Schuld gab. Es war Bald Weihnachten, das erste Weihnachtsfest das er ohne Margarete und Dirk verbringen würde doch er wollte nicht alleine sein. Er wollte nicht einsam vor einem schönen tannebaum sitzen. Langsam drehte er sich um und begann die Spielsachen von Dirk aufzusammeln. Dann nahm er ein paar der Bilder und legte sie ebenfalls in eine Kiste. Die Schönsten ließ er hängen. ``hallo?´´ ``ich bin hier rief Michael. Kurz darauf stand die Ärztin vor ihm. Michael fuhr zu ihr. ``Hallo, was tun sie den hier?´´ ``ich wollte sehen wie es ihnen geht.´´ Danke mir geht es gut, möchten sie etwas trinken?´´ ``Ja gerne, ich heiße übrigens Karin´´ ``Michael´´ antwortete dieser und holte zwei Gläser und eine Flasche Saft. Karin sah ihm verwundert dabei zu. Der Grantige Michael aus dem Krankenhaus war nicht wieder zu erkennen. ``ist irgendwas passiert?´´ ``Nein warum?´´ ``Sie sind so... Freundlich´´ Michael lachte und es war das erste mal das Karin ihn lachen hörte. Ihr gefiel sein lachen. ``Ein kleines Mädchen war vorhin bei mir. Sie hat mir gezeigt das es nichts bringt traurig oder sauer zu sein. Wissen sie Meine Frau und mein Sohn sind kurz nacheinander gestorben. Seid dem war ich so wie sie mich kennen gelernt haben. Nachdem ich aus dem Krankenhaus kam bin ich hier her gefahren. Ich wollte nicht zu meinen Freunden. Ich habe mir die Schuld an dem Tod der beiden gegeben und der ganzen Welt. Aber außer das ich immer alleine war hat mir das nichts gebracht. Das habe ich vorhin erkannt und beschlossen mein Leben zu ändern. Ich versuche es zumindest´´ er lächelte die überraschte Karin an. Diese zuckte dann nur die Schultern und nahm das Glas entgegen das er ihr gab.
Am nächsten Morgen fuhr Michael zum Nachbarhaus und klingelte. ``Ach sie sind es, wo bleibt den der Krankenwagen?´´ hastig sah der Mann die Straße rauf und runter. ``Ist etwas passiert?´´ ``Ja meine Frau, sie hat Starke schmerzen. Was wollen sie eigentlich?´´ ``ich wollte mich dafür entschuldigen das ich sie so schlecht behandelt habe. Wo ist ihre Frau den?´´ Michael war dem Mann in den Flur gefolgt. ``Oben´´ antwortete dieser und verschwand auf der Treppe. Michael sah ihm nach. Oben hörte er eine Frau schmerzerfüllt schreien. Im Wohnzimmer sah er die beiden Mädchen. Lana kam zu ihm gelaufen als sie ihn sah. ``Bitte Hilf Mama, du warst doch mal Arzt. Bitte sie Stirbt sonst und das Baby auch´´ verzweifelt sah sie ihn an. ``Woher weißt du den das schon wieder?´´ ``Ich hab in deinem Wohnzimmer ein Bild gesehen da hattest du so ein Ding um den Hals und einen Roten Anzug an. Bitte Hilf ihr´´ ``Was ist den hier los?´´ Karin stand in der offenen Tür. Michael drehte sich zu ihr um. ``Gut das sie da sind, sie müssen oben Helfen.´´ ``ja kommen sie schnell sonst stirbt meine Mutter´´ Lana sah die Frau bittend an. Sofort lief Karin zu ihrem Wagen und kam mit ihrer Tasche wieder. Sie folgte Lanas Schwester nach oben. Nur ein Paar Min. Später erschien sie wieder. ``ich brauche ihre Hilfe Michael.´´ ``Aber...´´ er deutete auf seine Beine doch da war Karin schon wieder verschwunden. Lana hatte nun Tränen in den Augen. Michael atmete tief Durch und zog sie langsam am Treppen Geländer hoch. Vorsichtig setzte er einen Fuß vor den Anderen. Plötzlich spürte er einen Stechenden Schmerz im Bein doch als er Lanas Strahlende Augen sah verdrängte er diesen. Es dauerte eine weile bis er oben war doch er schaffte es. Als sie ins Schlafzimmer kamen sahen sie Karin am Fuße des Bettes. Lanas Mutter Nicole lag Bewusstlos in ihrem Bett. Ihr Mann saß neben ihrem Kopf. Auf der anderen Seite saß Jenny, Lanas ältere Schwester. Lana lief nun sofort zu ihrer Mutter und Michael zu Karin. ``Was ist los?´´ ``Das Baby liegt mit dem Kopf nach unten und hat die Nabelschnur um den Hals. Markus hat mir gesagt das sich unter der Plazenta ein Blutgerinnsel gebildet hat. Vor einigen Wochen schon, seid dem leben sie mit der Angst das sie das Baby verliert. Durch die Schmerzen ist sie bewusstlos geworden. Ich hab eben mit der Klinik Telefoniert. Sie hatten einen Großeinsatz und es dauert noch eine weile bis der RTW da sein Kann. Das Baby muss schnellstens Raus.´´ erklärte Karin während sie den Bauch abtastete. Michael nickte sofort. Er bat Markus mit seinen Töchtern rauszugehen und bereitete dann alles vor. Da es schnell gehen musste und sie keine Zeit mehr hatten beeilten sie sich. ``Stopp Michael, es kommt´´ rief Karin Plötzlich da sie das Köpfchen sah. Sofort war Michael bei ihr. Das Kind kam ziemlich schnell. Karin entfernte sofort die Nabelschnur vom hals und überprüfte die Vitalfunktionen. ``Keine Atmung´´ sagte sie und begann mit den Wiederbelebungs- Maßnahmen. Plötzlich hustete und Schreite das kleine. Karin und Michael sahen sich erleichtert an. Während Michael nun das Baby nahm und in ein Handtuch wickelte kümmerte Karin sich um Nicole. Nachdem Michael den kleinen Versorgt hatte ging er mit ihm nach Unten zu den beiden Mädchen und ihrem Vater. Gleichzeitig traf der RTW ein. Die beiden Rettungssanitäter verschwanden sofort nach oben. Nach ca. 15 min. war Nicole Transport fähig. Sie wurde zusammen mit ihrem Sohn in den RTW gebracht. Markus fuhr mit seinen Töchtern nach. Karin Räumte noch etwas auf und kam dann herunter zu Michael der auf dem Sofa saß. Sein Gesicht war Schmerz verzehrt. ``Was ist den mit dir los?´´ wollte Karin wissen. ``Meine Beine´´ japste Michael. Karin musste etwas Lachen, entschuldigte sich jedoch sofort dafür. Sie brachte ihn in seine Wohnung und gab ihm ein Schmerzmittel.
Zwei tage später kamen Markus mit seine Töchtern vorbei. Karin öffnete ihnen die Tür. Im Wohnzimmer brannten die vier Kerzen am Adventskranz. Michael saß mit einer Decke auf dem Sofa. Die Beine hatte er hochgelegt. Vor ihm auf dem Tisch stand ein Teller mit Keksen und zwei Tassen aus denen es leicht dampfte.
``Wer ist es den Karin?´´ Wollte Michael wissen doch im nächsten Moment kam Lana schon um die Ecke. Sie lief zu Michael und viel ihm um den Hals. ``Mama und Lucy geht’s gut´´ rief sie und gab ihm stürmisch einen Kuss auf die Wange. Michael lachte und nahm sie in den Arm. Kurz darauf kamen auch Jenny und Markus herein. Gefolgt von Karin die noch drei Tassen mitbrachte. ``Vielen dank an sie beide. Meiner Frau und unserem Sohn Lucas geht es den Umständen entsprechend richtig gut. Nicole wird leider über die Feiertage in der Klinik bleiben müssen. Lucas darf aber in zwei tagen schon nach Hause. Er ist zwar ein kleines Frühchen aber so Fit das die Ärzte keine bedenken haben´´ Er gab Michael und Karin die Hand. Lana ging zu ihrem Vater und Flüsterte ihm etwas ins Ohr. Er lächelte und nickte dann. ``Michael darf mit uns Feiern´´ rief Lana begeistert. Michael sah verdutzt auf und wollte abwehren doch dazu hatte er gar keine Möglichkeit. ``Sie dürfen natürlich auch mitfeiern´´ sagte Markus an Karin gewand was diese gerne annahm.
Und so Feierten sie vier Tage später gemeinsam Weihnachten. Karin hatte es geschafft das Nicole nach Hause durfte und sie hatte Michael davon überzeugt endlich die Therapie wieder aufzunehmen. Als die Kinder spät am Abend im Bett waren verabschiedeten sich Karin und Michael. ``Kommst du noch mit zu mir?´´ fragte Michael und sah sie von unten an. Karin lachte. ``Seid wann Duzen wir uns?´´ wollte sie wissen. Michael zuckte die Schultern. ``ich Liebe dich und will dich nicht Siezen´´ antwortet er dann. Karin wurde ernst. ``Du Liebst mich?´´ Michael merkte erst jetzt was er gesagt hatte. Er senkte den Kopf und sah auf seine Knie. Bisher hatte er sie große mühe gegeben seine Gefühle zu ignorieren. Karin hockte sich vor ihn und hob seinen Kopf an. Etwas unsicher sah Michael sie an. Vorsichtig und zögernd näherten sich ihre Gesichter und schließlich Küssten sie sich Zärtlich.
Ende teil 1
Copyright 21.12.05: Mareike