Aufregung, Gefahr und Spaß auf dem Weg ins neue Jahr
Mitspielende:
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Dr. Karin Lüdwitz |
Dr. Michael Lüdwitz |
Dirk Lüdwitz |
Lisa Wächter |
Laura Wächter |
Thomas Lüdwitz |
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Gina Harland |
Dr. Mark Harland |
Mercedes Harland |
Andrés da Viega |
Julio da Viega |
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Biggi Cortini |
Enrico Cortini |
Gabriella Cortini |
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Stella Berger |
Peter Berger |
Oliver Berger |
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Anna Köster |
Jens Köster |
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Gunnar E. Höppler |
Max |
Florian Lenz |
Corinna Bartsch |
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Ralf Staller |
Rebekka Rabe |
Gonzo |
Irgendwo in Hamburg
Er schaute zum Fenster und überlegte, wie er dieses Jahr ausklingen lassen würde. Die anderen Jahre waren er und seine Freundin zu ihrer Familie gewesen oder die bei ihnen. Aber irgendwie verspürte er dieses Jahr darauf keine Lust. Vielmehr interessierte ihn, was wohl die ehemaligen Kollegen machten. Ja, schon fünf Jahre waren, seit seinem Weggang verstrichen. Sicher hatte sich vieles ereignet. Bloß eine Frage blieb, wie sollte er Rebekka klar machen, dass er dieses Mal nach Traunstein wollte, um Weihnachten und Sylvester bei den Freunden zu verbringen. Eine harte Nuss hatte er sich da gestellt.
Traunstein
Max saß über einem Teil von Biggis Maschine und tüftelte, was wohl diesmal wieder Bruch gegangen war. Irgendwie hatten die Crews es damit, kurz vor Weihnachten etwas zu beschädigen, selbst, wenn sie es waren. Auch dieses Jahr hatte es wieder jemanden erwischt. Verschmitzt schaute der Mechaniker hoch und betrachtete Florian, wie er mit einem Schraubenschlüssel spielte. Der Sanitäter hatte den linken Arm im Gips. Ein Grund, warum Biggi hier war. Ihr Mann Enrico sprang für den verletzten Kollegen ein. Der andere war natürlich die Tatsache selbst, dass Weihnachten vor der Tür stand. Florian war langweilig und er seufzte vernehmlich.
"Ah, nerv mich nich. Geh zu den anderen. Die kleinen Rabauken freuen sich.", meinte Max und macht eine Scheuchbewegung mit der Hand ohne Florian anzusehen. Florian zog einen Schmollmund und erhob sich. Langsam trottete er aus dem Hangar. Im Aufenthaltsraum erwartete ihn heiteres Gelächter. Biggi, Karin und Gina saßen auf der Couch und unterhielten sich angeregt. Vor ihnen auf dem Boden lag eine Decke, auf denen zwei kleine Mädchen und ein kleiner Junge mit Kuscheltieren schmusten. Ein Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus. Süß waren die kleinen Rabauken auf jeden Fall, aber auch unheimlich anstrengend. Thomas, der kleine Junge, sah ihn und krabbelte sofort munter auf ihn zu. Seine Mutter, Karin, beobachtete sein Tun aus dem Augenwinkel und lächelte, als sie merkte, wo er hin wollte. Der Sanitäter ging in die Hocke und empfing ihn. Vorsichtig nahm er ihn mit dem heilen Arm hoch und spazierte zurück zu Decke. Dort setzte er ihn wieder ab und platzierte sich daneben. Auch die Mädchen kamen begeistert auf ihn zu.
"Ihr sollt den armen Onkel Flo doch nicht immer so belagern.", grinste Gina und nahm die kleine Mercedes auf ihren Schoß. Die braunen Augen des Mädchen sahen ihre Mutter erstaunt an, wurden aber kurz drauf von einem ausgelassenen Jauchzer abgelöst. Die kleinen Händchen streckten sich nach dem auf dem Boden sitzenden jungen Mann aus.
"Du wirkst wirklich sehr anziehend auf kleine Damen, Flo.", stellte Biggi schmunzelnd fest. Ihre kleine Gabriella saß auf seinem Schoß und kuschelte mit ihm, wie sie es sonst nur mit ihrem Daddy tat. Flo wurde leicht rot und zuckte unschuldig mit den Schultern.
"Ich weiß auch nicht, was sie an mir finden.", verkündigte er mit ungläubigen Gesicht. Die drei Mütter lachten laut los und Gina setzte ihr Töchterchen wieder auf die Decke. Jedoch krabbelte sie nicht wie erwartend zu Flo, sondern in Richtung Tür, wo Mark das Schauspiel in Seelenruhe zu beobachten schien. Gina sah ihn überrascht an.
"Wie lange stehst du denn da schon?", fragte sie und stand auf, um zu ihn zu gehen. Unter ihrem Pulli zeichnete sich nun, wo sie stand ein kleines Bäuchlein ab. Mark kam auf sie zu und nahm auf den Weg seinen kleinen Engel auf den Arm. Mercedes schmiegte sich an die Schulter ihres Vaters und schloss mit einem Lächeln die Augen. Der Notarzt umarmte seine Frau und drückte ihr einen sanften Kuss auf die Stirn.
"Michael meint, ich soll euch holen."
Karin sah ihn mit überraschten Blick an und auch Biggis und Flos Gesichter blickten verblüfft.
"Schon fertig?", fragte Biggi das, was alle dachten. Mark grinste und nickte zufrieden. Gina holte die Jacken und verteilte sie an alle. Warm eingepackt führte Mark alle hinaus, wo Peter, Enrico, Höppi und Michael bei einer großen Tanne standen, die wunderschön geschmückt war. Die roten und silbernen Kugel glänzten im Licht der Sonne.
"Oh, Mann. Das ist wunderbar. Sieht echt geil aus.", verlieh Flo seinem Erstaunen Ton und die Damen nickten mit offenen Mündern.
"Gratuliere, wieviel ist denn zu Bruch gegangen?", wollte Biggi wissen, nachdem sie sich wieder gefasst hatte. Ihr flog ein böser Blick aus Richtung Enrico zu, doch sie lächelte ihn nur zuckersüß an und warf ihm einen Kuss zu.
"Gar nichts, meine Damen.", verkündigte Höppi ernst. Michael war inzwischen zu Karin geschlendert und hielt sie und Thomas nun im Arm. Der kleine Mann lachte vergnügt und sauste mit seinen kleinen Händchen durch die Haare des Papas, was allen ein Lachen entlockte.
"Euch ist jetzt bestimmt ziemlich kalt, oder?", fragte Gina mit verführerischen Blick zu Mark. Dieser lächelte geheimnisvoll, wurde aber von einem lauten "Ja.", welches von Peter kam, in seinen Gedanken unterbrochen. Wieder lachten alle und machten sich zusammen auf den Weg zum Gebäude. Im Aufenthaltsraum platzierten sich die Herren um den Tisch und bekamen heißen Tee serviert. Glücklicherweise hatten sie heute keinen Dienst, so dass sie es sich richtig gemütlich machen konnten.
"Noch zwei Wochen, dann ist es soweit. Weihnachten steht vor der Tür. Wie wollen wir das mit den Geschenken machen?", erkundigte sich Michael, der nun auf der Couch saß und Karin im Arm hielt. Die hatte ihren Kopf auf seiner Schulter und die Augen geschlossen. Auf seine Frage gab sie nur ein leises "Hm" von sich und Michael küsste sie leicht auf die Stirn. Ein Lächeln glitt über ihr Gesicht.
"Weiß nicht, vielleicht sollten wir Julklap machen und dann noch so unter den Familien natürlich.", schlug Enrico vor, während Biggi hinter ihm stand und ihn massierte. Plötzlich wirbelte etwas in den Raum und auf Peter zu.
"Papa!", rief der kleine Wirbelwind und saß zwei Sekunden später auf seinem Schoß. Verschmitzt blickte er unter der blauen Wollmütze vor, die ihm bis kurz über die Augen gerutscht und voller Schnee war.
"Hey, Großer. Wo hast du Mama gelassen?", fragte Peter und schaute an ihm vorbei zur Tür. Der Kleine zog einen Schmollmund und drehte beleidigt den Kopf zur Seite. Peter musste daraufhin lachen und gab ihm den erwarteten Kuss. Nun grinste Oliver wieder frech und verkündigte:
"Kommt gleich. Wollte den Baum bestaunen."
Ein Grinsen ging durch die Runde der Anwesenden. Gina, die auf Marks Schoß saß und ihren Kopf an seine Schulter gelegt hatte, meinte lächelnd:
"Ja, eure tolle Arbeit ist ja schon von weitem zu sehen."
"Danke!", flüsterte Mark, zog sie näher an sich und die beiden versanken in einem zarten Kuss.
"Meine Güte, was ist denn das hier für eine müde Bargage?", wollte Stella wissen, als den Aufenthaltsraum betrat. Abgesehen von Karin, Michael, Gina und Mark lag auch Florian auf der Decke und an ihn gekuschelt die drei kleinen, alle Augen zu. Sie ging zu Peter und gab ihm einen Kuss.
"Gute Arbeit habt ihr geleistet.", lobte sie ihn und er grinste wie ein Honigkuchenpferd. Anschließend begrüßte die junge Italienerin ihren Bruder und dessen Frau.
Hamburg
"Aber, Schatz, dann müssen wir so lange fahren.", versuchte sie ihn von seinem Vorhaben abzubringen. Sie hatte keine Lust in den Tiefen seiner Vergangenheit zu wühlen, nur weil er Lust hatte sich nach so langer Zeit mal wieder bei den Kollegen zu melden.
"Wir können auch fliegen und uns dort ein Auto mieten. Jetzt sei doch nicht so. Mich interessiert eben, was aus ihnen geworden ist.", brachte er weitere Pros für seine Seite.
"Das versteh ich ja, aber warum ausgerechnet zu Weihnachten. Lass uns sie doch im Februar besuchen. Dann können wir gleich einen Skiurlaub anschließen." Sie blieb hartnäckig. Er seufzte schwer. Er wusste, dass er viel Überzeugungsarbeit zu leisten hatte, aber das es so schlimm werden würde, hatte er nicht geahnt. Nun blieb ihm nur noch ein strategischer Handgriff.
"Na gut, dann fährst du zu deinen Eltern und ich nach Traunstein. Für mich steht fest, dass ich dieses Weihnachten mit meinen Freunden verbringen möchte. Wenn du nicht interessiert bist, auch mal etwas mehr über mich zu erfahren, tut es mir leid.", meinte er schulterzuckend und wollte die Küche verlassen.
"Aber, Ralf."
"Kein aber, Rebekka. Meine Entscheidung steht fest. Entweder bist du dafür oder dagegen. Ich werde übermorgen fahren. Bis dahin kannst du es dir noch überlegen." Mit diesen Worten ging er. Nun war sie es, die seufzte. Bis jetzt hatte sie es immer geschafft, ihn von solchen Vorhaben abzubringen, jedoch bewies er sich diesmal als sturer. Ralf hingegen war bereits im zweiten Stock in seinem Arbeitszimmer und kramte in einer Schublade der riesigen Anbauwand. Aus der hintersten Ecke kramte er schließlich ein verstaubtes Photoalbum. Grinsend pustete er den Staub runter und wischte dann nochmal mit dem Ärmel drüber. Darunter erschien das Medikopterzeichen. Das Album hatte er von Biggi und Karin zum Abschied geschenkt bekommen. Er blätterte auf die erste Seite. Dort kam ein Photo von den ersten Crews zum Vorschein. Auch Ebelsieder und die damalige Sekretärin waren zu sehen. Alle seine Freunde. Wie lange das nun schon her war. Er strich mit den Fingern über Gabrieles Gesicht. Traurig seufzte er. Wie sehr er diese Frau geliebt hatte, sogar heiraten wollte er sie. Und dann der Unfall. Er erinnerte sich noch zu gut an ihre letzten Worte im Krankenhaus. Ich liebe dich Tränen sammelten sich in seinen Augen. So viel hatte er mit diesen Leuten durchgemacht. Eine Seite weiter waren Bilder von Thomas und ein von ihm geschriebener Text. So zog es sich die nächsten Seiten hin. Alle stellten sich mit Photos und Text vor und schrieben ihm Glückwünsche für die Zukunft. Gabrieles Seite hatte Biggi gestaltet. Sie waren nun mal alle seine Freunde und irgendwie bereute er es, sich seit seinem Weggang nicht bei ihnen gemeldet zu haben. Weitere Photos waren von Geburts-, Feier- oder Freizeittagen, die sie zusammen verbracht hatten. Er war so in das Album vertieft, dass er nicht gemerkt hatte, wie die Tür sich öffnete, so dass er heftig erschrak, als Gonzo sich neben ihn legte und seinen Kopf auf Ralfs Schoß lagerte. Als würde der Golden Retriever ihn verstehen, winselte er leise, als er das Photoalbum mit der Schnauze anstieß.
"Ja, mein Großer. Ich vermisse sie auch." Ralf streichelte über seinen Kopf und Gonzo schloß genüsslich die Augen, während sein Schwanz den Boden fegte. Zwei Tage später saßen die beiden im Auto, alleine. Rebekka war nicht mitgekommen, meinte aber, dass sie eventuell Sylvester nachkommen würde. Gonzo schien genau zu verstehen, wo es jetzt hinging, denn er saß unruhig auf dem Beifahrersitz und schaute Ralf immer wieder an, als würde er fragen "Wie lange noch?". Ralf schmunzelte jedes Mal und meinte:
"Beruhige dich und schlaf etwas. Wir fahren noch mindestens 16 Stunden." Dann schüttelte er den Kopf und strich seinem Hund sanft über den Kopf, was der als Aufforderung sah ihm diese abzuschlecken.
"Du bist ja bald aufgeregter als ich, alter Junge." Daraufhin blaffte Gonzo kurz und schaute wieder auf die Fahrbahn.
Traunstein
Die A-Crew kehrte gerade von einem Einsatz zurück. Als sie ausstiegen, musste die B-Crew sich angestrengt das Lachen verkneifen. Selbst Höppler hatte Mühe seine Mundwinkel unter Kontrolle zu halten. Die drei waren von oben bis unten voll Schlamm und Schneematsch. Corinna, Ginas Vertretung, ging, sich auf die Lippe beißend, auf Jens zu und versuchte ihn ernst anzusehen.
"Was?", blökte er sie an. Daraufhin brach sie in schallendes Gelächter aus, was die anderen mit riss, so dass nun alle außer Mark, Peter und Jens sich vor lachen die Bäuche hielten. Karin musste sich sogar ein paar Lachtränen aus den Augen wischen.
"Tut uns leid, aber ihr seht zum Schießen aus.", lachte Corinna ausgelassen. Jens sah sie böse an, zog einen Schmollmund und im nächsten Moment hatte er sie umfasst. Die blonde Pilotin erschrak und fing an zu strampeln. Sie schrie aus Spaß laut auf und nun lachten wirklich alle.
"Hey, lass sie runter.", bekam Jens von Florian an den Kopf geknallt. Dieser hatte sich nun vor ihm aufgebaut und funkelte ihn gespielt wütend an. Vor Schreck ließ der Pilot die junge Frau los und sie versteckte sich hinter ihrem Retter. Grinsend steckte sie ihm die Zunge raus und er wollt schon los, als Flo seinen eingegipsten Arm hob.
"Du willst doch wohl nicht auf jemanden, der schon verletzt ist, losgehen, oder?", fragte er mit einem Augenzwinkern. Corinna hatte sich inzwischen aus dem Staub gemacht und verschwand mit einem "Bin zu erst unter der Dusche!" im Hangar.
"Na warte, das kriegst du zurück.", schrie er ihr hinterher. Mark war inzwischen zu Gina gegangen, die mit Mercedes auf dem Arm, bei den anderen stand und Mühe hatte sich wieder zu beruhigen.
"Bleib uns fern. Du duscht erst, bevor du uns auch nur ein bisschen anrührst.", zeigte sie mit dem Finger auf hin und er machte ein ganz trauriges Gesicht.
"Dein Dackelblick hilft dir auch nicht, erst Wasser, dann wir." Murrend zog er von dannen, gefolgt von Jens und Peter, der genauso von Stella auf Abstand gehalten worden war.
"Ihr seid doch alle herzlos.", meinte der Sanitäter, als er sich nochmal umdrehte, bevor auch er im Hangar verschwand. Die Damen gingen kopfschüttelnd zurück in den Aufenthaltsraum und brühten schon mal Tee auf, damit ihre Männer sich nicht erkälteten. Höppi hatte sich wieder in seinem Büro verschanzt und bearbeitete die bereits vorhandenen Berichte auf Richtigkeit und Ausführlichkeit. Flo beschäftigte sich zusammen mit Karin mit den vier Kindern und die drei restlichen Mütter warteten, dass die Herren kamen. Doch wieder erwarten erschien Corinna mit Handtuch um den Kopf. Auch sie goß sich einen Tee auf. Draußen hatte es inzwischen wieder angefangen zu schneien. Sogar heftiger als zuvor. Dicke fette Flocken tanzten ihren Weg zur Erde und die Vögel brachten sich in einem selbst gebauten Vogelhaus von Max in Sicherheit, wo sie sich auch gleich die Bäuche vollschlugen. Max saß währenddessen mit dicker Jacke im Hangar und beschäftigte sich mit einem bei dem letzten Einsatz kaputt gegangenen Walkie-Talkie. Als plötzlich etwas feuchtes über sein Gesicht glitt, schreckte er ziemlich zusammen.
"Ja, wer bist du denn?", fragte er den mit dem Schwanz wedelten Golden Retriever.
"Du kannst einen alten Mann wie mir doch nicht so einen Schrecken einjagen, mh?" Er kraulte den Hund hinter den Ohren. Doch der lief bereits in Richtung Tür, welche zum Gebäude führte. Da sie offen stand, schlüpfte er schnell hindurch und war auch schon aus Max‘ Sichtfeld entronnen. Der erhob sich und folgte dem vierbeinigen Besucher. Im Aufenthaltsraum lief der Hund ohne nach links und rechts zu schauen, wodurch er fast Mark und Jens umrannte, schnurstracks auf Biggi zu. Mit einem kurzen Sprung lagen seine Vorderpfoten auf ihrem Schoß und er schleckte ihr schwanzwedelnd übers Gesicht.
"Bäh, Pfui. Was bist du denn für einer?" Sah sie das Tier schmunzelnd an. Dieses legte den Kopf schief und hechelte. Oliver stand sofort neben ihr und streichelte den Hund, doch der sah nur Biggi an. So als würde er warten, dass sie ihn erkannte. Biggi suchte nun unter dem dichten Fell nach dem Halsband. Als sie die Plakette vorzog, wurde ihr Blick überrascht. Doch dann lachte sie und meinte:
"Gonzo! Das ist Gonzo." Sie sprang begeistert auf und schlug sich kurz auf die Brust.
"Komm her, mein Großer." Gonzo verstand den Wink und sprang an ihr hoch, so dass sie ihn nun auf dem Arm hatte. Ausgelassen lachte sie und drehte sich mit ihm, während der Hund immer wieder bellte und mit dem Schwanz wedelte.
"Was machst du hier? Und wo hast du Ralf gelassen?", fragte sie ihn, nachdem sie ihn wieder abgesetzt hatte. Karin kam nun auch auf ihn zu und streichelte ihn. Wieder schleckte er über ihre Hand. Max stand in der Tür und schüttelte ungläubig den Kopf.
"Das gibt es doch nicht. Wie kommt er denn nur hier her?" Gonzo lief nun wie ein aufgedrehtes Huhn quer durch den Aufenthaltsraum, beschnüffelte alles und jeden und schleckte ihn dann ab. So entgingen genauso wenig die Kinder seiner Freude. Peter kam angelockt von dem Lärm als letzter aus der Dusche und stand nun in der Tür.
"Was ist denn hier..", bevor er den Satz zu Ende reden konnte, hatte Gonzo ihn schon angesprungen und beide landeten auf dem Boden. Peter versuchte, dass Tier von sich abzubekommen.
"Beruhige dich, Peter. Das ist Gonzo.", meinte Karin lachend. Der Sani hielt inne und betrachtete den Hund genauer.
"Das kann es doch nicht geben.", rief er und umarmte den Golden Retriever stürmisch.
"Warum nicht? Man darf euch jawohl mal besuchen.", wurde die Aufmerksamkeit des Durcheinanders auf die Tür gelenkt. Dort stand dick eingemurmelt Ralf mit einer Tasche über der Schulter, die er nun abstellte. Mit großen Augen wurde er von Biggi, Karin, Max und Peter angeschaut.
"Mensch, Kumpel. Lässt du dich auch mal bei uns blicken.", löste Peter sich als erster aus der Starre. Auch die beiden Damen und der Mechaniker kamen auf ihn zu und umarmten ihn freudig. Ralf musste durch dieses Überfallkommando laut anfangen zu lachen.
"Hilfe, ich werde zerdrückt.", rief er scherzend. Die vier ließen von ihm ab und Biggi fragte:
"Was führt dich zu uns, Ralf. Wie lange ist das jetzt her? Fünf Jahre?" Sie führten ihn rein, so dass er sich erst mal von seinen Sachen befreien und sich setzten konnte.
"Ja, fünf Jahre. Warum ich hier bin, ist leicht erklärt. Ich will mit euch Weihnachten verbringen.", verkündigte er von einem Ohr zum anderen grinsend. Die vier bekannten Gesichter nickten freudig.
"Aber sagt mal: so viele neue Gesichter. Ich muss einiges verpasst haben. Wo sind Thomas und Michael?", erkundigte er sich über die fremden und fehlenden Personen. Karins und Biggis Blicke wurden traurig. Auch Max und Peter schauten einander bedrückt an.
"Eine lange Geschichte. Fangen wir von da an, wo du gegangen bist.", begann Peter zu erzählen.
"Als deine Nachfolge ist Enrico gekommen...... Biggi und Enrico ein Paar.... seine Schwester Stella geheiratet..... unseren Sohn Oliver..... Zeugenschutzprogramm Michael und Dirk...... Mark als Nachfolge.... Gina als Verstärkung für Max.... zurück gelockt.... Thomas Michael geholfen und dabei gestorben.... Mädchen zum Patenonkel.... Jens für Thomas.... Tochter Anna.... Biggi bei Einsatz verletzt.... in die USA.... Nachfolgerin Gina.... Gina Mark ein Paar.... Biggi zurück zu Besuch.... Enrico und Biggi nach Italien.... Michael zurück.... Biggi Enrico, Karin Michael, Gina Mark geheiratet... Kinder Gabriella, Thomas und Mercedes.... Gina wieder schwanger.... Ersatz Corinna.... Ach ja und Jens Tochter Anna ist mit Ginas Cousin Andrés verlobt.", schloss Peter den Crashkurs der letzten fünf Jahre. Ralf schaute sich alle an, die ihm Peter gerade vorgestellt hatte. Dann seufzte er und meinte:
"Ich kann euch aber nicht versprechen, dass ich gleich alle Namen behalte. Du meintest doch, dass Michael wieder da ist. Wo ist er denn dann?" Karin lachte und meinte grinsend:
"Tja, Daddy holt Sohnemann, Lisa und Laura vom Flughafen ab." Die blonde Notärztin war zu ihrem Söhnchen gegangen und stand nun mit dem kleinen Mann auf dem Arm neben Ralf. Die blauen Augen des Jungens betrachteten das fremde Gesicht genau, wurden aber alsbald von dem Tier, welches die ganze Zeit neben seinen Herrchen saß, abgelenkt. Aufgeregt ruderte er mit seinen Ärmchen, weil er zu dem Hund auf den Boden wollte. Auch die beiden Mädchen waren schon an das interessante Spielzeug rangerobbt und saßen nun neben ihm und streichelten über das helle Fell. Mercedes versuchte sich am Rücken von Gonzo hochzuziehen.
"Mercedes, hör auf. Du tust dem Wauwau doch weh.", rief Gina empört und wollte schon zu ihr gehen, wurde aber von Mark auf seinem Schoß gehalten.
"Ich denke, Gonzo wird sich schon wehren, wenn die drei ihm lästig werden.", versuchte er sie zu beruhigen und küsste sie sanft auf die Wange. Zweifelnd sah sie zu ihm und dann zu Ralf.
"Ich glaube, der Dicke genießt eher die Aufmerksamkeit. Zu Hause bekommt sie nicht allzu oft.", meinte dieser lächelnd. Max, der sich auf einen der Stühle platziert hatte, wollte nun wissen:
"So, jetzt weißt du, was bei uns so abging. Aber was hast du die letzten Jahre angestellt?" Mehrere Köpfe nickten zustimmend und sahen den ehemaligen Medikoptersanitäter interessiert an.
"Tja, ich arbeitete inzwischen in Hamburg als Rettungssanitäter im Heli und Rettungswagen, wohne zusammen mit Gonzo und meiner Freundin Rebekka in einer Vier-Zimmer-Wohnung und spiele in meiner Freizeit ein bisschen Fußball. So heftige Erlebnisse wie ihr hatte ich also nicht, wie ihr seht.", fasste er kurz sein jetziges Leben zusammen. Abermals ging ein Nicken durch die Runde und Enrico fragte, während er Biggi in die Arme schloß:
"Und wo haben sie ihre Freundin gelassen?" Ralf sah zuerst etwas betrübt, aber dann lächelnd zu ihm.
"Du kannst erstmal du zu mir sagen, was auch für euch andere gilt. Und was meine Rebekka angeht, so war sie nicht recht daran interessiert in meiner Vergangenheit zu wühlen und verbringt Weihnachten lieber mit ihren Eltern. Aber eventuell kommt sie Sylvester.", führte er die Gründe des Nichterscheinens der jungen Frau auf. Die Gruppe tauschte kurz Blicke und Jens meinte darauf:
"Tja, das könnte schwierig werden. Weihnachten sind wir zwar alle hier, aber Sylvester wurden wir von Ginas Onkel nach Spanien eingeladen." Ralfs Augen wurden groß und sein Finger beschrieb in der Luft einen Kreis.
"Alle?", fragte er ungläubig. Stella lächelte mitfühlend und antwortete:
"Ja, Julio ist ziemlich vermögend und kann es sich leisten, uns alle einzuladen. Kost, Logie, alles geht auf seine Kappe.", erklärte sie die Umstände. Ralf pfiff einmal und machte ein beeindrucktes Gesicht. Es verging noch eine halbe Stunde bis schließlich auch Michael mit den großen Kindern eintrudelte und man sich überrascht begrüßte. Lisa und Laura fielen ihm um den Hals und küssten ihn wild auf die Wangen, weil sie es kaum fassen konnten, dass nun wirklich alle, außer ihrem Vater und Gabriele, zu Weihnachten da sein würden. Auch Gonzo bekam wieder Extrastreicheleinheiten, die er sich genüsslich gefielen ließ. Man erzählte noch bis spät in den Abend, wobei Ralf auch noch Herrn Höppler kennenlernte, bis man sich schließlich voneinander verabschiedete. Für die Zeit seines Aufenthalts hatte Flo Ralf angeboten, bei ihm zu wohnen, was dieser auch dankend annahm, da er sich so Kosten sparte.
Dank Herrn Höppler, der sich inzwischen gut in die Medikopterfamilie eingegliedert hatte, wurde die Basis für das Rest den Jahres und drei Tage drüber hinaus geschlossen, da so und so einige Schneestürme angesagt waren und der Heli eh nicht hätte fliegen können.
So kam es, dass man sich zwei Tage später traf, um sich eine schöne Skipiste zu suchen und das Können vom letzten Jahr aufzufrischen. Zu Überraschung aller hatte auch dies Höppi bereits geplant und eine große Hütte angemietet, wo alle Platz finden würden. Reichlich bepackt machte man sich auf den Weg um die letzte Woche vor Weihnachten ausspannen zu können. Nach zweistündiger Fahrt erreichte man das ersehnte Ziel. Die Hütte war aus dunklem Holz erbaut worden und strahlte eine eigentümliche Ruhe und Gemütlichkeit aus, was sich auch im Innern bestätigt fand. Alle Möbel waren aus robusten Holz und übermittelten somit den Eindruck eines alten Bauernhofhauses. Sofort wurde die Zimmerbelegung geklärt und die Damen der Schöpfung machten sich ans Essen und das Beziehen der Betten, während die Herren in Gemeinschaftsarbeit die Autos ausräumten und Holz für den Kamin hackten, der in einem großen Gemeinschaftsraum stand. Während man die warme Hühnerbrühe der Damen zu sich nahm, fing es draußen wieder an zu schneien. Den Rest des Tages beschäftigte man sich im Hause, da es inzwischen unaufhörlich stürmte und man froh war, am warmen Kamin sein zu dürfen. Als es schließlich dunkel wurde, brachten die Herren ihre kleinen Sprößlinge ins Bett. Anschließend traf man sich zur gemütlichen Plauschrunde vor dem Kamin ein, wo die fünf Pärchen eng aneinander geschmiegt kuschelten, wobei die Damen stets vor ihren Herren Platz genommen hatten. Laura hatte es sich bei Ralf gemütlich gemacht und Corinna bei Flo. Max und Höppi mussten sich miteinander und Gonzo begnügen, was zum heiteren Lachen anregte. Nach kurzer Zeit entschied man sich, ein Ratespiel zu spielen. Hierzu holte man ein paar Klebezettel und jeder schrieb auf seinen einen Namen, ein Tier und einen Gegenstand. Dann wurden sie in die Mitte gelegt und jeder zog einen den er sich ohne drauf zu schauen auf die Stirn klebte.
"Okay, wer fängt an?", wollte Höppi wissen. Alle fingen an zu lachen und Corinna meinte spitz:
"Immer der, der fragt." Höppis Blick wurde kurz dunkel und er funkelte sie böse an. Sie zog grinsend den Kopf ein, doch Höppi setzte sich nur gerade hin.
"Mh, bin ich ein Mensch?" Kopfschütteln.
"Okay, dann sicher ein Tier?" Nicken und grinsen.
"Säugetier?" Wieder Kopfschütteln.
"Insekt?" Biggi kicherte und schüttelte heftig den Kopf.
"Doch nicht etwa ein Reptil?", fragte er geschockt. Alle lachten laut los.
"Nein.", prustete Max laut.
"Dann bleibt ja nur das liebe Federvieh!", stellte Höppi resignierend fest. Ein Nicken ging durch die Gruppe.
"Okay....mh....ist es mehrfarbig?" Wieder Nicken.
"Zwei Farben?" Abermals Nicken.
"Schwarz und weiß?", fragte er langsam wissend.
"Joa.", meinte Ralf langsam nickend, was bei den anderen für Lacher sorgte.
"Dann habe ich doch bestimmt die diebische Elster erwischt, oder?" Alle fingen an zu klatschen und lachten ausgelassen. Höppi verdrehte seufzend die Augen.
"Jetzt ich!", forderte Lisa mit leuchtenden Augen. So saßen sie noch weitere drei Stunden und machten heiteres Beruferaten. Es war kurz vor Mitternacht und Dirk erzählte gerade ein paar Witze, wodurch sich die meisten vor lachen nicht mehr halten konnten. Gerade prusteten sie wieder laut los, als Ralf plötzlich den Finger auf den Mund legte:
"Psscchht, nicht so laut." Alle verstummten und sahen ihn verwirrt an. Lächelnd zeigte er auf Gina, Corinna und Stella, welche in den Armen ihrer jeweiligen Sitzpartner eingeschlafen waren. Ein Lächeln ging durch die kleine Runde und Jens flüsterte mit liebevoller Stimme:
"Wie drei Engel, so friedlich."
"Wir sollten wirklich ins Bett gehen. Es ist doch schon recht spät und wir wollen ja morgen für die Piste fit sein.", sprach Michael, erhob sich und half seiner Karin dann auch auf die Beine. Mark strich Gina eine Strähne aus dem Gesicht und nahm sie dann auf den Arm, wobei er ihr einen sanften Kuss auf die Nasenspitze hauchte. Auch Peter hob seine Frau auf und trug sie ins eigene Zimmer.
"Jens, kannst du sie nehmen?", flüsterte Flo und schaute verträumt zu Corinna, deren lange blonden Haare im Schein des Feuers rot schimmerten. Der Pilot nickte stumm und nahm dem Eingegipsten die schlafende Schönheit ab. Alsbald waren dann alle in ihren Zimmern verschwunden und Ruhe kehrte im Haus ein. Nur das Knistern des Feuers im Kamin und ein schlafender Gonzo, der vor diesem auf einer Decke lag, wiesen daraufhin, dass in diesem Haus jemand war.
Gegen zwei Uhr morgens ertönte ein leises Klirren aus einem der Zimmer und ein kalter Windzug zog unter der geschlossenen Tür hindurch den Flur entlang. Dann war es minutenlang still bis der Dielenboden von leisen Schritten vibrierte. In dem Zimmer erschien ein Lichtschein, dann ein zweiter und dritter. Mehrere Schritte glitten über das Holz. Ein erstickter Schrei erklang und Gonzo, der bereits vom Klirren erwacht war und die Ohren spitzte, stand nun vollends aufmerksam dar. Wieder geschah minutenlang nichts und der Hund horchte bis ins letzte Fellhaar angespannt. Dunkle Stimmen flüsterten dumpf. Langsam öffnete sich die Tür und der Lichtstrahl einer Taschenlampe bahnte sich einen Weg durch die Dunkelheit. Gonzo schlich auf Samtpfoten hinter die nahe stehende Couch, damit man ihn nicht sah. Dem Licht folgten drei Männer, welche ganz in schwarz gekleidet waren und Handschuhe plus Masken trugen. Leise bewegten sie sich in Richtung Küche und Gonzo tapste still zu der offenen Tür. Auf dem Bett lag eine Person mit langen blonden Haaren. Ihre Hände und Füße waren gefesselt und sie war geknebelt. Als Corinna Gonzo im Dunkeln erkannte, versuchte sie ihm mit dem Kopf Zeichen zu geben, dass er die anderen warnte. Das schlaue Tier verstand und tapste weiter zu Ralfs Zimmer, dessen Tür einen Spalt für ihn offen stand. Mit der Schnauze stupste er sie leicht an, so dass so viel Platz entstand, dass er hindurch schlüpfen konnte. Geräuschlos sprang er auf das Bett und schubste Ralf an, der ihn sofort müde und verwirrt ansah.
Währenddessen befanden sich die Einbrecher in der Küche und durchwühlten die Schubladen und Fächer nach wertvollen Dingen. Gina, die aufgewacht war und sich nun etwas zu trinken holen wollte, ging, ohne auf die offene Tür zu Corinnas Zimmer zu achten, die sich erfolglos versuchte bemerkbar zu machen, daran vorbei Richtung Küche. Sie wollte diese gerade betreten als ein Lichtschein sie blendete. Verschlafen schaute sie hoch und ein entsetzter Schrei gefolgt von einem Schuss ertönte. Unsanft landete sie auf dem Boden und schaute erschrocken zu den drei Gestalten hinauf, während sie ihre linke Hand auf den Streifschuss an ihrem rechten Oberarm presste.
Ralf, der Gonzo in dem Moment fragen wollte, was er wolle, saß sekündlich gerade im Bett. Gonzo war vor Schreck vom Bett runtergesprungen und wollte nun in Richtung Schrei laufen. Allerdings fing sein Herrchen ihn vorher ab und zog ihn zurück ins Zimmer, wonach er die Tür schloss. In wenigen Sekunden hatte er seine Hose und einen Pulli an. Vorsichtig öffnete er das Fenster, hob Gonzo hoch, so dass dieser raus springen konnte und folgte dann mit Schuhen und einer Jacke unter dem Arm.
Verängstigt saß die Pilotin auf dem Boden und starrte den vorderen Mann an
"Wie viele sind noch hier?", fragte er in einem scharfen geflüsterten Ton. Gina atmete schnell und japste dann tonlos:
"Ohne mich zwanzig, glaube ich."
Mark, welcher durch die Geräusche geweckt worden war, bemerkte Ginas Fehlen und stand auf. Besorgt rief er sie und trat auf den Flur. Langsam ging er Richtung Küche und rief wieder nach ihr.
"Stehen bleiben.", befahl eine tiefe, feste Männerstimme und zielte mit Taschenlampe und Waffe auf ihn. Mark erstarrte in seiner Bewegung, als er plötzlich registrierte, dass sich die Tür vor ihm öffnete. Eine verschlafene Karin kam raus und wollte fragen:
"Was ist los? Ich habe einen Sch.." Als er schon einen Schritt vor tat und sie hinter sich zog.
"Karin!" Diese war nun hellwach und starrte ungläubig auf den Mann mit der Waffe.
"Oh, Gott.", entwich es ihr leise.
Zur selben Zeit war Ralf um das Haus geschlichen, als vor ihm eine Person auftauchte, die sich gerade zu ihm drehte. Blitzartig hielt er ihr den Mund zu.
"Psscchht." Lisa nickte kurz, als knapp über ihnen Laura am Fenster erschien. Ralf half ihr raus und anschließend Dirk, der eher unfreiwillig folgte.
Im Haus waren inzwischen mehrere Türen aufgegangen und so ziemlich alle standen, von dem Mann bedroht, im Flur.
"Boss, hier sind mit der Verschnürten zwölf.", rief der Mann, ließ den Blick aber nicht von ihnen ab.
"Was ist mit meiner Frau?", wollte Mark wissen. Der Typ beachtete ihn aber gar nicht, stattdessen kam noch einer und zusammen zitierten sie die Medikopterbelegschaft in den Gemeinschaftsraum. Dort saß Gina auf der Couch und der Boss stand mit der Waffe an ihrer Schläfe hinter ihr.
"Setzen!", war seine deutliche Ansage und die Anwesenden platzierten sich auf dem Boden. Der Boss sah einen seiner Mannen an und sagte:
"Schau wer noch da ist. Sie hat was von zwanzig gesagt. Und hol die Verschnürte auch." Der Typ verschwand, worauf eine bedrückende Stille eintrat. Der dritte im Bunde machte inzwischen etwas Licht, indem er vereinzelt Kerzen anzündete, was eine gespenstische Atmosphäre entstehen ließ. Nach zehn Minuten kam der andere mit Corinna wieder.
"Da waren nur noch vier schlafende, kleine Gören, allerdings stehen in zwei Zimmern die Fenster offen."
"Verdammte Scheiße.", flüsterte der Boss vor sich hin. Michael rutschte die ganze Zeit nervös hin und her, während Karin und Mark nur starr zu der verängstigten Gina sahen.
"Ich bin Arzt. Ich würde mir gerne die Wunde unserer Freundin ansehen.", platzte es plötzlich aus ihm heraus. Die drei Männer sahen ihn zuerst verwirrt an, doch dann schrie der eine:
"Hatte ich nicht gesagt, Maul halten." Doch sein Boss brachte ihn mit einer leichten Handbewegung zum Schweigen. Dann deutete er Michael an sich neben Gina zu setzen. Der Notarzt stand langsam auf und ging zu ihr. Sobald er saß, nahm Gina die Hand von der Verletzung und Michael begutachtete es.
"Das muss desinfiziert, genäht und verbunden werden.", meinte er ohne zu einem der Männer zu schauen. Die drei tauschten knappe Blicke, während ihre Gefangenen ängstlich zusammen rutschten. Flo hatte Corinna inzwischen die Knebelung und Fesseln abgenommen. Jens beobachtete die drei genau um irgendwelche Unsicherheiten zu bemerken. Er spürte, dass die jetzige Situation nicht geplant war und die beiden Handlanger ziemlich nervös waren.
"Können sie das hier machen, Herr Doktor?", wollte nun der Boss mit monotoner Stimme wissen. Michael nickte kurz und antwortete, wobei er ihn diesmal ansah:
"Ich bräuchte nur meine Tasche aus dem Auto und die Hilfe meiner Frau." Der Typ genehmigte es mit einer geringen Geste des Kopfes und wies einen der anderen beiden an, mit Michael raus zu gehen und die Tasche zu holen. Die beiden verließen schweigend das Wohnzimmer und kurz drauf klappte die Tür.
Ralf hatte Lisa und Laura los geschickt, damit sie die Polizei holten. Selbst versuchte er gerade mit Dirk herauszufinden, wo sich die Freunde und ihre Bedroher befanden. Leise umrundeten sie das Haus und luckten vorsichtig durch die Fenster. Von der Küche konnten sie sehen, das man alle außer den vier kleinen ins Wohnzimmer geschafft hatten und Gina direkt mit einer Waffe bedroht wurde. Dann erblickten sie Michael, wie er zusammen mit einem der drei zur Tür ging.
"Ich glaube Gina ist verletzt und sie holen jetzt Paps Notfallkoffer.", flüsterte Dirk und Ralf nickte zustimmend. Der Sani deutete auf den Holzstapel und sie holten sich beide einen Holzscheit. Anschließend gingen sie auf Zehenspitzen zur Front des Hauses, wo sich im selben Moment die Tür öffnete. Der Notarzt, gefolgt vom Einbrecher, liefen zu einem der Autos. Dabei sah sich der Mann unsicher um.
"Keine Sorge. Es sind nur Jugendliche, die Fehlen.", meinte Michael stocktrocken, als er die Beklommenheit des Kerles registrierte. Der scheuchte ihn weiter und beließ seinen Blick nun bei Michael. Diese Chance nutzten Ralf und Dirk, um sich dem Burschen zu nähern. Nach einander holten sie aus und er wurde von zwei harten Schlägen zu Boden gerafft. Michael drehte sich erschrocken zu ihnen und atmete dann aber erleichtert auf, als es erkannt um wen es sich handelte.
"Ihr könnt einen alten Mann wie mich doch nicht so erschrecken.", flüsterte er leicht lächelnd. Dirk zuckte nur mit den Schultern und Ralf meinte ruhig:
"Hast du das Abschleppseil mit? Dann können wir ihn fesseln." Michael nickte und öffnete die Heckklappe des Autos. Schnell suchten sie es heraus. Dirk hatte den Typen inzwischen hinter das Haus gezogen, wo man ihn nun fesselte und den Mund mit alten Lappen vollstopfte. Anschließend besprach man sich noch schnell und Michael ging zusammen mit seinen Koffer zurück ins Haus, während sein Sohn und Ralf sich wieder versteckten. Drinnen wurde er skeptisch betrachtet.
"Wo ist Joey?", wollte der Boss mit gefährlicher Stimme wissen. Michael zuckte nur mit den Schultern, setzte sich zu Gina und meinte schließlich:
"Der hat irgendein Geräusch gehört und wollt nachsehen. Vorher hat er mich wieder reingescheucht." Der Notarzt winkte seine Frau zu sich. Karin stand langsam auf und begab sich zu ihm auf die Couch. Beruhigend legte sie ihre Hände auf Ginas Knie, die noch immer wie Espenlaub zitterte. Michael reichte ihr Handschuhe, die sie sich überzog und setzte anschließend die Betäubungsspritze um die Wunde herum, damit Gina das Nähen nicht spürte. Michael desinfizierte die Verletzung, wobei ihn Gina beunruhigt anschaute. Er verstand, dass sie Angst hatte, dass es irgendwie dem Baby schaden konnte und schüttelte den Kopf um sie zu beruhigen. Nach ein paar Minuten, als die Betäubung wirkte, begann er die Wunde mit wenigen Stichen zu schließen. Zum Abschluss machte Karin noch einen Verband darum, um die Wunde vor Infektionen zu schützen. Inzwischen war der Boss der Bande unruhiger geworden. Er zeigte auf seinen Komplizen und sagte mit scharfem Ton:
"Sie mal nach, wo Joey bleibt." Michael strich der jungen Pilotin noch mal aufmunternd lächelnd über die Wange, bevor Karin und er sich zurück zu den anderen setzten. Jens rutschte noch immer unschlüssig auf seinem Platz hin und her.
"Verdammt, lassen Gina zu ihrem Mann. Sie können mich haben.", platzte es auf einmal aus ihm heraus. Alle waren durch diesen Aufruf zusammen gezuckt. Der Boss blickte ihn trocken an und winkte ihn zu sich. Jens war innerhalb weniger Sekunden bei ihm und der Typ schubste Gina von der Couch. Jens nahm ihren Platz ein, während sie zu Mark rutschte und er sie fest in den Arm nahm. Beruhigend strich er ihr über den Rücken und flüsterte mit warmer Stimme ins Ohr.
"Karl, was macht ihr so lange da draußen?", schrie der Typ mit der schwarzen Maske. Allerdings bekam er keine Antwort, stattdessen begann man aus der Ferne Sirenen zu hören. Erleichterte Blicke flogen zwischen den Gefangenen hin und her. Die Polizei kam immer näher.
"Ich rate ihnen abzuhauen. Ihre Komplizen liegen nämlich draußen ordentlich verschnürt und so wie es sich anhört, wird die Polizei in wenigen Minuten hier sein.", fasste Dr. Lüdwitz die Situation zufrieden grinsend zusammen. Der Mann sah ihn entsetzt an, schubste Jens nach vorne und rannte zur Tür. Der Pilot wollte ihm hinterher, doch Michael meinte im Aufstehen:
"Lass mal, das machen Dirk und Ralf." Die anderen sahen ihn überrascht an, doch er zuckte nur mit den Schultern. Draußen hörten sie die Polizeisirenen nun ganz Nahe und alle begaben sich langsam zur Tür. Als sie diese öffneten, liefen bereits einige Polizisten zu Dirk und Ralf, die zusammen mit den drei verschnürten Ganoven warteten. Diese wurden in die Autos verfrachtet und die beiden Mädchen liefen glücklich zu Dirk und Ralf, welche sie sofort umarmten. Nachdem man sich bei ihnen für ihren Mut bedankt hatte, ging man zurück ins Haus. Ein Polizist teilte ihnen noch mit, dass sie erst in ein paar Tagen zur Vernehmung kommen sollten.
Seit dem nächtlichen Besuch waren zwei Tage vergangen und man hatte sich entschieden trotz des Nerven aufreibenden Anfangs in der Hütte zu bleiben und die eine Woche im Schnee zu genießen. Zur Zeit befand man sich auf der Piste. Nur Gina, Flo und Corinna waren mit den Kindern und Gonzo bei einer Aufenthaltshütte zurückgeblieben. Diese befand sich direkt neben der Piste und man beobachtete vergnügt die Abfahrtversuche mancher Anfänger. Inzwischen führten die beiden Frauen bereits Strichliste über die Stürze, wobei Karin, Biggi und Stella bis jetzt am besten abschnitten. Gerade hatte sich wieder Herr Höppler auf seine vier Buchstaben gepflanzt und ein heiteres Lachen ging durch die Freunde, da er aussah wie ein Schneemann. Peter begnügte sich damit mit seinem Sohn vor der Hütte einen solchen zu bauen. Dirk und die beiden Mädchen kamen nun Hände reibend auf die Terrasse der Hütte und schlürften etwas heißen Tee, den Corinna aus der Thermoskanne in Tassen gefüllt hatte, als sie die drei sah.
"Ooh, tut das gut.", meinte Lisa selig lächelnd und ihre Schwester und deren Freund stimmten nickend zu. Für den Abend hatten sie eigentlich geplant zu Schlittschuhlaufen zu gehen. Doch so wie sich die Sache momentan entwickelte, hätte man wohl mehr damit zu tun, die blauen Flecke der Freunde zu versorgen. Mark, dem es nun zu blöd wurde, kam auch zu ihnen und gab seiner Frau einen sanften Kuss. Dann ging er in die Hütte, wo Florian mit den kleinsten auf der Decke saß und spielte. Der Notarzt schnappte sich die Sachen seiner Tochter und murmelte sie in die dicke Jacke ein, um dann mit ihr raus zu gehen.
"Mein kleiner Engel und ich fahren ein bisschen Schlitten, okay Mama?", meinte er neckisch zu Gina, während er sich den Schlitten nahm und die Terrasse wieder verließ. Gina winkte ihnen viel Spaß wünschend hinterher und meinte dann zu Corinna:
"So hat er wenigstens weniger blaue Flecken, als manch anderer hier." Corinna fing an zu lachen und Gina setzte nach einer Weile, wo ihr Gesicht sehr ernst war, mit ein. Nachdem man nun bereits mehrere Stunden im Schnee verbracht hatte, entschied man sich zur Hütte zurück zu kehren. Aus dem Vorhaben am Abend wurde wie befürchtet nichts, da die Pistenjunkies einfach zu erschöpft waren.
Traunstein
Gerade betrat man das Basisgebäude. Komischer Weise war es offen und so ging man vorsichtig durch die Räume, als plötzlich vier braune Augen um die Ecke schielten.
"Ah, schön das ihr wieder da seid. Wir haben schon Kaffee gekocht.", plauderte die junge Frau drauf los und umarmte Jens stürmisch, der erleichtert aufatmete. Auch den anderen fiel ein Stein vom Herzen. Gina begrüßte ihren Cousin und stellte den beiden kurz Ralf und Gonzo vor.
"Erschreckt uns bitte nicht noch mal so, Andrés. Wir haben nen schweren Wochenanfang gehabt.", meinte Mark, während der Spanier seine kleine Großcousine knuddelte. Mercedes genoss die Aufmerksamkeit in vollen Zügen und plapperte glücklich auf ihn ein.
"Wieso denn das?", wollte Anna wissen, während sie Kaffee einschenkte.
"Na ja, weil wir ungewollten nächtlichen Besuch von drei Ganoven hatten.", meinte Peter ziemlich trocken, als er für Oliver Saft aus dem Kühlschrank holte. Die beiden Verlobten sahen entsetzt zu ihnen.
"Es ist doch niemand verletzt worden, oder?", versicherte sich Andrés, wobei er Mercedes die warmen Sachen auszog. Gina krempelte den Ärmel hoch und Biggi meinte darauf zeigend:
"Doch, aber nur ein Streifschuss. Nichts gefährliches." Der Braunhäutige und die Pilotentochter seufzend mahnvoll.
"Was? Ich wollte doch nur etwas zu trinken holen. Woher sollte ich ahnen, dass da ein Typ mit einer Waffe steht?", regte sich Gina künstlich auf, was allen ein Grinsen entlockte. Mark zog sie beschwichtigend auf seinen Schoß und begann ihren Hals zu küssen. Sie seufzte genüsslich und dachte nicht mehr über das gerade gesagte nach, was dazu führte, dass die Kollegen nun wirklich anfingen zu lachen. Auch Biggi ließ sich nach der langen Fahrt von ihrem Schatz verwöhnen. Mit dem Rücken zu ihm auf seinem Schoß sitzend, ließ sie sich von Enrico massieren und konnte sich aufgrund der beruhigenden Wirkung ein Gähnen nicht verkneifen. Die Kinder, die schon lange zu diese, Ergebnis gekommen waren, lagen auf der Couch und hatten die Augen fest geschlossen. Thomas und Oliver neben einander sitzend und die Mädchen lagen mit ihren Köpfen auf ihren Schößen.
"Tja, ich befürchte, wir haben zwei neue Pärchen in unserer Mitte.", meinte Flo grinsend und schmulte zu Corinna, die daraufhin licht rot wurde.
"Zwei? Du meinst wohl drei, oder Corinna?", grinste Jens schadenfroh. Nun wurden die Gesichter der beiden knallrot und Familie Lüdwitz meinte im Chor:
"Haben wir es doch gewusst." Alle fingen an zu lachen und Flo schlich sich verlegen zu Corinna. Die erhob sich kurz von ihrem Platz und er setzte sich. Corinna platzierte sich auf seinem Schoß und legte ihren Kopf lächelnd auf seine Schulter. Anschließend besprach man, was für das Fest zu tun war. In zwei Tagen war es soweit und so manche wollten diese Zeit noch nutzen um die letzten Geschenke zu besorgen. Zu dem musste man das Essen und die Dekoration vorbereiten, damit auf der Basis auch alles weihnachtlich war. Für den zweiten Part meldeten sich Höppi und Max und das Essen wollten die Frauen in Gemeinschaftsarbeit zubereiten, so dass den Männern die Aufgabe des Kinderhütens zufiel. Außerdem einigte man sich, sich erst zum Kaffee zu treffen, damit die einzelnen Familien die Bescherung schon zu Hause vollführen konnten und der Aufenthaltsraum nicht an Geschenken überquellte. Die Tage vergingen wie im Flug und schließlich saß man zusammen am Kaffeetisch in der Basis. Nachdem man alles abgeräumt hatte, sang man bis es draußen dunkel wurde einige Weihnachtslieder. Michael und Dirk konnten es sich nicht verkneifen ein Englisches anzustimmen, so dass Deck the Halls durch den Raum schallte. Aber damit nicht genug, wurden auch Jingle Bells, Winter Wonterland, White Christmas und Let it snow zum Besten gegeben, was zu einigen Lachern führte. Als draußen der Baum in den schönsten Farben leuchtete, zog man sich an und stellte sich zu ihm. Höppi stimmte Stille Nacht an und die anderen setzten mit ein. So stand man und besang Christus Geburt. Die Pärchen schmiegten sich aneinander, die Kinder auf dem Arm und genossen die mystische Atmosphäre. Anschließend kehrte man in den Aufenthaltsraum zurück und machte sich an die Bescherung. Da die Familien sich schon zu Hause beschenkt hatten, war nun Julklap dran. Nach einer halben Stunde hatte jeder sein Geschenk und man bedankte sich bei einander mit Küsschen und Umarmungen. Ralf war in Höppis Büro gegangen und wählte nun eine Nummer.
"Rabe!"
"Hallo Klaus.", begrüßte Ralf den Schwiegervater.
"Ralf, wie schön das du anrufst."
"Ja, ich wollte euch schöne Weihnacht wünschen. Darf ich Bekki haben?"
"Natürlich mein Sohn. Es ist schade, dass du nicht da bist, aber du hast sicher auch Spaß mit deinen Kollegen."
"Ja, wir haben gerade Bescherung gemacht."
"Schön, warte Bekki ist jetzt da........Ralf?"
"Hey Liebling. Ich wünsche dir wunderbare Weihnacht."
"Danke, dir auch. Wie ist es da unten?"
"Wunderschön. Hier liegt meterhoch Schnee und vor der Basis steht ein riesiger, geschmückter Baum. Wir waren auch schon Ski fahren.", berichtete er kurz.
"Oh, das scheint ja richtig gemütlich zu sein.", hörte er eine traurige Stimme.
"Ja, klar. Wir sind ja sozusagen auch eine große Familie. Wir sind, warte, vierundzwanzig mit Gonzo. Aber noch schöner wäre es für mich, wenn du auch da wärst. Ich vermisse dich, Bekki.", meinte er nun auch mit trauriger Stimme.
"Ich kann ja noch kommen, wenn du willst?", sagte sie mit versöhnlicher Stimme.
"Natürlich will ich. Aber du müsstest morgen schon fahren, weil wir alle von dem Onkel einer Kollegin nach Spanien eingeladen wurden, da Sylvester zu Feiern.", sprühte es aus ihm heraus.
"Oh, wow.", war erst mal alles, was er zu hören bekam. Doch nach wenigen Sekunden antwortete sie:
"Ich fahre gleich morgen und bin dann so Abends da."
"Schön, ich gebe dir dann noch die Adresse durch. Ich freue mich.", rief er euphorisch.
"Okay, bis morgen, Liebling.", verabschiedete sie sich.
"Ja, ich freue mich wirklich.", versicherte er noch mal, bevor er auflegte. Gut gelaunt kehrte er zu den Kollegen zurück, wo man natürlich wissen wollte, wo er gewesen sei und er berichtete von dem Gespräch und dass Rebekka morgen Abend kommen würde. Dann versicherte er sich noch, dass es Andrés‘ Vater nichts ausmachen würde, dass sie auch noch mitkam. Nachdem dies verneint wurde, saß man noch lange zusammen. Gegen 10 Uhr begaben sich dann alle in Richtung Heimat.
Karin hob den schlafenden Thomas auf ihren Arm und Lisa half ihr ihn anzuziehen. Dann gingen sie zu dem Kleinbus. Man verabschiedete sich als erste von den Kollegen und fuhr nach Hause. Dort angekommen wurde der kleine Mann ausgezogen und in sein Bettchen gelegt. Da er inzwischen wieder aufgewacht war, sangen Laura und Dirk ihm noch ein Gute-Nacht-Lied vor, während Lisa sich bereits fertig fürs Bett machte. Nachdem auch die beiden in ihre Schlafanzüge geschlüpft waren, ging man gemeinsam noch zu Karin und Michael, die es sich noch mal vor dem Kamin gemütlich gemacht hatten. Die drei wünschten ihnen eine schöne Nacht und man verabschiedete sich mit Küsschen und Umarmung. Lisa verschwand in ihrem Zimmer, wo sie allerdings nicht gleich schlief, sondern die Nachttischlampe anschaltete und das Buch raus kramte, welches sie zur Bescherung von Ralf bekommen hatte. Es war von Akif Pirinçci, ihrem Lieblingsautor. Innerhalb weniger Minuten war sie darin versunken. Laura und Dirk hingegen beließen es dabei, so schnell wie möglich unter ihrer Decke zu verschwinden. Nachdem sie sich noch eine Weile geküsst hatten, schmiegte sich Laura an ihn und beide schliefen in kurzer Zeit ein. Karin lag in Michaels Arm auf der Couch und genoss seine Liebkosungen. Sanft strich er ihre blonden Haare zurück und küsste ihren Hals.
"Was hältst du eigentlich davon, dass Laura und Dirk zusammen sind?", murmelte sie genüsslich. Er murrte nur kurz und setzte sein Werk fort. Zart knabberte e an ihrem Ohr und ihr lief ein Schauer über den Rücken. Ein Lächeln glitt über ihre Lippen.
"Sag schon.", forderte sie leise seine Antwort. Er ließ von ihr ab, aber sie konnte noch immer ihren Atem auf ihrer Haut spüren.
"Sie sind alt genug, beide vernünftig und wie ich finde, passen sie auch gut zusammen.", fasste er seine Gedanken zusammen.
"Mhmh. So wie wir?", fragte Karin verführerisch.
"Ich kann mir vorstellen, dass sie meine Schwiegertochter wird.", verkündigte er. Karin drehte sich in seiner Umarmung, so dass sie ihn nun ansah.
"Du denkst schon an Enkel, dabei ist dein jüngster gerade mal ein Jahr.", tadelte sie ihn. Er küsste sie sanft auf die Stirn, fuhr zur Nase und schließlich berührten sich ihre Lippen. Nach diesem tiefen Kuss, murmelte er:
"Ich kann mir auch vorstellen, noch ein jüngeres Kind zu haben.", und fuhr ihr mit der Hand unter den Pullover. Karin grinste in den Kuss hinein. Sanft hob er sie hoch und die beiden verschwanden in ihrem Schlafzimmer.
Auch Stella und Peter waren inzwischen zu Hause angekommen. Oliver lag in seinem Bettchen und Stella deckte ihn gerade zu. Peter stand in der Tür und beobachtete seine kleine Familie. Zärtlich hauchte seine Frau dem gemeinsamen Sohn noch einen Kuss auf die Stirn, bevor sie aufstand und ihn bemerkte. Lächelnd ging zu ihm. Sein ernstes Gesicht würde von einem glücklichen abgelöst. Sie drückte ihm einen Kuss auf den Mund und fragte:
"Worüber hast du nachgedacht?"
"Über mein Leben." Sie sah ihn fragend an.
"Ich bin so froh, dass ihr bei mir seid. Das du mir wieder vertraust und mir meinen Ausrutscher mit Yvonne verziehen hast. Ich wüsste nicht, was ich ohne euch machen sollte. Keinen Tag mit euch will ich mehr missen. Ihr beide seid mein Leben. Ich liebe euch so sehr." Stella sah ihm in die Augen und konnte sehen, wie ernst er es meinte. Ein leichter Schimmer war zu sehen. Tränen. Sie schloss ihn in ihre Arme und flüsterte:
"Wir haben dich auch vermisst und wir werden dich nie wieder allein lassen, versprochen, denn wir lieben dich auch, Peter." Sie löste sich wieder von ihm, so dass sie sich ansehen konnten. Er legte seine Stirn an ihre und sah ihr tief in die Augen.
"Danke, Stella, dafür, dass es dich gibt und du mir so ein wunderbares Kind geschenkt hast." Vorsichtig, fast schüchtern, berührte Peter ihre Lippen mit den seinen. Langsam vertieften sie den Kuss, bis sie sich aus Luftmangel trennen mussten. Die Italienerin nahm ihren Mann bei der Hand und führte in ins Schlafzimmer.
Auch der Bruder der Italienerin war mit seiner Familie in ihrem Übergangsheim angekommen. Die erste Handlung seinerseits war die kleine Gabriella ins Bett zu bringen. Anschließend setzten seine Frau und er sich noch auf die Couch, da Biggi noch einen Gruselfilm sehen wollte. Aber bereits nach einer halben Stunde bemerkte er, dass ihr Atem sehr regelmäßig ging. Vorsichtig luscherte er zu ihrem Gesicht und bemerkte, dass sie eingeschlafen war. Ein Lächeln flog über sein Gesicht. Leise machte er den Fernseher aus und brachte sie dann ins Schlafzimmer. Dort zog er sie vorsichtig aus, damit sie nicht wieder aufwachte. Anschließend deckte er sie zu und schlüpfte in seine Schlafboxershorts. Doch bevor er zu ihr kriechen konnte, machte eine andere Dame auf sich aufmerksam. Leise schlich er zu ihr und nahm die kleine auf dem Arm. Sanft wiegte er sie hin und her, summte ein Einschlaflied und lief im Zimmer auf und ab. Der kleinen fielen immer wieder die Augen zu, doch schreckte sie kurz drauf wieder auf. Als sie dann schließlich doch wieder eingeschlafen war, legte er sie zurück in ihr Bettchen. Dann begab er sich in seines, wo sofort Biggi an ihn ranrutschte. Er legte einen Arm um ihre Hüfte und entwich ins Traumland.
Andrés und Anna hatten sich entschieden mit zu Jens zu fahren und in ihrem alten Zimmer zu schlafen. Man saß noch kurzzeitig zusammen in der Küche und trank etwas Tee, da man zu Fuß gegangen war und die Temperaturen nicht gerade menschlich. Dann sagte die drei sich gute Nacht und verschwanden in ihren Zimmern. Es kehrte Ruhe ein und nur ein leises Kichern war aus Annas Zimmer zu hören.
Auch Ralf war mit Gonzo bei Florians Wohnung angekommen und hatte sich sofort ins Bett geschmissen. Sein Gastgeber war diese nacht anderweitig untergekommen und Ralf sollte es nicht stören, da morgen ja sowieso noch Rebekka kam.
Max und Höppi waren die letzten gewesen, die die Basis verlassen hatten. Nun lagen sie auch in ihren Betten und ratzten, was das Zeug hielt.
Selbst bei Familie Harland kehrte nun Ruhe ein. Die Kleine schlief, Gina und Mark lagen im Bett.
"Wie geht es dir?", wollte Mark wissen und zog sie näher an sich. Sanft strich er über ihr Babybäuchlein.
"Wieso fragst du?", murmelte sie verschlafen. Ihre dunklen Augen versuchten seine zu finden, doch er blickte zur Decke.
"Nur so. Ich mache mir halt Sorgen. Schließlich ist die Weihnachtszeit sehr streßig." Sie richtete sich leicht auf und beugte sich, soweit der Bauch es zu ließ, über ihn. Er schaute zu ihr.
"Hey, die anderen lassen mich kaum etwas machen. Wie sollte das Ganze für mich streßig sein?", fragte sie ihn vorwurfsvoll.
"Ich will doch nur nicht, dass dir und dem Baby etwas passiert. Vor allem weil wir nach Spanien fliegen." Sie atmete tief ein und meinte:
"Ah, da liegt der Hase begraben. Warum sagst du nicht einfach, dass du lieber mit Auto fahren möchtest?" Sie erblickte im Dunkeln ein Grinsen.
"Erwischt. Schuldig im Sinne der Anklage.", gab er zu. Dann strich er ihr über die Wange und küsste sie.
"Also fahren wir mit dem Auto?", fragte er, als die beiden sich wieder lösten.
"Wenn mein Doktor das für besser hält?", neckte sie ihn. Mark drückte sie sanft zurück in ihr Kissen und begann sie mit küssen zu übersehen. Zwischen mehreren meinte er:
"Ja..das...hält...er..für....besser." Dann legte er sich wieder neben sie und zog sie an sich. Der eine Arm unter ihrem Kopf und die Hand des anderem auf ihrem Bauch, schliefen beide schließlich ein.
Der Wecker piepte ungeduldig. Doch die, die er wecken wollte, drehten sich nur um und zogen die Kissen über dem Kopf. Plötzlich traf ihn etwas und er landete unsanft auf dem Boden. Am Bettrand erschien ein zerzaustes Büschel Haare, dass sich den zur Ruhe gebrachten Störenfried zufrieden lächelnd ansah. Er nickte, drehte sich zu seiner Partnerin und gab ihr einen liebevollen Kuss.
"Aufwachen, Süße. Wir wollen in einer Stunde los.", versuchte er sie aus ihren Träumen zu holen. Braune Augen sahen ihn böse an und sie murrte unwillig.
"Ich fliege mit andern!", murmelte die junge Frau und drehte sich auf die andere Seite.
"Nichts da. Das Auto ist schon gepackt. Wir müssen uns nur noch fertig machen. Also, raus aus den Federn.", blieb ihr Mann hart und zog ihr die Decke weg.
"Hey, Mark.", saß sie aufrecht, doch er grinste nur. Er öffnete die Schlafzimmertür und verbeugte sich mit einer Geste, dass sie ins Bad gehen solle. Gähnend stand Gina auf und tapste augenreibend in Richtung Bad. Mark machte schnell das Bett, zog sich an und legte auch Gina ein paar Sachen raus, da sie sonst wieder ewig brauchen würde, bis sie sich für etwas entschieden hätte. Anschließend ging er ins Zimmer der Kleinen. Die saß bereits munter im Bett und schaute sich ein Bilderbuch an. Dabei schnatterte sie fröhlich vor sich hin.
"Hey, du scheinst wenigstens munterer als Mami zu sein." Mercedes sah zu ihrem Papa und jauchzte vergnügt. Ihre kleinen Ärmchen streckten sich ihm entgegen und er nahm den kleinen Wonneproben auf den Arm. Sofort schmiegte sie sich an ihren Vater, der sie liebevoll anfing zu kitzeln. Nun jauchzte sie noch lauter und Gina stand kopfschüttelnd in der Tür.
"Mark, ärgere sie doch nicht immer.", ermahnte sie ihn und ging zu den beiden. Sanft drückte sie ihrer Tochter ein Küsschen auf die Wange.
"Na, meine Kleine. Hast du gut geschlafen?"
Eine Stunde später saßen sie wie geplant im Auto Richtung sonnigen Süden.
Erst fünf Stunden später traf sich der Rest am Münchner Flughafen. Es herrschte aufgrund der vielen Personen und ihres Gepäckes ein heilloses Durcheinander, welches Andrés gerade versuchte etwas zu entwirren. Vorerst beauftragte er aus jeder Familie jemanden, der das Gepäck zum Schalter brachte. Zu dem musste auch Gonzos Unterbringung im Flugzeug geregelt werden, da es nicht erlaubt war, dass er mit in den Passagierbereich kam. Dies sorgte zu weiteren Problemen, da der Hund, der das Fliegen gewöhnt war, wie kein anderer, es patu nicht verstehen wollte, warum er in so eine blöde Transportbox sollte. Verzweifelt winselte er und sträubte sich mit allen vier Pfoten dagegen, dass man ihn dort hinein steckte. Ralf versuchte auf ihn einzureden, doch Gonzo blieb weiterhin stur. Er zerrte und riss an der Leine, sobald man auch nur in die Nähe dieses Behälters kam. Ralf war wirklich zum Verzweifeln und die Kollegen, sowie Rebekka konnten es sich nicht verkneifen anzufangen zu lachen. Darauf belehrte der Sani sie, dass dies gar nicht witzig sei. Schließlich redeten und diskutierten alle mit den Flughafenpersonal, ob es nicht doch möglich wäre, das arme Tier mit in den Passagierbereich zu nehmen, doch diese blieben unbarmherzig. Oliver war inzwischen zu der Erkenntnis gekommen, dass man den vierbeinigen Freund einfach reinlegen müsse.
"Komm Gonzo, wir spielen ein bisschen.", forderte er ihn auf. Dann stellte er die restlichen Taschen zu einer Art Schneise auf, die direkt zum Eingang der Box führte. Vorsichtig führte Oli das Tier anschließend zum Beginn dieser Schneise.
"Mach schön Sitz.", befahl er und streichelte Gonzo. Der tat, wie ihm geheißen und der Fünfjährige ging dann hinter die Transportbox. Zuvor hatte er sich unbemerkt von diesem, aus Ralfs Jackentasche ein paar Leckerlis geholt, welche er zum Teil in die Box gelegt hatte und zum anderen selbst eingesteckt. Nun stand er hinter der Box und redete auf Gonzo ein, der ihn mit schiefgelegtem Kopf ansah.
"Schau ein Leckerli. Hol es dir." Oli zeigte ihm das Leckerli und stopfte es dann durch das hintere Gitter in die Box. Gonzo beobachtete das Tun des Jungen und lief dann schwanzwedelnd auf ihn zu und somit direkt in die Box. Oliver lief sofort drum herum und schloss die Tür. Erschrocken drehte der Hund sich um und sah ihn mit großen braunen Hundeaugen an.
"Nich bös sein. Willst doch auch zu Gina, oder?", fragte der Junge das eingesperrte Tier und streichelte es, so gut es ging. Gonzo fing an zu winseln und jaulte leise, als sich Oliver von ihm entfernte.
"Ihr könnt aufhören zu streiten. Gonzo ist drin.", zog der blau bemützte Junge an Ralfs Jacke. Der und der Rest sah ihn überrascht an. Stella ging zu ihm in die Hocke und fragte ungläubig:
"Was? Wie hast du denn das geschafft?" Der kleine Mann erzählte stolz, was er gemacht hatte und strahlte dabei über das ganze Gesicht. So war nun auch dieses Problem gelöst und man konnte sich auf den Weg zum Einchecken machen und bereits eine halbe Stunde später war man in der Luft.
Um circa 14 Uhr erreichte man das Anwesen der da Viegas. Andrés‘ Vater hatte es sich nicht nehmen lassen, die Gäste mit zwei Limousinen abholen zu lassen. Nun fuhren diese durch ein großes schwarzes Tor einen langen mit anthrazitfarbenen Steinen gepflasterten Weg entlang. Hinter den weißen Mauern, die das Grundstück zur Front hin abschirmten, erstreckte sich eine große grüne Fläche, auf der vereinzelt ein paar Bäume standen. Langsam näherte man sich einem riesigem, weihnachtlich geschmücktem Haus, das in der Sonne weiß strahlte. Vor dem Eingang, eine beeindruckende Tür aus dunklem Holz, zu der eine anscheinend marmorne Treppe führte, hielten die Wagen. Vor der Treppe warteten bereits Julio, Mark, Gina und die kleine Mercedes, welche, kaum dass die Türen geöffnet waren, auf die Aussteigenden zulief. Das Staunen saß den Freunden ins Gesicht geschrieben.
"Ich freue mich, sie alle hier willkommen zu heißen.", begrüßte Julio seine Gäste. Jedem reichte er die Hand, den Damen gab er ganz Gentlemen einen Handkuss und den Kleinen tätschelte er liebevoll über den Kopf.
"Und sie beide müssen Ralf Staller und Rebekka Rabe sein. Es freut mich sehr sie kennen zu lernen, habe ich von ihnen Herr Staller doch schon viel gutes gehört.", reichte er den beiden Fremden seine Hand, die diese verlegen ergriffen. Gonzo schaute aufmerksam zu dem Spanier hoch.
"Wir freuen uns auch und möchten uns für die Einladung bedanken.", meinte Ralf lächelnd. Julio bemerkte nun dieses fellige Etwas, was neben dem jungen Mann saß und sich nun gerade kratzte. Vergnügt grinsend beugte er sich zu dem Hund hinunter und streichelte ihm über den Kopf.
"Ja, wer bist du denn? Ein schöner Hund bist du, ne?", graulte Julio ihn hinter den Ohren, was dieser genüßlich hinnahm.
"Das ist Gonzo, Julio. Er war mal der Rettungshund bei Medikopter und gehört Ralf.", erzählte Biggi lachend. Der Spanier nickte hochachtungsvoll und meinte:
"Dann hast du sicher schon viele Leben gerettet, mmhh Gonzo?" Der Golden Retriever wedelte freudig mit dem Schwanz und blaffte kurz. Nun bat Julio seine Gäste ins Haus und ihnen wurden vom Butler ihre Zimmer gezeigt, damit man sich einrichten konnte. Man beschloss, sich in einer Stunde im Garten hinterm Haus zu treffen. Als man nun dort zusammen saß und plauderte, machte Andrés den Vorschlag doch mal in den Stall gehen zu können. So könne sein Cousinechen auch endlich ihre Pferde begrüßen. Mit viel Enthusiasmus machte man sich auf den Weg. Von einem Tier des Hauses wurde man alsbald begrüßt. Lisa, eine Golden Retriever Dame, sprang vergnügt auf sie zu und begrüßte Gina schwanzwedelnd. Auch die anderen konnten einer genauesten Beschnüffelung ihrerseits nicht entgehen. Gonzo schien sofort Feuer und Flamme zu sein, lief er ihr doch nun aufgeregt hinterher, wo er vorher nur treu neben Herrchen hergetrottet war. Kurz drauf erreicht man den Stall, wo bald klar wurde, dass es einigen am Herzen lag, auch mal zu reiten. So verbrachte man den Rest des Nachmittags mit Einführungsstunden ins Reiten. Hierbei stellte sich heraus, dass einige wenige den Grundkurs bereits hinter sich hatten. So war Stella sehr gekonnt auf einer braunen Stute aufgestiegen und ritt quer über die große Anlage. Auch Corinna, Andrés, Dirk und Rebekka ließen es sich nicht nehmen ihre Künste vorzuführen. So präsentierte Dirk einige phänomenale Sprünge. Die Hunde sprangen gutgelaunt zwischen den ganzen Leuten umher. Nachdem man den Nachmittag so herum gebracht hatte, saß man nun beim Abendessen. Die lange Tafel bot für jeden Geschmack etwas und Max war bereits nach einer viertel Stunde so voll, dass er sich kaum noch bewegen konnte. Die anderen lachten über ihn und er zog einen Schmollmund. Am nächsten Tag machten alle einen gemütlichen Spaziergang. Hier in Spanien war die Luft wesentlich angenehmer als in Spanien. Zwar waren sie auch knapp über Null, aber es lag immerhin kein Schnee, der einem die Luft zum Atmen abschnitt. Die angenehme Luft machte die Kinder, welche vergnügt die Wege entlang rannten, schnell müde, so dass man zum Mittagessen zurück war und bei den Vorbereitungen für den Silvesterabend helfen konnte.
"Was ist denn noch zu tun, Gracia?", wollte Gina wissen, als sie in die Küche kam.
"Nichts, Senora. Senor da Viega hat mir ausdrücklich befohlen, sie nicht zu belasten.", verbeugte sich die korpulente Köchin vor ihr. Gina zog die Augenbrauen hoch und ihr Blick wechselte in einen genervten.
"Immer diese Vormundschaft. Bin ich denn immer noch ein Kind?", fragte sie augenrollend. Gracia grinste und schüttelte langsam den Kopf.
"Gehen sie in den Festsaal, Senora. Vielleicht lässt man sie dort helfen. Und nehmen sie das für die Kleinen mit." Die alte Köchin reichte Gina ein paar Kekse. Mit diesen machte sich die Pilotin auf den Weg zum Festsaal. Dort war bereits von draußen heiteres Lachen zu hören.
"Jens reich mir mal die Girlande.", hörte man Karin rufen und kurz drauf ein höllisches Poltern, welches von brüllendem Lachen abgelöst wurde. Der Pilot fluchte laut, als Gina den Raum betrat und ihn auf dem Boden sitzend zwischen einigen Luftballon, Girlandenstücken und schillerndem Papier sah. Auch sie fing laut anzulachen.
"Fasching kommt aber erst, Herr Köster.", grinste Höppi und reichte Peter einige Luftballons, die der an einem Nagel anbrachte.
"Hey, Gracia hat mich rausgeschmissen. Kann ich helfen?", erkundigte sich Gina die Hände in die Hüfte gestemmt. Andrés kam auf sie zu und drückte ihr einige nicht aufgebliesene Luftballons in die Hand.
"Wenn du unbedingt was machen willst, dann blase die noch auf.", sagte er, während er schon wieder bei Lisa und Laura war, welche die Tischkärtchen gestalteten. Die Kekse wurden auf einen Tisch gelegt und Gina platzierte sich auf einen Stuhl daneben und begann mit ihrer Arbeit. Durch die gute Zusammenarbeit hatte ma es in Windeseile geschafft, alles herzurichten. Das neue Jahr konnte kommen. So wurde es schnell Abend und man machte es sich in dem geschmückten Saal zusammen mit anderen geladenen Gästen gemütlich. Alle Damen hatten von Julio ein Paket auf ihren Zimmern zu liegen gehabt mit der Aufschrift ‚Weihnachtsgeschenk - Julio da Viega‘. Daraus erschienen wunderschöne Abendkleider, die nun alle trugen und somit der wortwörtlich strahlende Mittelpunkt der Feier waren. Im Moment erklang Musik und einige Pärchen hatten sich auf der Tanzfläche zusammen gefunden und bewegten sich im Takt. Die selbstgemachte Bowle von Stella und Biggi kam sehr gut bei den Gästen an, so dass man bereits die zweite Schüssel auftrug. Ausgelassen erzählte man über das vergangene Jahr und die Vorsätze für das Neue. Rebekka und Ralf standen zusammen an einem der großen Fenster. Ralf beobachtete die Menge, während seine Freundin verträumt nach draußen schaute.
"Ich hätte nicht gedacht, dass mein Jahresende so schön wird.", flüsterte sie und auf dem kalten Glas der Scheibe bildeten sie Dampfwölkchen. Ralf nickte nur und grinste wohl wissend vor sich hin.
"Vor allem hätte ich nicht gedacht, dass ich dieses Jahr noch nach Spanien komme. Überhaupt ist alles so anders als die letzten Jahre."
"Natürlich. Es ist nicht so geplant wie letztes Jahr.", antwortete er mit ruhiger Stimme.
"Ja, das wird es wohl sein. Aber du weißt doch, ich bin ein Mensch, der es eigentlich überhaupt nicht leiden kann, wenn etwas nicht geplant ist." Er nickte wieder.
"Jedoch muss ich sagen, ich fühle mich wohl." Sie hatte sich zu ihm gedreht und lächelte über das ganze Gesicht.
"Das freut mich Bekki. Und das ist genau das, was ich wollte. Nämlich einen ruhigen Jahresausklang." Nun nickte sie.
"Ja, trotzdem muss ich mich noch für mein Verhalten bei dir entschuldigen. Ich war ungerecht dir gegenüber und zu deinen Kollegen, obwohl ich sie noch gar nicht kannte. Doch jetzt bin ich froh ihre Bekanntschaft gemacht zu haben und so einem Ereignis beiwohnen zu dürfen."
"Ja. Komm her.", sanft zog er sie an sich und küsste sie auf die Wange. Plötzlich ging die Musik aus und man begann den Countdown runter zu zählen. Schnell gingen die beiden zu ihren Kollegen und zählten laut mit.
"Vier....drei.....zwei.....eins....frohes neues Jahr.", riefen die vielen Stimmen im Saal durcheinander. Man umarmte sich und wünschte alles beste fürs kommende Jahr. Die Pärchen lagen sich in den Armen und küssten sich sanft. Konfetti flog durch die Luft und das Klirren der Gläser erfüllte den Raum. Anschließend zog man sich warm an und ging nach draußen. Der nächtliche Himmel färbte sich bereits vereinzelt in die verschiedenen Farben der Raketen. Angestellte des Hauses hatten bereits am Nachmittag alles für das Feuerwerk vorbereitet und zündeten gerade die ersten Raketen an. Mit lautem Zischen verschwanden sie im Himmel und zauberten Sekunden später ein wunderschönes Muster ins Schwarz der Nacht. Fest umschlungen standen die Pärchen und Leutchen von Medikopter eng beieinander und verfolgten das Schauspiel. In ihren Augen spiegelten sich die Farben und die Hoffnung auf ein neues, erfolgreiches Jahr und die Hoffnung, dass alle gesund blieben und man keine Verluste einstecken musste. Das kommende Jahr sollte genauso schön wie das vergangene Jahr und besser werden.
Ende
Ich wünsche allen ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr und dass alle eure Wünsche in Erfüllung gehen.
Kristina
Copyright 2004: Kristina