Vermisst

Meine Geschichte ist eine Weiterführung der Storys "Indigo", "Eine Überraschung nach der anderen" und "Abendteuer in Afrika (falls sich jemand für die Vorgeschichte interessiert).

Jens hat in Sabrina eine außergewöhnliche Freundin gefunden mit der er sehr glücklich ist, die aber durch ihren Beruf viel Aufregung in sein Leben bringt.

Mit ihrer Hilfe konnten Michael und Dirk aus Amerika zurück kommen. Michael hat Karin einen Heiratsantrag gemacht und sie ist inzwischen schwanger.

Gina ist mit Mark verheiratet. Auch Gina ist schwanger mit Zwillingen.

Seit Michaels Rückkehr gibt es auf der Basis 3 Teams da Ralf zurückgekehrt ist. Thomas ist nicht verunglückt und inzwischen mit Biggi verheiratet die ihren gemeinsamen Sohn, Florian, zur Welt gebracht hat.

Nach der Versetzung von Herrn Ebensieder hat Michael vorübergehend die Basisleitung übernommen.

Team 1

Thomas Wächter (Pilot), Dr. Mark Harland (Arzt) und Peter Berger (Sani)

Team 3

Jens Köster (Pilot), Dr. Michael Lüdwitz (Arzt) und Ralf Staller (Sani)

Team 2

Gina Harland und Biggi Wächter (Pilotinen) , Dr. Karin Thaler (Ärztin) und Enrico Contini (Sani)

Hauptpersonen: Mitglieder von Team 1 und 3, Sabrina Wagner

Weitere Personen: Max, Stella, Felix, Siegfried, Norbert und Katharina u.a. die zu Sabrinas Leuten gehören.

 

"Guten Morgen," sagte Jens müde und ging langsam durch die Tür in den Aufenthaltsraum.

"Morgen Jens, du bist spät dran, es ist schon nach 6 Uhr." Michael kam mit einer Tasse Kaffee aus der Küche. "Meine Güte wie siehst du denn aus? Was ist passiert?"

"Was passiert ist weiß ich nicht. Als ich gestern Nachmittag nach der Schicht nach Hause gekommen bin, habe ich einen Zettel von Sabrina gefunden. Darauf stand sie will ein paar Tage alleine sein, braucht Zeit zum Nachdenken und ihre Ruhe. Und ich solle sie nicht suchen, ich würde sie sowieso nicht finden." Jens setzte sich auf das Sofa und vergrub verzweifelt das Gesicht in den Händen.

"Sie wollte doch mit Siegfried zusammen Christian an den Flughafen bringen und ansonsten ausruhen." Michael setzte sich zu ihm.

"Das hat sie mir auch gesagt. Siegfried wollte sie abholen und begleiten, deshalb habe ich nicht weiter darüber nachgedacht. Nur als sie dann nicht da war und ich den Zettel gefunden habe ....."

"Was hast du bereits unternommen?"

"Ich habe sofort bei Christian in der Klinik angerufen, dort hat man mir mitgeteilt, dass er für 6 Monate eine Fortbildung in Tibet macht. Wo genau wussten sie auch nicht. Meine Anrufe auf die Notfallnummer, die ich von Sabrina habe, werden nicht beantwortet. Nora ist mit den Kindern in Skiurlaub und kommt erst am Wochenende wieder. Norbert ist in Afghanistan im Einsatz, ebenfalls nicht erreichbar und kommt erst Mitte nächster Woche zurück. Ich bin dann zu ihrer Basis gefahren. Nachdem der Einlasscode nicht funktioniert hat bin ich über den Zaun geklettert. Alles ist verlassen, als ob dort nie etwas gewesen wäre. Mir ist dann nur noch die Hütte in den Bergen eingefallen wo wir mit euch waren, dort ist sie aber auch nicht. Wo ihre Leute wohnen oder sein könnten, ich habe keine Ahnung. Die ganze Nacht war ich unterwegs, ich weiß nicht wo ich noch suchen soll." Die Verzweiflung stand Jens im Gesicht geschrieben.

"Na, weit kann sie nicht gekommen sein in ihrem Zustand", sagte Mark der das Gespräch verfolgt hatte und aus dem Umkleideraum kam, ebenso wie Thomas und Peter.

"Du unterschätzt sie Mark, sie ist stärker als du glaubst. Außerdem war sie ziemlich sauer auf uns wegen der Sache in Afrika. Und durch das Gespräch und den Vorschlag von Herrn Schmid, dem Vorsitzenden des DRK Bundesverbandes, hat sie sich enorm aufgeregt. Ich vermute fast, das hängt damit zusammen. Obwohl ich den Eindruck in unserem Gespräch hatte sie hätte Verständnis gezeigt und unsere Gründe verstanden", erklärte Michael.

"So kannst du auf keinen Fall deinen Dienst antreten. Leg dich erst mal hin und ruh dich aus. Ich rufe Biggi an und übernehme deine Schicht", sagte Thomas.

"Wir werden uns Gedanken machen und sehen ob wir etwas erreichen können. Sie kann nicht einfach spurlos verschwinden." Ralf versuchte nun auch Jens ein wenig zu beruhigen und aufzubauen.

"Wenn Siggi sie abgeholt hat, dann ist er vermutlich bei ihr geblieben. Am besten legst du dich im Saniraum hin, dort hast du Ruhe. Komm schon." Michael half Jens hoch und begleitete ihn. Kurze Zeit darauf kam er zurück.

"Wie geht es ihm?" fragte Ralf.

"Er ist total fertig mit den Nerven. Wir haben uns noch kurz unterhalten und ich habe ihm etwas gegeben damit er schläft, ansonsten klappt er uns noch ganz zusammen. Was hat sich Sabrina nur dabei gedacht?" kopfschüttelnd setzte sich Michael an den Tisch.

"Meinst du wirklich es hängt mit Afrika zusammen? Wobei Siegfried schon so eine Andeutung gemacht hat, dass es Ärger geben wird." Mark sah ihn an.

"Können wir irgendetwas tun?" fragte Peter.

"Jens hat heute Nacht schon das meiste versucht. Momentan fällt mir nicht viel ein. Ich habe geglaubt ich weiß einiges von Sabrina, jetzt merke ich wie wenig wir eigentlich über sie wissen. Mark und Peter ihr solltet nach Hause und schlafen. Wir werden uns Gedanken machen und sehen was wir tun können. Thomas du solltest auch sehen, dass du etwas schläfst."

Mark und Peter nickten und fuhren nach Hause.

"Einverstanden, ich lege mich auf das Sofa", antwortete Thomas und legte sich hin.

"Michael, was können wir noch tun?" Ralf sah ihn fragend an.

"Ich rufe Karin an ob sie vielleicht noch eine Idee hat. Die zwei haben schon viel Zeit miteinander verbracht, da sind eventuell Bemerkungen gefallen die uns helfen können. Ansonsten hat Jens schon alles unternommen an das ich auch gedacht habe." Michael drehte sich um und griff zum Telefon.

Während er telefonierte schlief Thomas ein. Ralf saß grübelnd am Tisch. Auf einem Zettel machte er sich Notizen zu Dingen die er Michael und Jens fragen wollte. Als Michael nach einiger Zeit zurück kam sah er ihn fragend an: "Und?"

"Karin war vollkommen schockiert, sie wollte es zuerst nicht glauben. Es bleibt uns momentan nur die Möglichkeit bis Sonntag zu warten, da kommt Nora aus dem Skiurlaub zurück. Falls sie auch nichts weiß, müssen wir warten bis Norbert wieder da ist. Ob wir Erfolg haben bzw. Auskunft bekommen wenn wir die Flughäfen anrufen kann ich nicht sagen, aber einen Versuch ist es Wert. Ich häng mich gleich ans Telefon. Was mich am Meisten irritiert ist die Sache mit ihrer Basis, die vollkommen verlassen wirkt."

"Wie spät ist es eigentlich?" fragte Thomas sofort als er wach wurde.

"Kurz nach 13 Uhr, du hast geschlafen wie ein Stein", antwortete Ralf.

Langsam dämmerte Thomas was vorgefallen war. "Was ist mit Jens? Hat sich Sabrina gemeldet?"

"Jens schläft noch, ich war gerade bei ihm. Sabrina hat sich nicht gemeldet und meine Telefonate bei den Flughäfen haben bislang kein Ergebnis gebracht. Langsam gehen mir die Ideen aus." Michael betrat den Aufenthaltsraum.

"Wem gehen die Ideen aus? Wisst ihr schon etwas neues von unserer Vermissten?" besorgt kam Karin durch die Tür.

"Du bist früh dran mein Schatz." Michael gab Karin einen Kuss.

"Ich habe es Zuhause nicht mehr ausgehalten. Heute morgen war ich noch in Sabrinas Wohnung und habe mich umgesehen ob ich vielleicht einen Hinweis finde, aber leider Fehlanzeige. Und wie weit seid ihr?"

"Nichts. Ich habe eine Menge Fluggesellschaften und Flughäfen in der Nähe angerufen, aber keine Spur. Bleibt nur zu hoffen, dass Siegfried sie begleitet, was immer sie tut und wo sie auch ist. Da Nora weg ist, glaube ich nicht, dass sie etwas weiß. Wenn wir Glück haben, erfahren wir durch Norbert mehr. Falls ich richtig gerechnet habe, müsste er Montag oder Dienstag aus Afghanistan zurückkommen."

Michael saß am Tisch und stützte den Kopf in die Hände.

"Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass ihr das so zu Schaffen macht."

"Was?" wollte Thomas wissen.

"Naja, da ihr Zustand in Afrika nicht der Beste war, hat ihr Mark nach Rücksprache mit mir ein Beruhigungsmittel verpasst, damit sie den Rücktransport verschläft. Sie war deswegen ziemlich sauer, wie Siegfried bereits vermutet hat. Und als dann noch Herr Schmid mit seinem Vorschlag aufgetaucht ist unsere Basis ihr zu unterstellen und ihrer Organisation anzugliedern ist sie fast ausgeflippt. Wir hatten Mühe sie zu beruhigen. Ich denke, sie hat uns einiges verschwiegen, da muss noch irgendetwas sein. Es sieht mir fast wie eine Kurzschlusshandlung aus," erläuterte Michael.

"Hallo Leute, was ist den hier los? Ihr macht Gesichter wie sieben Tage Regenwetter." Biggi und Enrico kamen zum Schichtwechsel.

"Sabrina wird vermisst." Thomas setzte die beiden ausführlich in Kenntnis.

"Und was wollen wir jetzt tun?" fragte Enrico.

"Abwarten! Das Suchen hat nichts gebracht, so wie sie geschrieben hat. Vielleicht mache ich mir einfach zu viel Gedanken. Sie ist wie eine Wildkatze, unberechenbar und lässt sich nicht einsperren." Jens stand in der Tür zum Saniraum.

"Na, einigermaßen ausgeruht? Fühlst du dich besser?" fragte Michael mit einem besorgten Blick.

"Danke Michael. Ihr habt so viel getan. Ich hoffe ich halte die Warterei durch bis Norbert zurück ist." Resigniert holte Jens sich einen Kaffee.

"Wenn du es dir genau überlegst dann hat sie sich doch immer wieder mal zurückgezogen und die Einsamkeit und Stille gesucht. Die beste Therapie für dich Jens dürfte Ablenkung und Arbeit sein und Anna freut sich sicher auch wenn du etwas mehr Zeit für sie hast", meinte Karin und nahm ihn in den Arm.

Die nächsten Tage vergingen quälend langsam und die Sorgen nagten an Jens. Immer wieder stellte er sich die gleichen Fragen. Was habe ich falsch gemacht?

Haben wir alle etwas falsch gemacht? Warum hatte sie sich so gegen den Vorschlag von Herrn Schmid gewehrt? Je mehr er darüber nachdachte und sie diskutierten desto mehr Fragen tauchten auf.

Nora kam am Sonntag mit ihren Kindern aus dem Skiurlaub zurück, konnte ihnen aber nicht weiter helfen. Sie wusste lediglich, dass Norbert am Dienstag Nachmittag zurück kommen würde. Nochmals quälende 48 Stunden für Jens.

Da er erst um 22 Uhr zur Nachtschicht erscheinen musste fuhr Jens bereits am Mittag zu Sabrinas Basis raus, Michael lies es sich nicht nehmen und begleitete ihn. Die Stunden dehnten sich endlos und sie saßen lange schweigend im Wagen.

"Bald wird es dunkel, ich glaube wir warten vergeblich. Es sieht wirklich alles total verlassen und verwildert aus, als ob sie die Basis verlegt hätten", sagte Michael und legte ihm die Hand auf die Schulter.

"Langsam habe ich keine Hoffnung mehr. Lass uns noch eine halbe Stunde warten und dann fahren wir zurück, sonst kommen wir noch zu spät zum Schichtwechsel." Jens stützte sich auf das Lenkrad.

Sie warteten noch eine Weile bis die Dämmerung einsetzte. Jens sah erneut auf die Uhr und wollte gerade den Wagen starten als auf dem Gelände Lichter angingen. Mehrere Fahrzeuge und Gestalten tauchten auf.

"Das kann nicht wahr sein", rief Jens überrascht.

Jens und Michael stiegen aus und gingen zum Tor. Erneut gab Jens den Kode ein, aber ohne Erfolg. Sie versuchten sich durch lautes Rufen bemerkbar zu machen, doch niemand reagierte. Es blieb ihnen nur das Treiben zu beobachten. Sie konnten ein Flugzeug hören, das Sekunden später landetet. Erstaunlich schnell war das Flugzeug verschwunden und die Lichter gingen wieder aus.

"Michael, sag mir bitte, dass ich mir das nicht eingebildet habe. Es ist mir vorgekommen wie ein Spuk." Jens drehte sich zu Michael um und packte ihn an den Armen.

"Du hast nicht geträumt, ich habe es auch gesehen."

"Ich muss das genau wissen, ich klettere noch mal über den Zaun." Jens wollte gerade anfangen über den Zaun zu klettern als aus dem Schatten des Hangars eine Gestalt trat und auf sie zulief.

"Warte Jens, da kommt jemand", sagte Michael der die Bewegung sah.

Gespannt warteten sie wer auf sie zukam. Die Gestalt hielt etwas in der Hand und plötzlich öffnete sich das Tor.

"Kommt rein, ihr müsst euch sicher aufwärmen, oder wollt ihr hier draußen übernachten?"

An der Stimme erkannte Jens Norbert sofort.

"Norbert, Gott sei Dank. Weißt du wo Sabrina ist?" fragte er sofort.

"Kommt erst mal rein. Wir sollten uns unterhalten. Sie hat mir eine Nachricht hinterlassen und ich habe einen Hinweis auf ihren Aufenthaltsort."

"Jetzt spann mich nicht auf die Folter und rede schon. Es war die letzten 5 Tage schlimm genug für mich. Warum ist sie einfach verschwunden?" Jens stürmte auf Norbert ein.

Inzwischen erreichten sie den Hangar.

"Lass uns reingehen, ich werde versuchen es euch zu erklären." Norbert führte sie durch den Hangar die Treppe hoch in den Wohnbereich.

"Setzt euch und wärmt euch auf", sagte er und drückte jedem eine Tasse heißen Tee in die Hand den ihm Katharina reichte. Michael und Jens merkten erst in den warmen Räumen wie durchgefroren sie eigentlich waren. Es war Anfang März und sie waren über 6 Stunden im Auto gesessen.

"Erzählt mir die Geschichte aus euerer Sicht, Sabrinas Nachricht kenne ich. Um mir ein Bild zu machen brauche ich beide Seiten", forderte er sie auf.

Jens und Michael berichteten abwechseln was nach Sabrinas Rückkehr aus Afghanistan in Deutschland und Afrika vorgefallen war. Als sie geendet hatten nickte Norbert mit dem Kopf und sagte: "Jetzt ist alles klar, kein Wunder."

"Was ist klar?" fragte Jens.

"Wie lange kennst du Sabrina jetzt?" Norbert sah ihn nachdenklich an.

"Im Mai wird es ein Jahr. Warum?"

"Wenn sie etwas auf den Tod nicht ausstehen kann, dann ist es, wenn ihr jemand Vorschriften macht. So schlecht ging es ihr in Afrika nicht. Ihr hättet mit ihr reden sollen und sie nicht einfach ruhig stellen. Vor allem wäre es wichtig gewesen Siggi oder einen ihrer Leute darüber zu informieren was ihr vor habt.

Es war ein Risiko für Sabrina und für euch."

"Wieso ein Risiko, es konnte doch nichts passieren, wir waren auf dem Schiff in Sicherheit."

"Nein, ward ihr nicht, es hätte jederzeit zu Übergriffen kommen können. Es war Glück, dass Siggi relativ kurz vorher sehr intensiven Kontakt mit ihr hergestellt hat, dadurch hatte er die Codes und Sabrinas Geist noch einen gewissen Schutz. Es ist gefährlich für sie wenn sie zu schnell das Bewusstsein verliert, sie wird dann angreifbar. Aus diesem Grund ist Siggi während dem Rücktransport in ihrer direkten Nähe geblieben."

"Was für einen Schutz braucht sie?" fragte Jens vollkommen irritiert.

"Sabrina muss ihren Geist entweder selbst schützen oder jemand hilft ihr dabei.

Sie tut das auch bevor sie einschläft. Wird sie verletzt und kann ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen, muss sie versuchen die wichtigsten Codes, die weltweit nur sieben Personen kennen, weiter zu geben. Das brauchen wir für die Organisation und unsere Arbeit. Deshalb war sie auch so sauer auf euch. Wenn ihr mit ihr geredet hättet, dann wäre sie sicher so vernünftig gewesen und liegen geblieben auf dem Rücktransport."

"Ich sehe ein, es war ein Fehler, aber warum hat sie uns das nicht vorher gesagt?" fragte Michael.

"Es hängt mit ihren Indigo-Fähigkeiten zusammen. Sie ist mit euch noch nicht so vertraut um alles vor euch offen zu legen. Das sind Dinge über die nur ihre engsten Mitarbeiter Bescheid wissen und die wir auch erst nach einiger Zeit erfahren haben," erklärte Norbert.

"Und was hat das jetzt mit dem Vorschlag von Herrn Schmid zu tun?"

"Die Idee an sich ist, oberflächlich betrachtet, nicht schlecht. Das Problem ist nur, ihr seid zu viel Leute auf einmal die sie einweihen und ausbilden müsste. Außerdem spürt sie Vorbehalte gegen ihre Arbeit und Fähigkeiten. Normalerweise sucht sie sich ihre Leute einzeln aus, beobachtet und arbeitet einige Zeit mit ihnen, bis sie sich dann frei entscheiden. Falls man euere Basis ihr unterstellt, sind das auf einen Schlag neun neue Leute. Ihr arbeitet in Teams und versteht euch gut untereinander. Was ist, wenn jemand mit Sabrina nicht klar kommt? Für unsere Arbeit ist es wichtig, dass ihr noch einige Ausbildungen macht, d.h. längere Auslandsaufenthalte. Außerdem sind auch noch euere Familien und Kinder da, die in einem gewissen Rahmen mit informiert werden müssten. Ich befürchte, dass wird nicht ohne einige Schwierigkeiten ablaufen, da teile ich Sabrinas Meinung. Genau besehen ist es keine gute Idee. Herr Schmid kennt Sabrina nur von den Einsätzen die wir für das DRK gemacht haben, über die Organisation weiß er fast nichts. Man kann euch nicht einfach zu uns dazu addieren. Sabrina braucht auch Menschen um sich mit denen sie nicht zusammen arbeitet, um einen Ausgleich zu haben."

"Gut, nun verstehe ich einiges besser. Aber warum ist Sabrina dann verschwunden? Noch dazu ohne vorher etwas zu sagen," fragte Jens.

"Sie wollte ganz einfach ein paar Tage Ruhe haben. Mit euerer gut gemeinten Fürsorge erdrückt ihr sie fast, merkt ihr das nicht? Ihr hättet sicher wieder versucht sie zurückzuhalten, sie mag diese Diskussionen nicht. In der Regel weiß sie, was sie sich zutrauen kann. Sie hat sich an einen Ort der Stille zurück gezogen. Einmal um sich zu regenerieren und zum anderen um über einiges nachzudenken. Siggi und Beatrice haben sie begleitet, sie ist nicht allein. Sie wollen die Zeit außerdem nutzen um ihre Fähigkeiten zu trainieren."

"Immer wieder Siggi, der Kerl ist ständig in ihrer Nähe! Er soll die Finger von ihr lassen, sie ist meine Freundin und ich will sie heiraten," sagte Jens sauer.

"Hey, du wirst doch nicht eifersüchtig sein?" grinste Norbert.

"Ihn hat sie mitgenommen, mich nicht!" antwortete Jens beleidigt.

"Erstens ist er ihr Mitarbeiter den sie ausbildet und zweitens ist er praktisch so etwas wie ihr Bruder. Du brauchst dir also keine Sorgen machen. Dort wo sie sind, wollen sie einigen neuen Hinweisen nachgehen bezüglich ihrer Herkunft. Sie zieht sich immer mal für ein paar Tage zurück. Inzwischen solltest du sie gut genug kennen."

"Und jetzt? Kann ich zu ihr? Ich will mit ihr reden."

"Jens, ich will dir und euch einen gut gemeinten Rat geben. Erdrückt sie nicht und lasst ihr den Freiraum den sie braucht sonst verliert ihr sie. In der Vergangenheit hat sie damit sehr schlechte Erfahrungen gemacht und wird es nicht wieder zulassen. Sie liebt ihre Freiheit viel zu sehr um sich in einen goldenen Käfig sperren zu lassen."

"Ich will sie nicht einsperren, nur mit ihr reden. Sag mir bitte, wo sie ist."

"Jens, du bist mein Freund und ich mache dir einen Vorschlag: Denke über alles nach was wir besprochen haben. Wenn es sein muss diskutiere mit Michael und Karin darüber, aber haltet es ansonsten klein. Ich werde meinerseits mit ihrem Mentor Rücksprache halten, er kennt sie bereits über 10 Jahre. Nur wenn er es befürwortet, werde ich dir sagen, wo sie ist. Und jetzt geht bitte." Damit beendete Norbert das Gespräch von seiner Seite.

"Aber, du musst uns ......" wollte Michael ihn weiter herausfordern.

"Nichts aber, unser Gespräch ist beendet und ich werde nichts mehr sagen. Es war vermutlich schon zuviel was ich gesagt habe."

"Komm Michael, lass uns gehen. Wir haben demnächst Dienstbeginn und ich weiß wenigstens, dass sie nicht alleine ist. Es gibt einiges über das ich nachdenken muss," sagte Jens und stand auf.

Michael sah auf die Uhr. "Wir müssen anrufen, wir werden es nicht rechtzeitig schaffen. Die anderen sollen einfach etwas länger bleiben."

Schweigend fuhren sie mit Höchstgeschwindigkeit, soweit es der Verkehr zu lies, zurück zur Basis. Biggi, Enrico und Karin erwarteten sie schon.

"Und was ist?" fragte Karin gleich.

"Sie hat sich für ein paar Tage in die Einsamkeit zurück gezogen. Siegfried und Beatrice haben sie begleitet. Wir haben einiges über sie und ihre Beweggründe erfahren. Norbert hat uns nicht gesagt, wo sie ist, aber sie ist nicht allein. Ich muss über einiges in Ruhe nachdenken und Norbert will mit ihrem Mentor reden, dann entscheidet er ob ich erfahre, wo sie ist," erklärte Jens kurz.

"Wenigstens wissen wir, dass es ihr soweit gut geht und sie nicht alleine ist. Können wir irgendetwas tun?" Karin sah ihn an.

"Nein. Nur nachdenken und abwarten, vielleicht kommt sie bald zurück."

Die Kieselsteine knirschten und ein Auto hielt vor der Basis. Michael ging zum Fenster, weil er sehen wollte wer kam. Die Beifahrertür öffnete sich und eine Frau stieg aus, es war Sabrina. Seit dem Gespräch mit Norbert waren wieder 5 Tage vergangen.

"Stellt euch vor, Sabrina ist wieder da," sagte er und drehte sich um.

In diesem Moment öffnete sich die Tür und sie betrat den Raum.

"Ja, ich bin wieder da." Suchend streifte ihr Blick durch den Raum. Sie konnte nur Thomas, Michael und Ralf entdecken. "Ist Jens nicht da? Ihr habt doch glaube ich Spätschicht, oder?"

Michael ging auf Sabrina zu um sie zu begrüßen.

"Du siehst gut erholt aus. Fühlst du dich auch gut? Lass dich ansehen."

"Ich fühle mich sehr gut, vor allem weil ich mich erholen konnte ohne ständig Ärzte um mich herum zu haben die mir Vorschriften machen. Hör bitte auf damit, sonst gehe ich gleich wieder."

"Immer noch sauer?" fragte Ralf.

"Nicht mehr, aber wenn ihr schon wieder anfangt überlege ich es mir ......," grinste Sabrina. "Hallo Thomas, habt ihr getauscht?"

"Ja, ich war heute Morgen mit Biggi beim Arzt, sie hat sich beim Aufstehen den Knöchel vertreten und wollte vorsichtshalber nicht Autofahren, da ist Jens kurzfristig für mich eingesprungen. Max sagt, sie sind vor 3 Stunden weg zu einem Einsatz und müssten eigentlich bald zurück sein. Der Funkkontakt ist abgerissen, weil sie in die Berge geflogen sind und wir im Funkschatten liegen."

"Setz dich doch. Wo kommst du eigentlich her und vor allem, wo warst du die letzten Tage? Jens hat sich Sorgen gemacht." Michael sah sie fragend an.

"Ich komme direkt vom Flughafen. Siggi hat mich her gefahren, sein Auto stand noch dort. Wir waren in einer Finca auf Gomera. Das Wetter war herrlich und ich habe die absolute Ruhe und Stille genossen, es hat richtig gut getan."

"Du bist ohne etwas zu sagen einfach verschwunden, Jens hat dich verzweifelt gesucht."

Sabrina hörte den leichten Vorwurf in seiner Stimme.

"Die Notiz die ich hinterlassen habe sollte das eigentlich klären. Er wird nicht immer wissen was ich tue und wo ich bin, daran muss er sich gewöhnen. Ich kann ihn nicht in alles einweihen, schon aufgrund meiner Stellung."

"Ich dachte, wenn die Basis deiner Organisation unterstellt wird und wir dazu gehören ......." fing Michael an.

"Das ist noch nicht entschieden und hängt nicht von euch oder mir ab. Ende der Woche haben wir eine Sondersitzung der Führungskräfte anberaumt da werden wir das Für und Wieder diskutieren. Da es die Organisation in ihrer Gesamtheit betrifft, kann und werde ich das nicht alleine entscheiden. Solange bitte ich euch ab zu warten. Es hat keinen Wert weiter darüber zu reden, alle Argumente sind bekannt. Ihr habt nicht die geringste Ahnung welche Konsequenzen das für alle Beteiligten hat. Nur weil ihr bei zwei Einsätzen dabei ward, heißt das nicht, dass ihr irgend etwas wisst."

"Durch deine Andeutungen und deine Ablehnung machst du es nur noch geheimnisvoller und unverständlicher für uns," sagte Thomas.

"Du hast recht, aber ich kann nicht anders. Irgendwann werdet ihr das vielleicht besser verstehen." Traurig drehte sie sich um und ging zum Fenster um hinaus zu sehen.

Michael folgte ihr, weil er das Gefühl hatte in ihrer Nähe bleiben zu müssen.

Er legte einen Arm um ihre Schulter und sagte: "Wir werden dich vorerst damit in Ruhe lassen, aber Herr Schmid von der DRK will bis Ende des Monats eine Entscheidung haben."

"Die wird er bekommen und ihr ebenfalls, sobald als möglich. Habt ihr vielleicht einen Kaffee oder Tee für mich?"

"Sicher, ich hole dir einen Kaffee. Mit Milch und Zucker?"

Sabrina nickte und sah auf die Uhr.

"Sag mal Thomas es ist bald 16 Uhr, sollten sie nicht langsam zurück sein oder sich zumindest melden?" fragte Sabrina.

"Langsam wird es wirklich Zeit. Ich versuche mal die Zentrale zu erreichen," antwortete Thomas, stand auf und ging zum Mikro.

Michael brachte Sabrina den Kaffee.

"Wie geht es Karin und Gina?" fragte sie.

"Beiden geht es den Umständen entsprechend gut. Karin fliegt noch Einsätze, aber ich suche bereits einen Ersatz. Gina fällt uns immer öfter aus, die Zwillinge machen ihr ganz schön zu Schaffen. Zum Glück kann Biggi für sie einspringen, aber wie wir das in Zukunft machen, weiß ich noch nicht, die Belastung wird auf Dauer zu groß für sie. Ich werde mich nach einem Piloten umsehen müssen."

"Ist Ralfs neue Freundin nicht Erzieherin? Bei so viel Nachwuchs den ihr erwartet und habt, solltet ihr vielleicht über eine eigene Kindertagesstätte nachdenken," schmunzelte Sabrina.

Michael sah sie verdutzt an. "Darüber sollte man vielleicht wirklich nachdenken, die Idee ist gar nicht so schlecht."

"Michael, das beunruhigt mich jetzt doch," rief Thomas vom Mikro und unterbrach ihr Gespräch.

"Was ist los?" wollte dieser wissen.

"Die Zentrale hat seit dem Abruf auch nichts mehr von unserem Helikopter gehört. Das ist bereits über 5 Stunden her!" antwortete Thomas.

"Klemmt euch an die Telefone, wir rufen die umliegenden Krankenhäuser an.

Thomas lass dir die Einsatzkoordinaten geben und melde uns ab, wir fliegen mit dem zweiten Heli hin. Ich sage Max Bescheid er soll ihn auftranken," sagte Michael und verschwand.

Als er zurück kam sah er Sabrina am Fenster stehen und ins Leere blicken. Er trat zu ihr und konnte sie gerade noch festhalten als sie leicht schwankte.

"Sabrina, was ist los?" erschrocken sah er sie an.

"Danke, es geht schon wieder. Da ist etwas nicht in Ordnung, ich kann keinen Kontakt herstellen. Ich rufe Norbert an, er soll sich die Sattelitenbilder der letzten Stunden ansehen, vielleicht findet er eine Spur. Könnt ihr mich bitte mitnehmen, wenn ihr fliegt?" Mit diesen Worten griff Sabrina zum Telefon.

"Klar!" sagte Michael. "Thomas, Ralf habt ihr Erfolg gehabt?"

"Nein, nichts! Sie haben in keiner Klinik angefragt, das ist mehr als ungewöhnlich. Die Koordinaten habe ich, wir können los." Besorgnis war aus seiner Stimme zu hören als er aufstand und zum Helikopter ging.

"Ich informiere Max kurz darüber was wir vor haben, er soll die anderen verständigen. Ich bin gleich bei euch!" Michael ging in den Hangar während Ralf und Sabrina Thomas folgten.

Thomas startete bereits die Turbinen. Ralf und Sabrina stiegen ein und kurz darauf war Michael bei ihnen.

"Kann los gehen!"

"Wusste die Zentrale etwas über den Unfall?" fragte Sabrina.

"Nein, keine näheren Angaben!" antwortete Thomas.

"Wie lange bis zu den Koordinaten?"

"Ca. 20 Minuten."

"Können sie abgestürzt sein?" fragte Ralf.

"Relativ unwahrscheinlich. Jens würde versuchen einen Notruf abzusetzen. Der Notsender müsste funktionieren und irgendjemand hätte sicher etwas beobachtet. Es liegen aber keinerlei Meldungen in der Zentrale vor, das ist schon sehr mysteriös." Thomas schüttelte nachdenklich den Kopf.

"Hast du Norbert erreicht?" fragte Michael Sabrina.

"Ja. Er alarmiert sofort unsere Leute und ruft bereits die Daten ab. Für den stationären Satelliten führt er eine Kurzkorrektur durch. Sobald er konkrete Daten hat meldet er sich bei mir. Wir sollten unterwegs die Augen offen halten."

Angestrengt sahen alle nach draußen, in der Hoffnung etwas zu entdecken.

"Wir sind gleich bei den angegebenen Koordinaten. Ich kann beim besten Willen nichts sehen, ihr vielleicht?" fragte Thomas.

"Nichts. Lande trotzdem! Wir sollten uns Vorort umsehen ob wir Hinweise finden," wies Michael ihn an.

Thomas landete und sie suchten großflächig die ganze Umgebung ab. Nach einer halben Stunde trafen sie sich wieder.

"Ich konnte nichts finden. Wie sieht es bei euch aus? Was machen wir jetzt?" fragte Ralf.

Alle schüttelten verneinend mit den Köpfen.

"Wir sollten vielleicht großräumig alles nochmals abfliegen und dann zurück zur Basis. Kannst du die Zentrale oder die Basis erreichen Thomas?" fragte Michael.

"Momentan nicht, wir sind hier in einem Funkloch. Wenn wir aufsteigen und aus diesem Seitental herausfliegen wird es besser."

"Dann mal los, hier erreichen wir nichts."

Sie stiegen ein und Thomas startete. In großen Kreisen flog er immer höher, aber sie entdecken absolut nichts. Sobald es möglich war stellte Thomas Funkkontakt mit der Basis und der Zentrale her.

Sabrina setzte sich und schnallte sich an, aber ihr Headset setzte sie nicht auf.

Sie lehnte sich zurück, entspannte sich und schloss die Augen. Michael beobachtete sie interessiert. Kurz bevor sie landeten holte sie tief Luft und schlug die Augen wieder auf.

"Nichts, es klappt nicht, ich erreiche ihn nicht," flüsterte sie und schüttelte mit dem Kopf.

"Was?" fragte Michael leise.

"Da ich Jens sehr gut kenne, müsste ich einen geistigen Kontakt zu ihm herstellen können. Es gelingt mir nicht."

"Was bedeutet das?"

"Er könnte bewusstlos sein, gut abgeschirmt oder im schlimmsten Fall tot." Traurig sah Sabrina Michael an.

"Versuche Mark oder Peter zu erreichen."

"Ich kenne sie zu wenig, das funktioniert nicht."

"Was ist denn hier los? Jede Menge Autos und ein Hubschrauber," rief Thomas als er zum Landeanflug auf die Basis ansetzte.

Die restlichen Mitglieder der Basis waren eingetroffen sowie fast alle Familienangehörigen. Anna stand mit Felix zusammen, ihrem Freund und Mitarbeiter von Sabrina, der mit dem Hubschrauber gekommen war.

Nachdem sie ausgestiegen waren wurden sie sofort von allen bestürmt, was sie vorgefunden haben. Sabrina ging direkt zu Felix.

"Hat Norbert dich geschickt?"

"Ja, er meinte mit dem Hubschrauber bist du schneller in unserer Basis. Wir haben inzwischen die Daten der letzten Stunden und der Satellit ist in etwa einer Stunde auf Position," antwortete Felix.

"Sabrina bitte sag mir was los ist," sagte Anna mit Tränen in den Augen.

"Das einzige was wir mit Sicherheit wissen ist, dass sie sich seit heute Morgen um 11 Uhr nicht mehr gemeldet haben und offensichtlich verschwunden sind. Wir sind zu ihren Einsatzkoordinaten geflogen, aber Hinweise auf einen Unfall dort oder einen Absturz unterwegs haben wir nicht gefunden. So wie ich die Sache sehe, würde ich momentan von einer Entführung ausgehen. Ich werde mit Felix in unsere Basis fliegen und wir werden von dort versuchen Hinweise zu finden."

"Bitte bring ihn mir zurück," flehte Anna.

Sabrina nahm Anna in den Arm um sie ein wenig zu beruhigen.

"Wir tun unser Bestes und werden ihn finden. Ich will ihn auch zurück haben. Du solltest aber nicht alleine bleiben," sagte Sabrina.

"Ich möchte heute Nacht hier auf der Basis bleiben, es sind fast alle da," antwortete Anna.

"Sie kann bei uns bleiben, dann ist sie nicht alleine," sagte Michael der den letzten Satz mitgehört hatte.

"O.K. Michael ich gebe dir eine Notrufnummer über die du mich jederzeit erreichen kannst, falls ihr eine Neuigkeit habt. Ich werde euch ebenfalls informieren, sobald wir etwas finden. Max, als sie heute Morgen losgeflogen sind, war der Heli vollgetankt?" fragte Sabrina.

"Ja, warum?" Max sah sie verwundert an.

"Dann wissen wir, welche Reichweite wir bei der Suche einplanen und in welchem Radius wir suchen müssen. Komm Felix, wir fliegen." Sabrina drehte sich um und winket Felix der sich mit einer Umarmung und einem Kuss von Anna verabschiedete.

"Sabrina, warte." Gina kam auf sie zu. "Bitte finde sie, ich brauche Mark."

"Werden wir, das verspreche ich. Und du, versuche dich nicht aufzuregen, denke an euere Kinder," antwortete Sabrina.

"Ich bleibe heute Nacht auch hier, da habe ich zwei Ärzte um mich."

Sabrina und Felix stiegen in den Hubschrauber und drehten ab in Richtung München. Zurück blieben besorgte Kollegen und beunruhigte Frauen die ihre Hoffnungen auf sie setzten.

"Peter weiß noch nicht mal, dass ich wieder schwanger bin," murmelte Stella.

Die Nacht verging quälend langsam ohne Nachrichten. Einzige Abwechslung war ein Einsatz den sie in der Nacht fliegen mussten. Fast alle Mitglieder der Teams waren auf der Basis geblieben und sie verbrachten die Nacht mehr oder weniger gemütlich im Saniraum und auf dem Sofa. Zum Glück fanden sich noch zwei Luftmatratzen die ebenfalls zur Schlafstätte hergerichtet wurden. Michael döste am Schreibtisch, als er durch das Geräusch von Hubschraubermotoren geweckt wurde. Verschlafen rieb er sich die Augen und blickte auf die Uhr. Es war kurz vor 6 Uhr, er hatte immerhin 3 Stunden geschlafen, wenn auch unbequem und auf dem Schreibtisch. Durch das Fenster konnte er in der Morgendämmerung zwei Hubschrauber erkennen die zur Landung ansetzten. Er zog sich eine Jacke über und ging nach draußen. Aus einem der Hubschrauber stieg eine schwarz gekleidete Person aus, es war Sabrina, wie er schnell erkannte.

"Morgen Michael. Gestern, am späten Abend, gab es eine Meldung über einen Hubschrauberabsturz. Zuerst sah es wirklich danach aus, es hat sich dann aber herausgestellt, dass es fingiert war, ein brillantes Täuschungsmanöver. Wir haben gegen Morgen ein stark gesichertes, stillgelegten Gebäude auf dem Gelände eines Düngemittelherstellers ausgemacht in dem zwei Personen festgehalten werden, dort wollen wir hin. Von euerem Heli haben wir bislang keine Spur. Meine Leute suchen weiter. Hier ist ein Zettel mit Koordinaten, kommt bitte mit einem Team nach, haltet euch aber abseits. Und gib das Thomas, er soll es an euerem Funkgerät befestigen." Sabrina drückte ihm einen Zettel und ein kleines Gerät in die Hand.

"Hast du eine Ahnung, um wen es sich handelt?" fragte Michael.

"Nein. Wir vermuten eventuell Peter und Mark, ich will euch aber keine unnötigen Hoffnungen machen. In spätestens einer Stunde wissen wir mehr. Stellt eueren Funk und die Headsets auf die unten angegebene Frequenz, dann stehen wir in Verbindung. Bis nachher," sagte Sabrina und stieg wieder ein.

Die Hubschrauber hoben gleichzeitig ab und flogen in Richtung Berge. Als Michael zurück in die Basis ging, waren fast alle durch den Lärm wach geworden.

"Was ist los, gibt es etwas Neues?" fragten sie aufgeregt und gleichzeitig.

"Sabrina ist mit ihren Leuten unterwegs zu einem Gebäude in dem sie zwei Personen ausgemacht haben. Wir sollen mit einem Team nachkommen. Thomas und Ralf macht euch bitte fertig," sagte er.

"Wer ist es? Wusste sie genaueres?" fragte Gina.

"Nein. Sie hoffen und vermuten, dass es eventuell Peter und Mark sind."

"Was ist mit meinem Vater?" wollte Anna wissen.

"Unseren Helikopter konnten sie noch nicht ausmachen. Wir müssen hinfliegen und auf Nachricht von Sabrina warten. Ich habe die Koordinaten und eine Funkfrequenz."

"Nehmt mich mit," bat Enrico.

"Es ist besser, wenn du hier bleibst Enrico. Wir wissen nicht ob und wer verletzt ist und benötigen den Platz vielleicht. Außerdem bin ich beruhigter, wenn du bei unseren schwangeren Frauen bleibst, falls es zu Komplikationen kommt."

"Schweren Herzens, aber du hast recht," gab Enrico nach.

"Ralf? Thomas? Fertig? Hier ist der Zettel von Sabrina mit den Koordinaten und der Funkfrequenz. Außerdem hat sie mir ein kleines Gerät gegeben das du an unserem Funkgerät befestigen sollst." Michael drückte Thomas den Zettel und das Gerät in die Hand und sie verließen gemeinsam den Aufenthaltsraum.

"Was ist das?" fragte Ralf.

"Das Gerät setzt gewisse Frequenzsperrungen außer Kraft," sagte Thomas im Laufen und öffnete die Tür um ein zu steigen . Während die Turbinen warm liefen befestigte er das Gerät an ihrem Funk und stellte nach einem kurzen Blick auf den Zettel die neue Frequenz ein. Schnell setzte er seinen Helm auf und hob mit einem Schnellstart ab.

"Was heißt gesperrte Frequenzen?" fragte Ralf nochmals.

"Nun ja, es gibt gewisse Frequenzbereiche die für die Bundeswehr und den Geheimdienst automatisch in den Funkgeräten gesperrt sind. Dass Sabrina geheimnisvoll ist habe ich bereits in Südamerika gemerkt, aber die Frequenz die sie angegeben hat, die darf nicht mal der Geheimdienst oder das Militär benutzen. Dieses Gerät, welches sie Michael gegeben hat, setzt diese Sperre außer Kraft. Ich bin mir nicht sicher, was ich davon halten soll." Thomas geriet ins grübeln.

"Vielleicht ist es das, was sie meint, wenn sie sagt wir wüssten eigentlich nicht was dahinter steckt," meinte Michael. "Ruf sie, wir sollten Kontakt herstellen."

"Medicopter 117 an Sabrina bitte kommen," sprach Thomas in sein Mikro.

"Hier Wildcat, wir sind fast am Ziel. Wir werden das Gelände großräumig sichern und mit 3 Leuten in das Gebäude einsteigen. Landet außerhalb mit einigem Abstand, wir halten euch auf dem Laufenden. Und bleibt bitte bei euerem Helikopter. Wildcat Ende." Meldete sich Sabrinas Stimme.

"Wildcat?" fragte Thomas.

"Soweit ich weiß, ist das ihr Spitzname. Jens nennt sie manchmal so." Michael musste schmunzeln.

"Wir müssen da sein. Eine Maschine ist vor dem Gebäude gelandet und aus der anderen seilen sie sich bereits ab. Hast du schon einen geeigneten Landeplatz Thomas?" Ralf zeigte nach vorn.

"Dort drüben müsste es gehen, ich werde landen," sagte Thomas und setzte auf einer benachbarten Wiese zur Landung an.

"Felix, du wartest bitte hier oben, bis wir unten gesichert haben. Die Scans zeigen zwar nur zwei Personen und jede Menge Absicherungen, aber ich will Notfalls schnell raus können. So wie es aussieht können wir die Tür vorerst nicht benutzen. Kann es los gehen?" Sabrina sah ihre beiden Kollegen an.

Siggi und Johannes nickten und fingen an sich abzuseilen.

"Das Gelände außerhalb ist gesichert", meldete sich Norbert, der das Team auf dem Gelände leitete.

"Danke. Seht euch gut um, vor allem, ob ihr irgendwelche Hinweise findet." Sabrina klinkte sich ein und seilte sich ebenfalls ab.

Mark saß auf einem Stuhl, seine Hände waren mit Kabelbindern auf dem Rücken festgebunden und seine Füße an den Stuhlbeinen. Seine Versuche sich zu befreien waren erfolglos gewesen, seine Handgelenke inzwischen wund und blutig. Rufen konnte er auch nicht, da ihm der Mund zugeklebt war. Irgendwie tat ihm nach der langen Zeit alles weh. Aufgrund der Fesseln konnte er seine Position nicht verändern und sich nicht die geringste Erleichterung verschaffen. Peter saß neben ihm, nur dass es ihm bedeutend schlechter ging. Er hatte eine unbedachte Bewegung gemacht und war niedergeschlagen worden. An seiner Schläfe klaffte eine große Wunde. Das Blut war inzwischen angetrocknet. Was ihm aber am meisten Sorgen machte, er verlor immer wieder das Bewusstsein. Hoffentlich wurden sie bald aus dieser Lage befreit, damit er ihm helfen konnte. Er war sehr blass und sah schlecht aus. Mark hörte einen Helikopter über das Gebäude fliegen und in der direkten Umgebung landen. Ein zweiter blieb über dem Gebäude stehen. Inständig hoffte er, dass es Jens war, dem es gelungen war sich zu befreien, und die anderen die ihnen zu Hilfe kamen. Vom Dach waren Geräusche zu hören, Glas splitterte und drei schwarze Gestalten seilten sich ab.

Sie blieben kurz stehen, verständigten sich durch Zeichen und verteilten sich im Raum. Die mittlere Gestalt kam langsam auf ihn zu während die anderen sich weiter umsahen.

"Alles klar, niemand da. Aber jede Menge Absicherungen, da haben wir Arbeit", sagte der Rechte.

"Danke. Ich werde sehen ob ich die zwei Herren befreien kann," sagte die Gestalt vor ihm und stellte ihre Waffe zur Seite. Die Stimme war weiblich und kam ihm irgendwie bekannt vor. Eine Hand ging zur Maske und zog sie über den Kopf. Zu seiner großen Verwunderung war es Sabrina.

"Hallo Mark und Peter! Wenigstens haben wir euch beide gefunden." Sabrina zog ihre Handschuhe aus und betrachtete die Beiden genauer. "Wenn ich dir das Tape abziehe wird das kurz weh tun," sagte sie und zog Mark schnell das Tape vom Mund.

"Aahhh, ... Danke. Was machst du denn hier?" fragte er sichtlich überrascht.

"Ganz einfach, wir machen unseren Job," antwortete Sabrina und beugte sich zu Peter. Er sah sie aus leicht glasigen Augen an. Sabrinas fasste mit ihrer Hand an seine Wange. Sie sah und spürte, dass er in sehr schlechter Verfassung war.

"Das sieht nicht besonders gut aus. Ich zieh dir erst mal das Tape ab, O.K.?"

Peter nickte zustimmend und mit etwas mehr Vorsicht zog sie ihm das Tape ab.

"Wie geht es dir?" fragte Mark sofort.

"Ohh, ... heftige Kopfschmerzen und mir ist immer noch übel," murmelte Peter.

Sabrina setzte ihren Rucksack ab und zog aus einem Schaft am Bein ein Messer.

"Ich löse jetzt euere Fesseln. Bleibt aber bitte sitzen, die Stühle sind mit Drähten verbunden, das muss ich mir erst genauer ansehen." Während sie das sagte zerschnitt sie die Kabelbinder mit denen sie gefesselt waren.

Mark rieb sich sofort die schmerzenden Handgelenke und streckte sich.

Als Sabrina Peters Fesseln zerschnitt, stützte sie ihn vorsichtshalber etwas.

"Geht es einigermaßen?"

Peter lehnte sich nach vorn und lehnte sich auf seine Knie.

"Ja, geht halbwegs."

Mit einem schnellen Griff holte Sabrina zwei Wasserflaschen aus ihrem Rucksack und reichte jedem eine Flasche. Mark und Peter tranken sofort.

"Herrlich, das hat gut getan," sagte Mark.

"Felix, informiere bitte Michael und das Team, dass wir Mark und Peter gefunden haben. Sobald wir die Sprengladungen entschärft haben auf denen sie sitzen, können sie die Beiden raus holen," sprach Sabrina in ihr Mikro.

"Michael ist da?" fragte Peter schwach.

"Ja, mit Thomas und Ralf."

"Wir sitzen auf Bomben?" Unruhig rutschte Mark auf dem Stuhl hin und her.

"So wie es aussieht, ja."

"Habt ihr Jens gefunden?" fragte Mark.

"Nein, von ihm und euerem Helikopter haben wir noch keine Spur. Was ist euch eigentlich passiert?" Sabrina sah ihn auffordernd an und legte sich auf den Boden um sich die Verkabelungen näher anzusehen.

"Wir wurden gestern morgen zu einem Unfall bei Unterwössen gerufen. Als wir ausgestiegen sind haben uns die Leute plötzlich Pistolen vor die Nase gehalten und Jens gezwungen hier her zu fliegen. Einer der Leute war verletzt, wir haben ihn versorgt. Die waren ziemlich nervös, Peter hat eine unbedachte Bewegung gemacht und sie haben ihn nieder geschlagen. Anschließend haben sie uns gefesselt und mit Chloroform betäubt. Gestern Abend haben sie Jens gezwungen sie mit dem Heli wegzufliegen," erzählte Mark.

"Kannst du mir die Personen beschreiben oder hast du ihre Gespräche verfolgt? Wie viele waren es? Hast du Namen verstanden?" fragte Sabrina während sie noch immer die Verkabelungen prüfte.

"Von der Kleidung her würde ich sagen es waren Araber. Ihre Gesichter haben wir nicht gesehen, sie waren mit Tüchern verhüllt. Wir waren lange Zeit bewusstlos. Sie haben sich unterhalten, aber in einer Sprache die ich nicht verstehen konnte. Es waren 6 Personen, einer ist verletzt. Namen? Nein, ..... doch warte, da ist mehrfach der Name eines Ortes gefallen! Lass mich nachdenken ....." sagte Mark und grübelte.

"Johannes kommst du mal? Ich brauche deine Hilfe!" rief Sabrina.

"Bin schon unterwegs." Johannes kam und legte sich neben Sabrina. "Wie sieht es aus?"

"Die Bomben sind untereinander gekoppelt und sind anscheinend noch mit denen im Gebäude verbunden. Wenn wir die entschärfen wollen, müssen wir eine Umleitung legen und die Kabel gleichzeitig kappen. Ich bin mir nur noch nicht ganz sicher welche. Die haben sich an kein übliches Schema gehalten, wie überhaupt die ganze Konstruktion sehr außergewöhnlich ist," erklärte Sabrina.

"Das deckt sich mit dem, was wir festgestellt haben. Auf dem Tisch drüben an der Wand liegen jede Menge Frachtpapiere und Lieferscheine über Sprengstoff, Zubehör und Chemikalien." Johannes fuhr mit seinen Fingern die Verkabelungen ab während er redete. Aus einer Tasche zog er einen langen Draht und Werkzeug. Gemeinsam legten sie mit dem Draht eine Überbrückung.

"Chemikalien? Siggi, bitte gib Katharina die einzelnen Substanzen durch, sie soll prüfen was man damit machen kann," wies Sabrina ihn an.

"Bin schon dabei," kam die prompte Antwort von Siegfried.

"Und, was meinst du? Die gelben Kabel?" fragte Sabrina.

"Sag bloß, du weißt es nicht?" fragte Mark entsetzt und blickte nach unten.

"Nicht ganz genau, ich lerne noch. Deshalb habe ich Johannes dabei, er ist unser Sprengstoffspezialist." Sabrina grinste ihn von unten an.

"Muss ich mir jetzt Sorgen machen?" angespannt holte Mark tief Luft.

"Nein, musst du nicht. Sabrina ist inzwischen sehr gut und weiß was sie tut," antwortete Johannes. Er blickte zu Sabrina und sagte: "Auf drei?"

Mark und Peter hielten die Luft an.

"Ja!" Sabrina nickte.

"Eins, Zwei und Drei."

Gleichzeitig zwickten sie die Kabel durch.

"Ihr könnt aufstehen, sie sind entschärft," sagte Sabrina erleichtert. "Felix, verständige Michael, sie sollen die Beiden über das Dach rausholen."

"O.K., mache ich." Es entstand eine kurze Pause. "Sie machen sich auf den Weg, ich werde mich so lange verziehen."

Mark stand sofort auf und ging zu Peter. Er sah sich die Wunde genauer an und ein Blick in Peters Augen zeigte ihm, dass er kurz davor war wieder bewusstlos zu werden.

"Sabrina, schnell wir müssen ihn hinlegen," rief er alarmiert. "Kannst du Michael sagen er soll einen Notfallkoffer und eine Matratze mit dem Seil runter schicken?"

"Ich habe alles verfolgt, ist schon unterwegs. Wie geht es Peter?" fragte Michael.

Sabrina reicht Mark ein Headset, damit er sich mit dem Team unterhalten konnte.

"Er hat einen harten Schlag an der Schläfe abbekommen. Sie haben mir keine Gelegenheit gegeben ihn zu versorgen. Er klagt über heftige Kopfschmerzen und Übelkeit. Seit dem Schlag verliert er immer wieder das Bewusstsein und heute Nacht war es relativ kalt. Wir sollten ihn schnellst möglich in ein Krankenhaus bringen," erläuterte Mark.

"Wie geht es dir?" fragte Michael.

"Soweit ganz gut. Etwas durchgefroren, mir tun alle Glieder weh vom langen sitzen auf dem Stuhl und meine Handgelenke sind blutig von den Fesseln."

Das Seil mit der Trage und einem Notfallrucksack war inzwischen unten angekommen. Sie legten Peter sofort auf die Trage und packten ihn in Decken.

Mark kontrollierte seine Werte und verabreichte ihm ein Kreislauf- und ein Schmerzmittel.

"Danke," sagte Peter und schloss die Augen.

Zusammen hängten sie die Trage an das Seil und Mark zog sich einen Gürtel an um sich ebenfalls einzuklinken.

"Michael, ihr könnt uns hochziehen," sagte Mark.

"Ist dir der Name noch eingefallen?" fragte Sabrina.

Mark schüttelte den Kopf. Sabrina blickte ihm nach als er nach oben schwebte.

"Sabrina, wir bringen Peter in das nächste Krankenhaus und kommen dann wieder," sagte Michael.

"Ihr könnt euch Zeit lassen. Bis wir hier alles entschärft haben, dauert es eine Weile. Es ist kompliziert und ungewöhnlich, da hat sich jemand viel Mühe gemacht. Vielleicht kriegen wir raus was dahinter steckt. Und dann müssen wir Jens suchen. Sobald die Verantwortlichen hier merken, dass wir die Anlage entschärft haben, schwebt er in zusätzlicher Gefahr. Benachrichtigt die Frauen und Mark soll weiter versuchen sich an den Namen zu erinnern. Bis später."

Sabrina wandte sich Siegfried und Johannes zu. "Was habt ihr inzwischen herausgefunden?"

"Im ganzen Gebäude und an den Silos draußen sind jede Menge Sprengladungen befestigt. In den Silos befinden sich Chemikalien die jede für sich relativ harmlos sind, zusammen aber eine tödliche Mischung ergeben. Die Sprengung wäre der Katalysator um sie zu verbinden. Das ganze Tal wäre auf Jahre unbewohnbar und wieweit eine Verseuchung des Flusses weiterreichende Folgen hat, daran will ich gar nicht denken. Zumal der ´Tiroler Achen` in den Chiemsee mündet," erläuterte Siegfried.

"Können wir die Ladungen entschärfen?"

"Mit etwas Geduld und Sorgfalt, ja. Wir brauchen aber noch zwei Leute hier drinnen. Die Ladungen sind gekoppelt und müssen gleichzeitig getrennt werden," sagte Johannes.

"Dann hol dir, wen du brauchst," sagte Sabrina und überlegte kurz. "Katharina, habt ihr neue Daten und gibt es Nachrichten von der Basis?"

"Nein, keine Spur von Jens und dem Helikopter. Sie haben den Suchradius weiter ausgedehnt," antwortete Katharina.

"Wir werden ihn finden." Siegfried legte Sabrina die Hand auf die Schulter. Sie griff danach.

"Danke. Wir sollten anfangen. Je schneller wir hier fertig sind, desto eher können wir ihn suchen," sagte sie.

Zwei von Sabrinas Leuten, Nicole und Pierre seilten sich noch ab und sie begannen mit der mühsamen Arbeit die Sprengladungen zu entschärfen.

"Mark, soll ich dich schnell an der Basis absetzen? Gina hat Sehnsucht nach dir," fragte Thomas, der inzwischen ihre Basis verständigt hatte.

Mark sah Michael fragend an, der dabei war Peter an die Überwachungsgeräte anzuschließen.

"Ich denke, wir können den kleinen Umweg machen, dann kannst du zu Gina und wir nehmen Stella mit in die Klinik. Sag Stella sie soll sich bereit halten und Gina kannst du ausrichten sie soll dafür sorgen, dass Mark ein heißes Bad nimmt und ins Bett kommt," sagte Michael.

"Du glaubst doch nicht, dass ich ins Bett gehe, bevor wir Jens gefunden haben,"

überrascht sah Mark Michael an.

"Besonders gut siehst du nicht aus. Wir werden Jens vermutlich sowieso nicht finden. Das kann allerhöchstens Sabrina mit ihren Leuten und ihren Möglichkeiten. Sobald wir euch abgeliefert haben fliegen wir zurück zu ihr." Michael schüttelte den Kopf. "Kannst du dich an den Namen erinnern?"

"Ich grüble schon die ganze Zeit. Irgendetwas mit Berg und ein Teil von einem Tier ....... , ein Ort oder ein Berg, ....." Mark stützte den Kopf in die Hände und rieb sich mit den Fingern die Schläfen. Plötzlich sah er auf: "Unterberghorn"

"Das ist ein Berg in Österreich, ein Stück hinter der Grenze, soweit ich weiß," sagte Thomas. "Ich funke Felix an und teile es ihnen mit, vielleicht hilft das bei der Suche nach Jens."

"Ja, mach das," sagte Michael während er Mark den zweiten Verband an seinen wundgescheuerten Handgelenken anlegte.

Sie erreichten die Basis und Thomas setzte zur Landung an. Alle standen draußen und erwarteten sie. Mark stieg aus und Gina fiel ihm sofort um den Hals.

Stella rannte zum Helikopter und Thomas hob sofort wieder ab. Michael reichte ihr ein Headset.

"Wie geht es ihm?" fragte Stella und streichelte Peters Gesicht.

"Es dürfte sich um eine mittlere bis schwere Gehirnerschütterung handeln. Er schläft jetzt und bald wird es ihm besser gehen, er hat einen harten Schädel," antwortete Michael.

"Ich habe Freigabe für die Semmelweißklinik, wir sind in fünf Minuten da," sagte Thomas.

Zwei Stunden später lag Peter nach Abschluss der Untersuchungen in einem Krankenbett in einem Doppelzimmer. Stella saß auf der Bettkante und er kam langsam wieder zu Bewusstsein. Er öffnete die Augen und sah sich um.

"Stella! Hallo Jungs! Wie geht es mir Michael?" fragte er vorsichtig.

"Du hast eine böse Gehirnerschütterung. Zwei bis drei Tage Bettruhe und du kannst nach Hause, wenn alles gut läuft," antwortete Michael.

Langsam kehrte die Erinnerung zurück.

"Was ist mit Mark? Habt ihr Jens gefunden?"

"Mark habe ich nach Hause geschickt mit der Anweisung heiß zu Baden und ins Bett zu gehen. Jetzt, wo wir wissen, wie es dir geht, fliegen wir wieder zurück zu Sabrina. Mark ist kurz vor dem Aussteigen noch der Name eingefallen, vielleicht wissen sie inzwischen schon etwas neues."

"Seid vorsichtig, die sind nicht zimperlich und nehmen keine Rücksicht." Peter fasste sich mit der Hand an den Kopf den ein dicker Verband zierte.

"Ruh dich aus, wir machen das schon." Thomas reichte ihm die Hand.

"Zieh zu, dass er liegen bleibt. Wir halten unsere Leute auf der Basis auf dem Laufenden," sagte Michael zu Stella die mit einem Kopfnicken antwortete.

Die drei verabschiedeten sich mit Handzeichen und gingen zurück zum Helikopter.

"Wir sollten nochmals tanken bevor wir zu Sabrina fliegen, bis zum Unterberghorn ist es ein Stück, falls wir dort hin müssen," sagte Thomas mit einem Blick auf die Tankanzeige.

"Wo ist es am günstigsten?" fragte Ralf.

"Unsere Basis, die liegt praktisch auf dem Weg. Dann können wir die anderen auch kurz über Peters Zustand informieren."

"Na dann mal los," sagte Ralf.

Kurz darauf waren sie wieder auf der Basis. Während Thomas den Heli betankte berichteten Michael und Ralf wie es Peter ging. Mark und Gina waren, wie von Michael angeordnet, nach Hause gefahren. Wobei die anderen versprechen mussten sie sofort zu benachrichtigen, wenn es Neuigkeiten gab. Karin ging sofort zum Telefon um ihnen von Peters Zustand zu berichten.

"Hat sich Sabrina inzwischen hier gemeldet?" fragte Ralf.

"Nein, nichts! Ich könnte verzweifeln!" schluchzte Anna.

"Ich mache dir einen Vorschlag, du kommst mit uns mit. Sobald Thomas vollgetankt hat fliegen wir los," sagte Michael und nahm sie in den Arm.

"Michael, theoretisch können wir. Ich will mir nur noch etwas zu Essen und zu Trinken mitnehmen, langsam habe ich Kohldampf," sagte Thomas und betrat den Aufenthaltsraum.

"Sag bloß du kannst jetzt essen?" fragte Ralf.

"Ich bin Pilot und muss bei Kräften bleiben, sonst kann ich nicht fliegen. Außerdem habe ich heute Morgen keine Zeit für ein Frühstück gehabt bevor wir losgeflogen sind." Thomas ging in die Küche, machte sich zwei belegte Brötchen und griff nach einer Wasserflasche.

"Ralf, er hat recht! Es ist keinem damit gedient, wenn wir umkippen, weil wir nicht an Essen und Trinken denken. Wer weiß wie lange die Suche noch dauert." Unterstützte Michael das Ansinnen von Thomas und ging ebenfalls in die Küche.

Sie beeilten sich und machten sich 10 Minuten später auf den Weg zum Helikopter.

"Michael, bitte meldet euch zwischendurch. Sonst wird die Wartezeit hier endlos und wir nur noch unruhiger," sagte Karin und hielt ihn am Arm fest.

"Machen wir, ich weiß wie zermürbend die Warterei sein kann," antwortete Michael und gab ihr einen Kuss.

Thomas saß bereits im Helikopter und startete die Motoren. Ralf und Anna stiegen ein und Michael folgte. Dann starteten sie wieder in Richtung Schleching, wo das verlassene Betriebsgelände lag. Der Flug verlief sehr ruhig, keiner wusste, was er sagen sollte. Michael legte einen Arm um Annas Schulter und versuchte sie zu trösten. Als sie in die Nähe des Einsatzortes kamen rief Thomas Sabrinas Leute.

"Medicopter 117 an Wildcat, wir sind in wenigen Minuten Vorort. Wo können wir landen?"

"Landen sie hinter unseren beiden Helikoptern. Wir schicken ihnen einen Mann der sie einweist." Kam die prompte Antwort.

In diesem Moment trat ein Mann aus dem geparkten Einsatzfahrzeug und wies ihnen einen Langeplatz zu. Er blieb stehen und wartete bis sie ausstiegen. Anna erkannte ihn sofort und rannte zu ihm, es war ihr Freund Felix.

"Felix! Wo ist Papa? Wisst ihr schon etwas Neues? Warum seid ihr noch hier und sucht ihn nicht?" Schluchzend bestürmte sie ihn und viel ihm in die Arme.

"Hey, nun beruhige dich meine Engel. Alle unsere Leute die nicht dabei sind Bomben zu entschärfen sitzen an den Monitoren und versuchen Spuren zu finden. Marks Hinweis hat den Suchradius ein wenig eingeengt, wir müssen aber auf die Sattelitenbilder von gestern zurückgreifen. Das Gebiet steht nicht unter ständiger Überwachung und die Wettersatteliten machen nur stündlich Fotos. Wir haben gestern Mittag eine Kursänderung mit unserem Überwachungs-

satteliten gemacht, aber das Gebiet war sehr groß," erklärte Felix.

"Warum schwärmt ihr nicht aus und sucht ihn?" fragte Thomas.

"Das macht keinen Sinn. Wir wissen nicht genau, wo wir hin müssen. Da es sich um mindestens 6 Terroristen handelt, dürfen wir unsere Kräfte nicht zersplittern, das müsstest du eigentlich wissen Thomas." Felix schüttelte mit dem Kopf.

"Warum haltet ihr euch damit auf Bomben zu entschärfen und konzentriert

euch nicht alle auf die Suche?" fragte Ralf.

"Glaub mir, es gibt nichts, was Sabrina lieber tun würde. Nur wenn wir diese Bomben nicht entschärfen und sie explodieren, kommt es zu einer riesigen Katastrophe. In den Tanks lagern große Mengen an Chemikalien die, jede für sich, harmlos sind. Durch die entstehende Energie bei der Explosion würden sie sich verbinden. Dabei entsteht eine Mischung, die hoch giftig ist und das ganze Tal verseuchen würde. Schlimmer aber ist der Flusslauf, er würde das Gift bis in den Chiemsee tragen und seine verheerende Wirkung unterwegs und dort entfalten. Es ist wasserlöslich und es genügen Spuren davon," erklärte Felix weiter.

"Und was können wir tun?" fragte Michael.

"Im Moment nur warten. Inzwischen haben wir fast alle Bomben entschärft, es kann nicht mehr lange dauern."

"Felix, kommst du? Wir haben vielleicht etwas!" rief Katharina aus dem Einsatzwagen.

"Wartet bitte hier, ich gebe euch Bescheid, sobald wir Neuigkeiten haben," sagte Felix. "Anna, ich weiß wir werden ihn finden."

Mit diesen Worten rannte er los und verschwand im Wagen.

"Am liebsten würde ich losfliegen und Jens suchen," sagte Thomas.

"Und wo willst du suchen?"

"Na bei diesem Berg von dem Mark gesprochen hat."

"Der liegt in Österreich, wir brauchen erst mal eine Fluggenehmigung. Willst du dich mit 6 Terroristen anlegen? Mark hat schon gesagt die sind unberechenbar und brutal. Du hast Peter gesehen. Nein Thomas wir sollten hier bleiben." Michael schüttelte energisch mit dem Kopf.

"Ich komme mir nur so nutzlos vor."

"Warum überlässt Sabrina das nicht der hiesigen Polizei und deren Spezialeinheiten?" fragte Ralf.

"Keine Ahnung! Frag sie, wenn du sie siehst," antwortete Michael.

In diesem Moment öffnete sich quietschend ein Hallentor und nacheinander kamen Sabrinas Leute und am Schluss sie selbst durch das Tor. Aus Richtung der Silos kamen weitere Leute und sie trafen sich für einige triumphierende Händedrücke. Während sich die meisten mit Wasserflaschen versorgten und auf die Wiese setzten ging Sabrina zielstrebig zum Einsatzwagen. Sie öffnete die Tür und verschwand.

"Na wie sieht es aus, was habt ihr?" fragte sie gleich.

"Auf einem Bild ist der Helikopter zu sehen, wie er in Richtung Unterberghorn fliegt. Wir haben nach Marks Hinweis den Fokus auf diesen Berg gestellt. Die neuen Aufnahmen zeigen abwechselnd einige Personen und Bewegungen die sich hier treffen. Dort ist ein altes Bergwerk, das scheint als Versteck zu dienen. Hier in dem Heuschuppen konnten wir kurzzeitig eine Wärmesignatur verzeichnen, das könnte der versteckte Helikopter sein. Wir haben alte Pläne vom Bergwerk gefunden und bereits eine Aufklärungsdrohne losgeschickt," erklärte Felix.

"Klingt plausibel und sieht gut aus. Haben wir schon Überfluggenehmigung für Österreich? Wollen wir es wagen? Was meint ihr?" fragte Sabrina.

"Je eher, desto besser. Wenn wir bald losfliegen können wir die Dämmerung für uns ausnutzen und sie vielleicht überraschen," sagte Norbert. "Ich setze mich mit den hiesigen Stellen in Verbindung und informiere sie, damit sie übernehmen. Du solltest mit Michael und seine Leute reden. Wir packen zusammen und können in 30 Minuten starten, bis dorthin haben wir sicher auch die Bilder von der Drohne."

"O.K. Danke für die gute Arbeit Leute," sagte Sabrina etwas erleichtert und ging nach draußen.

Erwartungsvoll sahen Michael, Anna, Thomas und Ralf sie an.

"Wir haben eine vielversprechende Spur. Zur Sicherheit haben meine Leute eine Aufklärungsdrohne losgeschickt, ihre Bilder müssten bald eintreffen. Sobald Norbert die Behörden verständigt und wir alles zusammen gepackt haben, fliegen wir los."

"Warum habt ihr nicht längst die Behörden eingeschaltet?" fragte Thomas.

"Wir waren zuerst hier und andere Leute hätten den Einsatz gefährdet, der Giftstoff in keiner Datenbank verzeichnet. Nach dem Vorfall vor 2 Jahren in Afrika sollten eigentlich alle Daten vernichtet werden. Da auch die Verantwortlichen damals ums Leben gekommen sind, glaubte man die Substanz würde nie wieder zum Einsatz kommen, was ein Irrtum war. Die Unterlagen, die wir in der Halle gefunden haben, gaben uns den entscheidenden Hinweis, deshalb konnten wir die Verantwortung nicht abgeben. Für eine großräumige Evakuierung blieb nicht genügend Zeit. Der Timer für die Bomben war auf heute Nacht 2 Uhr eingestellt." Sabrina machte eine Pause und trank aus ihrer Wasserflasche.

"Wenn ihr wollt, könnt ihr bei uns mitfliegen, wir haben die Flugerlaubnis für Österreich. Ihr müsst mir allerdings versprechen uns nicht zu stören und euch an meine Anweisungen halten."

"Einverstanden," kam es einstimmig von den vieren.

"Sabrina, kommst du mal?" rief Norbert vom Einsatzwagen.

Sabrina machte sich auf den Weg.

"Und? Was könnt ihr sehen?"

"In der Scheune steht tatsächlich der Medicopter. Die Drohne tastet sich nun langsam in der Höhle vorwärts. Bislang haben wir mehrere Personen entdeckt, die haben sich dort gut eingerichtet. Von der Ausrüstung her sind es auf jeden Fall keine Höhlenforscher, sonder ziemlich sicher unsere Terroristen. Von Jens haben wir allerdings noch keine Spur. Konntest du etwas spüren oder Kontakt herstellen?" fragte Norbert.

"Durch die Konzentration auf die Bomben konnte ich es lange Zeit nicht. Vorhin habe ich es versucht. Ich hatte kurz das Empfinden von Dunkelheit, Kälte und Schmerzen. Es ist mir nicht gelungen einen festeren Kontakt herzustellen. Ich gehe davon aus, dass der Berg einiges abschirmt und er nicht bei vollem Bewusstsein ist," antwortete Sabrina traurig.

"In dem Bergwerk wurde früher Eisenerz geschürft. Würde das abschirmen? Zumindest wissen wir, dass er lebt. Wenn alles gut läuft haben wir ihn in ein paar Stunden da raus. Wir haben die Überraschung auf unserer Seite." Norbert legte einen Arm um ihre Schulter und sie lehnte sich kurz an ihn.

"Betrachten wir uns die Pläne der Mine und die Umgebung genauer. Wir brauchen einen versteckten Landeplatz und einen Angriffsplan." Mit diesen Worten versuchte sich Sabrina wieder auf den Einsatz zu konzentrieren.

Die anwesenden steckten die Köpfe über den Bildern, Karten und Plänen zusammen und arbeiteten einen Schlachtplan aus. Eine viertel Stunde später stand der Ablaufplan fest.

"O.K. lasst uns starten. Jeder weiß, was er zu tun hat. Viel Erfolg!" sagte Norbert. "Ich übernehme die Übergabe hier. Wir sehen uns morgen auf der Basis."

Bis auf Norbert und Beatrice verließen alle den Einsatzwagen und verteilten sich auf die beiden Helikopter. Sabrina ging mit Felix zum wartenden Medicopter Team.

"Wir wollen starten. Michael, Ralf könnt ihr bitte euere Ausrüstung mitnehmen? Für alle Fälle. Ich hoffe sehr, dass wir sie nicht brauchen," sagte Sabrina und machte sich auf den Weg zum Helikopter.

Felix nahm Anna in den Arm. "Hey mein Schatz! Wir wissen, wo Jens ist und dass er lebt. Unser Team ist eingespielt und wir haben uns mit der Umgebung vertraut gemacht. In ein paar Stunden ist er frei und wir sind auf dem Heimweg."

"Du bist so voller Zuversicht, das tut richtig gut," sagte Anna dankbar.

"Ich habe schon einige Einsätze mit diesen Leuten zusammen durchgezogen und weiß, wie sie arbeiten und was sie leisten. Es wird alles gut. Komm lass uns gehen." Felix gab ihr einen liebevollen Kuss und drückte ihre Hände. Gemeinsam gingen sie zum Helikopter und stiegen ein. Felix setzte sich auf den Pilotensitz und Anna ging nach hinten wo die anderen bereits warteten.

"Sind alle da?" fragte Sabrina vom Copilotensitz.

"Ja!" kam es einstimmig zurück.

"O.K. dann los!"

Die beiden Hubschrauber hoben ab und nahmen Kurs in Richtung Österreich.

Auf Sabrinas Schoß lag eine Laptop auf dem sie während dem Flug weitere Daten abrief. Ihre Leute überprüften schweigend die Ausrüstung.

"Alex in 15 Minuten sollten wir mit dem getarnten Schleichflug beginnen um auszuschließen, dass sie unsere Annäherung bemerken," sagte Sabrina.

"In Ordnung. Zeit läuft!" antwortete Alex aus der anderen Maschine.

"Michael, Thomas, Ralf und Anna, Siggi wird euch Tabletten zum Kauen geben. Sie wirken sehr schnell und werden euch gegen die Übelkeit helfen die auftritt, wenn wir getarnt fliegen," sagte Sabrina.

Siggi reichte ihnen eine Schachtel mit einem Blister Tabletten.

"Wozu? Mir ist beim Fliegen noch nie schlecht geworden," antwortete Thomas.

"Du wärst der Erste. Am Anfang ist jedem von uns schlecht gewesen, wenn man das öfter macht gewöhnt man sich daran. Aber wenn du es unbedingt ausprobieren willst, nur sauber machen darfst du dann anschließend auch," antwortete Felix grinsend.

"Felix, es ist Zeit!" sagte Sabrina und unterstützte Felix bei den nötigen Schaltungen.

Das Licht im inneren des Helikopters veränderte sich und das Geräusch der Rotoren wurde sehr leise. Erstaunt beobachtete Thomas die Änderungen und spürte ein unangenehmes, flaues Gefühl im Magen. Schnell griff er nach den Tabletten die Michael noch in der Hand hielt.

"Probleme Thomas?" fragte er erstaunt.

Thomas nickte und beeilte sich die Tablette zu zerkauen.

"Ich hoffe das Zeug wirkt schnell," murmelte er, lehnte sich zurück, holte tief Luft und schloss die Augen.

Sabrina und Felix verfolgten die kurze Unterhaltung, sahen sich an und grinsten. Sabrina zuckte mit den Schultern und sagte leise: "Er war gewarnt."

"Wir sind gleich da, ich kann den Landeplatz ausmachen." Felix konzentrierte sich auf die Landung und setzte behutsam auf.

Nacheinander stiegen alle aus. Sabrina hielt Felix zurück damit die anderen ihre Unterhaltung nicht hören konnten.

"Felix, bitte bleib hier bei den Helikoptern, Anna und der Medicopter Crew. Ich möchte eine Wache hier haben die im Notfall fliegen kann."

"Warum soll ich nicht mit? Thomas kann fliegen!"

"Thomas ist mit der Maschine nicht vertraut, du weißt selbst, dass sie ein wenig kompliziert ist. Außerdem möchte ich dich hier haben um sie von Dummheiten abzuhalten. Ich befürchte, dass sie, wenn wir sie alleine lassen, auf eigene Faust handeln und uns in die Quere kommen. Anna ist sicher froh, wenn du in ihrer Nähe bleibst und extreme Belastungen sollst du deinem Rücken noch nicht zumuten. Ich brauche dich als Kontakt hier und sollte jemand verletzt werden kannst du mit dem Helikopter schnell am Höhleneingang sein." Sabrina sah ihn eindringlich an.

"Einverstanden. Aber du solltest dich auch etwas schonen. Ich habe bemerkt, dass du mit deinem Bein Probleme hast."

"Es ist nur überanstrengt, sobald Ruhe einkehrt wird das wieder. Bei der Einsatzplanung habe ich mich schon zurück gehalten. Lass uns gehen."

Felix stieg aus. Sabrina vervollständigte ihre Ausrüstung und folgte ihm.

"Sabrina, können wir euch unterstützen oder helfen?" fragte Michael.

"Nein. Wir sind ein eingespieltes Team und haben einen Einsatzplan. Da wir nicht genau wissen was uns erwartet, ist es besser ihr bleibt hier und wartet. Felix bleibt ebenfalls hier. Wenn alles vorbei ist könnt ihr direkt zum Höhleneingang fliegen," erklärte Sabrina.

"Aber wir, .... ich ...!" versuchte Thomas einzuwenden.

"Es macht keinen Sinn, ihr bleibt da. Ihr würdet uns nur stören," sagte Sabrina mit fester Stimme und drehte sich um. "Alles fertig?"

"Kann los gehen!" kam die einstimmige Antwort von ihren Leuten.

Sie liefen in verschiedene Richtungen los und waren kurz darauf in der Dunkelheit verschwunden.

"Das passt mir überhaupt nicht. Ich will nicht hier rumsitzen, mit welchem Recht nimmt sie alles in die Hand?" fragte Thomas leicht verärgert.

Felix stellte sich vor ihn und hielt ihn fest.

"Soweit wir inzwischen wissen, handelt es sich bei diesen Leuten um gefährliche Terroristen und Sabrina hat die nötige Einsatzerfahrung. Es ist ihr Team und sie weiß, wie sie reagieren, weil sie uns ausgebildet hat. Bei euch weiß sie das nicht. Wenn ihr am falschen Ort seid oder euch falsch verhaltet gefährdet das den ganzen Einsatz. Du warst doch selbst beim Militär und weißt wie wichtig Disziplin und das Befolgen von Anweisungen ist. Sieh Sabrina doch einfach als ranghöchsten Offizier oder als Chef an, vielleicht fällt es dir dann leichter. Sie hat in ihrem Leben schon viel gesehen und durchgemacht. Du kannst dich auf ihr Urteilsvermögen verlassen und solltest ihr vertrauen."

"Warum soll ich sie als Offizier ansehen? Hat sie denn eine militärische Ausbildung?" verdutzt sah Thomas ihn an.

"Ja, hat sie. Sowohl bei der Airforce, als auch bei den Marines. Daher kennt sie sich auch so gut aus mit allem was fliegt."

"Euere Helikopter sehen zwar äußerlich ganz normal aus, aber die Innenausstattung, diese Tarnung und der Leiseflug haben mich doch sehr überrascht. Darüber würde sich mancher Geheimdienst und das Militär sehr freuen. Was steckt denn noch alles dahinter?" fragte Thomas.

"Du wirst verstehen, dass ich dir das nicht erklären kann. Nur so viel, wir haben in unserer Organisation zahlreiche Wissenschaftler in der Forschung und Industrie die an allen möglichen Weiterentwicklungen arbeiten. Nur stell dir vor, sie gelangen in die falschen Hände oder werden von den falschen Leuten genutzt. Welchen Schaden kann man damit anrichten? Es ist ein ständiger Zwiespalt in dem wir stehen. Deshalb ziehen wir viele Einsätze selbst durch." Felix schüttelte mit dem Kopf.

"Ist es dass, was Sabrina meint, wenn sie sagt wir hätten eigentlich keine Ahnung auf was wir uns einlassen?" fragte Michael.

"Ja, ein wenig. Die ganze Sache ist viel weitreichender und komplizierter als ihr glaubt. Man muss sich auf Sabrina und die Sache einlassen um sie zu verstehen. Thomas fällt das z. B. sehr schwer, das sehe ich an seinen Reaktionen. Er meint ständig ihr Widerspruch entgegensetzen zu müssen. Ich sage nur Tabletten gegen Übelkeit." Grinsend sah Felix ihn an.

"Es ist so ungewohnt, sie ist eine Frau! Sie hat alles im Griff und fast immer recht. Ich kann sie nicht einschätzen und weiß zu wenig von ihr. Sie irritiert mich," antwortete Thomas.

"Sie muss alles im Griff haben bei der Rolle die sie in unserer Organisation inne hat. Weltweit haben wir etwa 150 Leute die wie ich zum harten Kern gehören. Insgesamt unterstützen uns um die 1000 Menschen bei unserer Arbeit. Geleitet wird die Organisation von einer Führungsspitze mit 7 Personen zu denen Sabrina zählt. Jetzt kannst du hoffentlich einschätzen wir wichtig sie für uns ist und welche Rolle sie hat. Und wenn sie nicht gut und qualifiziert wäre, würde sie nicht in der Führungsspitze sein," erklärte Felix.

Anna verfolgte das Gespräch schweigend. Sie machte sich große Sorgen um ihren Vater und fing an zu zittern. Mit der hereinbrechende Nacht wurde es noch kühler als es den Tag über schon gewesen war, immerhin war es erst Mitte März. Felix sah sie zittern, ging zu ihr und legte ihr seine Jacke um die Schultern.

"Anna, du frierst. Komm mit in den Helikopter dort ist es wärmer und ich gebe dir eine Decke." Besorgt ging Felix mit ihr zurück zur Maschine.

"Mein Gott Michael, hast du das gewusst?" fragte Thomas.

"Andeutungsweise, aus einigen Bemerkungen, so detailliert wusste ich das bis heute nicht. Selbst Norbert ist diesbezüglich sehr schweigsam. Langsam verstehe ich ihre Reaktionen und ihr Verhalten etwas besser. Wenn sie Zuhause ist will sie von ihrer Arbeit nicht reden, mit der Begründung uns zu Schützen, ich verstehe nun warum," nachdenklich blickte Michael in die Dunkelheit.

"Dieser Felix ist noch relativ jung und wirk doch so erwachsen, wenn man ihn so hört," sagte Thomas.

"Er hat schon einige Male als Pilot für uns gearbeitet, aber richtig schlau geworden sind wir nicht aus ihm. Wenn die Sprache auf seine Arbeit oder Sabrina kommt weicht er immer aus. Jens war am Anfang äußerst skeptisch, ist inzwischen aber sehr angetan von seinem Schwiegersohn in Spee. Lass uns auch zum Helikopter gehen, falls sich Sabrina oder ihre Leute melden."

Thomas und Michael gingen zum Helikopter.

"Warum hat Sabrina dich eigentlich nicht mitgenommen?" fragte Thomas an Felix gerichtet als sie in den Helikopter stiegen.

"Sie hat ihre Gründe und ich akzeptiere das. Außerdem muss jemand da sein der den Helikopter fliegt," antwortete Felix.

"Ich hätte fliegen können," wendete Thomas ein.

"Du bist mit der Maschine nicht vertraut." Felix schüttelte mit dem Kopf.

"Was soll schon großartig anders sein? Schließlich bin ich Pilot."

"Setz dich rein und sieh es dir an. Sie hat Spezialfunktionen und der Helm ist mit seinen Funktionen auf bestimmte Leute und ihre Gedankenmuster eingestellt. Ohne längere Einweisung und eine Justierung auf dich könntest du sie nicht fliegen." Felix zeigte nach vorne und Thomas setzte sich auf den Copilotensitz um sich alles näher anzusehen. Er studierte die Kontrollen und Anzeigen längere Zeit und setzte den Helm auf.

Nach einiger Zeit gab er kleinlaut zu: "Du hast recht, hier ist wirklich einiges anders, ohne Einweisung könnte ich diese Maschine nicht fliegen."

"Welch selten Töne von meinem Freund, das kenne ich ja gar nicht von dir," sagte Michael. Er saß im hinteren Teil des Helikopters, hielt Anna im Arm und verfolgte das Gespräch zwischen Felix und Thomas.

In der Zwischenzeit schlichen Sabrina und ihre Leute in verschiedene Richtungen durch den Wald, immer darauf bedacht in Deckung zu bleiben und keine Geräusche zu verursachen. Sie hatten sich in vier Teams aufgeteilt um über zwei Lüftungsschächte, den Seiteneingang und den Haupteingang in die Höhle einzudringen.

Hinter einem Baum ging Sabrina mit Siegfried in Deckung.

"Sind alle auf Position?" fragte Sabrina leise über ihr Kommunikationssystem.

"Wir haben den Luftschacht erreicht und steigen ein," antwortete Johannes.

"Fleur und ich sind ebenfalls gleich am Ziel und steigen sofort ein," flüsterte Pierre.

"Ich kann den Seiteneingang bereits sehen. Wir sichern und schleichen uns dann ein. Wartet noch etwa 15 Minuten, bevor ihr los geht," meldete sich Alex.

"Versuche inzwischen noch einmal mit Jens Kontakt herzustellen, das überbrückt die Wartezeit und hilft uns vielleicht etwas." Siegfried sah Sabrina auffordernd von der Seite an. "Ich halte Wache."

Sabrina nickte, lehnte sich an den Baum und schloss die Augen. Plötzlich holte sie tief Luft und riss die Augen auf. Siggi war sofort bei ihr.

"Was ist los?"

"Er ist schwer verletzt! Es geht ihm nicht sehr gut. Der Kontakt ist schwach gewesen. Dort wo er ist, ist es kalt, feucht und dunkel. Wir sollten uns beeilen," sagte Sabrina während sie aufstand.

"Wir dürfen nichts überstürzen und müssen auf unsere Leute warten. Es ist bald 22 Uhr, vielleicht schlafen sie schon. Die Überraschung ist hoffentlich auf unserer Seite. Zum Glück haben wir die Medicopter Crew dabei. Hattest du eine Vorahnung?" fragte Siegfried.

"Ich wusste bereits, dass er verletzt ist und habe sie aus einem Gefühl heraus gebeten mitzukommen. Ich habe gehofft, wir würden ihre Hilfe nicht benötigen. Wie spät ist es?"

"Die Zeit ist abgelaufen. Unsere Leute müssten inzwischen weit genug vorgedrungen sein."

Sabrina und Siggi nickten sich zu und schlichen auf den Höhleneingang zu.

"Anscheinend fühlen sie sich sehr sicher, sie haben nicht einmal eine Wache aufgestellt," flüsterte Siegfried.

"Du hast recht. Unsere Aktion auf dem Betriebsgelände scheint ihrer Aufmerksamkeit entgangen zu sein. Es war gut, dass wir die beiden speziellen Geräte in Funktion gelassen haben. Dadurch glauben sie, dass die Ladungen noch nicht entdeckt und entschärft sind. Sie müssen sich auch sicher gewesen sein, dass der fingierte Hubschrauberabsturz nicht durchschaut wird. Unser Mann bei der Presse hat gute Arbeit geleistet. Trotzdem sollten wir auf mögliche Fallen achten," antwortete Sabrina während sie langsam weiter vorwärts schlichen.

Mit abgeschwächten Lampen leuchteten sie vorsichtig ihren Weg aus. Der Höhlengang war feucht und glitschig. Immer wieder blieben sie stehen um zu lauschen. Erst nachdem sie eine Abzweigung passierten sahen sie einen Lichtschimmer und hörten plötzlich leise Stimmen. Ohne Licht schlichen sie weiter. Der Gang öffnete sich und gab den Blick frei in einen größeren Raum. Im hinteren Teil standen Feldbetten auf denen mehrere Personen schliefen. Lediglich zwei saßen noch am Feuer und unterhielten sich. Sabrina durchsuchte mit den Augen den Raum. Nacheinander entdeckte sie ihre Leute. Das Timing war perfekt. Jens allerdings konnte sie nicht entdecken. Auf ein Zeichen hin schlugen sie los. Alles lief blitzschnell ab. Innerhalb von Sekunden waren die beiden Männer am Feuer überwältigt, ebenso wie die fünf Schlafenden, die unsanft geweckt wurden. Während ein Teil ihrer Leute die Gefangenen fesselte, durchsuchten die anderen die angrenzenden Räume und Gänge.

"Habt ihr Jens gefunden?" fragte Sabrina als sie zurück in der großen Halle waren.

"Nein, leider nicht," antwortete Alexander und auch die anderen schüttelten die Köpfe.

"Versuchen wir, ob wir etwas aus den Gefangenen herausbekommen," schlug Johannes vor.

"O.K. versucht es. Ich werde mich konzentrieren, vielleicht bekomme ich eine Richtung in die wir gehen könne." Sabrina rieb sich die Schläfen und konzentrierte sich auf Jens.

"Ich werde dich begleiten, vielleicht kann ich dich unterstützen," sagte Siegfried und drehte sich um. "Johannes geh bitte zum Höhleneingang und verständige Felix, er soll zum Eingang fliegen," erteilte er eine kurze Anweisung.

Mit einem Nicken bestätigte Johannes und ging los.

Sabrina ging langsam, wie in Trance, in Richtung eines schmalen Seitenganges und Siegfried folgte ihr mit einer starken Lampe.

´Jens, bitte komm zu dir, damit ich dich finden kann. Du brauchst Hilfe, ich weiß das und bin unterwegs zu dir.´ Inständig dachte Sabrina an Jens und versuchte ihn zu erreichen.

Dann spürte sie seine Gegenwart und seinen Kampf das Bewusstsein wieder zu erlangen. Die Kälte und die Schmerzen durch seine Verletzung ließen es aber nur teilweise zu. Sabrinas Schritte wurden schneller. Dadurch achtete sie nicht auf den Untergrund der stark abschüssig und glitschig wurde. Sie stolperte und rutschte mit einem leisen Aufschrei einen kleinen Hang hinunter. Unten angekommen wurde sie von etwas weichem gebremst und erschrak.

"Sabrina? Ist dir etwas passiert?" rief Siegfried der mit einem Strahler von oben leuchtete und versuchte ihr schnell zu folgen.

"Ich bin in Ordnung. Sei vorsichtig, es ist abschüssig. Warte, hier ist etwas."

Sabrina griff nach ihrer Taschenlampe am Gürtel und knipste das Licht wieder an da es beim Sturz ausgegangen war. Es war ein Mensch. Sie leuchtete in das Gesicht und stellte zu ihrer Freude fest, dass es Jens war. Sofort fühlte sie nach seinem Puls. Er war schwach, aber stabil.

"Siggi, ich habe Jens gefunden. Komm runter, du musst mir helfen."

Während Siegfried weiter nach unten stieg untersuchte Sabrina Jens vorsichtig.

"Wie geht es ihm?" fragte Siegfried sofort als er bei ihnen war.

"Soweit ich das feststellen kann sind einige Rippen gebrochen und er hat eine Schussverletzung in der Hüfte. Dadurch hat er viel Blut verloren, außerdem ist er unterkühlt. Inwieweit innere Verletzungen vorliegen kann ich schlecht beurteilen. Auf jeden Fall liegt er hier schon eine Weile und Fieber hat er auch. Er muss so schnell wie möglich hier raus und in ein Krankenhaus."

"Ich habe bereits Alex verständigt. Er sagt gleich Felix Bescheid und schickt die Medicopter Crew direkt hierher," antwortete Siegfried.

"Danke. Ich werde sehen was ich für ihn tun kann um ihn etwas zu stabilisieren."

Sabrina nahm seinen Kopf in ihren Schoß, legte eine Hand auf seine Stirn und die andere auf seine verletzte Seite. Nur Siegfried konnte das Leuchten sehen das von ihren Händen ausging und Jens ein wenig Lebenskraft zurück brachte. Als sie Stimmen über sich hörten löste Sabrina ihre Hände und das Leuchten verschwand. Augenblicke später war Felix mit Michael, Ralf, Thomas und Anna bei ihnen.

Michael kniete sich sofort neben Jens und untersuchte ihn.

"Ralf leg gleich einen Zugang. Sabrina wir brauchen mehr Licht und eine Trage, hol sie bitte schnell Thomas."

Thomas spurtete sofort los und Felix leuchtete Michael zusätzlich mit einem Strahler. Anna kniete sich neben Sabrina und sah Michael erwartungsvoll an.

"Michael, wie geht es ihm?" fragte sie.

"Sein Allgemeinzustand ist relativ schlecht, aber er ist stabil. Durch die Schussverletzung hat er viel Blut verloren, einige gebrochene Rippen und Prellungen. Innere Verletzungen kann ich nicht ausschließen, er muss so schnell wie möglich in ein Krankenhaus. Ralf gib ihm das Kreislaufmittel, Novalgin für die Schmerzen und eine Ringerlösung. Er fiebert und ist unterkühlt, aber er wird es schaffen," erklärte Michael während er Jens abtastete.

Sabrina legte einen Arm um Anna und sagte: "Ich habe für ihn getan was ich konnte, in ein paar Tagen ist er wieder fit."

Thomas kam mit der Trage zurück und gemeinsam betteten sie Jens vorsichtig auf die Trage um.

Die mitgebrachten Decken sorgten gleich für die erste Wärme.

"Felix, flieg sie zum nächsten Krankenhaus und komme dann zurück. Wir müssen hier noch Aufräumen und die Leute den richtigen Behörden übergeben. Ich komme so bald als möglich nach." Sabrina hielt Michael am Arm fest und sah ihm bittend in die Augen.

"Ich kümmere mich persönlich um ihn, er schafft das. Das Wichtigste hast du vermutlich schon für ihn getan." Michael drückte ihre Hand und dann transportierten sie Jens zum Helikopter.

Während Felix startete und sie zurück flogen kümmerten sich Michael und Ralf um Jens. Thomas unterstützte Felix so gut es ging während dem Flug. Inzwischen war es nach Mitternacht und stockfinster, da Wolken aufgezogen waren.

"Michael, in welcher Klinik sollen wir zuerst anfragen? Willst du in unsere Maschine umsteigen oder sollen wir direkt fliegen?" meldete sich Thomas.

"Frage in Traunstein und Rosenheim an. Ich möchte mit in den OP, sie sollen alles vorbereiten. Er ist soweit stabil, wir fliegen direkt, dann verlieren wir keine Zeit," antwortete Michael.

"Michael, wie schlimm ist es?" fragend sah ihn Anna mit Tränen in den Augen an.

"Wir haben ihn gut stabilisiert. Sobald wir die Kugel raus geholt haben und ich weiß, ob er innere Verletzungen hat kann ich dir genau sagen wann er wieder Zuhause ist. Er ist kräftig und wird sich schnell erholen. Sabrina hat ihm bereits geholfen," antwortete Michael zuversichtlich.

"Wir sind in 10 Minuten da, Michael. Wir haben die Freigabe für Rosenheim, der OP ist vorbereitet und ein Team stehen schon bereit," sagte Thomas.

"Das ging aber schnell!" Überrascht sah Ralf Michael an.

"Dieser Helikopter steckt voller Überraschungen und ist ein wahres Wunderwerk. Wenn alles vorbei ist möchte ich ihn mir gern genauer ansehen, falls Sabrina einverstanden ist." Thomas schielte zu Felix.

"Du musst sie fragen, dass kann ich nicht entscheiden." War die knappe Antwort von Felix. "Soll ich dich auf dem Rückweg bei euerem Medicopter absetzen?"

"Michael, was meinst du?" fragte Thomas.

"Ich gehe mit Jens in den OP. Die Operation wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Ralf kann die anderen verständigen und bei Anna bleiben. Ist ein guter Vorschlag, dann haben wir unseren Helikopter gleich wieder in der Nähe."

Felix setzte vor der Klinik zur Landung an. Das Klinikpersonal war sofort da und half ihnen Jens aus der Maschine zu holen.

"Anna, ich bin so bald als möglich wieder bei dir." Felix gab Anna einen flüchtigen Kuss und nahm sie in den Arm.

Während Michael, Ralf und Anna mit Jens in der Klinik verschwanden flogen Thomas und Felix zurück.

Als Michael mit Jens und den anderen im Gang verschwunden waren sagte Sabrina zu Siegfried: "Hilf mir mal bitte beim Aufstehen." Sie reichte ihm die Hand und er zog sie hoch.

"Alles O.K.?"

"Einigermaßen. Seit dem Sturz tut mir mein rechtes Bein wieder weh. Ich bin müde und erschöpft. Lass uns das hier zu Ende bringen und verschwinden. Wenn ich ein paar Stunden Schlaf bekomme geht es mir wieder besser." Sabrina ging langsam mit Siegfried zurück in die Höhle. Sie humpelte ein wenig, die alte Verletzung am Oberschenkel bereitete beim Laufen doch stärkere Schmerzen als sie zugeben wollte.

"Die österreichische Sondereinsatztruppe ist verständigt und bereits unterwegs. Es wir allerdings noch mindestens zwei bis drei Stunden dauern bis sie hier sind. Das lässt uns genügend Zeit um die Gefangenen zu verhören und das Material zu sichten." Alexander setzte Sabrina und Siegfried sofort vom aktuellen Stand in Kenntnis als sie zurück in der großen Höhle waren.

"Ich glaube, wir werden nicht viel aus ihnen heraus bekommen. Am ehesten erhalten wir vermutlich über die Unterlagen Hinweise. So wie die ganze Sache angelegt ist und trotz des hohen Aufwandes anscheinend mit relativ wenigen Leuten durchgeführt wird, handelt es sich, wie es aussieht, um eine Elitetruppe. Wichtig ist jetzt zu klären, ob es Drahtzieher gibt, sie alleine arbeiten oder ob wir irgendwo noch Splittergruppen aufspüren müssen."

Fast vier Stunden später saßen sie alle wieder in ihren beiden Helikoptern und befanden sich auf dem Rückflug. Die Übergabe der Gefangenen und der nötige Informationsaustausch hatte mehr als eine Stunde in Anspruch genommen. Sie waren erschöpft aber zufrieden, weil die Aktion ohne größere Verletzungen und Verluste abgeschlossen war. Während ihre Leute mit den Gefangenen und der Sichtung des Materials beschäftigt waren zog sich Sabrina zurück. Sie legte sich einen Verband am verletzten Oberschenkel an. Die frisch verheilte Wunde war beim Sturz teilweise aufgeplatzt und blutete wieder. Jetzt wo endlich Ruhe einkehrte spürte sie ein Klopfen und starke Schmerzen. Sobald sie wusste, wie es Jens ging musste sie sich ausruhen.

"Felix, in welches Krankenhaus habt ihr Jens gebracht?" fragte Sabrina.

"Nach Rosenheim. Michael ist mit in den OP. Ralf hat die anderen verständigt und ist bei Anna geblieben. Auf dem Rückweg habe ich Thomas auf dem Werksgelände abgesetzt. Er ist mit dem Medicopter zurück zur Klinik geflogen und hat Karin und Enrico von der Basis mitgenommen," antwortete Felix.

"Das ist gut. Was wollen wir machen? Ich möchte in die Klinik wegen Jens und du sicherlich wegen Anna. Der Helikopter sollte aber nicht auf dem Klinikgelände rumstehen. Erschöpft und müde sind wir alle," nachdenklich blickte Sabrina aus dem Fenster.

"Fliegen wir auf unsere Basis. Ich fahre euch beide dann nach Rosenheim, das schaffen wir so früh am Morgen recht schnell," schlug Siegfried vor.

"Bist du nicht müde?" fragte Sabrina.

"Ich habe, im Gegensatz zu dir, zwischendurch ein paar Stunden geschlafen. Und irgend jemand muss doch auf dich aufpassen." Siegfried sah Sabrina fürsorglich von der Seite an. Seit dem Sturz in der Höhle beobachtet er sie genau und es war ihm nicht entgangen, dass sie größere Probleme mit ihrem Bein hatte. Wie gewöhnlich gab sie es nicht zu und er wollte sie im Auge behalten.

"Danke Siggi, dass werde ich dir nicht vergessen," sagte Felix.

"Lass die Sprüche Kleiner, du kennst unser Motto. Es ist selbstverständlich."

Kurz darauf landeten sie auf der Basis. Die Helikopter waren schnell im Hangar untergebracht. Fast alle Mitarbeiter legten sich noch auf der Basis erschöpft in die Betten. Katharina übernahm die Notbesetzung in der Überwachungszentrale alleine da sie bereits früher zurück gewesen war und schon einige Stunden geschlafen hatte. Sabrina, Felix und Siegfried stiegen ohne sich umzuziehen in das Auto und fuhren nach Rosenheim, die Ungewissheit um Jens trieb sie an.

"Versuch ein wenig zu schlafen," sagte Siegfried zu Sabrina nach einiger Zeit.

"Habe ich versucht, es geht nicht. Ich bin viel zu aufgekratzt. Ruhe werde ich erst finden, wenn ich genau weiß, wie es Jens geht," antwortete Sabrina.

"Mir geht es nicht anders," murmelte Felix.

"Oh Mann, muss Liebe schön sein," grinste Siegfried.

"Warte nur, bis sie dich trifft ......," wehrte sich Felix.

"Wenn ich euch beide so sehe, lasse ich das lieber."

"Das ist das Schöne an der Liebe, sie fragt nicht lange, sie kommt einfach und haut dich um. Da kannst du nichts dagegen machen ....." Felix schmunzelte.

"Wir sind gleich da, da vorne ist das Krankenhaus," sagte Siegfried um vom Thema abzulenken. Er parkte den Wagen und sie eilten in die Klinik. Vor dem OP-Bereich saßen noch immer Anna, Ralf, Thomas, Enrico und Karin und warteten. Felix ging sofort zu Anna, setzte sich zu ihr und nahm sie in den Arm.

"Hallo Karin, wisst ihr schon etwas? Wie geht es Jens?" fragte Sabrina sofort.

"Michael war vor ca. 10 Minuten kurz hier. Jens hat die Operation gut überstanden. Die Kugel steckte sehr tief im Gewebe und ist jetzt entfernt, zum Glück hat sie keinen größeren Schaden an den Organen verursacht, dafür aber einige Blutgefäße verletzt. Die gebrochenen Rippen sind gerichtet und sie sind eben dabei die Wunden zu schließen. Anschließend bringen sie ihn in den Aufwachraum. Wenn dort alles gut läuft und er weiter stabil bleibt kann er bald in ein normales Zimmer gelegt werden," erklärte Karin.

"Gott sei Dank. Was glaubst du wie lange es noch dauert?" Sabrina setzte sich erschöpft auf einen der Stühle.

"Ich gehe von ein bis zwei Stunden aus," antwortete Karin.

"Dann warte ich mit euch. Siggi, danke dass du uns hergefahren hast. Fahr nach Hause, der Tag war lange genug."

"Nein, ich bleibe. Wenn ich dich so ansehe besorge ich erst mal einen Kaffee und dann sehen wir weiter," sagte Siegfried bestimmt und ging zu einem Kaffeeautomaten. Er setzte sich kurz darauf mit zwei dampfenden Bechern neben sie und reichte ihr einen davon. Dankbar nahm Sabrina den Kaffee an und trank ihn vorsichtig. Die heiße Flüssigkeit und die Ruhe auf dem Korridor taten ihr gut. Aber sie spürte, dass sie nicht mehr lange durchhalten würde. Die aufgebrochene Verletzung und zwei Tage und Nächte ohne Schlaf forderten langsam ihren Tribut.

"Ich glaube fast, ich sollte mich hinlegen. Siggi erkundige dich bitte nach einem Zimmer und einem Bett für mich," sagte sie leise, ohne dass die anderen es hören konnten. Sie lehnte sich an die Wand und schloss die Augen.

Er stand sofort auf und suchte eine Schwester. Bereits 10 Minuten später war er wieder bei ihr und setzte sich neben sie. Er legte eine Hand an ihre Wange, die andere auf ihren Oberschenkel und spürte Feuchtigkeit. Er blickte nach unten und stellte fest, dass seine Hand rot war. Durch die schwarze Hose war das Blut nicht zu sehen, nur ein dunkler Fleck zeichnete sich ab.

"Gleich um die Ecke ist ein Privatzimmer in das du dich legen kannst. Ich trage dich," sagte er.

"Ich kann laufen," antwortete Sabrina leise.

"Das glaube ich dir nicht." Siegfried schüttelte den Kopf. Mit einer Hand griff er unter ihre Knie, mit der anderen unter ihre Arme und nahm sie hoch. Sabrina lehnte sich an ihn und wehrte sich kaum noch.

"Karin, kannst du bitte mitkommen?" fragte er und zeigte seine blutige Hand.

Erschrocken fuhr Karin von ihrem Stuhl hoch und folgte ihm.

"Was ist passiert?" wollte sie wissen.

"Sie ist auf der Suche nach Jens in der Höhle gestürzt, die alte Wunde muss aufgeplatzt sein," antwortete Siegfried und drückte die Zimmertür auf.

"Leg sie auf das Bett," wies Karin ihn an. Zurück in den Flur rief sie: "Enrico ich brauche einen Notfallkoffer aus dem Heli. Thomas du bleibst bei Anna. Ralf komm bitte mit, ich brauche deine Hilfe."

Siegfried setzte Sabrina gerade auf der Bettkante ab.

"Warte noch wir müssen ihr die Jacke, Schuhe und die Hose ausziehen."

Mit schnellen Griffen befreiten sie Sabrina von den Kleidungsstücken und legten sie auf das Bett.

Karin fühlte nach ihrem Puls und schlug ihr leicht auf die Wangen.

"Sabrina? Hörst du mich?"

"Karin! Das wird schon wieder. Lass mich einfach schlafen, ich bin erschöpft und müde," antwortete Sabrina und versuchte ihre Hand abzuwehren.

Siegfried griff nach ihrer Hand und hielt sie fest.

Karin sah Siegfried kurz an und öffnete den blutgetränkten Verband.

"Sie hat wegen Mark, Peter und Jens die letzten zwei Tage und Nächte durchgemacht, sie ist fix und fertig," erklärte er.

"Was ist los?" frage Enrico als er mit dem Notfallkoffer zur Tür herein kam.

"Erkläre ich dir später. Miss den Blutdruck Enrico und Ralf leg ihr einen Zugang. Das sieht nicht besonders gut aus. Ich werde die Wunde wieder nähen müssen." Karin schüttelte besorgt den Kopf.

"Blutdruck ist 55 zu 85," meldete Ralf.

"Gib ihr ein Kreislaufmittel, Effortil und eine Ringerlösung. Dann brauche ich ein Lokalanästhetikum und eine Besteck," wies sie ihre Kollegen an.

Konzentriert und schnell arbeiteten die beiden zusammen. Einige Minuten später sagte Karin: "So, jetzt legen wir noch einen Verband an und dann muss sie schlafen."

Siegfried hielt die ganze Zeit ihre Hand und streichelte ihre Wange. Wie durch einen Nebel verfolgte Sabrina die Vorgänge und lies Karin gewähren. Sie wusste, dass sie Hilfe benötigte und vertraute ihrer Freundin.

"O.K., fertig," sagte Karin. Sie beugte sich über Sabrinas Gesicht und strich ihr über die Stirn. "Sabrina, warum hast du nichts gesagt? Wir hätten das früher versorgen können."

"Keine Zeit, die Arbeit und ich musste Jens helfen ......, wollte erst wissen wie es ihm geht .... War doch nicht so schlimm und hat kaum weh getan," murmelte sie leise.

"Du bist unverbesserlich. Schlaf jetzt." Karin fühlte nach dem Puls und ihrer Temperatur. "Siggi nimm sie bitte hoch, dann können wir die blutigen Tücher entfernen. Anschließend soll sie schlafen und sich erholen."

Siegfried nahm Sabrina wieder auf den Arm und kurz darauf lag sie im Bett schlief ein.

"Sabrina war wieder mal ziemlich leichtsinnig," sagte Karin.

"Nicht unbedingt, da muss ich sie in Schutz nehmen. Vor allem gegen Ende hat sie sich sehr zurück gehalten. Wenn der Sturz nicht gewesen wäre ..... Sie hält sich nur an ihre Regeln. Erst kommt das Volk, dann die Familie und am Schluss sie selbst. Am Anfang stand es an erster Stelle Mark, Peter und Jens zu finden. Als auf dem Werksgelände klar war, welche Katastrophe für die Bevölkerung drohte, galt es vorrangig diese zu verhindern. Danach haben wir uns wieder auf Jens konzentriert. Erst als sie wusste, wie es ihm geht, hat sie um eine Möglichkeit gebeten sich hinzulegen um sich auszuruhen. Das werdet ihr nicht ändern können, so ist sie eben," antwortete Siegfried und setzte sich neben Sabrina auf die Bettkante. "Durch die Aufregung und Anstrengung hat sie lange nicht gemerkt wie schlecht ihr Zustand ist. Nach dem Sturz in der Höhle hat sie sich selbst einen Verband angelegt und erst mit der einkehrenden Ruhe gespürt wie fertig sie wirklich ist."

Enrico kontrollierte nochmals den Blutdruck.

"Besser geworden, 65 zu 95," sagte Enrico kurz darauf.

Thomas steckte den Kopf zur Tür herein. "Kann mir mal jemand sagen, was hier los ist? Anna und Felix sind auch ganz durcheinander."

"Karin brauchst du uns noch?" fragte Ralf.

"Nein, ihr könnt es ihnen erklären," antwortete sie. Enrico und Ralf gingen zurück auf den Flur um die anderen zu informieren.

Als sie alleine waren legte Siegfried Sabrina eine Hand auf die Stirn und die andere auf ihre Verletzung und Karin konnte das Leuchten sehen.

Zwei Stunden später wurde Jens in einem Bett auch in das Zimmer geschoben. Karin informierte Michael der nur mit dem Kopf schüttelte. Jens war nach der Operation kurz aufgewacht und gleich wieder eingeschlafen. Anna war inzwischen ebenfalls auf dem Bett ihres Vaters eingeschlafen.

"Felix, Ralf, Enrico und Thomas ihr solltet nach Hause und euch ausschlafen. Karin und ich bleiben hier. Vermutlich wird Mark mit Gina bald auftauchen, die können uns dann ablösen," sagte Michael.

Ralf, Enrico und Thomas nickten und verschwanden. Felix sah Siegfried fragend an und nach einem kurzen Nicken verlies er ebenfalls das Zimmer.

Draußen dämmerte der Morgen als es leise klopfte und die Tür auf ging. Norbert streckte den Kopf herein.

"Hallo Michael, Karin und Siggi," flüsterte er. "Wie geht es ihnen?"

Flüsternd informierten die drei ihn über den Zustand von Sabrina und Jens.

"Siggi sieh zu, dass du nach Hause kommst und schläfst. Der Basisdienst ist geregelt und wir werden uns hier abwechseln. Machs gut, wir sehen uns später," sagte er, reichte ihm die Hand und verabschiedete sich. An Michael gerichtet sagte er: "Du siehst auch aus als ob du Schlaf vertragen könntest."

"Eine Schwester hat mir angeboten mich in einem Bereitschaftszimmer hin zu legen. Das werde ich jetzt machen." Michael kontrollierte bei beiden Patienten nochmals die Werte und ging dann.

Karin und Norbert unterhielten sich leise über die vergangenen Tage und Ereignisse um die Schlafenden nicht zu stören. Bald darauf tauchten Mark und Gina auf. Wie für einen Arzt typisch, konnte es Mark nicht lassen, selbst die Werte der beiden zu prüfen. Karin setzte sie anschließend über die Ereignisse der Nacht und den Gesundheitszustand ihrer Patienten in Kenntnis.

"Na, dann hat ja alles noch ein relativ glimpfliches Ende genommen," meinte Mark.

Anna wurde wach und rieb sich verschlafen die Augen.

"Hallo Mark und Gina. Wie geht es euch?" fragte sie.

"Soweit gut. Ich bin froh, dass Mark den Zwischenfall gut überstanden hat. Hoffentlich kehrt jetzt endlich Ruhe ein, noch mehr Aufregungen vertrage ich nicht," antwortete Gina und gab Mark einen Kuss.

Anna spürte eine Bewegung der Hand von Jens die sie fest hielt.

"Karin, ich glaube er wir wach," sagte sie.

Sofort standen alle um sein Bett herum. Seine Augenlieder flatterten und Jens öffnete sie langsam. Einen Augenblick musterte er sie alle und konzentrierte sich.

"Hallo Jens, wie fühlst du dich?" fragte Mark.

"Meine rechte Seite tut weh und ich habe das Gefühl eine gehörige Erkältung ist im Anmarsch," antwortete er und fasste sich an die Stirn.

"Du warst stark unterkühlt als man dich gefunden hat. Drei Rippen sind gebrochen und Michael hat dir in einer längeren Operation eine Kugel aus der rechten Seite geholt. An was kannst du dich noch erinnern?" Karin sah ihn an.

"Ich musste mit den Leuten wegfliegen und Peter und Mark zurück lassen. Sie haben mich in das Bergwerk gebracht. Nach einiger Zeit konnte ich die Fesseln lockern und habe versucht zu fliehen. Ich bin durch die Gänge gerannt, gestürzt und jemand hat geschossen. Dann ist es nur noch wage, .... dunkel, kalt und Schmerzen," grübelnd sah Jens sie an. "Erinnerungsfetzen, wirre Träume, .... Sabrina ...... . Ich kann dir nicht sagen was ich geträumt habe, oder ob es Wirklichkeit war."

"Es war Sabrina, sie hat dich gefunden. Zusammen mit ihren Leuten hat sie zuerst Mark und Peter befreit und anschließend dich ausfindig gemacht. Sie sind in das Bergwerk eingedrungen und haben die Terroristen überwältigt. Ohne ihre Hilfe und Möglichkeiten würden wir dich immer noch suchen. Ich bin so froh, dass ich dich wieder habe. Hast du eine Ahnung, was für Sogen ich mir gemacht habe?" Anna schmiegte sich an ihren Vater.

"Ich kann es mir vorstellen. Wie geht es Peter und wo ist Sabrina?" wollte Jens jetzt wissen.

"Peter hat eine schwere Gehirnerschütterung. Er liegt im Krankenhaus und ist auf dem Weg der Besserung. Sabrina schläft und liegt dort drüben." Mark zeigte auf das andere Bett.

"Erst vermisse ich sie, dann ist sie wieder da und schläft sie," sagte Jens. Als er Norbert entdeckte fragte er sofort: "Geht es ihr gut?"

"Den Umständen entsprechend. Durch die Suche nach euch hat sie zwei Tage und Nächte nicht geschlafen. Bei deiner Befreiungsaktion ist sie gestürzt und die alte Wunde ist erneut aufgerissen. Ein paar Tage, viel Schlaf, Ruhe und es geht ihr bald wieder besser. Du kennst ihren Rhythmus," antwortete Norbert und strich ihr über die Wange.

"Hat sie wieder ......?" fragend sah Jens Norbert an.

"Ja, hat sie," nickte Norbert.

"Kein Wunder, dass sie erschöpft ist." Jens blickte in die Runde. "Frage an meine Ärzte: Ich habe Hunger und Durst. Immerhin habe ich seit 2 Tagen nichts zu mir genommen. Kann ich etwas zu Essen und Trinken bekommen?"

"Ich denke, da spricht nichts dagegen, wenn du mit leichten Dingen anfängst, oder?" antwortete Karin und Mark nickte. "Ich werde uns allen etwas besorgen."

"Warte, ich begleite dich," sage Anna und beide verschwanden.

"Mark, ich müsste mal .... Darf ich aufstehen und kannst du mir helfen?" fragte Jens.

"Ich denke das geht. Mach langsam und lass deinem Kreislauf Zeit." Mark ging sofort zu ihm, half ihm beim Aufstehen und stützte ihn.

Bis Anna und Karin mit Frühstück zurück kamen, lag er bereits wieder im Bett.

Am frühen Nachmittag tauchte Michael halbwegs ausgeschlafen auf.

"Hallo Mark, du siehst wieder besser aus," begrüßte er ihn. "Karin du bist jetzt auch schon lange auf. Du solltest dich hinlegen, unser Nachwuchs braucht Ruhe."

"Ich gehe, aber nur in das Bereitschaftszimmer," sagte sie sofort

"Einverstanden," nickte Michael.

"Na, Jens wie fühlst du dich?" fragte Michael und stellte sich zu Jens ans Bett.

"Ich bin kurz aufgestanden, habe gegessen, die Schmerzen sind zum Aushalten und meine Lieben sind um mich. Es geht mir relativ gut. Danke Michael."

"Wofür?"

"Dass du mich operiert hast und ihr Sabrina begleitet habt."

"Sie hat es uns angeboten, ich war selbst ein wenig überrascht," antwortete Michael und ging zu Sabrina. Während er ihre Gesichtszüge betrachtete fühlte er nach ihrer Temperatur und dem Puls. Er dachte an die letzten Tage.

"Es ist schon seltsam was alles passiert. Erst wird Sabrina vermisst, dann ist sie genauso plötzlich wieder da, wie sie verschwunden ist. Am gleichen Tag verschwindet ein ganzes Medicopter Team. Endlich finden wir bzw. Sabrina Mark und Peter und dann wird Jens vermisst. Ich muss sagen, wenn ich so zurück blicke, seit ich Sabrina kenne ist immer etwas los."

"Das bringt ihr Leben und ihre Arbeit mit sich, daran wirst du dich gewöhnen müssen." Norbert sah ihn an.

"Wird ihr dass nicht manchmal zuviel? Ihre Arbeit ist sehr gefährlich und sie wird immer wieder verletzt," fragte Mark.

"Sie sieht es als Aufgabe und macht es gern, weil sie helfen kann und oft auch schlimmere Dinge verhindert. Wird dir deine Arbeit je zuviel?" stellte Norbert die Gegenfrage.

"Nein, wie du sagst, es ist eine Aufgabe."

Mark und Gina verabschiedeten sich kurz darauf, da sie noch Peter besuchen wollten. Einige Zeit später tauchten Felix und Siegfried auf und auch Karin kam zurück. Jens fielen immer wieder die Augen zu, der Tag strengte ihn doch an. Nach einiger Zeit bat er: "Felix, tu mir einen Gefallen und bringe Anna nach Hause, sie soll heute Nacht in ihrem Bett schlafen. Und bleib bitte bei ihr. Morgen früh könnt ihr wieder hier her kommen."

"Bist du sicher Papa?" fragte Anna.

"Ja, es geht mir soweit gut und ich bin hier gut aufgehoben."

"Schlaf gut Papa und erhole dich," sagte Anna und gab ihm einen Kuss, bevor sie mit Felix das Zimmer verlies.

Norbert und Siegfried unterhielten sich leise, bis Norbert aufstand.

"Michael, ich werde demnächst auch gehen. Siggi bleibt heute Nacht hier. Was wollt ihr machen?" fragte Norbert.

"Karin und ich werden uns in der Nacht noch mal abwechseln, wobei ich glaube, dass beide soweit über dem Berg sind. Sabrina hat leichte Temperatur, aber das ist normal für sie und gut. Wenn Siegfried hier ist, gehen wir beide in Ruhe etwas essen und kommen danach wieder. Was hältst du davon?" fragte Michael und sah Karin an.

"Würde uns glaube ich gut tun." Karin lächelte ihn an.

Michael überprüfte noch einmal bei beiden Puls, Temperatur und Blutdruck. Jens war inzwischen eingeschlafen. Sabrina hatte den ganzen Tag verschlafen und sich nur ein Mal umgedreht.

Nachdem Karin und Michael das Zimmer verlassen hatten, schlug Sabrina die Augen auf.

"Hallo ihr zwei." Lächelnd sah sie Siegfried und Norbert an.

"Ich hatte recht, sie ist wach," Siegfried grinste. "Du solltest Schauspielerin werden."

"Ich habe nur keine Lust auf Diskussionen und Vorwürfe. Ärzte die man zu seinen Freunden zählt übertreiben ihre Fürsorge. Verstehst du langsam was ich damit meine?" fragte Sabrina.

"Ja, ein wenig. Wir konnten sie heute beobachten. Und es sind gleich drei! Kein Wunder, dass du ausgerissen bist," lachte Norbert.

"Gibt es Neuigkeiten?"

Norbert und Siegfried berichteten was in den letzten Stunden passiert war und welche Rückmeldungen von den Behörden und Spezialeinheiten eingetroffen waren.

"Gut, dann können wir die Sache für uns als abgeschlossen betrachten. Danke an euch alle. Siggi, hilfst du mir bitte mal. Ich möchte aufstehen und mich im Bad ein wenig frisch machen." Sabrina streckte ihre Hand aus und Siegfried half ihr beim Aufsetzen. Sie lies sich und ihrem Kreislauf Zeit.

"Ich habe dir in der Tasche einige frische Kleider mitgebracht. Nora und die Kinder warten auf mich, sie wollen wissen wie es euch geht. Unsere Leute auf der Basis werde ich ebenfalls kurz informieren. Ich fahre dann. Mach langsam und erhole dich heute Nacht gut. Siggi bleibt bei dir," sagte Norbert und drückte ihr die Hand.

Eine halbe Stunde später saß Sabrina frisch geduscht bei Jens auf dem Bett.

Zärtlich strich sie ihm über die Wange und er schlug die Augen auf.

"Hallo meine Wildkatze," flüsterte er und zog sie zu sich um sie zu küssen. "Danke für deine Hilfe. Weißt du, dass ich fast verrückt geworden bin vor Sorgen als du einfach verschwunden bist? Mach das nie mehr, hörst du!"

"Es tut mir leid, ihr habt mich mit euerer Fürsorge fast erstickt. Ich konnte nicht anders, deshalb habe ich die Notiz geschrieben. Außerdem mussten wir etwas wichtiges überprüfen."

"Was kann so wichtig sein, dass du verletzt einfach weg fliegst?"

"Meine, unsere Vergangenheit!" Sabrina blickte zu Siegfried.

"Ist da irgend etwas zwischen euch? Bin ich euch im Weg?" erschrocken hielt Jens sie fest.

"Nein, du brauchst dir keine Sorgen zu machen, Sabrina ist praktisch meine Schwester." Siegfried versuchte ihn sofort zu beruhigen. "Unsere Mütter waren Zwillinge die kurz nach der Geburt getrennt wurden. Meine Mutter wuchs bei einer Familie in Hamburg auf und ihre Mutter in Frankfurt. Beide wurden adoptiert und wussten von ihren leiblichen Eltern nichts. Es gab lediglich zwei Halsketten mit je einer Hälfte eines Anhängers. Unser Vater führte jahrelang ein Doppelleben. Er war Monteur und viel unterwegs, da ist das nicht aufgefallen. Er liebte beide Frauen die sich so ähnlich waren. Als ihm Sabrinas Mutter eines Tages sagte, dass sie Schwanger ist, entschied er sich sie zu heiraten. Er trennte sich von meiner Mutter die zum selben Zeitpunkt ebenfalls schwanger war, ihm dies aber nicht mitteilte, weil sie einen anderen Mann kennen gelernt hatte. Meine Mutter hat meinem Vater nie gesagt, dass ich nicht sein Sohn bin. Erst als er vor kurzem starb, habe ich über einen Anwalt Unterlagen und Bilder meiner Mutter bekommen die einiges erklärten. Sabrina glaubte auf den Bildern ihre eigene Mutter zu sehen und ihren Vater. Das erstaunliche ist, dass wir am gleichen Tag und im gleichen Jahr geboren sind. Unsere Mütter sind beide früh gestorben, ebenfalls fast zur gleichen Zeit. Als wir das so nach und nach herausgefunden haben sind immer neue Rätsel aufgetaucht. Mit den Unterlagen habe ich eine Halskette mit einem zerbrochenen Anhänger erhalten. Er hat mich sofort an einen Anhänger erinnert den ich bei Sabrina einmal gesehen habe. Zusammengesetzt ergab er endlich ein Symbol das uns den Hinweis auf Gomera brachte. Wir sind dort hin geflogen um dem Hinweis nach zu gehen. Gefunden haben wir neue Erkenntnisse über die ´Indigo` und wieder viele Fragen. Das Symbol ist ein Familienwappen und hinter diesem steckt eine traurige Geschichte. Wir haben herausgefunden, dass unsere Mütter auf Gomera geboren, anschließend getrennt und nach Deutschland zur Adoption vermittelt wurden. Nun wissen wir aber, wo die seltsame Bindung zwischen uns her kommt. Ich möchte nur meine Schwester besser kennen lernen, sie beschützen und in ihrer Nähe sein. Sie ist mit dir glücklich Jens und ich werde sie dir nicht wegnehmen, im Gegenteil, ich werde nur noch mehr auf sie aufpassen." Siegfried trat hinter Sabrina und legte einen Arm um sie, Jens reichte er die Hand.

"Danke Siggi, jetzt bin ich beruhigt. Ich war schon langsam eifersüchtig, euere Beziehung ist schon ungewöhnlich," sagte Jens erleichtert.

"Dummer, liebenswerter Kerl," sagte Sabrina und küsste ihn.

"Du hast nichts dagegen getan, im Gegenteil ......" Jens sah sie beleidigt an.

"Es ist eine äußerst eigenartige Geschichte. Ich wusste es doch auch nicht, es hat mich selbst sehr verwirrt ...... "

Die Tür öffnete sich und Karin und Michael traten ein.

"Wer ist verwirrt?" fragte Michael sofort, da er das letzte Wort mitgehört hatte.

"Wir beide waren verwirrt als wir festgestellt haben, dass wir praktisch Geschwister sind. Erzähle ich euch später. O.K.?" antwortete Sabrina.

"Unser Murmeltier hat ausgeschlafen," begrüßte Karin sie freudig und umarmte Sabrina.

"Und unvernünftig ist sie auch schon wieder. Sie ist ohne zu fragen aufgestanden und hat, wie ich sehe, geduscht," sagte Michael vorwurfsvoll.

"Hör auf damit! Ich weiß, was ich mir zutrauen kann ....." Sabrina funkelte ihn an.

"Sie war vorsichtig und hat langsam gemacht, ich habe aufgepasst." Siegfried nahm seine Schwester sofort in Schutz.

"Dann leg dich wenigsten jetzt hin, damit ich den Verband wechseln kann." Michael baute sich vor ihr auf und duldete keinen Widerspruch.

"Siggi, bitte hilf mir, ich will hier raus. Das ist nicht zum Aushalten!" rief Sabrina gespielt verzweifelt.

Siegfried nahm sie mit Leichtigkeit so hoch, dass sie sich nicht wehren konnte und legte sie auf ihr Bett. Jens und Karin mussten laut lachen.

Am nächsten Tag verlies Sabrina das Krankenhaus, da sie eine begründete Abneigung gegen Krankenhäuser hat und es nicht mehr aushielt. Siegfried versprach Jens und Michael sie nicht aus den Augen zu lassen. Damit sie sich auch wirklich ausruhte und nicht heimlich arbeitete nahm er sie mit auf ihre Basis. Hier waren rund um die Uhr einige ihrer Leute anwesend und sie konnten ihre Arbeit und Erholung kontrollieren. Es war ein Kompromiss auf den sich Sabrina gerne ein lies. Wenn sie Jens im Krankenhaus besuchte kontrollierten Michael und Karin ihren Heilungsprozess und ihre Fortschritte. Jens und Peter wurden eine Woche später entlassen, mussten sich aber noch einige Wochen schonen. Nachdem alle wieder Zuhause waren organisierten sie eine große Party auf der Basis.

Sabrinas Sondersitzung mit der Führungsspitze wurde kurzfristig verschoben.

Beim entscheidenden Termin begleiteten sie Norbert, Siegfried, Michael und Jens. Alle Seiten durften ihre Argumente vortragen. Anschließend zog sich die Führungsspitze zur Beratung zurück. Für Norbert, Siegfried, Michael und Jens begann eine lange Zeit des Wartens. Wie die Entscheidung ausfällt und wie es weiter geht mit Sabrina und Medicopter erfahrt ihr in der nächsten Geschichte.

 

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R. Schubert, Mai 2005

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