Über dem Abgrund
Tütütütütü"Rettungsleitstelle für Medicopter117. Vermisster Bergsteiger in der Lichtensteinklamm. Genaue GPS-Daten unbekannt."
"Verstanden, wir übernehmen."
Die A-Crew lässt alles stehen und liegend, rennt Richtung Helicopter.
Es ist Winter und überall liegt zentimeter hoher Schnee. Mit Ferngläsern ausgerüstet sucht die Crew den Vermissten.
"Da", ruft plötzlich, "dort am Hang, Richtung zehn Uhr." "Ok, ich sehe ihn." ,antwortete Thomas.
"OK, Peter, Mark, ich lasse auch mit dem Seil runter, denn ich würde zu viel Schnee aufwirbeln." "Peter du zuerst.", fordert Mark den Sanitäter auf. Peter Berger seilt sich ab. Dannach ist auch Mark Harland bei dem Verletzten. Die Diagnose:
Starke Unterkühlung und Schlüsselbeinbruch.
"Peter merkst du das auch? Der Schnee gibt langsam nach.", fragt Mark verunsichert Peter. Doch dieser merkt nichts.
Peter ist wieder mit dem Verletzten im Helicopter. Thomas lässt das Seil erneut für den Notarzt herab.
Eigentlich ein Routine-Einsatz.
Doch plötzlich gibt der Schnee unter Mark`s Füßen nach und er stürzt in die Tiefe.
"Scheiße! Das ist eine Gletscherspalte!", brüllt Thomas ins Mikro.
"Mark, kannst du mich hören? Antworte doch!!", versucht Peter verzweifelt seinen Kollegen zu rufen.
Sie beschlossen den Patienten erst in das nahe gelegene Spital zu fliegen und dann Mark zu suchen.
Doch Peter war dagegen: "Mensch Thomas. Wir müssen doch zuerst Mark da wieder rausholen. Der stirbt uns sonst noch!!" "Und was ist mit dem Patienten? Mark hat selber gesagt, dass der wohlmöglich innere Verletzungen hat. Ach, ich streite mich doch nicht mit dir! Medicopter 117 für Rettungsleitstelle bitte kommen."
"Hier Rettungsleitstelle, was gibt`s Medicopter 117?"
"Hier Wächter. Unser Kollege Harland ist bei dem Einsatz in eine Gletscherspalte gestürzt. Wir wissen nicht, ob er überhaupt noch lebt. Die Bergwacht müsste kommen und den Bergsteiger ins Spital Liesing bringen."
"OK,Medicopter 117, habe verstanden Spital Liesing, die Rosenheimer-Bergwacht wird in drei Minuten bei euch sein. OVER AND OUT."
Der Patient wurde an die Bergwacht übergeben und die Medicopter-Crew konnte sich nun endlich um ihren Kollegen kümmern.
Peter ging wieder mit dem Seil runter. Hinein in die Gletscherspalte "Mark, kannst du mich hören?" , rief Peter immerwieder. Der Sanitäter war gut drei Meter in der Spalte. Überall waren scharfe Kanten und bei jedem Vorsprung auf dem er sich langsam hinabseilte musste er damit rechen, dass dieser abbrechen würde.
Da, endlich, Peter erkannte den roten Overall von Mark,einen Meter unter sich:" Ich habe Mark gefunden. Er ist bewusstlos.", rief der Sanitäter ins Mikro.
"Komm alter Junge, du schaffst das. Mach die Augen auf!!", flehte er. Der Notarzt war stark unterkühlt und hatte eine Platzwunde am Kopf, seinem Helm hatte er beim Sturz verloren.
Es ging um Minuten.
"Zieh uns hoch.", forderte Petr Thomas auf, nachdem er auch Mark am Seil eingeklingt hatte.
Es begann zu schneien.
"Noch zwei Meter, ein Meter, gleich sind wir draußen..." Doch plötzlich stoppte das Seil. "Was ist los bei euch?", fragte Thomas verwundert. "Da das Seil hat sich verhakt. Ich bekomme es nicht los." Mark war noch immer nicht bei Bewusstsein. Nach vielen Versuchen auch von Thomas`s Seite sahen sie ein, dass es sinnlos war. "Es hilft nichts, ich muss das Seil absprengen...", warnte Thomas Peter. "Das kannst du nicht tun! Es kommt ein Schneesturm auf und bis dann die Bergwacht da ist, ist Mark nicht mehr am Leben. Sein Puls ist eh schon ganz schwach!!!", rief der Sanitäter wütend ins Helmmikro.
"Ist ja schon gut.", sagte Thomas ganz cool, "Ich habe eine andere Idee!"
"Und die wäre?",fragte Peter ungeduldig.
"Schaffst du es mit Mark auf dem Rücken aus der Spalte zu klettern?"
Mit Müh und Not schaffte es der Sani. Der Schnee drohte schon wieder nachzugeben. "Thomas, der Schnee gibt nach, jetzt ist alles aus.
Wir werden alle drauf gehen! Das ist blanker Selbstmord!", flüsterte Peter in sein Walkie. "Red keinen Scheiß, hör mir jetzt einfach bloß zu.", Thomas`s Stimme zitterte. "Erstens: Klink`dich aus dem Seil, zweitens, lege dich mit Mark flach auf den Boden. Ich versuche jetzt dicht neben euch zu schweben. Du rennst dann wenn ich rufe so schnell wie möglich mit Mark zum Helikopter. Hast du mich verstanden?" Es gab keine Antwort. "Was ist denn?" "Ja geht klar...", nickte Peter.
Thomas setzte zur Landung an, Peter half ihm:"Noch drei, zwei, ein Meter, du bist jetzt knapp über dem Boden."
"Mach dich bereit Peter, JETZT!!",schrei Thomas.
Der Sanitäter richtete sich auf, auf seinem Rücken trug er den Notarzt. Peter schwankte gefährlich unter dem Gewicht von Mark. Er sank immer wieder im Tiefen Schnee ein. Es waren gute drei Meter die er zum Helikopter sprinten musste, doch es kam ihm wie eine Ewigkeit vor. Noch dazu kam der Rotorwind, der die Sache auch nicht erleichterte.
Schnaufend und nass geschwitzt kam er endlich bei Thomas an.
Im Helikopter schloss der Sanitäter Mark sofort an den Defibrillator und das EKG an. "Ich fürchte, ich muss sein Herz anregen. Herkurve negativ..." "Noch mal!!", brüllte Thomas dazwischen, der um das Leben seines Kollegen bangte. "Defi mit zweihundert,"
Mark bäumte sich kurz auf und fiel wieder zusammen. Peter löste den Defibrillator ein drittes mal aus. Diesmal schlug die EKG-Kurve deutlich aus und blieb stabil.
Thomas war sichtlich erleichtert:" Mensch ihr könnt einen ja wirklich zu Tode erschrecken!" Peter war noch immer ganz außer Atem: "Oh man, ich bin total fertig!"
Thomas wollte die Situation ein wenig entspannen: "Ich dachte, dass du mit Enrico in einem Boxverein bist? Wo bleibt da deine Kondition?", spottete Thomas, "Dieses bisschen Laufen!" "Du bist und bleibst ein komischer Witzbold!" "Armer Peter, kann auch nichts dafür, dass du humorlos bist." , konterte Thomas, Peter wollte schon wieder etwas erwidern, da schlug Mark die Augen auf!
© 2002 Lisa