Todkrank

Gina saß in ihrem Auto vor der Basis und blickte in den grauen Wolkenhimmel. Dann stieg sie aus und beeilte sich ins Gebäude zu kommen. Kaum hatte sie die Tür hinter sich geschlossen, fing es an wie aus Eimern zu schütten. Langsam betrat sie den Aufenthaltsraum, in dem Mark, Jens und Peter mit ganzem Körpereinsatz stritten. Sie sah die drei schief an und stellte dann beiläufig fest: "Bin da. Ich sag euch, dass ist ein Scheißwetter draußen." Die Herren bemerkten sie überhaupt nicht und fuhren fort in ihrer Diskussion. Gina lehnte sich an den Türrahmen und beobachtete sie eine Weile. Plötzlich stand eine wassertriefende Karin neben ihr. "Morgen. Was ist denn los?", begrüßte sie ihre Kollegin und erkundigte sich, was mit den Herren war. Gina zuckte mit den Schultern. "Bin auch gerade erst rein. Sie haben mich noch nicht bemerkt." Karin sah sie einen Moment an, zuckte ebenfalls die Schultern und verschwand in der Umkleide. Gina seufzte bei dem Anblick der Streithähne und folgte der Notärztin kopfschüttelnd. "Und wie war die Untersuchung?", fragte Karin, während sie sich ein anderes T-Shirt anzog. "Ist ganz gut verlaufen. Übermorgen kann ich den Bericht abholen." Nachdem sie umgezogen waren, kehrten sie in den Aufenthaltsraum zurück. Dort stritt die A-Crew noch immer. Entnervt blickten sich die Frauen an und Karin pfiff einmal laut. Die Herren schreckten zusammen und starrten die beiden entgeistert an. "Ihr seid schon da?", fragte Mark stotternd. Gina ging zu ihm und drückte ihm einen Schmatzer auf die Wange. Dann blickte sie alle drei vorwurfsvoll an und meinte mit Karin im Chor. "Ja, und wir haben euch bereits vor ungefähr 10 Minuten einen schönen guten Tag gewünscht." "Um was ging es?", wollte Gina noch wissen. "Fußball.", erwiderte Jens grinsend. Abermals seufzten die Damen und schauten gelangweilt zu Boden. Plötzlich stürmte Flo hinein und rief aufgeregt: "Habt ihr das Spiel gestern gesehen?" Karin schüttelte genervt den Kopf und meinte, während sie raus ging: "Noch einer." Gina seufzte nochmals und folgte der Notärztin unauffällig. Draußen setzten die beiden sich ins Gras und genossen die inzwischen rausgekrochene Sonne. "Dann weiß ich ja, wie mein Tag heute endet.", begann die Pilotin schnaufend. Karin grinste und wartete, dass die Kollegin fortfuhr. "Wenn heute abend wieder ein Spiel kommt, wird er nämlich wie gestern ausgehen: im Streit.", fügte sie mit verächtlicher Stimme an. "Deswegen haben Michael und ich zwei Fernseher."

Karin und Flo saßen am nächsten Tag bereits im Aufenthaltsraum und schrieben Berichte, als Gina Türen knallend die Basis betrat und in der Umkleide verschwand. Flo biss sich auf die Lippe und meinte flüsternd: "Haben sich wohl wieder gefetzt, die beiden? Hoffentlich fliegt sie ordentlich." Karin sah mitfühlend in Richtung Umkleide und antwortete: "Wegen Fußball. Fazit: Ich rate dir, darüber kein Wort zu verlieren, sonst zerfetzt sie dich noch. Ich brauch dich heute, wenn wir einen Einsatz haben." Wieder knallte eine Tür und Gina kam fluchend zu den anderen. Sie stützte die Hände in die Hüften und fragte stinkig: "Was finden Männer nur an Fußball?" Florian wollte schon loslegen und ihr ein paar Gründe auf den Tisch packen, als Karin den Kopf schüttelte und sich dann Gina zuwandte: "Keine Ahnung." "Ja, ich auch nicht. Da rennen doch bloß ein paar Blödmänner hinter ‘nem Ball her und verletzen sich zu dem auch noch." Im Laufe des Tages regte Gina sich immer wieder darüber auf und als Mark und der Rest kamen, redete sie kein Wort mit ihm. Nachdem die A-Crew Schicht hatte, machte sich die B-Crew aus dem Staub. Nun standen die Herren am Tischfußballtisch und spielten ein Spiel ums andere. "Sag mal, Mark. Was ist denn heute mit Gina los? Die hat dich ja mit’m Arsch nicht angesehen.", fragte Jens, während er ein Tor schoß. "Wir haben uns gestern wegen Fußball gestritten. Ich durfte auf der Couch schlafen." Peter, Max und Jens schluckten hart und sahen ihn entsetzt an. "Nur wegen Fußball?", erkundigte sich Peter kleinlaut. Mark nickte seufzend und erwiderte: "Seitdem Andrés sich mal extrem schwer verletzt hat, kann Gina Fußball auf den Tod nicht ab." "Was heißt schwer verletzt?", wollte Max wissen und sah den Notarzt, genau wie die anderen, gespannt an. "Na ja, das war so. Andrés wollte mit den Kopf annehmen, ein anderer hat ‘nen Fallrückzieher gemacht und hat ihn volle Pulle am Kopf getroffen. Er lag zwei Monate im Koma." Die anderen drei schauten betroffen zu Boden. "Da würde ich Fußball auch hassen. Aber sag mal, sie sagt doch nichts, wenn wir draußen zusammen spielen." Mark zuckte nur mit den Schultern. "Null Peilung. Das einzige, was ich weiß, ist, dass das ganze heute Abend wohl auch wieder so enden wird, falls ich das Spiel sehen will." Seine Kollegen holten tief Luft und wünschten nur: "Viel Glück."

Am nächsten Morgen kam Mark den Nacken reibend in den Aufenthaltsraum. Er war der erste. "Na dann werd ich mal duschen." Als er zurück kam, saß Jens am Tisch und schlürfte seinen Kaffee. "Schlechte Nacht?", erkundigte sich Mark. Jens schüttelte den Kopf. "Zu kurz. Und du? Wieder auf der Couch?" Er reichte dem Arzt eine Tasse mit dampfenden Kaffee. Der nickte seufzend. "Gina hat so gezetert, dass sogar die Nachbarn gefragt haben, ob alles in Ordnung ist. Wenn ich heute Abend wieder gucke, schmeißt sie mich raus. Ich muss mir irgendwas einfallen lassen.", meinte er ratlos. Er ließ sich auf den Stuhl fallen und blickte ausdruckslos in die Tasse. Jens grinste und versuchte seinen Kollegen aufzumuntern: "Du kennst doch Gina. Die wird sich schon wieder beruhigen." Mark nickte stumm.

Währenddessen saß Gina im Warteraum des Arztes, der die Flugtauglichkeitsuntersuchung durchführte. "Frau Aigner, sie können dann reingehen.", wurde sie von einer Schwester aufgefordert. Gina nickte, nahm ihre Tasche und betrat den Untersuchungsraum. Den ganzen Morgen hatte sie schon ein komisches Gefühl im Bauch und nun nahm es noch zu. Als der Arzt den Raum betrat, stand sie kurz auf und gab ihm lächelnd die Hand. Anschließend setzten sich beide und der Mann blickte in den Bericht und sah Gina dann besorgt an. "Ich hab leider keine guten Nachrichten für sie." Er reichte ihr den Bericht und Gina las ihn schnell. Schlagartig wurde sie kreidebleich und sah den Arzt entsetzt und kopfschüttelnd an. "Es tut mir Leid, Frau Aigner. Ich habe bereits mit einem Kollegen in München gesprochen, der sich auf diese Art spezialisiert hat. Sein Name ist Dr. Richard Krassner. Er wird ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen." Er reichte ihr eine Visitenkarte. Einige Minuten später saß die junge Pilotin in ihrem Wagen und starrte vor sich hin. Plötzlich fing sie an zu schluchzen. Sie stützte die Arme aufs Lenkrad und vergrub ihren Kopf zwischen ihnen. Nach einer halben Stunde startete sie den Motor und fuhr los.

"Hey, Mark. Weißt du, wann Gina kommt? Unsere Schicht beginnt bald.", fragte Karin gutgelaunt. Mark zuckte mit den Schultern. "Weiß nicht, wir haben uns gestern gestritten. Sie wollte den Bericht der Flugtauglichkeitsuntersuchung abholen. Kann dauern." "So schlimm?", fragte seine Kollegin und legte ihm die Hand auf die Schulter. "Die Nachbarn haben sogar gefragt, ob alles in Ordnung ist, weil Gina so geschrien hat." Die beiden gingen vor die Tür um Luft zu schnappen. "Da kommt sie ja.", stellte Karin fest und deutete zur Straße, die zur Basis führte. Gina hielt auf dem Parkplatz und blieb noch eine Weile sitzen. Dann sammelte sie ihre Sachen zusammen und atmete tief ein. Wobei ihr nicht so zu mute war, setzte sie ein Lächeln auf. Selbstsicher stieg sie aus und ging auf Mark und Karin zu. "Tagchen.", begrüßte sie sie. "Na, alles o.k.?", erkundigte sich Karin. Gina nickte zuversichtlich und meinte: "Alles im Lot. Mir geht es gut." Dann wandt sie sich an Mark und setzte ein ernsteres Gesicht auf. "Können wir reden?" Karin verstand und verschwand wieder nach drinnen. "Gina, ich wollte mich entschu...", begann Mark, doch Gina unterbrach ihn: "Mark, ich mach Schluss." Er sah sie vollkommen verdattert an. "Ich beende unsere Beziehung." Mark schüttelte verständnislos den Kopf. "Aber Gina..." "Nein Mark, kein aber. Wir streiten doch nur noch. Dazu habe ich ein ausgezeichnetes Angebot aus Hamburg bekommen, dort als Pilotin zu arbeiten. Ich bekomme das doppelte Gehalt wie hier. Und Fernbeziehungen funktionieren ja doch nie. Es ist aus." Ohne ihm eine Chance zu geben auch etwas zu sagen, betrat die Pilotin das Basisgebäude. Sie begrüßte kurz die anderen Kollegen und ging dann zu Höppi. Mark stand noch immer vollkommen verwirrt draußen und verstand nicht, was die Frau, die er über alles liebte, gerade gesagt hatte. Währenddessen saß Gina vor Höpplers Schreibtisch und wartete, dass er ihr seine Aufmerksamkeit schenkte. Nach einer Weile schaute er auf und fragte: "Was kann ich denn für sie tun?" Sie legte ihm den Bericht vor die Nase und meinte: "Meine Flugtauglichkeitsuntersuchung. Ich kann vorerst nicht mehr fliegen." Er blickte sie überrascht an und überflog dann den Bericht. Plötzlich stockte er und sah sie entsetzt an. "Frau Aigner, sie haben..." Gina nickte und meinte mit einem gezwungenen Lächeln: "Leukämie." Wieder schossen ihr Tränen in die Augen, die sie schnell runterschluckte. "Sie werden den anderen nichts sagen, ja?" Er schüttelte fragend den Kopf. "Ich will nicht, dass sie davon erfahren. Offiziell wird es heißen, dass ich eine andere Stelle angenommen habe und deswegen weg bin." "Und Dr. Harland. Sie sind doch mit ihm zusammen." Gina schluchzte kurz und erwiderte: "Nicht mehr. Ich habe gerade mit ihm Schluss gemacht. Ich habe auch bereits mit einem Arzt gesprochen. Nächste Woche werde ich in München stationär aufgenommen."

In der Zwischenzeit war Mark wieder in den Aufenthaltsraum gekommen. Alle wunderten sich über sein merkwürdiges Verhalten. Karin setzte sich zu ihm und wollte wissen: "Hey, was hat sie denn gesagt?" Bevor er antworten konnte, betraten Gina und Höppler den Raum. "Ich habe etwas zu verkünden. Frau Aigner wird uns demnächst verlassen." Alle sahen ihn geschockt und Gina fragend an. "Sie hat eine Stelle in Hamburg angeboten bekommen und wird uns nur noch eine Woche zur Verfügung stehen. Ich versuche natürlich eine gute Nachfolge zu finden." Er nickte Gina zu und sie lächelte dankend. Er drehte sich um, fasste noch kurz an ihre Schulter und verschwand wieder in seinem Büro. "Warum?", fand Jens, als erster seine Stimme wieder. "Ich kann nicht lange an einem Fleck bleiben. Ich brauch Abwechslung. Mark weiß schon lange, dass man mich nicht an Leine nehmen kann." Er blickte sie todtraurig an. "Hey, jetzt blast nicht Trübsal. ´Ne Woche bin ich ja noch da und die soll schön werden. Sobald ich kann, besuche ich euch auch." Sie lächelte zuversichtlich und sah ihre Kollegen bittend an. Die nickten seufzend. "Jetzt zieh ich mich aber erstmal um." Damit verschwand sie in der Umkleide. Dort ließ sie sich auf eine der Bänke fallen und blickte starr an die Decke.

Fortsetzung

Zwei Monate später lief der betrieb auf der Basis wie gewohnt, nur dass man eine neue Pilotin hatte. Molly Willmer hieß sie und hatte lange, rote Haare. Molly war Ende zwanzig und hatte es sich in den Kopf gesetzt bei Mark zu landen. Auch diesmal ging es in dem Gespräch zwischen ihr und Karin darum. "Lass ihn in Ruhe. Wie oft soll ich dir das noch sagen?" Molly grinste Karin frech an und erwiderte: "So oft du willst. Irgendwann vergisst er Gina schon und dann kommt meine Chance." Kaum hatte sie den Satz zu Ende gesprochen, bekam sie von Karin eine Ohrfeige, die sich zeigen lassen konnte. Wütend schrie die blonde Ärztin: "Er wird Gina nie vergessen. Keiner von uns wird sie vergessen." Ohne auf eine Reaktion zu warten, drehte sie sich um und kehrte ins Gebäude zurück. Im Aufenthaltsraum schlug sie auf den Tisch, so dass die Herren ihre Kaffeetassen festhalten mussten, und fluchte: "Verdammter Grünschnabel." In dem Moment ertönte die Sirene und die B-Crew machte sich auf den Weg zum Heli.

Ein junges Mädchen war im Sportunterricht vom Stufenbarren gefallen und hatte extreme Schwierigkeiten beim Atmen. "Wir bringen sie ins Hospital nach München." Nach dem Karin das Mädchen dort übergeben hatte, sprach sie ein Studienkollegen an. "Hey Karin." Sie drehte sich erschrocken zu ihm, lächelte dann aber und umarmte den Arzt. "Richard. Wie lange ist das her?" "Paar Jährchen. Du, ich hab nicht viel Zeit. Ich muss zu einer Patientin." "Warte, ich komm mit. Sag bloß schnell Bescheid." Sie griff zum Walkie und sagte: "Molly, ihr könnt ohne mich fliegen. Ich will einem Kollegen helfen. Unsere Schicht ist sowieso zu Ende." "Ist o.k. Bis morgen.", ertönte es kurz, dann steckte sie es weg und wandt sich Richard wieder zu. "Um was geht es?" Die beiden gingen den Gang entlang und Dr. Krassner erklärte Karin die Situation. "Die Frau ist 32 Jahre und hat Leukämie. Sie verträgt die Chemotherapie nicht so gut. Sie verträgt überhaupt Medikamente sehr schlecht. Deswegen bin ich immer lieber bei ihr, falls es Probleme gibt." Karin hörte aufmerksam zu, bis sie angekommen waren. Karin blickte durch die Scheibe und sah Richard konfus an. "Das ist Gina." "Du kennst Frau Aigner?" Karin nickte bleich. "Sie ist, war eine Kollegin bei Medikopter. Sie ist vor zwei Monaten nach Hamburg gegangen." Richard Krassner schüttelte den Kopf. "Sie ist seit zwei Monaten bei mir in Behandlung." Er wollte die Tür öffnen, damit beide reingehen konnten. Aber sie hielt ihm am Arm: "Du, ich geh besser nicht mit rein und besuche sie lieber, wenn sie auf ihrem Zimmer ist." Er nickte. "Sie bekommt nur die halbe Dosis, wird also in ungefähr zwei Stunden wieder auf ihrem Zimmer sein." "Danke. Ich glaub, mir wird schlecht." Sie hielt sich die Hand vor dem Mund und lief zur Damentoilette. Richard betrat das Zimmer und Gina lächelte ihn schwach an. "Na, bereit?" Sie nickte und er gab das OK. Dann ging er zu einer Schwester und beauftragte sie: "Einer Frau ist gerade schlecht geworden und ist auf die Damentoilette. Sie heißt Thaler, schauen sie doch mal nach ihr." "Mach ich, Doktor.", erwiderte sie und verließ das Zimmer.

Eineinhalb Stunden später saß Karin im Flur des Krankenhauses auf einem der harten Plastikstühle und starrte ausdruckslos vor sich hin. Sie schreckte zusammen, als ihr jemand auf die Schulter fasste. Orientierungslos blickte sie denjenigen an. Michael setzte sich neben sie und legte seinen Arm und ihre Schulter. "Hey, Schatz. Was ist denn los mit dir?" Sie lehnte sich an seine Schulter und flüsterte langsam: "Gina ist nicht in Hamburg, sondern hier. Sie hat Leukämie." Dann begann sie zu schluchzen und sah Michael fragend an. "Warum hat sie uns das nicht erzählt? Wir sind doch Freunde." Er drückte sie fest an sich und meinte: "Vielleicht...", er brach ab, "Ich weiß es nicht." Nach einer weiteren halben Stunde kam Richard auf die beiden zu. "Hallo. Gina ist jetzt auf ihrem Zimmer." "Alles glatt gegangen?" Er nickte Karin aufmunternd zu. Michael schob sie auf die Beine und sagte: "Geh zu ihr." Karin entfernte sich langsam von den Männer, nachdem ihr Richard die Zimmernummer gesagt hatte. Zitternd stand sie vor der Tür und zögerte eine Weile, dann klopfte sie vorsichtig. Gina lag in ihrem Bett und starrte aus dem Fenster. Ihre Zimmerkollegin bat den Unbekannten herein. Karin öffnete langsam die Tür und ihr Blick viel auf eine 60jährige Frauen, die an einem Tisch saß und sie ansah. "Ja, bitte.", begrüßte sie sie freundlich. "Guten Tag. Ich wollte zu Gina Aigner.", antwortete Karin kaum hörbar. "Kommen sie rein. Gina, du hast auch mal Besuch." Karin betrat das Zimmer und sah ihre Kollegin in einem Bett mit gelben Bezügen liegen. Gina richtete sich langsam auf und sah die Ärztin überrascht an. "Karin? Woher weißt du?", stammelte sie leise. Karin stiegen Tränen in die Augen beim Anblick der jungen Frau. Um den Kopf trug sie ein zum Turban gebundenes Tuch und das Gesicht war totenbleich. Sie sah einfach nur schlecht aus. Karin hob die zitternden Hände vor Mund und Nase und schluchzte: "Gina." Unaufhörlich liefen ihr Tränen über die Wangen. Auch Gina kamen die Tränen und sie hielt ihre Arme hoch und forderte die Freundin auf: "Komm her, Karin." Die blonde Frau setzte sich auf die Bettkante und legte ihren Kopf auf die Schulter der Pilotin, die sie fest umarmte. "Schon gut.", flüsterte Gina.

Währenddessen auf der Basis. Jens kam in den Aufenthaltsraum und setzte sich zu Mark und Peter an den Tisch. "Ihr glaubt nie, was ich rausgefunden habe." "Was denn?", fragte Peter. "Ich habe in Hamburg angerufen, weil ich mal hören wollte, wie es Gina geht. Die meldet sich ja nicht uns. Na auf jeden Fall sollte Gina dort anfangen, ist aber nie aufgetaucht. Sie haben nur einen Anruf von Höppi bekommen, dass es Gina aus gesundheitlichen Gründen leider nicht möglich ist dort anzufangen." Mark war verwirrt. "Aber wo steckt sie denn dann?" "Höppi fragen!", meinte Peter. "Was wollen sie mich fragen?", erkundigte sich Höppler, der gerade am Aufenthaltsraum vorbei lief. "Wo ist Gina? Sie hat nie Hamburg angefangen und sie haben den Typen gesagt, wegen gesundheitlichen Gründen." Er schluckte und sagte dann: "Das ist richtig. Frau Aigner war krank geworden und ist aus diesem Grund nicht nach Hamburg, sondern zu ihren Verwandten nach Spanien gefahren. Was sie jetzt macht, weiß ich nicht." Jens schüttelte ungläubig den Kopf. "Das wüsste ich. Anna ist bei Andrés in Spanien." Höppi lächelte wohlwollend. "Ich kann mich erinnern, dass sie erzählt hatten, dass ihre Tochter um diese Zeit mit Herrn da Viega nach Mexiko gereist war. Vielleicht war Frau Aigner bereits wieder weg, als die beiden zurückgekommen waren. Ich empfehle mich jetzt." So verließ Höppler das Gebäude. "Irgendetwas stimmt da nicht.", meinte Peter, kurz bevor die Sirene ertönte und sie zum Einsatz mussten.

Karin hatte sich wieder ein wenig beruhigt und saß nun vor Gina und fragte: "Warum hast du uns nichts gesagt?" Gina strich ihr eine Träne von er Wange und erwiderte lächelnd: "Ich wollte euch nicht belasten. Außerdem, Höppi weiß es und hat Anweisung von mir bekommen, euch nichts zu sagen." "Du wolltest uns nicht belasten? Was denkst wie wir reagieren, wenn uns plötzlich jemand anrufen würde, zum Beispiel dein Onkel oder Andrés und uns sagen: "Tut uns Leid, aber Gina ist an Leukämie gestorben. Sie hat bereits monatelang im Krankenhaus gelegen." Kannst du dir vorstellen, wie wir uns dann fühlen. Wir sind Ärzte und konnten nicht mal versuchen unserer Kollegin zu helfen." Wieder rollten ihr Tränen über die Wangen. "Ihr könnt mir nicht helfen." "Doch, wir können für dich da sein." Karin schluchzte. "Du erzählst den anderen trotzdem nichts, besonders nicht Mark." "Aber..." "Kein aber, Karin. Versprich es mir. Ich möchte nicht, dass sie mich so sehen müssen." Karin nickte schweren Herzens. "Ich darf dich aber besuchen, oder?" Gina grinste breit und sagte lachend: "Ja, da würde ich mich sogar sehr freuen."

Fortsetzung

Drei Monate später. Karin besuchte Gina täglich, manchmal zusammen mit Michael. Vor dem Rest der Medikoptercrew versuchte sie sich nichts anmerken zu lassen. Jedoch wurde sie schon dreimal von Florian und Peter erwischt, wie sie vor Erschöpfung und Angst geweint hatte. Sie schaffte es zwar jedes mal sie abzuwimmeln, doch wurde sie ab und zu, wenn sie wieder total fertig war, komisch von den Kollegen angesehen. Sie waren gerade von einem Einsatz zurück, bei dem sie einem kleinen Jungen nicht helfen konnte. Am liebsten hätte sie sich in eine Ecke verkrochen und wieder geweint, aber sie riss sich zusammen. Mark merkte sofort, dass etwas geschehen sein musste: "Hey, er hat es nicht geschafft, mmh?" Karin nickte und schluckte einen Schluchzer runter. "Ja.", flüsterte sie gedrängt. "Lass uns frische Luft schnappen.", forderte er sie auf und führte sie nach draußen. "Was ist in letzter Zeit mit dir los? Du bist irgendwie so weinerlich." Karin setzte sich auf eine Bank und seufzte: "Ich glaube, ich brauche einfach mal Urlaub. Ich bin emotional total überfordert. Mir geht im Moment alles so nah. Vielleicht sollte ich einfach mal Michael meinen Platz überlassen und mich richtig ausruhen." Sie massierte langsam ihre Schläfen. Auf einmal steckte Molly den Kopf aus der Tür. "Karin, Telefon. Ein Doktor Krassner." Karin schreckte sofort hoch und lief rein. Die beiden anderen folgten ihr verständnislos. "Richard. Was? Ins Koma? Habt ihr zu hoch dosiert? Ja, ich weiß, sie ist zu schwach. Ich komme so schnell ich kann. Ciao" Sie legte den Hörer zurück und ließ sich auf einen Stuhl sinken. "Wer liegt im Koma?", erkundigte sich Flo. Karin blickte ihre Kollegen mit Tränen in den Augen an und strich sich mit den Händen durchs Haar. "Eine Freundin, die Leukämie hat. Sie ist bei der heutigen Chemo ins Koma gefallen, weil sie diesen Mist so schlecht verträgt." Die ganze Truppe blickte stumm und betreten vor sich hin. "Was ist hier im Gange? Gar nichts, wie ich sehe. Haben sie denn nichts zu tun?", wollte Höppi wissen, als er den Aufenthaltsraum betrat. Er bemerkte ziemlich schnell die bedrückende Stimmung. Vorsichtig und unsicher informierte er sich: "Ist etwas geschehen?" Karin wischte sich die Tränen weg und antwortete: "Meine Freundin ist ins Koma gefallen, die, die Leukämie hat." Man konnte genau sehen, wie jegliche Farbe aus seinem Gesicht lief. Stotternd fragte er: "Ko-Koma?" "Sie verträgt die verdammte Chemo einfach nicht." Höppler holte tief Luft und fasste sich nachdenklich an den Kopf. Nach einer Weile meinte er: "Fahren sie zu ihr." Karin nickte und bedankte sich. Dann schnappte sie sich ihre Jacke und verließ die Basis. "Wenn eine Freundin von ihr mit dem Tod kämpft, ist es ja logisch, dass Karin andauernd total fertig ist.", meinte Peter, um die unaushaltbare Stille zu beenden. Die anderen pflichteten ihm nur bei.

Karin und Michael, den sie von zu Hause abgeholt hatte, rannten so schnell sie konnten den Gang entlang. Als sie in den Flur, wo Ginas neues Zimmer lag, kamen, erblickten sie Dr. Krassner. "Richard, was ist passiert?" Er gab der Schwester noch einige Anweisungen und wandt sich dann den beiden zu. "Karin, Michael. Setzt euch bitte." Die drei setzten sich auf die Stühle im Gang und er erklärte, was geschehen war. "Es ist während der Chemo zum Herzstillstand gekommen. Wir haben es geschafft, sie zurückzuholen. Allerdings ist Gina seitdem nicht wieder aufgewacht. Es war richtig scheißknapp. Vorerst bin ich gezwungen die Chemo abzusetzen. Wir haben auch schon fast alle bösartigen weißen Blutkörperchen vernichtet. Darum wär es jetzt dringend notwendig, dass wir endlich einen Knochenmarkspender finden. Ich habe sie auch schon weiter nach oben setzen lassen, aber es ist momentan unheimlich schwierig, einen passenden zu finden. Wir müssen was mobil machen. Aufruf oder irgendwas. Vielleicht finden wir auch so für andere Wartende Spender." Michael nickte: "Wir fragen erstmal die Kollegen. Sie wissen jetzt immer hin, dass du eine leukämiekranke Freundin hast. Auch wenn sie nicht den geringsten Schimmer haben, dass es Gina ist, werden sie sich sicher untersuchen lassen." Karin und Richard nickten ebenfalls. "Ich fahr gleich zu ihnen. Du bleibst bei ihr, vielleicht wacht sie auf, wenn du bei ihr bist." Mit diesen Worten verschwand Michael um die Ecke und Karin wurde von Richard zu Gina geführt.

"Hey, da kommt Michael.", stellte Peter erfreut fest, als er das Auto sichtete. Der ehemalige Medikopterarzt betrat den Aufenthaltsraum und wurde freudig empfangen. Nachdem die Begrüßungszeremonien abgeschlossen waren, sagte er im ernsten Ton zu ihnen: "Karin und ich haben eine Bitte an euch." "Apropos Karin. Wie geht es ihrer Freundin?", erkundigte sich Florian. "Den Umständen entsprechend beschissen, wenn ich das so sagen darf. Wegen ihr bin ich auch hier. Sie braucht dringend eine Knochenmarkspende, weitere Chemos hält ihr Körper nicht aus. Lasst euch bitte untersuchen." Skeptische Blicke durchflogen den Raum. Und Molly war die erste, die etwa dazu sagte: "Warum? Wir kennen die Frau ja nicht mal." Michael sah sie verächtlich an: "Weil du ein guter Mensch bist und weil du Karin kennst und du sicher mitbekommen hast, wie sehr ihr das am Herzen liegt." Dann schaute er zu den andern: "Peter, was ist?" Er zuckte nur mit den Schultern. Höppler und Max kamen rein und erkundigten sich, was vor sich ginge. Michael erklärte ihnen die Situation und Höppi meinte sofort: "Ok, klar. Ich werde mich untersuchen lassen. Als gutes Beispiel voran gehen." Bei dem letzten Satz sah er auffordernd in die Runde. Hinter den drei Herren war plötzlich die Stimme einer jungen Frau zu vernehmen. "Ich kenn die Frau. Ich lass mich auf untersuchen." Sie trat vor und hinter ihr ein hochgewachsener Mann um die 25 Jahre. "Ich auch.", meinte er mit fester Stimme. "Anna, nein.", sagte Jens geschockt. "Ich bin achtzehn, du kannst mich nicht daran hindern. Sie hat es einfach nicht verdient zu sterben." Florian und Mark sahen sich seufzend an, nickten sich zu und sagten dann: "Wir lassen uns auch untersuchen." Michael sah Peter an und Anna ihren Vater. "Peter?" "Papa?" "Schon gut, wir sind dabei." Michael atmete erleichtert auf. "Gut, kommt morgen alle ins Hospital München. Ich fahr erst mal zurück und überbringe Karin die gute Nachricht." "Warte, wir kommen mit.", rief Andrés ihm hinter her.

Im Auto unterhielten sie sich. "Wie habt ihr es so schnell hier her geschafft. Gina liegt doch erst seit drei Stunden im Koma." "Das haben wir gerade erst durch deine Ausführungen erfahren. Papa hat uns erst gestern erzählt, dass Gina Leukämie hat und das seit fünf Monaten. Ich hätte ihm den Kopf abreisen können." "Warum habt ihr nicht gesagt, dass es Gina ist?" "Ich habe mir gedacht, wenn man es solange vor uns geheim hält und du dann auch nur von Karins Freundin sprichst, dass es der Rest auch nicht weiß. Womit ich wohl richtig lag.", erklärte Anna. Dann fing sie an zu schluchzen. "Es ist schrecklich, das wir ihnen nichts erzählen können."

Zwei Tage später saß Andrés an Ginas Bett und hielt ihre Hand mit seiner rechten. Mit der linken massierte er sich den Nacken. Mit einem Mal bewegte sich Ginas Hand in seiner und er blickte sofort zu ihr. Langsam schlug sie die Augen auf. Augenblicklich beugte er sich über sie und strich ihr über die Wange. Dabei flüsterte er liebevoll: "Gina, Cousinechen. Da bist du ja wieder." Sie lächelte kaum merkbar und hauchte: "Andrés, was machst du hier?" Der Spanier hatte schwer mit den Tränen zu kämpfen. "Dich besuchen.", war das einzige, was er in dem Moment herausbrachte. Hinter ihm öffnete sich die Tür und Anna kam zusammen mit Karin ins Zimmer. Als sie bemerkten, dass Gina die Augen geöffnet hatte, sagte Karin freudig: "Gina, ich hol Richard." Anna ging zu ihnen. "Zum Glück.", schniefte sie und umarmte die Pilotin sanft. Kurz darauf betraten Richard und Karin das Zimmer. Er beugte sich zu ihr und fragte: "Wie fühlst du dich?" "Matt und schwach.", antwortete sie tonlos und sah immer wieder von einem zum anderen. "Was ist passiert?" "Du hattest einen Herzstillstand. Wir haben dich wieder zurückgeholt, allerdings warst du ins Koma gefallen.", erklärte Richard und überprüfte die Geräte, an die sie angeschlossen war. Nach einer Weile verließ er die vier und Anna meinte: "Ich werde mal Michael anrufen und ihm Bescheid sagen." Andrés und Karin nickten und er fügte hinzu: "Dann hol ich uns mal ‘nen Kaffee." Die beiden verschwanden und Gina wollte von Karin wissen: "Wie lange war ich weg?", und starrte dabei aus dem Fenster. Draußen schien die Sonne und nicht eine Wolke war zu sehen. "Drei Tage. Ich bin so froh, dass du wieder da bist." Ohne den Blick vom Fenster zu wenden, fragte Gina weiter: "Woher wollt ihr einen Spender nehmen?" Karin lächelte verlegen: "Unsere Kollegen lassen sich untersuchen." Gina drehte ihren Kopf ruckartig in Karins Richtung. "Ihr habt ihnen doch nichts erzählt." Die blonde Frau schüttelte energisch den Kopf. "Nein, wir haben gesagt, du wärst eine alte Freundin von mir. Allerdings haben sie sich wohl erst von Anna breitschlagen lassen. Wir leiden alle darunter, dass wir den anderen gegenüber nichts erwähnen dürfen. Man weiß nicht wie man sich verhalten soll." Nachdem Karin ihr das gesagt hatte, schaute die braunhaarige Frau wieder genauso starr wie zuvor aus dem Fenster. "Geh jetzt bitte, ich bin müde." Karin nickte und ging hinaus. Auf dem Flur kamen ihr Anna und Ginas Cousin entgegen. "Lasst uns in die Cafeteria gehen." Sie sahen sie fragend an, folgten aber stumm.

Gina setzte sich langsam auf. "Ich will hier raus. Die Sonne scheint so schön und die andern haben bestimmt den größten Spaß in der Salzach.", murmelte sie vor sich hin. Mit großer Mühe reckte sie sich und schaltete den Alarm an den Geräten, die ihre Vitalfunktionen überwachten, aus. Dann befreite sie sich von den Schnüren und hängte die Beine von der Liege. Durch die für sie große Anstrengung fing sie an schwer zu atmen. Sie griff zum Telefon und wählte. "Guten Tag. Mein Name ist Gina Aigner. Ich hätte gern ein Taxi, dass mich in einer viertel Stunde am Hospital München abholt. Danke." Langsam stand sie auf und arbeitete sich vorsichtig zum Rollstuhl vor, der am Fenster stand. Als sie angekommen war, ließ sie sich erschöpft in diesen fallen und rang nach Luft.

Richard lief aufgeregt durch die Gänge zur Cafeteria, wo er Karin, Anna und Andrés vermutete. Die drei saßen an einem Tisch nahe des Fensters und unterhielten sich. "Ginas Lebensmut nimmt immer mehr ab.", stellte Karin geknickt fest. Noch bevor die anderen was sagen konnten, stand Richard außer Atem an ihrem Tisch. "Gina ist weg.", schnaufte er. Die drei sahen ihn erschrocken an. "Wie weg?", informierte sich Anna und gab ihm ein Glas Wasser. Hastig trank er das Glas leer und sagte: "Sie hat den Alarm abgestellt, sich abgekabelt und ist jetzt nicht mehr in ihrem Zimmer. Keine der Schwestern hat was bemerkt." Andrés schlug auf den Tisch und richtete sich bedrohend vor dem Arzt auf. "Wie kann eine Patientin einfach verschwinden?", schrie er ihn an und zog so die Blicke der anderen Gäste auf sich. Daraufhin durchsuchten sie das Krankenhaus von oben bis unten und selbst im Park liefen sie umher. Doch von der kranken Frau fehlte jede Spur. "Ich ruf erstmal Michael an.", sagte Karin verzweifelt und holte ihr Handy raus. "Hey, Schatz." "Was ist los, Karin?" "Anna hat doch angerufen, dass Gina wieder wach ist." "Ja-a, ist sie wieder ins Koma gefallen, oder was?" "Nein, verschwunden. Sie ist nicht mehr Krankenhaus." "Das gibt es doch gar nicht."

"Was ist denn, Micha?", erkundigte sich Jens, nachdem der Notarzt den Hörer aufgelegt hatte. "Karins Freundin ist aus dem Krankenhaus abgehauen. Ihr Immunsystem ist viel zu schwach. Das kann sie nicht lange aushalten." Mark sah den Kollegen entsetzt an. "Weiß die Frau nicht, wie gefährlich das ist?" Michael schaute bedrückt zu Boden. "Leider doch, aber sie vermisst die Sonne. Die Ärmste war jetzt seit Monaten nicht mehr an der frischen Luft." Florian schüttelte traurig den Kopf. Max trank einen Schluck Kaffee und meinte dann mit belegter Stimme: "Krebs ist so grausam." Alle nickten zustimmend und der Raum war von einer bedrückenden Stille erfüllt. Michael schritt langsam aus der Tür und klopfte an Höpplers Tür. Dieser bat den Notarzt herein und wies ihm einen Stuhl zu. Nachdem er noch etwas ausgefüllt hatte, blickte er auf und lächelte: "Was kann ich für sie tun, Dr. Lüdwitz?" Michaels ausdrucksloses Gesicht weckte in Höppi schon schlimme Befürchtungen. "Gina ist aus dem Krankenhaus abgehauen." Höpplers Mund und seine Augen öffneten sich immer weiter und er schüttelte ungläubig den Kopf. "Ist Frau Aigner wahnsinnig? Sie kann doch kaum stehen.", schrie er. Mit einem Ruck stand der Basisleiter und sein Stuhl landete mit einem lauten Knall an der Wand und stürzte um. Der groß gewachsene Mann lief kopfschüttelnd quer durch den Raum. Durch den Lärm alarmiert, standen die Kollegen in der Tür und erkundigten sich, was geschehen war. Höppler beruhigte sie und schickte sie zurück an ihre Arbeit. "Was können wir machen?", fragte er Michael besorgt. Der zuckte nur mit den Schultern. "Die einzige Möglichkeit, wo sie hin wollen könnte, da sind wir. Auf Deutsch, wir können nur warten, bis sie hier auftaucht." Höppi stellte seinen Stuhl wieder auf und ließ sich seufzend in diesem nieder. "Was ist mit den Kollegen?", informierte er sich die Schläfen reibend. "Dann erfahren sie es eben. Ginas Leben ist wichtiger als die Heimlichtuerei." Die beiden Männer sahen sich stillschweigend an und nickten kaum merkbar mit trauriger Mine.

"Die nächste rechts, dann sehen sie gleich den Hangar.", wies Gina den Taxifahrer an. Besorgt schaute der Mann zu seiner Kundin und fragte: "Geht es ihnen wirklich gut?" Sie nickte schwach und blickte starr geradeaus durch die Frontscheibe. Mit einem Mal hellte sich ihr blasses Gesicht leicht auf. Das Taxi hielt auf dem Parkplatz der Basis. Der Fahrer eilte zur Beifahrertür um Gina beim Aussteigen zu helfen. Sie bedankte sich lächelnd bei ihm und drückte ihm das Geld in die Hand. Nachdem er außer Sichtweite war wankte sie zum Gebäude und lehnte sich an die warme Hauswand. Genüsslich sog sie die frische Luft ein und hielt ihr Gesicht in die helle Sonne. Dann tastete sie sich langsam an der Wand vorbei bis zum Fenster des Aufenthaltsraumes. Verschmitzt schielte sie um die Ecke ins Innere des Zimmers. Am Tisch saßen Peter, Jens, Florian und Mark. Als sie letzteren erkannte, fing sie an zu lächeln und ihre sonst so müden Augen strahlten. "Mein Liebling, ich vermisse dich so."

Michael verließ Höpplers Büro und auch das Gebäude. Erschöpft streckte er seine Glieder und blickte zum blauen Himmel. Als er eine Bewegung im Augenwinkel bemerkte, drehte er den Kopf in die Richtung. "Gina.", sagte er glücklich. Sie sah zu ihm und lächelte schwach. Sofort lief er zu ihr und harkte sie unter um sie zu stützen. "Meine Güte, bist du denn völlig übergeschnappt?" Sie schüttelte leicht den Kopf und meinte: "Ich wollte sie alle noch mal sehen." Sie schluchzte und über ihre Wangen liefen ein paar Tränen. "Hey, wir finden schon einen Spender, aber jetzt bringe ich dich erstmal zurück ins Krankenhaus." Fast schleichend führte er sie zum Landeplatz, wo Molly gerade am Heli rumpolierte. "Molly, komm Abflug. Die Dame muss zurück ins Krankenhaus.", forderte er die Pilotin auf. Sie schaute um den Heli und fragte: "Karins verschollene Freundin?" Michael nickte und half Gina in den Heli. "Ich geb dir gleich Sauerstoff. Komm aus den Puschen, Molly." Die junge Frau setzte sich auf ihren Stammplatz, startete die Turbinen und meinte durch den Funk: "Wenn sie es bis hier her geschafft hat, wird sie auch noch den Flug überlegen." Michael wurde langsam wütend, aber Gina legte ihre Hand auf seinen Arm und schüttelte den Kopf.

Als die Herren im Aufenthaltsraum den Heli hörten, sahen sie sich perplex an. "Warum startet Molly denn?", fragte Jens in die Runde und lief zum Fenster, sah den Heli aber nur noch kurz. Peter ging zum Funk und wollte wissen: "Basis an Medikopter 117. Warum fliegst du Molly?" Aus dem Lautsprecher ertönte Michaels Stimme: "Als ich gerade rausgegangen war, stand Karins Freundin vor mir. Wir bringen sie bloß zurück." Damit war der Kontakt beendet. Die vier Männer sahen sich stirnrunzelnd an. "Er hätte sie uns ruhig vorstellen können.", meinte Flo grinsend. Mark schüttelte den Kopf und antwortete: "Nein, das ist schon richtig. Sie muss, so schnell es geht, zurück. Leukämiekranke sind besonders anfällig für jede Art von Krankheit. Ein Schnupfen kann sie schon umbringen." Jens setzte sich wieder auf seinen Platz und nahm seine Zeitung auf, die er abgelegt hatte, bevor er zum Fenster gegangen war. Auch die anderen setzten sich zurück und Peter teilte die Karten für ein neues Spiel aus. Dann blickte Jens auf und erkundigte sich: "Wann ist eigentlich raus, ob wir als Spender in Frage kommen?" Mark sah ihn überlegend an und erwiderte: "Eigentlich müsste das Ergebnis heute rauskommen, spätestens morgen."

Karin, Richard, Anna und Andrés standen wartend vor dem Hubschrauberlandeplatz, als Molly die BK117 gekonnt landete. Sofort liefen die vier hin und Michael half Gina aus dem Heli und setzte sie in den mitgebrachten Rollstuhl. Karin fuhr die kranke Frau schreiend an: "Bist du des Teufels? Hast du eine Ahnung, was ich mir, was wir alle uns für Sorgen gemacht haben?" Gina lächelte sie nur an und meinte fröhlich: "Ich habe Mark gesehen. Ich finde, dass war es wert, zu mindestens für mich." Richard schob seine Patientin zurück ins Krankenhaus. Karin blieb, von der Antwort geschockt, am Heli zurück. Entsetzt blickte sie zu ihrem Schatz: "Hast du das gehört? Es war es wert, dass ich vor Angst fast gestorben wäre." Michael nahm sie in seine Arme, gab ihr einen Kuss und lächelte dann: "Sei nicht böse. Wenn du gesehen hättest, wie ihre Augen gestrahlt haben, als sie Mark gesehen hat. Das entschädigt mich für jede Minute Angst. Für ein paar Minuten schaute sie aus wie eine kerngesunde Frau." Karin stiegen bei seinen Worten Tränen in die Augen. "Trotzdem sie hätte, was sagen können.", schluchzte sie. Er schüttelte grinsend den Kopf: "Ihr hättet sie nicht gehen lassen." Dann schubste er sie in Richtung Krankenhaus und stieg wieder in den Heli. Die blonde Frau wartete noch, bis der Heli außer Sicht war und ging dann zurück. Gina war bereits wieder in ihrem Zimmer und an die Geräte angeschlossen. Bevor Karin zu ihr ging, wurde sie von Richard aufgehalten. "Was gibt es?" Er kicherte kurz und sagte dann grinsend: "Es ist verrückt. Aber ihre ganzen Vitalwerte sind wesentlich besser als heute vormittag vor ihrem Ausflug." Karin sah ihn stirnrunzelnd an und er nickte nur. "Und wir haben einen möglichen Spender.", fügte der Arzt noch hinzu. Karin strahlte übers ganze Gesicht. "Wer?" Er zog einen Zettel aus der Kitteltasche und las: "Der Mann heißt Mark Harland." Karins Gesicht verfinsterte sich wieder und sie strich sich seufzend durch Haar. "Das können wir vergessen." Richard blickte konfus zu ihr. "Warum?" "Weil Gina das nie zu lässt. Mark Harland ist der Mann, den sie über alles liebt. Sie wird nicht wollen, dass ausgerechnet er sich dieser Gefahr aussetzt." "Karin, sie hat keine andere Wahl, das müssen wir ihr klar machen."

Einige Minuten später landete der Heli auf der Basis und die Kollegen erwarteten Michael und Molly vor dem Hangar. Kaum waren die beiden ausgestiegen, überfielen sie Molly bereits und versuchten sie auszuquetschen. "Und wie ist diese mysteriöse Freundin?" Molly grinste und schüttelte ungläubig den Kopf. Ohne ihnen Antwort zu geben ging sie in den Aufenthaltsraum und brühte sich eine Tasse Tee auf. "Ich geh erstmal duschen, bis das Wasser heiß ist." Damit verschwand sie in der Umkleide und die vier Herren wandten sich an Michael, der nur mit den Schultern zuckte und meinte: "Ich fahr nach Hause und dann ins Krankenhaus." Mit diesen Worten schnappte er sich seine Jacke und verließ das Gebäude. Schnaufend ließ sich der Rest nun auf die Stühle fallen. Nach zehn Minuten kam Molly mit Handtuch um den Kopf wieder in den Aufenthaltsraum. "Ihr wollt wissen, wie sie ist? Ich kann euch nur sagen, was ich gesehen habe. Gesprochen hat sie ja kaum." Interessiert wurde sie von ihren Kollegen beäugt. "Ich glaube, sie ist eine sehr schöne Frau. Braune Augen hat sie, aber sehr blass, wie Kreide so weiß ist ihr Gesicht. Und wie das bei einer Chemo ist, hat sie keine Haare mehr, nur ein Tuch um den Kopf gebunden. Sie müsste einen Kopf kleiner sein als du, Mark. Schlanker Körperbau, vielleicht sogar unterernährt. Aber das kommt bestimmt auch von der Chemo. Was ihre Stimme angeht. Manche würden behaupten, sie hört sich kindisch an. Doch sie weiß, was sie will. Das hat man gemerkt, als sie mit Karin gesprochen hat." Sie lächelte die Bande an, welche mit beeindruckten Gesichtern zu ihr aufsahen. "Ich wusste gar nicht, dass du so ernst sein kannst.", bemerkte Florian und schlug ihr freundschaftlich auf die Schulter. Sie grinste verlegen und antwortete: "Tja, man sollte nie davon ausgehen, dass ein Mensch, der andauernd albern ist, nicht auch eine ernste Seite an den Tag legen kann." Allee fingen an zu lachen.

Karin und Richard standen mit Andrés und Anna vor Ginas Zimmer. Sie hatten ihnen die Sache mit Mark erzählt und Andrés meinte: "Ihre Werte sind zwar jetzt im Gegensatz zur letzten Zeit richtig gut, aber wenn sie erfährt, dass Mark der einzige Spender ist, der in Frage kommt, sind die sofort wieder im Keller." Anna nickte und fügte hinzu: "Sie liebt ihn zu sehr, als dass sie zulassen würde, dass er für sie spendet." Karin lehnte sich an die Wand und rutschte langsam an ihr runter in die Hocke. Sie schloss die Augen, schlug den Kopf gegen die Wand und fluchte: "Verdammt." Vor Schreck über ihre Reaktion zuckten die anderen zusammen. "Karin.", ermahnte Richard sie und zog seine Kollegin zurück auf die Beine. "Was ist los?" Michael stand plötzlich neben ihnen und sah Karin verdattert an. Kurz berichteten sie ihm, was Sache war. Sein einziger Kommentar dazu war: "Mist." Der Rest atmete tief aus und nickte ihm zu. "Ich sage es ihr jetzt.", entschied Karin und ging ohne auf eine Reaktion der anderen zu warten zu Gina. Lächelnd setzte sie sich auf die Bettkante und nahm die Hand der Freundin. "Wir haben einen Spender gefunden.", verkündete sie. Gina sah sie erst ausdruckslos, dann leicht lächelnd an. "Wer ist es?", wollte sie wissen. Karin atmete tief ein und antwortete mit gequältem Lächeln: "Mark." Ginas Lächeln verschwand abrupt und sie fing an den Kopf erst langsam, dann heftiger zu schütteln. "Nein, auf gar keinen Fall." Karin strich ihr über die Wange. "Ich weiß, dass du ihm das nicht zumuten willst. Aber du brauchst die Spende. Er ist deine einzige Hoffnung." Gina schlug ihre Hand weg und schrie mit Tränen in den Augen: "Nein, das will ich nicht. Du brauchst gar nicht versuchen mich zu überreden. Hau ab, verschwinde." Sie zog die decke ganz fest an sich und schluchzte leise, so dass Karin nur noch hörte, wie die Pilotin "Mark" sagte, bevor sie selbst das Zimmer verließ. "Ich wusste, dass sie so reagiert.", sagte Andrés betrübt und Karin blickte nur geknickt zu Boden. "Sagt Herrn Harland Bescheid. Wir operieren trotzdem morgen.", entschied Richard mit fester Stimme. Augenblicklich flogen ihm entsetzte Blicke zu. "Sie redet nie wieder ein Wort mit uns, wenn wir das machen." Richard lachte kurz auf. "Ha, das müssen wir riskieren. Es geht um ihr Leben. Auch wenn es gesetzlich verboten ist, über den Kopf eines Patienten hinweg zu entscheiden. Ich stehe für mein Handeln ein." Michael nickte. "Ich ruf Mark an, dass er noch heute kommt."

"Meint ihr, die operieren schon?", fragte Peter auf einem Stift kauend und zur Uhr schauend. Molly zuckte mit den Schultern, meinte aber: "Mark hat was von 12 Uhr gesagt. Hoffentlich geht das gut." Alle Anwesenden schauten sich bedrückt an. Es schien Ewigkeiten zu dauern bis das Telefon klingelte. "Medikopter Basis, Köster. Karin!" Alle blickten gespannt zu ihm, als sie ihren Namen hörten. "Alles glatt gelaufen und er kann heute Abend wieder raus. Wunderbar, danke." Er legte auf. Alle atmeten vor Erleichterung tief aus. "Jetzt bleibt zu hoffen, die Dame verträgt die Spende.", stellte Florian zweifelnd fest.

Andrés, Anna und Karin waren in Ginas Zimmer und warteten, dass sie aus der Narkose erwachte. Plötzlich schlug Anna ihrem Verlobtem auf den Arm und deutende mit dem Kopf zu Gina, die langsam zu sich zu kommen schien. Vorsichtig setzten sie sich auf die Bettkante und der Spanier fragte: "Na, du. Wie fühlst du dich?" Gina blinzelte verschlafen und atmete tief ein, dann murrte sie etwas und fragte: "Was ist los?" Karin strich ihr übers ganze Gesicht strahlend über die Wange und sagte: "Du wirst jetzt wieder gesund." Gina schien schlagartig hellwach zu sein und blickte mit weit aufgerissenen Augen in die Runde. "Nein?", fragte sie kopfschüttelnd. "Doch, Cousinechen. Mark hat für dich gespendet. Aber keine Sorge, ihm geht es gut." Ginas Augen funkelten wütend und sie rief: "Das glaube ich nicht. Ich hab doch gesagt, ich will das nicht. Was fällt euch ein, über meinen Kopf hinweg für mich Entscheidungen zu treffen. Ihr habt mich hintergangen, betrogen. Ich habe euch vertraut, aber das könnt ihr ab jetzt vergessen. Ich will euch nie wieder sehen. Verschwindet. Lasst mich bloß in Ruhe. Raus!" "Gina." Karin sah ihre Freundin vollkommen perplex an. "Verschwindet!", schrie sie unter Tränen und zog sich die Decke über den Kopf. Während Anna, Karin und der junge Spanier das Zimmer verließen, hörten sie unter der Decke nur ein gedämpftes Schluchzen. Draußen, vom Geschrei angelockt, warteten Richard und Michael auf die drei. Die blonde Ärztin sah ihren Schatz am Boden zerstört an. "Ich hätte nicht gedacht, dass sie so heftig reagiert.", sprach sie mit matter Stimme. "Ich habe euch gewarnt. Ich kenne Gina lange genug, dass ich weiß, wie sie auf Entscheidungen, wo sie nicht mitreden konnte und die sie betreffen, begegnet. Weil das mein Vater ständig mit ihr gemacht hat, ist sie damals auch abgehauen. Ich hab ein Jahr nichts von ihr gehört.", entrüstete sich Ginas Cousin. "Wir können froh sein, wenn sie in einem Monat wieder mit uns spricht.", fügte er noch an und schaute dann betreten zu Anna und nahm sie in seine Arme. Die schüttelte ratlos den Kopf. "Ich glaube, dann werde ich erst morgen zu ihr gehen.", meinte Richard kopfkratzend und eine Schnute ziehend.

Fortsetzung

Andrés Befürchtungen bestätigten sich. Erst einem Monat später war Gina wieder bereit mit einem von ihnen zu sprechen. Richard ausgenommen, da er ja ihr behandelnder Arzt war. Allerdings durfte er dafür ihre schlechte Laune aushalten. Währenddessen lief der Betrieb auf der Basis normal weiter. Anfangs war Karin zwar etwas fertig gewesen, aber nun hatte sie sich wieder gefangen und flog ihre Schichten wieder selber. Gerade in diesem Moment kamen sie, Flo und Molly von einem Einsatz zurück und wurden von Michael begrüßt. Er nahm Karin beiseite und erzählte ihr: "Richi hat angerufen. Gina will mit uns reden." Karins Augen fingen an zu leuchten und sie lachte übers ganze Gesicht. "Wirklich? Ich hab schon gedacht, wir würden uns nie wiedersehen." Sie umarmte ihren Schatz und die beiden küssten sich zärtlich. Dann gingen sie, beziehungsweise Karin hüpfte, freudig in den Aufenthaltsraum. "Was ist denn mit dir los?", fragte Mark irritiert den Kopf schüttelnd, als seine Kollegen so ausgelassen im Aufenthaltsraum erschien. "Sie will wieder mit uns reden." "Deine Freundin? Sie hat euch wohl verziehen.", bemerkte er lächelnd. Karin nickte grinsend und gab ihn einen Schmatzer auf die Wange.

Am Nachmittag fuhren sie zum Krankenhaus. Richard wartete bereits in der Cafeteria auf sie. Nachdem sie kurz gesprochen hatten, begleitete er sie zu Ginas Zimmer. "Und du hast einen Kurplatz für sie gefunden?" "Jap. Bereits nächste Woche wird sie mit zwei anderen meiner Patienten von einem Shuttle abgeholt.", berichtete Richard glücklich. "Sie hat in diesem einen Monat schon unglaubliche Fortschritte gemacht. Sie läuft alleine und ihre Haare wachsen auch wieder." Der Arzt griente übers ganze Gesicht. "Überraschung.", schrie plötzlich jemand vor ihnen. Die drei Ärzte blieben wie zu Salzsäulen versteinert stehen und rissen die Augen weit auf. Nachdem sich Karin von dem Schreck erholt hatte, erkannte sie eine übers ganze Gesicht strahlende Gina. Michael atmete schwer auf. "Bist du wahnsinnig uns so zu erschrecken?" Gina lachte nur und Richard schüttelte seufzend den Kopf. "Seitdem sie sich wieder gut fühlt, nervt sie uns nur noch." Während er dies sagte, umarmte Karin ihre Freundin. "Ich bin so froh, dass du uns verziehen hast und dass es dir so gut geht." "Zerdrück mich nicht.", protestierte die Pilotin gegen die recht feste Umarmung. Vorsichtig und sanft drückte sie die Ärztin von sich. "Lasst uns in mein Zimmer gehen. Dann können wir uns etwas unterhalten." Gina schlenderte voraus. Michael und Karin sahen sich grinsend an und folgten ihr dann kopfschüttelnd. Im Zimmer angekommen, stellte Gina zwei Stühle vors Bett und machte sich selbst es darauf gemütlich. "Setzt euch.", forderte sie ihre Kollegen auf. Die beiden gehorchten und ließen sich in den Stühlen nieder. "Erzählt! Wie geht es den anderen?", wollte die Pilotin wissen. "Gut, keine Verletzungen im letzten Monat.", erzählte sie knapp. "Andrés und Anna sind nach Spanien. Dein Onkel braucht wohl irgendwie ihre Hilfe.", fügte Michael noch an. Gina nickte zufrieden. "Könntest du uns nicht nen Kaffee holen?", fragte sie an Michael gerichtet und richte ihm ein paar Münzen. "Lass dir ruhig Zeit. Ich muss was mit Karin bereden." Er nickte gelassen und schlenderte aus dem Zimmer. "Was gibt es denn?", erkundigte sich die blonde Frau. "Ich habe es gemerkt.", verkündigte die braunhaarige, doch Karin blickte sie nur irritiert an. "Als du mich umarmt hast. Du solltest nicht mehr fliegen. Wie wär es mit Urlaub? Ich darf eine Person mit auf Kur nehmen. Zwar nur ne Woche, aber wenigstens wär ich dann nicht so alleine."

Fortsetzung

Sie sah die Kollegin mit bettelten Hundeblick an. Karin schwieg eine ganze Weile, meinte dann aber: "Höppi wird mir zwar den Kopf abreißen, aber ja. Warum nicht. Doch vorher muss ich Michael irgendwie noch beichten, dass ich schwanger bin." Die beiden sahen sich an und fingen dann an zu lachen. "Pass bloß auf, dass Mark in der Nähe ist. Nur so falls es ihn umhaut.", scherzte Gina glucksend.

"Herr Höppler? Können wir reden?" "Natürlich Dr. Thaler." Mit einer Handbewegung forderte er sie auf ihm zu folgen. Er ging in sein Büro und setzte sich hinter den Schreibtisch. Karin nahm auf einem der Sessel vor dem Tisch Platz. "Was gibt es?", wollte er wissen und sah sie aufmerksam an. "Gina geht nächste Woche auf Kur. Ich könnte für eine Woche mit." Höppi seufzte leicht entnervt. "Und woher soll ich so schnell eine Vertretung bekommen?" Sie grinste nur frech. "Michael ist Notarzt. Er könnte mich auch gleich für länger vertreten." Höppler blickte perplex zu ihr und Karin verkündigte mit strahlenden Augen: "Ich bin schwanger." Eine ganze Weile war Stille im Raum, dann kam endlich eine Reaktion: "Puh, gratuliere. Weiß er es schon?" Sie schüttelte verschmitzt den Kopf.

Dann ging alles schnell. Michael fiel aus allen Folgen, als er von der frohen Botschaft erfuhr und wollte Karin gar nicht gehen lassen. Doch schließlich verabschiedete sie sich von den Kollegen. "Hey, in einer Woche bin ich wieder da. Dann mach ich sogar den Papierkram für euch. Hört auf solche Schnuten zu ziehen. Ist bloß ein Urlaub." Alle umarmten sie und Mark flüsterte: "Grüß deine Freundin schön. Und richtete ihr aus, ich will sie endlich kennenlernen." Karin nickte lachend: "Ich seh, was sich machen lässt." Als letzte verabschiedete sie Molly. Bevor Karin was sagen konnte, hob diese abwehrend die Hände: "Ich lass die Finger von Mark." "Sehr gut. Du lernst." Dann machte sie sich mit Michael auf den Weg zum Krankenhaus. Andrés und Anna warteten schon davor, genau wie das Shuttle. "Hey, ihrs.", begrüßte Gina die beiden. "Kann es losgehen, Karin?" Die atmete tief ein und meinte: "Jap." "Passt auf euch auf.", forderte Andrés und umarmte seine Cousine schnieften. "Ich bin nicht aus der Welt, noch nicht.", beruhigte sie ihn und stieg ins Shuttle. Michael küsste Karin sanft. Dann stieg auch sie ein.

Ende

Copyright 2004: Kristina

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