Geh nie im Streit auseinander, denn du weißt nicht was kommt!
"Was ist denn das?", fragte Gina aufgeregt Mark.
"Nichts ist das, was regst du dich denn so auf? Was ist denn heute mit dir los?", verteidigte sich Mark.
"Nichts sieht aber anders aus." brüllte Gina.
"Dann ist es eben nichts Wichtiges, oder worüber du dir Sorgen machen müsstest!", erwiederte Mark ruhig.
Doch das hörte Gina schon nicht mehr. Rasend vor Wut hatte sie die Basis verlassen und fuhr mit ihrem schwarzen Golf Richtung Stadt.
"Wa- was ist denn hier los?", fragte Peter zögernd.
"Ehrlich gesagt ich weiß es auch nicht.", antwortete Mark sichtlich durcheinander.
Gina war inzwischen auf der Landstraße Richtung Berchtesgaden, als ihr Wagen plötzlich von hinten kräftig gerammt wurde. Noch in Gedanken von dem Streit mit Mark riss sie erschrocken das Lenkrad herum und kam in voller Geschwindigkeit von der Straße ab. Ihr Wagen überschlug sich und blieb letztendlich auf der Seite liegen. Während des Unfalls war der Unfallverursacher aus seinem Wagen gestiegen und zog die zwar nicht verletzte, aber ziemlich verwirrte Gina grob aus ihrem Auto.
Auf der Basis ging der Alarm los: "Rettungsleitstelle an Medicopter117, Unfall auf der Landstraße Traunstein- Berchtesgaden, sonst keine weiteren Daten bekannt.
"Medicopter117 hat verstanden sind auf dem Weg!", antwortete Jens ins Funkgerät.
"Na dann mal los!", forderte Peter.
Am Unfallort angekommen, sprangen Mark und Peter wie immer schnell aus dem Heli um zum Unfallwagen zu gelangen. Doch bevor sie ankamen stoppte Mark:"Das ist Ginas Wagen!!!"
Doch Peter der schon am Auto war, rief: "Aber sie ist nicht mehr da!!!"
"Aber das kann doch nicht sein", sagte Mark verzweifelt.
"Was ist denn los?", fragte Jens, der gerade die Trage anschleppte.
"Erkennst du den Wagen nicht?" fragte Peter aufgeregt.
"Das ist Ginas Wagen und sie ist nicht mehr da und keine einzige Spur was passiert oder wo hin sie ist und...
"Halt schau mal da", unterbrach Jens, der mittlerweile die Trage abgelegt hatte Mark.
"Schau, Schleifspuren am Wagen und Reifenspuren eines zweiten Wagens", stellte Jens fest.
"Du meinst, Gina ist entführt worden? Aber von wem? Und warum?", verzweifelte Mark.
"Wir müssen jetzt Nerven bewahren", riet Jens.
"Und wir wissen ja noch gar nicht ob sie wirklich entführt worden ist.", meinte Jens weiter.
Jens rannte zurück zum Helicopter und bat die Rettungsleitstelle um Erlaubnis zur Suche von Gina.
"Alles klar Medicopter 117!", hörte er aus dem Funkgerät.
"Sie können ja noch nicht weit sein, wo wollte Gina denn hin?" fragte Jens.
Während dessen bei Gina. Langsam wurde ihr bewusst, was mit ihr passiert war. Panisch versuchte sie, von ihren Fesseln loszukommen, doch dies gelang ihr nicht. Plötzlich hielt der Wagen. Die Fahrertür öffnete sich und eine Person bewegte sich Richtung Kofferraum.
"Na los Kleine, raus mit dir."
Ein großer Mann mit Sonnenbrille zog Gina, nun zum zweiten Mal, grob aus dem Wagen. Da sie sich nicht bewegen konnte, konnte sie sich auch nicht dagegen wehren, dass sie der Mann in ein altes, baufälligen Gebäude brachte.
"Wer sind sie und was wollen sie von mir?" fragte Gina ängstlich.
"Ach!" grinste der Mann:" Wer ich bin ist nicht interessant und was ich von dir will? Du bist mehr oder weniger nur ein Druckmittel!"
Gina verstand nichts. Sie war eher mit ihren Gedanken bei Mark.
Mittlerweile dämmerte es schon und die A-Crew wurde gezwungen, die Suche einzustellen.
"Das kann doch nicht wahr sein, was, wenn sie überhaupt nicht mehr lebt?", meinte Mark resignierend.
"So was darfst du nicht mal denken", tröstete ihn Peter.
Auf der Basis angekommen legte Peter erst einmal Mark den Arm auf die Schulter und sagte:
"Komm schon, Kopf hoch, morgen suchen wir weiter."
"Ach Peter, wenn wir doch bloß nicht gestritten hätten, ich hab so Angst um Gina!" jammerte Mark.
"Pass auf, du kommst jetzt mit zu mir und übernachtest bei mir, damit dir zu Hause nicht die Decke auf den Kopf fällt und dann überlegen wir gemeinsam für den nächsten Tag.", schlug Peter vor.
"Du hast wohl Recht", sagte Mark niedergeschlagen.
Jens, Mark und Peter machten noch schnell ihre Berichte fertig und gingen dann nach Hause.
"Ciao Max, pass aber auf, nicht das dir der Heli noch anwächst", versuchte Jens zu scherzen.
"I wo, aber des Baby is halt a Schätzle." gab Max zur Anwort.
"Na dann, bis Morgen und- sag den anderen bescheid was passiert ist, das haben wir ganz verpasst.", meinte Jens.
In dieser Zeit bei Gina. Verheult kauerte sie in einer Ecke, gefesselt und fror. "Oh Mark, es tut mir so leid, wie gerne wäre ich jetzt bei dir in deinen Armen, ich wollte den Streit nicht..."
Plötzlich öffnete sich die Tür, der Mann mit der Sonnebrille und ein weiterer Mann traten in den leeren Raum.
"Wolltest du nicht wissen was du als süßes Druckmittelchen genau bist?" fragte der Andere.
"Nein, ich will nur hier weg!" Gina nahm ihren ganzen Mut zusammen.
"Na komm`schon, das wird dich ganz bestimmt interessieren.", sagte der mit der Sonnenbrille.
Gina riss verzweifelt an ihren Fesseln, doch vergeblich.
"Dann hör mal zu.", begann der andere Mann:" Wir haben da noch ein Rechnung mit einem gewissen Dr. Harland zu begleichen!"
Gina stockte der Atem. Was wollten die von Mark?
"Genau morgen vor einem Jahr hatte unser Partner einen Unfall und zur Rettung flog der Medicopter 117 mit Harland. Der lies unseren Partner aber einfach sterben.", der Mann stockte.
"Ja und seitdem haben wir uns Rache geschworen.", fuhr der mit der Brille fort.
"Sie sind doch krank, dann konnte man ihren Partner nicht mehr retten.", warf Gina ein.
Doch der mit der Sonnenbrille reagierte nicht auf Gina und fuhr fort:" Wir haben dann die Basis ausfindig gemacht und diese beobachten wir schon seit langem. Und zufällig sahen wir, dass du und dieser Harland wohl mehr als nur Freunde seid. Das kam uns wie gerufen. Wir warteten also den richtigen Zeitpunkt ab und da bist du jetzt.", beendete er seine Erklärung.
"Und was habt jetzt mit mir vor?", fragte Gina zögerlich.
"Ihr wollt mich doch nicht töten!?" Sie war kreidebleich.
Da ergriff der Andere wieder das Wort:"Nein- zumindest noch nicht. Wir wollen nur Geld."
Verzweifelt wollte sich Gina befreien, doch ehe sie sich versah, traf sie die harte Faust des Anderen.
"Flo, das ist mir zu gefährlich, die haut uns noch ab.", sagte der Schläger.
"Ist gut Boss.", antwortete Flo, er hatte verstanden.
Er entfesselte die bewusstlose Gina und trug sie auf dem Rücken in ein Auto.
Am nächsten Tag in der Basis.
"Na Mark, wie hast du geschlafen?", fragte Karin ihn fürsorglich.
Max hatte bereits Enrico und Karin erzählt, was vorgefallen war.
"Na es ging so.", antwortete Mark, noch immer niedergeschlagen.
Was kein Wunder war, er wusste nicht was mit Gina geschehen war und wo sie überhaupt war. Und es tat ihm so unendlich leid, das er sie so wegfahren gelassen hatte.
Plötzlich trat Jens kreidebleich in den Raum ein. Er hielt einen Zettel in der Hand. Langsam begann er vorzulesen:
AN DIE MEDICOTER CREW: WIR HABEN EURE SÜSSE KOLLEGIN! BESONERS DR. HARLAND WIRD ES INTERESSIERN! VOR GENAU EINEM JAHR HAST DU UNSEREN PARTNER BEI EINEM UNFALL STERBEN LASSEN! ICH HOFFE DU WEISST WEN WIR MEINEN!
ALSO WIR HABEN DEINE KLEINE:
HEUTE ABEND UM 18.00 UHR IST DIE GEISEL- UND GELDÜBERGABE. WIR WOLLEN NUR DAS GELD!
10 000 000!!!
IN DER ALTEN ZIEGELFABRIK!
KEINE TRICKS UND KEINE POLIZEI, SONST IST SIE TOT!
UND DOC DU BRINGST DAS GELD!
ALLEINE!
Nicht nur Mark, der starr vor sich hinblickte, nein auch die Anderen waren mehr als geschockt.
"Wir müssen die Polizei einschalten!", meinte der Chef, der gerade in der Basis aufgetaucht war und das Erpresserschreiben mitbekommen hatte.
"Können sie nicht zuhören? KEINE POLIZEI!", schrie Mark.
"Komm beruhige dich wieder, wir schaffen das schon.", beruhigte ihn Enrico.
"Wir brauchen einen Plan!", schlug Jens vor.
Gina wachte an einen Stuhl gefesselt in einem alten Büro auf. Ihr Kopf schmerzte. Die Tür öffnete sich und der mit der Sonnenbrille, Flo trat ein.
"Hier iss, du hast heute einen langen Tag vor dir.", grinste er und durch seine Zahnlücke sah dies noch viel fieser aus.
"Nein, ich will nichts essen.", antwortete Gina totzig.
"Mark, ich meine Dr. Harland kann für den Tod ihres Partners nichts, lassen sie mich frei.", meinte sie.
Flo platze allmählich der Kragen, er nahm Ginas linken Arm aus der Fessel und drehte diesen im Polizeigriff fest auf ihren Rücken. Gina schrie auf.
"Pass mal auf Schätzchen, wenn du nicht ruhig bleibst und nicht das tust was wir dir sagen, dann siehst du deinen lieben Doktor nie wieder.
"Also Folgendes: Ihr, das heißt Jens, Mark und Peter fliegen um halb sechs zur alten Fabrik. Karin und ich werden hier bleiben und mit der Polizei alles über Funk mitverfolgen. Das SEK wird rechtzeitig Stellung am Gebäude nehmen.", teilte Enrico ein.
Mittlerweile war der Boss der beiden Gangster auch wieder in dem alten Büro aufgetaucht, indem sie Gina festhielten. Gina die alles andere als gut aussah, bewegte sich kaum, als der Boss sie anschupste.
"Was habe ich ihnen getan, niemand kann etwas dafür das ihr Partner gestorben ist.", jammerte sie.
Doch statt ihr zuzuhören, hielt Flo ihr ein Betäubungsmittel unter die Nase, das sofort wirkte. Erneut war sie bewusstlos. Der Boss wies Flo an sie wieder ins Auto zu schleppen und in die alte Fabrik zu fahren. Dort sollte er sie auf einen Stuhl in mitten eines großen Raumes binden und sich im Hintergrund verstecken. Der Boss würde später nachkommen, er müsse noch die Sache mit der Absetzung regeln.
Halb sechs. Die A- Crew flog los.
An der alten Fabrik angekommen, marschierte Mark zielstrebig auf das alte Gemäuer zu. Natürlich war in der Tüte, die Mark bei sich trug kein richtiges Geld, sondern nur Blüten, die er zuvor von der Polizei überreicht bekommen hatte.
"Gina!", schrie Mark.
Nichts regte sich.
Mark bebete förmlich vor Wut auf die Entführer und Angst um Gina.
"Wo bist du?", rief Mark erneut wobei er sich langsam immer weiter ins Innere der Fabrik bewegte. In den Ecken waren noch einige alte Ziegel gestapelt. Die Maschinen schienen noch aus dem letzten Jahrhundert zu stammen. Er stieg eine Treppe hinauf.
Nochmal rief er:" Gina!"
Da! Er trat um eine Ecke und sah seine Freundin, die mittlerweile wieder bei Bewusstsein war. Bei ihrem Anblick wäre er am liebsten auf sie zugerannt und hätte sie umarmt. Doch irgendetwas hinderte ihn daran. Gina erhob erschöpft den Kopf und lächelte Mark verzweifelt an.
"Es tut mir leid!", flüsterte sie.
Mark antwortete:" Aber das...WOM... ihn traf die Faust Flos, der aus seinem Versteck hervorkam.
Mark schwankte und lies die Tüte mit dem vermeintlichen Geld fallen. Flo zog seine Waffe und richtete sie auf Mark, dann auf Gina, doch in diesem Moment hatte das SEK seinen Einsatz. Es stürmte den Raum und fasste Flo.
Als sich der ganze Troubel gelegt hatte und Flo entwaffnet und in festem Gewahrsam war fragte der Einsatzleiter:" Haben sie nicht von zwei Männern gesprochen?"
Mark noch ziemlich daneben von dem Schlag zuckte mit den Schultern.
Doch da hörten sie das Rotorengeräusch vom Heli. Mark und der Einsatzleiter schauten aus dem Fenster und DA, der "zweite Mann" wollte gerade in das Gebäude eintreten, doch da entdeckte er das SEK und wollte flüchten. Da hat der gute Mann wohl nicht mit Jens gerechnet. Dieser flog auf ihn zu, schupste ihn mit den Kufen um und hielt ihn zwar sachte, aber beständig mit den Kufen am Boden fest.
"Männer da unten der zweite, schnappt ihn euch!", befahl der Einsatzleiter.-
Mark lief zu Gina hin, band sie vorsichtig los, nahm zärtlich ihr verschmutztes Gesicht in die Hand und gab ihr einen langen zärtlichen Kuss.
"Das muss aber genäht werden.", wies er auf Ginas Stirn.
"Wenn du mich dann auch so richtig verwöhnst."
"Aber klar doch!", antwortete Mark.
Vorsichtig nahm er Gina auf den Arm und trug sie nach draußen, wo Peter und Jens schon warteten.
"Na du Gangsterfasser, werde deinem Beruf als Pilot mal nicht untreu, wir brauchen dich noch!", witzelte Mark.
Jens zwinkerte.
Im Heli versorgte Mark Gina, die eine kleine Platzwunde an der Stirn und kleinere Prällungen hatte.
"Ich glaube nicht das du ins Krankenhaus musst. Eher in einen romantischen Winterurlaub.", grinste Mark verdächtig.
Gina überlegte angestrengt.
"Ach du! Oh man, das tut mir so leid, ich wusste doch nicht... entschuldigte sich Gina.
Doch Mark legte ihr den Finger auf den Mund.
"Ja ja... wenn man die Frauen überraschen will.", meinte Jens.
"Das soll euch aber eine Lehre sein, geht nie im Streit auseinander, man weiß nie was kommt!", rief Peter durch den Lautsprecher am Helm.
© 2003: Tina