Spuren im Schnee
Eine ereignissreiche Zeit liegt hinter den Mitgliedern von Medicopter. Michael und Dirk sind aus Amerika zurück. Karin und Michael haben geheiratet und es hat sich Nachwuchs eingestellt. Ralf ist mit seiner neuen Familie zurück gekehrt und auch Peter und Stella haben sich ausgesöhnt. Jens hat in Sabrina eine außergewöhnliche Freundin gefunden durch die die Crews immer wieder in neue Abenteuer verwickelt werden.
Wer sich für die Vorgeschichten interessiert sollte "Indigo", "Eine Überraschung nach der anderen", "Abenteuer in Afrika", "Vermisst" und "Ein Unglück kommt selten allein" lesen.
Mitwirkende: Karin & Michael mit Dirk und Isabella (3 Monate alt)
Sabrina & Jens,
Biggi & Thomas mit Lisa, Laura und Florian (15 Monate alt)
Hans und Maria
21. Dezember 2004, 14 Uhr Medicopter-Basis
Mit quitschenden Reifen hielt ein Wagen vor der Medicopter Basis.
"Das kann nur Thomas sein", sagte Michael grinsend. "Vermutlich sind sie wieder spät weg gefahren."
"Wundert dich das? Bei drei Kindern und Gepäck für fast zwei Wochen, da hat er mit Sicherheit jede Menge Aufregung gehabt. Außerdem hatten die Kinder heute morgen noch Unterricht", antwortete Karin die auf dem Sofa saß und ihre gemeinsame Tochter Isabella stillte, die inzwischen bereits 3 Monate alt war.
In diesem Moment öffnete sich die Tür und Thomas kam mit Biggi und den Kindern herein gestürmt.
"Oh Mann, wenn mir das einer vorher gesagt hätte, wie stressig die Vorbereitungen für einen Winterurlaub mit drei Kindern sind, dann hätte ich es glatt gelassen", mit diesen Worten lies sich Thomas auf das Sofa fallen.
"Nun übertreib mal nicht, die meiste Arbeit hatte doch wohl ich. Und für den Schnee braucht man eben ein wenig mehr an Kleidern und Ausrüstung, das ist ganz normal. Wir sollten mal ernsthaft über ein größeres Auto nachdenken. Dann hört dein Gejammer vielleicht endlich auf." Biggi zupfte Thomas am Ohr und grinste ihn an.
"Ja, Biggi hat vollkommen Recht", stimmten Lisa und Laura ein.
"Mit den Waffen der Frauen. Im neuen Jahr werden wir uns umsehen, versprochen", resigniert sah Thomas in die Runde und alle mussten lachen.
Laura fiel Dirk um den Hals. "Ich freue mich so auf die Ferien im Schnee. Sabrina sagte, wir können in der Nähe sogar Ski fahren, das wird bestimmt Klasse."
"Ich freue mich darauf mit dir zusammen zu sein und auf die Familie. Wir hatten wenig gemeinsame Zeit durch die Ereignisse in letzter Zeit." Dirk blickte ihr liebevoll in die Augen und gab ihr einen langen Kuß.
"Jetzt haben wir uns so beeilt um pünktlich hier zu sein und wo sind Sabrina und Jens?" fragte Thomas.
"Sabrina musste heute Nacht wegen einem Notruf auf ihre Basis. Jens hat vor ein paar Minuten angerufen, dass sie bereits auf dem Rückweg ist. Sie kommen circa eine halbe Stunde später", antwortete Karin.
"Eigentlich ist es schade, dass wir Weihnachten nicht alle zusammen sein können. Aber wenigstens schaffen wir es zu Silvester fast alle zusammen zu sein", sagte Biggi etwas traurig.
"Bei so viel Nachwuchs in letzter Zeit haben die Omas und Opas ihre Rechte angemeldet und das kann man mit den Kleinen sehr schwer ablehnen. Wir haben Glück, dass unsere Eltern schon seit Jahren selbst in Urlaub fahren und das nicht so wichtig finden. So haben wir die Möglichkeit zu tun was wir wollen." Karin war fertig mit Stillen und nahm Isabella hoch, damit sie ein Bäuerchen machen konnte.
"Bei uns hat sich das durch den tödlichen Unfall meiner Eltern von meiner Seite gelöst und Biggis Eltern sind geschieden und haben sich in andere Richtungen orientiert. Es hat alles Vor- und Nachteile und manchmal einen traurigen Hintergrund." Nachdenklich blickte Thomas zum Fenster.
"Ich glaube ich höre ein Auto." Lisa rannte zum Fenster. "Sie kommen!"
Kurz darauf hielt Sabrinas Geländewagen vor der Basis. Sie und Jens stiegen aus, als die anderen schon aus dem Gebäude kamen.
"Schön, dass ihr endlich da seid. Wenn es nach uns geht, kann es gleich los gehen." Wurden sie von Thomas begrüßt. "Wohin geht es eigentlich?"
"Erst mal nach Berchtesgaden, wir müssen noch den Schlüssel abholen, bevor es in die Berge geht," antwortete Sabrina.
"Hoffentlich nicht in die Lawinenhütte vom letzten Jahr!" Karin sah sie entsetzt an.
"Nein, die andere Talseite. Und es besteht absolut keine Lawinengefahr, dort wo die Hütte steht." Sabrina musste lachen.
"Na Gott sei Dank. Mit so einem Hintergedanken wollte ich meinen Urlaub nicht verbringen." Karin schüttelte den Kopf.
"Die Lawine im letzten Jahr war absolut ungewöhnlich. Seit es Aufzeichnungen gibt, ist an diesem Hang noch nie eine Lawine abgegangen. Die Hütte wird auch nicht mehr aufgebaut. Dort wo es heute hin geht ist es wunderschön, du hast einen herrlichen Blick auf den Königsee und in das Tal. Wer will kann sogar in der Nähe Ski fahren, die Piste ist circa eine halbe Stunde entfernt. In der Umgebung kann man wunderbar wandern, ohne große Steigungen. Ich bin sicher, es wird euch dort gefallen. Nun laßt uns aber losfahren, ich will nicht im Dunkeln oben ankommen. Falls wir uns unterwegs verlieren sollten, wir treffen uns bei Hans und Maria." Sabrina drehte sich um und stieg in den Wagen.
"Papa, kann Laura bitte bei uns mit fahren?" Dirk sah seinen Vater bittend an.
"Klar, dann wird Thomas ein wenig entlastet", schmunzelte Michael und hielt Jens fest. "Sabrina sieht müde aus, was war los?"
"Enorm viel Arbeit in den letzten Tagen. Heute Nacht hat sie nur eine Stunde geschlafen, als der Notruf kam. Sabrina wollte nicht viel darüber reden, es muß schwierig und anstrengend gewesen sein und ziemlich kritisch. Ich fahre, dann kann sie sich ein wenig ausruhen." Jens runzelte die Stirn.
Alle stiegen in die Autos und sie fuhren los. Aufgrund des Reiseverkehrs und eines Staus benötigten sie 2 Stunden bis sie endlich Berchdesgaden und das Haus von Hans und Maria erreichten.
Sabrina stieg aus und streckte sich, sie hatte fast die ganze Fahrt verschlafen und sah nun etwas erholter aus. Sie ging sofort zur Tür und klingelte.
Maria öffnete und begrüßte sie herzlich. "Schön dich zu sehen Sabrina. Habt ihr mal wieder Lust auf Schnee?"
"Schnee, Erholung und Ruhe, wir hatten viel Arbeit und Aufregungen in letzter Zeit und haben es bitter nötig. Nur diesmal soll es ohne Lawine sein."
"Da braucht ihr euch auf der Büchsen-Alm keine Gedanken machen. Habt ihr noch Lust auf Kaffee und Kuchen oder wollt ihr gleich los?"
"Sei mir bitte nicht böse, aber es ist noch ein Stück zu fahren und die Hütte muss noch eingeheizt werden, wir haben zwei kleine Kinder dabei," antwortete Sabrina mit einem Blick auf ihre Armbanduhr.
"Kann ich verstehen. Hans läßt dir ausrichten, die Wirtschaftswege sind gut geräumt und genügend Holz für die ersten zwei, drei Tage ist gemacht. Den Rest müsst ihr euch allerdings selbst machen."
"Ist er unterwegs?"
"Ja, sie haben im Naturschutzgebiet am Obersee und der näheren Umgebung vom Lehlingskopf und Wasserberg in den letzten Tagen mehrere Hinweise auf Wilderei gefunden, vorallem Fallen und Blutspuren. Jemand will auch Schüsse gehört haben. Durch die nahe Grenze und den Neuschnee gestaltet sich die Suche und Verfolgung schwierig. Er bittet dich ein offenes Auge zu haben und, falls ihr irgend etwas findet, ihn sofort zu informieren."
"Klar. Das ist allerdings weit weg von uns, unten im Süden in Richtung der österreichischen Grenze. Wir wollen ausgedehnte Spaziergänge machen, da werde ich mich ein wenig umsehen. Gegen solche Leute muss man auf jeden Fall vorgehen. Die Wildbestände haben sich so gut entwickelt in den letzten Jahren, es ist schade um jedes einzelne Tier. Sag liebe Grüße und wir lassen von uns hören. Ich wünsche euch schöne und erholsame Feiertage."
"Hier ist der Schlüssel. Aber warte noch einen Moment, ich gebe euch Kuchen und je eine Thermoskanne Kaffee und Tee mit. Da könnt ihr euch schon ein wenig von innen aufwärmen bis die Hütte durch geheizt ist."
"Du bist wie immer ein Engel. Ein Auto fehlt noch. Ich sage den anderen Bescheid."
Sabrina ging die wenigen Schritte zurück zum Auto. Jens war ebenfalls ausgestiegen und stand bei Michael und Karin am Auto, die gerade eingetroffen waren.
"Maria hat gefragt ob wir auf einen Kaffee bleiben, aber ich denke wir sollten los fahren sobald Thomas da ist. Bis die Hütte eingeheizt ist wird es ein wenig dauern. Sie gibt uns aber Kaffee, Tee und Kuchen mit. Seid ihr mit dem Vorschlag einverstanden?"
"Das ist eine gute Idee, wir verlieren sonst Zeit und es wird immer später am Abend, das ist nicht gut für die Kleinen." Karin sah Sabrina dankbar an.
"Ich bin auch dafür, dass wir gleich weiter fahren", stimmte Michael zu.
Maria kam aus dem Haus und reichte Sabrina zwei Thermoskannen und einen Kuchen. Mit Jens Hilfe verstauten sie die Sachen im Auto, als auch schon Thomas die Auffahrt hoch fuhr.
"Na, das passt ja prima! Ganz herzlichen Dank Maria."
"Wir wünschen euch wunderschöne Feiertage und genießt die Zeit dort oben." Maria nahm sie noch einmal in den Arm und winkte den abfahrenden Autos hinterher.
Sie fuhren etwa eine halbe Stunde bis sie die Abfahrt zur Alm erreichten. Bevor sie sich mit den Autos auf die Wirtschaftswege begaben, legten sie zur Sicherheit Schneeketten auf. Wie Maria gesagt hatte, waren die Wege gut geräumt und so erreichten sie nach einer knappen Stunde langsamer Fahrt über verschlungene Wege die Hütte auf der Büchsen-Alm.
Lisa, Laura und Dirk stiegen aus und begannen sofort eine kleine Schneeballschlacht zu veranstalten.
"Und, habe ich euch zu viel versprochen?" fragte Sabrina.
Alle standen staunend vor der Hütte und liesen ihre Blicke über die Umgebung und die Berge schweifen.
"Das ist eine phantastische Aussicht und wegen einer Lawine brauchen wir uns wirklich keine Gedanken machen", strahlte Karin.
"Wir sollten die Hütte einheizen, in spätestens 1 Stunde wird es dunkel", sagte Sabrina und schloss die Tür auf. Während die anderen die Fensterläden öffneten und sich um sahen, machte sie innerhalb kurzer Zeit das Feuer im Kachelofen, der alle Räume im Haus mit Wärme versorgte, und im großen Kamin des Wohnzimmers an. Mit Tassen voller Kaffee oder Tee und einem Stück Kuchen trafen sie sich vor dem Kamin.
"So ein offener Kamin gibt doch eine wunderbare Wärme ab und es wirkt gleich so gemütlich, findet ihr nicht auch?" fragte Laura.
"Ja. Die Hütte wirkt relativ neu, aber durch das Holz ist es urig und so gemütlich. Wie viele Leute können hier übernachten?" Biggi schlürfte ihren Kaffee.
"Die Hütte wurde vor drei Jahren gebaut und ist im Sommer bewirtschaftet. Es gibt 6 Doppelzimmer und unter dem Dach ist ein großes Matratzenlager das nochmals 12 Leuten Platz bietet. Unsere Jugendlichen wollen bestimmt dort oben übernachten", schmunzelte Sabrina.
"Das ist super dort oben, ich habe schon meine Sachen hoch gebracht, wenn es recht ist." Dirk blickte seinem Vater unschuldig in die Augen.
"Wie könnte ich bei einem solchen Blick Nein sagen?"
"Ja, Papa, wir wollen auch dort oben schlafen, biiitttte", riefen Lisa und Laura gleichzeitig.
"Und was ist, wenn ich Nein sage???" fragte Thomas.
"Dann kitzeln wir dich bis du Ja sagst!" sagten Lisa und Laura während sie auf ihren Vater zu gingen.
"AH, Hilfe! Ich ergebe mich! Ihr dürft oben schlafen, aber ihr benehmt euch ordentlich!" brachte Thomas unter allgemeinem Gelächter hervor.
"Laßt und ausladen, in der Hütte wird es bereits warm. Außerdem müssen wir uns um die Kleinen kümmern, damit sie langsam wieder in ihren gewohnten Tagesablauf kommen. Die Doppelzimmer haben so viel Platz, dass wir ohne Schwierigkeiten die Reisebetten dazu stellen können." Karin unterbrach die ausgelassene Stimmung.
"Ich bräuchte jemanden der mir Hilft auf dem Dach die Photovoltaik- und Solarthermie-Anlage vom Schnee zu befreien, damit wir warmes Wasser und Strom bekommen", sagte Sabrina.
"Ich helfe dir dabei", bot sich Dirk gleich an.
Während Dirk und Sabrina den Schnee vom Dach entfernten, waren die anderen damit beschäftigt die Autos auszuräumen. Innerhalb kurzer Zeit waren alle Koffer und die anderen mitgebrachten Dinge in der Hütte. Jeder suchte sich ein Zimmer aus, verstaute seine Sachen und langsam kehrte wieder Ruhe ein. Betten wurden bezogen und immer wieder Holz nach gelegt. So wurde es in relativ kurzer Zeit in der ganzen Hütte behaglich warm. Draußen wurde es dunkel und am klaren Himmel funkelten Tausende von Sternen. Während Karin und Biggi sich um die beiden Kleinen kümmerten, bereiteten Sabrina, Lisa und Laura ein Abendessen für alle zu. Nach einem üppigen Essen mit Spaghetti, Tomatensauce und Salat gab es zum Nachtisch noch Obstsalat. Anschließend machte Karin Isabella und Biggi Florian fürs Bett fertig. Die Männer wurden einstimmig dazu verdonnert den Abwasch in der Küche zu erledigen. Dirk, Lisa und Laura zogen sich zurück und spielten eine Runde Monopoli. Sabrina legte sowohl im Kachelofen als auch im Kamin noch einmal Holz nach. Im großen Sessel am Kamin blieb sie gemütlich sitzen und beobachtete die Flammen die an den Holzscheiten züngelten. Durch die behagliche Wärme und die Ruhe döste sie ein. Erst als Thomas mit den anderen in die Sitzecke kam schreckte sie durch die Stimmen hoch.
"Warum sehen Frauen eigentlich immer so friedlich aus, wenn sie schlafen? Kannst du mir das erklären Jens?" fragte er.
"Ganz einfach, weil sie euch Männern dann nicht widersprechen können", antwortete Sabrina.
"Womit sie absolut Recht hat mein Lieber. Aber genau genommen würde euch doch etwas fehlen, oder nicht?" Biggi hatte sich lautlos von hinten angeschlichen und umarmte ihn.
"Wollen wir jetzt eine Diskussion anfangen oder wollen wir friedliche Feiertage verbringen?" Thomas blickte nach oben.
"Wer hat den angefangen?" Biggi sah ihm tief in die Augen.
"Hmmm, o.k. Ich bin schon ruhig. Bei so viel Frauenpower ist es wohl besser wir lassen das."
"Ich sehe du wirst langsam vernünftig mein Schatz." Biggi beugte sich zu ihm hinunter und gab ihm einen Kuß.
"Wozu hast du eigentlich Langlaufski und deinen Bogen dabei?" fragte Michael um das Thema zu wechseln.
"Ich mag nun mal Langlauf lieber als Abfahrt, weil du viel mehr von der Landschaft und der Natur siehst. Kein Anstehen am Lift, keine Wartezeiten, einfach viel entspannender. In der Nähe gibt es einen Trainigsparcour für Ski-Arc. Das ist vergleichbar mit Biathlon, nur das man mit Pfeil und Bogen schießt. Da ich beide Sportarten sehr gerne betreibe ist das eine ideale Kombination. Zudem stellt es eine Herausforderung dar aus der Bewegung des Langlaufs am Abschußpunkt innerhalb kürzester Zeit zur Ruhe zu kommen, damit man vernünftig zielen und treffen kann. Beides sind praktisch lautlose Sportarten und stören die Ruhe nicht", erklärte Sabrina.
"Und was mache ich, wenn du Langlauf machst? Du willst doch nicht alleine los, oder?" fragte Jens.
"Warum nicht? Ich glaube ich bin alt genug und Angst habe ich keine. Oft genug bin ich alleine unterwegs. Du kannst mich auch begleiten", schmunzelte Sabrina.
"Ich habe keine Langlaufski und fahren kann ich auch nicht."
"Wir können dir Ski leihen und ich bringe es dir bei. Alternativ kannst du mir auch mit Schneeschuhen hinterher rennen, das wird bestimmt lustig."
"Ich hab es geahnt, es war ein Fehler", resigniert hob Jens die Schultern.
"Was?"
"Überhaupt davon anzufangen ....."
"Hast du keine Lust etwas Neues zu lernen? Oder vielleicht Angst dir die Knochen zu brechen?"
"Ich weiß nicht ob ich das in meinem Alter noch anfangen sollte", zweifelte Jens.
"Mach dir mal keine Sorgen, soweit ich gesehen habe hat Michael die Notfallkoffer dabei."
"Danke, das ist sehr aufmunternd."
"Seit ich dich kenne, bin ich der Meinung man sollte immer auf alles vorbereitet sein. Bislang habe ich sie immer benötigt, wenn wir mehrere Tage zusammen verbracht haben", antwortete Michael.
"Jetzt bin ich wieder Schuld ...." beleidigt sah Sabrina ihn an.
"So war das nicht gemeint, aber du scheinst gewisse Dinge einfach anzuziehen", verteidigte sich Michael.
"Das kannst du nicht abstreiten!" unterstützte Karin nun Michael.
"Ich weiß nicht, das ist keine Absicht ....."
"Hey, nun mach nicht so ein Gesicht, das wissen wir doch." Jens setzte sich auf die Lehne von Sabrinas Sessel und nahm sie in den Arm. "Was wollen wir morgen machen, hat jemand Wünsche oder Vorstellungen?" fragte er in die Runde.
"So wie ich unsere Mädels und Dirk kenne, wollen sie bestimmt zum Abfahrtshang. Ich würde einen ausgedehnten Spaziergang vorziehen. Wir könnten Florian und Isabella auf den Schlitten setzten und die Umgebung erkunden", antwortete Biggi.
"Das ist eine hervorragende Idee. Einfach ein gemütlicher und ruhiger Tag", unterstützte Karin den Vorschlag.
"Wir müssen noch daran denken Holz zu machen, es wird nur etwa für 3 Tage reichen. Aber das ist bestimmt kein Problem für euch Männer, oder?" fragend blickte Sabrina in die Runde. "Nur, wenn ich in eure begeisterten Gesichter sehe, gehe ich davon aus, dass ihr wenig Erfahrung damit habt. Dann werde ich euch morgen zeigen wie man Holz macht. Schaut mich nicht so an. Wie wollt ihr in der Wildnis überleben, wenn ich nicht einmal Holz machen könnt? Mein Gott, nicht überall kommt der Strom aus der Steckdose. In was für einer Welt lebt ihr denn?" Sie schüttelte ihren Kopf.
"Nun sei mal nicht so hart mit uns, so schwer wird das nicht sein", nahm Jens sie in Schutz.
"Das werden wir morgen sehen, ich freue mich schon darauf", grinste Sabrina.
"Kann es sein, dass ich da ein wenig Schadenfreude funkeln sehe?" fragte Biggi.
"Vielleicht ...... Morgen früh wissen wir mehr."
Karin gähnte. "Ich glaube, ich werde ins Bett gehen. Isabella wird mich heute Nacht mindestens einmal wecken und ich brauche noch ein wenig Schlaf. Gute Nacht alle miteinander."
"Ich komme gleich mit. Wir hatten 5 Einsätze letzte Nacht und ich bin ziemlich müde. Gute Nacht", sagte Michael und stand ebenfalls auf.
"Mir sitzt die letzte Nacht ebenfalls in den Knochen, ich werde mich auch hinlegen. Gute Nacht und schlaft gut." Sabrina erhob sich und gab Jens einen flüchtigen Kuß bevor sie ging.
Thomas blickte ihr nachdenklich nach. "Manchmal habe ich immer noch meine Probleme mit ihr. Sie ist eine starke Frau die weiß, was sie will."
"Das ist doch kein Wunder Thomas. Sie war 10 Jahre in der Welt unterwegs und musste häufig auf sich allein gestellt überleben. Sie hat viel gesehen und gelernt, das geht nicht spurlos an einem Menschen vorbei. Die Verantwortung und die Aufgabe die sie übernommen hat erfordern viel Kraft und Stärke. Es gibt Tage da überlege ich mir wie sie das aushält, aber sie beklagt sich nie", erklärte Jens bewundernd.
"Das spürt man immer wieder an ihrem Verhalten und der Art wie sie viele Dinge sieht. Wobei sie irgendwie etwas geheimnisvolles an sich hat. Kannst du mir das erklären?" fragend sah Biggi Jens an.
"Vermutlich liegt das an ihrer Lebensweise und wie sie die Dinge umsetzt die sie gelernt hat. Sabrina hat Fähigkeiten erworben die uns Fremd sind, deshalb wirkt sie vermutlich auf Außenstehende geheimnisvoll", war die ausweichende Antwort von Jens. Das Sabrina eine Indigo war, wollte und konnte er ihnen nicht erklären. Wenn der Zeitpunkt reif war, würde sie es selbst tun.
"Ich werde ebenfalls ins Bett gehen. Wie Michael schon gesagt hat, hatten wir eine ereignisreiche Nachtschicht. Gute Nacht." Mit diesen Worten stand Jens auf.
Thomas warf einen Blick auf seine Uhr und sagte: "Es ist wirklich spät geworden, ich habe nicht gemerkt wie die Zeit vergangen ist. Unsere Jugend sollte auch langsam ins Bett. Ich sehe nach ihnen und komme nach, Biggi."
"O.K. Danke. Bis gleich." Müde und dankbar erhob sich Biggi. Es war doch ein anstrengender und langer Tag geworden.
Thomas ging die Leiter zum Dach hinauf und rief leise: "Lisa, Laura, Dirk, es wird langsam Zeit ans Schlafen gehen zu denken." Aber er erhielt keine Antwort. Als er oben ankam wußte er sofort warum, sie lagen bereits schlafend in ihren Betten. Schmunzelnd kletterte er die Leiter wieder hinunter. Die Berge und die Luft hatten ihr übriges getan.
22. Dezember 2004
Am nächsten Morgen wurde Jens von leisen Schlägen geweckt. Was war das für ein Lärm? Irritiert drehte er sich um. Das Bett neben ihm war leer. Er fuhr aus dem Bett hoch, stand auf und zog sich an um der Sache auf den Grund zu gehen. Als er auf dem Weg nach draußen an der Küche vorbei kam, stieg im der Duft von frisch gebrühtem Kaffee in die Nase. Verlockend war der Duft, aber er ging trotzdem zur Tür um dem Lärm zu folgen. Im Anbau neben der Hütte fand er Sabrina die bereits einen großen Stapel Holz gehackt hatte. Gerade als sie sich bücken wollte umschlang er sie mit seinen Armen von hinten. Erschrocken drehte sie sich um.
"Mein Gott Jens, hast du mich erschreckt......" weiter kam sie nicht, weil er jedes weitere Wort mit einem Kuß erstickte. Ihre Hand lies das Beil fallen und sie umschlang seinen Hals. "Nicht aufhören bitte ...." brachte sie hervor als sie beide kurz Luft holten.
"So stürmisch heute, meine kleine Wildkatze?" fragte er überrascht.
"Wir hatten wenig Zeit und Ruhe in den letzten Wochen miteinander."
"Was ist los, warum bist du so früh auf und hackst wie wild Holz?"
"Ich musste mich abreagieren. Im Indischen Ozean zeigen sich in den letzten Tagen verstärkte seismische Aktivitäten. Das ist nicht ungewöhnlich, weil dort mehrere Platten aufeinander treffen. Nur die stärke der Ausschläge und die Häufigkeit haben zugenommen. Aus der Erfahrung unserer
Geologen gehen wir davon aus, dass es zu einem Beben kommt. Wir haben versucht mit den umliegenden Ländern Kontakt auf zu nehmen. Es gestaltet sich äußerst schwierig, weil sich niemand zuständig fühlt und ein funktionierndes Warnsystem gibt es nicht. Zumal wir keine Angaben machen können, wann, wo und wie stark das Beben wird. Da die Bruchspalte auf dem Meeresboden liegt haben die Menschen keine Vorstellung wie sich ein Seebeben auswirken wird. Dort, wo wir kompetente Leute erreicht haben, weigert man sich Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen, weil wir den Zeitpunkt nicht genau festlegen können. Es ist Urlaubszeit und viele Touristen sind in den Ländern, die sie mit einem unbegründeten Alarm nicht erschrecken wollen. Im schlimmsten Fall gibt es einen großen Knall und es bildet sich eine meterhohe Welle welche die Küstenregionen verwüsten wird. Im günstigsten Fall lösen sich die Spannungen in ganz kleinen Rucken und es passiert nichts, so wie es in den vergangenen Jahren immer war. Aber alle Anzeichen deuten auf den ersten Fall hin. Wir können uns nur weiter darum bemühen Gehör zu finden. Erschwerend kommt hinzu, dass es in den meisten Ländern praktisch kein flächendeckendes Telefonnetz gibt womit man alle Menschen kurzfristig warnen könnte. Es ist wie ein Kampf gegen Windmühlen!" stieß Sabrina verzweifelt hervor.
"Eure Leute arbeiten daran?" fragte Jens.
"Ja, sie haben die Beobachtungen verstärkt und versuchen die Regierungen der Länder zu erreichen, aber es ist sehr schwierig."
"Kann man noch mehr tun, als ihr bereits versucht?"
"Nein, ich glaube nicht." Sabrina schüttelte den Kopf.
"Dann laß es gut sein. Hast du dich genug abreagiert? Mein Magen knurrt, ich möchte frühstücken. Der Kaffeeduft war zu verlockend. Nach dem Frühstück zeigst du mir wie man Holz hackt."
"Nehmen wir Holz mit rein und richten den Tisch. Die anderen sind bestimmt schon munter", antwortete Sabrina.
Wider erwarten lagen noch alle in den Federn als sie zurück in der Hütte waren. Sie heizten noch einmal richtig ein und Jens deckte den Tisch. Sabrina fertigte aus dem Teig kleine Brötchen die sie auf ein Blech setzte und in eine Öffnung im Kachelofen schob.
"Warum holen wir die Brötchen nicht beim Bäcker?" fragt Jens und beobachtete sie bei der Arbeit.
"Ganz einfach, du wärst mindestens 2 ½ Stunden unterwegs bis ins Dorf und wieder zurück. Und selbst gemacht schmecken sie noch besser, lass dich überraschen."
Nach kurzer Zeit zog zusätzlich zum Kaffeduft noch der Duft von frisch gebackenen Brötchen durch die Hütte und weckte nach und nach alle auf.
"Guten Morgen ihr Langschläfter", wurden sie von Jens und Sabrina begrüßt.
"Ich muss ehrlich zugeben, so gut habe ich lange nicht mehr geschlafen", sagte Michael und streckte sich. "Noch schöner ist es, einen gedeckten Tisch vor zu finden."
"Wer arbeiten will, muss sich vorher richtig stärken", grinste Sabrina.
"Und ich dachte schon, es bleibt uns erspart", stöhnte Thomas.
"Wie kommst du denn auf die Idee? Das macht bestimmt Spaß!" antwortete Jens.
"Michael, merkst du etwas? Jens ist schon übergelaufen", sagte Thomas entsetzt.
Allgemeines Gelächter folgte auf diese Bemerkung und alle setzten sich an den Tisch.
"Wo hast du denn die leckeren Brötchen her?" fragte Karin.
"Aus dem Kachelofen!" antwortete Sabrina und stand auf um das zweite Blech aus dem Ofen zu holen.
"Sag blos du hast sie selbst gebacken?" überrascht sah Biggi sie an. "Wann bist du den aufgestanden?"
"Um 7 Uhr heute morgen. Ich konnte nicht mehr schlafen und bin aufgestanden. Dann habe ich Kaffee gekocht, Teig angesetzt und bin Holz hacken gegangen. Als Jens kam sind wir rein und ich habe sie geformt und in den Backofen geschoben. Ist eigentlich eine ganz einfache Sache."
"Damit könntest du uns jeden Morgen verwöhnen", sagte Thomas.
"Das kann ich mir gut vorstellen. Wie wäre es, wenn ich es dir beibringe? Ich finde es auch nicht schlecht, wenn die Männer die Frauen verwöhnen", grinste Sabrina.
"Was sollen wir denn noch alles lernen?" fragte Thomas.
"Wenn ich ein wenig nachdenke fällt mir bestimmt noch das eine oder andere ein." Sabrina fixierte ihn.
Thomas merkte, dass er sich auf dünnes Eis begab und überlegte wie er sich aus der Affäre ziehen konnte. "Wir machen das am Besten nach und nach und überstürzen nichts."
Jens und Michael verkniffen sich angestrengt ein Lachen.
Sabrina sah sie an: "Ihr braucht garnicht so zu grinsen, ich kriege euch schon."
Jetzt mussten die Frauen herzhaft lachen, weil die drei Männer vollkommen betretene Gesichter machten.
"Ich finde das toll Sabrina, du schaffst es immer wieder", prustete Biggi los.
"Hey, was ist denn das für ein Lärm da unten am frühen Morgen?" Dirk streckte seinen Kopf über das Geländer.
"Von wegen früher Morgen, es ist bereits 10 Uhr und das Frühstück ist fertig. Kommt runter!" antwortete Michael.
Kurz darauf saßen Lisa, Laura und Dirk mit am Tisch. Auch Isabella und Florian waren jetzt wach.
"Was wollen wir heute machen?" fragte Michael.
"Lisa, Laura und ich würden gerne zum Abfahrtshang, ist das machbar?" fragte Dirk.
"Ich kann euch hin fahren. Dann leihe ich für Jens ein paar Langlaufski aus und drehe selbst ein oder zwei Runden auf der Ski-Arc-Loipe. Anschließend nehme ich euch mit zurück. Oder braucht ihr mich hier?" Sabrina blickte in die Runde.
"Na, verlaufen werden wir uns glaube ich nicht. Und riesige Strecken können wir mit den Kleinen sowieso nicht machen. Wir ziehen kleinere Spaziergänge vor. Unsere Männer wollten sich ja um Holz kümmern." Karin gab Michael einen flüchtigen Kuß.
"Wenn ihr schon alles geregelt habe, dann können wir uns kaum wehren, oder?" lachte Michael.
"Kommt, dann werden wir uns mal an das Holz machen." Michael machte eine auffordernde Handbewegung.
Karin und Biggi packten sich und die beiden Kleinen war ein und machten sich zu einem Spaziergang mit Schlitten auf.
"Jetzt können wir in Ruhe mal unsere Frauengespräche führen", sagte Karin als sie los gingen.
Dirk, Lisa und Laura zogen ihre Ski-Kleidung an und standen kurz darauf fix und fertig vor der Tür.
Sabrina hatte sie gehört und kam aus dem Anbau, wo sie den Männern gezeigt hatte wie man fachmännisch Holz hackte.
"Kann es los gehen?"
"Klar, wir sind bereit!" war die einstimmige Antwort.
"Na dann los, bitte Ski verladen und einsteigen."
Bis zum Ski-Hang benötigten sie mit dem Auto eine halbe Stunde. Sabrina lies die drei aussteigen.
"Ich hole euch um 15 Uhr wieder hier ab. Reicht euch die Zeit?" fragte sie.
"Das ist mehr als wir erhofft hatten, sicher."
"Dann viel Spaß!" Sabrina winkte kurz und fuhr wieder los.
Ihre nächste Station war der Ski-Verleich. Schnell hatte sie Langlaufski, Schuhe und Stöcke gefunden und verladen. Sie fuhr zurück, parkte den Wagen auf einem kleinen Parkplatz in der Nähe der Lifte am Jenner und legte ihre eigene Ausrüstung an. Nach einem kleinen Anstieg über eine gespurte Loipe erreichte sie den Ski-Arc Parcour. Für die erste Runde lies sie sich viel Zeit um sich die Strecke und die Ziele anzusehen. Außerdem schweifte ihr Blick immer wieder in die Umgebung auf der Suche nach verdächtigen Spuren im Schnee. Spuren, die vielleicht einen Hinweis auf die Wilderer geben könnten. Aber konnte nichts entdecken. Vermutlich war der Abfahrtshang zu nah, oder auf der Loipe zu viel Betrieb. Ihre zweite Runde drehte sie mit Tempo und auf Zeit. Zufrieden stellte sie am Ende fest, dass sie noch genauso gut war, wie im letzten Winter. Da sie aber ständig im Trainig war hatte sie das auch nicht anders erwartet. Es hatte ihr sehr viel Spaß gemacht und, genau genommen, würde sie diesen Sport gerne regelmäßig betreiben, aber leider fehlte ihr oft die Zeit. Zumindest hatte sie sich einige Zeit nur auf den Parcour konzentriert und nicht auf ihre Arbeit. Fast ein kleiner Urlaub. Ein Blick auf die Uhr brachte sie in die Wirklichkeit zurück. Es war kurz vor 15 Uhr. Sie bog von der Loipe ab und fuhr in Richtung Abfahrtshang der nicht weit war. Dort angekommen blickte sie sich nach Dirk, Laura und Lisa um. Die Drei kamen in diesem Moment von oben angefahren und entdeckten sie sofort. Kurz vor ihr bremsten sie ab.
"Hallo Sabrina, du bist aber pünktlich", sagte Laura überrascht.
"Hatte ich euch doch versprochen, wir sehen uns unten", grinste Sabrina.
"Wie kommst du denn jetzt runter?" fragte Dirk.
"Na, ich fahre euch hinterher."
"Mit Langlaufski?"
"Warum nicht? Wenn man die Ski beherrscht und Übung hat geht das, wenn der Hang nicht so steil ist. Wedeln kann ich natürlich nicht. Fahrt los, sonst kommen wir nie an", schmunzelte Sabrina.
"O.K. Bis gleich!" sagten die Drei und fuhren los.
Sabrina folgte ihnen im leichten Pflug. Bis die Drei ihre Ski abgeschnallt hatten, war sie ebenfalls unten angekommen.
"Jetzt bin ich echt überrascht, ich wußte nicht, dass das geht", sagte Dirk.
"Es erfordert ein wenig Übung, aber wenn man es kann ist es nicht schwer. Zumal ich als Jugendliche zuerst Abfahrt gelernt habe und dann auf Langlaub umgestiegen bin. Die eine oder andere Technik kann man übernehmen", antwortete Sabrina während sie die Ski auf dem Dach ihres Autos befestigte. "Einsteigen! Ich freue mich schon auf unsere warme Hütte und eine Tasse Kaffee."
Eine knappe halbe Stunde später waren sie wieder bei ihrer Hütte.
Ausgelassen stürmten Lisa, Laura und Dirk in die Hütte. Sabrina blieb noch im Auto sitzen und führte je ein Telefongespräch mit ihrem Bruder Siegfried auf der Basis und Hans in Berchtesgaden. Anschließend ging sie ebenfalls in die Hütte.
Behagliche Wärme schlug ihr entgegen als sie dir Tür öffnete. Lisa, Laura und Dirk saßen bereits mit einer Tasse Tee am Tisch und erzählten von ihren Erlebnissen.
"Und stellt euch mal vor, Sabrina ist den halben Skihang mit ihren Langlaufskiern runter gefahren!" erzählte Lisa gerade.
"Das ist nicht dein Ernst?" überrascht blickte Jens erst Lisa und dann Sabrina an.
"Bevor ich Langlauf gemacht habe, habe ich Abfahrt gelernt. Man kann gewisse Techniken übertragen. Steilhänge, Sprünge und Wedeln geht natürlich nicht!" erklärte Sabrina.
"Du hättest dir sämmtliche Knochen brechen können ....." vorwurfsvoll sah er sie an.
"Nun übertreib mal nicht, ich weiß sehr genau was ich mir zutrauen kann und was nicht." Ernst blickte sie ihm in die Augen.
"Ehrlich Jens, es sah sogar fast elegant aus, ich war selbst überrascht." Dirk gab Sabrina Rückendeckung.
"Danke Dirk. Kann ich jetzt auch einen Kaffee haben? Wie war euer Spaziergang Karin und Biggi? Hat sich jemand beim Holz hacken verletzt?" Sabrina nahm dankbar die Tasse Kaffee die ihr Karin reichte.
"Wir waren über eine Stunde spazieren, es war einfach herrlich. Mit jeder Ecke um die du gehst hat man einen anderen wunderschönen Ausblick, absolut super", erzählte Biggi begeistert.
"Von einem Spreisel abgesehen, sind wir unverletzt. Aber die Muskeln schmerzen von der ungewohnten Bewegung." Thomas massierte sich am rechten Oberarm die Muskeln.
"Die beste Therapie dagegen ist, einfach weiter machen, dann wird es nicht so schlimm", erklärte Sabrina.
"Danke für den guten Rat!" antwortete Thomas säuerlich.
"Wir haben den halben Tag geschuftet, ich finde wir haben uns nun auch einen Spaziergang verdient, was meint ihr?" fragend blickte Jens die anderen an.
"Vergiß es, mir reicht es für heute, ich lege mich ein wenig hin." Thomas schüttelte verneinend mit dem Kopf.
"Karin hast du nochmal Lust?" fragte Michael.
"Warum nicht, aber diesmal ziehst du den Schlitten mit Isabella. Ich habe schon ganz lange Arme", grinste Karin.
"Wir kommen auch mit", riefen Lisa, Laura und Dirk im Chor.
Kurz darauf waren sie warm eingepackt und gingen gemeinsam los. Die Drei Jugendlichen liefen plaudernd voraus. Es folgten Sabrina und Jens und anschließend Karin und Michael mit Isabella.
Nach einer halben Stunde sagte Karin: "Es wird langsam doch ziemlich kalt, wir sollten umkehren."
"Du hast Recht. Wir sagen den anderen Bescheid und drehen um", stimmte Michael zu. Er rief nach Jens und Sabrina und gab ihnen zu verstehen, dass sie zurück wollten.
"In Ordnung, wir laufen noch ein Stück und kommen bald nach", rief Jens zurück.
Lisa hatte das gehört und schloß sich ihnen an, weil sie sich langsam müde fühlte.
"Du bist so schweigsam und dein Blick schweift ständig in die Umgebung. Ist irgend etwas nicht in Ordnung?" fragte Jens als sie weiter gingen.
"Ich habe vorhin noch kurz mit Hans gesprochen. Er war gestern nicht da, weil sie auf der Spur von Wilderern sind. Sie haben Rund um den Obersee und am Lehlingskopf und Wasserberg mehrere Fangeisen gefunden und Blutspuren. Das ist im Süden des Nationalparks in Richtung Grenze und ziemlich weit weg von uns. Duch die Nähe zum Ski-Gebiet ist es sehr unwahrscheinlich das sie sich hier aufhalten, aber er hat mich trotzdem gebeten mich ein wenig umzusehen", erklärte Sabrina.
"Sollten wir es den anderen nicht sagen?"
"Ich möchte sie nicht beunruhigen solange wir keine Beweise haben, dass sie auch hier aktiv sind. Das Großwild hält sich im Winter mehr in den geschützten Tälern auf und die Erwachsenen bleiben auf den Wegen. Rund um unsere Hütte habe ich nichts gefunden. Fangeisen werden in der Regel an Wildwechseln oder am Wasser aufgestellt und davon ist nichts in unserer Umgebung. Reicht es nicht, wenn ich mir Gedanken mache?"
"Dich belastet so viel, erst die Sache mit der Bebengefahr und jetzt die Geschichte mit den Wilderern. Du kommst doch überhaupt nicht zur Ruhe und zum Abschalten, wie willst du dich erholen? Besonders gut siehst du nicht aus." Jens war stehen geblieben und nahm sie in den Arm.
Sabrina legte ihren Kopf an seine Schulter und genoß seine Nähe und Stärke.
"Du gibt mir Kraft und Ruhe. Wenn wir zusammen sind gelingt es mir oft ein wenig Abstand zu gewinnen."
"Ich bin immer für dich da meine kleine Wildkatze", sagte er und sie küssten sich lang und innig.
Die Welt um sie herum schien still zu stehen.
"Nun sieh sich mal einer unsere Turteltauben an, bleiben einfach im Schnee stehen und knutschen in aller Öffentlichkeit herum." Mit diesen Worten rief Dirk sie in die Wirklichkeit zurück.
Verlegen lösten sich Sabrina und Jens voneinander.
"Müsst ihr uns so erschrecken? Ist das ein Vorrecht der Jugend oder was? Es ist in unserem Alter noch genauso schön verliebt zu sein. Mal ganz abgesehen davon könnt ihr beide ganz ruhig sein." Sabrina blickte die beiden gespielt böse an und grinste.
"Wir wollen uns auf den Rückweg machen, es wird heute anscheindend früher dunkel und es sieht fast aus als ob es demnächst schneien würde. Außerdem haben wir langsam Hunger", erklärte Laura.
"Du hast recht, es sieht tatsächlich nach Schnee aus. Ich möchte Jens nur noch einen kleinen Aussichtspunkt zeigen, dann kommen wir nach. Tut mir aber einen großen Gefallen und bleibt auf dem Weg. Abseits der Wege gibt es häufig tiefe Schneeverwehungen, die könnten gefährlich werden." Sabrina sah die beiden bittend an.
"Machen wir, bis später!" riefen Dirk und Laura gleichzeitig und marschierten los.
Sabrina und Jens bogen in einen kleinen Seitenweg ein.
"Was sollte deine Bemerkung eben?" fragte Jens.
"Ich möchte nur, dass sie auf den Wegen bleiben und keinen Blödsinn machen. Bei so viel Schnee bilden sich in den Senken regelmäßig Schneeverwehungen und wenn du da hinein geräts ist es relativ schwierig ohne Hilfe wieder heraus zu kommen. Ich hoffe sie halten sich daran."
"Steckt nichts anderes dahinter?"
"Nein, ich glaube nicht daran, dass die Wilderer hier in der Nähe sind. Hans sagte sie haben gestern eine Spur am Lehlingskopf verfolgt die sehr vielversprechend war. Es spricht hier zuviel dagegen."
Sabrina blieb plötzlich stehen, ging in Deckung und holte ein kleine Fernglas aus ihrer Tasche.
"Was ist los?" fragte Jens verwundert, der ihr unaufgefordert gefolgt war.
"In der alten Schnapsbrennereihütte brennt Licht, das ist sehr ungewöhnlich. Um die Hütte herum sind Fußspuren und vor kurzen ist hier ein Auto gefahren." Sabrina blickte auf ihre Uhr und zum Himmel. "Es hat heute keinen Sinn mehr, wir werden der Sache morgen nach gehen. Zur Sicherheit telefoniere ich noch mit Hans. Vielleicht ist es falscher Alarm. Laß uns zurück gehen." Sie drehte sich um, griff nach dem Arm von Jens und gingen gemeinsam den Weg zurück.
"Doch die Wilderer?"
"Das müssen wir erst klären. Nur, normalerweise ist im Winter nie jemand in der Hütte."
Während dessen hatten Dirk und Laura schon einen Teil ihres Rückweges hinter sich. Eng umschlungen liefen die den Weg entlang.
"Es ist wirklich schön hier oben. Und noch schöner ist es einmal ganz allein mit dir zu sein." Eng kuschelte sich Laura an Dirk.
"Ja, ich genieße die Zeit hier oben sehr. Ich wollte ja zuerst nicht mit, aber nun bin ich sehr froh darüber. Bei so vielen Erwachsenen dachte ich, wir könnten nie Zeit alleine verbringen. Nun haben wir viel Zeit und Spaß, alle sind viel lockerer als sonst." Dirk drückte Laura einen Kuss auf die Stirn.
"Ist das dort drüben nicht unsere Hütte?" Laura zeigte auf den gegenüber liegenden Hang.
"Ja, das ist sie. Wollen wir eine Abkürzung nehmen? Dann sind wir schneller zurück in der warmen Hütte. Was meinst du?" fragend sah Dirk Laura an.
"Ich weiß nicht recht. Sabrina hat uns gewarnt den Weg zu verlassen. Wir sollten besser auf dem Weg zurück gehen, sie wird schon wissen warum sie das sagt."
"Sei kein Spielverderber, was kann schon passieren? Wir müssen nur über den kleinen Bach und drüben den Hang hinauf, dann sind wir wieder auf dem Weg und bald darauf bei unserer Hütte."
"Was ist, wenn es doch Schneeverwehungen gibt und die Steine am Bach sind bestimmt rutschig."
"Ich gehe vor und helfe dir. Komm schon, das ist ein kleines Abenteur." Auffordernd reichte Dirk Laura seine Hand und fing an den Hang hinunter zu klettern.
"Dirk, bitte, lass uns auf den Weg gehen." Unsicher blickte Laura Dirk hinterher.
"Es ist toll durch den tiefen Schnee zu gehen. Probier es aus!" rief Dirk.
Zögernd folgte Laura Dirk. Sie hatte große Angst, aber alleine auf dem Weg wollte sie auch nicht gehen. Wider Erwarten verlief der Abstieg ohne Probleme und sie erreichten den Bach.
"Na, Laura ist doch halb so wild. Ich suche einen sicheren Weg über den Bach und helfe dir dann."
Dirk ging ein Stück am Bach entlang bis er eine ganz enge Stelle fand.
"Hier ist es Ideal Laura, komm!" sagte er und suchte sich mit dem Fuß einen sicheren Stand. Er nahm Lauras Hand und suchte sich mit dem anderen Fuß einen weiteren tritt. Er glaubte ihn gefunden zu haben und setzte seinen Fuß auf den Boden. In diesem Moment schnappte das Fangeisen zu. Brennender Schmerz durchbohrte seinen Fuß oberhalb des Knöchels und mit einem lauten Schrei stürzte er in den Schnee. Der Schmerz raubte ihm fast das Bewußtsein.
"Dirk, was ist passiert", schrie Laura vor Schreck und kniete sich hin.
"Oh Gott Laura es tut so schrecklich weh", stöhnte Dirk mit Tränen in den Augen.
"Das sieht aus wie ein Fangeisen. Vielleicht schaffen wir es gemeinsam deinen Fuß zu befreien", sagte Laura und versuchte mit beiden Händen das Eisen auseinander zu stemmen. "Dirk, du musst mir helfen, ich schaffe es nicht alleine!"
Mühsam und unter Schmerzen setzte sich Dirk auf und versuchte Laura zu helfen. Tatsächlich gelang es ihnen die beiden Teile so weit auseinander zu biegen, dass Dirk seinen Fuß befreien konnte. Erschöpft von der Anstrengung ließen sich beide im Schnee fallen. Laura fasste sich als erstes wieder und betrachtete Dirks Fuß.
"Das sieht böse aus. Wir müssen dich möglichst schnell zur Hütte bringen. Über den Bach kommen wir so nicht. Ich helfe dir und wir versuchen den Hang hinauf zu klettern. Sabrina und Jens kommen sicher bald vorbei." Mit ihrem Halstuch legte Laura einen provisorischen Verband an.
"Versuchen wir es", brachte Dirk mit zusammen gebissenen Zähnen hervor. Warum hatte er nur nicht auf Laura gehört?
Schritt für Schritt kletterten sie langsam den Hang hinauf, blieben aber bald erschöpft liegen.
Immer wieder schrie Laura laut um Hilfe, in der Hoffnung, dass jemand sie hörte.
"Du willst morgen wirklich noch einmal zu der Hütte?" fragte Jens.
"Wir müssen klären wer in der Hütte ist. Heute Abend rufe ich Hans an, vielleicht verbringt ja jemand Bekanntes wie wir Weihnachten in der Hütte. Wenn das der Fall ist brauchen wir nicht mehr hin, ansonsten müssen wir nachsehen. Auch für unsere Sicherheit ist das wichtig", grübelnd blickte Sabrina den Weg entlang. Plötzlich blieb sie stehen. "Hast du das auch gehört?"
"Was?"
"Ich bin mir sicher da hat jemand gerufen!" sagte Sabrina.
Angestrengt lauschten sie zusammen.
"Nichts, das war bestimmt der Wind!" Jens schüttelte den Kopf. "Laß uns weiter gehen."
Sie beschleunigten ihre Schritte und Sabrinas Blick suchte den Schnee ab.
"Dort vorne ist jemand vom Weg abgegangen! Siehst du die Spuren im Schnee?" rief Sabrina und rannte fast zu der Stelle.
"Hilfe!" hörten sie es jetzt beide von unten.
Auf halber Höhe konnten sie zwei Gestalten im Schnee entdecken. Sie erreichten sie innerhalb küzester Zeit, weil sie fast den Hang hinunter stürzten.
"Um Gottes Willen Laura, Dirk was ist passiert?" fragte Sabrina.
"Ich wollte nicht, aber Dirk ....." stotterte Laura und tränen rannen ihr über die Wangen. Jens nahm sie fürsorglich in den Arm und versuchte sie zu beruhigen.
"Ich wollte abkürzen auf dem Weg zur Hütte und unten am Bach bin ich in ein Fangeisen getreten.
Es tut mir Leid Sabrina. Es brennt wie Feuer", mit zusammen gebissenen Zähnen erklärte Dirk was passiert war.
"Laß mich mal danach sehen." Vorsichtig öffnete Sabrina das Tuch und besah sich die Wunde.
"Jens bringst du Laura hoch zum Weg. Dann komm bitte zurück, damit wir Dirk gemeinsam hoch bringen."
Jens nickte und half Laura den Hang hoch.
Sabrina legte ihre Hand auf die Wunde und konzentrierte sich. Sie konnte sehen, dass die Blutung fast aufgehört hatte. Anschließend verband sie den Fuß wieder mit Lauras Tuch. "Geht es wieder einigermaßen?" fragte sie.
"Ja, danke, die Schmerzen haben nachgelassen", bestätigte Dirk mit einem Nicken.
"Ich helfe dir hoch und sobald Jens da ist gehen wir zusammen den Hang hoch. Schaffst du das?"
"Muss ich wohl oder übel. Irgendwie müssen wir ja zur Hütte zurück. Hoffentlich ist Papa nicht sauer mit mir", antwortete Dirk zerknirscht.
"Leg deinen Arm um meine Schulter, wir schaffen das schon", sagte Jens und griff Dirk unter die Achsel.
Einige Minuten später waren sie wieder auf dem Weg. Laura weinte noch immer und saß zusammen gekauert im Schnee.
"Komm hoch Laura. Wir müssen Dirk zur Hütte bringen. Sabrina und ich werden ihn stützen, dann geht das hoffentlich ziemlich schnell." Jens reichte Laura die Hand.
Dirk humpelte eine Zeit lang tapfer zwischen den beiden, aber nach und nach verlies ihn die Kraft.
Sabrina und Jens mussten ihn fast tragen bis sie eine dreiviertel Stunde später endlich die Hütte erreichten. Auf den letzten Metern besann sich Laura und rannte vor um Michael und Thomas zu holen, damit sie helfen konnten. Sie hatte bermerkt, dass Jens und Sabrina fast am Ende ihrer Kräfte waren.
Laura stieß die Tür auf und rief: "Michael, Papa, schnell wir brauchen euere Hilfe!"
Erschrocken fuhren die beiden aus den Sesseln hoch und rannten hinaus. Mit einem schnellen Blick erkannte Michael, dass sein Sohn verletzt war. Er und Thomas lösten Sabrina und Jens ab.
"Was zum Teufel ist passiert?" fragte Michael aufgeregt.
"Wir erkären euch gleich alles, aber wir müssen ins Warme und uns hinsetzen", antwortete Jens.
Alle anderen hatten die Aufregung mit bekommen und waren im Wohnraum. Sie setzten Dirk in einen Sessel und Michael untersuchte sofort seinen Fuß. Wärenddessen rannte Karin in ihr Schlafzimmer und holte die Notfallkoffer.
"Das sieht böse aus, aber der Knochen ist zum Glück nicht verletzt. Was ist passiert?" fragte er nochmals.
"Bitte nicht böse sein Papa, es ist meine Schuld. Obwohl Sabrina uns gewarnt hat, wollte ich eine Abkürzung gehen und bin am Bach in ein Fangeisen getreten." Dirk schluckte schwer, weil er wußte, dass er Mist gebaut hatte. Zudem schmerzte der Fuß höllisch.
"Ich bin dir nicht böse und hoffe, du hast etwas daraus gelernt. Karin gibt dir ein schnell wirkendes Schmerzmittel und dann versorge ich deine Wunde."
Dirk nickte nur. Jetzt wo er hier in der warmen Hütte im Sessel saß und Ruhe einkehrte überkam ihn die totale Erschöpfung. Der Schmerz durchflutete seinen Körper und wie betäubt nahm er nur noch Karin und Michael wahr, die sich um ihn kümmerten. Karin legte ihm einen Zugang und verabreichte ihm das Schmerzmittel. Mit dem nachlassenden Schmerz döste er leicht ein. Dass Karin ihm den Blutdruck maß und noch ein Kreislaufmittel verabreichte, registrierte er nur von Ferne. Michael zog ihm den Schuh und den Socken aus, reinigte die Wunde, setzte mehrere Klammerpflaster und legte einen Verband an.
"So, fertig. Das Skifahren kannst du aber für eine Weile vergessen Dirk, du wirst in den nächsten Tage die Hütte hüten müssen", versuchte Michael zu scherzen. Der Schreck über die Verletzung saß tief, aber sie sah besser aus als er im ersten Moment befürchtet hatte.
"Der junge Mann ist eingeschlafen, lassen wir ihn ausruhen. Seine Werte sind soweit in Ordnung", antwortete Karin die ihn überwacht hatte während Michael arbeitete.
Laura saß mit Thomas auf dem Sofa und schluchzte leise. Ihren Kopf hatte sie in seiner Schulter vergraben und sein Pullover war schon leicht durchnäßt. Er hatte versucht mit ihr zu reden, aber sie reagierte nicht.
Karin hatte sie aus dem Augenwinkel beobachtet und setzte sich zu den beiden.
"Laura, Dirks Wunde ist versorgt und es geht ihm gut. Es sah schlimmer aus, als es war", erklärte sie ihr.
Thomas schüttelte nur mit dem Kopf. "Sie läßt sich nicht beruhigen, ich habe es bereits mehrfach versucht."
"Vielleicht ist es besser wir geben ihr ein Beruhigungsmittel. Wenn sie ein paar Stunden geschlafen hat, sieht die Welt ganz anders aus." Karin stand auf um eine Spritze zu holen.
"Thomas leg sie bei uns ins Bett, dort kann sie sich ausruhen", schlug Biggi vor.
Thomas nahm seine Tochter hoch und brachte sie in ihr Schlafzimmer. Mit Biggis Hilfe zogen sie ihr einen Teil der Kleider aus und deckten sie zu. Karin war ihnen gefolgt und nachdem sie Laura den Blutdruck gemessen hatte, verabreichte sie ihr eine Spritze. Innerhalb weniger Minuten beruhigte sie sich und schlief ein.
"So, kann mir jetzt einmal jemand erklären was eigentlich passiert ist?" fragte Michael.
"Dirk und Laura wollten zurück, während ich mit Jens noch einen kleinen Abstecher in einen Seitenweg machen wollte. Ich habe die beiden gebeten auf dem Weg zu bleiben und keine Abkürzungen zu gehen wegen Schneeverwehungen. Dirk wollte trotzdem abkürzen und Laura hat versucht ihn davon abzuhalten, ist ihm aber gefolgt, als er sich nicht von seinem Vorhaben abbringen lies. Als die beiden einen kleinen Bach überqueren wollten ist er in ein Fangeisen getreten. Kurz darauf sind wir an der Stelle vorbei gekommen und haben sie gefunden", erklärte Sabrina.
"Wieso liegen hier Fangeisen herum? Wie kann das sein? Hast du davon gewußt?" fragte Michael aufgebracht.
"Hans hat mir erzählt, dass sie Hinweise auf Wilderer im Nationalpark haben und Spuren verfolgen. Allerdings fast im entgegengesetzten Teil des Parks, im Süden, in der Grenznähe. Er hat mich zwar gebeten die Augen offen zu halten, wir sind aber davon ausgegangen, dass sie sich durch die direkte Nähe zum Skigebiet hier eigentlich nicht aufhalten können." Sabrina blickte auf den Boden und rieb sich die Schläfen.
"Warum hast du uns nichts gesagt?" aufgebracht fuhr Michael Sabrina an.
"Weil ich die Umgebung abgesucht habe und euch nicht beunruhigen wollte. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich hier aufhalten war sehr gering, da es viel zu weit weg ist von dem Gebiet in dem man bislang Spuren gefunden hat. Es tut mir Leid!" Sabrina stand auf, griff nach ihrer Jacke und rannte nach draußen. Sie wollte alleine sein.
Michael wollte ihr folgen, aber Jens hielt ihn fest. "Michael, bleib hier. Musstest du sie so anfahren? Sie macht sich so schon Vorwürfe. Sie hat es mir heute erzählt und die Umstände sprachen wirklich dagegen, dass sie hier sind. Wenn Dirk mit Laura auf dem Weg geblieben wäre, dann wäre die Sache nicht passiert."
"Michael nun beruhige dich. Ich glaube Jens hat Recht, überlege doch mal richtig." Karin ging zwischen Michael und Jens.
"Ich bin nur stinksauer, ..... Sabrina hätte ...., ach Mist,....." Michael legte seine Kopf auf die Schulter von Karin und beruhigte sich langsam. "Draußen ist es kalt, wir sollten Sabrina zurück holen."
"Wenn sie jemand holt, dann ich", sagte Jens, zog sich eine Jacke an und verlies die Hütte. Er fand Sabrina im angrenzenden Schuppen wo sie Holz hackte.
"Mußt du dich wieder abreagieren?" fragte er leise.
Mit einem kräftigen Hieb schlug Sabrina das Beil in den Hackklotz. "Wenn wir sie begleitet oder ich sie wegen Fangeisen gewarnt hätte, wäre das nicht passiert."
"Was wäre wenn? Dirk ist eigentlich alt genung um vernünftig zu sein. Er hat auch nicht auf Laura gehört. Wir waren da und konnten helfen. Schlimmer wäre es, wenn wir einen ganz anderen Weg gegangen wären."
"Michael ist sauer auf mich, das wird uns die Tage hier verderben."
"Das war seine erste Reaktion, er hat nicht logisch nachgedacht. Gehen wir rein, du musst dich aufwärmen."
"Ich werde noch schnell mit Hans telefonieren, wir müssen uns Gewißheit verschaffen. Geh schon rein, ich komme nach."
"Kann ich dich wirklich alleine lassen?"
"Ja doch, ich mache keine Dummheiten, versprochen", fast musste Sabrina jetzt lachen.
Gemeinsam verliesen sie den Schuppen. Jens ging zurück in die Hütte und Sabrina zu ihrem Auto um zu telefonieren.
Der Abend verlief recht schweigsam. Karin und Biggi bereiteten das Abendessen vor. Aber außer den Kindern hatte niemand großen Appetit. Michael blieb fast die ganze Zeit bei Dirk am Bett sitzen, genauso wie Thomas bei Laura die sehr unruhig schlief. Sabrina studierte die Karten der Umgebung und Jens las in einem Buch. So ging jeder einer anderen Beschäftigung nach, nur um nicht miteinander reden zu müssen. Relativ früh verabschiedeten sich alle nacheinander um ins Bett zu gehen.
23. Dezember 2004
Noch bevor es draußen hell wurde stand Sabrina leise auf. Sie griff nach ihren Kleidern und schlich sich nach draußen. Ohne ein Geräusch zu verursachen schloss sie die Tür zu ihrem Schlafzimmer hinter sich. Nachdem sie sich angezogen hatte ging sie in die Küche, setzte Kaffee und Tee auf und bereitete den Teig für Brötchen zu. Für Karin und Biggi, oder wer auch immer als erstes Aufstand und in die Küche kam schrieb sie einen Zettel wie der Teig weiter zu verarbeiten war und wie lange die Brötchen in den Backofen mussten. Dann schenkte sie sich eine Tasse Kaffee ein, schmierte sich ein Butterbrot mit Marmelade und setzte sich an den Tisch. Nochmals studierte sie die Karten und schrieb eine Notiz für die anderen die sie auf dem Tisch liegen lies. In einen kleinen Rucksack packte sie einige Müsliriegel, eine Thermoskanne Tee sowie eine Taschenlampe und ein Erste Hilfe Set. Vorsoglich, weil sie nicht wußte wie lange sie heute draußen sein würde. Bevor sie los ging besuchte sie noch den schlafenden Dirk und berührte ihn kurz an der Stirn. Zum Glück hatte sich kein Fieber eingestellt. Warm eingepackt mit Mütze, Schal, Handschuhen, Winterstiefeln, Daunenjacke und mit Schneeschuhen machte sie sich auf den Weg zur Schnapsbrennereihütte um nachzusehen wer sich dort aufhielt. Hans hatte ihr am vergangenen Abend noch mitgeteilt, dass die Besitzer der Hütte an niemanden vermietet hatten.
Jens wurde durch das Geräusch der Kaffeemaschine wach. Er drehte sich um, aber Sabrina lag nicht neben ihm. Konnte sie wieder nicht schlafen oder wollte sie sich früh auf den Weg machen? Ein schrecklicher Verdacht keimte in ihm auf, hoffentlich war sie nicht alleine unterwegs. Er schoß aus dem Bett und rannte in die Küche. Der Zettel den er in der Küche fand bezog sich auf das Brötchen backen, aber die Notiz auf dem Eßtisch verschaffte ihm Gewissheit. In Windeseile schlüpfte er in seine Kleider, zog sich die dicken Wintersachen an und ging nach draußen, nicht ohne vorher Sabrinas Notiz zu ergänzen. In einiger Entfernung konnte er eine Gestalt erkennen die den Weg zurück lief, den sie gestern mit Dirk und Laura gelaufen waren. Er griff nach dem zweiten Paar Schneeschuhe und rannte ihr hinterher. Erst als er sie fast erreicht hatte rief er ihren Namen. Wie angewurzelt blieb Sabrina stehen, sie war in Gedanken gewesen und hatte seine Schritte nicht gehört.
"Meine Güte Jens, hast du mich jetzt erschreckt. Warum rennst du mir hinterher?"
"Du willst doch nicht alleine los ziehen. Ich komme mit, vier Augen sehen mehr als zwei. Keine Widerrede, vielleicht kannst du ja meine Hilfe gebrauchen. Oder willst du die Wilderer alleine fangen?"
"Ich will sie nicht fangen, ich möchte nur feststellen wer in der Hütte ist und dann wieder verschwinden. Die Wilderer dingfest sollen die Parkranger und die Polizei machen. Ich muss mir nur sicher sein und will keinen falschen Alarm auslösen. Vielleicht sind es nur Obdachlose die sich dort einquartiert haben."
"Du hoffst auf ein gutes Ende, oder?"
"Ja. Wobei mich die Falle irritiert", antwortete Sabrina nachdenklich.
"Warum bist du so früh unterwegs?" fragte Jens.
"In der Hoffnung dass, wer immer in der Hütte ist, noch schläft und wir schnell wieder verschwinden können. Ich möchte jede Konfrontation vermeiden. Ein Verletzter reicht."
"Die Sache mit Dirk geht dir wirklich nach."
"Ja. Ich bin sehr am Zweifeln ob ich einen Fehler gemacht habe."
"Meiner Meinung nach nicht", antwortete Jens voller Überzeugung.
"Danke für deine Unterstützung, aber die anderen haben da offensichtlich eine andere Meinung."
"Das war nur der erste Ärger, heute morgen sieht die Welt ganz anders aus. Das wirst du sehen, wenn wir zurück kommen."
"Wir haben die Abzweigung zur Hütte erreicht und sollten jetzt leise sein. Ziehen wir die Schneeschuhe an, dann machen unsere Stiefel nicht so viel Lärm", flüsterte Sabrina.
Bereits 10 Minuten später erreichten sie die Hütte. Sobald dies zu sehen war, achtete Sabrina darauf, dass sie immer Deckung hatten.
"Es ist noch alles dunkel und keine Geräusche sind zu hören. Am Kamin sehe ich, dass sie noch nicht wieder eingeheizt haben. Sie scheinen noch zu schlafen. Bleib du bitte hier, ich gehe näher ran und versuche, ob ich etwas entdecken kann", sagte Sabrina leise.
"Ich lasse dich ungern alleine gehen."
"Jens bitte, ich habe mehr Erfahrung und du bist meine Rückendeckung." Eindringlich sah Sabrina ihn an.
"O.K."
Sabrina legte den Rucksack ab und schlich sich weiter an die Hütte an. Jens beobachtete sie mit klopfendem Herzen. Sie umrundete die Hütte und öffnete die Tür zum Schuppen in dem sie verschwand. Das mulmige Gefühl von Jens wurde noch größer. Die Zeit schien nicht zu vergehen, aus Sekunden wurden Minuten, die ihm wie eine Ewigkeit vor kamen. Erleichtert beobachtete er, dass sie den Schuppen wieder verlies und zu ihm zurück kehrte. Mit einem Ast verwischte sie ihre Spuren. Als sie Jens erreicht hatte, gab sie ihm mit Zeichen zu verstehen, dass sie sich auf den Rückweg machen sollten.
Als sie endlich außer Hörweite der Hütte waren fragte Jens gespannt: "Und, hast du etwas entdeckt?"
"Ja, leider. Im Schuppen steht ein Auto mit östereichischem Kennzeichen. Ich habe weitere Fangeisen gesehen, Felle und Blutspuren. Im Auto und in der Hütte habe ich Gewehre gesehen. Kleidung und Schuhe deuten auf vier oder fünf Leute hin. Es müssen Wilderer sein. Ob es die sind die Hans sucht, weiß ich nicht. Das spielt aber keine Rolle, wir müssen ihn so schnell wie möglich verständigen."
Mit schnellen Schritten liefen sie den Weg zurück den sie gekommen waren.
"Meine Güte, legst du ein Tempo vor. Können wir eine kleine Pause machen?" fragte Jens nach einiger Zeit ganz außer Atem.
Sabrina blickte sich um. "Wir dürften weit genug weg sein, damit sie keinen Verdacht schöpfen. Da drüben ist eine Bank, da können wir uns ausruhen. Hast du heute morgen überhaupt gefrühstückt?"
Jens schüttelte mit dem Kopf. "Nein. Als ich deine Notiz gelesen habe, wollte ich dir nur noch hinterher."
"Warte, leg dir meine Jacke auf die Sitzfläche, sonst bekommst du nasse Hosen. Mir ist sowieso zu warm durch die Rennerei. Im Rucksack ist warmer Tee und ein paar Müsliriegel, das wird den ersten Hunger stillen. Wir sind ja bald zurück in der Hütte, dort gibt es hoffentlich frische Brötchen, wenn sie mit meinen Anweisungen zurecht gekommen sind", grinste Sabrina und zog ihre Jacke aus um sie auf die Bank zu legen. Sie trank ebenfalls einen Schluck warmen Tee und lies ihren Blick über die Umgebung schweifen. Am Bachlauf entdeckte sie Spuren im Schnee. Sie zog ihre Schneeschuhe an und ging vorsichtig darauf zu.
"Hast du etwas entdeckt?" fragte Jens der sie beobachtete.
"Da sind Spuren im Schnee, von Schneeschuhen. Und hier ist ein Fangeisen!" Sabrina suchte sich einen Stock um den Mechanismus auszulösen. "Diese Mistkerle, so nah am Skigebiet. Hier sind auch viele Wanderer unterwegs", schimpfte Sabrina.
Jens war aufgestanden um Sabrina besser beobachten zu können.
Inzwischen waren in der Hütte nach und nach alle wach geworden und aufgestanden. Karin war die erste gewesen, da sie nicht mehr schlafen konnte. Isabella hatte sie relativ früh geweckt, weil sie hunger hatte. Nach dem Stillen war sie aber gleich wieder eingeschlafen. Sie warf einen Blick in das Zimmer in dem Dirk schlief und ging in die Küche, in der Hoffnung auf eine Tasse Kaffee. Er war tatsächlich fertig. Als sie sich eine Tasse einschenkte, entdeckte sie die Schüssel mit Teig und den Zettel von Sabrina, wie die Brötchen fertig zu stellen waren. Ohne lange zu überlegen machte sie sich an die Arbeit. Es war wirklich nicht schwer und bis sie das zweite Blech mit Brötchen geformt und belegt hatte, konnte sie das erste schon in den Backofen schieben, da sie gut aufgegangen waren.
Biggi tauchte auf und gesellte sich zu ihr in die Küche. "Hmmm, riecht das wieder gut hier, ich freue mich schon."
"Könntest du bitte den Tisch decken? Ich glaube so langsam werden alle munter", fragte Karin.
"Das mache ich, wenn du mir das Geschirr gibst", sagte Michael der im Durchgang stand.
"Aber gerne doch", antwortete Biggi und drückte ihm die Teller in die Hand.
Michael ging zum Eßtisch und entdeckte die Notiz. Er überflog den Text und stöhnte: "Oh Gott, was habe ich nur angerichtet?"
"Warum, was ist los?" sagten Biggi und Karin gleichzeitig und steckten die Köpfe aus der Küche.
"Hier ist eine Notiz von Sabrina, ergänzt von Jens!" Michael war kreidebleich.
"Lies vor, was steht drauf?" Biggi und Karin rannten aus der Küche zu ihm.
"Da steht: Ich bin heute morgen früh los um festzustellen ob es in der Umgebung wirklich Wilderer gibt. Sucht mich nicht und folgt mir nicht, ich komme zurück, wenn ich Gewissheit habe. Unterzeichnet von Sabrina. Anschließend folgt eine Notiz von Jens: Ich begleite Sabrina." Michael reichte Karin den Zettel. "Warum habe ich sie nur so angeschnauzt. Jetzt ist sie da draußen und versucht die Wilderer zu fangen. Hoffentlich passiert ihr nichts."
"Jens ist bei ihr. Die beiden werden bestimmt vorsichtig sein", antwortete Karin.
"Das ganze ist meine Schuld. Ich hätte auf Sabrina hören sollen und auf dem Weg bleiben." Dirk stand im Durchgang und hatte alles mit angehört.
"Wenn sie euch gesagt hätte, dass Wilderer in der Gegend sind und mit Fangeisen zu rechnen ist, dann hättest du sicher auf sie gehört, oder?" fragte Michael und reichte Dirk die Hand. "Wieso bist du aufgestanden, du solltest liegen bleiben und den Fuß schonen."
"Ich weiß es nicht. Es war einfach so reizvoll eine Abkürzung zu nehmen, ich habe die Gefahr vollkommen außer Acht gelassen. Schneeverwehungen können genauso gefährlich sein." Gab Dirk offen zu und setzte sich in den Sessel. "Aber Sabrina hat mir sofort geholfen als sie uns gefunden haben und heute morgen war sie wieder bei mir. Ich spüre fast nichts mehr."
"Leg den Fuß hoch damit ich den Verband wechseln kann." Michael griff nach dem Notfallkoffer um frisches Verbandmaterial zu holen. Er öffnete den Verband und besah sich die Wunde. "Es ist wirklich erstaunlich, wie gut das bereits verheilt ist. Sabrina hat ihre Kraft wieder eingesetzt, aber Skifahren ist trotzdem nicht drin."
"Guten Morgen Dirk, geht es dir besser?" Laura rieb sich verschlafen die Augen.
"Ja, mir geht es besser. Und dir, hast du dich von dem Schreck erholt mein Liebes?" fragte er besorgt.
Laura nickte nur und nahm ihn in den Arm.
"Na, da ist die Welt ja schon fast wieder in Ordnung", grinste Thomas der das meiste beobachtet hatte.
"Können wir bitte frühstücken, ich habe einen Bärenhunger!" sagte Dirk.
"Warum nicht? Die Brötchen sind fertig und wir sind praktisch vollzählig", antwortete Karin.
"Dann wollen wir uns mal stärken und hinterher überlegen wir uns was wir machen." Thomas machte eine auffordernde Geste damit sich alle an den Tisch setzten.
Sabrina blickte vom Bach hoch zu Jens. "Bist du ein wenig ausgeruht und gestärkt?"
"Ja, die Pause hat gut getan, wir können wieder los."
"Kannst du bitte meinen Rucksack und die Jacke mitnehmen? Ich gehe noch ein Stück am Bach entlang und entschärfe Fangeisen, wenn ich welche finde."
Innerhalb der nächsten halben Stunde entdeckte sie noch zwei weitere Fangeisen, die sie mit Hilfe von Stöcken zuschnappen lies. Dann veränderte sich der Bachlauf und sie musste zurück auf den Weg. Sie suchte sich gerade einen Weg über den Bach, als ein knackendes Geräusch sie erschrocken herum fahren lies. Zwischen den Bäumen stand eine vermummte Gestalt, das Gewehr im Anschlag. Auch Jens hatte das Geräusch gehört und drehte sich um, aber es war zu spät. Ein Schuß viel und mehrere Schrotkugeln trafen Jens der stöhnend in den Schnee sank. Sabrina warf einen Blick in Richtung Jens und rief: "Jens?!" Während sie blitzschnell reagierte und den Hang hinauf stürmte.
"Schnapp dir den Kerl", stieß Jens hervor.
Jens war offensichtlich nicht zu schwer verletzt stellte sie erleichtert fest. Sabrina erreichte den Mann bevor er nachladen konnte. Dieser merkte, dass ihm die Zeit nicht ausreichte. Er warf das Gewehr in den Schnee und zog ein Messer. Sabrina sah den kalten Stahl blitzen und reagierte entsprechend vorsichtig, sie selbst war unbewaffnet.
Jens lag im kalten Schnee und beobachtete wie durch einen Schleier die Szene. Die Schrotkugeln hatten ihn am Oberschenkel und einige am Po getroffen. Es war schmerzhaft, aber nicht lebensbedrohlich. Zu gerne hätte er Sabrina geholfen, aber er konnte sich nicht alleine auf den Beinen halten. Sabrina und der Wilderer trafen aufeinander. Der Kampf spielte sich auf der gegenüber liegenden Seite zwischen den Bäumen ab. Nachdem der Mann sein Gewehr weggeworfen hatte zog er ein Messer. Immer wieder wich Sabrina dem Messer geschickt aus. Ob sie verletzt wurde konnte er nicht erkennen. Sorge machte sich in ihm breit, der Mann war im Vergleich zu Sabrina sehr groß und kräftig. Sabrina stolperte und viel in den Schnee. Der Mann beugte sich siegessicher über sie. Sie rangen miteinander und Sabrina wehrte sich, aber das Messer näherte sich immer mehr. Fast schien es ihm, als ob sie unterliegen würde. Mit dem Rest seiner Kraft rief er: "Sabrina, pass auf!" Erschöpft sank er zurück in den Schnee.
Sabrina wehrte sich mit all ihrer Kraft, aber wie lange würde sie das noch schaffen? Mit einer Hand drückte der Mann ihren Hals zu und die andere Hand mit dem Messer kam immer näher. Die Sorge um Jens lenkte sie ab, hoffentlich war er nicht zu schwer verletzt. Durch den unerwarteten Ruf von ihm wurde ihr Angreifer abgelenkt und es gelang ihr die Hand mit dem Messer in eine andere Richtung zu drängen. Der Angreifer bäumte sich auf und wollte sich wieder auf sie stürzen, er fiel aber in sein eigenes Messer. Mit einem ungläubigen Gesichtsausdruck sank er über Sabrina zusammen. Sie wußte zuerst nicht genau was passiert war. Aber als der Druck an ihrem Hals nach lies und sich der Mann nicht mehr bewegte, schob sie ihn von ihrem Körper. Ungläubig blickte sie auf ihn, er war in sein eigenes Messer gestürzt. Mit einer Hand fühlte sie nach seinem Puls, aber da war nichts, er war tot. Ihr linker Arm schmerzte, dort hatte er sie mit dem Messer verletzt. Über ihre linke Hüfte zog sich eine blutig Spur, dort, wo er sie mit dem Messer gestreift hatte. Sie zog ein Taschentuch aus der Hosentasche und band sich den Arm provisorisch ab. Die Wunde am Bauch musste warten. In ihrem Kopf arbeitete es fieberhaft. Sie mußte nach Jens sehen, den Toten verstecken und ihre Spuren verwischen. Ihre größte Sorge galt Jens. Er lag im Schnee und bewegte sich nicht. Sabrina sprang über den Bach zurück zu ihm. Da ihr inzwischen kalt wurde zog sie schnell ihre Jacke an und kniete sich neben Jens. Er war bei Bewußtsein, reagierte aber kaum. Sie untersuchte ihn schnell und fand die Einschüsse der Schrotkugeln. Er hatte Glück im Unglück gehabt. Durch die dicke Kleidung waren nicht alle Schrotkugeln in den Körper eingedrungen. Dort wo sie getroffen hatten, saßen sie nicht besonders tief. Mit einer Hand berührte sie seine Wunden mit der anderen seine Stirn. Hoffentlich konnte sie ihm genug Kraft geben, damit sie den Rückweg gemeinsam schafften. Sein Puls war leicht erhöht und sie tätschelte im die Wange.
"Jens, hörst du mich", fragte sie besorgt.
"Sabrina, Gott sei Dank. Ich dachte schon der Kerl bringt dich um", antwortete er und schlug die Augen auf. Die leichten Schläge und ihre Stimme hatten ihn zurück geholt.
"Von so einem lasse ich mich doch nicht fertig machen. Er ist in sein eigenes Messer gefallen und ist tot. Ich lege dir einen provisorischen Verband an, die Blutung hält sich zum Glück in Grenzen. Meinst du wir können gemeinsam zurück laufen?" fragte sie während sie das Erste Hilfe Päckchen aus dem Rucksack holte und so gut es ging einen Verband anlegte.
"Ich denke schon, du wirst mich kaum tragen können."
"Dort drüben ist ein Streusandbehälter. Dort kannst du dich festhalten. Ich helfe dir beim Aufstehen. Ich muss noch die Spuren verwischen und den Kerl verstecken."
"Warum der Aufwand?" fragte Jens als er mit Sabrinas Hilfe aufstand.
"Er war bestimmt auf einem Kontrollgang. Wenn er länger weg bleibt, werden ihn seine Kumpane suchen. Ich möchte nicht, dass sie Verdacht schöpfen, sonst verschwinden sie vorzeitig. In deiner Verfassung brauchen wir circa eine Stunde bis zur Hütte. Dort kann ich Hans verständigen. Er braucht aber auch Zeit bis er seine Leute mobilisiert hat und hier oben ist. Ich werde mich beeilen."
Zustimmend nichte Jens. Er beobachtete Sabrina wie sie den Toten über den Hang zog und im Streusandbehälter versteckte. Mit Ästen verwischte sie überall die Spuren, vorallem die verräterischen Blutspuren von ihm am Wegrand.
"O.K. Ich hoffe das reicht und niemand entdeckt die verwischten Spuren im Schnee."
"Mir würde auf den ersten Blick nichts auffallen", antwortete Jens.
Sabrina schnappte ihre Schneeschuhe und legte sie ebenfalls in den Behälter, sie wollte keinen unnötigen Ballast schleppen. Dann schulterte sie den Rucksack und legte den Arm von Jens über ihre rechte Schulter. Ihr linker Arm schmerzte, sie musste ihn etwas schonen, aber Jens sollte nichts merken.
"Kann es los gehen? Wenn du eine Pause brauchst sag mir Bescheid."
Mit zusammen gebissenen Zähnen antwortete Jens: "Na dann los, je schneller wir bei der Hütte sind, desto besser. Michael wird sich freuen, nun hat er wieder Arbeit. Jetzt hat er doch Recht behalten."
"Ich freue mich schon auf seine Gardinenpredigt", antwortete Sabrina mit einem ironischen Unterton.
Um Kraft zu sparen gingen sie den Weg schweigsam zurück.
"Das war ein super Frühstück. Das Rezept von den Brötchen musst du dir von Sabrina unbedingt geben lassen. Jetzt geht es mir wieder richtig gut! Was wollen wir heute unternehmen?" fragte Dirk.
"Du wirst garnichts unternehmen und dich schonen. Ich glaube ich höre nicht richtig." Entrüstet blickte Michael seinen Sohn an.
"Michael, er hat nicht ganz unrecht. Den ganzen Tag in der Hütte rumsitzen ist auch nicht sinnvoll", antwortete Karin.
"Von hier weggehen möchte ich aber auch nicht. Wir sollen Sabrina nicht suchen, aber vielleicht braucht sie ja Hilfe." Michael hatte ein unbestimmtes, flaues Gefühl in der Magengegend.
"Warum gehen wir nicht raus und bauen Schneemänner, ein Iglu oder machen eine Schneeballschlacht?" fragte Laura.
"Das hört sich gut an, dann sind wir beschäftigt und die Wartezeit vergeht schneller." Thomas unterstürzte Lauras Vorschlag.
Alle anderen nickten und stimmten zu. Sie zogen sich alle an und gingen nach draußen. Mit vereinten Kräften wurden drei Schneemänner gebaut und ehe sie sich versahen tobte eine heftige Schneeballschlacht. Lisa und Laura kugelten sich mit Thomas unter lautem Gelächter im Schnee.
Dirk und Karin die Isabella auf dem Arm hatte besahen sich das Schauspiel von einer kleinen Bank vor der Hütte.
Isabella wurde unruhig und Karin sagte: "Ja, mein Schatz, du hast Hunger, wir gehen wieder rein ins Warme." Sie stand auf und ging zurück in die Hütte.
Dirk beobachtete das Treiben noch eine Weile und stand auf um die Blutzirkulation anzuregen. Auf der Bank wurde es doch langsam kühl. Sein Blick schweifte über die schneebedeckten Berge und hinunter in das Tal. Den Weg entlang kamen zwei Gestalten, eng umschlungen. Dirk rieb sich die Augen und stengte sich noch mehr an. Eine Person himpelte und die andere stützte ihn. Es waren Jens und Sabrina, an ihren Jacken erkannte er sie jetzt.
"Papa! Thomas! Schnell! Dort unten kommen Sabrina und Jens. Ich glaube sie brauchen Hilfe!" rief Dirk laut und deutete in Richtung Weg.
Michael und Thomas waren sofort bei ihm und rannten den Weg entlang zu Sabrina und Jens.
"Sabrina! Jens! Was ist passiert?" fragte Michael sofort.
Er und Thomas nahmen Jens zwischen sich um ihn zu stüzen und in die Hütte zu bringen.
Sabrina war froh, langsam schwanden ihre Kräfte. "Wir waren auf dem Rückweg und ich habe am Bach entlang Fangeisen entschärft, als uns einer der Wilderer überrascht hat. Jens hat eine Ladung Schrot abbekommen", erklärte Sabrina.
"Und was ist mit dem Wilderer?" fragte Thomas.
"Den habe ich überwältigt, er ist gut aufgehoben." War Sabrinas knappe Antwort.
Sie erreichten die Hütte, wo inzwischen schon alle versammelt waren. Karin hatte durch ein Fenster gesehen, dass Jens verletzt war und bereits den Tisch abgeräumt und die Notfallkoffer geholt.
"Biggi, kannst du dich mit den Mädchen um Isabella kümmern? Ich glaube Michael braucht mich."
Ihr besorgter Blick galt Jens den die Männer gerade zur Tür herein brachten. "Wir legen ihn am Besten auf den Tisch, ich habe bereits Platz gemacht."
Wie durch einen Nebel nahm Jens das ganze wahr. Karin fühlte nach seinem Puls.
"Karin, kannst du ihm einen Zugang legen. Gib ihm ein Schmerzmittel und etwas zur Beruhigung. Er soll sich nicht bewegen, wenn wir die Schrotkugeln heraus holen. Ich gehe mir die Hände waschen", bat Michael.
"Wird erledigt. Thomas kannst du mir helfen ihm die Jacke, Schuhe und die Hose auszuziehen?" fragte Karin und tätschelte die Wange von Jens. "Jens, hörst du mich? Wir ziehen dich jetzt aus und Michael holt die Kugeln raus."
"Tut was ihr nicht lassen könnt", murmelte Jens.
Thomas nickte und half ihr dabei Jens die Kleider auszuziehen. Karin legte Jens einen Zugang an der Hand und verabreichte zuerst das Schmerzmittel.
"Wir müssen ihn auf den Bauch legen. Durch die dicken Kleider hat er ziemliches Glück gehabt, die Kugeln sind nicht tief eingedrungen", stellte Karin mit einem schnellen Blick fest. Sie hörte Michael kommen und spritzte das Beruhigungsmittel. "Du kannst gleich anfangen. Ich habe dir alles bereit gelegt und kontrolliere seinen Blutdruck."
Jens lies alles über sich ergehen. Am liebsten wäre er eingeschlafen, aber durch die Unruhe um ihn und die Gespräche wollte es ihm nicht gelingen.
Michael holte eine Kugel nach der anderen aus dem Oberschenkel von Jens. "Karin?"
"Puls und Blutdruck sind stabil."
"Gut, ich habe es gleich geschafft. Noch zwei Kugeln. Es war nicht so schlimm wie es zuerst ausgesehen hat."
Durch die Aufregung um Jens achtete keiner auf Sabrina. Sie wußte Jens in guten Händen und ging zum Auto um mit Hans zu telefonieren. Sie schilderte kurz was sie in der Schnapsbrennereihütte entdeckt hatten und wie der Zwischenfall im Wald abgelaufen war. Hans sagte zu, sich mit seinen Leuten so schnell wie möglich auf den Weg zu machen und die Wilderer zu stellen. Um den Toten würde er sich ebenfalls kümmern. Nach dem Gespräch blieb Sabrina noch einen Moment im Auto sitzen um ihre Kräfte zu sammeln. Als sie aus dem Auto stieg bemerkte sie, wie ihr Kreislauf Kapriolen Schlug. Sie musste sich kurz am Auto festhalten bevor sie zu Hütte gehen konnte. Leise öffnete sie die Tür, keiner beachtete sie, alles konzentrierte sich auf Jens. Neben der Tür legte sie Schal und Mütze ab und zog ihre Schuhe aus. Wieder drehte sich alles um sie und sie lies sich in den Sessel fallen. Ihre Verletzungen pochten schmerzhaft. Durch die einsetzende Ruhe und die Wärme döste sie ein.
"Fertig. Insgesamt 15 Schrotkugeln. Jens die kannt du dir aufheben, wenn du willst, als Erinnerung. Jetzt legen wir dir noch einen schönen Verband an und dann ab ins Bett. Ich wußte doch, dass ich meine Ausrüstung brauche. So langsam habe ich hier ein Lazarett", sagte Michael triumphierend.
"Nun sei doch nicht so sarkastisch, Michael." Karin schüttelte den Kopf.
Biggi, die sich mit den Kindern abgegeben hatte, dachte als erste an Sabrina. Sie warf einen Blick zur Tür und sah ihre Schuhe, Mütze und Schal. Wo aber war ihre Jacke und Sabrina selbst? Im Sessel sah sie einen Ärmel. Warum zog sie die Jacke nicht aus, in der Hütte war es doch warm.
Mit Isabella auf dem Arm durchquerte sie den Raum und ging zum Sessel. Tatsächlich saß Sabrina im Sessel und rührte sich nicht. Ihre Gesicht war blaß und Schweißperlen standen auf ihrer Stirn.
Mit ihrer Hand berührte sie ihre Wange, sie fühlte sich heiß an.
"Sabrina, was ist los?" fragte Biggi erschrocken und besorgt. Ihr Blick glitt über die Jacke nach unten. Der Reißverschluß war offen und auf dem hellen Pullover erkannte sie rote Flecken. Blut?!
Erschrocken rief sie: "Karin, Michael, ich glaube mit Sabrina stimmt etwas nicht. Ihr solltet sie euch ansehen."
Karin war sofort bei ihr und erfaßte die Situation mit einem Blick. Mit einer Hand fühlte sie nach Sabrinas Puls mit der anderen öffnete sie die Jacke und schob den Pullover hoch. Michael stand bereits neben ihr.
"Sie fiebert und ist verletzt. Wir müssen ihr zuerst die Jacke ausziehen", erklärte sie.
Mit Michaels Hilfe zog sie ihr die Jacke aus, dabei entdeckten sie die Verletzung am Arm die Sabrina provisorisch abgebunden hatte.
"Das sieht nicht gut aus, ein Messerstich. Sie hat einiges an Blut verloren. Im Sessel kann ich das nicht richtig verarzten. Thomas, hilf mir bitte Jens in sein Bett zu legen", sagte Michael und stand auf.
Thomas nickte und gemeinsam trugen sie Jens in sein Schlafzimmer und legten ihn ins Bett.
"Bleib bei ihm, falls er zu sich kommt", wies Michael ihn an.
Als er wieder bei Sabrina war hatte sie die Augen offen. Karin redete mit ihr und versuchte sie wach zu halten.
"Sabrina, nicht wieder einschlafen! Was ist passiert? Rede mit mir!"
"Der Kerl, wir haben ihn nicht gehört, er hat auf Jens geschossen. Ich bin auf ihn los, er hat ein großes Messer gezogen und wir haben gekämpft ......." murmelte sie.
"Warum hast du nicht gesagt, dass du verletzt bis?" fragte Karin.
"Jens war wichtiger ......"
"Karin, wir sollten sie drüben auf den Tisch legen, ich bin soweit", sagte Michael und nahm Sabrina vorsichtig hoch um sie zum Tisch zu tragen. "Weiß du ob sie ihre Medikamente dabei hat?"
"Sie geht fast nie ohne sie. Biggi kannst du im Schlafzimmer nachsehen ob du eine kleine blaue Mappe findest, die bringst du mir bitte."
"Ich beile mich", antwortete Biggi und eilte los.
An Sabrina gewand sagte sie: "Ich lege dir jetzt einen Zugang und gebe dir ein Schmerz- und ein Kreislaufmittel das du verträgst, dann fühlst du dich gleich besser." Mit der Hand strich sie ihr über die Stirn und Wange, bevor sie den Zugang an der Hand legte.
"Muß das sein? Wie geht es Jens?" fragte sie leise.
"Jens geht es den Umständen entsprechend gut. Auf jeden Fall besser als dir im Moment."
Biggi kam mit dem gesuchten blauen Mäppchen aus dem Schlafzimmer und reichte es Karin.
"Danke, Biggi, die brauche ich später", sagte Karin während sie Sabrina die Medikamente über den Zugang verabreichte. "Michael, wie sieht es aus?"
"Über die linke Hüfte zieht sich eine leichte lange Schnittwunde, die kann ich klammern. Am linken Oberarm haben wir eine tiefe, durchgehende Stichwunde die ich besser nähen werde. Um den Kreislauf zu stabilisieren sollten wir ihr eine Ringerlösung anhängen, sie hat einiges an Blut verloren", erklärte Michael während er die Wunden reinigte und versorgte. "Wie geht es ihr?"
"Ihr Puls ist relativ stabil, der Blutdruck etwas niedrig. Was mir mehr Sorgen bereitet ist die Temperatur, sie scheint zu glühen." Besorgt fühlte Karin ihre Stirn und hängte an den Zugang eine Ringerlösung.
"Das kennen wir bereits. Sie braucht das für den Heilungsprozess. Wenn wir fertig sind bekommt sie noch eine ihrer Spezialampullen."
Die Hütte, Karin, Michael und die anderen entfernten sich immer weiter von Sabrina. Jens ging es soweit gut und ihre Wunden wurden versorgt. Nebel hüllte sie ein und sie glitt in eine angenehme Dunkelheit.
Karin spürte wie sie langsam wegglitt, konnte aber nichts dagegen unternehmen. "Vermutich ist es besser, wenn du schläfst und dich erholst", sagte sie leise.
Sabrina spürte nicht mehr, wie Michael die Klammerpflaster setzte und die Wunde an ihrem Arm nähte. Genauso wenig, dass er jeweils einen Verband anlegte und sie ins Bett getragen wurde.
"Ich hoffe, das waren meine letzten Patienten. Drei Stück innerhalb von zwei Tagen sind vollkommen ausreichend für einen Urlaub." Michael zog sich den blutigen Kittel aus. "Ich könnte jetzt einen Kaffee vertragen."
"Könnte ich auch gebrauchen. Hast du einen siebten Sinn?" wollte Thomas wissen.
"Wieso? Nein, ich habe nur in den letzten 1 ½ Jahren gelernt auf alles gefasst zu sein, wenn ich mit Sabrina unterwegs bin."
"Das war nun aber wirklich nicht vorhersehbar", meinte Karin.
"Nein. Eine Verkettung unglücklicher Umstände würde ich das nennen", grinste Michael.
"Geht und trinkt eueren Kaffee, ich bleibe so lange hier", sagte Karin. "Sobald die Ringerlösung durch ist, gebe ich ihr noch eine ihrer Spezialampullen.
Karin blieb bei Sabrina am Bett sitzen und kontrollierte noch einmal ihren Blutdruck. Zu ihrer Beruhigung war er leicht gestiegen.
Thomas und Michael stärkten sich in der Küche und beseitigten die Spuren der beiden kleinen Operationen. Dann ging Michael zurück um Karin abzulösen.
"An was denkst du, Karin?" fragte er als er ihren nachdenklichen Gesichtsausdruck sah.
"Ich mußte an das Wochenende denken vor 1 ½ Jahren, als du aus Amerika zurück gekommen bist. Damals sind sie auch beide verletzt in einem Bett gelegen. Es ist viel passiert in dieser Zeit."
"Sie setzt sich immer für alle ein, ohne an sich zu denken. Ich hätte sie nicht so anschnauzen drüfen, sie konnte nichts dafür. Ich löse dich ab und bleibe hier. Isabella hat glaube ich hunger und vermißt ihre Mutter." Michael gab ihr einen zärtlichen Kuß und setzte sich in einen Sessel der im Zimmer stand.
Nach einem schnellen Mittagessen gingen Karin, Biggi und Thomas nochmals mit den Kindern nach draußen. Durch die Aufregung am späten Vormittag hatten sie eine Ablenkung bitter nötig.
Biggi, Lisa und Laura bereiteten nach einem Ausflug ein leckeres Abendessen zu, während Karin , Thomas und Dirk mit den beiden Kleinen spielten.
Am frühen Abend wurde Jens wach. Michael war sofort bei ihm.
"Bleib ganz ruhig liegen. Wie fühlst du dich?" fragte Michael.
"Als ob mich ein Pferd getreten hätte. Der Schenkel und der Po brennen ganz ordentlich. Aber ansonsten ganz gut", stöhnte Jens leise.
"Ich gebe dir noch mal ein Schmerzmittel, dann kannst du auch in der Nacht besser schlafen."
Langsam kehrte die Erinnerung an die Ereignisse am Morgen zurück. Jetzt wurde ihm bewußt, daß Sabrina ihren Arm geschont hatte. Warum war sie nicht hier? Er griff nach Michaels Arm und hielt ihn fest. "Wo ist Sabrina? Was ist mit ihr?"
"Sie liegt neben dir. Der Kampf ist nicht spurlos an ihr vorbei gegangen. Ich habe einen Messerstich am Oberarm versorgt und eine lange Streifwunde an der Hüfte. Es geht ihr den Umständen entsprechend. Sie fiebert und wir werden sehen wie die Nacht wird. Ich bleibe auf jeden Fall bei euch."
Jens lies sich wieder in das Kissen sinken. Er drehte sich auf seine unverletzte Seite und legte eine Hand zärtlich an Sabrinas Wange. "Hoffentlich hast du noch genug Kraft für deinen eigenen Heilungsprozess. Gestern hast du Dirk geholfen und heute mir."
Michael blieb im Türrahmen stehen und lauschte. Nun wurde ihm endgültig bewußt, wie ungerecht er gewesen war. Aus dem Notfallkoffer holte er ein Schmerzmittel und ging zurück zu Jens. Er war schon fast wieder eingedöst und nachdem er die Spritze bekommen hatte, schlief er ein.
Nach und nach verabschiedeten sich alle ins Bett und Michael machte es sich im Sessel bequem.
Jens schlief die Nacht durch ruhig. Sabrinas Fieber stieg an und sie wälzte sich unruhig hin und her. Immer wieder murmelte sie etwas, was er leider nicht verstehen konnte. Gegen morgen viel ihre Temperatur und sie wurde ruhiger. Erschöpft von der langen Nacht schlief auch Michael ein.
24. Dezember 2004
Karin wurde wieder gegen 7 Uhr von Isabella geweckt, die aber nach dem Stillen gleich wieder einschlief. Sie wollte wissen wie es den Patienten ging und stand auf. Als erstes besuchte sie Dirk, der bereits wach im Bett lag und in einem Buch las.
"Konntest du nicht mehr schlafen?" fragte Karin.
"Ich habe gestern so viel ausgeruht und geschlafen, da ging heute morgen nichts mehr. Zum Glück habe ich Lesestoff dabei", grinste Dirk.
"Laß mich nach deiner Wunde sehen und den Verband wechseln", sagte Karin während sie den Verband abnahm. "Das sieht erstaunlich gut aus. Wenn das weiter so gut heilt, kannst du vielleicht doch noch Ski fahren."
"Das wäre klasse", freute sich Dirk.
"So, der neue Verband sitzt. Wenn du mir versprichst vorsichtig zu sein, darfst du aufstehen. Ich gehe in die Küche und sehe was ich zum Frühstück zaubern kann", sagte Karin.
"Ich helfe dir. Im Bett wird es auf Dauer langweilig", antwortete Dirk.
Auf dem Weg in die Küche warf Karin einen Blick in das Zimmer von Sabrina und Jens. Beide schliefen friedlich und Michael ebenfalls. Leise schloß sie dir Tür wieder.
In der Küche setzte sie als erstes Kaffee an und Wasser für Tee. Suchend lies sie ihren Blick über die Küchenzeile schweifen, in der Hoffnung das Rezept für Sabrinas Brötchen zu finden. Aber leider Fehlanzeige. Ob sie das Rezept im Kopf hatte? Immerhin waren noch einige Brötchen vom Vortag da, ein ganzer Laib Brot und Cornflakes. Das musste reichen, der Weg ins Dorf und zurück war zu lange. Das konnte später jemand anders machen. Sie holte das Geschirr aus dem Schrank und stellte es auf die Ablage. Dirk kam und deckte den Tisch.
Durch den Kaffeeduft und das leise klappern von Geschirr wurde Michael wach. Er streckte sich und stand auf. Seine Glieder schmerzten und besonders gut hatte er auch nicht geschlafen. Nach einem kurzen Kontrollgang zu seinen beiden Patienten schlich er leise aus dem Zimmer.
"Guten Morgen, dein Kaffee duftet herrlich mein Goldstückchen", sagte er und umarmte Karin von hinten.
"Guten Morgen mein Schatz. Wie war die Nacht?"
"Bei Jens vollkommen ruhig. Sabrina hat hoch gefiebert, aber gegen Morgen ist das Fieber gesunken und seitdem schläft sie ruhig. Ich habe vermutlich auch ein paar Stunden geschlafen, aber nicht besonders bequem."
"Mein armer Schatz", Karin streichelte ihn bedauernd.
"Ich glaube da kommt ein Auto", sagte Dirk und humpelte zum Fenster.
"Wer ist es?" fragte Michael.
"Kann ich noch nicht erkennen."
Kurze Zeit später hielt ein Geländewagen vor der Hütte und Hans stieg aus. Er klopfte leise und Dirk öffnete sofort.
"Guten Morgen. Ich war ins Sorge, ob so früh schon jemand wach ist. Beim Bäcker habe ich euch frische Brötchen geholt und Brot für die Feiertage. Wie geht es deinen Patienten Michael?" fragte Hans und reichte Karin die Tüten.
"Wie du siehst geht es Dirk recht gut. Jens habe ich 15 Schrotkugeln entfernt. Er hat die Nacht durchgeschlafen und es geht ihm soweit gut. Sabrina hat eine tiefe Stichwunde am Oberarm und einen langen Schnitt über die Hüfte. Ihr Fieber ist gegen morgen gefallen. Genaueres kann ich dir sagen, wenn sie wach ist", erläuterte Michael.
"Mit Sabrina habe ich gestern gesprochen. Sie hat mir mitgeteilt was sie in der Hütte entdeckt hat und wir konnten die drei Wilderer ohne Widerstand festnehmen. Den vierten haben wir dort gefunden wo Sabrina gesagt hatte. Die waren ganz schön clever, haben jede Woche ihren Standort und ihr Jagdgebiet gewechselt. Wir hatten am 19. und 20. Dezember noch dieses Gebiet hier kontrolliert und keine Hinweise gefunden. Das Ganze waren unglückliche Umstände für euch. Aufgrund der Nähe zum Wintersportgebiet sind wir nicht davon ausgegangen, dass sie hier her kommen. Trotzdem hatte ich Sabrina gebeten ein offenes Auge zu haben. Ist es möglich mit Jens zu reden? Wenn ich noch seine Version des Vorfalls habe, kann ich die Sache zu den Akten legen", erklärte Hans.
"Ich werde nachsehen, ob er wach ist. Notfalls müsst ihr das telefonisch machen." Michael ging zum Schlafzimmer und öffnete die Tür. Durch das leise Geräusch wurde Jens wach. Michael erzählte ihm, dass Hans da war und gern seine Version des Vorfalls hören wollte.
"Wenn ich aufstehen darf, rede ich gern mit ihm. Besser jetzt wie später."
"Geh langsam hoch und sag mir sofort Bescheid, wenn du dich nicht gut fühlst."
Mit der Hilfe von Michael stand Jens langsam auf und zog sich an. Kurz darauf war er im Wohnzimmer und erzählte Hans seine Geschichte. Am Ende sagte Hans: "Danke Jens, ihr könnt die Sache damit vergessen und in Ruhe euere Feiertage hier verbringen. Maria hat mir eine Tasche für Sabrina mitgegeben. Sagt ihr viele liebe Grüße von uns und sie soll sich endlich erholen." Er legte eine dicke Stofftasche auf den Tisch und stand auf. "Euch allen wünsche ich frohe Weihnachten und ein gutes Neues Jahr." Mit diesen Worten verlies er die Hütte. Er ging noch in den Anbau um nach dem Holz zu sehen und fuhr anschließend los.
"Was ist denn das für eine Unruhe, wie soll man den da schlafen?" Thomas tauchte auf.
"Mal abgesehen davon, dass es nach 9 Uhr ist, hatten wir gerade Besuch von Hans. Er hat uns frische Brötchen gebracht und mitgeteilt, dass die Wilderer gefaßt sind", erklärte Michael.
"Frische Brötchen? Frühstück? Das klingt super, wir kommen!" riefen Lisa und Laura von oben. Sekunden später kletterten sie die Treppe herunter und stürmten an den Tisch.
Biggi tauchte mit Florian auf und da sie fast komplett waren setzten sie sich alle an den Tisch.
An diesem Morgen herrschte aufgrund der guten Nachrichten eine aufgelockerte Stimmung und das Frühstück zog sich in die Länge.
Irgendwann sagte Lisa: "Wisst ihr was ein kleines bißchen traurig ist?"
Alle sahen sie verdutzt an.
"Na, ganz einfach. Heute ist Heilig Abend und wir haben nicht einmal einen Weihnachtsbaum! Oder hat jemand von euch daran gedacht?"
Thomas warf einen Blick auf seine Uhr. "Ich glaube fast, wir werden dieses Jahr ohne Baum auskommen müssen. Bis wir im Dorf sind haben alle Läden geschlossen. Das ist bei all den Aufregungen total unter gegangen. Tut mir echt Leid Lisa."
"Naja, Hauptsache wir sind alle zusammen und der Weihnachtsmann verißt die Geschenke nicht", lachte Lisa.
"Vielleicht solltet ihr schnell einen Brief an den Weihnachtsmann schicken, damit er einen Baum mitbringt", sagte eine Stimme aus dem Hintergrund.
"Sabrina! Wieso bist du aufgestanden?" entsetzt fuhr Michael hoch und lief auf sie zu.
"Warum nicht, ich fühle mich gut. Habt ihr eine Tasse Kaffee, einen Teller und einen Platz für mich? Ich habe Hunger!" Sabrina ging zum Tisch.
"Kein Wunder, du hast 24 Stunden geschlafen!" antwortete Karin.
"Einverstanden, du kannst etwas essen. Aber anschließend sehe ich mir deine Wunden an und kontrolliere deine Werte. Dann sehen wir weiter!" Michael sah sie streng an.
"Ja, Herr Doktor. Aber ich bin nicht aus Watte! Übertreib es nicht!" schelmisch blickte sie ihn an.
Trotzdem lies sie ihn nach dem Frühstück ohne Widerstand gewähren. Nachdem er die Verbände gewechselt und die Werte kontrolliert hatte sah er sie lange an. Er wußte nicht genau wie, aber er wollte sich entschuligen. "Sabrina, es tut mir Leid wegen Vorgestern."
"Vergiß es einfach. Es war für mich genauso überraschend, wie für euch. Das Gebiet war kurz vorher kontrolliert worden und die Umstände sprachen dagegen. Ich hätte euch informieren sollen, wollte euch aber nicht beunruhigen. Nun ist alles vorbei. Warum sollen wir uns damit belasten und uns den Rest der Urlaubstage verderben?" fragend sah sie ihn an.
"Einverstanden!" Michael half ihr beim Aufstehen.
Wieder im Wohnzimmer fragte Sabrina: "Und, habt ihr einen Brief geschrieben?"
"Du machst Witze! Wie soll das funktionieren? Wir sind alt genug um zu wissen, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt!" lachte Lisa.
"Also ehrlich Sabrina!" unterstützte sie Laura.
"Einen Versuch ist es doch wert, oder nicht? Vielleicht gibt es ihn ja doch?" schmunzelte Sabrina. "Warum schreibt ihr nicht einen kurzen Brief und legt ihn vor die Tür?"
Lisa, Laura und Dirk steckten die Köpfe zusammen und lachten. Schließlich holten sie sich ein Blatt Papier und schrieben einige Zeilen an den Weihnachtsmann.
"Um dir einen Gefallen zu tun, legen wir einen Brief vor die Tür. Aber daran glauben, dass es funktioniert kann ich nicht", sagte Dirk, während Lisa zur Tür ging und den Brief hinaus legte.
"Ein bißchen daran glauben müsst ihr schon. Manche Dinge brauchen den Glauben und die Fantasie damit sie klappen. Und ein bißchen helfen müsst ihr mir schon." Augenzwinkernd sah sie die drei an.
"Wieso helfen?" fragte Lisa.
"Na, was nützt uns ein Baum ohne Schmuck? Oder habt ihr daran gedacht und welchen mitgebracht?"
"Nein. Wo sollen wir den jetzt so schnell her nehmen?" Laura sah sie überrascht an.
Sabrina hatte die Tasche auf dem Tisch gesehen die Hans gebracht hatte. Sie wußte was ihr Inhalt war.
"Wie wäre es, wenn wir welchen basteln?"
"Und womit? Wir haben auch kein Bastelmaterial dabei." Laura blickte sie traurig an.
"Auf dem Tisch liegt eine Tasche, schau mal hinein." Sabrina deutete auf den Wohnzimmertisch.
Laura ging zum Tisch und öffnete die Tasche.
"Tatsächlich, da sind Goldpapier, Klebstoff, Scheren und Faden drinnen. Sogar einige Tannenzweige und Schleifen." Lauras Gesichtsausdruck war vollkommen überrascht. "Und daraus kann man Christbaumschmuck basteln?"
"Sicher, ich zeige euch wie", antwortete Sabrina.
Kurz darauf saßen alle um den Eßtisch und bastelten Ketten, Kugeln und Sterne die man an einen Baum hängen konnte. Sogar die Erwachsenen halfen mit. Darüber verging der Nachmittag und draußen wurde es langsam dunkel.
Lisa blickte über den Tisch und sagte: "Jetzt haben wir eine ganze Menge Christbaumschmuck und immer noch keinen Baum!"
"Bist du da so sicher?" fragte Sabrina. "Ich würde erst mal nachsehen, ob euer Brief noch da ist. Vielleicht hat es ja geklappt!"
Skeptisch ging Lisa zur Tür und öffnete sie. "Der Brief ist weg! Das kann aber auch der Wind gewesen sein."
"Thomas, kannst du mir einen Gefallen tun und einmal um die Hütte gehen?" fragte Sabrina.
"Sabrina, was soll der Blödsinn?" Thomas schüttelte mit dem Kopf.
"Ist es so schwer, einmal um die Hütte zu gehen?"
"Komm schon Thomas, der Kinder wegen", unterstützte Biggi Sabrina jetzt.
"Wir gehen mit!" sagten Lisa und Laura gleichzeitig.
Die drei zogen sich an und gingen zur Tür hinaus.
"Du willst uns wohl veräppeln, oder?" fragte Michael.
"Würde ich nie tun!" antwortete Sabrina.
Jens lag auf dem Sofa und grinste. Er wußte nicht wie, aber er glaubte daran, dass Sabrina wieder irgendwie einen Baum besorgt hatte. Sie genoß das Spiel, das konnte er sehen.
In diesem Moment flog die Tür auf und die beiden Mädchen stürmten zu Tür herein. "Wir haben tatsächlich einen Weihnachtsbaum. Papa bringt ihn!" Sie stürzten sich auf Sabrina und umarmten sie. "Irgendwann musst du uns verraten wie du das gemacht hast!"
"Ich bin vollkommen unschuldig! Das war der Weihnachtsmann!" wehrte Sabrina ab.
Thomas stapfte mit einem Tannenbaum durch die Tür der genauso groß war wie er.
Nach einer kurzen Diskussion hatten sie einen guten Standort gefunden und die Mädchen dekorierten den Baum mit dem gebastelten Christbaumschmuck.
Karin, Biggi, Michael und Thomas gingen in die Küche um ein Weihnachtsessen zuzubereiten.
Sabrina setzte sich zu Jens auf das Sofa. "Wie hast du das wieder hin gekriegt?" fragte er.
"Verrate ich nicht. Ein paar kleine Geheimnisse mußt du mir schon lassen. Du hast das Spielchen doch auch genossen."
"Ich habe es dir angesehen, dass du etwas vor hast. Dafür kenne ich dich inzwischen zu gut, meine kleine Wildkatze." Jens strich ihr über die Wange.
Sabrina fuhr ihm nachdenklich durch die Haare und sah ihm lange in die Augen. "Es tut mir Leid, dass alles so gekommen ist. Drei Verletzte und verdorbene Feiertage."
"Finde ich nicht. Die Feiertage fangen erst an und unsere Wunden werden schnell heilen. Versuche es zu vergessen."
"Das ist garnicht so leicht. Jede Bewegung erinnert mich daran."
"Eine Sache ist aber wirklich schade", sagte Jens mit ein wenig Erleichterung in der Stimme.
"Welche?"
"Ich werde wohl nicht mit den Langlaufski fahren können."
"Ich verspreche dir eines, irgendwann bringe ich es dir doch bei. Da kommst du nicht drum herum."
"Da bin ich mir bei dir sicher." Jens zog Sabrinas Gesicht zu sich herunter und gab ihr einen langen Kuß.
Einige Zeit später war ein opulentes Abendessen fertig und sie genossen es in aller Gemütlichkeit.
Während in der Küche noch das Geschirr gespült wurde, tauchten unter dem geschmückten Baum immer mehr Geschenke auf. Im dämmrigen Licht von Kerzen und dem Kaminfeuer packten sie später bei Glühwein und Kinderpunsch ihre Geschenke aus.
So hatte alles ein gutes Ende gefunden. Sabrina blickte zum Fenster hinaus und bemerkte, dass dicke Schneeflocken vom Himmel fielen. Es hatte angefangen zu schneien. Der Schnee würde die Spuren im Schnee zudecken, die an die Ereignisse der vergangenen Tage erinnerten. Ein weißer Mantel des Schweigens würde sich über alles legen.
Wenn sie morgen spazieren gehen, würden sie ganz neue Spuren im Schnee hinterlassen.
22. Dezember 2005
Copyright
Regina Schubert