Ohne jede Spur ( Schöne Weihnachten? )
"Mensch Mark, Jana ist meine beste Freundin und sie braucht jetzt nun mal meine Hilfe." "Ja und was ist mit Weihnachten? Das ist doch schon alles geplant, dass wir alle morgen in die Berge fahren." "Das ist überhaupt kein Problem; du und die Kollegen fahren morgen mittag wie geplant los, und ich werde übermorgen einfach nachkommen." "Das kommt überhaupt nicht in Frage, dass du alleine zur Hütte fährst." Mark, ich kann nen Heli fliegen, dann werde ich es wohl schaffen mit dem Auto zur Hütte zu fahren." "Und was wäre, wenn ich auch dableibe und wir dann zusammen hinfahren?" "Nee, fahr du mal mit den anderen – ich schaffe das schon alleine" erwidert Gina und gibt Mark einen Kuss. "Hmm, von mir aus – aber wohl ist mir nicht bei den Gedanken dich alleine fahren zu lassen." "Hey, mach dir um mich keine Sorgen; freue dich lieber auf Weihnachten. Das wird sicher superschön: nur wir zwei und die Kollegen, keine Einsätze, kein Höppi – nur Wald und schneebedeckte Berge und Wiesen..." schwärmt Gina. " Das Wichtigste ist, dass wir zusammen sind" unterbricht Mark Ginas‘ Schwärmerei und gibt ihr einen zärtlichen Kuss.
Am nächsten Tag
"Mensch Karin, was schleppst du denn in deinem Koffer alles mit? Ziegelsteine?" beschwert sich Florian bei dem Versuch Karins Koffer im Kofferraum zu verstauen. "Naja, was man halt alles so braucht auf einer einsamen Hütte in den Bergen. Und nicht zu vergessen die Geschenke." "Habe ich da irgendwas von Geschenken gehört?" will Jens wissen, der soeben ankommt. "Frag nicht soviel, hilf mir lieber mit den Koffern." fordert Flo. "Oh Gott, das wollt ihr alles mitnehmen? Na ein Glück, dass Peter, Stella und der Kleine mit dem eigenen PKW fahren. Sagt mal , wo ist eigentlich Mark? Der könnte ruhig auch mal mithelfen" beschwert sich Jens. "Bin ja schon da" ruft Mark. "Sag mal und Gina kommt dann wirklich morgen nach?" erkundigt sich Karin. "Ja, sie ist heute morgen nach Traunstein zu ihrer Freundin gefahren, und morgen früh fährt sie dann von dort aus gleich los." erklärt Mark. "So, wir sind fertig - von mir aus kann’s losgehen!" ruft Flo. "Na dann mal los – Berge wir kommen!"
"So, wir müssten bald da sein; die nächste Abzweigung führt direkt zur Hütte." sagt Mark, der die Landkarte studiert. Es wird langsam dunkel und die vorbeifliegenden Häuser und Felder sind in einen dunstigen grauen Schleier gehüllt. Silbrig glitzernder Raureif bedeckt die dunkeln, winterkahlen Felder. "Den winterlichen Temperaturen nach müsste es eigentlich längst Schnee geben" bemerkt Karin, denn bisher war nicht eine einzige Flocke gefallen. "Ich habe vor unserer Abfahrt noch mal den Wetterbericht gehört" fügt Flo hinzu. Das mach ich jedes Mal, wenn ich für ein paar Tage wegfahre. Sie haben gemeldet die Chancen stünden fifty-fifty, dass es schneit, aber wahrscheinlich wird daraus höchstens Schneeregen." "Naja, vielleicht haben wir ja Glück, schließlich sind wir extra 150 Kilometer gefahren, um Weihnachten im Schnee zu feiern" mischt sich Jens ein.
"So, da wären wir" sagt Jens und stoppt den Wagen, Gut gelaunt steigen alle aus und atmen tief die kühle, frische Gebirgsluft ein und lassen ihren Blick über die dunklen Tannen wandern, die die Berge bedecken und sich als schwarze Schatten vor dem sternenlosen, schwarzvioletten Nachthimmel abheben. "Wow" ruft Karin und betrachtet das Haus. Das Gebäude war wirklich beeindruckend: langgestreckt und mit seinem niedrigen Dach sah es wunderschön aus. "So groß habe ich es mir gar nicht vorgestellt" bemerkt Mark und stellt sich neben Karin. Das Haus besteht ganz aus Holz. Es sieht aus wie eine Skihütte, mit dem einzigen Unterschied, dass diese "Hütte" sich über das gesamte Bergplateau erstreckt. "Peter und Stella sind anscheinend noch nicht da; na dann wollen wir doch mal auspacken. Los helft mir mal!" ruft Jens und hievt die Koffer aus dem Kofferraum. Plötzlich streicht ein grelles weißes Licht über die Hausfassade. Ein Auto mit aufgeblendeten Scheinwerfern kommt in der Dunkelheit immer näher. Peter fährt mit seinem Jeep dicht heran und kommt nur 2, 3 Zentimeter vor den Koffern zu stehen. " Man eigentlich wollten wir ja als erstes da sein. Wie kommt es, dass ihr so schnell wart?" will Peter, der soeben aussteigt, wissen. "Tja, fahren will gelernt sein!" feixt Jens. "Haha, sehr witzig." "Na toll, und es gibt nicht einmal Schnee; das können ja schöne Weihnachten werden" lästert Stella und tritt mit Oliver auf dem Arm zu den anderen. "Man Stella, schau dir lieber mal die schöne Landschaft an; und die Hütte ist auch nicht ohne" beruhigt Peter Stella. "Wollen wir hier Wurzeln schlagen oder endlich mal reingehen? erwidert Jens. "Ja los, ich bin schon ganz neugierig wie es innen aussieht" sagt Karin und folgt den anderen zum Haus.
Stunden später
Karin und Jens betreten das Wohnzimmer mit dem großen Kamin, in dem inzwischen ein hell loderndes Feuer brennt. Florian und Peter legen gerade Holzscheite aus einem Korb mit Feuerholz nach, der in der Ecke steht. "Also hier lässt es sich echt aushalten; ist total gemütlich" sagt Karin sieht sich in dem großen Raum mit dem Parkettfußboden um. Es gibt zwei Sitzecken mit kreisförmig aufgestellten Sesseln und dunklen Ledersofas. Der lange Couchtisch aus Holz ist bedeckt mit alten Zeitschriften und Zeitungen. Überall an den Wänden hängen große gerahmte Poster von berühmten Skiorten auf der ganzen Welt. "Wo sind den die anderen?" will Flo wissen. "Stella bringt den Kleinen ins Bett und Mark ist glaub ich in der Küche" antwortet Peter. "Sag mal Florian, die "Hütte" gehört wirklich einem Bekannten von dir? Muss ja ziemlich gut betucht sein." staunt Jens. "Ja, nem Kumpel von mir. Seine Eltern sind steinreich, wissen nicht wohin mit ihrem Geld. Sie haben sich nie um ihren Sohn gekümmert, und dachten mit Geld können sie das wieder gutmachen. Naja, das Ergebnis: eine Yacht in St. Tropez und diese "bescheidene" Hütte" klärt Flo die anderen auf. "Ich habe soeben mit Gina telefoniert. Sie wird morgen früh losfahren und dann so gegen mittag hier sein; ihrer Freundin geht es schon viel besser." ruft Mark, der soeben den Raum betritt. "Na das sind doch gute Neuigkeiten. Dann lasst uns nun endlich auf unseren Urlaub, oder wie wir es nennen wollen, anstoßen." sagt Jens und füllt den bereitgestellten Champagner in die Gläser. "Hey seht doch mal Leute, es schneit!" ruft Karin, die immer wieder einen Blick durch das vodere Fenster wirft. Und siehe da – es schneit mittlerweile tatsächlich in großen, losen Flocken.
"Schade, dass Anna nicht mit hier ist" gibt Jens plötzlich zu. "Aber es ist schließlich nur gerecht, dass Anna Weihnachten bei ihrer Mutter verbringt, schließlich hat sie sie ja schon ewig nicht mehr gesehen" fährt Jens fort. "Na und ich habe endlich mal meine Ruhe – ist doch auch mal ganz schön" grinst Jens.
"Hey, wie wär’s mit ner Runde Schach?" fragt Mark plötzlich. "Ohne mich" sagt Karin gähnend. Ich bin reif fürs Bett." "Ja, ich gehe dann auch mal nach oben – muss mal nach Stella und Oliver sehen." fügt Peter hinzu und erhebt sich. " Ihr habt recht: lasst uns schlafen gehen; morgen ist schließlich auch noch ein Tag" grinst Mark.
Eine Stunde später schlafen bereits alle tief und fest.
Als Karin am nächsten Morgen aufwacht, setzt sie ich im Bett auf und schaut als Erstes zum Fenster. Von draußen fällt schimmerndes Licht herein, das die Fensterscheibe silbrig funkeln lässt. Langsam geht Karin zum Fenster hinüber. "Sagenhaft! Das ist ja ein richtiger Schneesturm!" Fasziniert schaut Karin auf die Massen von Schnee, die den Boden und die Bäume bedecken. Er liegt jetzt bestimmt schon gut dreißig Zentimeter hoch. Vor dem Fenster türmt sich eine dicke Schneewehe, die schon fast den Sims erreicht hat. Und es schneit unaufhörlich weiter. Es sieht aus wie ein Vorhang aus winzigen weißen Flöckchen, die der böige Wind in alle Richtungen wirbelt.
Kurz darauf in der Küche
"Morgen miteinander" ruft Karin fröhlich in die Runde. Peter beugt sich gerade über den Küchentresen und schüttet Kaffeepulver in die Kaffeemaschine. Stella füttert Oliver, während Mark geistesabwesend an der Glastür steht und auf den stetig herabrieselnden Schnee schaut. "Na, das schneit ja ganz schön" bemerkt Karin. "Pssst, seid mal leise" unterbricht Jens und deutet auf den Radio. "Laut Vorhersage werden noch weitere zwanzig bis fünfundzwanzig Zentimeter Schnee fallen" sagt der Radiosprecher gerade. "Soweit die positiven Meldungen. Nun zu einer weniger guten Nachricht für alle Skifahrer: wegen des starken, böigen Winds können bis auf weiteres die Skilifte nicht in Betrieb genommen werden. Weiter geht es mit dem Morgenmagazin mit..."
"Man, ich mache mir Sorgen um Gina; hoffentlich ist sie rechtzeitig losgefahren, denn wenn der Scheesturm noch heftiger wird" sagt Mark und schaut besorgt in die Runde. "Nun mach dir mal keine Sorgen; Gina wollte doch gegen mittag hier sein, bis dahin sind die Straßen bestimmt einigermaßen frei." versucht Karin Mark zu beruhigen. Mit einem "Morgen allerseits" betritt Florian noch ziemlich verschlafen die Küche. " Na du Langschläfer, auch schon da?" "Ah, ich brauch jetzt erst mal einen starken Kaffee" brummt Flo und lässt sich auf den noch freien Stuhl fallen. "Na das können ja echt supertolle Weihnachten werden. Wir sitzen sozusagen hier fest und raus kann man bei dem Wetter auch nicht. Das hätte ich mir ja denken können" lästert Stella drauflos . "Jetzt reg dich doch nicht schon wieder auf. Ist doch supergemütlich: draußen schneit’s und wir sitzen hier im Trockenen. Außerdem wird es ja nicht ewig schneien und dann kann man schöne Spaziergänge machen" erwidert Peter. "Na ja wir weden sehen; ich jedenfalls gehe jetzt erst mal mit Oliver nach oben." "Warte doch – ich komme mit" ruft Peter und geht seiner Familie hinterher. "Puh, und was machen wir jetzt?" will Jens wissen. "Also ich werde jetzt erst mal in Ruhe frühstücken" sagt Flo. "Wie wär’s mit einer Partie Schach, Karin?" schlägt Mark vor. "Gute Idee. Ich bin dabei." "Dann gehe ich mal schnell zum Holzschuppen und besorge uns frisches Feuerholz." sagt Jens. "Sollen wir dir schnell helfen?" "Nee, das schaffe ich schon alleine. Spielt ihr mal eure Partie."
Stunden später
"Man, ich mache mir langsam wirklich Sorgen; es ist jetzt schon kurz nach vier Uhr und Gina ist noch immer nicht hier. Sie müsste eigentlich schon längst da sein." Mark geht unruhig im Zimmer auf und ab. "Mach dir keine Sorgen; bei dem Schneesturm braucht sie bestimmt fast die doppelte Fahrzeit. Ruf sie doch mal auf ihrem Handy an." schlägt Karin vor. "Das probiere ich schon die ganze Zeit, aber sie hebt nicht ab. Entweder sie hat es zuhause liegen gelasssen oder sie hat es nicht an. Hoffentlich ist ihr nichts passiert." "Jetzt mal den Teufel nicht an die Wand. Sie kommt bestimmt jeden Moment zur Tür herein." mischt Florian sich ein. "Wisst ihr was? Ich rufe jetzt mal Jana, ihre Freundin an, wann sie heute morgen losgefahren ist" ruft Mark und eilt nach draußen. "Man, der Schneesturm muss doch langsam mal ein Ende habe. Sonst werden wir hier wirklich noch eingeschneit" brummt Jens, der sich gerade um das Feuer im Kamin kümmert. "Sie ist heute morgen um 9 Uhr in Traunstein losgefahren. Sie müsste also schon vor Stunden hier angekommen sein und wenn nicht, dann hätte sie sich doch gemeldet. Nein, da muss etwas passiert sein" ruft Mark, nachdem er mit Jana telefoniert hatte. Die anderen 3 schauen sich besorgt an. "Vielleicht ist ihr Akku leer" bemerkt Karin und merkt selbst wie schwach ihr Argument ist. Doch Mark hört gar nicht zu. "Ich werde sie suchen; vielleicht ist der Wagen kaputt oder sie steckt im Schnee fest." "Mark, das hat doch keinen Sinn. Bei dem Schneesturm kommst du nicht weit. Außerdem weißt du doch gar nicht wo du suchen sollst." versucht Jens Mark aufzuhalten. "Aber ich kann doch nicht hier sitzen und abwarten." "Du könntest nichts ausrichten, du bringst dich höchstens noch selber in Gefahr." "Ok, dann verständige ich die Polizei - sie sollen sie suchen" ruft Mark und eilt erneut zum Telefon. Die anderen schauen sich an, doch keiner widerspricht. Auch sie sind inzwischen sehr beunruhigt. Als Mark nach ein paar Minuten zurückkommt sieht er noch beunruhigter aus. "Sie werden sich darum kümmern, doch aufgrund des Schneesturmes sind ihnen die Hände gebunden. Sie haben gemeint wir sollen noch ein paar Stunden abwarten, denn weit und breit sind sämtliche Straßen blockiert und es gab zahlreiche Unfälle." "Hey Mark, jetzt dreh nicht durch – damit ist keinem geholfen. Gina sitzt bestimmt irgendwo im Trockenen und hatte nur noch keine Gelegenheit uns zu benachrichtigen." redet Karin auf Mark ein. "Was ist denn los? Ist irgendwas passiert?" will Peter wissen, der soeben den Raum betritt. "Wir machen uns Sorgen, weil Gina noch nicht da ist, und auch nicht an ihr Handy geht." erklärt Jens die Situation. "Kommt Leute, das hat doch keinen Sinn, wenn wir hier rumsitzen und warten; wir machen uns nur gegenseitig verrückt. Wie wär’s, wenn wir alle zusammen in die Küche gehen und irgendwas kochen? Ich weiß ja nicht wie es euch gut, aber ich habe einen Bärenhunger" sagt Florian. "Flo hat recht, wir müssen uns irgendwie ablenken" gibt Jens Florian recht. "Komm Mark. Gina meldet sich bestimmt bald, hmm?" sagt Karin und tätschelt Mark die Schulter.
Stunden später
Nach dem Abendessen setzen sich alle ins Wohnzimmer vor dem Kamin.
Zum Abendessen gab es Schinken Sandwiches, aber letztendlich hatte doch keiner großen Appetit. Von Gina fehlt noch immer jede Spur. Zudem heult der Wind unablässig weiter ums Haus und der Schnee wirbelt herab und türmt sich Schicht um Schicht immer höher auf. Die Lampen im Haus beginnen hin und wieder zu flackern, aber zum Glück fällt der Strom nicht ganz aus. Stella und Karin machen sich auf die Suche nach Kerzen – für den Fall, dass sie plötzlich im Dunkeln sitzen sollten. In einem Wäscheschrank finden sie eine volle Schachtel Kerzen, die sie auf den Couchtisch im Wohnzimmer legen. Keiner hat mehr Lust zu reden – ihre Nerven sind zum Zerreißen gespannt. "Warum rufen die nicht an, sie müssten sie doch längst gefunden haben?" schreit Mark plötzlich, springt auf und läuft zum Fenster. "Dieser verdammte Sturm; wir sitzen hier sozusagen in der Falle und Gina...?" ruft Mark außer sich vor Sorge. Die anderen wagen darauf nicht zu antworten, denn wie sollten sie Mark Mut machen, wenn auch sie inzwischen große Angst um Gina haben? Das Klingeln des Telefons lässt alle aufschrecken. "Ja hallo." meldet sich Mark. "Mein Name ist Köllner von der Polizei Traunstein. Fährt ihre Freundin einen dunkelblauen Golf mit dem Kennzeichen –TS-PH-378-?" "Ja, das ist Ginas‘ Auto. Was ist mit ihr?" "Dr. Harland es tut mir leid. Wir haben das Auto verlassen auf einem Parkplatz in der Nähe von Mühlbach gefunden. Von ihrer Freundin fehlt jede Spur." "Was? Aber das kann doch nicht sein..?" stottert Mark. "Wir können nicht genau sagen, was passiert ist, aber es ist möglich, dass sie mit dem Wagen in einer Schneewehe steckengeblieben ist und jetzt irgendwo Unterschlupf gefunden hat. Wir werden das Auto sicherstellen und die Spurensicherung wird es auch untersuchen. Ansonsten können wir jetzt nur abwarten, bis sich ihre Freundin meldet. Eine Suche gestaltet sich im Moment aufgrund der Witterung relativ schwierig, deshalb konnten wir auch keine verwertbaren Reifenspuren finden. Aber ich bin sicher ihre Freundin ist in Sicherheit; machen sie sich also nicht allzu große Sorgen. Dr. Harland? Sind sie noch dran?" "Ja..., ihr Handy..., haben sie ihr Handy gefunden?" murmelt Mark geschockt. "Ja, es lag auf dem Beifahrersitz. Das ist das Einzige, was uns auch etwas seltsam vorkommt, aber wahrscheinlich hat sie es im Eifer des Gefechts vergessen mitzunehmen." "Aber was ist, wenn sie noch irgendwo da draußen rumirrt, bei der Kälte und diesem Schneesturm...Sie müssen sie finden; so tun sie doch was!" schreit Mark ins Telefon. "So beruhigen sie sich doch, wir tun alles was in unserer Macht steht, aber ich bin sicher, dass Frau Aigner in Sicherheit ist. Ich vermute, dass sie per Anhalter ins nächste Dorf mitgefahren ist und sich bald meldet. Sie ist sicher bei diesem Wetter nicht zu Fuss unterwegs, da wäre sie ja lebensmüde." "Vielen Dank. Bitte melden sie sich sofort, wenn sie was Neues wissen" bittet Mark bevor er auflegt. Die anderen die das Gespräch über Lautsprecher mitgehört haben, schauen sich geschockt an. "Oh Gott, das darf alles nicht war sein. Gina!" flüstert Mark geschockt. "Irgendwas Schreckliches muss passiert sein. Gina geht nirgends ohne ihr Handy hin; das hätte sie niemals im Auto liegengelassen – schon gar nicht in so einer Situation. Ich hätte sie niemals alleine fahren lassen dürfen. Es ist alles meine Schuld. Wenn Gina etwas passiert ist...das überlebe ich nicht" schluchzt Mark und sinkt langsam in den Sessel. "Die Polizei wird alles tun um Gina zu finden" versucht Karin Mark Mut zu machen und setzt sich neben ihn. "Und die Theorie, dass sie sich alleine zu Fuss auf dem Weg gemacht hat, ist unsinnig. Gina ist eine gescheite Frau – die weiß doch, das das lebensmüde wäre – bei dem Wetter; außerdem hätte sie uns ja dann vom Handy aus anrufen können. Wahrscheinlich hat sie echt jemand ins nächste Dorf mitgenommen und sie hatte bis jetzt keine Gelegenheit uns zu benachrichtigen" versucht Peter zu trösten. "Bestimmt ruft sie morgen an, und alle Sorge war umsonst, hm?" meint Flo. Stumm schüttelt Mark den Kopf. Vielleicht sollten wir alle versuchen ein wenig zu schlafen, damit wir morgen fit sind; falls der Schneesturm nachlässt und Gina sich noch immer nicht gerührt hat, können wir ja nach ihr suchen, was meint ihr?" schlägt Jens niedergeschlagen vor. "Ich kriege kein Auge zu, solange ich nicht weiß, was mit Gina ist?" "Soll ich mit dableiben" fragt Karin. "Nee, ihr könnt ruhig ins Bett gehen – ich muss jetzt ein bißchen alleine sein; in Ruhe nachdenken, vielleicht fällt mir irgendwas ein, was wir bisher übersehen haben" murmelt Mark tonlos. "Ok, wenn was ist, du weißt ja wo wir sind. Und mach bitte keine Dummheiten hörst du."
"Gibt es denn gar nichts was wir tun können" sagt Peter als sie vor ihren Zimmern ankommen. "Ich wüßte nicht was; wir können nur hoffen, dass der Sturm morgen nachlässt; es ist furchtbar." erwidert Karin. "Und wenn Gina wirklich irgendwo da draußen unterwegs ist" murmelt Florian. "Dann besteht wenig Chance. Es ist eiskalt und diese Schneemassen..." Karin spricht nicht weiter, aber die anderen wissen was es bedeutet. "Jetzt können wir nur noch hoffen und beten..."
Am nächsten Morgen
Karins erster Blick wandert zum Fenster und ihr entfährt ein tiefer Seufzer. Der Himmel ist schwarzverhangen und dicke Schneeflocken segeln zu Boden. Am liebsten würde Karin sich die Ohren zuhalten, um das heulen des Windes nicht mehr hören zu müssen. "Morgen Peter" sagt Karin als sie auf dem Flur auf Peter trifft. "Wo sind die anderen?" "Jens und Florian sind in der Küche." "Und Mark?" "Wahrscheinlich schläft er noch." "Mark, um Gottes Willen. Sag nur, du hast die ganze Nacht im Sessel verbracht?" ruft Karin als sie das Wohnzimmer betritt. Mark sitzt völlig in sich zusammengesunken im Sessel und starrt vor sich hin. "Ich konnte einfach nicht schlafen. Ich habe so schreckliche Angst um Gina." Von den Stimmen angelockt eilen Peter, Florian und Jens ins Wohnzimmer. "Kann bitte irgendwer noch mal bei der Polizei anrufen? Ich kann einfach nicht..; bitte!!!" flüstert Mark. "Klar, ich übernehm das", sagt Peter und greift langsam zum Hörer. "Ruf endlich an! Peter bitte ruf endlich die Polizei an!" fleht Mark fix und fertig. Mit einem seltsam leeren Gesichtsausdruck schüttelt Peter den Kopf. "Es tut mir leid", flüstert er. "Es geht nicht."
Fortsetzung :
"Was redest du denn da für einen Unsinn, Peter?", fragt Mark aufgebracht. !Wir können die Polizei nicht anrufen", erklärt er und hängt den Hörer ein. "Die Leitung ist tot." "Was?", schreit Karin panisch. "Du meinst...?" "Da ist überhaupt kein Freizeichen", erklärt Peter kopfschüttelnd. "Der Sturm hat wahrscheinlich den gesamten Strom lahm gelegt!" "Aber...aber...", stottert Karin. !Dann müssen wir eben irgendwie in den nächsten Ort gelangen." sagt Mark mit einem besorgten Blick auf den Himmel. Die dunklen Wolken scheinen jetzt noch tiefer zu hängen. "Das ist ausgeschlossen. Das ist unmöglich zu schaffen. Wir würden sofort irgendwo steckenbleiben." erwidert Jens. "Wie weit ist es denn bis zum nächsten Ort?" "Ein paar Kilometer. Er liegt ein ganzes Stück hinter den Skiabfahrten. Davor gibt es zwar noch ein paar Hotels, aber ich glaube, nicht mal bis dahin würden wir es schaffen. Jedenfalls nicht, solange es so heftig weiterschneit." sagt Florian. "Aber es ist vielleicht die einzige Chance. Wir sitzen hier fest und was haben wir schon zu verlieren." Gibt Jens zu. "wahrscheinlich hast du recht" meint Karin. "Was meinst du dazu, Mark?" Mark, der die ganze Zeit schweigend dagesessen hat, hebt langsam seinen Kopf. "Ja, bitte lasst es uns versuchen." "O.k., wir versuchen den Jeep freizubekommen und damit irgendwie ins Dorf zu gelangen. Mark und Peter – ihr kommt mit. Und Florian, du bleibst bei den Frauen." befielt Jens. "Was? Ihr könnt uns doch nicht einfach hier zurücklassen" schreit Stella. "Wir wissen nicht was uns erwartet – vielleicht müssen wir zu Fuss weiter. Es ist echt das Beste, wenn ihr dableibt, o.K." erklärt Peter und gibt Stella einen Kuss.
Nach einer guten halben Stunde haben Peter, Mark und Jens den Jeep einigermaßen freigschaufelt und es kann losgehen. Langsam steckt Peter den Schlüssel ins Zündschloss, stellt den Fuss auf die Kupplung und dreht den Schlüssel um. Nichts. Stille. "Das ist aber komisch" murmelt Peter und verzieht das Gesicht. "Probier noch mal" ruft Mark. Peter dreht den Schlüssel im Zündschloss und tritt dieses Mal fest auf’s Gaspedal. Immer noch nichts. Kein Aufheulen des Motors. Kein Stottern. Nur Stille. Eine unerträgliche Stille! "Vielleicht ist die Gangschaltung eingefroren. Versuch mal sie hin und her zu bewegen" schlägt Jens vor. Peter dreht den Schlüssel um. Der Motor stottert und erstirbt. "Das darf doch einfach nicht war sein: Der Motor ist tot! Absolut tot" schreit Peter auf. "Und jetzt? Was sollen wir jetzt nur tun?" flüstert Mark mit tonloser Stimme.
Eine halbe Stunde später sitzen alle schweigend zusammen in der Küche. Mittlerweile sind alle mit den Nerven ziemlich am Ende. Nun war auch der letzte Kontakt zur Außenwelt erloschen. "Wir holen erst mal frisches Holz und machen uns ein ordentliches Feuer", sagt Florian. "Dann haben wir es wenigstens warm. Irgendwann wird es ja aufhören zu schneien und das Telefon wird auch wieder funktionieren. Wenn wir ruhig Blut bewahren und nicht in Panik ausbrechen, kommt alles schon wieder in Ordnung." "Was sollen wir nur tun" schluchzt Mark verzweifelt. Was, wenn Gina versucht uns zu erreichen, oder die Polizei. Und wenn Gina immer noch..." "Mark, die Polizei hat Gina bestimmt schon längst gefunden, und sobald das Telefon wieder funktioniert..." versucht Karin Mark Mut zu machen. Und wie Florian schon gesagt hat, wird es ja wohl irgendwann mal aufhören zu schneien." Alle sehen zur Glastür hinaus. Obwohl es hellichter Tag ist, ist es draußen fast stockfinster. Der herabwirbelnde Schnee sieht vor dem dunklen Himmel fast hellblau aus. Um das Haus heult ein eisiger Wind. "Ich setzt einen Kessel mit Wasser auf", sagt Stella und reibt sich fröstelnd über die Arme. "Mir will einfach nicht warm werden." "Vielleicht sollten wir..." beginnt Karin, als ihr Blick zur Glastür wandert. Genau in diesem Moment fällt etwas großes, Dunkles vom Dach herab. Mit einem dumpfen Aufprall landet es im Schnee – und Karin fängt an zu schreien. Ihr entsetzter Aufschrei hallt gellend laut durch die Küche. "Karin, was ist denn los?" schreit Jens, der am Küchenherd steht, erschrocken und kommt um den Tisch gerannt. Florian kommt um den Tisch herum und packt Karin an den Schultern. "Ist alles in Ordnung?", fragt er fürsorglich. "Was ist denn mit dir?" Mit zitternden Fingern zeigt Karin zur Schiebetür. "Habt ihr das denn nicht gesehen?", stammelt sie. "Da ist etwas vom Dach gefallen. Gerade eben!" Jens läuft als Erster zur Tür. Er presst sein Gesicht an die Glasscheibe und späht hinaus in die Dunkelheit. Lange steht er reglos da. "Siehst du was, Jens?" fragt Karin in gedämpften Flüsterton. "Ich kann nirgends was entdecken", ruft er. Die anderen drängen sich neben ihn. "Es war bloß ein dicker Klumpen Schnee", erklärt Peter und schaut Karin besorgt an. "Geht’s wieder? Da ist wirklich nichts, nur jede menge Schnee." "Es...es tut mir leid. Aber ich habe mich so erschrocken. Ich bin ziemlich angespannt. Dieser schreckliche Schneesturm...wir sitzen hier quasi fest; und wir wissen nicht was mit Gina ist", stammelt Karin entschuldigend. "Hey – ist ja gut! Wir machen uns doch alle Sorgen", sagt Florian beruhigend. "Wir müssen nur einen klaren Kopf bewahren, wenn wir jetzt in Panik ausbrechen ist keinem geholfen."
Der Tag zieht sich endlos dahin. Es gibt keine Möglichkeit das Haus zu verlassen. Der Schnee liegt inzwischen viel zu hoch um einfach von hier zu verschwinden und es schneit heftig weiter. Der Wind ist eisig kalt und es stürmt so kräftig, dass man kaum dagegen ankommen kann. Außerdem ist der Wagen total eingeschneit, sodass es keine Möglichkeit gibt ihn freizubekommen, der Jeep springt nicht an, das Telefon ist tot und Nachbarn gibt es auch keine. Das war alles schon schlimm genug, doch am Schlimmsten ist die Ungewißheit, was mit Gina ist. Jeder hängt seinen eigenen Gedanken nach. Peter hat sich mit seiner Familie in ihr Schlafzimmer zurückgezogen, Jens stochert mit dem Feuerhaken im Kamin herum und Karin und Mark starren einfach nur vor sich her während Florian an der Schiebetür steht, die Stirn an die kalte Scheibe gelegt. Der Schnee fällt in so dichten Flocken herab, dass er kaum über die kleine Terrasse hinaus sehen kann. Das Gelände dahinter ist in dem düsteren grauen Licht und dem dichten Schneetreiben überhaupt nicht mehr auszumachen. Auf einmal springt Mark auf und läuft in die Küche. "Mark", ruft Karin und rennt ihm in die Küche nach. Mark greift zum Telefon und wählt hektisch die Nummer der Polizei. "Los! Los doch! Nun mach schon!" ruft er und drückt immer fester auf die Tasten. "Funktionier endlich! Du musst einfach funktionieren!" Dann wirft er den toten Hörer an die Wand. Karin geht zu ihm und nimmt ihn in den Arm. "Gina! Ich...ich muss wissen was mit ihr ist...ich...ich halte das einfach nicht mehr aus!" "Hey, Mark, alles wird wieder gut. Ganz bestimmt. Alles wird gut!" versucht Karin zu trösten. "Wir müssen einen kühlen Kopf bewahren", warnt Jens, der soeben zur Tür hereinkommt. "Wir dürfen nicht in Panik ausbrechen. Das führt zu nichts. Wir müssen ruhig bleiben um klar denken zu können."
Alle gehen ziemlich früh zu Bett. Es ist ein langer, schrecklicher Tag gewesen. Die Stunden haben sich so sehr in die Länge gezogen, dass sie einem wie Wochen vorgekommen sind. Sie alle sind völlig angespannt und ständig kurz vor dem Ausrasten. Karin hat schon befürchtet, dass sie in dieser Nacht kein Auge zutun würde – und genau so ist es dann auch. Die Decke bis unters Kinn hochgezogen liegt sie da und versucht sich aufs Lesen zu konzentrieren. Aber sie hat ausgerechnet einen Thriller mitgenommen und danach ist ihr im Moment wirklich nicht zumute. Nach wenigen Seiten legt sie das Buch weg und kuschelt sich in die Decke. Jedes noch so leise Geräusch im Haus, jeder Luftzug bringt ihr Herz zum Rasen. Karin schmiegt ihren Kopf ins Kissen, schließt die Augen und versucht tief zu atmen um sich zu entspannen und endlich einschlafen zu können. Doch es funktioniert einfach nicht. Nach einiger Zeit steht Karin schließlich auf und geht zum Fenster. Es schneit unaufhörlich weiter und die Schneeflocken werden vom Wind heftig hin und her gewirbelt. Der Schnee fällt so dicht, dass sie, obwohl die Außenbeleuchtung an ist, kaum bis zu den Nadelbäumen schauen kann, die den Hang hinab wachsen. "Vielleicht sollte ich noch einen Schluck Wasser trinken – dann kann ich vielleicht endlich einschlafen", murmelt Karin und geht hinunter in die Küche. "Oh Gott, Mark – du hast mich jetzt vielleicht erschreckt! Was sitzt du denn hier im Dunkeln?" "Ich kriege kein Auge zu.", murmelt Mark und reibt sich die Augen. "Mir geht’s genauso.", sagt Karin und knipst die Deckenlampe an. In der Spüle steht stapelweise das dreckige Geschirr vom Abendessen. Allen war so hundeelend zumute gewesen, dass keiner mehr die Energie aufgebracht hat das Geschirr in die Spülmaschine zu räumen. Es gibt kein einziges sauberes Glas mehr. Karin spült eins aus und lässt dann so lange das Wasser laufen, bis es eiskalt ist. Während sie einen großen Schluck trinkt, damit sich ihre Kehle nicht mehr so trocken anfühlt, spürt sie Marks Blicke in ihrem Rücken. "Es sollten so schöne Weihnachten werden, Gina und ich zusammen, und jetzt..." sagt Mark traurig. "Jetzt ist alles einfach nur schrecklich", führt Karin den Satz zu Ende. "Es ist alles meine Schuld – wenn Gina irgend etwas zugestoßen ist...das verzeihe ich mir nie...ich" Mark bricht mitten im Satz ab, schreit leise auf und ringt nach Luft. Karin folgt mit den Augen seinem Blick: Er starrt auf die Glastür. Karin dreht sich langsam um. Es dauert ein paar Sekunden, bis ihr klar wird, was sie dort sieht. Dann schlägt sie die Hände vors Gesicht und fängt an zu schreien. An der Tür lehnt Ginas erstarrter Körper. Sie schaut sie mit starren, weit aufgerissenen Augen an und ist über und über mit Schnee bedeckt.
Dort an der Glasscheibe lehnt Ginas erstarrte Leiche.
Fortsetzung
Durch Karins Schreie alarmiert kommen Stella, Peter und Jens in die Küche gestürmt. "Karin – was ist denn los?", ruft Peter aufgeregt. "Was ist passiert?" Als Nächster kommt Florian mit an die Stirn geklatschten Haaren verschlafen in die Küche gewankt. "Wer hat denn hier so geschrien?", fragt er. Karin zeigt zur Glastür. Ginas schneebedecktes Gesicht starrt zu ihnen herein. Ihre Hände sind über dem Kopf ausgestreckt und gegen die Glasscheibe gepresst, als will sie die Tür aufdrücken. Als in Gina Bewegung gerät, schreit Karin erneut auf. Ginas Fäuste trommeln gegen die Fensterscheibe. Zuerst denken alle, der Wind würde ihren leblosen Körper gegen die Glastür schlagen. Doch dann wird ihnen blitzartig klar, dass Gina gar nicht tot ist. Sie ist noch am Leben – und versucht verzweifelt zu ihnen ins Haus zu kommen. Aus seiner Erstarrung erwacht eilt Mark als Erster zur Tür. Er dreht den Riegel herum und schiebt die Tür auf, Ein Schwall kalter Luft dringt ins Zimmer, als Gina hereintorkelt. "Um Gottes Willen, Gina – was ist passiert? Wo bist du bloß gewesen?" ruft Mark. Gina gibt keine Antwort. Sie quält sich damit ab, sich die völlig durchnässte Jacke auszuziehen, bekommt aber mit ihren zitternden Fingern den Reißverschluss nicht auf. Ihre Haare sind von gefrorenem Schnee verklebt. Er hat sich sogar auf ihren Augenbrauen festgesetzt. "Ich...ich...bitte helft mir!", bringt Gina mit krächzender Stimme heraus, bevor sie bewußtlos in Marks Arme fällt. Endlich kommt Bewegung in die Gruppe. "Gina!" schreit Mark. "Wir brauchen Decken – schnell? Karin, hilf mir – wir müssen ihr die nassen Sachen ausziehen." Während es Mark und Karin schließlich gelingt den Reißverschluss von Ginas Jacke aufzumachen, kommt Peter mit einem Stapel Decken herbeigeeilt. "Am besten wir tragen sie auf ins Wohnzimmer, da können wir sie auf die Couch legen." meint Karin. "Los, auf drei. Langsam tragen Mark, Karin Peter und Florian Gina ins Wohnzimmer. "Wir müssen sie in die Decken einwickeln. Sie ist völlig unterkühlt", sagt Karin. "Puls ist spürbar, aber sehr flach", stellt Peter fest. "Gina, kannst du mich hören? Was ist denn bloß mit dir passiert?" redet Mark auf Gina ein. "Wir brauchen was Heißes zu Trinken, das können wir ihr einflößen." "Ich kümmere mich darum" ruft Stella und eilt in die Küche. Langsam kommt Gina wieder zu sich. "Was...Heißes...bitte!!" stammelt Gina. "Mark... bitte..." "Ganz ruhig, ich bin bei dir." "Mir...ist...so, so schrecklich ka..kalt.." Das Sprechen scheint sie ziemlich anzustrengen. Sie zittert am ganzen Körper. "Es wird gleich besser werden" flüstert Mark und wickelt die Decke noch enger um Gina. "Wo bleibt den Stella mit dem Tee?" "Ich bin schon da" ruft Stella und reicht Mark die Tasse. Ganz vorsichtig flößt er Gina den heißen Tee ein. "Ich ...ich bin...ja so weit...gelaufen...", stammelt Gina und versucht sich aufzurichten. "Psst, bleib ganz ruhig liegen, du kannst uns dann alles in Ruhe erzählen" erwidert Mark und streichelt Ginas Hand. "Am Besten du schläfst erst mal ein bißchen, hmm?" "OK. Aber lass mich nicht allein, bitte...bitte halt mich fest." "Na komm her", murmelt Mark zärtlich, setzt sich neben sie aufs Sofa und nimmt sie fest in seine Arme. "Wir lassen euch dann mal allein", flüstert Karin und verzieht sich mit den anderen in die Küche.
"Und wie geht’s ihr?" will Jens wissen, als Mark kurze Zeit später in die Küche kommt. "Sie schläft." "So wie es aussieht muss sie stundenlang draußen herumgeirrt sein", stellt Karin fest. "Ja, aber trotz alledem ist die Sache höchst seltsam", rätselt Florian. "Sie wird uns dann schon alles erzählen, sobald sie aufwacht", meint Peter. "Mark?" Gina lehnt auf schwachen Beinen im Türrahmen. "Gina, du solltest doch liegenbleiben", ruft Mark und eilt zu ihr. "Es...es geht schon." "Komm, setz dich erst mal hin." Langsam sinkt Gina auf den nächsten Stuhl. "Ich...es war...so furchtbar", stammelt Gina. "Ganz ruhig, erzähl uns alles der Reihe nach, hmm?" meint Karin. "Also, ich bin vorgestern früh wie geplant bei Jana losgefahren. Zuerst hat es nur ein paar ganz leise Flocken geschneit, doch es wurde immer schlimmer... bis...bis ich schließlich kaum mehr die Hand vor Augen sehen konnte. Und dann habe ich den Parkplatz gesehen; ich habe gedacht, ich warte dort bis das Schneetreiben sich etwas gelegt hat, doch es wurde immer schlimmer. Da fiel mir das Handy ein...ich...ich wollte euch anrufen. Ich hatte die Nummer schon gewählt, als ich plötzlich den Lichtschein sah;... Ich bin also ausgestiegen und habe mich bis dorthin vorgekämpft. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie erleichtert ich war, als ich erkannt habe, das es sich um ein Auto handelt, in dem Personen sitzen. Ich...ich bin hin und habe an die Scheibe geklopft. Es saßen 2 Männer drin, aber ich konnte ihre Gesichter nicht genau erkennen. Ich habe ihnen erzählt, dass ich vom Schneesturm überrascht worden bin, und nicht mehr weiterkomme. Irgendetwas auf dem Rücksitz hat plötzlich meine Aufmerksamkeit erregt...ich weiß auch nicht warum...und dort...dort lagen lauter Waffen....ich...bin so erschrocken, dass ich...Plötzlich sprang der eine aus dem Wagen packte mich und...ich habe geschrien, aber er hat mir den Mund zugehalten. Und dann habe ich einen Schlag auf den Kopf bekommen und..."schluchzt Gina auf. "Oh Gott, das ist ja furchtbar", murmelt Karin. Mark, der das eben gehörte gar nicht fassen kann, nimmt Ginas Hand. "Als ich wieder aufgewacht bin", fährt Gina fort, "war ich in irgendeiner Hütte oder Scheune. Es war stockfinster und ich war gefesselt; die Männer waren weg – ich war mutterseelenallein. Ich...ich habe um Hilfe gerufen, aber dann wurde mir klar, dass mich niemand hören konnte. Ich...ich hatte so schreckliche Angst, mein Kopf tat schrecklich weh...und mir war soo schlecht. Es war mittlerweile glaube ich Nacht. Ich weiß nicht...ich muss irgendwie so vor mich hin gedämmert haben, irgendwie ist es mir dann gelungen die Fesseln zu lösen...und...mein einziger Gedanke war von dort wegzukommen, ich dachte, wenn die Männer zurückkommen...bringen sie mich vielleicht um." "Wenn es dir zu viel wird kannst du uns den Rest auch später erzählen" unterbricht Mark Gina. "Nein, es geht schon", sagt Gina tapfer und fährt fort. "Mein einziger Gedanke war es also wegzukommen...und ich bin losgelaufen. Ich bin die ganze Zeit durch den Schnee geirrt, ich weiß nicht wie lange...ich habe nichts gesehen, der Wind hat mir den Schnee ins Gesicht gepeitscht. Mir war so kalt, ich habe meinen Körper nicht mehr gespürt. Ich war kurz davor aufzugeben, als ich plötzlich das Licht sah...die Hütte. Ich habe gedacht ich seh euch nie wieder", schluchzt Gina am Ende ihrer Kräfte. "Komm, ich bringe dich jetzt erst mal ins Bett", murmelt Mark und hilft Gina auf. Den Arm fest um sie gelegt geht er mit ihr nach oben.Kurze Zeit später
Die anderen sitzen immer noch geschockt in der Küche, als Mark zurückkommt. "Sie schläft jetzt. Ich habe ihr was zur Beruhigung gegeben." "Wir müssen auf jedenfall die Polizei verständigen" sagt Peter. "Klar, aber darum kümmern wir uns morgen. Wir sollten sehen, dass wir alle noch ein bißchen Schlaf bekommen", antwortet Jens.
Am nächsten Morgen
Karin streckt sich und kommt langsam zu sich. Nach und nach fallen ihr die Ereignisse der letzten Nacht wieder ein. Plötzlich hellwach schlurft Karin zum Fenster, schiebt die Gardinen beiseite und späht hinaus. "Na endlich", murmelt sie. Nur noch ein paar vereinzelte Flocken fallen vom Himmel, der Wind hat nachgelassen und über dem Tal gibt es sogar ein Stück blauen Himmel. Schnell schlüpft Karin in Jeans und einen dicken Wollpullover und eilt nach unten. "Habt ihr gesehen? Der Schneesturm ist vorbei!" ruft Karin erleichtert. Alle bis auf Mark und Gina sitzen schon beim Frühstück. "Klar – wurde ja auch langsam Zeit!" erwidert Florian. "Habt ihr Mark und Gina schon gesehen?" will Karin wissen. "Wir sind schon da", ruft Mark und erscheint Arm in Arm mit Gina. "Und wie geht’s dir? Fühlst du dich besser?" fragt Karin besorgt. "Ja, danke. Es geht schon. Das einzige was zurückbleibt ist eine saftige Erkältung und der...der Schock..." murmelt Gina leise. "Aber ich bin so überglücklich euch alle wiederzusehen", fügt Gina noch hinzu und eine dicke Träne kullert über ihre Wange. "Hey, Süße – ist ja gut – wir sind alle bei dir. Und sobald das Telefon wieder funktioniert rufen wir die Polizei", tröstet Mark. "Ach, das hätte ich jetzt fast vergessen: Das Telefon geht schon wieder. Ich habe es vorhin gleich ausprobiert und wir haben wieder Freizeichen." ruft Peter plötzlich. "Man, und das sagst du erst jetzt; du hast Nerven" schreit Mark und rast zum Telefon. "Tut mir leid" gibt Peter entschuldigend zu, aber Mark hört ihn schon nicht mehr; er hämmert bereits die Nummer der Polizei in die Tasten.
Stunden später
Die Polizei war gegen mittag bis zur Hütte durchgekommen. Gina hat ihr schreckliches Erlebnis zu Protokoll gegeben und die Polizei hat sofort die Fahndung nach den 2 Männern eingeleitet. Trotz der letzten 2 Tage in Angst haben alle beschlossen Weihnachten doch wie geplant in der Hütte zu feiern. Während Jens und Florian nun versuchen den Weihnachtsbaum, den sie gefällt haben, im Wohnzimmer aufzustellen, müht sich der Rest in der Küche ab, um wenigstens ein einigermaßen passables "Weihnachts-Menü" zu kreieren.
Später am Abend
Alle haben es sich im Wohnzimmer gemütlich gemacht. "Man bin ich satt", stöhnt Florian. "Musstest ja unbedingt auch das letzte Stück noch essen" witzelt Jens. "Ja ich weiß, aber es hat einfach zu gut geschmeckt." "Man, wer hätte gestern um diese Zeit gedacht, dass wir heute alle zusammen hier sitzen", sagt Karin plötzlich. "Ach, ich bin so froh, dass es euch gibt", sagt Gina . "Du Gina, kommst du mal mit", flüstert Mark Gina ins Ohr. Während die beiden rausgehen, werfen sich die anderen grinsend Blicke zu.
"Du Gina, ich muss dir was sagen...Ich... bin so wahnsinnig froh, dass dir nichts weiter passiert ist; ich...ich hatte so schreckliche Angst um dich – ich wäre fast gestorben vor Angst. Es war alles meine Schuld – ich hätte dich niemals alleine fahren lassen dürfen." "Ach Mark, das ist doch nicht deine Schuld. Außerdem – ich lebe und mir geht’s gut, hm?" "Oh Gina, Gina...ich liebe dich", murmelt Mark ,schaut Gina tief in die Augen und gibt ihr einen langen, zärtlichen Kuss. Fast hätte ich es vergessen; dein Weihnachtsgeschenk" sagt Mark plötzlich und reicht Gina ein Päckchen. "Für mich? Was ist denn da drin?" "Mach’s auf!" antwortet Mark lächelnd. Langsam entfernt Gina das Papier und öffnet die Schatulle, die zum Vorschein kommt. "Ma...Mark", stottert Gina und starrt auf den Diamantring. "Gina, willst du meine Frau werden?" Oh mein Gott – du bist verrückt", ruft Gina fassungslos vor Glück. "Und?" "Ja ja ja ja ja – ohhh ich liebe dich!" ruft Gina und fällt Mark um den Hals.
Von dem Geschrei angelockt eilen die andern herbei. "Was ist denn hier los?" wundert sich Peter. "Na wonach sieht’s wohl aus?" erwidert Stella. "Na dann Leute – FROHE WEIHNACHTEN!" ruft Karin gut gelaunt.
The End
Copyright 2003: Caro