Mit Hindernisse zum Fest der Liebe
Mitspielende:
Marc, Gina, Michael, Karin, Max, Peter, Stella, Oliver, Jens, Anna, Florian, Max, Höppler, Enrico, Biggi, Lisa und Laura
Als sie den Raum betrat, pfiff Gina vergnügt vor sich hin. "Meine Güte. Du hast aber gute Laune.", bemerkte Karin, die am Tisch saß und dabei war ein Buch zu lesen. Gina grinste breit, pfiff dann weiter und holte sich aus der Küche eine Tasse mit frischem Tee. Anschließend setzte sie sich zu Karin und fragte: "Was liest du denn da?" "Verrat ich dir erst, wenn du mir erzählst, warum du so glücklich bist.", antwortete sie verschmitzt. "Weihnachten steht vor der Tür. Da bin ich immer glücklich. Du etwa nicht?" "Doch eigentlich. Aber ohne jemanden, den man liebt. Da hast du es besser." Gina winkte ab und nahm einen großen Schluck aus ihrer Tasse. "Ich will nicht sagen, dass Marc ein Weihnachtsmuffel ist, aber so richtig freuen tut er sich nie." Flo kam ins Zimmer und sah die beiden fragend an: "Wer kann sich nicht freuen?" Karin schüttelte den Kopf. "Niemand." Flo zog die Stirn kraus und nickte langsam. "Was liest du?", wollte nun auch er wissen. "Romantische Weihnachtsgeschichten." Karin seufzte und schloß die Augen. "Ich vermiss ihn.", murmelte sie vor sich hin. "Hee?" Flo und Gina sahen sie verdutzt an. "Vergesst es?" Karin seufzte abermals, stand dann auf und verließ das Zimmer. Die beiden andern sahen ihr verständnislos hinter her, als Max rein kam. "Sag mal, Max. Wen könnte Karin vermissen?", fragten sie ihn. Max stutzte: "Wieso?" Gina nahm das Buch, welches Karin auf dem Tisch liegen gelassen hatte, und zeigte es ihm. Flo kommentierte es: "Na ja sie liest Liebesgeschichten, seufzt die ganze Zeit und eben hat sie gemurmelt, dass sie ihn vermisst." Max nickte nachdenklich, zuckte die Schultern und erwiderte: "Hab scho ne Idee. Ich red aber ersmal mit Karin." Mit diesem Satz hatte auch er den Raum verlassen.
Karin saß in ihre Jacke eingemurmelt auf einer Bank vor der Basis und starrte gedankenverloren in den Himmel. Es sah gefährlich nach Schnee aus. Max ging langsam zu ihr und setzte sich neben sie. Sie schrak leicht auf und blickte ihn verwundert an. Dann schenkte sie ihm ein Lächeln, schaute aber gleich wieder zum Himmel. "Gina und Flo haben gesagt, du vermisst ihn." Sie nickte. "Zu Weihnachten immer, dass hab ich schon letztes Jahr bemerkt. Du wirst dann so melancholisch." Sie zog die Beine an den Körper und verschränkte die Arme darauf so, dass sie ihren Kopf darin vergraben konnte. "Ach Max, es ist das Fest der Liebe, aber ich hab niemanden. Ich werd wie letztes Jahr ganz allein in diesem großen Haus sein." Sie schluchzte leise und Max wusste genau, dass ihr Tränen über die Wangen liefen. Er sah sie mitleidig an. Dann legte er vorsichtig seinen Arm um ihre Schulter und zog sie an sich ran. "Das wird schon, Kleines." Liebevoll strich er über ihre blonden Haare. "Max, ich will wieder bei Michael sein. Ich vermiss ihn so sehr."
Florian und Gina standen in der Tür und beobachteten die Geschehnisse. Gina schaute bedrückt drein und Flo schüttelte ungläubig den Kopf. "Wie kann man jemand bloß so vermissen? Aaauuu" Er rieb sich den Kopf, nachdem er von Gina eine kräftige Kopfnuss bekommen hatte. Anschließend packte sie ihn am Ohr und zog ihn zurück ins Gebäude. Drinnen schubste sie ihn auf die Couch. "Sag mal, du warst wohl noch nie so richtig verliebt, oder? Wenn ich bedenke, ich müsste Ewigkeiten ohne Marc aushalten. Ich würde wahnsinnig werden. Es ist schon solange her, dass Michael gehen musste. Kaum zu glauben, dass sie die ganze Zeit so stark geblieben ist." Plötzlich kamen Marc, Peter und Jens rein. "Sagt mal, was ist denn mit Karin und Max. Weint Karin?", wollte Peter wissen. Marc und Jens setzten sich in der Zwischenzeit zu Flo auf die Couch, der sich immer noch sein rotes Ohr rieb. Gina nickte mit traurigen Blick und antwortete: "Sie ist einsam." Die Jungs stutzten und sahen sie konfus an. "Wieso denn das? Sie hat uns. Wir sind immer für einander da.", erwiderte Jens verständnislos und schüttelte dabei den Kopf. Da kamen Karin und Max wieder rein. Marc wollte schon etwas sagen, doch Gina legte ihren Finger auf ihren Mund, um ihn Ruhe zu strafen.
"Sag mal, wie meintest du das? Karin ist einsam." Marc saß auf der Couch im Wohnzimmer seiner Wohnung. Vor ihm auf dem Tisch stand ein Teller mit Obst, wo er sich ab und zu eine Weintraube stibitzte. Gina kam mit ihrem Teller aus der Küche und setzte sich zu ihm. Sie nahm die Decke und legte sie über ihre Füße. "Einsam im Sinne ohne Liebe. Du kannst dich sicher noch an Michael erinnern." Marc nickte stumm und stopfte sich wieder eine Weintraube in den Mund. "Sie vermisst ihn. Gerade jetzt zum Fest der Liebe." Gina sah Marc mit traurigen braunen Augen an. "Da muss man was machen können.", sagte er mit fester Stimme. "Vielleicht sollten wir mit dem Kommissar von damals reden. Er muss wissen, wo Dr. Lüdwitz sich jetzt aufhält." Gina nickte und schenkte ihrem Schatz ein Lächeln. "Wir trennen uns nie wieder, oder? Ich kann mir ein Leben ohne dich nicht mehr vorstellen." Er strich ihr sanft eine Strähne aus dem Gesicht. "Nie." Sanft berührte er ihre Lippen mit seinen. Dann zog er sie ganz nah an sich und die Decke über Gina und sich.
"Morgen." Flo kam ins Basisgebäude, traf jedoch niemanden an. Er wunderte sich, denn eigentlich hätten seine beiden Mädels schon längst da sein müssen, da ihre Schicht in zehn Minuten begann. Mit der Vermutung sie seien in der Hangar, begab er sich dorthin. Dort saßen die beiden und quatschten. "Was will Marc denn in München?" Gina zuckte mit den Schultern. "Hat er mir wieder mal nicht verraten." Karin lachte kurz auf. "Ihr zwei seid auch ein Paar." "Morgen die Damen.", begrüßte Flo seine Kolleginnen. "Morgen der Herr.", erwiderten die beiden spitzbübig. "MEDIKOPTER 117. Schwerer Autounfall auf der Fernverkehrsstraße 415 Richtung München. Nähere Informationen während des Fluges." Sofort hechteten die drei zum Heli und hoben ab. Als sie am Unfallort ankamen, liefen Flo und Karin sofort zu dem Verletzten und Gina holte die Trage aus dem Heli. "Oh mein Gott." Karin stockte, als sie erkannte, wer der Verletzte war. Auch Flo musste schlucken. "Marc.", brachte er tonlos heraus. Sofort nachdem sie sich gefangen hatten, kümmerten sie sich um ihren Kollegen. Er war bewusstlos und hatte viele Schürfwunden und einen offenen Oberschenkelbruch. "Es hat auch ein paar Rippen erwischt....und Organe. Der Bauch ist bretthart." Flo blickte auf. "Gina kommt.", stellte er tonlos fest. Sie lief mit der Trage unterm Arm schnurstracks auf die kleine Gruppe zu. Als sie bemerkt, dass es Marc war, wurde sie langsamer und ließ schließlich die Trage fallen. Ohne sie lief sie zu ihm und kniete sich neben ihn. "Marc. Oh Gott. Nein. Bitte nicht.", schrie sie verzweifelt. Ihr Körper fing an wie Espenlaub zu zittern und Tränen schossen in ihre Augen. Karin nahm ihre Kollegin bei den Schultern und sah sie fest, fast streng an. "Reiß dich zusammen. Er hat starke innere Blutungen. Wenn wir ihn nicht sofort ins Krankenhaus bringen, stirbt er mir weg." Ginas Zittern ließ schwach nach und sie rappelte sich auf. Dann lief sie schluchzend zum Heli zurück und ließ die Maschinen an. Währenddessen hievten Karin und Flo Marc auf die Barre und ein Polizist half ihnen diese zum Heli zu bringen. Unterwegs fragte er: "Was ist mit ihrer Pilotin?" Karin antwortete kurz angebunden. "Unser Kollege, ihr Freund." Der Mann war überrascht. "Und da lassen Sie sie fliegen. Die bricht doch gleich zusammen." Karin schüttelte den Kopf. "Gina weiß das sein Leben von ihr abhängt. Sie wird zusammenklappen, wenn wir wieder gelandet sind." Damit stieg sie ein und die BK117 hob von der Straße ab und verschwand in westlicher Richtung. Flo versuchte mit Gina zu reden, allerdings antwortete sie nicht. Er sah nur wie ihre Hand zitterte. Trotzdem verlief der Flug ruhig, ohne Probleme oder weitere Komplikationen. Auf dem Landeplatz lief Karin gleich mit den Notärzten mit, rief aber zu Flo: "Bring Gina rein. Ich sag einen Arzt Bescheid, der sich dann um sie kümmert." Er nickte und begab sich zu Ginas Tür. Als er sie öffnete, sah er, dass sie ihre Hände vors Gesicht geschlagen hatte und bitterlich weinte. "Marc. Nein." Noch immer zitterte sie am ganzen Körper so sehr, dass man denken konnte, sie wäre an einen Stromkreis angeschlossen. "Komm, ich bring dich rein." Vorsichtig langte er um ihren Rücken und unter die Beine und hob sie raus. Anschließend trug er sie langsam ins Gebäude. Gleich kam ihnen ein Arzt mit einer Liege entgegen. "Frau Aigner?" Flo nickte. "Legen Sie sie rauf. Ich kümmere mich um sie."
Eine halbe Stunde später tauchte Karin auf dem Flur auf. "Sie operieren jetzt. Was ist Gina?" Flo wies auf ein Zimmer gegenüber. "Sie haben ihr eine Beruhigungsspritze gegeben. Jetzt schläft sie." Karin nickte erleichtert. "Ich ruf Jens an, dass er uns und den Heli abholt." "Ich bleib bis morgen hier und geb euch Bescheid, wenn sich etwas tut. Du übernimmst sicher Marcs Schicht morgen, oder?" Karin grinste: "Mir bleibt wohl nichts anderes übrig." Dann verschwand sie um die Ecke. Eine halbe Stunde später hörte Flo die BK 117 wegfliegen.
Im Heli erzählte Karin, was geschehen war. "Gina ist also zusammen gebrochen. Meine Güte an denen geht auch nichts vorbei. Erst ewig langer Streit, dann Entführung, sie verliert das Baby und jetzt auch noch Marc in Lebensgefahr." "Ich übernehme morgen Marcs Schicht." "Dann solltest du jetzt schlafen. Für heute lassen wir uns sperren."
Am nächsten Tag wurde die A Crew zu einer Unfallstelle in unwegsamen Gelände gerufen. Als sie allerdings ankamen, war niemand zu sehen. "Ph, wieder solche, die die Kosten nicht tragen wollen. Mmph, schrecklich." Peter und Karin fingen lauthals an zu lachen. "Du solltest lieber aufpassen. Der Wind ist heute ziemlich stark.", wies Karin ihn zurecht. Doch genau in diesem Moment erwischte sie eine heftige Windböhe. "Scheiße, ich verlier die Kontrolle."; schrie Jens. "Festhalten." Der Heli wirbelte in der Luft um die eigene Achse und bewegte sich in einem Wahnsinnstempo auf die Baumdecke zu. "Zieh ihn hoch!", forderte Peter. Schon berührten sie die Wipfel. Glas splitterte und "Aahh" Karin schrie auf. Es polterte und krachte noch ein paar Sekunden, die den Insassen wie Stunden vorkamen, dann war Totenstille.
Zur gleichen Zeit im Krankenhaus saß Flo nichts ahnend auf einem Stuhl zwischen Ginas und Marcs betten. Marc war nun außer Lebensgefahr, musste aber auf jeden Fall zwei weitere Wochen im Krankenhaus bleiben, damit sich die Ärzte sicher sein konnten, das es wirklich keine Komplikationen gibt. Flo beobachtete die beiden beim Schlafen, selbst war er immer nur für Minuten eingenickt. Eine Schwester hatte ihm aber erzählt, dass er mindestens vier Stunden am Stück geschlafen hat. Er fühlte sich anders. Plötzlich merkte er, dass Gina etwas unruhiger wurde. Als sie die Augen öffnete, beugte er sich über sie. "Na? Wie fühlst du dich?", fragte er leise, um sie nicht gleich anzustrengen und vor allem sich selbst. "Mmhh. Geht so. Was ist mit Marc?", wollte sie wissen und sehr viel Sorge klang in ihrer Stimme mit. Er deutete auf das Bett rechts von sich, links von ihr. "Außer Lebensgefahr. Schläft aber noch." Gina lächelte und Flo konnte in ihren Augen die unbändige Erleichterung sehen. "Entschuldigung, Herr Lenz. Ein Anruf. Der Mann klingt sehr aufgeregt und besorgt." Er nickte und stand auf. "Ich komme. Bin gleich wieder bei euch. Vielleicht kriegst du ihn ja inzwischen wach, Dornröschen." Er zwinkerte Gina zu, die ihn böse anfunkelte. "Beeil dich lieber." Nachdem Flo das Zimmer verlassen hatte, stand Gina vorsichtig auf und ging zu Marc rüber. Sie setzte sich auf die Bettkante und beugte sich behutsam über ihn. Liebevoll blickte sie auf ihn und strich ihm sanft mit ihrer Hand über die lädierte Wange. Mit einem Ruck wurde auf einmal die Tür geöffnete. Gina schrak auf und wandte sich der Tür zu. In ihr stand Flo. Aus seinem Gesicht war fast alle Farbe gewichen. "Was ist passiert?" "Sie sind verschwunden." "Was? Wen meinst du? Die A Crew?" Flo nickte. "Max war am Telefon. Sie sind vor über einer Stunde aufgebrochen um Verletzte zu bergen. Doch die waren weg. Das ist die letzte Nachricht, die sie bekommen haben. Seitdem ist absolute Funkstille." Gina stand auf und nahm ihre Jacke, die am Fußende ihres Bettes hing und zog sie an. "Wir machen uns sofort auf, sie zu suchen. Wir leihen uns den Heli hier in Rosenheim aus." Mit diesen Worten drehte sie sich noch mal zu Marc und küsste ihn sanft auf den Mund. "Wir finden sie." Sie machte kehrt und verließ den Raum.
"Medikopter 117 an Basis. Hier ist Gina. Könnt ihr uns die letzten Koordinaten von ihnen durchgeben?" Aus dem Mikro kam Max‘ Stimme: "Sie waren bei der letzten Verbindung 47,11 Nord und 12,21 Ost in der Nähe von Prien." "Danke Max. Over and out." Gina schlug die angegebene Richtung ein. "Hoffentlich ist nur die Kommunikation gestört und sie sind nicht so schwer verletzt.", meinte Flo besorgt. "Siehst du was?" Flo merkte, dass Gina nicht darauf eingehen wollte. Sie mochte sich das Szenario genauso wenig vorstellen wie er selbst. Trotzdem mussten sie es immerhin in Betracht ziehen, dass, wenn sie ihre Kollegen finden, sie auch schwer verletzt sein können. "Gina, auf zehn Uhr." "Ich seh es. Es gibt aber keine unmittelbare Landungsmöglichkeit." Beide schauten sich, so gut es ging, um. "Dort endet der Wald. Wir müssen zwar ein Stück laufen, aber es liegt am nächsten dran." Flo zeigte auf eine Lichtung. Gina nickte und lenkte den Heli in die Richtung um zu landen. "Wir nehmen so viel mit, wie wir tragen können." Gina holte die Trage aus dem Rumpf des Heli und sie machten sich auf dem zur Unglücksstelle. Nach gut sieben Minuten trafen sie auf die Trümmer des Helikopters. Sofort legten sie die Trage und die Taschen ab, um nach ihren Kollegen zu schauen. Gina lief zur linken Hintertür. Durch das Fenster war ein Ast gebrochen und steckte nun in Karins Körper. "Karin hörst du mich." Sie antwortete nicht, aber von vorne hörte sie Peter stöhnen. Sie ging an das Fenster und schaute durch. Auf der anderen Seite bemühte Flo sich die Tür zu öffnen. Jens war wie Karin bewusstlos. Peter blickte sie mit schmerzverzehrten Gesicht an. "Ich kümmere mich erst um Karin, o.k.?" Er hob die rechte Hand und den Daumen nach oben. Gina wandt sich wieder zu Karins Fenster. "O.K. Karin. Das wird jetzt sehr weh tun." Gina packte den Ast mit beiden Händen und zog so stark sie konnte. Vor Schmerz erwachte Karin aus ihrer Ohnmacht und schrie auf. "Aahh." Sie fing an schwer zu atmen. Nun riss Gina die Tür auf und drückte sofort auf Karins Wunde. "Das wird schon. Komm hier raus. Flo wird dir gleich etwas geben. Aber nicht wieder wegtreten." Sie stütze ihre Kollegin beim Aussteigen, brachte sie ein Stück vom Heli weg und setzte sie gegen einen Baum. Karin wollte zur Seite kippen und sich hinlegen, doch Gina zog sie wieder hoch. "Nein, nicht hinlegen. Bleib sitzen. Du weißt, dass das besser ist. Du bist schließlich selbst Ärztin. Ich hole jetzt Verbandsmaterial. Nicht wegtreten." Gina rannte zurück zum Heli und schnappte sich eine der Taschen. "Wie geht es Jens?", fragte sie, bevor sie den Weg zurück antrat. "Es hat wohl ein paar Rippen und das rechte Bein erwischt." "Gut. Wenn du mit ihm fertig bist, komm zu Karin. Sie verliert viel Blut und hat große Schmerzen. Du musst ihr was geben." Flo nickte und wandt sich wieder Jens zu. "So, ich spritz dir jetzt was. Das lindert die Schmerzen erstmal." Dann nahm er eine weitere Ampulle mit dem Mittel und eine Spritze und lief zu Gina und Karin. Gina hatte inzwischen Karins Jacke geöffnet und das T-Shirt hochgehoben, um besser an die Wunde ranzukommen. Karin fing langsam an zu zittern. "Ich weiß, es ist kalt. Aber du darfst noch nicht schlafen, erst wenn wir im Heli sind." Karin nickte mit schmerzerfüllten Augen. Gina nahm nun die Kompresse und legte sie auf die stark blutende Wund in Karins Bauch und fixierte sie mit Hansaplast. In diesem Moment kniete sich Flo neben die beiden. Er zog die Spritze auf. "Gleich werden die Schmerzen besser.", versuchte er Karin zu beruhigen. "Ich seh nach Peter. Bleibst du hier und hältst sie wach?" "Klar, aber ruf, wenn du Hilfe brauchst." Schon war sie wieder beim Heli. Peters Tür klemmte, so, dass sie ihn von hinten raus holen musste. Aber zuerst kam sie zu ihm nach vorne. "Was tut dir weh?", fragte sie und versuchte währenddessen den Gurt zu lösen. "Mein Arm. Der ist mindestens zweimal gebrochen. Sonst geht es mir gut." Er wollte, dass es sich beruhigend anhörte und dass er es mit Witz nahm. Gina lächelte gequält. Peter konnte ihr ansehen, dass irgendetwas schlimmeres sein musste. "Was ist mit Karin?" "Sie verliert viel Blut.", antwortete sie knapp und nahm eine Schiene und Binde und sicherte seinen Arm vorsichtig. Anschließend ging sie hinter ihn und zog den Sitz nach hinten, damit er aussteigen konnte. "Gina, bring die Trage. Wenn wir uns nicht beeilen, verlieren wir unsere Ärztin." Sofort war Gina mit der Trage bei Flo und sie legten Karin vorsichtig drauf. "Peter! Stütz Jens und macht euch schon mal auf den Weg. Sobald Karin im Heli ist, kommt Gina und hilft euch. Mit diesen Worten waren die beiden gesunden auf dem Weg. Auch Peter und Jens bewegten sich in Richtung der BK 117. Da Jens sein rechtes Bein aber kaum bewegen konnte, ging es nur langsam voran. Erst als Gina ihnen zur Hilfe kam, waren sie zügiger.
Im Krankenhaus wurde Karin sofort in den OP gebracht und weitere Ärzte kümmerten sich um Jens und Peter. Gina, wieder mal mit den Nerven am Rande eines Zusammenbruchs, telefonierte mit Max und forderte ihn auf, Anna und Stella Bescheid zu sagen. Dann ging sie zu Marc. Er war inzwischen aufgewacht, hatte aber keine Ahnung, was geschehen war. "Hey, du.", begrüßte er sie, wurde ganz bleich und stotterte weiter: "Gina, du blutest an der Wange und deine Hände." Gina blickte ihre Hände an und fing leicht an zu zittern. Stumm ging sie ins Bad und wusch sie das Blut ab. "Was ist passiert?", informierte sich Marc. "Wobei hast du dich verletzt?" Sie kam wieder aus dem Bad und sah ihn mit ängstlichen Augen an. "Das.....ist....nicht..mein.....Blut.", stotterte sie und ihr schossen erstmals, seitdem sie Karin und die anderen gefunden hatten, Tränen in die Augen. Marc wurde immer unruhiger. "Gina?" "Marc. Karin. Sie operieren sie gerade. Sie hat so viel Blut verloren." Sie drückte sich ganz fest an ihn. "Halt mich fest. Ich Hab solche Angst." Marc schlang seine Arme um sie und hielt sie eine ganze Weile, bis ihr Schluchzen langsam abnahm. Dann fragte er angsterfüllt: "Was ist passiert?" Gina setzte sich auf und wischte die Tränen weg. "Karin hat deinen Dienst übernommen. Eine Böhe hat sie erwischt und Jens hat die Kontrolle verloren. Sie sind abgestürzt. Karin steckte ein Ast im Bauch. Ich Hab ihn rausgezogen, sonst hätten wir sie nicht aus dem Heli bekommen. Peters Arm ist gebrochen und bei Jens hat es das rechte Bein und ein paar Rippen erwischt."
Zur gleichen Zeit telefonierte Max mit Stella, die vor einiger Zeit mit Oliver nach Italien zu ihrer Mutter gegangen war. "Ich weiß, du willst nicht mehr viel mit Peter zu tun haben.." "Das hab ich nie gesagt.", unterbrach sie ihn. "Lass ich ausreden, bitte. Es fällt mir schwer genug." "Was ist denn los?" Stella wurde unruhiger. Wenn Max sie anrief, musste wirklich was geschehen sein. "Da du immer noch mit ihm verheiratet bist, dachte ich mir, du solltest wissen, dass A Crew abgestürzt ist." Am anderen Ende wurde Stella käsebleich und setzte sich auf einen Stuhl, der direkt hinter ihr stand. Biggi und Enrico, die zu Besuch waren, sahen sie verwirrt an. Max erzählte noch zu Ende und dann legten sie auf. "Hey, was hast du, Schwesterchen?", erkundigte sich Enrico. Stella sah starr auf den Boden. Biggi ging zu ihr und legte ihr die Hand auf die Schulter. "Alles in Ordnung." Stella sah sie nicht wirklich an, sondern mehr durch sie durch. Plötzlich stand sie auf und ging ins Schlafzimmer. "Ich muss sofort zurück" Nun verstanden ihr Bruder und ihre Schwägerin gar nichts mehr. "Was hat Max denn erzählt?", stichelte Biggi. "Marc hatte gestern einen Autounfall. Deswegen hat Karin heute seien Dienst übernommen. Aber sie sind abgestürzt. Nur Gina und Florian sind unverletzt, weil sie noch bei Marc im Krankenhaus waren." In Windeseile hatte sie die nötigsten Sachen für sich und Oliver in zwei Taschen verstaut. "Das ist ja furchtbar. Schwer?", wollte Enrico wissen. "Peter ist wohl noch am glimpflichsten davon gekommen. Aber Karin schwebt Lebensgefahr. Sie hat wohl sehr viel Blut verloren." Biggi und Enrico sahen sich an und nickten. "Wir kommen mit. Unsere Kollegen brauchen uns jetzt." "Danke."
Gina war, nachdem sie sich wieder beruhigt hatte zurück, zu Flo gegangen. Nun kam Peter gerade aus dem Gipsraum1. Sein linke Arm war von der Hand bis kurz unter die Achsel eingegipst. "Wie fühlst du dich?", fragte Flo interessiert. Peter macht mit seiner gesunden Hand eine Bewegung der Unsicherheit. "Ich muss mit dem Scheißding vermutlich zehn Wochen rumlaufen." "Oje. Marc darf sich auch mindestens drei Monate schonen und ich denke bei Jens wird das nicht anders sein.", stellte Gina resignierend fest. "Wir sind wohl bis ins neue Jahr außer Gefecht gesetzt." Flo sah sie ungläubig an. "Na wir beide sind ja noch o.k. Ich könnt wetten, die mindestens einen Notarzt frei, um wenigstens eine Schicht zu belegen. Ich bezweifle stark, dass wir uns `nen schönen Lenz machen können." Gina und Peter fingen an zu kichern. "Würde ja zu deinem Namen passen.", gluckste Peter vergnügt. Plötzlich kamen Anna, Max und Herr Höppler den Flur entlang gelaufen. "Wo ist Papa?", wollte Anna sofort wissen. "Der wird noch eingegipst.", erwiderte Gina, die sich wieder beruhigt hatte. "Wie sieht es denn allgemein aus, Frau Aigner.", unterrichtete sich Höppler, hinter seinem Rücken liebevoll Höppi genannt. "Schlecht um es ehrlich zu sagen. Flo und ich sind die einzigen, die arbeitsfähig sind. Marc, Jens und Peter werden ihre Gipsbeine und –arme sicher noch drei Monate tragen müssen und ob wir irgendwann noch mal mit Karin fliegen, steht in den Sternen." Bei den letzten Worten musste sie sich sehr zusammenreißen, nicht wieder anzufangen zu heulen. "So schlimm." Höppler atmete tief ein. Man konnte genau erkennen, dass er sich das Hirn zermarterte, wie er jetzt vorgehen sollte. Auch, dass er unheimlich besorgt war, konnte man in seinen Augen lesen. "Ich werde uns erstmal für die nächste Zeit sperren lassen. Auch wenn wir einen Notarzt als Ersatz für ihre Gruppe finden, haben wir momentan keinen Helikopter zur Verfügung." Hinter ihnen öffnete sich eine Tür und Jens wurde in einem Rollstuhl aus dem Zimmer geschoben. "Papa. Wie fühlst du dich?" Anna war sofort bei ihm und umarmte ihn glücklich. "Na ja, ein bisschen steif. Was mich mehr interessiert, ist, wie es Karin geht? Habt ihr schon was gehört?" Alle schüttelten die Köpfe. Sie operierten nun schon über eine Stunde und kein Arzt war rausgekommen um ihnen zu berichten, wie es um Karin stand. Dies hatte zur Folge, dass sich die Angst der anderen nur mehr steigerte. "Fahrt nach Hause. Da Marc ja auch hier ist, schlaf ich im Krankenhaus. Wenn sich was tut, machen wir Rufkette." Gina stand mit verschränkten Armen an eine Wand gelehnt. Es war klar, wenn Karin stirbt, überbringt sie diese schreckliche Nachricht. Jedoch hoffte sie ganz stark, es würde nicht dazu kommen.
Gina lag auf dem Bett und starrte an die Decke. Durch die reichliche Dosis Morphium schlief Marc selig. Bis jetzt gab es nichts neues, wobei sie bereits drei Stunden operierten. Sie hatte die Schwester gebeten ihr sofort Bescheid zu geben, wenn die OP zu ende war, denn sie wollte bei Karin sein, falls diese aufwacht. Der Gedanke, der ihr bereits durch den Kopf geschossen war, als sie die anderen nach hause schickte, kam ihr immer wieder in den Sinn und sie schaffte es nicht, ihn zu vernichten, was sie fast wahnsinnig machte. Sie wollte niemanden ihrer Kollegen verlieren. Sie wurde aus den Gedanken gerissen, als sich die Tür öffnete und eine Schwester ins Zimmer kam. "Entschuldigung. Die OP ist jetzt zu Ende. Sie können mit einem Arzt reden." Gina richtete sich langsam auf und nickte der Schwester zu. "Danke, ich komme." Sie wusste nicht, was sie vom Verhalten der Krankenschwester halten sollte. Weder, dass Karin tot war noch, dass sie es überstanden hatte, war daraus zu schließen. Sie ging den Flur entlang zum Zimmer des Doktors. Sie klopfte an die Glastür und drinnen schaute der Arzt auf. Er schien zu stutzen, bat sie dann aber rein. "Gina Aigner. Ich bin eine Kollegin von Karin Thaler.", stellte sie sich vor. "Sie haben sie operiert?" Er wies auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch, damit sie sich hinsetzte. "Ja. Frau Thaler hat Unmengen von Blut verloren, was während der OP zu zweimaligen Herzversagen führte." Gina verkrampfte sich zusehends. "Die nächsten Tage sind entscheidend. Sie können nur hoffen, dass ihre Kollegin genug Kampfkraft besitzt, sonst seh ich schwarz. Sie liegt jetzt im Koma. Daraus kann sie in zwei Tagen, Wochen, Monaten oder Jahren erwachen. Das kommt ganz auf ihre Stärke an." Gina nickte. "Kann ich zu ihr?" Der Arzt erlaubte es und begleitete sie noch ein Stück. Als Gina in das Zimmer von Karin kam, stockte ihr vor Schreck der Atem. Die vielen Schnüre und Schläuche waren schrecklich anzusehen. Langsam näherte sie sich dem Bett. Karin war totenblass und man hätte wirklich denken können, sie war tot, wenn die Maschinen, an die sie angeschlossen war, nicht etwas anderes angezeigt hätten. Sie setzte sich auf einen Stuhl, er neben dem Bett stand und nahm vorsichtig Karins fast weiße Hand in ihre. "Du musst aufwachen. Ja? Ich schaffe es auch Michael zu Weihnachten herzubringen. Du musst nur aufwachen, damit ihr euch wiederseht." Gina drückte die blasse Hand ihrer Kollegin verzweifelt. Bald stand sie bei Marc im Zimmer. Er war in der Zeit, wo sie bei Karin saß, wieder erwacht. "Rufst du die anderen an, bitte? Die OP ist zu Ende, aber sie liegt im Koma und sie sind sich unheimlich unsicher, ob sie es auch wirklich schaffen wird." Sie sah ihn mit ängstlichen Augen an. "Ich fahr jetzt nach München, damit wir so schnell wie möglich herausfinden, wo Dr. Lüdwitz steckt. Ich sehe nur eine Chance, dass sie zu uns zurückkommt und die ist er." Damit hatte sie das Zimmer verlassen. Sie wusste mit Sicherheit, dass Marc ihr jetzt widersprechen wollte, da sie ja die selbe Strecke wie er fahren musste. Genau da hatte er den Unfall und nun würde er sicher besorgt sein, dass ihr ebenfalls etwas geschehen könnte. Doch sie dachte ausschließlich an ihre wunderbare Kollegin, die in diesem Moment mit dem Tod kämpfte.
Die restliche Medikoptercrew saß im Basisgebäude und spielte, zu gut es eben mit gebrochenem Arm, etc., ging, Karten. Just in diesem Moment klingelte das Telefon. Max hob ab und die anderen sahen hoffnungsvoll an. Er nickte und erwiderte: "Im Koma, ungewiss, ob sie überlebt. Ich sag es ihnen." Er legte auf und wandte sich zu seinen Kollegen. "Das war Marc. Die OP ist zu Ende, aber..." Anna legte ihm eine Hand auf die Schulter. "Wir haben’s gehört.", sagte sie mit gedrückter Stimme. Peter schlug mit seiner gesunden Hand auf den Tisch. Die anderen zuckten nur zusammen. "Verdammt, sie darf nicht sterben.", fluchte er lauthals. Verständlich, dass ihm dieser Gedanke Schauer über den Rücken laufen lies, schließlich war er derjenige, der alle kommen und gehen sieht. Plötzlich wurde er aus seinen Gedanken gerissen. "Peter!" Stella stand mit Oliver auf dem Arm in der Tür und sah ihn glücklich an. "Wie geht es dir?" Er starrte sie überrascht an. Mit jedem, bloß nicht mit seiner Frau hätte er gerechnet. "Gut, nur der Arm. Was machst du hier?", fragte er und hob dabei seinen Gipsarm, auf dem sich schon alle verewigt hatten. Stella drückte Oli Biggi in den Arm, die gerade mit Enrico ins Zimmer kam und rannte zu Peter. Sie schloß ihn in ihre Arme und gab ihm einen zärtlichen Kuss auf den Mund. "Na ihr Unglücksraben!", begrüßte Biggi ihre ehemaligen Kollegen. "Du weißt gar nicht, was ich für einen Schreck bekommen habe, als Max angerufen hat.", flüsterte Stella Peter liebevoll ins Ohr. Der lächelte überglücklich. Er hatte keine Zweifel, dass es zwischen ihm Stella wieder funktionieren würde. Dann wandt er sich aber Biggi und Enrico zu. Er hob seine Arme und forderte sie so auf, ihm Oli zu geben. Dabei fragte er: "Und was habt ihr hier verloren?" "Wir hatten mein Schwesterchen besucht, als Max anrief. Nachdem sie uns geschildert hatte, was hier vor sich ging, entschieden wir uns, sie zu begleiten.", führte Enrico aus. Biggi hielt es nun nicht mehr länger aus. Die Unsicherheit machte sie verrückt. Deshalb platzte es aus heraus: "Was ist mit Marc und Karin?" Sie klang furchtbar besorgt, denn auch sie hatte schon einige Kollegen gehen sehen. "Marc wird noch eine Weile seine Zeit im Krankenhaus fristen, aber ihm geht es den Verletzungen entsprechend gut.", antwortete Jens mit einem verschmitzten Lächeln. Jedoch wurde sein Blick finsterer, als Florian begann über Karin zu sprechen: "Karin liegt im Koma. Sie hatte sehr viel Blut verloren. Die Ärzte haben keine Ahnung, wie lange sie im Koma liegen wird und ob sie überhaupt überlebt." Der Sanitäter sah betreten zu Boden und Biggis Augen füllten sich mit Tränen. Enrico zog seine Frau zu sich und nahm sie ganz fest in seine Arme. Stella drückte sich an Peter und schluchzte leise vor sich hin. Sie mochte Karin genauso wie die andern und der Gedanke, dass jemand sie alle verlassen sollte, machte ihr das Herz schwer.
Am nächsten Tag schien die Sonne relativ warm für diese Jahreszeit vom Himmel und Gina hatte ein ungemein gutes Gefühl, was das Gespräch mit dem Kommissar anging. Sie hielt vor dem Gebäude der Kriminalpolizei und suchte im Handschuhfach nach dem Zettel, wo sie sich den Namen des Kommissars aufgeschrieben hatte. Sie stieg aus dem Auto und schloss es ab. Schnurstracks ging sie zum Pförtner und klopfte an die Scheibe. Er öffnete das kleine Fenster und sah sie aufmerksam an. "Ja bittschön?", begrüßte er sie. "Guten Morgen. Ich würde gerne wissen, ob Kommissar Becker im Haus ist." Der junge Polizist schaute auf eine Liste und erwiderte: "Ja, vor einer halben Stunde gekommen. Was wünschen Sie denn von unserm Herrn Kommissar?" Gina lächelte in freundlich an. "Ich muss mit ihm über einen Fall sprechen, den er vor ein paar Jahren bearbeitet hat.", antwortete sie mit lieblicher Stimme. Natürlich hatten die Waffen der Frauen wieder ihr Ziel erreicht und er Polizist beschrieb ihr den Weg zum Büro von Kommissar Becker. Gina stand nun vor einer hölzernen Tür auf einem sehr langen Flur. Auf der Tür stand der Name: Kriminaloberkommissar Gerrit Becker. Entschlossen klopfte Gina an die Tür und eine dunkle Männerstimme bat sie herein. Langsam öffnete die junge Pilotin sie und betrat das Zimmer. "Guten Morgen, Herr Becker. Mein name ist Gina Aigner. Ich möchte gern mit ihnen über einen ihrer Fälle sprechen." Er reichte ihr misstrauisch die Hand und fragte: "Presse?" Sie schüttelte lächelnd den Kopf. "Nein, ich bin Pilotin bei der Medikopterbasis in Traunstein. Vielleicht erinnern sie sich noch an Doktor Michael Lüdwitz. Er war Notarzt bei uns." Der Kommissar nickte und bot ihr einen Stuhl an. "Ja, Dr. Lüdwitz. Er hat uns geholfen ein bekanntes Mitglied zu fassen. Ist etwas mit ihm?" Gina war überglücklich, dass der Mann sich noch so gut erinnern konnte. Sie setzte sich und schüttelte den Kopf. "Nein, ich glaub nicht. Aber ich brauch ihre Hilfe. Wo ist er?" Der Kommissar wurde wieder unruhiger und rutschte auf seinem Stuhl hin und her. "Sie wissen, dass er in einem Zeugenschutzprogramm ist? Ich darf es ihnen nicht sagen und überhaupt, woher soll ich wissen, was sie mit diesen Informationen machen." Gina seufzte und kramte aus ihrer Tasche ein Photo heraus, welche sie ihm auf dem Tisch vor die Nase legte. Er beugte sich nach vorne und musterte das Bild. "Die blonde Frau, sie heißt Karin Thaler. Dr. Lüdwitz und sie waren ein paar, bevor er ins Zeugenschutzprogramm kam. Um ihnen zu erklären, warum ich seinen Aufenthaltsort wissen will, muss ich ihnen erzählen, was sich in den letzten Tagen bei uns zugetragen hat. Mein Freund, Mark Harland.." Sie zeigte ihm Marc auf dem Bild. "...hatte vorgestern einen schweren Unfall, so, dass er ausfällt. Karin hat gestern die Schicht für ihn übernommen. Durch den starken Wind, sie wurden von einer Böhe erfasst und Jens, der Pilot, hat die Kontrolle verloren, sind sie abgestürzt. Jens und Peter sind einigermaßen glimpflich davon gekommen, aber Karin wurde sehr schwer verletzt. Sie verlor viel Blut. Die Ärzte konnten sie zwar in einer mehrstündigen Operation retten. Doch jetzt liegt sie im Koma und niemand weiß, ob sie wieder aufwacht oder überhaupt überlebt. Sie liebt ihn so sehr und ich befürchte, sie hat nicht genug kraft es alleine zu schaffen. Sie braucht ihn, nur er wird sie zurückholen." Gina kämpfte mit den Tränen und langsam versagte ihr die Stimme. Kommissar Becker reichte ihr ein Taschentuch und lief dann in seinem Zimmer nachdenklich auf und ab. Er konnte einen so wichtigen Zeugen nicht in Gefahr bringen, anderseits wollte er nicht das Leben dieser Frau auf dem Gewissen haben. Schließlich blieb er stehen und drehte sich zu schluchzenden Gina um. "Passen Sie auf. Ich werde mit den zuständigen Leuten sprechen. Ich bin mir ziemlich sicher, wenn Dr. Lüdwitz den ausdrücklichen Wunsch äußert zu dieser Frau zu wollen, werden sie alles in die Wege leiten. Sobald ich was erfahre, ruf ich Sie an. Ist das ne Abmachung?" Gina wischte sich die Tränen von den Wangen und blickte ihn mit glänzenden braunen Augen an. "Ja, vielen Dank!" "Ich kann aber nichts versprechen.", fügte r noch hinzu. Gina nickte eifrig. Kurze zeit später saß sie wieder im Auto auf dem Weg zurück nach Hause.
Biggi saß an Karins Krankenbett und hielt die Hand ihrer blassen Freundin. Noch immer hat ihr Zustand sich nicht verändert. Biggi dachte an die vielen schönen Dinge, die sie zusammen unternommen hatten, an die gemeinsamen Einsätze und sofort rannen ihr wieder Tränen über die Wangen. "Karin, wach auf! Wenn ich wenigstens wüsste, ob du uns hörst." Sie war noch gestern hier ins Krankenhaus gekommen und saß die ganze nacht bei der Ärztin. Kein Zucken, nichts war geschehen. Am Morgen kam Enrico und forderte Biggi auf etwas zu schlafen, aber sie weigerte sich. Ohne sie weiter zu bitten, es nutzte so und so nichts, ging er zu Marc. Die beiden unterhielten sich sehr lange. Marc erzählte ihm jedoch nichts von Ginas Vorhaben. Es war noch zu unsicher, ob sie es schaffte. "Und wo steckt Gina? Sollte die nicht bei euch sein?", fragte Enrico mit einem Mal. "Die ist gestern nach München gefahren. Sie hat dort einen wichtigen Termin, den sie nicht verschieben konnte.", redete Marc sich raus. Allerdings machte er sich langsam echte Sorgen um sie. Seit sie gestern fuhr, hatte er nichts mehr von ihr gehört. Jetzt war es inzwischen Mittag und keine Spur von ihr. Doch plötzlich öffnete sich die Tür und ein Blumenstrauß wurde durch geschoben. Eine Sekunde später tauchte auch Ginas Kopf auf. "Hallo mein Schatz. Hast du gut geschlafen. Ich hab dir ein paar Blumen mitgebracht.", begrüßte sie ihn freudig. Enrico übersah sie erst einmal völlig. Sie gab ihrem Marc einen ganz langen Kuss bis er kaum noch Luft bekam. Dann erblickte sie Enrico. "Was machst du denn hier?", fragte sie reichlich verwirrt und starrte den ehemaligen Sanitäter ungläubig an. Der beugte sich zu ihr und gab ihr einen Begrüßungsküsschen auf die Wange. "Wir haben erfahren, was sich hier abgespielt hat, da sind wir gekommen. Biggi sitzt bei Karin.", beantwortete er ihre Frage. "Gut, da will ich jetzt auch erst mal hin.", sagte sie und verschwand aus der Tür. Marc fragte sich stumm, wie es wohl gelaufen war, aber das würde sie ihm sicherlich nachher erzählen, wenn Enrico nicht mehr da war, doch von ihrer Stimmung meinte er ausgehen zu könne, dass es gut verlaufen war.
Langsam und leise öffnete Gina die Tür zu Karins Krankenzimmer. Biggi saß auf einem Stuhl neben ihrem Bett und hielt ihre Hand. Sie sah sich um und lächelte gequält. Gina ging langsam zu ihr. "Hey du.", wisperte sie fast und umarmte Biggi. "Ich kann es nicht glauben. Warum nur Karin? Das ist nicht fair!", stammelte Biggi leise. Gina setzte sich auf der anderen Seite auf die Bettkante und nahm Karins rechte Hand und legte sie sachte auf ihren Schoß. Dann streichelte sie ihr vorsichtig über die bleiche Wange. ‚Michael wird kommen, versprochen Karin.‘, dachte sie. Sie blickte zu Biggi und meinte: "Sie wird es schaffen, denn sie ist stark, sehr stark. Manchmal wünsche ich mir ihre Stärke, wenn ich verzweifeln könnte. Sie ist immer für uns da. Nun sind wir für sie da und kümmern uns um sie." Biggi nickte zustimmend. Sie erkannte, dass Gina Recht hatte. Sie mussten jetzt so stark sein, wie Karin es immer war und auch wieder sein wird, das war nun sonnenklar.
Es vergingen weitere zwei Wochen in denen sich nichts tat. Noch immer lag Karin in ihrem Bett. Die Ärzte gaben langsam die Hoffnung auf, sie je wieder im Leben begrüßen zu dürfen. Selbst Gina verlor ihre Zuversicht. Der Kommissar hatte sich bis jetzt nicht gemeldet, so, dass sie annahm, dass alles verloren war. Marc war entlassen worden, musste sich aber wie Jens im Rollstuhl durchschlagen. Inzwischen hatten sie einen Ersatzheli und eine Vertretung für Karin bekommen. Das hieß, die B Crew musste wieder arbeiten. Die Vertretung, ein Grünschnabel, wie Gina ihn gern bezeichnete, da er gerade von der Uni kam, hieß Carlos Babiti. Nicht einmal Flo war mit ihm zufrieden, wobei man diesen Zustand bei ihm leicht erreichen konnte. Zum Glück waren es nicht viele Einsätze, die sie absolvieren mussten. Stella kümmerte sich um Peter, Jens und Marc, wenn die B Crew unterwegs war und Anna zur Arbeit. Sie machte eine Ausbildung zur Friseurin und Kosmetikerin. Biggi und Enrico wechselten sich bei der Wache an Karins Bett ab. Alles hatte sich in diesen zwei Wochen zur Routine entwickelt. Das einzige, was ein bisschen Unruhe in die Gruppe brachte, war, dass Oliver krank wurde. Gina, Flo und Carlos kamen gerade von einem Einsatz. "Hey mein Schatz." Gina küsste Marc zärtlich auf den Mund und strich durch sein Haar. Flo rannte sofort zum Klo, da er es mit dem Wasser trinken etwas zu ernst nahm. Peter und Jens prusteten los, als sie ihn reinrennen sahen. Plötzlich rief er: "Gina, dein Handy klingelt in deinem Spind." Sie rannte in die Umkleidekabine und nahm den Anruf an. "Wer will was von Gina Aigner?", begrüßte sie die Person am anderen Ende. "Frau Aigner, hier spricht Kommissar Becker." Ginas herz machte einen Sprung und ihre Hände wurden automatisch feucht. "Ja, was gibt’s?" Ihre Stimme bebte vor Erwartung. "Dr. Lüdwitz wird morgen mit dem zehn Uhr Flieger in München ankommen. Es wäre gut, wenn Sie ihn abholen." "Wissen Sie eigentlich wie ich auf diesen Anruf gewartet habe. Sie sind ein Schatz. Vielen, vielen Dank. Das werd ich ihnen nie vergessen." Vor Verlegenheit musste der Kommissar lachen. "Schon gut. Ich will bloß hoffen, dass ihre Kollegin bald wieder bei ihnen ist. Auf Wiedersehen und schöne Weihnachten.", verabschiedete er sich. "Gleichfalls.", wünschte Gina noch. Fassungslos und total aufgewühlt, dass Michael nun doch kam, setzte sie sich auf die Bank und fing vor Freude und vor allem durch die große Erleichterung an zu weinen. Alle Anspannung fiel von ihr ab. Sie schreckte erst auf, als Stella reinkam, um nach ihr zu sehen. Die erschreckte sich natürlich genauso. "Meine Güte Gina, was ist denn passiert? Wer war das? Ist was mit Karin?" Sie wurde immer aufgeregter. Hingegen Gina schüttelte nur den Kopf. "Ich bin nur glücklich, das ist alles." Stella verstand logischer Weise nicht, weil sie nichts von Ginas Gespräch mit dem Kommissar wusste. So bald sich Gina beruhigte, gingen die beiden wieder raus. Die Jungs waren schon unruhig geworden. Nur Gina ging einzig zu Marc und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Seine Augen wurden groß und er formte mit dem Mund ein stummes ‚Wirklich?‘. Seine Liebste nickte und lächelte so süß, dass er sie am liebsten gleich von oben bis unten abgeknutscht hätte, so freute auch er sich. Die anderen vermuteten etwas, was Max laut aussprach: "Bist du etwa schwanger?" Gina fuhr so abrupt rum, dass ihre Kollegen sich richtig erschreckten. "Nein. Wie kommt ihr denn darauf?", Das Entsetzen, das sowohl ihre Worte als auch ihr Gesicht verrieten, war nicht gespielt, das war eindeutig. Marc fing laut an zu lachen. "Das Gesicht war herrlich, Gina.", gluckste er vor sich hin. Prompt bekam er eine geschwalbt, aber nur ganz sacht. Nun zog sie ihren schönsten Schmollmund und Marc konnte sie überhaupt nicht mehr halten. Nun setzten die anderen mit ein und nach wenigen Sekunden konnte sie sich selbst nicht mehr halten. Flo holte tief Luft, damit er sich beruhigen konnte. "Jetzt aber mal ehrlich, was freut euch so?" Gina stemmte die Hände in die Seiten und sah sie frech an. "Das werdet ihr morgen sehen." Wieder klingelte ihr Handy. "Gina Aigner. Babbo, was gibt es? Lisa, morgen schon?. Um 10. Das passt , da muss ich sowieso zum München zum Flughafen. Ja ok, ciao, Babbo." Stella sah sie stutzend an. "Babbo. Das ist aber Italienisch." Gina zuckte mit den Achseln. "Klar, mein Vater ist Italiener. Meine Mutter Österreicherin." Sie drehte sich zu Marc. "Lisa kommt morgen auch. Hab ich wieder viel zu tun.", stellte sie nüchtern fest. "Wer ist denn Lisa?" Anna kam gerade in den Aufenthaltsraum und pirschte sich auf der Stelle an ihren Vater ran und gab ihn einen dicken Schmatzer. "Mein Hund, ein Golden Retriever. Sie wird unser neues Crewmitglied. Seitdem ich hier arbeite, hat mein Vater mit ihr eine Ausbildung gemacht." Peter klatschte in die Hände und strahlte übers ganze Gesicht. "Das ist schön, dann bekommt Gonzo auch endlich einen Nachfolger."
Gina stand auf dem Flughafen und versuchte herauszufinden, wo sich die beiden Gates befanden, die sie suchte. Schließlich gab sie es auf und fragte eine Stewardess, die just in diesem Moment an ihr vorbei tigerte. Sie beschrieb ihr den Weg sehr exakt und Gina war froh, dass sich beide Gates in eine Richtung befanden. Zuerst kam sie zu dem, wo Lisa mit ihren Flugpaten kommen sollte. Der vielen Arbeit und der Tatsache, dass ihr Vater kein Auto fahren konnte, hatte sie es zu verdanken, dass ihr geliebter Hund, ihre beste Freundin seit Jahren, her fliegen musste. Sie stand an der Scheibe und beobachtete die eintreffenden Passagiere. Bereits nach wenigen Minuten entdeckte sie den Golden Retriever, der von einem Mann mittleren Alters an der Leine geführt wurde. Sie ging zum Ausgang, wo Lisa sie gleich ansprang. "Hey, meine große. Hab dich so vermisst." Gina knuddelte die Hündin erst mal ganz doll und Lisa bellte vergnügt und ihr Schwanz hätte einen Tornado entfachen können, wäre er noch döller hin und her gewedelt. Gina reichte dem Mann die Hand und stellte sich vor: "Guten Tag, ich bin Gina Aigner, die Besitzerin von Lisa. Ich danke ihnen vielmals, dass sie während des Fluges auf sie Acht gegeben haben." "Nicht der Rede wert. Sie ist ja eine ganz liebe." Er streichelte Lisa zärtlich über den Kopf und fuhr dann fort. "Außerdem hatten meine Frau und ich gar keine Wahl. Unsere Patenkinder haben so zu sagen darauf bestanden. Lisa, Laura kommt mal her. Das ist die Besitzerin von Lisa." Zwei junge Mädchen kamen mit ihren Koffern auf die drei zu. Sie blieben stehen und stutzten verwundert. "Hallo, Gina.", sagte Lisa erfreut, als sie sich gefasst hatten. Gina wusste nicht so recht, mit wem sie es zu tun hatte. Dies klärte Laura aber unverzüglich auf. "Wir sind es Laura und Lisa Wächter." Ginas Augen wurden große und staunend erwiderte: "Thomas‘ Töchter." Sie fing an zu lachen. "Das ist aber eine Überraschung." Die beiden nickten eifrig, nur ihr Patenonkel schien nicht zu verstehen. "Gina arbeitet für Medikopter.", erklärte Laura kurz. "Gina Aigner soll bitte sofort zu Gate 17 kommen. Sie werden dringend erwartet.", wurde plötzlich über Lautsprecher ausgerufen. Sie zuckte zusammen. "Michael, den fast vergessen." Die Mädchen schauten sich konfus an. "Unser Michael Lüdwitz?" Gina nickte, nahm die Leine und lief in die Richtung des Gates. "Wartet kurz.", riefen die Geschwister ihren Pateneltern zu und folgten Gina im Eiltempo. Ziemlich außer Atem kam sie am Gate an. Michael saß auf einer Bank und schaute ununterbrochen auf die Uhr. Gina holte tief Luft und ging auf ihn zu. "Guten Tag, Dr. Lüdwitz. Ich bin Gina Aigner. Entschuldigen Sie, aber ich musste meinen Hund noch von einem anderen Gate abholen." Er schaute sie aufmerksam an. "Guten Tag. Ist schon in Ordnung. Wie steht es um Karin?", wollte er sofort erfahren. "Nicht viel besser.", gab sie ihm zur Antwort und schaute bedrückt drein. In dem Moment kamen auch Laura und Lisa bei den beiden an. "Hallo Michael.", begrüßten sie ihn und fielen ihm glücklich um den Hals. "Hey, Mädels. Was macht ihr denn hier?" Er schaute die beiden zufrieden an und streichelte über ihre Wangen. "Ihr seid richtig erwachsen geworden." "Wir waren Flugpaten für Ginas Hündin Lisa.", beantwortete Laura Michaels Frage. Er nickte und lächelte die beiden an. "Aber was machst du hier? Wir dachten, du bist in einem Zeugenschutzprogramm und darfst nicht zurück." Die beiden blickten ihn interessiert an. Er jedoch blickte traurig zu Gina, die seinem Blick versuchte auszuweichen. "Was ist los?", stichelten die beiden jetzt immer unruhiger werden. "Karin übernahm vor zwei Wochen Marcs Dienst, weil er den Tag davor einen Unfall hatte. Es war stürmisch und sie sind abgestürzt. Karin wurde schwer verletzt und liegt seitdem im Koma.", führte Gina mit belegter Stimme aus. Die Mädchen schüttelten ungläubig den Kopf und kämpften mit den Tränen. Sie lebten vor dem Tod ihres Vaters solange mit Karin in einem Haus, dass ihnen bei dem Gedanken, sie könnte sterben, schlecht wurde. "Sie stirbt doch nicht oder?", erkundigte sich Lisa schluchzend. Michael nahm die beiden in die Arme und flüsterte beruhigend: "Deswegen bin ich hier. Ich will sie zurück ins Leben holen." "Wie lange habt ihr noch Ferien?", informierte sich Gina, in deren Kopf sich eine Idee zusammen braute. "Eineinhalb Wochen.", antwortete Lisa mit belegter Stimme und sah sie mit verweinten Augen an. "Wieso?" "Ihr könnt Michael doch helfen. Ich bin sicher eure Pateneltern werden nichts dagegen haben. Ihr könnt in euren alten Zimmer schlafen. Karin wohnt noch in dem Haus, ganz allein." "Wir haben alles gehört, wenn ihr das wollt, erlauben wir euch erstmal hier zu bleiben. Ihr habt sicher Erfolg und Karin ist bald wieder wach." Die Pateneltern standen hinter Gina und nickten den Mädchen aufmunternd zu.
Eine Stunde später kamen sie in Rosenheim an, wo Karin im Krankenhaus lag. Langsam gingen sie den Flur zu ihrem Zimmer entlang. Gina wandte sich an Michael und hielt ihm einen Schlüssel hin. "Der ist für das Haus. Ihre Sachen bring ich schon hin. Es ist gerade die freie Stunde. Normalerweise sind entweder Biggi oder Enrico hier, um anzurufen, falls sich was tut. Da es Mittag ist, machen sie eine Pause, irgendwann müssen sie ja auch was essen." Michael nickte betrübt und um so näher sie dem Zimmer kamen, desto höher wurde sein Puls. Sie standen vor der Tür, durch Beobachtungsfenster konnten die vier die junge Ärztin sehen, wie sie an die verschiedensten Geräte angeschlossen war. Michael merkte, dass ihm sein Herz irgendwo hin rutschte, wo er es nicht so schnell wieder zurück bekam. Die Augen von Laura und Lisa füllten sich schlagartig mit Tränen. Vorsichtig öffnete Gina die Tür und ging zu Karin ans Bett. Sie beugte sich zu ihr runter und flüsterte liebevoll: "Karin. Ich hatte dir doch was versprochen. Wenn du aufwachst wird Michael hier sein, das hab ich gesagt. Er steht in der Tür und es sind noch zwei hier, die dich zurück haben wollen: Thomas‘ Töchter, Lisa und Laura." Sie winkte die drei ran. "Jetzt musst du aber auch dein Versprechen einhalten und schnell wieder aufwachen." Sie ging ein Stück vom Bett weg, damit sich Michael zu ihr setzen konnte. Er ergriff ihre Hand und streichelte über das blasse Gesicht seiner Liebe. "Karin, was machst du denn nur? Du kannst mich doch nicht einfach im Stich lassen." Sanft berührte er ihre Lippen mit seinen, so, als ob sie in einem Dornröschenschlaf liegen würde. "Karin, wir sind bei dir. Verlass uns nicht.", forderten die Mädchen und wischten sich immer und immer wieder die Tränen von den Wangen. Michael versuchte es gar nicht, denn es nutzte nichts. In der nächsten Sekunden waren seine Wange eh wieder nass. "Wach auf mein Liebling, bitte. Ich liebe dich so sehr." Gina gab den Kampf ebenfalls auf. Sie brachte unter schluchzen heraus: "Ich muss zur Basis. Mein Dienst hat schon begonnen. Ich komm heut nach der Schicht wieder her und hole euch ab." Die drei Häufchen Elend, die an Karins Bett saßen, nickten nur stumm. Gina schloß die Tür hinter sich leise und ging den Flur entlang zum Eingang. Tief einatmend wischte sie die Tränen weg. Biggi kam gerade um die Ecke, als Gina in den Seitenflur einbiegen wollte. "Hey, solltest du nicht auf der Basis sein?", fragte Biggi verwirrt. Ihre Kollegin nickte und schniefte kurz. "Wolltest wohl sehen wie es ihr geht?" "Auch, ich hab ihr Besuch gebracht.", antwortete Gina und zog Biggi wieder mit sich raus. "Komm mit. Wir fahren zur Basis." "Aber ich hab doch Wache." "Das übernimmt der Besuch. Krieg keinen Schreck, mein Hund sitzt hinten drin.", sagte Gina, als sie Biggi ins Auto stopfte. Kaum saß sie, hatte sie auch schon Lisas Schnauze im Gesicht. "Tag.", begrüßte sie den Hund und strich ihm einmal über den Kopf. "Nach hinten, Lisa.", befahl Gina, als sie sich ans Steuer setzte. Der Hund parierte auf der Stelle und legte sich brav auf den Boden hinter ihrem Sitz. "Wer ist denn dieser ominöse Besuch?", wollte Biggi in Erfahrung bringen. "Erzähl ich, wenn wir bei den anderen sind.", gab Gina einzig zur Auskunft.
"Wo steckt denn, Frau Aigner? Sie hat seit über zwei Stunden Dienst.", empörte sich Höppler. "Das hat sie ihnen gestern erzählt. Sie musste nach München zum Flughafen, um unser neues Crewmitglied abzuholen. Erinnern sie sich, Lisa, Ginas Rettungshund?", fragte ihn Marc, so, als ob er Höppi für nicht ganz dicht halten würde. Daraufhin hatten die anderen Probleme, sich das Lachen zu verkneifen. Seit sie diese Unfälle hatten, war Höppi so nervös, wie ihn noch keiner erlebt hatte. Zu vermuten, war auch, dass das was mit dem immer näher rückenden Weihnachtsfest zu tun hatte. Nicht mal eine Woche noch und es wäre Heiligabend. Jeder von ihnen hatte einen speziellen Weihnachtswunsch, doch eines wünschten sich alle: Dass Sie mit Karin zusammen feiern konnte, wenn es sein musste, sogar im Krankenhaus. Sie sollte einfach nur aufwachen. "Gewonnen.", ließ Peter heute bereits zum elften Mal verlauten. Er, Jens und Flo spielten seit morgens Skat. "Ich bin mir sicher, Gina wird noch kommen.", sagte Flo an Höppi gerichtet. "Wir wollen alle Lisa kennen lernen, darum muss sie kommen, nicht wahr Oli?" Stella blickte auf ihren Sohn, der auf der Spieldecke saß und mit seinen Autos spielte. Er schaute auf und nickte eifrig: "Ja, Lisa.", sagte er mit glänzenden Augen. Enrico hockte neben seinem Neffen und versuchte vergeblich ihn dazu zu bewegen einem bestimmten Auto hinter her zu gehen. Oli blieb stur sitzen und konzentrierte sich wieder auf die anderen Autos in seiner Nähe. "Ich versteh das nicht. Bei euch läuft er immer, aber bei mir, bockt er." Die anderen grinsten, denn sie merkten, dass Enrico sehr enttäuscht darüber war. "Du kannst es ja bei deinem Kind später anders machen.", kicherte Jens und Peter schüttelte unschuldig den Kopf. "Ist halt mein Sohn." Max stand am Fenster und beobachtete die Vögel in seinem selbst gebautem Vogelhaus. "Gina kommt. Zumindest ihr Wagen.", sagte er ruhig. "Na endlich, wird auch Zeit, dass die Dame hier erscheint.", regte sich Höppi wieder auf. Das erste, was die Crew im Aufenthalts erblickte war der Golden Retriever, der zuerst zu allen lief und sie beschnüffelte. Bei Marc stoppte sie und packte sich neben seinen Rollstuhl auf dem Boden und beließ es dabei, weiter zu beobachten. Nach einiger Zeit folgten Gina und Biggi. Ihre Wege trennten sich nach der Tür. Biggi ging zu Enrico und Gina zu Marc. Fast gleichzeitig gaben sie ihren Männern einen zärtlichen Kuss. Marc sah sie auffordernd an. "Ist er bei ihr?", wollte er heraus bekommen. Gina nickte und lächelte glücklich. Enrico sah Biggi irritiert an. "Hast du nicht jetzt Wache?" Sie zuckte die Schultern und schaute zu Gina. "Gina hat Besuch für Karin mitgebracht, der die Wache übernimmt." Nun guckten alle Gina ziemlich verwirrt an. "Was für Besuch?", erkundigte sich Flo. "Du kennst ihn nicht und Jens auch nicht. Aber ihr andern, könnt mit den Namen auf jeden Fall, was anfangen. Michael Lüdwitz und Laura und Lisa Wächter sind gerade bei Karin." Für ein paar Minuten war es im Raum totstill. Dann brachen Peter und Biggi zu selben zeit raus: "Michael und Thomas‘ Töchter. Wie denn das?" "Die Mädchen waren die Flugpaten für Lisa." Gina zeigte auf die Hündin, die ganz ruhig neben ihr und Marc lag. "Als ich mit Michael sprach, haben sie das mit Karin mit bekommen und wollten auch zu ihr. Michael hat von Karins Zustand so zu sagen von mir erfahren. Ich bat den Kommissar, der für Michaels Fall zuständig war, ihm Bescheid zu sagen, dass er kommen muss." "Die drei sind jetzt bei Karin. Wie haben sie reagiert?", wollte Peter wissen. "Sie haben geweint, wie jeder von uns, wenn wir da sind." Flo legte den Kopf schief und blickte eine Zeit lang Gedanken verloren vor sich hin. Hieran verkündete er zuversichtlich: "Sie liebt ihn und wenn er gekommen ist und sogar weint, liebt er sie auch. Er holt sie zurück. Das hab ich im Blut." Marc nickte: "Deswegen haben wir überhaupt den Entschluß gefasst ihn zu holen. Niemand sollte Weihnachten allein sein. Selbst er in Amerika nicht. Zeugenschutzprogramm hin oder her. Liebe ist stärker." Er zog Gina leicht an sich und küsste sie liebevoll auf die Wange. "Stimmt.", gab auch Stella zu und beugte sich zu Peter rüber. Die beiden küssten sich sanft, während die anderen peinlich berührt wegschauten. Aus den Gedanken wurden sie gerissen, als Lisa anfing zu bellen. Es war klar, dass sie auf sich aufmerksam machen wollte. "Ja, Süße. Wir haben dich nicht vergessen." Gina ging in die Knie und graulte ihre Hündin hinter den Ohren. "Hapa?", fragte Oliver und stand nun neben den beiden. "Er ist gelaufen. Ein Hund bringt ihn dazu, aber nicht sein Onkel.", Enrico fasste sich verzweifelt an den Kopf und abermals mussten seine Kollegen darüber lachen. "Hunde haben eine magische Anziehungskraft auf Kinder.", stellte Max trocken fest. Gina nahm Oli auf den Arm und ging mit ihm in die Küche. Lisa folgte schwanzwedelnd. Dort setzte die Pilotin den Jungen auf die Arbeitsfläche und holte eine Schale aus dem Schrank. "Ich glaub du hast Recht, Oli. Lisa hat bestimmt Hunger.", sagte zu ihm, als sie eine Büchse Hundefutter aus dem Kühlschrank holte. Sie öffnete die Büchse und schüttete den Inhalt in die Schale. Diese drückte sie Oli in die Hände. "Schön festhalten.", und nahm ihn wieder auf den Arm. Zusammen gingen sie zurück in den Aufenthaltsraum. Gina stellte Oli wieder auf den Boden, der die Schale abstellte und Lisa fing sofort an zu fressen. Ganz leicht streichelte Oli über ihren Kopf und lief dann lachend zu seiner Mutter.
Die Freude darüber, dass Michael da war, hatte sich bald wieder gelegt. Karins Zustand stabilisierte sich weiterhin, jedoch war sie noch immer nicht aufgewacht. Er saß Tag für Tag an ihrem Bett und redete mit ihr. Morgen ist Heiligabend und jeder hoffte verstärkt, dass sich endlich etwas tat. In Schichten kamen die anderen und besuchten sie auch. An diesem Tag kamen alle Mädels: Lisa, Laura, Gina, Stella, Biggi und Anna, um nach ihrer Freundin und Kollegin zu sehen. Die Herren hatten sie so zusagen rausgeschmissen, weil sie für morgen einen Weihnachtsbaum aufstellen wollten und ihn schön schmücken. Die Damen konnten sich genau ausmalen, wie das enden würde: indem sie die Scherben aufsammeln. Aber das zählte im Moment nicht. Sie standen bei Karin im Zimmer und blickten sie zufrieden an. "Sie seiht besser aus, als noch vor ein paar Tagen. Endlich hat sie wieder richtig Farbe.", stellte Anna glücklich fest. "Ja, es tut ihr gut, dass Michael hier ist.", meinte Biggi. "Sie spürt das ganz bestimmt.", sagten Lisa und Laura und streichelten ihr über die Wange und das Haar. "Ja, ich spür ihn.", flüsterte Karin plötzlich. Alle rissen die Augen auf. "Sie ist wach.", rief Stella lachend. "Ich hol einen Arzt.", mit diesen Worten war Gina aus dem Zimmer verschwunden. Michael beugte sich ganz nah an ihr Gesicht. "Oh Karin, ich liebe dich so." Liebevoll streichelte er sie und berührte ihre Lippen vorsichtig mit seinen. Vor Freude hatte er Tränen in den Augen. Langsam öffnete sie ihre blauen Augen und blickte ihn erschöpft aber überglücklich an. "Ihr seid alle da. Das ist so schön." "Natürlich, wir haben dich doch alle lieb.", flüsterte Biggi, damit man das Zittern ihn ihrer Stimme nicht zu sehr hörte. Behutsam drehte Karin ihren Kopf und beschaute sich alle. Als sie Laura und Lisa entdeckte, hob sie die Hand. "Hey Mädels. Wir haben uns ja schon lange nicht mehr gesehen." Die beiden nickte und drückten ihre Hand sanft. Ein Arzt kam nun mit Gina ins Zimmer und fragte: "Wie fühlen Sie sich, Frau Thaler?" Sie nickte leicht und antwortete: "Gut, sehr gut. Wann kann ich raus?" Alle fingen an zu lachen. "Kaum wach und wollen uns schon verlassen, das sind uns die liebsten Patienten. Da weiß man wenigstens, dass es ihnen wirklich gut geht. Wir werden sie noch mal durchchecken und vielleicht werden sie morgen Weihnachten zu Hause feiern können." Damit verließ der Arzt das Zimmer. Karin blickte alle sehr konfus an. "Weihnachten? Morgen? Wie lange.." "Du im Koma gelegen hast?", beendete Gina den Satz. "Drei Wochen um genau zu sein. Hast du ne Ahnung, was wir wegen dir durchgestanden haben? Es waren die schlimmsten, angstvollsten Wochen meines ganzen Lebens." Alle nickten zustimmend. Michael beobachtete jede einzige Bewegung von ihr, jedes Blinzeln, jedes kleine Lächeln. "Ich weiß nicht, was ich getan hätte, wenn du gestorben wärst." Wieder küsste er sie herzlich und streichelte sie. Für die Damen stand fest, dass das jetzt ein Moment war, wo sie störten. "Wir lassen euch dann mal allein.", flüsterte Biggi und schloss hinter sich und den anderen die Tür. "Ja!", hörten Michael und Karin ihre Freunde draußen rufen und lachend weggehen. Michael legte seinen Kopf auf Karins Schulter und sie strich ihm mit ihren Fingern zärtlich durchs Haar. "Ich hab dich so vermisst, Michael.", flüsterte sie gefühlvoll. "Mmhh!", schluchzte er. "Ich wollte Weihnachten einfach nicht alleine sein." "Deswegen brauchst du doch nicht gleich ins Koma zu fallen." Die Angst in seiner Stimme bewirkten, dass ihr Tränen in die Augen stiegen. "Ich hatte nicht vor dir Angst zu machen." Er schlang seine Arme um sie und zog sie ganz fest an seinen Körper. "Ich lass dich nie mehr alleine, versprochen. Ich scheiß auf das Zeugenschutzprogramm, solange ich bei dir sein kann. Ich liebe dich mehr als mein Leben." Karin wischte sich eine Träne aus dem Auge und löste sich leicht aus seiner Umarmung. "Ich dich auch.", flüsterte sie einfühlsam und berührte scheu seine Lippen mit ihren. Nach wenigen Sekunden waren die beiden in einem unendlich tiefen Kuss versunken.
Kaum waren die Mädels an der Basis angekommen, staunten sie nicht schlecht. Auf dem Landeplatz stand ein mindestens drei Meter hoher Tannenbaum. Max, Flo, Enrico und Höppler standen auf Leitern und hängten allen möglichen Christbaumschmuck an die unendlich vielen Äste und Zweige. Marc, Jens und Peter standen beziehungsweise saßen unten und reichten ihnen die Kugeln, Sterne, das Lametta und was noch alles an einen richtigen Baum gehört. Sie waren in dieser Arbeit so vertieft, dass sie nicht einmal bemerkten, dass ihre Frauen gekommen waren. Nur Lisa reagierte. Sie lief bellend auf Gina zu. Marc drehte sich um und rief schmollend: "Ihr seid zu früh." "Jetzt ist es gar keine Überraschung mehr.", fügte Höppler von der einen Leiter aus, hinzu. Stella ging zu Peter und umarmte ihn lächelnd, so wie Gina und Anna es bei Marc und Jens machten. Biggi stellte sich unten an die Leiter, auf der Enrico stand und schaute bewundernd zu ihm. "Das ist doch Quatsch. Eine schönere Überraschung hättet ihr uns gar nicht machen können.", sagte Anna und sah den Baum mit leuchtenden Augen an. "Wir haben auch eine für euch.", riefen Lisa und Laura breit grinsend. "Was denn?", rief Flo und verlor dabei fast das Gleichgewicht, fing sich aber sofort wieder. Die beiden holten tief Luft und sahen sich an. Die Spannung bei den anderen stieg mit jeder Sekunde, dann platzten sie gleichzeitig heraus: "Eins, zwei, drei: Karin ist wach.", schrien sie lauthals. Max rutschte sofort die Leiter runter und die Herren vom Boden sahen die Damen an ihrer Seite an. "Ehrlich?", fragten sie wie aus einem Mund. Mit einem breitem Lächeln, das von einem Ohr zum anderen reichte, nickten sie und Stella ergänzte: "Wenn ihre Werte o.k. sind, kann sie morgen raus." Peter nahm Stellas Gesicht zwischen seine Hände und gab ihr eine Kuss, dann umarmte er sie und schaukelte mit ihr hin und her. "Das ist so schön." "Dann feiern wir alle zusammen hier auf der Basis.", entschied Marc und sie stimmten ihn voll und ganz zu. Auch er und Gina küssten sich jetzt, doch Höppler rief von seinem Hochsitz: "Da die Damen ja nun hier sind, können sie uns auch helfen. Darf ich bitte?" Nach einer halben Stunde war der Baum fertig geschmückt. "Viele Hände machen schnell ein Ende.", stellte Flo froh fest, vor allem weil er nicht runtergefallen ist.
Gina, Biggi und Stella hatten sich mit Lisa, Laura und Oliver bereits aus dem Staub gemacht, weil sie das Festessen vorbereiten wollten. Dies bereitete in der großen Küche von Karin allen einen riesigen Spaß. Die Mädchen backten Stollen und Plätzchen für den Kaffeetisch und Stella und Gina bereiteten den Braten für Mittags vor. Biggi machte Salate und das Gemüse, was sie dazu essen wollten. Für abends hatten sie einen Tisch in einem wunderbaren Restaurant organisiert. "Aahh nein." Lisa wischte sich das Mehl aus dem Gesicht, welches ihr Oliver, der mit auf dem Tisch saß, entgegen geworfen hatte. "Du kleiner Hosenscheißer. Das war gemein.", empörte sie sich. Oliver lachte nur ausgelassen, womit er auch seine Mutter und seine Tante ansteckte. Gina reichte Lisa kichernd einen Handtuch. Laura konnte sich vor lachen kaum halten und gluckste: "Das war gut. Dein Gesicht sieht wunderbar aus." Biggi musste so lachen, dass ihr Tränen in die Augen stiegen, die aber auch von den gerade geschnittenen Zwiebeln verursacht sein konnten. "Was schenkt ihr den anderen?", fragte Gina und probierte die wunderbar duftende Bratensoße. "Für Enrico hab ich ein richtig schönes Geschenk.", grinste Biggi vor sich hin und begann, die Gurke zu schneiden. "Was hat mein Bruder dann zu erwarten? Ein neues After Shave?", stichelte Stella lachend. "Nein, dass, was ich ihm schenke, kann man nicht bezahlen.", erwiderte sie frech. "Wie, man kann es nicht bezahlen?" Laura verstand nicht, was Biggi meinen könnte. Jedoch Gina grinste stumm vor sich hin. "Weißt du mehr als wir?" Lisa knuffte Gina in die Seite. Die schaute sie unschuldig an. Sie erinnerte sich gut daran, als Biggi es ihr erzählt hatte. Die beiden fuhren gerade zur Basis, nachdem sie Michael und die Mädchen zu Karin gebracht hatte. Biggi wurde schlecht und sie hielten an. Da erzählte ihre Pilotenvorgängerin ihr, dass sie schwanger war. "Hey, erzähl schon.", forderte Lisa ungeduldig. Gina hob abwehrend die Hände und erwiderte ausschließlich: "Biggis Sache." Sofort richteten sich alle Blicke wieder auf die Gurkenschnipplerin. "Ich bin schwanger.", sagte sie locker und fuhr in ihrer Arbeit fort. "Meine Güte. Das ist wunderbar. Enrico wird vor Freude an die Decke gehen." "Solange ich ihn wieder runterbekomme." Biggi sah ihre Schwägerin lachend an. Lisa und Laura standen mit offenen Mündern da, während Oli sich am Teig für die Plätzchen gütlich tat. "Oh Gott, Oliver. Du verdirbst dir noch den Magen." Stella nahm ihn vom Tisch und brachte ihn ins Wohnzimmer, wo sie ihn auf die Couch zum Schlafen legte. "Es ist spät, mach die Augen zu." Als sie zurückkam, standen die Geschwister noch immer wie angewurzelt. Stockend brachte Laura dann raus: "Gratulation." Lisas Gesicht hellte sich schlagartig auf und sie wollte wissen: "Können wir Patentanten werden?" Biggi zuckte mit den Schultern: "Von mir aus." Es dauerte noch eine ganze Weile bis sie fertig waren und Michael nach Hause kam. Er wollte sofort naschen, wurde aber mit einem Klaps auf die Finger zu recht gewiesen. "Kommt Karin morgen raus?", erkundigte sich Gina. "Ja, ich hole sie um zehn Uhr ab. Allerdings hat sie dafür gekämpft, das hättet ihr erleben müssen." Biggi sah ihn fragend an: "Wieso?" "Der Arzt war der Meinung, sie wär noch nicht stark genug aufzustehen. Jetzt haben sie sich auf den Rollstuhl geeinigt.", antwortete er grinsend. Lisa lachte und sah ihn verschmitzt an: "Da kennen wir aber noch einen, der nicht im Krankenhaus bleiben wollte. Ich glaub, das liegt Ärzten im Blut. Dort arbeiten schon, aber nicht selber drinliegen." Er zuckte unschuldig die Schultern und blickte zur Decke. Dann verabschiedeten sie sich für diesen Tag.
"Wo ist denn Gina?", fragte Flo am nächsten Tag. Er, Marc und Höppler waren bereits auf der Basis und deckten den Tisch. "Sie ist zu Karins Haus gefahren, Lisa, Laura und das Essen abholen. Wenn sie hier ist, muss sie gleich wieder los weil sie noch Geschenke holen will." Er verteilte gerade die Gläser auf der langen Tafel. Höppler stellte die Teller hin und Flo übernahm das Besteck. "Frohes Fest!" Mit diesen Worten betraten Jens und Anna den Aufenthaltsraum. "Danke, gleichfalls.", erwiderten die drei Anwesenden. Bereits kurze Zeit später kamen auch Peter, Stella und Oliver. "Hey, ist Gina noch nicht da?", fragte Stella und schaute in die Küche. "Nein, aber sie kommt gleich.", antwortete Flo und schaute zu Marc, der zustimmend nickte. "Gut, das Essen muss noch warm gemacht werden. Hoffentlich kommen Biggi und Enrico auch bald." Sie setzten sich auf die Couch und unterhielten sich um die Zeitetwas totzuschlagen. "Ich bin gespannt, was ich bekomme. Gina hat so ein Geheimnis daraus gemacht, schlimm." "Was schenkst du ihr denn?", informierte sich Peter. "Tja, ich schenke ihr einen Ring, verbunden mit einem Heiratsantrag." Marc lief rot an und schaute verlegen auf den Boden. "Mann, das wird auch Zeit. Ich frag mich schon seit Monaten, wann einer von euch den Mut dazu aufbringt.", kommentierte Flo kopfschüttelnd. "Was ist eigentlich mit denen, die keinen Partner haben? Wie ist es da mit den Geschenken?", erkundigte sich Stella und schaute fragend in die Runde. Herr Höppler kam gerade ins Zimmer und beantwortete ihre Frage kurz und bündig: "Julklap, Frau Berger." Hinter ihm folgte Max und fügte dazu: "Florian, Herr Höppler und ich haben Zettelchen gezogen. Bin gespannt, was daraus wird." Es hupte von draußen und kurz danach stapfte Lisa in den Aufenthaltsraum. "Ah, das Essen ist da. Hey Lisa." Marc strich ihr über den Rücken und fuhr nach draußen, gefolgt von Peter, Flo, Max und Höppi. "Ihr nicht, ihr seid lädiert.", sagte Gina, als Marc und Peter vor ihr standen, um ihr etwas abzunehmen. Stattdessen drückte sie es Flo in die Hand, der augenblicklich kehrt machte und den Topf ins Gebäude brachte. Stella hatte den Herd angemacht und wies ihn an, den Topf auf die Platte zu stellen. Nach fünf Minuten waren wieder alle drin und Gina und Stella standen, unterstützt von Anna, Lisa und Laura, in der Küche und wärmten das bereits vorgekochte Gericht auf. Schon nach ein paar Minuten war das ganze Gebäude von Bratenduft durchzogen. "Schaut mal." Jens saß am Fenster. "Es schneit und was für dicke Flocken." Alle kamen um es zu sehen. In diesem Moment fuhr ein Auto vor. "Mein Bruder kommt endlich.", stellte Stella erfreut fest. "Entschuldigt die Verspätung aber ich habe etwas länger gebraucht.", entschuldigte sich Biggi, blickte zu den gestern Anwesenden und zuckte mit den Schultern. Die grinsten sie an und warteten darauf, dass Enrico reinkam. "Meine Güte, so fette Flocken haben schon seit Jahren nicht mehr gesehen. Wenn das so weitergeht, sind wir heute nachmittag hier eingeschneit.", ließ er verlauten als er reinkam und klopfte sich die Jacke ab. Biggi begab sich mit in die Küche und bald vernahm man ein heiteres Gelächter. "Sag mal, er muss sich doch wundern, wenn du solange auf dem Klo bist, oder?", fragte Lisa lachend. Anna hörte nur verdattert zu. "Gewundert hat er sich, aber du kennst doch die Männer. Frauen brauchen ihrer Meinung nach so wieso immer ewig auf dem Klo.", erwiderte Biggi gespielt hochtrabend. "Das kenn ich aber auch. Marc kann sich wunderbar aufregen, wenn ich ‚zu lange‘ brauche.", erzählte Gina lachend. Nach einer halben Stunde fingen sie an, das Essen auf den Tisch zu bringen. "Achtung unser Ehrengast kommt!", verkündete Max, der es sich solange am Fenster gemütlich gemacht hatte und wieder die Vögel im Vogelhaus, Marke Eigenbau, beobachtete. "Gut, wir sind gerade fertig.", meldete Laura und Lisa griff sich eine Schal und lief raus. Michael und Karin, die wie abgemacht im Rollstuhl saß, standen auf dem Parkplatz und bestaunten den Weihnachtsbaum. "Da wüsst ich gern, wer da hoch ist.", sagte Karin lachend. "Hallo ihr Zwei." Lisa umarmte Michael und dann Karin. Anschließend verband sie ihr mit dem Schal die Augen. "Was soll das werden?", wollte die sofort wissen. "So ist die Überraschung größer. Los!" Michael nickte und schob Karin zum Eingang des Basisgebäudes. "Du wirst staunen.", flüsterte er ihr ins Ohr. Lisa und Laura hatten ihm gestern Abend noch erzählt, was sie vorbereitet hatten. Lisa hielt die Tür offen und lief, als die beiden durch waren, zu den anderen, die sich um den gedeckten Tisch versammelt hatte. Langsam nahm Michael Karin den Schal ab und ihre Kollegen riefen im Chor: "Fröhliche Weihnachten." Karin war von den ganzen Eindrücken zum Anfang total überrumpelt. Aber nachdem alle mal zu ihr gekommen waren und sie wieder zurück begrüßt hatten, strahlte sie regelrecht. "Das ist Wahnsinn, Leute. Schöner kann man sich Heiligabend gar nicht vorstellen.", sagte sie gerührt. "So war es auch gedacht, Dr. Thaler.", erläuterte Höppi zufrieden lächelnd. "Kommt setzt euch, sonst wird das Essen noch kalt.", forderte Stella die Anwesenden auf. "Langt ordentlich zu, es ist auf jeden Fall genug da. Ach Karin, deine Küche musste übrigens erhalten.", äußerte Biggi und grinste die Ärztin keck an. "Wenn sie noch heil ist und sauber, von mir aus. Es schmeckt ja wunderbar. Wirklich erste Klasse.", lobte sie die Köchinnen. "Aber eine Frage: Wer hat den Stern auf den Baum gesetzt?", zeigte sie nach draußen. "Das war unser hochverehrter Herr Höppler.", entgegnete Marc. "Ja aber weil keiner der anderen Herren sich dort hoch getraut hat.", vervollständigte Anna den Satz und grinste frech in die Runde. "Wir sind auch lädiert.", regte sich ihr Vater auf. Schon bekam er mehrere vorwurfsvolle Blicke. Peter stand auf. "Das Thema haben wir gestern schon geklärt, also lassen wir es jetzt unter den Tisch fallen." Er setzte sich wieder und aß weiter. "Wann machen wir Bescherung?", versuchte Laura zu ermitteln und ließ dabei ein Stück Fleisch unter den Tisch fallen, welchen sich der Golden Retriever augenblicklich schnappte und verschlang. "Nach dem Kaffee und hört bitte auf Lisa zu füttern, sonst muss ich sie hier rausrollen." Einige verlegene Blicke richteten sich auf die Teller, einige überraschte auch zu Gina und fingen dann an zu lachen. "Erwischt.", gab Max zu. Nachdem Essen begaben sich die Damen wieder in die Küche und wuschen das schmutzige Geschirr ab. Die Herren saßen auf der Couch und unterhielten sich. Plötzlich holte Michael ein kleines Kästchen aus seiner Hosentasche und öffnete es. Drinnen funkelte ein kleiner goldener Ring. Als hätte jemand einen Knopf gedrückt fingen alle außer Max und Enrico an zu lachen. "Was ist?", wollten die drei wissen. "Verlobungsring?", verhörte Marc ihn flüsternd, damit die Frauen in der Küche nichts hörten. Michael nickte irritiert. Marc klopfte ihm auf die Schulter und holte such ein Kästchen raus. "Dann sind wir schon zweit." Jetzt fingen alle an zu lachen. Aus der Küche kamen ein paar Köpfe und Stella ging zu der Herrenrunde. "Was ist denn so lustig?", erkundigte sie sich. Marc und Michael hielten die Kästchen etwas höher und auch Stella begann zu lachen. "Zwei Doofe, ein Gedanke.", prustete sie und ging zurück in die Küche, wo man sie erwartend ansah. "Sorry, kann nix verraten. Weihnachtsgeschenk wär sonst hin." Sie wedelte sich mit den Händen Luft zu um sich wieder zu beruhigen. Peter kam ihr hinterher und zog sie wieder zurück. "Tut mir leid, aber sie ist mir etwas zu gefährlich hier, nicht dass sie noch was verrät." Er schmunzelte übers ganze Gesicht und die Damen sahen hin verständnislos hinter her.
Der Kaffeetisch wurde gerade abgedeckt, wobei diesmal sogar die nicht lädierten Herren halfen. Einige verschwanden danach nach draußen, andere in den Hangar. Langsam stapelten sich in einer Ecke ein paar Geschenke. Als dann wieder alle drinnen waren, bestimmte Herr Höppler, dass die Frauen mit dem verschenken beginnen sollten. Die berieten sich kurz. "O.k., Biggi als letzte. Dann fang ich an.", flüsterte Stella geheimnisvoll und die Ohren der Männer erreichten fast Elefantenohrengröße. Stella ging zu den Geschenken und nahm eins, ging zu Peter und gab es ihm. "Alles beste, was man dir momentan wünschen kann." Peter öffnete den Umschlag und holte drei Karten für Disneyland Paris heraus. "Damit wir ein richtiges Familienwochenende machen können.", kommentierte Stella das Geschenk. "Danke, mein Engel." Er gab ihr einen dicken Kuss und sie setzte sich auf seinen Schoß. "So, dass ist für dich, Papa." Anna reichte ihm ein Paket und Jens riss es vor lauter Spannung auf. "Ne neue Jacke. Oh danke, die ist wunderbar und mein Name und das Medilogo sind drauf." Anna zuckte mit den Schultern. "Na ja, deine letzte hat es ja zerrissen." Lisa stand auf, holte ein Päckchen und gab es Karin. "Ich hoffe es ist das richtige.", flüsterte sie ihr ins Ohr. Karin nickte und formte mit den Lippen ein Danke. Anschließend stand sie auf, was Michael fast einen Herzinfarkt einbrachte und ging zu ihm. "Ein bisschen Würde musst mir schon lassen, wenn ich das Geschenk noch nicht mal selbst kaufen konnte." Sie überreichte es ihm und er zog sie sogleich auf seinen Schoß. "Mein Lieblings-After-Shave. Du hast es nicht vergessen, danke." Damit drückte er ihr einen Kuss auf die Wange und sie zwinkerte Lisa und Laura zu. Gina stand bereits neben Marc und hielt ihm einen Umschlag hin. "Auch nach Disneyland?", fragte er schelmisch. "Nein, aber in die Richtung.", gab sie zurück. "Damit du dich endlich auskurieren kannst." Er hatte den Wink sofort verstanden. "Eine Kur nach Marseille." Sie grinste ihn an: "Richtig." Die anderen sahen die beiden überrascht an: "Marc, woher wusstest du das?" "In Marseille haben wir uns das erste Mal gesehen. Ich hatte eine Konferenz und Gina machte auf Putzfrau in dem Hotel.", erklärte er. "Ferienjob.", fügte sie hinzu. Lisa und Laura waren zum Geschenkestapel gegangen und holten von ganz hinten eine ziemlich große Tafel hervor. "Das ist für euch alle. Eine Photowand, wo ihr alle sehen könnt, die schönsten Momente festgehalten sind und die ihr noch weiter führen könnt.", erklärten die beiden und zogen das Tuch ab, welches noch darüber hing. Alle bedankten sich und manche, Biggi, Karin, Michael und Peter, hatten mit den Tränen zu kämpfen, als sie einige Bilder betrachteten. Jetzt schauten die Damen Biggi auffordernd an. "Also Enrico, mein Geschenk kannst du nicht sehen, noch nicht." Die Frauen rieben sich die Hände und beobachteten jede Regung in Enricos Gesicht. "Ich bin schwanger.", eröffnete Biggi ihm. Er starrte sie an und sein Mund öffnete sich langsam, aber kein Ton entwich ihm. "Enrico, brauchst du Sauerstoff?", fragte Marc, nachdem er bereits zwei Minuten so saß. "Ich....werde.....Papa. Ich werde Papa." Er sprang auf, hob Biggi hoch und drehte sich mit ihr. Vor Schreck fing sie an zu schreien, musste dann aber lachen. "Hat zwar gedauert, aber wenigstens ist er nicht wie Marc ohnmächtig geworden.", lachten Karin, Flo und Jens. Nachdem er sie wieder runtergelassen hatte, küssten sich die beiden. "Wir machen schon weiter Enrico.", sagte Flo und Enrico winkte nur mit der Hand. "O.k. Herr Höppler. Das ist für sie." Flo gab ihm ein Päckchen. "Wenn es ihnen nicht gefällt, können sie es ja zurückgeben. Ich war ehrlich gesagt etwas ratlos." In der Zwischenzeit hatte Höppi das Päckchen geöffnet und holte ein Metronom heraus. "Das ist doch gut. Mit Hilfe von solchen Dingern kann man wohl wunderbar einschlafen. Danke Herr Lenz." Man erkannte genau wie erleichtert Flo war, dass ihn Höppi nicht gleich den Kopf abriss. Aber niemand hätte mit ihm tauschen wollen. "Also, Max. Diese kleinen sind für sie." Max machte das Päckchen auf und man erkannte in seinen Augen Bewunderung. "Genau das hab ich gebraucht, neue Schraubenschlüssel und –zieher speziell für unser Baby. Phantastisch." "Na, ich hab mal einen Blick in den Werkzeugkasten riskiert.", gab Höppi zu. Als nächstes bekam Flo einen Gutschein für einen Fallschirmsprung, weil er Max damit schon seit Wochen in den Ohren lag. "So Mädchen, wir haben auch zusammengelegt und einen Gutschein für die neue Einkaufspassage von 500 Euro besorgt. Das heißt jeder von euch beiden, kann dort für 250 Euro in allen Geschäften einkaufen." Max überreichte Lisa und Laura den Gutschein und die beiden führten einen regelrechten Freudentanz auf. Oliver bekam darauf von seinen Eltern einen neuen Fußball und ein Riesenhundekuscheltier. Peter schenkte seiner Frau einen Wellnesstag. "Damit du dich mal von uns erholen und ausspannen kannst." Dem folgte ein dicker Kuss. "So für dich hab ich zwar kein Baby, aber ein Medaillon, wo du ein Photo von und rein machen kannst, so, dass, wir immer zusammen sind." Er legte Biggi die goldene Kette mit dem Medaillon um und sie bedankte sich wieder mit einem Kuss. "Ich weiß ja, dass du im nächsten Jahr eine längere Fahrt machen möchtest, mein Engel. Deswegen spendiere ich die ein Navigationgerät für das Auto, damit du auch wieder zu mir zurück findest." Anna umarmte Jens und bedankte sich: "Vielen, vielen Dank, Papi." Nun sahen sich Marc und Michael reichlich nervös an. Michael stand auf und setzte Karin auf den Stuhl, wo sie zusammen saßen. Er kniete sich vor sie und wartete nun auf Marc. Der fuhr vor Gina, die neben den Mädchen stand. Ungewiss, was jetzt kommen würde, starrten die beiden Frauen sich und dann die Herren vor sich an. Gleichzeitig holten sie die Ringe raus und fragten: "Willst du mich heiraten?" Beide blieben erstmal stumm. Karin fing schließlich an zu lächeln und umarmte Michael. "Ja, ich will." Sie küsste ihn sanft und er erwiderte es fordernd. Gina hingegen stand noch immer wie zur Salzsäule erstarrt. Michael und Karin blickten sie nun wartend an, als Gina plötzlich nach hinten kippte. "Oh Gott.", riefen alle. Aber Stella hatte sich voraussichtlich hinter sie gestellt und fing sie auf. "Ich hab es geahnt.", sagte sie lachend. "Sie hat mit allen gerechnet, nur nicht damit." Sie strich ihr ein paar Strähnen aus dem Gesicht. "Ich hol mal den Sauerstoff.", rief Flo und lief in den Hangar. Inzwischen legten Michael und Stella Gina auf das Sofa. Marc stellte sich mit dem Rollstuhl ganz dicht daneben und streichelte ihr über die Wangen. "Gina, hey, Süße, wach auf. Ich glaub es nicht, sie ist ohnmächtig." Flo kam mit dem Sauerstoff und sie hielten ihr den Schlauch unter die Nase. "Komm schon, meine Süße." Langsam öffnete sie die Augen und sah ihm genau in die Augen. "Da bist du ja wieder." "Mmhh." Sie schloß die Augen noch mal. Karin beugte sich nun auch zu ihr und fragte flüsternd: "Und?" "Ja, ich will.", beantwortete sie sowohl Karins als auch Marcs Frage. Darauf fuhr er mit seinen Händen durch ihre Haare und küsste sie liebevoll. "Wer sagt es denn?" Flo klatschte in die Hände. "Dann hätten wir ja bald zwei Hochzeiten und Nachwuchs.", stellte Höppler fest. Bis zum Abend redeten und scherzten sie noch viel. Sogar eine Schneeballschlacht konnten sie machen und ein Riesenschneemann wurde gebaut. Gegen halb acht fuhren sie ins Restaurant und ließen einen wunderbaren Heiligabend mit einem großartigem Weihnachtsdinner ausklingen. Anschließend verabschiedeten sie sich und fuhren jeder zu sich nach Hause und machten es sich dort noch etwas gemütlich. Lisa, Laura, Michael und Karin saßen noch lange im Wohnzimmer vor dem Kamin. Enrico fuhr mit Biggi in die Ferienwohnung, die sie gemietet hatten. Dort kuschelten sie sich in das warme Federbett und schliefen als bald ein. Auch Stella und Peter kehrten nach hause zurück. Oliver war bereits im Restaurant eingeschlafen, so, dass Stella ihn nur noch auszog und in sein Bettchen legte, an dessen Ende der große Plüschhund lag. Peter und sie selbst tranken zum Abschluß des Tages noch ein Gläschen Wein und zogen ein Resümee des Tages, gingen aber auch bald schlafen. Höppler brachte Max und Florian nach hause und landete wenig später selbst im Bett. Jens und seine Tochter fuhren noch eine Weile umher bis sie schließlich nach Hause kamen. Anna fiel sofort ins Bett, doch Jens saß noch lange in der Küche um über die Geschehnisse der letzten Wochen nach zu denken. Ihm wurde bewusst wie anstrengend der letzte Monat dieses Jahres gewesen ist. Zum selben Zeitpunkt resümierten auch Gina und Marc über dieses Jahr und vor allem den letzten Monat. Sie sammelten noch mal alle Ereignisse und stellten fest, dass es oft anstrengende, traurige, gefährliche, aber auf der anderen Seite gleich viele schöne, traumhafte und lustige Momente gegeben hatte. Es war ein Jahr gewesen, in denen Freundschaft und Liebe viel bedeuteten und sie hofften, dass jedes weitere Jahr auch so sein würde.
Copyright 2003: Kristina