Sabine Petzl zu Gast bei Monika Langthaler
Redaktion: Sie sind derzeit in den Wiener Kammerspielen in der Komödie Das verflixte siebente Jahr zu sehen. Wie kam es dazu, dass man Sie nach Jahren als TV-Moderatorin und Serien-Star plötzlich ans Theater holte?
Sabine Petzl: Das kann ich gar nicht so genau sagen. Ich glaube, es hatte sich einfach herumgesprochen, dass ich schon so ewig lange Theater spielen wollte, aber Jahre hindurch nie Gelegenheit dazu hatte.
Redaktion: Aber Sie sind doch schon einmal auf der Bühne gestanden...
Sabine Petzl: Ja, das schon. Aber das war sozusagen der Anfang. Ich habe mit Fernsehen angefangen, dann kam das Theater. Durch das Theater ist meine Agentur auf mich gekommen und damit kam dann die ganze Filmerei. Aber ich habe immer so eine Sehnsucht nach dem Theater gehabt. Als Schauspieler, der beides gemacht hat, weiß man, dass es einfach wirklich zwei verschiedene Paar Schuhe sind. Es ist ein Handwerk, aber zwei verschiedene Tätigkeiten - einfach von der Art zu spielen her. Bei diesem schnelllebigen, meistens sehr oberflächlichen Film-Gedrehe bleibt einfach eine permanente Sehnsucht nach dem Theater, weil es schon das Unmittelbarere, Direktere und Echtere ist.
Redaktion: Ist man als Schauspielerin bei Dreharbeiten wie etwa für die TV-Serie Medicopter, in der Sie als Pilotin zu sehen waren, eigentlich gefordert? Fühlt man sich wohl dabei, wenn alles so schnell und ruckzuck gehen muss?
Sabine Petzl: Das ist eine Action-Serie. Da steht Action über allem. Da kommt der Hubschrauber - in Verbindung mit dieser Action - dann kommt lange nix und dann kommen die Schauspieler. Beautiful People. Das ist sehr amerikanisch gemacht, sehr aufwändig, aber trotzdem mit sehr viel Liebe. Aber schauspielerisch ist es natürlich keine Herausforderung, das ist logisch. Ganz klar. Es ist eine Art, diesen Beruf auszuüben. Und jeder weiß, dass zum Beispiel mir persönlich der Medicopter von der Bekanntheit her alles gebracht hat. Klar hat's geheißen ja, die hat beim Kommissar Rex gespielt, und die war bei Dr.Stefan Frank und in vielen, vielen Serien. Aber Medicopter war Medicopter. Und das war der Aufreger. (lacht).
Redaktion: Was kann man sich in den Kammerspielen von Ihnen erwarten?
Sabine Petzl: Das Augenscheinlichste an der ganzen Geschichte ist einmal, dass man mich, wenn man nicht wüsste, dass ich mitspiele, zunächst gar nicht einmal erkennen würde. Das ist so lustig! Ich habe eine lange, rote Perücke, ein fast comic-haftes Silber-Divenkleid und Körbchengröße...na, was ist denn extrem? Also, sagen wir, 85, nein 178 Z. Jedenfalls (streckt die Arme vor der Brust aus und lacht) solche Dinger! Total ausgestopft! Also man würde mich gar nicht erkennen.
Redaktion: ...und wie sieht die Rolle aus?
Sabine Petzl: Es ist einfach schon so, dass, wenn man für eine Serie besetzt wird, viel mehr von einem selbst gefragt ist, eingebaut und reingeschrieben wird. In Medicopter da war schon auch viel Sabine drin, vom Typ her. Am Theater aber bist Du jemand komplett anderer. Im Verflixten siebenten Jahr bin ich eine total schräge, unsympathische, amerikanische 50er Jahre Tussi, die aber nur eine imaginäre Figur ist. Ich bin quasi ein Teil des schlechten Gewissens des Hauptdarstellers. Es ist schwer zu erklären...aber es gibt ja auch den gleichnamigen Billy Wilder Film mit Marilyn Monroe: Da ist der Typ, der zum ersten Mal nach sieben Ehejahren allein zu Hause in New York ist, weil seine Frau auf Urlaub fährt. Und in der Wohnung über ihm taucht ein junges Mädchen auf, das dort die Blumen gießen soll. Da fällt direkt neben ihm ein riesiger Tomatentopf von der oberen Terrasse, der ihn um ein Haar erschlagen hätte. Er verliebt sich total in das Mädchen und kriegt alle möglichen Fantasien, die bei uns am Theater mit Licht sehr gut gelöst sind. Wenn man in seine Traumwelt geführt wird, dann tauche ich eben auf. Ich habe eine ganz kleine Rolle, aber es ist wirklich sehr witzig und spannend
Redaktion: Ist vielleicht auch schon ein weiteres Projekt für dieses Jahr geplant?
Sabine Petzl: Ja, am siebenten August ist Premiere am Stadttheater Mödling. Da habe ich eine große Rolle neben Felix Dvorak. Das Stück heißt Paris ist eine Reise wert und ich spiele ein Call-Girl.
Redaktion: Sie mögen Theater also doch lieber als Fernsehen?
Sabine Petzl: Nein, ich mag eigentlich beides gern. Nur das Theater hat mir eben lange Zeit gefehlt. Aber es macht mir aber auch großen Spaß mit der Kamera zu spielen. Da musst Du schon ein bisschen ein Narziss sein, oder so veranlagt sein, dass Du es magst. Obwohl es auch viele Bühnenschauspieler gibt, die Kameras hassen.
Redaktion: Moderationen machen Sie nicht mehr?
Sabine Petzl: Doch, doch. Zum Beispiel grade erst beim Ärztekongress und in Alpbach.
Redaktion: Sie haben eine große Wandlung, eine Art Rückzug hinter sich: Sabine Petzl macht keinen Medicopter mehr, ist nicht mehr in Klatschspalten vertreten, wenn sie es vermeiden kann und tritt - außer bei Theaterproduktionen - kaum noch öffentlich in Erscheinung. War das Absicht?
Sabine Petzl: Ja, das war Absicht. Sabine Petzl ist jetzt eben nur bei ihrem Kind. Oder bei sich.
Redaktion: Und das hatte mit Ihren missglückten Beziehungen zu tun, oder?
Sabine Petzl: In jedem Fall.
Redaktion: Und jetzt ruhen Sie in sich?
Sabine Petzl: Noch lange nicht! Aber ich bin auf einem guten Weg.
Redaktion:Wie geht das?
Sabine Petzl: Ich habe einen Coach. Der nützt allerdings auch nur dann, wenn man wirklich will. Ich glaube einfach, dass das neun Zehntel aller Menschen da draußen brauchen könnten, weil jeder irgendetwas mit sich herumschleppt. Jeder. Das ist auch nichts Negatives. Es sind aber die Wenigsten irgendwann bereit, sich dem zu stellen und zu sagen So geht es nicht weiter. Ich hätte auch einfach so weiter machen können und sagen Trallala, der Nächste bitte. Oder einfach weiter arbeiten wie bisher. Es wäre ja locker gegangen. Aber ich wollte einfach nicht mehr. Das ist ja so ein ewiger Rattenschwanz. Es wäre immer so weiter gegangen und ich wäre immer wieder auf die Schnauze gefallen. Es hat sich sehr gut getroffen. Das Kind war der Auslöser. Da habe ich zum ersten Mal erlebt, wer ich bin. Was Echteres, Gewaltigeres gibt es nicht. Da kriegt man zumindest eine Ahnung, wer man wirklich ist.... (Sabine Petzls Handy läutet, sie nimmt ab und parliert in fließendem Polnisch).
Redaktion: Sie sprechen neben Englisch und Italienisch jetzt auch Polnisch?
Sabine Petzl: (lacht) Das hat sich so ergeben, weil die Frau, die auf mein Söhnchen aufpasst, mit Deutsch nicht so gut zurecht kommt. Mein Sohn kann auch schon Polnisch.
Redaktion: Zurück zum Thema: Wie findet man einen Coach, dem man vertrauen kann?
Sabine Petzl: Der ist mir empfohlen worden. Er heißt Hannes Musil und ist eine echte Wohltat. Er betreut auch viele andere Schauspieler. (greift nach einer süßen Kaffee-Beilage und beißt genüsslich zu).
Redaktion: Um diese Aida-Nougatschüsserl haben Sie explizit gebeten...?
Sabine Petzl: (lacht herzlich) Kennen Sie die? Die machen süchtig.
Redaktion: Haben Sie abgesehen davon auch noch eine andere Lieblingsspeise?
Sabine Petzl: Generell einmal: Süß! Mehlspeisen. Und Reis in jeder Form.
Redaktion: Sind Sie Vegetarierin?
Sabine Petzl: Nein, eigentlich nicht. Wie soll ich sagen? Ich würde locker als Vegetarierin durchgehen, aber wenn ich einmal wo bin, in einem Restaurant zum Beispiel, wo man mich nicht kennt und es vielleicht nichts Vegetarisches auf der Karte gibt, dann passt's auch nicht, wenn ich nur Beilagen bestelle. Sonst mache ich das oft. Da bestelle ich einfach einen Haufen Kartoffeln, Gemüse und vielleicht ein Spiegelei drüber. Aber wenn es eben nicht passt, dann bestelle ich ganz normal und merke dann, dass ich wieder nur die Beilagen esse und am Ende nicht weiß, was ich mit dem Fleischfetzen machen soll, der da noch liegt. Ich brauch es nicht. Ich kaufe auch keine Wurst. Nur ein bisschen, weil ich mir halt denke, dass mein kleiner Sohn das kennen lernen soll. Aber ich selbst esse sonst einfach sehr viel Käse, Milchprodukte, Nudeln und Reis.
Redaktion: Achten Sie beim Einkaufen darauf, ob die Sachen aus biologischer Landwirtschaft sind?
Sabine Petzl: Ja, schon. Da schau ich drauf. Als Konsument, der sich da nicht richtig hineinsteigert und nicht extrem dafür interessiert, weil ihm die Zeit fehlt, hat man ja leider nicht die Chance, wirklich zu überprüfen, ob das stimmt, was da drauf steht. Ich persönlich vertraue grundsätzlich einmal diesen Ja, natürlich Produkten. Da denke ich mir, da muss was dran sein. Ich kaufe nur diese Milch und wenn andere Karotten neben diesen liegen, nehm' ich die von Ja, natürlich. Oder wenn ich so in einem Gemüseladen einkaufe, dann frage ich ganz einfach, woher die Sachen kommen. Und ich glaube schon, dass man mich nicht beschummelt, in so einem ganz kleinen Laden.
Redaktion: Es gibt ja ganz bestimmte Logos, die Bio-Quälität garantieren...
Sabine Petzl: Ja, schon. Aber das können's ja nicht auf die einzelne Karotte drauf stanzen. Da kann im Karton ja doch wieder etwas anderes drin sein, oder? Also Eier zum Beispiel kaufe ich nur Freiland....
Redaktion: Wegen der Hühner oder wegen der Qualität?
Sabine Petzl: Wegen der Hühner! Na, wirklich! Jetzt sei einmal ehrlich: Ich würde doch in Wahrheit keinen Unterschied schmecken. Ich koche auch nur damit, ich esse die wenigsten so direkt als Ei.
Redaktion: Die artgerechte Tierhaltung ist Ihnen also ein Anliegen?
Sabine Petzl: Das ja.
Redaktion: Wenn Sie wüssten, dass etwas gentechnisch manipuliert wurde, würden Sie es dann essen wollen oder nicht?
Sabine Petzl: Ich würde mich schon umschauen, ob es das Gleiche nicht auch in unmanipuliert gibt. Man weiß es ja nicht.
Redaktion: Warum denn?
Sabine Petzl: Es ist mir einfach unheimlich. Ich hab nicht einmal eine Mikrowelle zu Hause, weil mir auch die unheimlich ist. Weißt Du denn genau, was das mit dem Essen macht? Ob das da drin was tötet? Genauso wie ich meinem Kind das Handy nicht ans Ohr halten will. Gut, manchmal lässt sich's nicht vermeiden, wenn der Papi anruft und er halt schnell mit ihm reden will. Aber immer wenn der Kleine das Handy in der Hand hat...ich weiß, es ist blöd. Aber es muss nicht sein, bei einem so kleinen Kind. Ich weiß, er wird später sicher ein Handy haben. Alle haben sie eins. Es wird mir vielleicht auch recht sein. Aber alle Wellen und unsichtbaren Dinge sind mir unheimlich.
Redaktion: Wenn Sie selbst kochen, was gibt's dann?
Sabine Petzl: Oh, viel. Zum Beispiel kann ich jetzt ganz viele Suppen, weil mein Kleiner so gerne Suppen mag. Und für ihn kaufe ich dann zum Beispiel auch Fleisch. Da habe ich so eine Radatz-Filiale in Hietzing, wo man mich immer sehr gut berät. Dann gibt's kleine Knöderl in der Suppe, aus Fleisch, Ei und einer alten Semmel. Wie Polpetti eigentlich.
Redaktion: Und das ist dann Bio-Fleisch?
Sabine Petzl: Doch, doch. Ich frage immer, wo es herkommt.
Redaktion: Wie definieren Sie Genuss?
Sabine Petzl: Zeit zum Essen! Das ist etwas, was ich oft sehr vermisse. Es ist auch eine Vermögenssache. Ich kann gar nicht schnell essen. Es schmeckt mir dann auch nicht.
Redaktion: Und was wäre Genuss abgesehen vom kulinarischen Bereich?
Sabine Petzl: Wenn ich mit meiner BMW durch eine Frühlingslandschaft fahre und riechen kann, wie alles aufwacht. Alles grün, der Himmel hellblau.
Redaktion: Zu guter Letzt die Frage nach der guten Fee. Wenn diese Ihnen jetzt drei Wünsche frei gäbe, was würden Sie tun?
Sabine Petzl: Das ist schwer! (lacht) Ich versuche ja bei so etwas immer ganz ehrlich zu sein. Also...zuerst wünsch ich mir, dass mein Kind einfach immer gesund ist. Und dann jeden Tag ein Nougatschüsserl von der Aida.... (lacht herzlich)....
Redaktion: Gar nichts Professionelles? Vielleicht so etwas wie eine Filmproduktion mit Martin Scorsese?
Sabine Petzl: Geh, die brauch ich nicht! (lacht) Aber ich bin ja dabei, dass ich an mir selbst arbeite. Und deshalb würde ich mir wünschen, dass ich mit meiner Arbeit an mir selbst so weit komme, dass ich gar keine gute Fee mehr brauche.
Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch!