Indigo
Team 1 Team 2
Thomas Wächter Gina Harland
Dr. Mark Harland Dr. Karin Thaler
Peter Berger Enrico Contini
Weitere Personen: Lisa und Laura Wächter, Biggi Wächter, Herr Ebensieder,
Max, Jens und Anna Köster, Stella und Oliver Berger, einige
Rückkehrer und ein neues Gesicht.
Anfang Mai wurde bei herrlichem Wetter auf der Basis eine wunderschöne Doppelhochzeit gefeiert. Thomas und Biggi, die schwanger ist, gaben sich das Ja-Wort da sie der Meinung sind das Baby sollte in geordneten Verhältnissen zur Welt kommen. Am meisten freuten sich aber Lisa und Laura darüber, sie wurden nun eine richtig große Familie.
Auch Mark und Gina hatten nach all den Schicksalsschlägen und Streitereien endlich zueinander gefunden und beschlossen den Bund fürs Leben einzugehen.
Zur Hochzeit waren Stella und Oliver aus Italien angereist. Zur großen Freude aller hatten sich Stella und Peter ausgesöhnt und wollten einen Neuanfang wagen. Stella hatte sich durch einige Erfahrungen positiv verändert und das Zusammenleben der Drei wurde wirklich zu einem Neubeginn.Ende Mai, Montagmorgen auf der Basis
"Hallo, guten Morgen ihr Urlauber" sagte Peter zu Mark und Gina die gerade durch die Tür hereinschlenderten. "Na wie waren euere Flitterwochen?"
"Na komm, erzähl schon," fragte auch Biggi ganz neugierig. Sie und Thomas waren gekommen um sich zu verabschieden. Nachdem Mark und Gina zurück waren wollten sie in die Flitterwochen fahren. Lisa und Laura würden die 2 Wochen Pfingstferien bei einer Tante verbringen so hatten sie Zeit für sich und konnten sich vor der Geburt (ihre Tochter sollte voraussichtlich Mitte September zur Welt kommen) nochmals erholen und die Zweisamkeit genießen.
Jens Köster würde die Vertretung für Thomas übernehmen. Für Biggi die nach ihrer Reha-Maßnahme schwanger geworden war und nicht mehr fliegen durfte war seit einem Jahr als Ersatz Gina im Team 2.
"Es war wunderschön, es gibt ja so viel zu sehen im Amerika, die Zeit war eigentlich viel zu kurz." Gina geriet richtig ins Schwärmen "Auf unserer kleinen Rundreise im Südwesten haben wir unter anderem den Grand Canyon, Bryce Canyon, Zion und Arches Nationalpark besucht. Die Sonnenauf- und –untergänge in dieser phantastischen Landschaft sind ja so schön. Ich hoffe die Bilder die wir gemacht haben werden genauso schön und können einen Eindruck vermitteln.
Los Angeles, Las Vegas und vor allem San Francisco sind sehenswerte und tolle Städte. Wenn ihr aus eueren Flitterwochen zurück seit können wir ja mal einen Bilder- und Erzählabend veranstalten. Und wo fahrt ihr Beide jetzt eigentlich hin?"
"Wir haben uns jetzt für die Ostsee, das heißt für die Insel Rügen, entschieden.
Ich möchte in Deutschland bleiben da ich manchmal doch noch Probleme habe mit der Schwangerschaft und vom Fliegen hat mir der Arzt auch abgeraten." sagte Biggi. "Aber uns ist die Erholung wichtig und ewig Fahren wollte ich auch nicht."
Mark sah Biggi besorgt an: "Wenn irgendetwas ist, Du weißt dass Du Karin und mich jederzeit anrufen kannst." "Hey, nur mach Dir mal keine Gedanken ich habe mir sagen lassen, dass das ganz normale Begleiterscheinungen sind wenn man Schwanger ist und ich bin ja nicht allein. Thomas ist manchmal fast wie eine Glucke." antwortete Biggi. "Ich glaube jetzt reicht es langsam, wir sollten uns auf den Weg machen, wir haben ja noch ein Stückchen vor uns, ich hoffe wir haben keine größeren Staus auf unserer Strecke. Also macht es gut und haltet die Ohren steif." sagte Thomas und ging mit Biggi zum Auto.
In diesem Moment öffnete sich die Tür zum Büro und Herr Ebensieder trat heraus mit einer etwas säuerlichen Miene: "Guten Morgen an Alle miteinander, ich habe eine schlechte Mitteilung. Herr Köster hat soeben angerufen, er steckt im Stau auf der A 9 vor München fest. Es hat eine Vollsperrung gegeben, aber er hofft bis Mittag da zu sein."
"Ich kann seinen Dienst übernehmen, das macht mir nichts aus, bin ja da." sprang Gina sofort ein. "Danke, ich weiß das sehr zu schätzen Frau Harland. Herr Köster hat versprochen uns auf dem laufenden zu halten." damit verschwand er wieder in seinem Büro.Mittagszeit auf der Basis
"Na, habt ihr Hunger??" fragte Gina. "Wenn Du uns eine Kleinigkeit kochst bestimmt" antworteten Mark und Peter gleichzeitig.
"So langsam müsste doch Jens auftauchen, oder?" Mark sah Peter fragend an.
"Er hat vor ca. 1 Stunde angerufen, der Stau hat sich aufgelöst und der Verkehr läuft wieder. Ich verstehe nicht warum er erst heute morgen gefahren ist, seine
Schulung war doch schon am Freitag zu Ende." rätzelte Peter.
"Alles spekulieren hilft nicht, er wird es uns bestimmt erzählen wenn er kommt"
sagte Gina und stellte eine Schüssel mit Gemüseeintopf auf den Tisch. " Es war ja heute morgen trotz allem sehr ruhig für uns. Ich glaube ich höre ein Auto".
Tatsächlich fuhr Jens Köster auf den Hof und parkte sein Auto. Er stieg aus und eilte in die Basis. "Hallo Leute es tut mir schrecklich leid dass ich zu spät komme, aber wenn ein Montagmorgen schon so anfängt. Erst ist mein Auto nicht angesprungen und dann der Stau." während er erzählte schenkte er sich ein Glas Wasser ein. "Warum bist Du eigentlich erst heute gefahren? Deine Schulung war doch schon am Freitag fertig?" Gina sah ihn fragend an. "Ursprünglich hatte ich das auch vor, aber ich habe jemanden kennen gelernt und wir wollten zusammen das Wochenende verbringen. Ich bin heute morgen sehr früh aufgestanden und hatte auch noch genügend Zeit eingeplant, aber zuerst mein Auto nicht an, ein Marder hat mir heute Nacht Kabel durchgebissen. Gott sei Dank konnte der ADAC schnell helfen und dann der Stau, damit hatte ich wirklich nicht gerechnet." Jens setzte sich seufzend auf das Sofa.
"Ich habe Deinen Dienst übernommen und wir hatten nur einen Einsatz heute morgen". "Danke Gina, ich mache heute Mittag Dienst und ab morgen kann es ja wieder normal laufen. Ich hoffe Ebensieder war nicht sauer." "Nein, da ich ja heute morgen sowieso da war, war das ja gleich gelöst. Ich will ja nicht neugierig sein, was heißt Du hast jemanden kennen gelernt?"
"Ja ja die Frauen, wollen doch immer alles ganz genau wissen" stichelte Mark.
In diesem Moment kamen Karin und Enrico durch die Tür da gleich Schichtwechsel war. "Wer hat eine neue Freundin?" fragte auch Karin gleich.
"Naja, ich habe auf der Schulung jemanden kennen gelernt, eine sehr nette und interessante Frau, Sie hat schon viel erlebt und durchgemacht. Wir haben uns sehr gut verstanden und viel erzählt, wir wollen uns wieder treffen, mal sehen vielleicht kann ja etwas daraus werden. Wenn es ihr Dienstplan zulässt will Sie am Wochenende kommen dann lernt ihr sie gleich kennen." schmunzelte Jens.
In diesem Moment ertönte das Signal und Karin, Jens und Enrico rannten zum Helikopter um zum Einsatz zu starten. Jens war fast ein wenig froh darüber dass er nicht noch mehr Fragen beantworten musste.
Die Frauen hatten das Thema dann wohl auch vergessen und die Woche verlief
mit wenig leichten Einsätzen relativ ruhig. Samstagmittag auf der Basis
"Danke Jens, dass Du mit mir getauscht hast, ich habe heute noch einiges zu erledigen, Spätschicht am Wochenende ist für uns Hausfrauen immer schlecht. Wir haben übrigens beschlossen heute Abend alle auf der Basis zu grillen, bietet sich bei dem herrlichen Wetter heute doch an und versüßt euch vielleicht die Spätschicht ein wenig. Außerdem haben wir dann die Möglichkeit Deine Bekannte
kennen zu lernen, die wollte doch heute kommen, oder?" Gina stand in der Tür und sah Jens fragend an. "Kein Problem Gina, Du bist ja auch ganz schnell für mich eingesprungen. Sabrina hat sich gestern gemeldet, sie kommt erst am Nachmittag, sie hat die Nachtschicht übernommen um übers Wochenende frei zu bekommen aber heute morgen auch kurzfristig noch einen Termin. Ich glaube nicht das sie was dagegen hat, ein kleines Problem könnte es allerdings schon geben, sie ist Vegetarierin. Hast Du vielleicht eine Idee Gina?" "Ich lass mir was einfallen, nun muss ich aber los." Gina drehte sich um und ging.
"Wer ist Vegetarier?" Karin kam gerade aus dem Umkleideraum und hatte den letzten Satz mitbekommen. "Sabrina, meine Bekannte, sie will heute kommen."
"Rettungsleitstelle an Medicopter 117 bitte kommen" "Hier Medicopter 117" antwortete Karin während Jens schon zum Helikopter rannte. "Mehrere Unfälle auf der Autobahn A8 zwischen München und Rosenheim sie werden um Unterstützung gebeten, Koordinaten während dem Flug." Karin und Enrico rannten zum Helikopter und Jens startete sofort. Während dem Flug erhielt Jens die Koordinaten und kurz darauf landete er neben der Autobahn.
"Da ist wieder für jemand der Urlaub vorzeitig beendet" meinte Enrico als sie ausstiegen. Karin ging sofort zum Fahrer der eingeklemmt hinter dem Steuer saß. Feuerwehrmänner waren gerade dabei die Tür aufzustemmen. Die Ehefrau und zwei Kinder saßen im Gras neben der Autobahn. "Können Sie mich verstehen, wo haben Sie Schmerzen?" Karin sprach den Mann an. "Ja, der Kopf und im Brustbereich". "Enrico den Stiffneck, wir brauchen die Trage und Jens soll uns für Rosenheim anmelden. Kümmere Dich bitte um die Frau und Kinder." Karin legte dem Mann den Stiffneck an und überließ es der Feuerwehr die Tür zu öffnen. Nach einer kurzen Untersuchung legten sie den Mann vorsichtig auf die Trage. Während Karin den Zugang legte und dem Mann ein Schmerzmittel verabreichte kam Enrico zurück. "Die Frau und Kinder sind glimpflich davon gekommen, ein paar Prellungen und Schürfwunden und bei der Frau scheint das Handgelenk verstaucht zu sein." "O.k., der Rettungswagen soll sie nach Rosenheim bringen. Wir haben bei dem Mann ein Schleudertrauma und schwere Prellungen im Brustbereich. Außerdem möchte ich Wirbelsäulenverletzungen ausschließen. Häng bitte noch eine Ringerlösung an."
Der Mann wurde in den Helikopter gebracht und sie starteten in Richtung Rosenheim. Als sie landeten übernahmen sofort Ärzte und Personal den Verletzten und so konnten sie gleich wieder starten.
"Leitstelle an Medicopter 117 bitte kommen" "Medicopter 117 hört" antwortete Jens "Fliegen Sie nochmals zur A 8 und übernehmen einen Schwerverletzten für die Klinik in München".
"Das scheint ja ein heißer Nachmittag zu werden" sagte Enrico. "Es wundert mich nicht, Reiseverkehr und dann noch dieses heiße Wetter, da lässt leicht die Konzentration nach und dann passieren solche Unfälle." Karin sah stirnrunzelnd aus dem Fenster auf die Autobahn.
Bei den angegebenen Koordinaten landete Jens und sie konnten den Schwerverletzten gleich übernehmen da die Erstversorgung bereits erfolgt war.
In München waren sie bereits angemeldet und die Übernahme erfolgte sofort nach der Landung.
"Medicopter 117 an Rettungsleitstelle, haben den Verletzten in der Klinik München abgesetzt, erbitten weitere Anweisungen." "Hier Rettungsleitstelle, die Verkehrssituation hat sich soweit geklärt das Sie nicht mehr benötigt werden, guten Heimflug." "Danke, Ende" seufzte Jens und startete. "Hoffentlich haben wir für heute Ruhe es ist schon wieder spät geworden. Ich hoffe Sabrina ist gut durchgekommen." "Wer ist den die geheimnisvolle Fremde?" wollte nun auch Enrico wissen. "Ich habe sie bei meiner letzten Schulung kennen gelernt. Was heißt kennen gelernt, ich hatte mich am Wochenende davor noch mit einem alten Kollegen in einer Bar getroffen und sie kam spät abends und hat mit den Musikern nach dem offiziellen Betrieb noch Musik gemacht. Sie spielte Klavier und sang. Nachdem mein Kollege gegangen war habe ich mich noch mit ihr unterhalten und wir fanden uns sehr sympathisch. Umso überraschter war ich am nächsten morgen sie unter den Schulungsteilnehmern wieder zu entdecken. Wir haben uns dann fast jeden Abend getroffen und viel erzählt, es ist eine schöne Freundschaft entstanden. Und wir haben beschlossen uns, soweit es geht, öfter zu treffen um uns näher kennen zu lernen. Eigentlich müsste sie schon da sein." Jens konnte die Basis bereits sehen. "Das müsste sie sein, am Bach die Frau mit dem roten Motorrad." Langsam setzte er die Maschine vor der Basis auf.
Alle stiegen aus. Während Karin und Enrico in die Basis gingen betankte Jens noch den Heli. "Hallo Max, kannst Du mal die Systeme durchchecken? Die Kontolllampe der Hydraulik hat mal ganz kurz aufgeleuchtet, vielleicht auch nur aufgrund der Temperaturen heute, einfach zur Sicherheit. Ist die Frau am Bach mit dem Motorrad schon lange da?" "Nein, ich habe das Motorrad vor etwa einer viertel Stunde gehört, sie hat gleich am Bach gehalten. Warum?" "Schon o.k., danke" antwortete Jens und lief in Richtung Bach.
Sabrina lag im Gras. Sie hatte einen Teil ihrer Motorradkleidung und die Stiefel ausgezogen und hängte die Füße ins Wasser. Als Jens von hinten über die Wiese kam und sie ansprach schreckte sie hoch. "Hallo, wie war die Fahrt?" Jens setzte sich neben sie "Du siehst irgendwie fertig aus, geht’s dir nicht gut?"
"Es war etwas anstrengend heute. Die Nachtschicht war zwar ruhig, ich habe ein paar alte Sachen aufgearbeitet, konnte heute morgen sogar noch 3 Stunden schlafen und bin dann auf die Beerdigung eines jungen Kollegen. Danach war ich noch kurz im Krankenhaus und bin anschließend auf die Autobahn wo ich einen Unfall miterlebt habe. Durch ein riskantes Überholmanöver eines Rasers ist ein Kleinbus mit Kindern schwer verunglückt. Ich habe bei der Bergung der verletzten Kinder geholfen, ich hoffe sie kommen alle durch, und dann wollte die Polizei noch die üblichen Zeugenaussagen. Deshalb bin ich auch so spät dran, über 5 Stunden auf der Autobahn und das bei der Hitze, mein Kreislauf hat mir jetzt etwas Probleme gemacht und ich wollte mich etwas abkühlen."
Jens sah sie besorgt an "Soll ich Karin fragen damit sie Dir was gibt?"
"Danke nein, ich brauche nur etwas Abkühlung, viel zu trinken und will noch etwas liegen bleiben, dann geht das gleich wieder." "Soll ich dir was zu trinken holen?" "Wenn es Dir nichts ausmacht, pures Wasser wäre toll, meine Flasche ist gleich leer." Sabrina sah ihn dankbar an. Er stand auf und lief zur Basis.
Inzwischen waren auch Gina, Mark und Peter mit Familie eingetroffen. Max hatte bereits im Grill die Kohle angezündet. "Wollt ihr nicht zu uns kommen, es kann gleich losgehen." fragte Max. "Last uns noch ein bisschen Zeit, Sabrinas ist etwas angeschlagen. Erst Nachtschicht, heute morgen eine Beerdigung und dann ein Unfall auf der Autobahn, ein Kleinbus mit Kindern, den sie mit angesehen hat. Sie hat bei der Bergung geholfen. Bei den Temperaturen in Motorradkleidung über 5 Stunden auf der Autobahn, sie sagt ihr Kreislauf ist etwas unten."
"Soll ich mitkommen und ihr etwas zum Stabilisieren geben?" fragte Mark gleich.
"Nein, will sie nicht, sie sagt mit etwas Abkühlung und viel trinken kriegt sie das schnell wieder in den Griff. Wir kommen bald." Er holte ein Flasche Wasser und lief zum Bach zurück. "Schön das Du da bist, und Du hast das Wochenende frei?"
"Ja, Gott sei Dank. Soweit nichts reinkommt, ich habe Rufbereitschaft und kann hoffentlich auch die Woche über dableiben. Wir sind momentan durch die vielen Einsätze etwas dünn besetzt. Und wie war Dein Woche und Dein Tag?" Jens erzählte ihr was die Woche über los war. "Hast Du bei Deinem Programm heute überhaupt schon was gegessen? Die ganze Mannschaft ist zum Grillen gekommen und um Dich kennen zu lernen." "Jetzt wo Du fragst, ich habe tatsächlich Hunger, also lass uns gehen." Sie standen auf und Sabrina schob ihre Maschine in Richtung Basis.
Im Büro klingelte das Telefon, Peter der gerade Getränke holte und in der Nähe stand meldete sich. Mit einem verdutzten Gesicht kam er kurz darauf zu den anderen und fragte: "Kennt jemand von Euch eine Frau Wagner? Eben hat ein Dr. Stein aus der Kinderklinik München angerufen und gesagt wir sollten ihr ausrichten das alle Kinder durchkommen werden." "Das muss die Bekannte von Jens sein, er hat vorhin erzählt sie hat heute bei einem Unfall mit Kindern auf der Autobahn geholfen." Mark sah Gina an "So langsam werde ich aber auch Neugierig auf die Unbekannte." "Jens hat vorhin ein bisschen erzählt, er kennt sich auch noch nicht all zu lange, ich bin auch mal gespannt" sagte Karin.
"Um allen Fragen und Spekulationen ein schnelles Ende zu setzen: Mein Name ist Sabrina Wagner, ich bin 45 Jahre alt, leite ein unabhängiges, internationales Sondereinsatzkommando in München und habe einige Spezialausbildungen. Aus diesem Grunde kann und will ich auch nicht viel über meine Arbeit reden." Etwas erschrocken drehten sich alle um, vor ihnen standen Jens und Sabrina. Sie war knapp 1,70 m groß, schlank und hatte eine gut durchtrainierte Figur, braune Augen und dunkelbraune kurze Haare. Wie sie so dastand barfuß, in einer roten Lederhose und mit dem nassen T-Shirt sah sie sehr attraktiv aus und jünger als sie sagte fand Enrico. Mit einer lässigen Bewegung schob sie ihre Brille auf der Nase zurecht und musterte alle.
Jens stellte Sabrina alle Teammitglieder vor und sie begrüßten sich jeweils mit einem Händedruck. "Ich soll Dir von einem Dr. Stein ausrichten das alle Kinder durchkommen werden und er hat sich noch bedankt für Deine Hilfe." Sagte Peter als er ihr die Hand gab. "Danke, wenigstens noch eine gute Nachricht heute." man merkte ihr die Erleichterung an. Etwas erlösend rief Max aus dem Hintergrund: "Die Steaks und Würstchen sind fertig!" Sie setzten sich und während dem Essen löste sich die Anspannung. Es wurde viel gescherzt und gelacht. "Wer hat eigentlich so nett an mich gedacht? Gemüsespieße waren eine tolle Idee" fragte Sabrina. "Das war Gina, mir hat das übrigens auch geschmeckt." antwortete Jens. "Danke Gina, das war echt super, ich glaube ich wäre sonst verhungert." "War gar kein so großes Problem und ich fand es auch gut mal was Alternatives zu haben. Warum bist Du eigentlich Vegetarierin?" "Na ja, das ist eine lange Geschichte, ich versuche es kurz zu fassen. Vor über 20 Jahren wurde ich krank, die Diagnose "Colitis ulcerosa (chronische Dickdarmentzündung) hat mich damals total aus der Bahn geworfen. Zumal es sich sehr schnell gezeigt hat dass ich die üblicherweise eingesetzten Arzneimittel nicht vertragen habe. Dadurch habe ich mich sehr intensiv mit der Krankheit auseinander gesetzt, es gibt da ja verschiedene Theorien unter anderem die Unverträglichkeit von Lebensmitteln. Ich habe dann festgestellt dass ich extrem auf Fleisch und Eier reagiere und sie weggelassen und die Krankheit damit und mit Naturheilmitteln gut in den Griff bekommen. Eine komplette Ernährungsumstellung haben wir dann aber gemacht als bei meinem Sohn mit knapp 2 Jahren eine Überempfindlichkeit auf jegliches tierisches Eiweiß festgestellt wurde. Auch nach seinem Tod bin ich dabei geblieben." Mark hatte interessiert zugehört. "Das ist interessant und du hattest keine Rückfälle oder Beschwerden?" "Doch, schon, vor allem wenn ich mich mit der Ernährung nicht halte oder extrem viel Stress habe, aber ich habe meine Präparate die sehr gut anschlagen wenn ich merke das was im Kommen ist. Mit der Zeit lernt man auf seinen Körper zu hören." Sabrina sah Mark an das er noch eine Frage hatte sich aber irgendwie nicht traute "Ich sehe Dir an das Du noch mehr wissen willst. Wenn ich nicht antworten will werde ich es schon sagen." "Naja, woran ist Dein Sohn gestorben an der Eiweißallergie?" kam es zögernd von Mark. "Nein, er ist vor 10 Jahren bei einem Bombenanschlag im Urlaub ums Leben gekommen" Sabrina blickte ins Leere. "Entschuldigung" "Schon in Ordnung, ich kann inzwischen gut damit umgehen. Mein Mann ist damals auch gestorben, ich habe danach alle Brücken zu meinem alten Leben abgebrochen und nach einiger Zeit komplett neu angefangen. Vielleicht können wir ein andermal darüber reden."
"Sag mal wo wohnst Du eigentlich?" fragte Jens und sah Sabrina wissend an, er konnte ihr somit beim Themawechsel helfen. "Wir haben in Traunstein eine Dienstwohnung die wir zum entspannten Arbeiten und für Kurzurlaub nutzen.
Ich wünsche mir mal wieder eine Nacht in Ruhe durchschlafen zu können und habe die Hoffnung dass ich vielleicht ein paar Tage hier bleiben kann. Wobei Rufbereitschaft selten ruhig verläuft und bei Notfällen sofort endet."
In diesem Moment kam Oliver anmarschiert und meinte "Deine Jacke piept"
Sabrina sah ihn an und fuhr im liebevoll durchs Haar "Danke kleiner Mann, das bedeutet wahrscheinlich wieder Arbeit" sie stand auf und ging zu ihrem Motorrad auf dessen Sitz ihre Jacke hing. Aus der Tasche zog sie einen Piper und schaute stirnrunzelnd auf die Nummer. "Könnte ich bei Euch mal telefonieren?" "Klar, ich zeig Dir wo das Telefon ist" Jens stand auf und ging mit ihr zum Büro.
"Die Frau scheint ja wirklich schon einiges hinter sich zu haben, das sieht man ihr auf den ersten Blick gar nicht an." sagte Mark zu Gina. "Ich würde mich gerne noch mal weiter mit ihr über die Erkrankung unterhalten, sie scheint da ziemlich viel Erfahrung und Wissen zu haben. Vielleicht lässt sich das ja auch in anderen Fällen erfolgreich anwenden."
"Wenn ich Sabrina richtig verstanden habe ist sie ja ein paar Tage hier, da ergibt sich sicher die Gelegenheit noch mal. Da kommt wohl mal wieder die wissenschaftliche Neugierde durch?" erwiderte Gina und schmiegte sich an Mark.
Sabrina wählte eine Nummer und meldete sich "Hallo Norbert, was ist los?"
Sie hörte einige Zeit zu bis sie sagte "So wie es sich anhört komme ich da nicht drum herum. Also sage zu, sorge bitte dafür das mich Felix Sonntagabend mit dem Heli an der Basis abholt. Am Besten so gegen 22 Uhr, dann hat er gleich die Möglichkeit einen Nachtflug zu trainieren. Also dann bis Montag, Tschüß".
Seufzend legte sie den Hörer auf. "Das war´s dann wohl mit den freien Tagen."
Jens stand vom Sofa auf und nahm sie in den Arm und sie gingen gemeinsam zu den anderen zurück "Das klappt schon mal, ich muss ja auch arbeiten."
Sie setzten sich zu den anderen. Sabrina grinste plötzlich und schüttelte den Kopf. Jens sah sie an "Was ist los?" "Diesmal hat er mich eiskalt erwischt" "Wer?" "Hmmm,... wie erklär ich das? Ich war vor 5 Jahren im Rahmen eines Austauschprogramms in Russland und der Mann, Igor Drischenko, der sich damals für das Programm in Russland stark gemacht, wollte mich immer mal zu offiziellen Anlässen in einem Kleid sehen. Ich habe mich standhaft geweigert, da ich eine absolute Abneigung gegen Kleider und Röcke habe. Jetzt sollen wir für eine russische Delegation des Aussenministeriums die nach München und Wien kommt für 5 Tage den Personenschutz übernehmen. Da ich im Moment die Einzige im Team bin die da ist und die fließend russisch spricht soll ich auch noch dolmetschen. Das wäre ja auch kein Problem, das ist nur diese Operngala am Freitag mit Kleiderzwang." "Verstehe ich nicht, was ist das Problem?" meldete sich Peter zu Wort. "Naja, es ist eine Traditionsveranstaltung und Frauen müssen da Ballkleider tragen. Damit käme ich ja gerade noch zu recht, aber ich habe noch nicht die leiseste Ahnung wie ich eine kugelsichere Weste und ein Ballkleid sinnvoll kombinieren soll. Und kannst Du Dir vorstellen wie man mit Stöckelschuhen eine Verfolgungsjagd macht und wo ich meine Waffe hin stecken soll?" etwas hilflos hob sie die Hände und sah ihn schmunzelnd an und plötzlich mussten alle lachen. "Auf jeden Fall kann ich meine Zeit hier bis morgen Abend noch genießen, die Rückfahrt kann ich mir sparen, ich werde abgeholt."
"Peter ich glaube wir sollten uns auf den Weg machen, Oliver muss langsam ins Bett" sagte Stella. Es war tatsächlich schon dunkel geworden und auch die Spätschicht war zu Ende.
Die drei verabschiedeten sich und der Rest saß noch eine Weile zusammen. Sabrina hörte den Geschichten der Anderen zu und genoß den Abend.
Gegen Mitternacht verabschiedete sich auch der Rest. Sabrina und Jens saßen noch eine Weile auf einer Bank und schauten nach den Sternen "Du bist vorhin so schweigsam geworden, was ist los." Jens sah sie von der Seite an. "Es war ein sehr schöner Abend, ich finde ihr habt eine tolle Gemeinschaft. In den letzten 2 Jahren habe ich mich so in meiner Arbeit vergraben das ich schon fast nicht mehr wusste wie das ist. Selbst Urlaub habe ich mir nicht gegönnt, heute habe ich gemerkt dass mir etwas gefehlt hat. Vor allem habe ich Lust bekommen mal wieder Dinge an die ich schon lange nicht mehr gedacht habe und die mir immer viel Spaß gemacht haben. Ich bin ins Grübeln gekommen und muss über einiges Nachdenken, vielleicht können wir morgen darüber reden." "Ja es war ein schöner Abend, ich freue mich dass es Dir gefallen hat. Habe ich Dir eigentlich gesagt wie sehr ich Dich vermisst habe? Die Gespräche mit Dir und Deine Gegenwart, es ist als ob wir uns schon ewig kennen." Jens spürte ein seltsames Knistern, aber er hatte gleichzeitig das Gefühl er dürfe nichts überstürzen. "Ich glaube wir sollten auch nach Hause gehen" sagte sie plötzlich, ihr war klar geworden das dies über eine Freundschaft hinaus wuchs und sie die Situation bald klären musste, aber nicht heute. "Wann hast Du morgen Dienst?" "Ab 6 Uhr bis 14 Uhr, dann habe ich frei". "Gut, dann komme ich sobald ich ausgeschlafen habe und hole Dich ab. Hast Du Lust auf eine kleine Tour mit dem Motorrad? Ich bringe Dir auch einen Helm mit" "Mal sehen, ich glaube wir sollten abwarten wie das Wetter wird." Sie zog den Reißverschluß ihrer Jacke zu, sah ihm noch tief in die Augen und setzte den Helm auf. "Gute Nacht, schlaf gut", dann fuhr sie in die Nacht.
Jens blickte ihr noch lange nach bis auch er nachdenklich nach Hause fuhr.Sonntag morgen auf der Basis
"Guten Morgen allerseits, hier riecht es ja schon toll nach Kaffee" Jens schenkte sich eine Tasse ein und setzte sich auf Sofa. "War wohl eine kurze Nacht" fragend sah ihn Peter an.
"Ich weiß gar nicht was Du denkst, wir verstehen uns sehr gut und haben eine tolle Freundschaft. Und um Missverständnisse auszuschließen, ich habe in meinem eigenen Bett und alleine geschlafen." Jens sah ihn etwas sauer an "Ihr könnt manchmal ganz schön nervig sein." Er stand auf und ging sich umziehen.
Mark sah Peter an "Ich glaube wir sollten ihn mit dem Thema in Ruhe lassen. Sie wollen wohl beide nicht über alles reden, ich habe das Gefühl da steckt mehr dahinter als wir im Moment wissen sollen."
"Rettungsleitstelle an Medicopter 117" "Medicopter 117 hört" meldete sich Mark "Schwerer Unfall auf der Landstraße Richtung Rosenheim, sie erhalten die Koordinaten während dem Flug". Jens hatte den Ruf gehört und rannte sofort zum Helikopter und startete, Peter und Mark sprangen hinterher.Sonntag gegen 11 Uhr auf der Basis
"Hallo Max, sind sie noch unterwegs?" Max sah von seiner Arbeit auf, Sabrina stand vor ihm. "Sie sind heute morgen schon früh zu einem schweren Unfall auf der Landstraße gerufen worden, scheint etwas länger zu dauern." "Kann ich Dir was helfen oder mich nützlich machen?" "Danke für das Angebot. Sag bloß Du kennst Dich mit der Technik aus?" "Ein wenig, ich war viele Jahre im Ausland und habe die unterschiedlichsten Sachen gemacht, vor allem gab es nicht immer eine Werkstatt in der Nähe wenn ein Auto gestreikt oder die Flugzeuge mucken machten. Oft war es auch schwierig passende Ersatzteile zu bekommen. Da habe ich immer den Mechanikern über die Schulter gesehen und mit der Zeit auch gelernt selbst nötige Reparaturen auszuführen." "Da kann ich im Notfall ja mal auf Dich zurück greifen." "Gerne, jederzeit wenn ich da bin. Ich gehe runter zum Bach." damit schlenderte sie davon. Zur gleichen Zeit im Hubschrauber
"Oh man, das war ganz schön heftig, ich hoffe das war´s für heute" sagte Peter
als er die hintere Tür schloss. In diesem Moment kam auch Mark aus dem Krankenhaus. Jens startete und flog zurück zur Basis. "Ich freue mich jetzt auf den Dienstschluß es ist fast 12 Uhr, wir haben es bald geschafft. Was habt ihr denn vor heute Nachmittag? Kommt jemand mit ins Schwimmbad?" Peter versuchte ein Gespräch in Gang zu bringen. "Gina hat ja Dienst, da bleibe ich auf der Basis und schreibe gleich noch den Bericht" antwortete Mark.
Jens konzentrierte sich auf den Flug und gab keine Antwort. Nach der Landung
gingen Mark und Peter gleich in die Basis wo inzwischen Stella mit Oliver und Gina eingetroffen waren. Max kam aus dem Hangar "Lauf zum Bach, Dein Mädchen ist da, sie wartet auf Dich, ich betank den Heli." "Danke Max"
Er rannte fast zum Bach, so als ob er froh wäre weg zu kommen. Von weitem sah er Sabrina, sie hatte sich am Bach unter einen Baum in den Schatten gesetzt, die Beine zum Schneidersitz verschränkt und meditierte. Ihre Gesichtszüge wirkten sehr entspannt. Licht spiegelte sich in ihren Haaren und auf ihrer Haut. Wunderschön sah sie aus und in diesem Augenblick wusste er, er hatte sich verliebt. Aber konnte er ihr das sagen? Da waren Dinge die unausgesprochen waren und er hatte das Gefühl das da auch noch eine Mauer war die zwischen ihnen stand. Er setzte sich leise neben sie und sah sie an. Sie schlug die Augen auf als ob sie seine Nähe und die Bewegung gespürt hätte. "Wo warst Du?" "Weit weg an einem wunderschönen Ort und habe Zwiesprache gehalten, das hilft mir um mit einigen Dingen klar zu kommen. Hast Du noch lange Dienst?" "Nein, in einer halben Stunde ist Schluß, ich hoffe es kommt kein Einsatz mehr, war ein schwerer Unfall heute morgen. Hast Du gut geschlafen?" "Wie ein Murmeltier, die Luft hier draußen scheint mir sehr gut zu tun." "Komm setz Dich zu mir, Du siehst müde aus, die werden sich schon melden falls sie Dich brauchen." Er setzte sich ins Gras und sie zog ihn zu sich damit er mit seinem Kopf auf ihrem Schoß lag. Lange sah sie ihn an und sagte nichts. Jens genoß den Augenblick und schwieg weil er den Moment nicht zerstören wollte.
"Ich glaube, ich sollte Dir ein paar Dinge erklären" fing Sabrina nach einiger Zeit an. "Aber eine Frage musst Du mir vorher noch ehrlich beantworten: Hat Norbert eigentlich etwas zu Dir gesagt?" "Er hat mich am letzten Tag angesprochen und gebeten Geduld zu haben und dich nicht zu bedrängen. Er sagte auch ich solle nur mit Dir zusammen bleiben wenn ich es ernst meine weil er nicht möchte das Dir jemand weh tut. Ich habe das zwar nicht ganz verstanden, aber es akzeptiert." "Das sieht ihm gleich, er versucht mich auf eine gewisse Art und Weise zu beschützen. Ich habe Dir bereits einiges erzählt über meine Reisen und Ausbildung aber es gibt da noch ein paar Dinge die Du wissen sollst, dann verstehst Du auch seine Reaktion besser." Sie hielt inne und blickte lange auf das Wasser. "Wenn es Dir schwer fällt, es ist nicht so wichtig" meinte Jens. "Ich denke schon. Vor allem sollst Du wissen das ich sehr gern mit Dir zusammen bin und mich seit langem auch mal wieder etwas entspannen kann. Wenn wir zusammen sind tut mir das sehr gut, aber ich habe auch große Angst. Angst wieder einen Menschen näher an mich heran zu lassen und ihn zu verlieren. Jedes Mal wenn ich das in den vergangenen Jahren getan habe, habe ich die Menschen verloren die ich geliebt habe. Nach dem Tod meines Mannes und Sohnes habe ich vor 4 Jahren wieder jemanden gefunden. Er und noch zwei Andere waren mit der Auslöser für die Gründung unserer Organisation. Vor etwas mehr als zwei Jahren haben wir einen Auftrag in Nordkorea erhalten den wir auch erfolgreich abgeschlossen haben, allerdings geriet er dabei in einen Hinterhalt. Bei dem Versuch ihn zu befreien geriet ich auch in Gefangenschaft. Als ich nach 10 Wochen befreit wurde haben meine Leute auch Bernd gefunden, er war tot. Danach habe ich eine Mauer um mich aufgebaut, mich in die Arbeit für die Organisation vergraben und niemanden mehr an mich ran gelassen." Sie machte eine Pause und Tränen rannen ihr über das Gesicht.
Jens nahm sie ganz fest in den Arm und lies ihr Zeit, ja jetzt konnte er einige Dinge besser verstehen, wobei er fühlte das es da noch mehr gab was sie ihm, warum auch immer, noch nicht sagen wollte und er wusste wenn er sie nicht verlieren wollte musste er ihr mehr Zeit lassen dann konnten sie alle Hindernisse überwinden. "Wir kennen uns nun schon einige Zeit und haben uns viel erzählt. Du hast viele Reisen gemacht, hat viel gelernt und dabei auch eine harte Schule durchgestanden. Da sind Dinge die Dich sehr verletzt haben aber ich liebe Dich so wie ich Dich kennen gelernt habe. Du musst mir nicht alles erzählen, lass die Vergangenheit ruhen und fange mit mir neu an. Ich werde Dich nicht drängen, nimm Dir die Zeit die Du brauchst." Er hatte ihr Gesicht in seine Hände genommen und sah ihr tief in die Augen, dann gab er ihr einen zärtlichen Kuss auf die Stirn und sie schmiegte sich an ihn. "Danke, Du gibst mir Geborgenheit und Kraft." Lange saßen sie noch zusammen am Bach.
Sie hörten den Helikopter, Gina, Karin und Enrico mussten zu einem Einsatz.
"Sag mal hast Du eigentlich keinen Hunger? Ich habe uns einige Sachen für ein Picknick zusammen gerichtet, wollen wir hier bleiben oder ein Stück weg fahren?" "Wegfahren kostet Zeit, wir sollten hier bleiben, es ist ein schönes Fleckchen." Gemeinsam holten sie die Sachen aus der Basis. Mark der über seinem Bericht saß sah kurz auf und beschloss dann sie in Ruhe zu lassen.
Zurück am Bach genossen sie ein reichhaltiges und abwechslungsreiches Picknick.
"Sag mal, kann es sein das Karin einen Menschen sehr vermisst?" "Ja, woher weist Du das?" fragte Jens etwas irritiert. "Nenn es weibliche Intuition und ich habe es einige Male an ihrem Blick gesehen. Kannst Du mir etwas darüber erzählen?" Jens erzählte die Geschichte über den Vorfall mit Michael und der Russenmafia und von Dirk und dem Zeugenschutzprogramm. Darüber verging der Nachmittag und es wurde Abend. Sie waren so in ihre Gespräche und ihr Beisammensein vertieft das sie von ihrer Umgebung nichts mehr wahrnahmen.
Dann setzte die Dämmerung ein und Sabrina spürte mit traurigem Herzen das sie bald Abschied nehmen musste. Sie standen auf und gingen langsam zurück zur Basis. Plötzlich blieb sie stehen, sie zögerte "Jens, ich glaube, ich habe mich in Dich verliebt. Ich bin so gerne mit Dir zusammen und möchte am liebsten gar nicht weg gehen, aber ich habe auch große Angst davor." Er nahm sie in den Arm und langsam näherten sich ihre Lippen bis sie zu einem langen Kuss verschmolzen.
Da hörten sie auch schon einen Helikopter der zur Landung ansetzte.
"Schade ich muß los, ich werde Dich anrufen und versuche am nächsten Wochenende wieder hier zu sein. Du wirst mir fehlen." "Du mir auch, halt Dich tapfer und bring mir ein Bild von Dir mit im Ballkleid." Sabrina versetzte ihm einen Knuff in die Rippen und lachte. Sie stieg in den Helikopter und erst dort ließ sie seine Hand los. Er zog sich zurück damit sie starten konnten und blickte ihr noch lange nach bis sie am Horizont verschwunden war.
Karin hatte die Szene von der Basis aus beobachtet und freute sich für Jens das er endlich jemanden gefunden hatte. Sie nahm sich vor ihn vorsichtig darauf an zu sprechen wenn sich die Gelegenheit ergab.Fünf Tage später
Sie hatten eine anstrengende Woche mit vielen Einsätzen die ihnen kaum Zeit ließen für Gespräche oder Diskussionen. Meist waren sie am Schichtende erschöpft und fuhren schnell nach Hause. Die Pfingstferien mit dem erhöhten Verkehrsaufkommen und den vielen leichtsinnigen Urlaubern auf Bergtouren forderten ihren Tribut.
Am Freitagmittag kurz bevor Jens die Wohnung verlassen wollte klingelte das
Telefon. "Köster, guten Tag" meldete er sich. "Hallo hier ist Sabrina, ich habe gerade etwas Luft und wollte mich nochmals melden. Ich bin leider etwas spät, tut mir leid." "Hallo mein Sonnenschein, es ist schön das Du es noch geschafft hast" "Du bist auf dem Sprung, ich weiß das, darum will ich mich kurz fassen.
Was würdest Du sagen wenn ich morgen zum Frühstück bei Dir bin? Wann soll ich kommen und was soll ich mitbringen?" "So gegen 9 Uhr und bring 6 Brötchen mit, den Rest habe ich da. Wie kommst Du her?" Mit dem Zug und dem Taxi, ich habe ja noch meine Maschine auf der Basis." "Meinst Du es ist möglich das Du Deine Schicht am Sonntag tauschst? Ich möchte mit Dir und Karin etwas besprechen."
"Ich denke schon, Gina und Mark haben bestimmt nichts dagegen. Welchen Grund soll ich Karin nennen?" "Will ich nicht verraten, sagen ihr ich hätte da ein Problem das ich mit einer Ärztin besprechen will, Frauengeschichten eben." "Ich vermisse Dich und freue mich auf morgen, mach´s gut." "Du auch, bis morgen, ich freue mich auf Dich." Er legte auf und ging zur Tür. Jeden morgen hatten sie telefoniert und er hatte das Gefühl die Tage vergingen viel leichter wenn sie miteinander gesprochen hatten. Es war spät geworden und er beeilte sich zur Basis zu kommen, dann konnte er vielleicht noch den Schichtwechsel für Sonntag besprechen.
"Hallo Leute, wie war der Morgen?" begrüßte er alle als er die Basis betrat.
"Anstrengend wie schon die ganze Woche, wir machen uns gleich auf den Weg."
antwortete Gina. "Gina ich hätte eine große Bitte an Dich, Anna kommt am Sonntagnachmittag aus den Ferien zurück und Sabrina kommt auch übers Wochenende, sie hat am Sonntagabend irgendetwas geplant, frag mich nicht was. Könnten wir vielleicht den Dienst tauschen?" "Von meiner Seite o.k., wenn Ebensieder nichts dagegen hat, wir wollen der jungen Liebe ja nicht im Wege stehen."
"Höre ich da leisen Spott in der Stimme" fragte Jens etwas irritiert. "Nein Jens, wir freuen uns alle für Dich und wünschen Euch alles Gute." Sie gab ihm einen freundschaftlichen Kuss auf die Wange und ging zur Tür hinaus.
"Also ich habe auch nichts dagegen" kam es von Mark. "Aber Du musst zugeben ein wenig geheimnisvoll ist euere Beziehung schon." "Du hast ja Recht Mark, aber aufgrund ihres Jobs kann sie nicht über alles reden und sie hat auch jede Menge Verantwortung. Dazu kommt noch das sie im Moment fast pausenlos im Einsatz sind, teilweise mit 12 Stundenschichten um alles zu bewältigen. Urlaub hat sie seit 2 Jahren nicht mehr gemacht. Sie gönnt sich kaum Freizeit um ihren Kollegen die Familien haben ab und zu etwas Luft zu lassen. Deshalb freue ich mich auch sehr das es jetzt schon das zweite Wochenende hintereinander klappt. Ich weiß einiges von ihrer Arbeit, ihren oft schwierigen Einsätzen auch im Ausland und mache mir deshalb viele Gedanken und ein wenig Sorgen um sie. Es tut mir leid das ich nicht mit Euch darüber geredet habe." "Wir hatten alle viel um die Ohren in letzter Zeit mach Dir mal keine Gedanken, wenn es wieder ruhiger wird sieht man das alles wieder mit anderen Augen. Es ist schön das Du einen Menschen gefunden hast mit dem Du gerne zusammen bist. Sie hat auch auf mich einen tiefen Eindruck hinterlassen, sie ist ein interessanter Mensch." Karin kam gerade aus der Dusche. "Nach einem Abend kann man nicht erwarten dass einem alles erzählt wird, sie muss uns ja auch erst kennen lernen." "Danke Karin für Dein Verständnis. Ich soll Dich übrigens für Sonntagabend einladen, sie möchte etwas mit Dir besprechen, Frauengeschichten und sie will das mit einer Ärztin besprechen, mehr hat sie nicht verraten. Vielleicht erfährst Du ja morgen mehr, sie kommt wieder übers Wochenende her."Samstagmorgen bei Jens
Pünktlich um 9 Uhr klingelte es und Sabrina stand mit einer Tüte Brötchen vor der Tür. Er war früh aufgestanden und hatte da ja auch Anna zurück kam am Wochenende die Wohnung auf Hochglanz gebracht. Der Tisch war gedeckt und er hatte sogar noch Blumen besorgt.
Sie unterhielten sich über die Erlebnisse der Woche und genossen das gemeinsame Frühstück. Viel zu schnell verging die Zeit bis Jens sagte: "Schade, es ist schon Mittag und ich muß mich auf den Weg zur Basis machen. Ich würde das am liebsten jeden Tag machen." "Kommen nicht am Wochenende Thomas und Biggi zurück? Und was machst Du dann, hast Du frei oder bist Du schon wieder woanders eingesetzt? Vielleicht können wir ja zusammen ein paar Tage Urlaub machen. Meine Leute sind soweit alle von ihren Einsätzen zurück und sie gönnen mir glaube ich nach fast 2 Jahren ein wenig Urlaub." "Bisher habe ich noch keinen neuen Einsatzort genannt bekommen, ich glaube Urlaub würde mir auch gut tun, wäre wirklich eine tolle Sache." Jens strahlte sie an, darauf hatte er nicht zu hoffen gewagt. "Kannst Du mich zur Basis mitnehmen, ich will meine Maschine holen und noch einiges einkaufen."
Gemeinsam fuhren sie zur Basis. Nach einer kurzen Begrüßung zogen sich alle schnell um und auch Sabrina ging gleich zu ihrem Motorrad. "Wenn Du nach Deinem Dienst noch Lust hast kannst Du ja noch zu mir kommen, die Maisonett-Wohnung am Ende der Kirchgasse Nummer 33. Ruf mich kurz an wenn es klappt, dann mach ich uns noch was zu essen. Die Nummer ist 4537." Sie wollte noch etwas sagen, aber in diesem Moment kam der Alarm und er musste zum Einsatz.Später Abend in Sabrinas Wohnung
Es war schon fast 22.30 Uhr als Sabrina ein Auto hörte. Sie ging auf den Balkon uns entdeckte Jens, über die Treppe ging sie ihm entgegen um ihn zu begrüßen.
Beim gemeinsamen Abendessen überlegten sie wo sie ein paar Tage Urlaub zusammen verbringen konnten. "Wann musst Du morgen früh los? Möchtest Du hier übernachten?" fragte Sabrina "Von hier aus bin ich recht schnell auf der Basis, so ca. 20 Minuten vor 6 Uhr." antwortete Jens und zögerte "Möchtest Du das wirklich?" "Ich würde Dir vorerst noch das Gästezimmer anbieten, sei mir bitte nicht böse." "Bin ich nicht, wir haben Zeit." Sie küssten sich lang und innig und gingen dann jeder in sein Bett.
Am nächsten Morgen klingelte bei Jens der Wecker und er machte sich leise fertig. Da ihre Tür nur angelehnt war warf er noch einen Blick in ihr Schlafzimmer, sie sah so friedlich und hübsch aus wie sie da so lag und schlief.
Er deckte sie noch etwas zu und streichelte ihr über die Wange, hoffentlich klappte das mit dem gemeinsamen Urlaub. Sonntagmorgen 6 Uhr auf der Basis
"Guten Morgen Karin und Enrico. Es ist schon anstrengend von Spät- in Frühschicht zu wechseln." "Warum jammerst Du, es war doch Dein Wunsch" antwortete Enrico. "Ist ja schon o.k. Anna muß heute Nachmittag am Bahnhof abgeholt werden und Sabrina hat ja auch noch etwas geplant. Und außerdem läuft ja dann meine Vertretung bei euch ab." "Weißt Du schon wo Du als nächstes eingesetzt wirst?" "Nein, habe noch keine Nachricht erhalten, ich hoffe auf ein paar Tage Urlaub, vielleicht mit Sabrina."
"Rettungsleitstelle an Medicopter 117" "Medicopter 117 hört" antwortete Karin während Jens und Enrico schon zum Helikopter rannten.
Sie starteten und Jens erhielt per Funk die Koordinaten an der Autobahn wo sie Minuten später landeten. Die Personen waren nur leicht verletzt und wurden nach der Erstversorgung durch Karin vom eintreffenden Rettungswagen
übernommen und nach Rosenheim gefahren. So konnten sie direkt zur Basis zurück fliegen.
"Oh Mann, ich bin froh wenn diese Pfingstferien vorbei sind, so viele Einsätze hatten wir lange nicht mehr, es wird immer schlimmer." meinte Enrico "die Freizeit bleibt total auf der Strecke."
"Rettungsleitstelle an Medicopter 117, schwerer Unfall auf der Landstraße Richtung Murnau, bitte übernehmen sie" Jens erhielt die Koordinaten und änderte die Flugrichtung.Basis Mittags kurz vor Schichtwechsel
Gina, Mark und Peter waren schon da.
"Medicopter 117 an Basis, wir landen in wenigen Augenblicken." "Euere Ablösung wartet schon" meldete sich Gina.
Jens landete den Heli uns alle stiegen aus. Da sie den ganzen Morgen unterwegs waren betankte er den Heli noch bevor auch er zur Basis ging. In diesem Moment hörte er ein Motorrad und blieb stehen. Sabrina hielt neben ihm an und fragte: "Na junger Mann soll ich sie ein Stück mitnehmen?" "Danke, aber ich glaube die paar Schritte schaffe ich noch mit letzter Kraft." sie mussten beide lachen.
"Hallo Karin, Jens sagte Du hast heute Abend ein wenig Zeit, ich würde gerne etwas mit Dir besprechen. Als kleine Entschädigung werde ich uns auch was kochen. Es wäre schön wenn Du so gegen 18 Uhr da sein könntest. Die Adresse ist Kirchgasse Nummer 33." "Störe ich euch auch nicht?" fragte Karin. "Nein, weißt Du ich gehe ungern zu Ärzten und dachte ich könnte erst mal mit Dir darüber reden." Karin merkte das Sabrina jetzt nicht darüber reden wollte und akzeptiert das. "Na dann Tschüß bis heute Abend."
"Und was machen wir Zwei heute Nachmittag?" fragte Sabrina Jens. "Wollen wir zusammen Deine Tochter abholen? Ich glaube ich sollte sie mal kennen lernen, sonst wird die Überraschung irgendwann zu groß. Einen Kuchen habe ich auch gebacken, vielleicht können wir ja zusammen Kaffee trinken."
Sie folgten Sabrinas Vorschlag. Anna war sehr überrascht da ihr Vater in den Telefonaten die sie geführt hatten seine Freundin nie erwähnt hatte. Aber sie verbrachten einen angenehmen Nachmittag und verstanden sich auf Anhieb gut. Jens war sichtlich erleichtert da er hier Schwierigkeiten befürchtet hatte.
Er wusste aber auch dass er seiner Tochter wohl noch einige Fragen beantworten musste wenn sie allein waren.
Gegen 17 Uhr fuhren sie in Sabrinas Wohnung und bereiteten das Abendessen vor. Als Karin um 18 Uhr kam duftete es schon lecker in der Wohnung.
Jens öffnete Karin die Tür und lies sie rein als das Telefon klingelte. "Sabrina Wagner" "Ja, der ist hier Anna ich gebe ihn Dir" und sie reichte Jens den Hörer.
"Danke Anna, ich rufe sofort an." "Ich soll sofort Herrn Ebensieder anrufen, hoffentlich ist nichts passiert" Jens wählte eine Nummer und meldete sich.
Inzwischen gingen die beiden Frauen ins Esszimmer. Karin setzte sich und Sabrina holte den Spargelauflauf den sie im Backofen hatte. Da kam auch schon Jens. Karin und Sabrina sahen ihn fragend an. "Gina hat sich bei einem Einsatz heute Nachmittag den Knöchel böse verstaucht und wird ein bis zwei Wochen nicht fliegen können. Ich darf somit weiter hier Vertretung machen. Es tut mir leid, ich hatte mich schon auf einen Urlaub mit Dir gefreut" er nahm Sabrina in den Arm. Sie sah ihn an und meinte "Das wird wohl nicht das letzte Mal sein, wir lieben beide unsere Arbeit und unsere Kollegen und stellen dafür oft unser Privatleben hinten an. Wir haben sicher später die Möglichkeit das nachzuholen, vielleicht sogar länger. Komm lass uns essen, es wird sonst kalt." Sie setzten sich an den Tisch. "Du nimmst das aber recht gefasst auf" meinte Karin. "Nun ja, mir ist meine Arbeit auch sehr wichtig und in meiner Position ist es oft so das ich zugunsten von Mitarbeitern auf Urlaub verzichte. Ich war lange ungebunden und da ist mir das auch nicht weiter schwer gefallen. Um Abzuschalten und mich zu Erholen habe ich meine Methoden und habe nicht unbedingt Urlaub gebraucht.
Aber wie ist das eigentlich bei euch, ihr arbeitet mit 2 Teams. Wie regelt ihr das mit Urlaub oder wenn jemand verletzt ist?" "Nun das ist nicht immer einfach, Jens macht regelmäßig Vertretung wenn es ums Fliegen geht, Ärzte und Sanitäter sind manchmal schwierig zu bekommen. Besonders schlimm sind eigentlich immer die Reisezeiten, die ganzen Unfälle auf den Straßen und die Urlauber die durch leichtsinniges Verhalten in den Bergen verunglücken." "Wäre es nicht gut ein drittes Team auf zu bauen?" "Das wäre sicher eine Erleichterung, wir könnten in den Reisezeiten in drei Schichten arbeiten und uns ab und zu ein freies Wochenende gönnen. Außerhalb der Hochsaison wäre es dann auch einfacher in Urlaub zu gehen. Aber das sind Wunschträume wir haben das schon angesprochen, zumal die Zahl der Einsätze enorm angestiegen ist in den vergangenen Jahren. Herr Ebensieder sagt das scheitert am Budget für Personal und an einem zweiten Helikopter."
In diesem Moment klingelte das Telefon. Sabrina meldete sich hörte kurz zu und verabschiedete sich wieder. "Könnt ihr mich kurz entschuldigen" damit verschwand sie in einem Büro. Kurz darauf kam sie wieder und fragte "Sag mal Karin kennst Du jemanden der Dich manchmal Goldstückchen nennt?". Karin sah sie total überrascht an und stand auf. "Ja, was .... warum....?" "Komm mal mit" sagte Sabrina und führte sie ins Büro. "Per Computer kannst Du mit ihm reden, es ist eine sichere Datenleitung. Es geht vorerst nur per Schrift, evtl. können wir das ausbauen. Aber nur wenn Du willst." "Oh ja ich will, ...." antwortete Karin noch ganz überrascht. "Setz Dich, es ist ganz einfach" Sabrina erklärte ihr kurz wie es funktionierte dann drehte sie sich um und schob Jens aus dem Türrahmen. "Wer oder was ist da los" wollte Jens nun auch wissen.
"Wir haben Michael und Dirk in Amerika ausfindig gemacht und ich habe es für heute Abend möglich gemacht das die beiden miteinander Kontakt aufnehmen können." "Du gibst mir immer noch Rätsel auf, warum tust Du das?" "Unsere Organisation hat es sich zur Aufgabe gemacht Menschen zu helfen auf welche Art auch immer. Wir können nicht überall sein und wir helfen wenn möglich im großen Stil aber auch einzelnen. Und warum soll man zwei Menschen die sich lieben und durch unglückliche Umstände getrennt wurden nicht helfen wieder zusammen zu kommen." "Das ist mit ein Grund warum ich Dich liebe, Du denkst immer zuerst an andere und was Du tun kannst bevor Du an Dich denkst."
Sie saßen auf dem Sofa, kuschelten und unterhielten sich über die Ereignisse des Tages. "Meinst Du Anna kommt damit zurecht das Du jetzt eine Freundin hast." "Ich denke schon, ihr habt euch ja recht gut verstanden. Sie war sicher ein wenig enttäusch dass ich heute Abend keine Zeit für sie hatte und ich werde einige Fragen beantworten müssen. Aber sie hat eigentlich viel Verständnis und wenn ich ihr erkläre warum das heute Wichtig war ist das sicher in Ordnung. Da ich ja jetzt noch länger hier bin werde ich mir auch etwas mehr Zeit für sie nehmen. Was wirst Du jetzt machen?" "Arbeit gibt es immer und dann kann ein Kollege ein paar Tage frei machen und ich spare meinen Urlaub auf."
Nach über 3 Stunden kam Karin aus dem Büro, sie hatte Freudentränen in den Augen. Sabrina stand auf und sie nahmen sich in den Arm. "Danke Sabrina das war ganz toll. Ich weiß nicht was ich sagen soll." "Nichts, ich habe es gerne gemacht. Wenn Du willst können wir das wiederholen. Sobald ich ein Zusatzmodul habe könnt ihr euch auch sehen und direkt miteinander reden, ohne Risiko da wir jederzeit sichere Datenleitungen aufbauen können." Karin sah sie an "Wer bist Du und was machst Du?" "Sagen wir ein Mensch der eine Organisation leitet die versucht zu helfen wenn sie kann. Über unsere weltweiten Kontakte ist das möglich. Wir arbeiten im verborgenen da zu viel Öffentlichkeit uns schadet. Reicht Dir das als Antwort?" "Muß es glaube ich. So langsam verstehe ich jetzt auch Dich besser Jens. Es ist sicher nicht leicht mit einem solchen Wissen zurecht zu kommen." "Behalte es bitte für Dich, wir können im Laufe der Woche wieder Kontakt herstellen. Da unsere Organisation mit ihrer Arbeit einigen Leuten nicht gefällt ist es besser wenn ihr so wenig wie möglich darüber wisst und redet, es könnte unter Umständen für euch gefährlich werden."
"Gut, ich bin einfach nur Glücklich. Was wolltest Du eigentlich mit mir besprechen?" "Nichts, ich musste Dich nur ohne große Fragen hierher bekommen und das schien mir der einfachste Weg." "Danke noch mal, seit ihr mir böse wenn ich jetzt gehe? Ich muß da einiges erst verdauen." "Nein, können wir verstehen. Wir wünschen Dir eine gute Nacht. Ich gebe Dir über Jens Bescheid wenn es mit dem Kontakt wieder klappt." Karin ging glücklich und in Gedanken nach Hause.
"Wie hast Du jetzt eigentlich nächste Woche Dienst?" "Laß mich mal nachdenken. Thomas und Biggi sind heute zurück gekommen. Das A-Team hat ab morgen Frühschicht, d.h. ich muß für Gina fliegen, also bin ich mit Karin und Enrico in der Spätschicht. Warum fragst Du?" "Wenn ich für Karin nochmals einen Kontakt herstellen will muß ich wissen wie ihr arbeitet und die Zeitverschiebung einkalkulieren." Antwortete Sabrina. "Laß uns noch ein wenig kuscheln, der Abend ist schon fast wieder vorbei.Mittwochabend bei Sabrina
Nach Schichtende gegen 22.30 kam Jens mit Karin. Es war dunkel in der Wohnung, nur im Wohnzimmer brannte eine kleine Lampe. Sabrina lag auf der Couch und war eingeschlafen. Sanft weckte Jens Sabrina mit einem Kuss.
"Alles o.k.?" "Hmm,.... ihr seit schon da, wie spät ist es?" "Schon 22.30 Uhr" "Oh, da habe ich aber gut geschlafen, jetzt muß ich mich aber beeilen. Kommst Du gleich mit Karin?" Sie gingen ins Büro und Sabrina stellte den Kontakt per Computer her. Karin und Michael konnten sich heute sogar direkt unterhalten und sehen. "Komm, wir lassen die Beiden alleine. Hast Du Hunger?" Sabrina zog Jens in die Küche. "Zum Kochen ist es jetzt fast zu spät, aber für ein kleines Vesper habe ich einiges da." Sie richteten sich einige Brote und setzten sich ins Wohnzimmer. "Und habt ihr viel zu tun?" "Nein es ist Gott sei Dank etwas ruhiger geworden, die Ferien sind vorbei. Jetzt sind auch bis zum Sommer für uns einige freie Wochenenden möglich." "Wie geht es Gina?" "Sie humpelt und versucht sich zu schonen. Es ärgert sie dass sie nicht fliegen kann, aber der Heilungsprozess verläuft gut, sie hat ja Mark der sich um sie kümmert."
"Hast Du morgen früh schon was vor? Ich würde gern einen kleinen Ausflug mit Dir machen und Dir eine Hütte zeigen." "Ja, solange wir zum Schichtbeginn wieder da sind." Es waren fast 2 Stunden vergangen und Karin kam aus dem Büro.
"Vielen Dank Sabrina, es war sehr schön das Du uns den Kontakt wieder ermöglicht hast." "Gern geschehen." "Es wäre so schön wenn wir wieder zusammen sein könnten. Aber solange es diesen Russen gibt wird das wohl nicht möglich sein." "Den Kontakt kannst Du jetzt erst mal über mich halten, mal sehen was die Zukunft bringt." Jens sah Sabrina fragend an, sie schüttelte leicht den Kopf ohne das es Karin bemerkte. Karin verabschiedete sich und ging.
"Sag mal hast da eine Möglichkeit oder was vor?" fragte Jens. "Mal sehen, ich muß da noch ein paar Dinge abklären." antwortete Sabrina geheimnisvoll.
Am nächsten Morgen fuhren sie mit dem Motorrad in die Berge zu einer herrlich gelegenen einsamen Hütte. Anschließend mussten Beide wieder zur Arbeit.
Kurz vor Dienstschluß klingelte das Telefon und Jens meldete sich: "Hallo Sabrina, mit Dir hatte ich ja gar nicht gerechnet." Er lauschte "Wir haben am Wochenende alle Frei. Ja, ich denke ich kann sie dazu überreden. Gut dann sehen wir uns am Samstag auf der Hütte. Machs gut." Karin sah ihn an "Wenn willst Du überreden?" "Sabrina fragt ob Du vielleicht Lust hast übers Wochenende mit auf eine Hütte zu kommen, Sie will mit einigen möglichen neuen Kollegen ein Trainingsprogramm in den Bergen durchziehen und hätte gerne einen Arzt mit dabei falls sich jemand verletzen sollte." "Mache ich doch gerne, sie hat ja auch viel für mich getan." "Was soll das nun wieder heißen" wollte Enrico nun wissen.
Jens und Karin sahen sich an "Ach nichts Wichtiges, etwas ganz persönliches."
Sie wussten sie mussten vorsichtig sein. Zum Glück war Dienstschluß und sie mussten nicht weiter auf das Thema eingehen.Samstagmorgen Flughafen München
Durch einen Seitenausgang etwas Abseits des allgemeinen Trubels kamen eine Frau, ein Mann und ein Jugendlicher. Sabrina begrüßte sie gleich "Hallo Sam, wie geht es Dir, alles gut gelaufen?" "Keine Probleme, es war alles ruhig. Ich denke das wird dann Deine Aufgabe. Hier in dem Koffer sind einige wichtige Unterlagen für Dich, ich hoffe sie helfen Dir weiter." Sagte sie mit einem Blick auf die Uhr "Kannst Du mir sagen in welche Richtung Gate 44 liegt?" "Rechts, am Ende des Ganges. Sag bloß Du fliegst gleich zurück, ich hatte gehofft Du bleibst ein paar Tage." "Geht leider nicht, wir hatten zwei Ausfälle und es sind verdammt unruhige Zeiten im Moment, Du weißt das ja selbst." Sie drehte sich um "Meine Herren, ich muß mich leider schon verabschieden, ich wünsche ihnen alles Gute und viel Glück in Deutschland." sie spurtete los. "Guten Morgen, mein Name ist Sabrina Wagner." Michael gab ihr die Hand "Michael und Dirk Lüdwitz, es freut mich sie kennen zu lernen." "Wenn Sie ihr Gepäck haben können wir gleich los. Ich bin immer froh wenn ich aus dem Trubel raus komme."
Sie gingen zum Wagen, verstauten das Gepäck und fuhren los. Michael hatte sich neben Sabrina gesetzt. Der Verkehr am Samstagmorgen in München war sehr dicht und Sabrina konzentrierte sich. Plötzlich klingelte das Telefon. Sabrina meldete sich über die Gegensprechanlage. "Hallo Norbert, ich bin unterwegs. Wie sieht es aus, weißt Du etwas neues von Sigi und seiner Truppe?" "Der Angriff ist gestoppt, sie haben alle drei gefunden und sind so verfahren wie Du es vorgeschlagen hattest. Sigi ist mit Alex wieder runter und sie gehen davon aus das alles weitere ohne Probleme verläuft. Wir erhalten auch Unterstützung durch den Flugzeugträger der uns den Rücken frei hält." "Gott sei Dank, ich hab mir große Sorgen gemacht. Halte mich bitte auf dem Laufenden und gib mir nachher noch den Wetterbericht durch. Bis später." Sichtlich erleichtert beendete Sabrina das Gespräch und rieb sich mit der Hand die Schläfe.
Michael hatte sie beobachtet und fragte "Schwierigkeiten?" "Kann man so sagen,
einige meiner Leute die mit einem Forschungsschiff eine Bergung von Sprengköpfen durchgeführt haben sind angegriffen worden. Der Angriff konnte erfolgreich abgewehrt werden aber durch die Detonationen der Wasserbomben haben die Taucher die Orientierung verloren und sind zu schnell aufgestiegen. An Bord des Forschungsschiffes gibt es zwar eine Dekokammer, die ist aber eigentlich nur für eine Person vorgesehen. Sie haben jetzt zwei meiner Leute darin untergebracht. Der Dritte Taucher muß jetzt auf dem Meeresgrund einen langen Spaziergang machen mit langsamem Aufstieg um die Dekompression durch zu führen. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht um ihn zu retten. Das wird auf jeden Fall anstrengend für ihn und seinen Begleiter. Eigentlich sollten wir darüber gar nicht reden." "Ich weiß, aber ohne ein paar weitere Erklärungen kommen Sie mir nicht davon. Ihre Kollegin war schon sehr wortkarg und hat nur gebeten euch zu vertrauen." "Nun ja wir versuchen zu helfen und wollen aber nicht in die Öffentlichkeit. Können wir das vielleicht auf später verschieben, es gibt da noch zwei Personen denen ich einige Erklärungen geben muss. Ich glaube wir sollten uns dutzen, ich heiße Sabrina." Sie hatten München jetzt fast hinter sich gelassen und der Verkehr wurde weniger da klingelte das Telefon erneut.
"Ja, Hallo Norbert." "Ich wollte Dir nur kurz mitteilen wie das Wetter wird. Es kommt eine heftige Gewitterfront auf uns zu, sie wird uns voraussichtlich gegen Abend erreichen." "Das erklärt meine heftigen Kopfschmerzen und wird wohl den Einsatzplan etwas durcheinander bringen. Aber wir werden damit zurecht kommen, es gibt jetzt kein zurück mehr. Sind alle Vorbereitungen abgeschlossen und unsere Freunde eingetroffen?" "Ja, wir sehen uns dann, gute Fahrt."
Sabrina machte vor einer Apotheke halt "Bin gleich wieder da". Mit einer Packung Paracetamol kam sie zurück und legte sie auf das Armaturenbrett.
"Wir fahren jetzt zu einer Hütte in den Bergen wo wir das Wochenende verbringen werden. Wenn alles nach Plan läuft dann können wir Limov und seinen Leuten endgültig das Handwerk legen und ihr könnt hier bleiben. Falls ihr noch etwas braucht können wir jetzt noch einkaufen." "Ich glaube nicht oder Dirk? Es wäre zu schön wenn wir hier bleiben könnten und keine Angst mehr haben müssten." sagte Michael.Inzwischen auf der Berghütte
Jens hatte Karin mitgenommen da er den Weg kannte. Sie hatten am Vormittag noch eingekauft und waren dann losgefahren. "Ist das ein traumhaftes Plätzchen, schade dass Sabrina arbeiten muss." sagte Karin. "Ich glaube sie sieht das nicht als Arbeit an, sie macht gerne viel Sport." "Na, ich werde die zwei Tage hier oben auf jeden Fall genießen. Hast Du die Gesichter der anderen gesehen als wir die Woche über immer wieder miteinander gesprochen haben und uns dann für heute verabredet haben? Ich denke demnächst müssen wir einiges aufklären."
"Du hast recht, wir sollten mit Sabrina reden, lange ist das nicht mehr durch zu halten. Die Misstrauen uns immer mehr bei dieser Geheimniskrämerei. Aber ein bisschen Spaß macht es auch." "Lass uns rein gehen, ich habe den Schlüssel."
"Hey ist das hier drinnen hübsch und gemütlich. Hast Du eine Ahnung mit wie vielen Leuten Sabrina kommt?" "Sie erwähnte glaube ich zwei bis drei."
Gemeinsam trugen sie die Notfallausrüstung, das Gepäck und die Vorräte rein.
"Bis wann wollten sie denn da sein?" "Sie sagte so gegen 13 Uhr. Meinst Du wir sollten was kochen?" "Vielleicht wäre ein schöner Eintopf nicht schlecht, das lässt sich vorbereiten und die Ankunftszeit spielt keine Rolle." Während Jens in die Küche ging sah sich Karin die Schlafzimmer an und bezog einige Betten.
Plötzlich hörte Jens ein Auto und sah aus dem Fenster. Er sah Michael und Dirk aussteigen, Sabrina blieb noch im Wagen da wieder das Telefon klingelte.
"Karin, sie sind da. Ich glaube Du solltest mal kommen." Michael öffnete die Tür und in diesem Moment kam Karin um die Ecke. "Oh mein Gott! Michael .... Dirk!"
Michael lief schnell auf sie zu um sie in die Arme zu nehmen bevor sie evtl. umkippte. Karin rannen Freudentränen über die Wangen. "Wenn ich alles heute erwartet hätte, aber euch beide nicht." "Was meinst Du wie wir uns freuen Dich hier zu sehen, wir hatten ja keine Ahnung." Michael und Dirk umarmten sie fest.
Jens war inzwischen nach draußen gegangen um Sabrina zu begrüßen und um die Drei mit ihrer Freude erst mal allein zu lassen. Sabrina stieg gerade aus und er nahm sie gleich in den Arm "Du bist doch immer für Überraschungen gut, eine Andeutung wäre nicht schlecht gewesen." "War leider zu gefährlich und ich wusste bis Donnerstag Abend nicht ob alles so kurzfristig klappt." Gemeinsam gingen sie in die Hütte. Karin sah sie streng an "Ihr hättet mir was sagen können." "Verzeih mir bitte die Notlüge, Jens wusste auch nichts. Es war bis Donnerstag nicht klar ob es so kurzfristig klappt und Limov anspringt. Die normalen Telefonleitungen sind leider nicht abhörsicher." antwortete Sabrina mit einem entschuldigenden Blick. "Wenn ihr nichts dagegen habt lege ich mich ein bisschen hin und nehme noch eine Kopfschmerztablette. Ihr habt dann ein bisschen Zeit und später werde ich euch dann einiges erklären." Jens sah sie besorgt an "So schlimm? Willst Du nicht noch was essen?" "Nein Danke ich glaube das würde mir nicht gut tun." Er folgte ihr und setzte sich auf die Bettkante. Zärtlich strich er ihr über die Stirn und Wange, er sah ihren Gesichtszügen an das die Kopfschmerzen ziemlich schlimm sein mussten. "Danke das Du da bist" sagte sie leise und schloss die Augen. Er blieb bei ihr bis sie eingeschlafen war. Nachdenklich sah er sie an, sie tat so viel für andere und es gab noch so vieles was er wissen wollte.
Nach einiger Zeit ging er zurück zu den anderen. Karin war ins Gespräch vertieft, als sie Jens hörte sah sie auf. "Schläft sie?" "Ja. Sie muß ziemlich starke Kopfschmerzen haben, hat gleich zwei Tabletten genommen, das tut sie nur im äußersten Notfall." "Wäre Aspirin nicht besser gewesen" fragte Michael.
"Sie verträgt einige Medikamente nicht und reagiert teilweise allergisch, deshalb nimmt sie selten etwas. Habt ihr schon etwas gegessen? Ich habe Hunger."
Jens kannte Michael flüchtig von einer Vertretung bevor er ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen wurde. Sie setzten sich und aßen gemeinsam. Michael und Dirk erzählten von ihrer Zeit in Amerika und Karin und Jens berichteten was auf der Basis los gewesen war. Am meisten freute sich Michael darüber als er erfuhr wer alles geheiratet hatte. Darüber verging der Nachmittag bis Karin plötzlich sagte: "Hat jemand Lust auf Kaffee?" und in die Küche ging.
Der intensive Kaffeeduft drang bis in Sabrinas Schlafzimmer und weckte sie auf. Sie ging über den Flur und blieb an der Ecke stehen. "Es ist schön zu sehen das ich Menschen glücklich machen konnte." Jens sah überrascht auf, sie hatten sie nicht kommen hören. "Na besser? Willst Du auch einen Kaffee?" "Klar, der Duft hat mich schließlich geweckt." "Wie immer?" "Hmmm" Jens gab ihr einen Kuß und reichte ihr die dampfende Tasse Kaffee.
Vorsichtig nahm sie einen Schluck und sah sich alle der Reihe nach an. "Ich glaube ich sollte euch einiges erklären. Ich tue es so gut ich kann um euch nicht zu gefährden. Es gibt eine weltweit tätige Organisation die sich ´People for People´ nennt. Sie wurde von Menschen gegründet die das Bedürfnis hatten anderen Menschen zu helfen ohne daraus Vorteile zu ziehen wie wir das heute fast überall in der Politik und Wirtschaft haben. Wir sind unabhängig von Regierungen, manchmal arbeiten wir für die UNO oder auch für nationale Behörden aber immer ohne uns für politische oder wirtschaftliche Zwecke ausnutzen zu lassen. Vor allem aber führen wir Projekte durch von denen wir glauben das sie anderen Menschen, wie auch immer, helfen. Das können kleine Dinge sein wie bei Karin und Michael, wenn wir dabei noch Limov und seinen Leuten das Handwerk legen ist das ein großer Schlag für die Russenmafia und hilft somit wieder vielen anderen. Michael hat vorhin etwas mitbekommen über eine Aktion im Persischen Golf. Unsere Leute haben dort Sprengköpfe mit Giftgas aus dem Meer geborgen die wir so schnell wie möglich vernichten werden. Wir wollten verhindern dass sie der Chinesischen Mafia, die immer stärker wird in die Hände fallen, oder evtl. das Gift in das Meer gelangt und somit die Fischbestände in der ganzen Region vernichtet worden wären. Fisch ist gerade in den Küstengebieten der wichtigste Nahrungsbestandteil. Durch unsere Unabhängigkeit sind wir vielen ein Dorn im Auge die andere Interessen verfolgen und dadurch auch Angriffen ausgesetzt. Aus diesem Grunde reden wir nicht viel über unsere Arbeit, wir tun sie einfach. Hier in Deutschland leite ich unsere Zelle in München. Wir haben weltweit in vielen Ländern unsere Stützpunkte und versuchen zu wachsen. Leider müssen wir immer wieder Verluste hinnehmen und sind insgesamt zu wenig um all das zu tun was nötig wäre." Sabrina machte eine Pause. "Wir leben alle meist eher zurückgezogen und mit einem kleinen Freundeskreis da wir durch Familie und Freunde angreifbar werden. Da wir entsprechend ausgebildet sind ist es nicht einfach an uns heran zu kommen. Aber Familien und Freunde stellen so gesehen schwache Glieder dar über die wir verletzlich werden. Wir geben deshalb nur die allernötigsten Informationen an die Menschen in unserem direkten Umfeld um sie und uns zu schützen. Das fällt uns nicht immer leicht, da wir viel mit uns herumtragen müssen über das wir gerne reden würden. Ich hoffe das genügt euch. Falls ihr Fragen habt stellt sie, wenn möglich beantworte ich sie, aber seit mir bitte nicht böse wenn ich nicht antworte." Alle sahen sie schweigend und nachdenklich an, sie mussten das gehörte erst mal verdauen. "Meine Güte, das ist ganz schön heftig. Wie lange machst Du das schon?" fragte Karin "Nun verstehe ich einiges erst richtig." "Es gab schon lange einzelne Gruppen weltweit, aber eine strukturierte Organisation haben wir vor 3 Jahren daraus aufgebaut und gegründet." "Wie geht es Deinen Leuten auf dem Forschungsschiff aus der Sache von heute morgen." "Den beiden in der Dekokammer geht es gut und auch bei Alex der mit Sigi auf dem Meeresgrund die Deko macht zeigen sich keine Nebenwirkungen mehr."
"Mädchen, was soll ich mit Dir machen, ich wusste ja schon einiges aber das stellt alles in den Schatten. Wie machst Du das, die Belastung muß manchmal enorm sein." Jens hatte ihre Hände genommen und sah sie an. "Seit wir zusammen sind fällt es mir wieder etwas leichter, obwohl die Angst auch wieder größer geworden ist weil ich mir Sorgen um Dich und Deine Freunde mache."
"Denkst Du nie an Dich?" "Doch manchmal."
Jeder hing seinen Gedanken nach. Sabrina stand auf und machte im Kamin ein Feuer an. Draußen waren dunkle Wolken aufgezogen und man hörte Donnergrollen. Sie warf einen Blick nach draußen und sagte: "Ich werde noch einen Rundgang machen bevor das Gewitter los geht." Im Schlafzimmer zog sie ihren Waffengurt an und steckte die Waffe ein. Die Jacke die sie darüber zog verdeckte die Pistole, die anderen sollten sie nicht sehen. Bevor sie ging sagte sie "Schließt die Tür hinter mir gut ab und verriegelt am besten auch die Fenster. Öffnet die Tür keinem anderen außer mir. Ich werde 3 mal klopfen und sagen `die Wildkatze will nach Hause`." "Rechnest Du mit einem Angriff?" fragte Michael "Heute eigentlich noch nicht, aber das Gewitter könnte Limov und seine Leute dazu bewegen früher los zu schlagen. Wir haben überall unsere Leute postiert, allerdings fällt bei der Witterung die Luftüberwachung über Satellit aus was das ganze wieder etwas erschwert. Wir müssen wachsam sein."
Sie ging zur Tür hinaus. Jens rannte nach hinten, holte sich seine Jacke und folgte ihr "Warte ich komme mit" "Es wäre mir lieber Du würdest in der Hütte bleiben" "Nein, auf keinen Fall, ich lasse Dich nicht alleine gehen. Jetzt nicht mehr nach dem was ich weiß." "Das war meine Befürchtung." "Was war das mit der Wildkatze?" "Das ist mein Spitzname, hat mir ein Freund gegeben und meine Leute fanden ihn gut, so wurde er beibehalten, entspricht oft meinem Charakter, unberechenbar und wild eben aber manchmal auch verschmust, wie Katzen eben sind." Sabrina fauchte kurz und funkelte ihn mit ihren Augen an. "Wildkatze, finde ich auch nicht schlecht
In einem großen Bogen liefen sie um die Hütte. Am Waldrand trafen sie Norbert. "Du hier?" fragte Jens überrascht. "Nun, als Sabrinas Stellvertreter sollte ich glaube ich in der Nähe sein. Außerdem brauchen wir für diesen Einsatz alle unsere Leute." antwortete Norbert. Zu Sabrina gewandt sagte er: "Bislang ist alles ruhig, aber sie wurden in München und im Tal schon gesehen. Glaubst Du sie schlagen schon heute nacht zu?" "So wie ich diese Leute einschätze werden sie das Wetter ausnutzen wollen, die wissen auch das wir dadurch Nachteile haben. Aber dann haben wir es hinter uns. Seit wachsam." "O.K. du kannst Dich auf uns verlassen und jetzt geh zurück zur Hütte." "Wir gehen einen großen Bogen zurück, ich will doch nicht nass werden, Katzen sind wasserscheu." erwiderte Sabrina und Norbert musste grinsen.
Sie ging mit Jens einen weiten Bogen über den Berghang und beobachtete jeden Baum und Busch. Er konnte ihre Unruhe direkt spüren. Das Gewitter kam immer näher und vereinzelt vielen Regentropfen. Im plötzlichen Schein eines Blitzes sah Sabrina etwas funkeln. Im selben Moment viel ein Schuß und sie stieß Jens zur Seite. Im Fallen hörte sie einen weiteren Schuß und spürte einen brennenden Schmerz in der rechten Seite, sie war getroffen. Jens stöhnte. "Wo bist Du getroffen?" "Die rechte Schulter" brachte er unter Schmerzen hervor. "Wirst Du es bis zur Hütte schaffen wenn ich Dir helfe?" "Ich denke schon" Jetzt vielen weitere Schüsse und sie sahen mehrere Gestalten. Sabrina stützte Jens mit dem einen Arm und hielt in der anderen Hand ihre Waffe. Im Schutz von Büschen und Bäumen gelangten sie langsam zur Hütte, sie klopfte 3 mal und nannte die Losung. Die Tür wurde geöffnet und sie schlüpften hinein.
Michael war sofort bei Jens und legte ihn aufs Sofa. Sabrina sah ihn und Karin an und sagte: "Bitte sorgt dafür das er durch kommt." Karin stand bei ihr, sah sie an "Er schafft das, aber Du bist auch verletzt." "Ist nur ein Streifschuß, nicht so schlimm. Ich muß noch mal los." Damit verschwand sie wieder. Dirk verriegelte die Tür während Karin und Michael sich um Jens kümmerten. Er hatte das Bewusstsein verloren.
"Ich hole den Notfallkoffer" sagte Karin. Michael zog inzwischen Jens die Jacke und das Shirt aus. "Wir werden ihn auf den Tisch legen, da kann ich ihm die Kugel besser aus der Schulter holen. Sie hat soweit ich sehen kann keine großen Blutgefäße getroffen, nur eine Fleischwunde. Ich lege einen Zugang." Dirk und Karin räumten schnell den Tisch ab und legten ein steriles Tuch auf den Tisch.
Gemeinsam hoben sie Jens auf den Tisch. "Dirk bitte sog für zusätzliches Licht und mach noch mehr Feuer. Karin gib ihm bitte ein Schmerzmittel und etwas zur Beruhigung damit er mir nicht vorzeitig aufwacht." Beide arbeiteten konzentriert und schnell. Die Kugel saß nicht sehr tief und Michael konnte sie schnell heraus holen. "Gott sei Dank, das ging relativ gut. Ich werde trotzdem mit ein paar Stichen nähen. Karin was machen Blutdruck und Puls?" Karin fühlte den Puls und maß den Blutdruck. "Der Puls ist stabil wenn auch ein wenig schwach. Blutdruck liegt bei 100 zu 60, der könnte etwas besser sein. Sobald Du fertig bist sollten wir ihm eine Ringerlösung anhängen und etwas zur Stabilisierung des Kreislaufs geben." "Danke Karin. Dirk kannst Du Karin mal helfen Jens zu stützen damit ich einen Verband anlegen kann?" Nach einigen Minuten waren sie fertig. Michael fixierte den Arm damit er ruhig gestellt war und Jens ihn schonte. "Wir sollten ihn in ein Bett legen, da kann er sich besser erholen." meinte Karin. Gemeinsam trugen sie Jens in das Schlafzimmer. Karin deckte ihn noch zu und kontrollierte nochmals seine Werte.
"Ich hoffe da draußen geht alles gut. Wir hätten Sabrina nicht gehen lassen dürfen, sie ist verletzt." sagte Karin mit sorgenvollem Blick zu Michael. Er nahm ihr Gesicht in seine Hände und sah sie an "Ich kenne sie noch nicht lange, aber ich glaube nicht dass wir sie hätten aufhalten können so wie ich sie einschätze. Sie zieht die Sache mit ihren Leuten durch und dann kommt sie zurück." Karin lehnte sich an ihn und weinte leise. Michael setzte sich mit Karin auf das Sofa und nahm sie in den Arm. "Das ist alles ein bisschen viel für einen Tag" schluchzte Karin. Dirk setzte sich auch dazu. "Was meinst Du Papa, ob alles gut wird?" Michael holte tief Luft "Ich glaube schon, irgendwie habe ich großes Vertrauen in Sabrinas Fähigkeiten und die ihrer Leute, obwohl ich sie kaum kenne." Dann schwiegen sie und blickten ins Feuer, sie konnten im Moment nichts tun und mussten warten. Von draußen konnten sie immer wieder Schüsse hören. Es hatte angefangen stark zu regnen und ab und zu hörten sie noch Donnergrollen. Irgendwann wurde es stiller. Die Wartezeit dehnte sich ewig. Durch das Klopfzeichen an der Tür wurden sie aus ihren Gedanken gerissen.
Dirk sprang auf und öffnete nachdem die Losung genannt worden war die Tür. Sabrina stand in der Tür gestützt von einem älteren großen Mann der etwa 65 Jahre alt war schätzte Michael.
"Es ist vorbei, wir haben sie. Das ist Igor Drischenko ein guter Freund aus Russland. Wo ist Jens und wie geht es ihm?" "Laß mich nach Deiner Wunde sehen" Michael ging auf sie zu "Gleich, ich will erst zu Jens." Langsam ging sie in das Schlafzimmer und presste eine Hand auf ihre Verletzung. Igor sagte "Lassen sie sie gehen." Michael folgte ihr trotzdem. Sie setzte sich auf die Bettkante und berührte ihn vorsichtig an einigen Stellen und hielt dann ihre Hand über sein Herz. Michael wollte ins Zimmer gehen und sie ansprechen da spürte er eine Hand die ihn festhielt. Er war sich nicht sicher ob er ein Leuchten gesehen hatte. Sie legte ihre Hand auf seine Wange und stand dann wieder auf. Igor ging sofort zu ihr, stützte sie und brachte sie zurück ins Wohnzimmer. Er setzte sie vorsichtig auf den Tisch und hielt sie fest damit Michael sich ihre Wunde ansehen konnte. "Das ist nicht nur ein Streifschuß, das sieht nach einem Durchschuß aus und ist eine schlimme Wunde. Ich lege Dir einen Zugang damit ich Dir ein Schmerzmittel geben kann. Verträgst Du Novalgin?" fragte Michael da sie Vormittags erwähnt hatte nicht alles zu vertragen. Sie nickte schwach, er hatte mehr Gegenwehr erwartet. Igor half ihm ihr die Kleidung soweit auszuziehen damit er problemlos den Zugang legen konnte, sie zuckte leicht als er die Nadel legte. Als er die Wunde untersuchte sah er das sie viel Blut verloren haben mußte. "Es ist besser ich nähe, damit es nicht so weh tut möchte ich dir ein Lokalanästhetikum spritzen dann verlieren wir keine Zeit bis das Schmerzmittel wirkt. Geht Procain?" Sie nickte. Er spritze Procain um die Wundränder und nähte dann. Als er den Verband anlegte merkte er das sie zitterte. "Wir müssen ihr unbedingt die nassen Kleider ausziehen und sie warm halten, sonst kriegt sie noch einen Infekt dazu, sie ist etwas unterkühlt." Sagte er besorgt. Igor trug sie ins Schlafzimmer und legte sie ins Bett neben Jens. Karin zog ihr die nassen Kleider aus und deckte sie warm zu.
Michael war überrascht dass sie immer noch bei Bewusstsein war. Igor hatte ihm mit Gesten zu verstehen gegeben keine Fragen zu stellen. Er setzte sich neben sie und legte ihr die Hand auf die Stirn. "Du hast für heute genug getan, komm zur Ruhe." Michael glaubte wieder diese Leuchten zu sehen als Sabrina die Augen schloss und einschlief. Karin ging noch zu Sabrina hängte auch ihr eine Ringerlösung an und kontrollierte Puls und Blutdruck. Karin sah Michael überrascht an "Die Werte sind trotz des hohen Blutverlustes erstaunlich gut. Wieviel Ringerlösung haben wir noch? Ich glaube eine wird nicht reichen."
Im Wohnzimmer trafen sich alle dann wieder. "Ich wollte Ihnen Danken was sie für Sabrina getan haben. Sollte sie Fieber bekommen, lassen sie es zu, ihr Körper braucht das. Nur wenn es länger als 3 Nächte andauert und über 41 C hinaus geht, dann geben sie ihr das." sagte Igor ins gebrochenem Deutsch und reichte Michael eine Ampulle. "Sabrina hat ihnen sicher einiges über unsere Organisation erzählt. Was sie aber mit Sicherheit nicht gesagt hat ist, wie sagt man bei Ihnen, sie ist wie ich eine ´Indigo´, ein Mensch mit besonderen Fähigkeiten. Deshalb haben wir sie auch ausgewählt und ausgebildet. Sie haben festgestellt das es Jens besser ging nachdem sie ihn berührt hatte, oder?" "Ja, seine Werte waren sofort erheblich besser." antwortete Karin "Sie hat ihm, wie sagen sie, einen Teil ihrer Lebensenergie gegeben." Karin und Michael sahen sich an "Ich habe davon gehört das es solche Techniken gibt, aus dem asiatischen Raum. Wenn ich es nicht gesehen hätte würde ich es nicht glauben." sagte Michael. "Nun sollten wir alle etwas ruhen es war ein langer Tag. Ich bleibe bei ihnen bis zur Ablösung morgen früh. Vielleicht gibt ihnen Norbert morgen noch einige Erklärungen." Unmissverständlich beendete Igor damit das Gespräch.
Michael und Karin sahen noch mal nach ihren beiden Patienten, bei Sabrina konnte sie eine erhöhte Temperatur feststellen die aber nicht besorgniserregend war. Dann gingen auch sie zu Bett. Neben ihrem Zimmer Dirk hatte Dirk ein Einzelzimmer bezogen.
"Das glaubt uns keiner und selbst kann ich es ja auch kaum glauben. Ich weiß nicht mal ob ich noch mehr wissen will" sagte Karin und schmiegte sich an Michael. "Es ist mit Sicherheit nicht einfach ein solches Leben zu führen."
Dann schliefen sie ein.Sonntagmorgen in der Hütte
Kaffeeduft lockte Karin und Michael aus dem Bett. Sie sahen gerade noch wie sich Igor verabschiedete. Norbert hatte sie gehört und drehte sich gleich um. "Guten Morgen, ich bin Norbert der Stellvertreter von Sabrina und bleibe jetzt bei Ihnen." "Guten Morgen, wir sehen gleich mal nach unseren beiden Patienten." sagte Michael und ging mit Karin ins erste Schlafzimmer. Als er Jens berührte schlug dieser die Augen auf. "Wo ist Sabrina?" war seine erste Frage. "Neben Dir, sie schläft und es geht ihr den Umständen entsprechend" antwortete Karin die sich zu ihr gesetzt hatte. "Ich will aufstehen." "Du wartest jetzt erst mal bis ich Dir den Blutdruck und Puls gemessen habe." meinte Michael und verrichtete seine Arbeit. "O.K. aber langsam und Du sagst mir sofort Bescheid wenn Du Dich nicht wohl fühlst." "Jawohl Herr Doktor" witzelte Jens und lies sich von Michael beim Aufstehen helfen. Er ging ins Bad machte sich so gut er konnte frisch und zog sich mit Michaels Hilfe die Kleider an. Gemeinsam gingen sie ins Wohnzimmer. "Du schon wieder" sagte Jens zu Norbert. "Ich werde auf euch aufpassen bis es Sabrina besser geht, dann schmeißt sie mich sowieso raus." Als jeder eine dampfende Tasse Kaffee vor sich stehen hatte sagte er "Weißt Du eigentlich das Du da eine ganz besondere Freundin hast?" Jens sah ihn etwas verwirrt an und Norbert erklärte ihm noch einmal was Michael und Karin in der Nacht schon erfahren hatten. "Wir haben einige ´Indigo´ Menschen in unseren Reihen, sie sind etwas Besonderes und werden deshalb von uns auch sehr gut geschützt. Es gibt Menschen die um die Fähigkeiten der ´Indigo´ wissen und sie deshalb suchen um sie in ihre Gewalt zu bringen und für ihre Zwecke zu Missbrauchen. Hast Du Karin Dir eigentlich mal Gedanken gemacht woher sie das wusste mit Dir und Michael?" Jens antwortete "Sie hat mich gefragt und sagte etwas von weiblicher Intuition und Blicken, obwohl mich das nach einem Tag doch etwas gewundert hat. Ich habe ihr dann die Geschichte erzählt." "Sie nennt das Intuition, das Stimmt aber nicht ganz. Sie kann Gefühle und Bilder von anderen Menschen empfangen, es genügt ihr eine Berührung mit demjenigen. Ich würde sagen sie ist hochsensibel und sie versucht sich darum auch immer wieder abzugrenzen damit sie das nicht erdrückt. Diese Sensibilität hilft ihr oft bei der Arbeit, macht sie manchmal aber auch schwierig. Deshalb möchte ich besonders Dich Jens und euch bitten gut auf sie auf zu passen. Sie will nicht das man darüber redet weil sie befürchtet das sie dann nicht mehr normal behandelt wird." "Jetzt weiß ich was Du damals gemeint hat, so langsam fügt sich das Puzzle zusammen. Wobei ich glaube das immer noch ein paar Teile fehlen." sagte Jens stirnrunzelnd. "Du hast recht, aber ich glaube das reicht für heute und einige Dinge wirst Du erfahren wenn die Zeit reif dafür ist." "Du hast mich aber auch überrascht, wie lange arbeitest Du schon für die Organisation?"
"Ich bin von Beginn an dabei, sie hat mich vor 3 Jahren mit einigen anderen ausgesucht und angesprochen. Wir fanden die Aufgabe reizvoll und stehen jetzt voll hinter der Sache. Es ist nicht immer leicht wie Du ja inzwischen erfahren hast. Aber wenn man an eine Sache glaubt kann man viel bewegen und unser Lohn sind die glücklichen Menschen denen wir helfen."
"Guten Morgen allerseits" Dirk kam um die Ecke "gibt es noch Kaffee?"
"Könnte ich bitte auch einen haben?" kam es aus dem Schlafzimmer "Vielleicht kann mir noch jemand beim Aufstehen helfen." Karin war sofort bei Sabrina, bei Jens dauerte es einen Moment länger. Sie wollte sich schon aufsetzen da drückte sie Karin wieder in die Kissen. "Bleib liegen ich will erst Deine Werte überprüfen." "Warum machen das Ärzte nur immer, sie nutzen es aus wenn man angeschlagen ist." Beschwerte sich Sabrina. "Das sind eben unsere besonderen Eigenschaften" meinte Michael und half ihr langsam hoch nachdem Karin alles geprüft und ihr die Infusion abgenommen hatte.
Als sie alle wieder im Wohnzimmer waren fragte Jens "Und wie geht es jetzt weiter? So kann ich morgen nicht fliegen." "Inzwischen solltest Du gelernt haben das wir meistens an alles denken Jens" antwortete Norbert. "Herr Ebensieder wird heute noch verständigt, Felix wird für Dich einspringen. Ob Karin ihren Dienst morgen früh antritt muss sie selbst entscheiden, falls nicht finden wir da ebenfalls eine Lösung. Und dann müsst ihr entscheiden wie lange ihr hier oben bleibt bzw. wann ihr wieder ins Tal wollt um evtl. euere Freunde und Familien zu informieren. Michael und Dirk können hier bleiben, Limov und seine Leute haben wir alle erwischt und die Beweise die uns vorliegen reichen um sie aus dem Verkehr zu ziehen. Inzwischen sind sie auf dem Weg nach Russland und wer die russische Gerichtsbarkeit und Gefängnisse kennt weiß dass es da keine Gnade gibt."
"Schade das Igor schon weg ist ich hätte mich gern mal wieder mit ihm länger unterhalten." sagte Sabrina. "Er hat es auch bedauert, aber er hat wie wir viel Arbeit und zu wenig Leute. Du weißt selbst wie schwer es ist neue Leute zu finden. Er lässt Dir aber ausrichten, ich zitiere: Auch Wildkatzen müssen sich mal ausruhen und Du sollst mit Jens ein wenig Urlaub machen, es ist keinem gedient wenn Du ganz ausfällst. Was Deine Mannschaft auch unterstützt. Du kriegst von uns eine Zwangspause verordnet, haben wir gemeinsam beschlossen und ich dulde keine Widerrede. Und falls Du auch nur in die Nähe der Basis kommst wirst Du eingesperrt." "Hmmm, ... sag mal soll das eine Drohung sein? Mach mich nur fertig, ich kann mich ja nicht richtig wehren." "Wir sind doch alle froh, das Du Deine Mauer eingerissen hast, oder willst Du Dich wieder so in Arbeit vergraben wie die letzten zwei Jahre? Jens hat Dir verdammt gut getan, Du warst manchmal unausstehlich." "War es so schlimm? Du hast ja recht, ich gebe auf." murmelte Sabrina resigniert. "Sag mal geht ihr immer so miteinander um?" fragte Jens und spürte das da noch eine Sache in der Luft lag über die nicht gesprochen wurde, aber er hoffte das irgendwann noch zu erfahren.
"Meistens, wir sticheln gerne, warum? Arbeit soll doch Spaß machen, oder?"
"Spaß nennt ihr das? Ihr seit unmöglich!" grinste Jens.
Sie unterhielten sich noch lange, scherzten und überlegten wann und wie sie das alles den anderen erklären sollten. "Wisst ihr was" sagte Karin plötzlich "ich rufe meine Mutter an sie soll für mich Vertretung machen. Nachdem fast alle in letzter Zeit Urlaub hatten habe ich mir das nach den ganzen Aufregungen auch mal verdient. Unserem guten Herrn Ebensieder wird nichts anderes übrig bleiben als das zu akzeptieren. Wir bleiben einfach noch ein paar Tage hier oben, es ist so schön erholsam hier. Am Freitag können wir alle zur Basis fahren und die anderen informieren, einkaufen und vielleicht können sie ja übers Wochenende hier rauf kommen. Was haltet ihr davon?" "Hört sich gut an, was meint ihr was die sich für Gedanken machen bis wir am Freitag kommen. Außerdem können wir unsere zwei Patienten gemeinsam im Auge behalten." grinste Michael. Sabrina und Jens sahen sich gespielt entsetzt an "Muß das sein?" fragten sie fast gleichzeitig und alle lachten.
"Ich denke um eine Wohnung, einen Job und eine Schule für Dirk können wir uns noch in der nächsten Woche kümmern. Wobei es mich nicht wundern würde wenn da nicht schon was vorbereitet wäre." Michael sah Sabrina an. Die zuckte nur mit den Schultern und sagte mit einer Unschuldsmiene "Keine Ahnung was Du meinst, lasst Euch mal überraschen." "Hey, fängst Du schon wieder an?" fragte Jens, aber sie erstickte jede weitere Bemerkung mit einem Kuss.
Als Sabrina und Jens müde wurden wechselten Karin und Michael noch die Verbände. Michael spürte das bei Sabrina wieder leicht die Temperatur anstieg so wie Igor es angedeutet hatte. Er hoffte mit Sabrina einmal darüber reden zu können. Wenn sie bei ihnen blieb musste er über ihre Eigenheiten besser Bescheid wissen für den Notfall.
Alle gingen früh ins Bett, die vergangene Nacht steckte ihnen noch in den Knochen. Sabrina kuschelte sich in Jens unverletzten Arm so gut es mit ihrer eigenen Verletzung eben ging.
"Unsere erste gemeinsame Nacht und den Urlaub hatte ich mir aber etwas anders vorgestellt" meinte Jens. "Glaub mir, ich auch" sagte Sabrina und beide lachten, schnell schliefen sie ein.
Fortsetzung
Indigo II
Hauptpersonen: Jens Köster, Sabrina Wagner, Michael und Dirk Lüdwitz
Team 1 Team 2
Thomas Wächter Gina Harland
Dr. Mark Harland Dr. Karin Thaler
Peter Berger Enrico Contini
Weitere Personen: Biggi Wächter, Anna Köster, Herr Ebensieder, Max,
Lisa und Laura Wächter, Stella und Oliver Berger,
Norbert Bach, Felix und einige andere Dienstagmorgen Berghütte
Karin, Dirk, Jens und Norbert waren an diesem Morgen früh aufgestanden und ins Tal gefahren. Michael hatte sich, auf die Bitte von Norbert hin, entschlossen bei Sabrina auf der Hütte zu bleiben. Dirk sollte sich die Wohnung ansehen die sie zur Verfügung gestellt bekamen und die derzeit renoviert und eingerichtet wurde, außerdem suchte er Lesestoff. Jens wollte zu seiner Tochter, sie hatte einen großen Schreck bekommen als sie hörte, dass er verletzt war. Sabrina hatte ihn gedrängt sie zu informieren und nach dem Rechten zu sehen. Zum Glück war Anna alt genug und kam gut allein zu recht. Aber auch für sie hatte sich in letzter Zeit einiges verändert. Norbert hatte sich ihnen angeschlossen um zurück nach München zu fahren. Sabrina ging es soweit gut. In ihrer Basis wartete arbeit auf ihn und er wollte seine Familie wieder sehen. Da die Vorräte zur Neige gingen und das Verbandmaterial aufgefüllt werden musste, wollte Karin einkaufen. Ursprünglich war nur ein kurzer Wochenendaufenthalt auf der Hütte geplant gewesen, aber durch die Ereignisse hatte sich alles verändert.
In Gedanken versunken stand Michael, mit einer Tasse Kaffee in der Hand, am Fenster und blickte ins Tal. Noch vor 2 Wochen hätte er nicht geglaubt je wieder hier zu sein. Die Ereignisse hatten sich überschlagen. Als an diesem Freitagabend überraschend eine Frau, Samantha, vor ihrer Wohnungstür in New York stand und ihnen sagte es gäbe eine Möglichkeit mit Karin Kontakt auf zu nehmen gab es für sie Beide einen Hoffnungsschimmer. Zuerst konnten sie nur über einen Computer miteinander in kommunizieren und ein paar Tage später war eine sichere Leitung eingerichtet über die sie sich sehen und miteinander reden konnten. Als sie am Tag darauf gefragt wurden ob sie zurückkehren wollten, mussten sie nicht lange überlegen. Samantha hatte ihnen erklärt was sie vor hatten, es war riskant gewesen, aber sie wollten es versuchen. Am Freitagmorgen vor Dienstbeginn stand sie dann erneut vor der Tür und hatte die Flugtickets in der Hand. Bereits ein paar Stunden später saßen sie im Flugzeug nach München. Eigentlich war die ganze Sache total verrückt gewesen, eine Organisation und Menschen die er nicht kannte, halfen ihnen innerhalb kürzester Zeit zurückzukommen. Wenn da nicht Karin gewesen wäre die Sabrina und Jens vertraute ....... . Sie hatten in den letzten Tagen viel erfahren, wobei er wusste, dass es nur ein Bruchteil dessen war was hinter der Sache steckte. Aber er glaubte auch, dass es Richtig war nicht alles zu wissen.
Sabrina gab ihm nach wie vor Rätsel auf, selbst die Erklärungen die Igor und Norbert geliefert hatten konnten nicht alle Fragen klären - ´Indigo´- ob er das je verstehen würde, sollte er das überhaupt? Es war mit ein Grund warum er so schnell zugesagt hatte auf der Hütte zu bleiben, er hoffte die Gelegenheit zu bekommen mit ihr allein zu reden. Das Gespräch mit Norbert ging ihm durch den Kopf. Am vergangenen Abend hatte er ihn auf die Seite genommen und dringend darum gebeten dafür zu sorgen, dass sich Sabrina ausruhte. Er erzählte welches enorme Arbeitspensum sie in den letzten zwei Jahren hatten und unter welchem Druck vor allem Sabrina stand, die seitdem keinen Urlaub mehr gemacht hatte, zu Gunsten ihrer Kollegen. Eines aber, was er sagte, machte ihn besonders nachdenklich. ´Es scheint ihr zwar relativ gut zu gehen, aber sie ist am Ende ihrer Kraft. Sie ist das Beste was wir haben und wir wollen sie nicht verlieren.´ Er hatte sie beobachtet, sie verfügte über ein enormes Wissen und viel Erfahrung. Sie zog sich oft zurück, suchte die Stille und sprach viel mit Norbert und Jens.
Gestern hatte sie ihm und Dirk einen Wohnungs- und einen Autoschlüssel überreicht. Für sie Beide war eine Wohnung angemietet worden die noch renoviert und eingerichtet wurde. Ein neuer Audi A6 würde in der Garage stehen und ein Bankkonto war auch eröffnet. Es war alles geregelt für einen Neuanfang. Dirk konnte nach den Sommerferien wieder in seine alte Schule gehen, lediglich was seine Arbeit an ging hüllte sie sich bislang in Schweigen.
"Hatschi, .... Mist!" aus dem Schlafzimmer hörte er Sabrinas Stimme und ging schnell zur Tür. Sie lag im Bett und hatte die Hände an den Schläfen. "Was ist?" fragte er. "Ich glaube fast, ich habe mich bei dem Wetter Samstagnacht erkältet." "Würde mich nicht wundern, du warst klitschnass und etwas unterkühlt." Routinemäßig fühlte er nach ihrem Puls und ihrer Temperatur. Sie wollte schon aufstehen "Bleib liegen", sagte er streng "Lass mich noch deinen Blutdruck messen und den Verband wechseln." Ohne Widerrede lies sie es zu, sie hatte in den letzten Tagen Vertrauen zu ihm aufgebaut, obwohl sie eigentlich eine absolute Abneigung gegen Ärzte hatte, aber das war eine andere Geschichte an die sie nicht denken wollte weil schmerzliche Erinnerungen damit verbunden waren. Sie zuckte leicht zusammen als er sie berührte um den Verband zu wechseln. "Tut es weh?" "Nein, du hast kalte Hände." Michael sah sich die Wunde an die bereits erstaunlich gut verheilt war und legte einen neuen Verband an. "Danke", sagte sie, stand auf und ging ins Bad.
Als sie aus dem Bad kam ging sie direkt in die Küche um sich einen Kaffee einzuschenken. "Hatschi!" Michael der gerade dabei war einen Apfel zu schneiden erschrak, rutschte mit dem Messer ab und schnitt sich in die Hand "Autsch," sagte er und drückte ein Tuch auf die Wunde. "Zeig her und gib mir deine Hand." Sabrina nahm seine Hand und berührte ihn mit der anderen an der Schläfe. "Was tust du?" fragte er und wollte seine Hand wegziehen. Die Kraft mit der sie seine Hand fest hielt überraschte ihn "Lass es zu und vertrau mir", sagte sie und schloss ihre Augen. Er spürte eine seltsame Wärme, ein Kribbeln und er sah wieder dieses Licht.
Als sie die Augen öffnete und seine Hand los lies sah er, dass der Schnitt so gut wie verheilt war. Er holte tief Luft " ..... was war das,.... wer bist du?" Sie sah ihn lange an "Setzen wir uns, ich versuch es dir zu erklären." Sie setzten sich auf das Sofa. "Du könntest das vielleicht auch." "Was?" "Deine Selbstheilungskräfte aktivieren und beschleunigen. Es ist ein natürlicher Vorgang in unserem Körper der sich sowieso in Gang setzt, er ist nur normalerweise etwas langsamer." "Ich verstehe nicht was du meinst." sagte Michael noch immer irritiert. "Ich bin sieben Jahre um die Welt gereist, habe viele Kulturen und Völker kennen gelernt, das habe ich euch bereits erzählt. In dieser Zeit habe ich bei den Naturvölkern gelebt und viel über ihre Lebensweise erfahren. Uns erscheinen sie primitiv, aber sie haben ein enormes Wissen über die Natur und Fähigkeiten die unserer so modernen westlichen Welt verloren gegangen sind. Ich brauche dir als Arzt nicht zu erklären das wir eigentlich nur einen Bruchteil unseres Gehirns und dadurch unserer Möglichkeiten nutzen, es steckt viel in jedem von uns, wir wissen es nur nicht. Da die meisten Menschen diese Fähigkeiten seit Jahrhunderten nicht mehr nutzen sind sie, sagen wir verkümmert. Aber sie stecken noch in uns, bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger. Mit Hilfe besonderer Menschen habe ich gelernt diese verborgenen Fähigkeiten zu aktivieren und einzusetzen. Es ist nicht immer leicht und ich stehe noch relativ am Anfang. Ich habe deinem Körper heute nur gezeigt wie er die Heilung beschleunigen kann, gemacht hast du das selbst", sie machte eine Pause. "Dein Blick heute Morgen hat mir gezeigt, dass dir der gute Heilungsprozess an meiner Verletzung aufgefallen ist. Dafür ist mit das nächtliche leichte Fieber verantwortlich, es hilft dem Körper sich mit der Verletzung oder Krankheit besser auseinander zu setzten und ist wichtig." Sie trank einen Schluck Kaffee und überlegte. "Es ist mir übrigens nicht entgangen das du mich beobachtet hast und die letzten Nächte immer wieder bei mir warst um das zu prüfen, habe ich vermutlich Igor zu verdanken." Michael sah sie einige Zeit an, er fühlte sich ertappt "Ja, er hat mich neugierig gemacht, es war schon etwas seltsam in dieser Nacht. Es hört sich alles so fantastisch an, wenn ich es nicht gesehen und erlebt hätte ....." "Ich konnte am Anfang vieles selbst nicht glauben, ich habe Dinge gesehen und erlebt ....." "Und es gibt noch mehr die solche Fähigkeiten haben?" "Ja, wir sind einige und jeder hat andere Stärken die er ausbaut." "Aber warum macht ihr das nicht bekannt, ihr könntet so vielen Menschen helfen." "Sieh mal, wenn ich anderen helfe kostet mich das viel Kraft, wir können so etwas nicht unbegrenzt und jeden Tag tun. Wir sind verletzlich und können sterben, wir helfen doch, auf unsere Art", sie machte eine Pause und überlegte. "Was glaubst du was sie mit uns machen würden? In Labors stecken, untersuchen, testen, analysieren und was weiß ich nicht alles. Oh danke, ich habe das bereits hinter mir. Hast du eine Ahnung wie schwer es mir am Anfang fiel mit euch zusammen zu sein? Man hat mich schon einmal für 10 Wochen in einem Krankenhaus festgehalten und Ärzte haben mich auf den Kopf gestellt weil sie gemerkt hatten, dass ich anders bin. Seither habe ich eine totale Abneigung gegen alles was nur in irgendeiner Weise mit Krankenhäusern oder Ärzten zu tun hat." Sie hatte die Hände vor das Gesicht genommen, zitterte und er sah stille Tränen. Michael legte ihr eine Jacke um und nahm sie vorsichtig in den Arm weil er sich nicht sicher war ob sie es akzeptieren würde. An ihrer Reaktion spürte er, dass sie eine schreckliche Erfahrung gemacht haben musste. Nach einiger Weile beruhigte sie sich. "Geht es wieder?" fragte er. "Danke, schon o.k., Entschuldigung", sie wischte sich die Tränen ab. "Normalerweise gelingt es mir recht gut das zu verdrängen, die Erinnerung ist sehr schmerzhaft. Igor hat mich damals rausgeholt, er kennt das aus eigener Erfahrung. Ich habe 4 Wochen in keinen Spiegel gesehen, er meinte ich würde aussehen wie ein Gespenst." Sie machte eine Pause und trank ihren Kaffee. "Mein Lehrer, ein Aborigine, mit dem ich viel Zeit in der australischen Wildnis verbracht habe, hat mir einmal gesagt die Welt ist noch nicht reif für uns. Solange es Menschen da draußen gibt die sich gegenseitig umbringen oder verfolgen und nur nach Macht und Geld streben, hat sie uns und unser Wissen nicht verdient. Manchmal glaube ich, dass er Recht hat. Wir wollen doch auch nur ein normales Leben leben und in Ruhe gelassen werden. Einige von uns haben sich deshalb total zurückgezogen und leben allein. Wir haben uns entschieden den schwierigeren Weg zu gehen und der fordert immer wieder seinen Preis." "Wie lange ist das her? Ist es das worauf Norbert angespielt hat?" "Ja, ..... ich glaube ohne meine Arbeit und meine Leute hätte ich das nicht so gut verkraftet. Wobei es jetzt schon wieder kompliziert und schwierig wird. Ich liebe Jens und möchte mit ihm zusammen bleiben, aber ich bin mir nicht sicher ob er das alles mit mir teilen kann. Einerseits tut es gut die Mauern einzureißen, auf der anderen Seite wird es schwer werden die Sache geheim zu halten, es sind zu viele Leute drum herum. Normalerweise tun wir unsere Arbeit, helfen und verschwinden wieder ohne viele Spuren, Namen und Hinweise zu hinterlassen. Nur so können wir uns schützen." "Hast du mit Jens darüber geredet?" "Er weiß eine ganze Menge, aber diese eine Sache will ich am liebsten vergessen und das kann ich nicht wenn ich darüber reden muss, warum soll er das wissen und sich damit belasten? Es reicht doch, dass ich es mit mir herumtragen muss, ich möchte nicht auf die Details eingehen und das käme zwangsläufig." Sabrina stand auf und ging zum Fenster. Michael konnte sehen, dass ihre Hände leicht zitterten und an ihren Gesichtszügen konnte er erkennen, dass das Gespräch sie sehr mitgenommen hatte. Sie stellte ihre Tasse auf die Fensterbank und stützte sich ab, dann gaben ihre Knie nach und es wurde schwarz vor ihren Augen. Michael der sie beobachtete war bereits aufgesprungen und konnte sie gerade noch auffangen bevor sie auf dem Boden aufschlug. Er nahm sie hoch und legte sie vorsichtig auf das Sofa. Der Puls war schwach, ihr Blutdruck im Keller und Schweiß stand auf der Stirn, es ging ihr um einiges schlechter als am Morgen. Er holte ein Kreislaufmittel aus dem Notfallkoffer. Gerade als er ihr einen Zugang legen wollte kam sie wieder zu Bewusstsein. "Hmm, ... Was ist .....?" fragte Sabrina leise "Pssst, ..... bleib ruhig liegen, du bist ungekippt! Ich lege dir einen Zugang, gebe dir was für den Kreislauf und eine Ringerlösung, deine Werte sind total im Keller", sagte er und spritzte ihr das Kreislaufmittel. Dann schloss er die Ringerlösung an und fühlte ihre Temperatur, besorgt musste er feststellen, dass sie wieder Fieber hatte. "Du gefällst mir überhaupt nicht, am liebsten würde ich dich in eine Krankenhaus bringen." "Nein, bitte nicht, das wird schon wieder", versuchte sich Sabrina zu wehren. "Kann es sein, dass du dich überanstrengt hast heute morgen?" "Ich bin wohl doch noch nicht so fit. Die Erkältung, .... deine Hand vorhin und die Erinnerung, ....... war vermutlich etwas zu viel für einen Tag. Aber wie hätte ich dir das sonst verständlich machen sollen? ........ Sieh mal im Schlafzimmer nach, da ist eine kleines braunes Mäppchen im Schrank mit Medikamenten die ich vertrage, es sind auch Ampullen dabei für die Erkältung." "O.K. hole ich, du bleibst liegen und ruhst dich aus, versuch zu schlafen. Aber wenn es dir heute Abend nicht besser geht, müssen wir uns etwas unternehmen. Einverstanden?" Sabrina nickte "Nur wenn es nicht anders geht, lass mir einfach etwas Zeit." Michael strich ihr nochmals über die Stirn und wischte ihr den Schweiß ab, sie schloss die Augen und war kurz darauf eingeschlafen. Puls und Blutdruck waren etwas angestiegen und hatten sich stabilisiert. Er stand auf und holte das Mäppchen, die Ampulle hatte er gleich gefunden und spritze sie ihr über den Zugang. Bei den Präparaten handelte es sich überwiegend um pflanzliche und homöopathische Medikamente, sie hatte für alle Fälle vorgesorgt, musste sie auch, wenn sie allergisch reagierte. Er deckte Sabrina noch zu und holte sich etwas zu trinken, um sich dann in einen Sessel neben das Sofa zu setzen.
Sie wirkte fast zerbrechlich wie sie so da lag, so langsam verstand er einiges mehr. Er glaubte zu ahnen was man ihr angetan hatte, auch wenn sie nur Andeutungen machte, und welche Verantwortung auf ihr lastete.
Michael hing seinen Gedanken nach. Immer wieder wanderte sein Blick zu Sabrina, sie fieberte und schlief sehr unruhig. Regelmäßig kontrollierte er ihre Werte, am späten Nachmittag wurde sie ruhiger und die Temperatur viel. Darüber verging die Zeit und irgendwann döste er ein. Dienstagabend
"Oh man, bin ich froh wenn wir wieder auf der Hütte sind", sagte Karin "so ein Einkaufstag kann ganz schön anstrengend sein." Sie hatte zuerst Dirk und Jens an ihren Wohnungen abgesetzt und dann ihre Einkäufe und Besorgungen erledigt.
Da sie nur ein Wochenende auf der Hütte eingeplant hatte war sie anschließend in ihre Wohnung gefahren um nach den Pflanzen zu sehen und sich einige Kleider einzupacken. Am Nachmittag hatte sie Dirk abgeholt und war zu Jens gefahren. Zusammen mit Anna tranken sie noch Kaffee und plauderten ein wenig. Später als geplant fuhren sie dann in Richtung Hütte los, sie parkte vor der Hütte. Dirk stieg als erster aus und öffnete die Tür.
"Hallo Papa, wir sind wieder da", rief er und sah das sein Vater vom Sessel hochfuhr. "Seit bitte leise", sagte Michael "ich helfe euch beim Ausladen." Er stand auf und ging zur Tür. "Ist etwas passiert?" fragte Karin besorgt, sie hatte Sabrinas Hand mit der Kanüle gesehen. "Lasst uns die Sachen reinbringen, wir können später reden", meinte Michael ausweichend.
Nachdem sie alles leise in die Hütte getragen hatten trafen sie sich in der Küche. "Sag mal was ist los?" fragte Karin mit einem Rundblick durch die Küche "Habt ihr überhaupt schon was gegessen?" Michael rieb sich nachdenklich die verletzte Hand. In diesem Moment entdeckte Karin das blutige Tuch. "Wer hat sich verletzt?" "Ich habe mich heute morgen geschnitten." "Zeig her!" sagte Karin bestimmend. Sie nahm seine Hand. "Das sieht aber nicht aus als ob es von heute morgen wäre", meinte sie. Michael druckste herum und erzählte dann was am Vormittag passiert war. Karin setzte sich plötzlich hin und meinte "Das haut mich um, ich wusste ja, dass da einiges nicht normal ist, aber das übertrifft alles. Deshalb habe ich das Gefühl das sie sich immer wieder zurück zieht und verschließt. Sag mal Jens du weißt doch noch mehr, oder?" Karin sah Jens an so dass er nicht ausweichen konnte. "Ja" fing Jens zögernd an "Sabrina möchte über gewisse Dinge nicht reden. Von Norbert habe ich einiges erfahren und ich verstehe jetzt warum. Sie geriet vor 2 Jahren bei einem Einsatz in Gefangenschaft. Es gibt darüber zwei Berichte, einen den Igor verfasst hat über das was sie vorgefunden haben als die Befreiungsaktion lief und einen den Sabrina über ihre Zeit dort geschrieben hat. Es lief einiges schief und sie konnten sie erst nach 10 Wochen befreien. Er ist überzeugt das sie nur einen Teil dessen aufgeschrieben hat von dem was dort alles passiert ist und das muss schon furchtbar gewesen sein. Vergewaltigung war wohl noch das Geringste, die haben sie gefoltert und Experimente mit allem Möglichen an ihr durchgeführt. Als man sie befreit hat ging es ihr so schlecht, dass es ein Wunder war das sie überhaupt überlebt hat, ihre Organe standen kurz vor dem Versagen. Daher rühren auch viele ihrer Allergien und Unverträglichkeiten, es ist alles noch nicht ganz ausgeheilt. Norbert sagte, wenn sie nicht eine ‚Indigo´ wäre und Igor ihr mit seinen Fähigkeiten nicht geholfen hätte, dann hätte sie nicht überlebt. Ich könnte die Kerle umbringen die ihr das angetan haben." "Glaub mir, danach würdest du dich auch nicht besser fühlen", hörten sie plötzlich Sabrinas Stimme aus dem Wohnzimmer. Erschrocken sahen sich alle an und gingen ins Wohnzimmer. Keiner wusste was er sagen sollte. "Ich bin dafür ausgebildet und war darauf vorbereitet, aber auf Experimente und das 10 Wochen lang, darauf konnten sie uns nicht vorbereiten. Ich habe die Gelegenheit gehabt und es auch nicht fertig gebracht. Warum sollte ich mein Gewissen mit einem Mord belasten? Es reicht so schon .......... Können wir bitte von etwas anderem reden? Wie war euer Tag?" Michael hatte sich zu ihr gesetzt und kontrollierte die Werte. "Du gefällst mir wieder besser, der Schlaf und die Medikamente haben dir gut getan. Den Zugang möchte ich aber noch lassen falls noch mal etwas sein sollte." "Wenn es sein muss, der Schlaf hat wirklich gut getan und ich habe Hunger und Durst." Karin ging sofort in die Küche und Michael half Sabrina hoch. "Ich werde uns was zu essen machen, wir haben glaube ich alle Hunger" sagte Karin. Jens brachte eine Tasse Tee und setzte sich zu Sabrina auf das Sofa. "Schön das du wieder da bist, alles in Ordnung zu Hause? Hat Anna nicht bald Ferien?" fragte Sabrina. Jens sah Sabrina nachdenklich an und strich ihr mit der Hand über die Wange "Du machst Sachen, dich kann man nicht alleine lassen. Sag mal, wusstest du das Norbert mit mir gesprochen hat?" "Ich habe es vermutet und ich war irgendwie froh darüber. Es fällt mir sehr schwer und ich will es doch vergessen", er nahm sie zärtlich in den Arm und hielt sie fest "Wir brauchen nicht mehr darüber zu reden." Es entstand eine Pause. "Sag mal Dirk wie sieht euere Wohnung aus?" fragte Jens "Ja, erzähl mal", meinte auch Michael. "Oh die ist toll, etwa 110 qm groß im 1. Stock, mit einer schönen Einbauküche und einem großen Balkon. Wohn- und Esszimmer sind groß, ein schönes Bad, Schlafzimmer, ein kleines Arbeitszimmer und für mich ein tolles großes Zimmer. Vom Balkon geht eine Wendeltreppe runter in den großen Garten und nach oben zu einer Dachwohnung. Ein Teil der Möbel ist schon da, finde ich sehr geschmackvoll und entspricht unserem Stil. Der Innenausstatter kam gegen Mittag und hat mir gezeigt was noch alles gemacht wird und was bis Ende der Woche geliefert wird. Es ist an alles gedacht, ein toller Computer, Fernseher, Stereoanlage und Telefon, einfach alles da. Ist nichts daran auszusetzen, da werden wir uns sicher wohl fühlen. Im Erdgeschoss wohnt eine nette ältere Dame, Oma Lina, die sich ein wenig darum kümmert, die hat mir gleich was zum Mittagessen gebracht. Wer oben wohnt weiß ich nicht. Sag mal Sabrina du steckst doch dahinter, oder?" Sabrina grinste "Ich hatte gehofft eueren Geschmack zu treffen, Sam hat mir ein bisschen erzählt wie es in euerer New Yorker Wohnung ausgesehen hat, deswegen war das nicht allzu schwer. Oma Lina ist die Seele im Haus und ich helfe ihr wenn ich da bin mit dem großen Garten. Das unter dem Dach ist übrigens unsere Dienstwohnung die ich in letzter Zeit hauptsächlich nutze. Es war Zufall mit der Wohnung, die Vormieter, eine Familie, sind Anfang des Monats ausgezogen, sie haben ein Haus gebaut." "Na da bin ich mal gespannt", sagte Michael. "Sag mal, wie machst du das?" "Hmm, ich habe meine Kontakte und meine Leute auf die ich mich verlassen kann", schmunzelte Sabrina. "Es gibt einen inneren Kreis das sind die Menschen wie Norbert die für die Einsätze und Kontakte zuständig sind und viele die uns kennen und gelegentlich unterstützen wenn wir Hilfe brauchen so wie in diesem Fall. Genügt dir das als Auskunft?" fragte Sabrina "Muss es wohl, wobei ich mich immer wieder wundere, dir macht das wohl Spaß mir Rätsel aufzugeben und mich zu verwirren." "Ich gebe es zu, ein bisschen schon", schmunzelte Sabrina.
"Die Wohnung ist wirklich schön, ich habe sie mir kurz angesehen als ich Dirk abgeholt habe" kam es von Karin aus der Küche. "Wenn jemand Tisch deckt können wir gleich essen." Dirk ging sofort in die Küche und holte das Geschirr. Sie standen auf und setzten sich alle an den Esstisch. Karin hatte Nudeln abgekocht, eine Tomatensauce und Salat dazu gemacht. Nach dem Essen zündete Dirk das Feuer im Kamin an und sie saßen noch lange gemütlich zusammen. Sabrina war wieder schweigsam geworden, hörte den anderen zu und war dankbar darüber das keiner mehr Fragen zu ihrer Vergangenheit stellte. Sie hatten wohl gemerkt, dass es besser war sie vorerst damit in Ruhe zu lassen und sie bekamen langsam eine Vorstellung warum sie nicht darüber sprechen wollte. Als sie ins Bett gingen nahm Michael Jens kurz auf die Seite und sagte "Wenn heute Nacht etwas sein sollte dann rufe mich bitte." "O.K. mache ich."Donnerstag auf der Hütte
Dirk saß in einem Liegestuhl und las seinen Roman. Karin und Michael hatten es sich auf einer Bank vor der Hütte gemütlich gemacht.
"Es lässt dir keine Ruhe, oder?" Karin sah Michael von der Seite an. "Was?" "Na die Geschichte mit Sabrina." "Es ist einfach so unglaublich und alles so seltsam. Eigentlich habe ich noch viele Fragen, aber ich traue mich nicht mehr sie zu stellen." "Die wissenschaftliche Neugierde ist das mal wieder. Akzeptiere doch einfach das sie anders ist. Sie hat uns geholfen wieder zusammen zu kommen und hat selbst jemanden gefunden mit dem sie glücklich sein kann. Hast du gesehen wie gut die zwei zusammen passen und wie harmonisch sie miteinander umgehen, als ob sie schon immer zusammen wären?" Karin blickte zu Jens und Sabrina die an ihrem Lieblingsplatz an einem nahegelegenen See saßen und die Zweisamkeit genossen. "Sie scheinen sich ohne Worte zu verstehen. Lass ihr einfach Zeit, sie hat uns schon so viel erzählt, mehr als wir eigentlich wissen sollten. Das zeigt doch, dass sie uns vertraut, sicher erfährst du noch mehr. Und jetzt lass mal deinen Geist ruhen und genieße gefälligst die Zeit mit mir, sonst werde ich vielleicht noch eifersüchtig wenn ich merke, dass deine Gedanken bei einer anderen Frau sind", meinte Karin spitzbübisch und knuffte ihn in die Seite.
Sie genossen den herrlichen warmen Tag jeder auf seine Weise. Am Nachmittag kamen Sabrina und Jens wieder zurück zur Hütte. "Na, ihr zwei Turteltauben.... " wurden sie von Karin und Michael begrüßt. "Ihr zwei könnt ja grade ruhig sein", sagte Jens und alle mussten lachen. Sabrina und Jens setzten sich ins Gras. "Hört mal, ich wollte euch einen Vorschlag machen", fing Sabrina an "Da ich mich entschlossen habe fest nach Traunstein zu ziehen, fände ich es ganz gut wenn zwei Ärzte vor Ort über meine Eigenheiten Bescheid wüssten. Zumal du Michael ja sowieso gerne noch mehr wissen willst, werde ich, sobald wir zurück sind, Kontakt mit Christian aufnehmen, er kann dir einiges erzählen. Da es nicht ausbleibt, dass ich ab und zu im Krankenhaus lande, sehen meine Leute immer zu, dass er mich betreut, da dann auch sicher gestellt ist, das Labor- und Blutwerte ausgetauscht werden bzw. verschwinden." Michael sah Sabrina etwas verdutzt an. "Du merkst einfach alles. Kenne ich diesen Christian vielleicht?" "Er heißt Christian Sauer und arbeitet in München im Städtischen Klinikum. Im Moment hat er Urlaub und ist mit der Cap Anamur unterwegs, müsste aber, wenn ich es richtig im Kopf habe am Wochenende zurück kommen." "Kennst du ihn?" fragte Karin. "Ja, wir waren Studienkollegen und sind gute Freunde. Ich glaub das einfach nicht!" "Was?" fragten Sabrina und Karin gemeinsam. "Ach, .... warum müsst ihr Frauen immer so geheimnisvoll sein ......?" antwortete Michael und winkte mit beiden Händen ab.
"Wie wollen wir das morgen eigentlich machen?" fragte Jens und an Sabrina gerichtet sagte er während er ihr zärtlich durch die Haare fuhr "Das du dich hier oben gerne einigeln würdest sehe ich dir an." "Hmmm", meinte Sabrina nachdenklich "Vom Platz her würden wir wahrscheinlich alle hier unter kriegen, für die Kinder gäbe es die Möglichkeit im Tipi zu schlafen, da liegt eins unter dem Dach. Geht aber nur, falls euere Kollegen Dienstfrei haben. Aber einigeln kann ich mich auch in meiner Wohnung."
"Ich würde vorschlagen wir sehen zu, dass wir gegen Mittag unten sind. Zum Schichtwechsel haben wir sie dann alle beisammen und Erklärungen wollen sie sicher alle haben. Dann können wir ja sehen was wir machen", antwortete Karin. "Auf jeden Fall freue ich mich auf die dummen Gesichter, die haben ja keine Ahnung was los ist."Freitagmittag auf der Basis
"Gott sei Dank ist für uns die Woche fast um, der Wochenenddienst wird hoffentlich nicht zu anstrengend", sagte Mark zu Peter und Thomas. "Das einzige was mich jetzt noch brennend interessiert ist, wie lange die Ersatzleute bei uns bleiben und was hinter der Sache steckt. Aus diesem Felix ist nichts heraus zu bekommen, ich denke der weiß mehr als er zu gibt. Karins Mutter und Ebensieder wissen angeblich auch von nichts. Ich hasse diese Geheimniskrämerei." "Vielleicht lösen sich die Rätsel ja bald auf, sei nicht so ungeduldig. Deine Ungeduld hilft dir nicht weiter, sie macht dich nur unzufrieden", meinte Gina die gerade aus der Umkleidekabine kam.
Nach und nach trudelten jetzt Felix und Dr. Marion Thaler ein. "Guten Tag Leute" sagte Felix betont lässig wie immer "wie war euere Schicht?"
Noch bevor einer antworten konnte hörten sie zwei Autos draußen vorfahren und gingen ans Fenster. Als erstes stiegen Karin, Michael und Dirk aus. "Leute seht Ihr auch was ich sehe? ..... ich glaube ich spinne!" sagte Thomas und stürmte nach draußen. Die anderen kamen mehr oder weniger schnell hinterher. "Meine Güte Michael, Dirk ...... wo kommt Ihr denn her?" Thomas nahm Michael und Dirk in die Arme. Danach stellte er alle einander vor.
Sabrina, Jens und Anna, die sie zuvor von der Schule abgeholt hatten, waren ebenfalls ausgestiegen, blieben aber am Auto stehen und beobachteten die Szene.
"Oh, oh, .... meine Chefin ist auch dabei", kam es plötzlich von Felix aus dem Hintergrund. Herr Ebensieder der den Aufruhr mitbekommen hatte, war aus seinem Büro gekommen. "Ich glaube jetzt sind einige Erklärungen fällig", meinte er streng. Michael und Karin erzählten in kurzen und groben Zügen, unter Weglassen einiger Geschehnisse und Vorfälle, was passiert war und wie sie zurück gekommen waren. Es war mit Sabrina abgesprochen die Organisation und gewisse Leute nicht zu erwähnen, sie hatte darauf bestanden. So erklärte sich nun ganz einfach warum Karins Mutter eingesprungen und wie Felix so schnell als Ersatz da war. "Na ja", sagte Herr Ebensieder "es wäre mir nur lieber gewesen man hätte mich etwas genauer informiert und nicht so überrumpelt und vor nackte Tatsachen gestellt. Nur weil sie ein Sonderkommando leiten heißt das nicht, dass sie tun und lassen können was sie wollen", meinte er etwas säuerlich an Sabrina gerichtet. "Soweit es im Rahmen meiner Möglichkeiten ist, werde ich das versuchen Herr Ebensieder", antwortete Sabrina reserviert. "Ich hoffe unser ´Küken´ hat sich gut benommen bei ihnen" meinte Sie dann und sah Felix an. "Natürlich", kam es prompt von Felix "obwohl ich zugeben muss, dass es fast ein wenig langweilig ist, war nicht viel los." "Dann genieße die Zeit hier, wenn du wieder zurück bist werde ich euch schon scheuchen, außerdem kannst du trainieren wenn du Langeweile hast, schadet bestimmt nicht." "Hmmpf, ich hab ja gar nichts gesagt.....", brummte Felix.
"Mensch, ich muss Biggi anrufen, die wird sich total freuen" sagte Thomas und rannte zum Telefon. "Wie sieht es aus, habt ihr übers Wochenende Dienst?" fragten Karin und Michael. "Ja, leider, aber wir könnten doch eine Grillfete auf der Basis machen und ein wenig euere Rückkehr feiern" meinte Peter.
In dem Moment ging der Alarm los und Felix, Marion Thaler und Enrico spurteten zum Helikopter und flogen los.
Thomas kam zurück "Biggi kommt gleich, sie kann es gar nicht glauben und will euch begrüßen. Was habt ihr jetzt vor?" "Dirk und ich werden unsere neue Wohnung beziehen und uns einrichten. Ich denke wir müssen ein paar Lebensmittel einkaufen fürs Wochenende", antwortete Michael. "Na da lassen wir euch ein wenig Zeit, aber heute Abend kommt ihr nicht drum herum, da werden wir bei euch einfallen, zumindest Biggi und ich. Was ist mit euch, Peter?" Thomas war voller Begeisterung seinen Freund wieder da zu haben. "Ich werde mit Stella reden, die freut sich bestimmt auch, wir können nur nicht so lange bleiben wegen Oliver. Aber wenn wir morgen auf der Basis ein Grillfest machen, können wir alles nachholen", antwortete Peter.
Mit ziemlichem Tempo fuhr Biggi auf den Parkplatz, sie parkte das Auto, sprang aus dem Auto und fiel Michael um den Hals. "Das ich das noch erleben darf, ......" "Hey mal langsam, übernimm dich nicht, ich will nicht das euer Kind wegen mir zu früh auf die Welt kommt." Michael schloss sie in die Arme.
Plötzlich sagte Anna "Können wir bitte nach Hause fahren, wir sollten noch einiges einkaufen und um den Haushalt müsste ich mich auch kümmern. Außerdem erwarte ich dringend den Anruf einer Freundin, es geht um unsere Konzertkarten." Sie verabschiedeten sich und fuhren los. "Was für Konzertkarten?" fragte Jens. "Ich habe dir doch erzählt von dem Konzert morgen in München, ´BroSis´ kommen, wir versuchen noch an Karten zu kommen, aber es scheint bereits ausverkauft zu sein", sagte Anna traurig. "Falls es nicht klappt sag mir Bescheid, vielleicht kann ich was erreichen", kam es von Sabrina die am Steuer saß. Sabrina hielt vor dem Haus in dem Jens und Anna wohnten und lies sie aussteigen. Jens gab ihr noch einen Kuss "Wir sehen uns später, ich werde dich vermissen." "Hey, so schnell kriegt man doch keine Entzugserscheinungen", meinte sie neckisch und fuhr ihm liebevoll durch die Haare. "Ich warte auf dich." Damit fuhr sie los.
Sie ging ebenfalls einkaufen und war froh als sie endlich in ihrer Wohnung war. Mit einer Tasse Tee ging sie auf die Dachterrasse und machte es sich in ihrem Liegestuhl bequem. Im Wohnzimmer hatte sie leise Musik laufen und genoss die Ruhe. Der Trubel und die vielen Menschen auf der Basis da fühlte sie sich nicht richtig wohl, sie spürte die unausgesprochenen Fragen und konnte nicht die Distanz wahren die sie eigentlich wollte und die nötig wäre, da sie alle gute Freunde waren.
Irgendwann hörte sie in der Wohnung unter sich Stimmen, Michael und Dirk waren eingetroffen. Sie lies sich treiben und döste ein. Gegen Abend kam Jens, da er einen Schlüssel hatte ging er direkt in die Wohnung. Auf dem Balkon fand er Sabrina schlafend vor, vorsichtig deckte er sie zu, da es etwas kühler geworden war. Dann setzte er sich auf die Bank und betrachtete sie lange. Sie war so ein wunderbares Wesen und er war so glücklich mit ihr, nie mehr würde er sie los lassen, ganz egal was passieren würde. Aus einem Impuls heraus stand er auf und setzte sich neben sie. Er beugte sich zu ihr und küsste sie. Sie schlang ihre Arme um seinen Hals, verschmolzen in einer leidenschaftlichen Umarmung und küssten sich endlos. Nach einer Ewigkeit lösten sie sich voneinander "Habe ich meine Wildkatze jetzt wach geküsst?" fragte Jens "Ja mein Schmusekater", flüsterte sie und knabberte an seinem Ohr.
Von unten hörten sie Stimmen, Thomas, Biggi und Karin waren eingetroffen und kurz darauf hörten sie auch Peter, Stella, Oliver und Enrico. Jens und Sabrina sahen sich an "Was meinst du gehen wir rein? Ich habe frisches Ciabatta, Antipasti, Käse und Wein besorgt. Oder hast du schon gegessen?" "Nein, aber ich habe großen Appetit, hört sich gut an. Ich würde heute gerne mit dir allein bleiben." Sie gingen in die Wohnung und Sabrina deckte den Tisch. Jens machte Musik an und bei Kerzenschein genossen sie ihr Abendessen. "Hat Anna ihre Eintrittskarten bekommen?" fragte Sabrina. "Nein, hat leider nicht geklappt, sie ist etwas traurig, aber sie haben sich zu spät darum gekümmert. Lag aber mit an mir, da ich kaum Zuhause war." "Ich werde morgen früh mal mit einem Bekannten telefonieren, vielleicht kann ich da was tun." Jens schüttelte den Kopf. "Du kennst wohl überall jemanden?" "Kontakte auf allen Ebenen sind für uns wichtig. Du wärst wahrscheinlich überrascht, wenn du wüsstest wer uns alles unterstützt, auf welche Weise auch immer." "Du überraschst mich immer wieder, aber das gehört zu dir dazu", meinte er liebevoll. "Wie geht es eigentlich deiner Schulter? Hast du noch Probleme?" "Sehr gut, Michael sagt ich werde die Schlinge nicht mehr lange tragen müssen, der Heilungsprozess schreitet sehr gut und schnell voran. Ich weiß, dass du da nicht ganz unschuldig bist und ich danke dir dafür. Was macht deine Verletzung?" "Auch gut", sagte Sabrina und kuschelte sich an ihn "Ich habe große Lust auf einen Nachtisch, wenn du das verkraftest." Während sie ihn küsste glitt ihre Hand unter sein T-Shirt, sie streichelte ihn und er konnte ihre Wärme und Erregung spüren. Sie drückte ihn auf Sofa und setzte sich über ihn. "Was hast du vor?" Sabrina schmunzelte und zog sich ihr T-Shirt aus, spielerisch fuhren ihre Hände über seine Brust "Sagen wir die Wildkatze will dich vernaschen." Dann verschmolzen sie miteinander und genossen ihre Liebe zueinander. Alles was sie in den letzten Wochen zurückgehalten hatten an Gefühlen und Leidenschaft nahm seinen Lauf und explodierte regelrecht.Wohnung von Michael und Dirk
Nachdem die große Begrüßung auf der Basis beendet war und sich Thomas und Peter mit Anhang bei ihnen eingeladen hatten wurden Michael und Dirk von Karin in ihre Wohnung gefahren. Inzwischen war alles komplett eingerichtet und wirklich sehr toll geworden. Sie machten eine Bestandsaufnahme uns stellten fest was sie noch an Kleinigkeiten und Lebensmitteln einkaufen mussten, zumal sie am Abend Besuch erwarteten. Michael war von seinem neuen Auto sehr angetan und nach dem Einkauf war alles schnell verstaut und die Koffer bald ausgepackt.
Thomas und Biggi waren die ersten, kurz darauf folgten Peter, Stella, Oliver und Enrico. Den ganzen Abend erzählten sie und lachten, es gab so viel zu berichten. Gegen 9 Uhr verabschiedeten sich Peter und Stella da Oliver ins Bett sollte, Enrico schloss sich an. Dirk wollte Fernsehen und ging in sein Zimmer. "Sag mal Michael, jetzt wo wir unter uns sind, das ging alles sehr schnell und mit einigen Überraschungen einher, da steckt doch mehr dahinter als ihr erzählt", fing Thomas plötzlich an. Michael sah Karin an, die schüttelte kaum merklich mit dem Kopf "Du hast recht, es steckt mehr dahinter, aber es ist besser für alle Beteiligten wenn wir nicht darüber reden, außerdem haben wir versprochen Stillschweigen zu bewahren. Wir möchten euch bitten das so zu akzeptieren." "Das fällt mir nicht leicht, du bist schließlich mein bester Freund, aber ich werde das respektieren. Und ihr könnt jetzt da bleiben? Es besteht keine Gefahr mehr?" "Ja, es ist alles geregelt. Dirk geht nach den Sommerferien wieder in seine alte Schule, wir können hier wohnen und demnächst erfahre ich auch wo es für mich Arbeit gibt. Wir haben außerdem beschlossen, dass Karin zu uns zieht." sagte Michael "Wir hoffen ihr seit nicht böse, aber da ihr bald Nachwuchs bekommt habt ihr dann mehr Platz in euerem Haus." "Na, ein bisschen werden wir Karin schon vermissen, vor allem hatten wir gehofft, ab und zu einen Babysitter zu haben", meinte Biggi. "Aber wir finden es absolut toll, dass du wieder zurück bist und ihr drei wieder zusammen seit." Sie erzählten noch bis spät in die Nacht bis Biggi und Thomas nach Hause gingen.
"Sag mal hätten wir nicht nach unseren zwei Patienten sehen sollen?" fragte Michael Karin als sie ins Bett gingen. "Ich glaube, das reicht morgen noch, die Verletzungen sind ja schon gut verheilt. Wenn die zwei Gesellschaft gebraucht hätten wären sie bestimmt runter gekommen. Gönne es ihnen doch." Karin zog Michael ins Bett und sie küssten sich lang und innig.Samstagmorgen
"Guten Morgen, das Frühstück ist fertig", Jens spürte wie ihn etwas an der Nase kitzelte und wurde langsam wach. "Guten Morgen kleine Wildkatze", er räkelte sich, packte Sabrina zärtlich und zog sie zu sich um ihr einen Kuss zu geben. "Weißt du, dass das eine wunderschöne Nacht war? Ich liebe dich." "Ich liebe dich auch, danke das du für mich da bist", flüsterte sie ihm ins Ohr. "Wollen wir Frühstücken, ich habe auch genug um Michael, Karin und Dirk noch einzuladen." "Gute Idee, die werden sich sicher gewundert haben warum wir gestern nicht aufgetaucht sind." "Meinst du? Glaube ich fast nicht, vor allem Karin hat dafür viel Verständnis." Sie schmusten noch ein wenig und standen dann auf. Als Jens fertig war gingen sie über die Wendeltreppe ein Stock tiefer und klopften an der Terrassentür. Dirk war schon auf und wollte gerade Kaffee kochen, er öffnete ihnen. "Guten Morgen, na gut geschlafen die erste Nacht im eigenen Bett?" fragte Sabrina. "Oh ja, danke. Die Wohnung ist noch schöner geworden als ich es mir vorgestellt hatte und Papa gefällt sie auch sehr gut. Wir haben übrigens beschlossen, dass Karin bei uns einzieht. Es würde mich freuen wenn die zwei bald heiraten würden, wir waren ja schon mal fast soweit. Du glaubst gar nicht wir glücklich ich bin, und das haben wir dir zu verdanken." sagte Dirk und umarmte Sabrina herzlich. "Hey nun übertreib mal nicht, ich habe das gerne gemacht", antwortete Sabrina verlegen. "Was ist den hier los", Karin und Michael standen in der Tür. "Wir wollten euch zum Frühstück nach oben einladen, ist schon alles fertig." "Da kommen wir doch gerne." Jens, Sabrina und Dirk gingen nach oben und kurz darauf folgten Karin und Michael. "Oh das sieht aber toll aus", meinte Karin als sie sich an den Tisch setzte. "Du wohnst wirklich schön hier oben und die Aussicht ist klasse", Michael ging auf Sabrina zu "Ich wollte mich nochmals ganz herzlich bei dir bedanken für alles was du für uns getan hast, unsere Wohnung ist super geworden." "Jetzt hört aber bitte auf, es reicht für heute", Sabrina war gerührt und sichtlich verlegen. "Wie war euer Abend?" "Es war richtig toll wieder mit allen zusammen zu sein, jetzt weiß ich erst wie sehr ich das vermisst habe. Thomas hat natürlich etwas gebohrt, aber wir haben nichts verraten. Er ist mein bester Freund, es fällt mir schwer nicht mit ihm darüber zu reden, aber er akzeptiert es." "Danke Michael, ich weiß das zu schätzen, vielleicht bringt es die Zeit ja mit sich, aber vorerst ist es besser so." "Kannst du mir inzwischen sagen wie es bei mir mit der Arbeit in Zukunft aussieht?" "Hab bitte noch ein wenig Geduld, ich warte noch auf zwei Rückmeldungen die, je nachdem wie sie ausfallen, unterschiedliche Wege festlegen. Stell dir einfach vor du hast Urlaub. Karin hat auch noch 1 Woche frei. Bis Freitag nächste Woche gebe ich dir Bescheid." "Immer diese Frauen und Ihre Geheimnisse", kam es von Jens und Michael nickte zustimmend.
"Sag mal Jens würden sich Anna und ihre Freundin über Backstage Karten für ´BroSis´ freuen?" "Ich denke schon, sag nicht du kannst welche besorgen?" antwortete Jens "Kannst du das? Die würden mich auch interessieren", mischte sich Dirk ein und sah Michael fragend an "Papa, darf ich? Bitteee ... !!!!" "Sagt mir wie viel ihr braucht und ich besorge sie." "Na so wie es aussieht 3 Stück", brummte Michael "Gut, dann will ich mal telefonieren", sagte Sabrina und ging zum Telefon. "Ich kann es nicht glauben, Sabrina scheint wirklich eine Menge Leute zu kennen und gute Beziehungen zu haben", sagte Dirk begeistert. In diesem Moment kam Sabrina zurück "Ihr bekommt 3 Karten für heute Abend. Jens du kannst gleich deine Tochter anrufen." "Halt, Moment mal und wie kommen die Drei nach München?" Jens sah Sabrina fragend an. "Ich werde sie fahren. Wenn ich hier bleibe brauche ich noch ein paar Sachen aus meiner Wohnung die kann ich dann gleich holen, ich hätte sowieso fahren müssen. Da kann man das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden." "Dann werde ich mal telefonieren, wann sollen die Mädchen fertig sein?" "Ich denke so gegen 17 Uhr dürfte reichen." Jens ging zum Telefon und kam kurz darauf zurück "Anna freut sich riesig und bedankt sich schon mal vorab."
Sie genossen das gemeinsame Frühstück und verabschiedeten sich dann, Karin wollte ihre Sachen packen und sie hatten noch einige Dinge zu erledigen.
"Kann es sein, dass dir das Konzert sogar recht ist?" fragte Jens. "Du hast mich ertappt, ein bisschen schon, nichts gegen deine Freunde, aber es sind mir zu viele Menschen die evtl. Fragen stellen können. Und ich habe das Gefühl das mich dieser Herr Ebensieder nicht besonders leiden kann." "Er ist manchmal etwas komisch, aber eigentlich ganz in Ordnung. Mit der ganzen Aktion war er wohl etwas überrumpelt und so was mag keiner." "Du hast Recht, mal abgesehen davon, dass ich mir ein paar Sachen holen will, ich möchte nach meiner Post sehen und, wenn Norbert es zu lässt, nach dem Rechten auf der Basis." "Du kannst es auch nicht ganz lassen, oder? Eigentlich sollst du dich ausruhen." Jens nahm Sabrina in den Arm und sah sie streng an. "Wie wäre es wenn du mit kommst und auf mich aufpasst? Das Loslassen fällt mir manchmal noch etwas schwer, dazu war ich zu lange allein." "Ich glaube du hast in Norbert einen guten Stellvertreter und solltest dich daran gewöhnen, du kannst nicht immer und überall sein. Du musst auch an dich denken, tu es bitte für mich und uns." "Danke, ich liebe dich", Sabrina kuschelte sich an ihn und sie genossen ihre gegenseitige Nähe.
Kurz vor 17 Uhr holten sie Dirk ab und fuhren dann zu Jens um Anna und ihre Freundin Claudia abzuholen. Anna fiel Sabrina gleich um den Hals "Danke, dass du uns das ermöglicht hast, das ist echt super." "Wie kommt das eigentlich, dass du so viel Verständnis für so was hast?" fragte Jens. "Ich war auch mal in dem Alter und bin leidenschaftlich gern auf Konzerte gegangen, nur dass es bei mir andere Stars waren. Wir sind damals bis nach Frankfurt und Stuttgart gefahren." "Was für Stars waren das denn?" fragte Anna. "So quer Beet von Joan Baez, Konstantin Wecker, Anyones Daughter, George Benson, Chris de Burgh, Garth Brooks und einige andere. Waren schöne Zeiten und hat viel Spaß gemacht, vor allem die Atmosphäre war immer toll, Schallplatten konnten das so nicht so rüber bringen. Wir haben die Lieder mitgesungen, Wunderkerzen und Feuerzeuge angezündet, war einfach toll und irgendwie so friedlich und harmonisch. Erst vor 3 Jahren war ich sogar mal wieder bei Simply Red, sollte ich vielleicht mal wieder tun." "Das ist ja eine ganz neue Seite von dir, die kenne ich noch gar nicht", Jens sah sie von der Seite an. "Hmmm, wie sagt man, stille Wasser sind tief. Ich werde dich wahrscheinlich noch einige Male überraschen", schmunzelte Sabrina. "Das glaube ich dir sofort", sagte Jens.
Die Fahrt verging schnell und sie kamen am Seiteneingang der Konzerthalle an. Sabrina sprach kurz mit einem Mann und die Drei erhielten ihre Karten. "Haltet euch an Volker, er zeigt Euch alles und stellt euch die Leute vor. Ich wünsche euch viel Spaß und genießt den Abend. So gegen 23 Uhr werden wir wieder hier sein um euch abzuholen." Mit sichtlicher Vorfreude zogen die Drei los. "Meinst du das klappt alles?" fragte Jens etwas besorgt. "Klar, ich kenne Volker und er behält sie im Auge. Hinter der Bühne sind sie sogar fast besser aufgehoben als davor. Und sie haben sicher eine Menge Spaß, gönne es den Dreien, das wird ein tolles Erlebnis." Sabrina fuhr los. Außerhalb von München gab es einen verlassenen Luftwaffenstützpunkt den sich die Gruppe als Basis ausgebaut hatte. Kurz bevor sie ihr Ziel erreicht hatten sagte Sabrina "Du bist dir dessen bewusst, dass du jetzt zum Geheimnisträger wirst, du wirst Dinge sehen die nur wenige zu Gesicht bekommen. Es gibt nicht viele die wissen wo wir unsere Basis haben und ich möchte dich bitten, das für dich zu behalten. Oh Gott, ich hoffe es ist richtig was ich tue." "Du kannst dich auf mich verlassen, ich weiß doch schon so viel." Jens drückte ihre Hand, er merkte wir schwer ihr die Sache viel.
Sie fuhren auf den Stützpunkt, er wirkte verlassen und heruntergekommen, überall war es dunkel. Sabrina öffnete mit einer Fernsteuerung zuerst das Einfahrtstor und dann den Hangar. Erst als sich die Hangartore öffneten konnte man Licht sehen. Darin standen neben Autos und Geländewagen auch Helikopter und Jets. Jens war total überrascht zumal es hier blitzblank und hochmodern war. Sie parkten und stiegen aus. Langsam gingen sie durch die riesige Halle nach hinten wo Jens Büroräume erkennen konnte. Plötzlich hörten sie eine Stimme "Du kannst es nicht lassen, oder?" Jens blickte nach oben und konnte Norbert erkennen. "Ich will nur ein paar Sachen holen und nach meiner Post und den Pflanzen sehen. Wir haben Dirk, Anna und ihre Freundin Claudia zu einem Konzert gefahren und da wollte ich die Gelegenheit nutzen", sagte Sabrina entschuldigend. Eine Treppe führte sie nach oben. Über den Büroräumen war eine Wohnung und eine kleine Terrasse.
"Hallo Norbert, alles O.K.?" "Ja, es ist relativ ruhig momentan, du brauchst dir keine Gedanken machen." "Ich möchte nur ein paar Sachen zusammen packen, ich habe mich entschlossen nach Traunstein zu ziehen." "Wird aber auch Zeit, wenn du hier wohnst kriegst du nie Abstand zur Arbeit. Hey, finde ich toll das du es endlich schaffst", meinte Norbert und nahm sie in den Arm. "Jens ich werde einiges packen, Norbert kann dir so lange die Basis zeigen." Norbert ging mit Jens die Treppe wieder hinunter. "Na beeindruckt?" "Sprachlos würde ich fast sagen, was für ein Potential steckt eigentlich hinter euerer Organisation." "Du wirst sicher verstehen, dass ich dir das nicht erzählen kann solange du nicht zum inneren Kreis gehörst. Was du hier siehst ist nur ein Bruchteil dessen was wir an Material zur Verfügung haben. Hier siehst du übrigens unsere Computer und Überwachungszentrale. Darunter sind die Trainingsräume, Quartiere für Übernachtungen und Duschen." Jens konnte überall hochmoderne und komfortable Einrichtungsgegenstände und Ausrüstung sehen. In der Computerzentrale fehlte es an nichts, soweit er sehen konnte. "Wie geht es Sabrina?" unterbrach Norbert plötzlich seine Erläuterungen . "Sie ist am Dienstag nochmals zusammengebrochen. Sie hat ihre Fähigkeiten eingesetzt um eine kleine Verletzung bei Michael zu heilen, dazu kam eine Erkältung die sie sich Samstagnacht eingefangen haben muss und sie hat ein bisschen erzählt von der Gefangenschaft, das hatte sie wohl überfordert. Seither haben wir alle das Thema gemieden und sie erholt sich gut." "Weißt du eigentlich, dass wir dir sehr dankbar sind, du hast mit deiner Zuneigung und Zurückhaltung erreicht was keiner von uns geschafft hat. Da sie jetzt zu euch nach Traunstein zieht hoffe ich sehr, dass sie die Ereignisse endlich mit genügend Abstand hinter sich lassen kann. Sie zieht dich sehr weit in ihr Vertrauen, es hat mich schon ein wenig gewundert, dich heute hier zu sehen. Ich glaube fast, du wirst sie nicht mehr los." "Will ich auch nicht, wir lieben uns und wenn es sein muss werde ich sie immer begleiten damit ich auf sie aufpassen kann." "Wenn sie es zu lässt, sie wird dich auf Einsätze wohl nicht mitnehmen, aus Sorge dir könnte etwas passieren." "Warten wir es ab." "Bis wann müsst ihr die Jugend wieder vom Konzert abholen?" "So gegen 23 Uhr" "Gut, dann können wir noch etwas zusammen trinken und ein wenig erzählen. Würde mich nicht wundern, wenn Sabrina schon Tee gekocht hat." Als sie wieder oben angekommen waren stand tatsächlich eine Kanne Tee und andere Getränke auf dem Tisch. "Na, fertig?" fragte Jens. "Klar, war nicht viel, ich will nur noch die Post durchsehen. Sag mal Norbert wie steht es mit den Dingen um die ich dich noch gebeten hatte am Montag, konntest du dich darum kümmern? Klappt alles bis Freitag?" Sabrina sah Norbert an. "Ja, wie geplant. Da werden ein paar Leute Augen machen." "Könnte mich vielleicht jemand einweihen?" fragte Jens. Sabrina und Norbert sahen sich an "Nein", sagten Beide gleichzeitig und grinsten sich an. Jens holte tief Luft und wollte etwas sagen, aber Sabrina kam ihm zuvor "Hab bitte etwas Geduld, wenn ich es dir verrate ist die Überraschung kaputt. Komm ich zeig dir die Wohnung." Er hob resigniert die Schultern und folgte ihr. Sie führte ihn in ein riesiges, gemütliches Wohn- und Esszimmer an das sich eine komfortable Küche anschloss. "Hier kochen, essen und wohnen wir wenn wir Dienst haben. Da wir, wenn wir alle da sind, 13 Leute sind ist es so groß. Hier hinten ist ein großes Gemeinschaftsbad und dann mein kleines Reich." Sie zeigte Jens ein kleines persönliches Bad und ein sehr privates kleines Wohn- und Schlafzimmer das ihrem Charakter entsprach und dem Eindruck den er von ihr hatte. Sabrina zog ihn aufs Bett und sie küssten sich. "Deine Wildkatze hat hier bislang alleine ihr Nest gehabt, aber jetzt möchte ich mir ein neues in deiner Nähe schaffen. Ich hoffe du hast nichts dagegen." "Überhaupt nicht, ich möchte dich nicht mehr loslassen, am liebsten würde ich dich an die Leine nehmen, aber Wildkatzen mögen das glaube ich nicht." Sabrina sah ihn an und fauchte leise "Vielleicht gelingt es dir ja die Wildkatze zu zähmen." Jens Blick fiel plötzlich auf die Uhr "Eigentlich würde ich jetzt viel lieber mit dir hier liegen bleiben, aber wir müssen die Kids wieder abholen." Sie standen auf und gingen wieder zurück. "Jetzt werde ich die Post eben mitnehmen, wenn was ist melde ich mich. Wer löst dich nachher ab Norbert?" "Alex macht Dienst. Wir nutzen die Ruhe und fahren mit minimaler Besetzung die Schichten. Den meisten habe ich Urlaub gegeben, teilweise auf Bereitschaft, und der Rest macht Wartungsarbeiten und trainiert." "War eine gute Entscheidung, haben sich alle verdient." "Nun macht aber dass ihr los kommt, sonst kommt ihr noch zu spät und genieße deinen Urlaub." "Danke, werde ich, wir sehen uns Freitag." Gemeinsam gingen Sabrina und Jens zum Auto, sie verstauten das Gepäck und fuhren los.
"Was ist, du hast doch was auf dem Herzen?" Sabrina versuchte im dunkeln die Gesichtszüge von Jens zu deuten. "Nach dem was ich gesehen habe steckt da doch eine ganze Menge mehr dahinter als du bisher erzählt hast, oder?" "Ja, vielleicht verstehst du jetzt langsam warum wir nicht darüber reden wollen und wieso wir versuchen im Verborgenen zu arbeiten. Wenn bekannt werden würde welche Möglichkeiten wir haben und welchen Einfluss wir nehmen können besteht die Gefahr, dass man versucht uns unter Druck zu setzen und unsere Organisation missbraucht. Dann können wir nicht so arbeiten wie wir wollen und somit auch nicht mehr helfen. Mit der Zeit wirst du noch viel mehr erfahren, aber wirklich nur du, ich möchte das gerne mit dir teilen, wenn du willst. Denke in Ruhe darüber nach und entscheide dich dann." Sie nahm seine Hand und drückte sie. Sie hatten die Konzerthalle erreicht und Sabrina parkte den Wagen am Hintereingang. Gemeinsam gingen sie zur Tür, Sabrina klopfte und man lies sie herein. Nach kurzem Suchen hatten sie Volker gefunden. "Hallo Volker, wie ist es gelaufen?" "Hi Sabrina, war ein super Konzert und tolle Stimmung, deine Kids waren brav und sind im Moment mit den Stars in der Garderobe. Ich schätze mal die werden noch eine Weile davon erzählen, die haben ganz leuchtende Augen." Schnell hatten sie die Drei gefunden die total begeistert waren und sich eigentlich nicht trennen wollten. "Wenn ihr noch auf ein oder zwei Stunden in den Starlight Club mit wollt, würde ich vorschlagen ihr kommt jetzt mit zum Auto." Sprachlos sahen sich alle an. "Wohin willst du?" kam es von Jens "Davon war nie die Rede." "Komm schon, ich denke in dem Alter können wir das mit den Dreien machen und außerdem habe ich Lust mal wieder etwas Musik zu machen. Soweit ich weiß sind ein paar alte Freunde von mir dort. Ich brauche das mal wieder." Damit zog sie Jens zum Auto und nach 10 Minuten waren sie im Club. Obwohl es eine geschlossene Gesellschaft war erhielten sie ohne Probleme Einlass. Sabrina wurde mit großem Hallo begrüßt was sie aber sichtlich verlegen machte, sie sorgte für vier Sitzplätze und ging zu den Musikern auf die Bühne und gemeinsam machten sie in einer privaten und gemütlichen Atmosphäre Musik und sangen Lieder. Jens konnte sehen, dass es ihr viel Spaß machte, sie entspannte sich und genoss die Stimmung sehr. Wie versprochen hörte sie nach etwas mehr als 1 ½ Stunden auf und verabschiedete sich von ihren Freunden. Sie kam zu Jens und den Kids "Wie sieht es aus, können wir fahren?" Die Vier standen immer noch sprachlos auf und gingen mit zum Auto. Eine Weile fuhren sie schweigend durch die Stadt und auf die Autobahn. "Sag mal Sabrina wie oft machst du das?" fragte Anna "Was?" "Na Musik, du spielst sehr gut Klavier und Gitarre und deine Stimme ist auch nicht schlecht." "Klavier und Gitarre habe ich schon als Kind gelernt, das mit den Musikern hat sich dann mal per Zufall nach einem Konzert ergeben. Ich hatte damals Backstage Karten und wir haben rumgealbert. Und dann habe ich nach und nach Leute aus der Musikszene kennen gelernt. Wenn ich gut drauf bin und die richtigen Leute in der Stadt sind, dann treffen wir uns ab und zu und machen Musik. Je nachdem wer da ist kann das ganz unterschiedlich sein von der Art. Ich höre viel Musik und kann daher viele Texte, die Melodien dazu sind dann recht einfach wenn man sie im Ohr hat. Alleine mache ich das selten, macht am meisten Spaß wenn wir mehrere sind. Die Musik hilft mir dabei Sprachen zu lernen und sie öffnet dir die Herzen der Menschen. Musik spielt in allen Kulturen eine große Rolle."
"Sag mal Papa, hast du das gewusst?" Anna zog Jens am Ohr. "Was heißt gewusst, so habe ich sie kennen gelernt, sie hat abends in der Bar mit der Band noch Musik gemacht als ich auf Schulung war." "Ich glaube wir zwei müssen uns mal ernsthaft unterhalten", meinte Anna. Sie hatten Traunstein erreicht. "Am Besten fahre ich euch jetzt nacheinander nach Hause, es ist spät geworden." Als erstes setzten sie Annas Freundin Claudia ab. Jens sagte: "Falls deine Eltern Probleme machen sollen sie mich morgen anrufen, aber sie wussten ja, dass wir dabei sind. Gute Nacht." Kurz darauf hielt Sabrina vor dem Haus von Jens. Anna stieg als erstes aus "Gute Nacht und nochmals ganz herzlichen Dank, das war ein fantastischer Abend den ich so schnell nicht vergessen werde!" Jens sah Sabrina in die Augen und gab ihr einen langen Kuss "Du bist wunderbar, schlaf gut, bis morgen." Dann fuhr sie mit Dirk nach Hause. Leise gingen sie die Treppe hinauf "Schlaf gut und vielen Dank, es war klasse." Ganz leise schloss Dirk die Tür auf und verschwand. Sabrina ging in ihre Wohnung und verkroch sich schnell im Bett, der Abend war anstrengend gewesen, aber sie hatte ihn sehr genossen. Das Gepäck konnte sie auch morgen noch holen. Schnell schlief sie erschöpft ein.
Sonntagmorgen
"Guten morgen Papa", Anna saß bei Jens am Bett "Na, gut geschlafen?" "Ja und du?" Jens rieb sich die Augen. "Danke, sehr gut. Weißt du, dass du eine ganz tolle Frau gefunden hast? Und das sage ich nicht nur wegen gestern Abend. Ich hatte leider noch nicht die Möglichkeit allzu viel Zeit mit ihr zu verbringen, aber sie hat einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen. Vielleicht können wir mal ein paar Tage gemeinsam verbringen, ich würde sie gerne näher kennen lernen. Außerdem habe ich gemerkt, dass ihr Zwei sehr glücklich miteinander seit und sie scheint dir sehr gut zu tun. Ich sehe dich nur noch selten, aber ihr sollt eueren Urlaub genießen und euch erholen, ihr seid beide verletzt. Auf jeden Fall habe ich gemerkt, dass du dich verändert hast, viel lockerer bist und ich freue mich sehr für dich. Claudia und ich wollen heute ins Schwimmbad, wir treffen uns um 11 Uhr. Brötchen habe ich schon besorgt, die liegen in der Küche, vielleicht kannst du Sabrina damit überraschen." "Danke meine Große, ich bin froh, dass du Sabrina magst und akzeptierst." Anna gab Jens einen Kuss und verschwand.
Jens stand auf und machte sich fertig, vielleicht konnte er Sabrina wirklich überraschen, was ihm selten gelang. In letzter Zeit gelang ihr das häufiger bei ihm.
Als er kurz darauf die Treppe zu Sabrinas Wohnung hinauf ging traf er Dirk. "Guten Morgen Dirk. Na, haben Michael und Karin gemerkt wie spät es war?" "Nein, die sind noch nach mir gekommen. Ich wollte gerade Brötchen holen, wir können heute bei uns Frühstücken." "Gut, ich schaue mal ob Sabrina schon wach ist, wir kommen dann runter." Leise schloss er die Tür auf und schaute sich um, Sabrina schlief noch. Ganz entspannt und friedlich lag sie im Bett. Jens ging auf die Dachterrasse und schaute in den Garten, es war ein herrlicher Morgen. Langsam ging er die Wendeltreppe zu Michaels Wohnung hinunter. Dirk war wieder da und öffnete. "Sag mal wie lange kennst du Sabrina schon? Sie überrascht dich anscheinend auch noch." "Ich habe sie auf einer Schulung kennen gelernt vor ziemlich genau 6 Wochen. Norbert hat sie mir vorgestellt. Es kommt mir schon viel länger vor, so als ob wir uns schon ewig kennen und trotzdem verblüfft sie mich immer wieder." "Wie alt ist sie eigentlich? Sie ist schwer zu schätzen. Hat sie Kinder? Könnte man meinen weil sie so viel Verständnis für uns hat." "Sabrina ist 45 Jahre alt. Sie war mal verheiratet und hatte einen Sohn, der wäre heute etwa in deinem Alter." "Was heißt war, oder bin ich zu neugierig." "Nein, ihr Mann und ihr Sohn sind vor 10 Jahren im Urlaub bei einem Bombenanschlag ums Leben gekommen. Danach hat sie ein ganz neues Leben angefangen und spricht kaum über die Zeit davor."
"Guten Morgen", Karin und Michael standen in der Tür "hier riecht es ja schon toll nach Frühstück." Jens und Dirk hatten bereits alles gerichtet während sie sich unterhielten. "Ich gehe mal Sabrina wecken", sagte Jens und ging nach oben. "Na Dirk, wie war das Konzert?" fragte Michael und fuhr ihm durch die Haare. "Oh, das war echt klasse so etwas mal Backstage zu erleben, wir haben alles hautnah mitbekommen und auch die Band und Sänger näher kennen gelernt." Die Begeisterung war ihm anzuhören und er erzählte was sie alles erlebt hatten und wie sie anschließend noch im Club waren. "Na das muss ja wirklich ein toller Abend für euch gewesen sein. Ich wusste gar nicht das Sabrina Musik macht." sagte Michael. "Nur ab und zu wenn ich mit den richtigen Leuten zusammen bin und die Stimmung passt", hörten sie Sabrina von der Terrassentür sagen. "Ich wusste das ein paar alte Freunde da sind und wollte die Gelegenheit nutzen, bitte entschuldigt wenn es dadurch etwas später geworden ist." "Wie war eigentlich euer Grillabend?" fragte Jens. "Wir haben viel gelacht und es gab jede Menge zu erzählen, 2 Jahre sind eine lange Zeit. Es ist so schön wieder hier zu sein und zu wissen, dass keine Gefahr mehr besteht", antwortete Michael. Sie setzten sich an den Frühstückstisch und erzählten noch lange.
Der Sonntag und die darauf folgende Woche vergingen wie im Flug. Sabrina und Jens fuhren nochmals für ein paar Tage auf die Hütte und genossen die Einsamkeit. Als sie am Donnerstag zurück kamen fuhren sie auf der Basis vorbei. Da Sabrina am Freitag nach München musste wollten sie nachfragen ob Felix als Pilot noch benötigt wurde. Ginas Knöchel war inzwischen gut verheilt und sie war wieder Einsatzbereit. Nach Schichtende verabschiedete sich Felix ein bisschen wehmütig von allen. Freitagmittag auf der Basis
Da der Schichtwechsel bevorstand waren die Mitglieder beider Teams vollständig anwesend.
Karin und Michael fuhren mit dem Auto auf den Parkplatz. "Hallo Leute, wie war euere Woche?" "Hallo Michael, hallo Karin, ich denke ihr habt noch Urlaub, was macht ihr hier?" fragte Thomas "Habt ihr Sehnsucht nach der Arbeit?" In diesem Moment kam auch Jens angefahren. "Hi, es sind ja alle da ! Hat einer eine Ahnung was los ist?" "Nein, ich hatte eigentlich gehofft du könntest uns mehr dazu sagen. Wir wurden nur gebeten um die Mittagszeit hier zu sein", antwortete Michael. "Sabrina hat mir nur gesagt sie hätte einen Auftrag und ich sollte heute Mittag auf der Basis sein um sie abzuholen."
"Was ist den hier los, es sind ja alle versammelt!" Max kam überrascht aus dem Hangar. Plötzlich hörten sie einen Helikopter in der Ferne der näher kam. "Wildcat an Medicopter Basis bitte kommen" "Hier Medicopter Basis, was können wir für sie tun", meldete sich Herr Ebensieder da alle anderen draußen waren. "Erbitte Landeerlaubnis für ihre Basis, ich habe Eilbriefe und ein Paket das ich hier abliefern soll." "Landeerlaubnis erteilt", sagte Herr Ebensieder und ging nach draußen. "Erwartet irgend jemand von ihnen dringende Post? Ein Helikopter hat eben um Landeerlaubnis gebeten!" fragend sah er alle an. "Nein", kam es aus aller Munde und allgemeines Schulterzucken folgte.
Der Helikopter setzte zur Landung an. "Mensch das ist der Nachfolger unserer BK 117!" sagte Gina begeistert zu Thomas. Der Landevorgang war abgeschlossen und die Rotoren kamen zum Stillstand. Der Pilot lies sich Zeit mit dem Aussteigen. Bevor er zur Basis ging umrundete er einmal die Maschine und strich mit der Hand über den Rumpf. Sie konnten aufgrund der Entfernung nicht genau erkennen wer es war, zumal er einen Hut und eine Sonnenbrille trug. Als er näher kam musste Jens plötzlich grinsen, er hatte sie erkannt, es war Sabrina. "Einen wunderschönen guten Tag!" sagte sie fröhlich. "Ich habe den Auftrag hier ein Paket und einige Briefe abzugeben, was ich hiermit tun möchte." Damit überreichte sie Herrn Ebensieder, Max, Michael und Jens je einen Brief. Alle sahen sie vollkommen sprachlos an. "Na nun macht schon euere Post auf, oder seit ihr nicht neugierig?" Die Vier öffneten die Briefe und benötigten einige Zeit bis sie den Inhalt gelesen hatten. Thomas und Karin stürmten auf Jens und Michael ein "Nun sagt schon was drin steht." Jens fasste sich als erster "Es soll ein drittes Team aufgebaut werden und ich erhalte das Angebot als Pilot fest hier zu bleiben." "Und bei mir steht, ich habe die Möglichkeit als Arzt für das dritte Team hierher zu kommen oder eine Stelle als Chefarzt der Notaufnahme in der Klinik Rosenheim anzunehmen", sagte Michael total verblüfft. "Oh Michael, da ist ja super", rief Karin begeistert. "Tja meine Damen und Herren, das entspricht den Tatsachen, wir erhalten das Kapital und somit die Möglichkeit ein drittes Team aufzubauen. Dadurch wird es in Zukunft möglich sein Krankheits- und Urlaubszeiten besser zu überbrücken. Außerdem bringt ein Drei-Schicht-Betrieb für alle eine Entlastung. Die Zusagen stehen für die nächsten 5 Jahre fest, teilt und die Zentrale mit. Der neue Helikopter wurde uns von einem Sponsor gestiftet inklusive unbegrenzten Sprits für ebenfalls 5 Jahre. Die Wartungsverträge sind in der Zentrale hinterlegt." "Und ich darf auf eine Schulung um mich mit der Technik des neuen Helis vertraut zu machen", kam es von Max "Das haut mich um." "Nachdem ich jetzt meine Arbeit erledigt habe würde ich gerne nach Hause fahren, ich bin heute morgen sehr früh aufgestanden. Jens macht es dir was aus? Wer möchte den Schlüssel haben?" fragte Sabrina. Thomas und Gina griffen sofort zu. "Das Baby fliegt sich super, seit am Anfang aber noch etwas vorsichtig, es war der erste längere Flug heute morgen und es muss, ähnlich wie ein Auto, eingeflogen werden. Ich beneide euch fast ein bisschen", sagte Sabrina mit einem Blick auf den Heli. "Komm Thomas den sehen wir uns gleich mal genauer an", meinte Gina und zog Thomas in Richtung Heli, Max schloss sich an. Michael sah Sabrina an die nur leicht mit dem Kopf schüttelte sodass es niemand bemerkte. "Hat man dir noch irgendetwas gesagt?" fragte er. "Nein, ich habe nur den Auftrag erhalten den Heli heute morgen bei der Firma abzuholen und habe dort noch die Briefe mit bekommen. Ich war lediglich der Postbote und habe meine Arbeit gemacht, gelegentlich muss ich auch mal Geld verdienen", antwortete Sabrina unschuldig. Dann beeilte sie sich mit Jens die Basis zu verlassen. "Ja, meine Damen und Herren da werden wir uns alle in den nächsten Tagen zusammen setzen müssen. Falls Herr Lüdwitz und Herr Köster zusagen fehlt uns nur noch ein Sanitäter. Wobei hier am Ende des Briefes die neue Adresse von Herrn Staller vermerkt ist, vielleicht sollten wir bei ihm nachfragen ob er nicht wieder zurück kommen will." Herr Ebensieder sah in die Runde. "Wenn niemand etwas dagegen hat übernehme ich das, wir haben uns immer sehr gut verstanden", bot sich Peter an. "Hat jemand Terminvorschläge für das große Treffen? Ich möchte den Herren Lüdwitz und Köster noch etwas Bedenkzeit geben. Wie wäre es ausnahmsweise mit Sonntagvormittag, dann lasse ich uns sperren und wir können in Ruhe über alles reden." schlug Herr Ebensieder vor. "Einverstanden", kam es aus der Runde. Ein Einsatz für die Nachmittagsschicht löste die Runde dann endgültig auf, wobei immer wieder Gespräche und Diskussionen über die überraschende Entwicklung aufkamen.
"So unschuldig wie du tust bist du doch gar nicht, oder?" fragte Jens Sabrina im Auto. "Jetzt verstehe ich deine gelegentlichen Fragen endlich, du bist ganz schön raffiniert meine Liebe!" "Getreu unserem Motto wir helfen wo wir das Gefühl haben Menschen eine Freude zu machen. Und nachdem was ihr so über eueren Alltag erzählt habt, hatte ich einfach den Eindruck es wäre eine gute Lösung für engagierte Menschen. Bitte verrate nicht das wir dahinter stecken, sonst muss ich wieder viele Fragen beantworten. Wenn jemand Nachforschungen durchführt weist alles erst mal auf euere Zentrale hin mit der das abgestimmt ist und auf 3 Sponsoren wovon eine ´People For People´ ist und weitere Nachforschungen verlaufen dann im Sand." Sie waren inzwischen bei der Wohnung von Jens angekommen. Er schloss die Tür auf und nahm sie fest in den Arm. "Du bist unmöglich, ich hoffe ich kann dich irgendwann verstehen, aber ich bin total glücklich mit dir." "Ich hoffe, du bist glücklich über das Angebot hier zu bleiben und nicht ständig überall Vertretungen zu machen. Das bringt Ruhe in deinen Alltag und ist sowohl für Anna als auch für uns Beide gut."
Kurz nach 14 Uhr kam Anna von der Schule nach Hause. "Hallo Papa, hallo Sabrina, was ist los? Das bin ich ja gar nicht gewöhnt das ihr Zuhause seit", fragte sie gleich. "Stell dir mal vor was passiert ist! Ich habe heute das Angebot für eine feste Anstellung als Pilot für ein Drittes Team auf der Medicopter Basis erhalten. Was meinst du dazu?" "Oh Papa das ist ja klasse, dann bist du nicht mehr so viel unterwegs an unterschiedlichen Einsatzorten, ich freue mich riesig. Dann haben wir vielleicht mehr Zeit die wir miteinander verbringen können." Anna fiel ihrem Vater glücklich um den Hals. Sie setzten sich zu einem Kaffeekränzchen auf den Balkon und später kochten sie ein gemeinsames Abendessen. Die Zeit verging wie im Flug, sie unterhielten sich und lachten viel. Man hatte den Eindruck sie sind eine richtige kleine Familie. Gegen 21 Uhr machten Jens und Sabrina einen Spaziergang und gingen zu Sabrinas Wohnung. Anna wollte mit Freunden ausgehen.
Kaum hatten sie die Wohnung betreten kamen Karin und Michael die Treppe herauf. "Du hast uns alle ganz schön überrascht", sagte Karin. "Wieso ich? Kam doch soweit ich das verstanden habe von euerer Zentrale. Ich habe nur einen Auftrag erledigt", antwortete Sabrina. "Tu nicht so unschuldig, ich bin mir sicher, dass du dahinter steckst," meinte nun auch Michael. "Und selbst wenn, ihr könnt euch frei entscheiden und ein Drei-Schicht-Betrieb ist doch eine Entlastung für alle, oder nicht? Wenn ihr Beiden nicht wollt, dann finden sich sicher andere Leute", schmollte Sabrina. "Hey, jetzt sei nicht gleich beleidigt, wir finden das ja auch klasse, nur von so einer Lösung hat keiner von uns zu träumen gewagt." Karin ging auf Sabrina zu und nahm sie in den Arm " Ich danke dir." "Ich habe die Zusagen selbst erst gestern erhalten, daher konnte ich vorher nichts genaues sagen. Es sollten keine Hoffnungen geweckt werden die wir dann nicht halten können. Verratet nur bitte nicht wer dahinter steckt. Es sind tatsächlich 3 Sponsoren von denen einer ´People For People´ ist, das muss reichen, mal abgesehen davon, dass es stimmt. Ich habe meine Beziehungen etwas spielen lassen. Und jetzt macht bitte nicht so viel Wind um die Sache, ihr wisst ich mag da nicht. Freut euch, genießt es und macht das Beste daraus, je nachdem wie ihr euch entscheidet." "Sag mal, hast du Sektgläser?" fragte Karin "Wir haben eine Flasche Champagner mitgebracht um darauf anzustoßen." "Ja, drüben im Wohnzimmerschrank." "Ich habe heute Mittag schon mit Anna gesprochen, die freut sich riesig und ich werde das Angebot annehmen. Und wofür wirst du dich entscheiden?" Jens sah Michael an "Da muss ich nicht lange überlegen, das Krankenhaus liegt mir nicht ganz so, ich bin lieber Vorort unterwegs, also stehe ich auch bereit für das dritte Team. Jetzt fehlt uns nur noch ein Sani. Mal sehen ob Peter Ralf überreden kann", antwortete Michael.
Sonntagmorgen Medicopter Basis
Die Besprechung am Sonntagmorgen verlief aufgrund der Zusagen von Jens und Michael relativ kurz. Peter berichtete von seinem Besuch bei Ralf. Er war total überrascht gewesen über das Angebot. Er hatte abgelehnt mit der Begründung es würde ihn alles zu sehr an Gabi erinnern, was alle verstehen konnten. Gabi hatte sich während der Einsätze immer große Sorgen um ihn gemacht und sich die schwierigen Einsätze sehr zu Herzen genommen. Nach Gabis Tod hatte er damals das Team verlassen und war weggezogen. Am Ende des Gespräches hatte er doch um etwas Bedenkzeit gebeten, aber Peter glaubte nicht daran. Inzwischen lebte Ralf mit einer neuen Freundin zusammen und er wollte mit ihr darüber reden. Obwohl er einen neuen Job hatte, in einer andere Umgebung lebte und eine neue Freundin hatte, so richtig heimisch fühlte er sich nicht. Insgeheim musste er zugeben, dass ihm die alten Freunde und die Einsätze fehlten.
Während der Besprechung klingelte das Telefon, Herr Ebensieder nahm ab. "Ralf Staller, Guten Tag Herr Ebensieder, wenn ihr Angebot noch steht würde ich es gerne annehmen. Allerdings können wir unsere Jobs frühestens zum Ende August kündigen und eine Wohnung benötigen wir ebenfalls noch." "Das freut mich Herr Staller. Ich glaube das lässt sich Regeln und ihre Kollegen sind ihnen sicher gerne behilflich", antwortete Herr Ebensieder und legte auf. "Wie sie sicher mitbekommen haben, hat Herr Staller soeben zugesagt und wird uns ab dem 1. September zur Verfügung stehen. Ich werde morgen versuchen über die Zentrale einen Ersatzsanitäter für die Zwischenzeit zu bekommen, dann können wir evtl. schon früher, das heißt jetzt zur Ferienzeit, mit dem 3-Schicht-Betrieb beginnen. Das war es dann wohl, ich wünsche allseits ein schönes Wochenende." Damit verabschiedete er sich. "Mensch das ist ja toll, jetzt sind wir fast alle wieder zusammen, ich freue mich schon darauf", freute sich Peter.Einige Zeit später
Herr Ebensieder bekam tatsächlich einen Sanitäter und sie begannen Anfang August mit dem 3-Schicht-Betrieb. Sie hatten beschlossen die Teams in der gewohnten Zusammensetzung zu belassen und mit Jens, Michael und später Ralf das 3. Team aufzubauen. Der Ersatzmann fügte sich recht gut ein und sie hatten durch die Ferienzeit jede Menge zu tun. Ralf und seine Freundin Sonja kamen an mehreren Wochenenden um sich auf Wohnungssuche zu begeben, wobei sie von den anderen unterstützt wurden. Sabrina arbeitete teilweise von ihrer Wohnung aus und pendelte ansonsten zwischen München und Traunstein. Nicht immer war es möglich, dass sie gleichzeitig mit Jens frei hatte, da beide im Schichtbetrieb arbeiteten, aber sie verbrachten so viel Zeit als möglich zusammen und Anna verstand sich prächtig mit Sabrina.
Mitte August dann hatten sie endlich wieder ein gemeinsames Wochenende. Jens wollte Sabrina überraschen und hatte Blumen besorgt. Nach der Spätschicht fuhr er in ihre Wohnung. Als er die Tür öffnete sah er Licht in der Küche, sie war schon da. Da sie nicht reagierte sah er sich um. Er entdeckte sie auf der Terrasse, sie war auf der Liege eingeschlafen. Ihre Haare waren noch nass vom duschen und sie trug nur ein langes T-Shirt. Eingerollt wie eine Katze lag sie da, er musste schmunzelnd an ihren Spitznahmen denken und setzte sich zu ihr. Sie blinzelte ihn verschlafen an. "Hallo meine kleine Wildkatze", sagte er zärtlich und strich ihr über die Wange. "Du bist schon da? Nach unserem Telefonat habe ich erst morgen mit dir gerechnet." "Ich hatte Sehnsucht, du hast mir gefehlt, da bin ich gleich nach dem Einsatz gefahren." Sie schlang ihre Arme um seinen Hals und sie küssten sich leidenschaftlich. "Wie war deine Woche?" "Anstrengend und hart, die Ruhe die wir kurzzeitig hatten, ist wieder vorbei. Zwei meiner Leute wurden beim letzten Einsatz verletzt, aber Gott sei Dank nicht so schwer wie es anfangs aussah." "Du hast wieder ein paar Kratzer davon getragen, wäre mir lieber Karin oder Michael würden sich das ansehen." Als er sie in den Armen hatte konnte Jens eine frische Wunde am Oberarm spüren, am Unterschenkel hatte sie einen leichten Verband und er machte sich sofort Sorgen. "Hey, ist schon o.k., ich brauche nur etwas Schlaf und Erholung, dann regeneriert sich das schon, du kennst mich doch." "Versprich mir trotzdem einen der Beiden danach sehen zu lassen, bitte. Michael ist bestimmt noch wach, wir hatten zusammen Dienst." "Morgen, o.k.", gab Sabrina nach, sie wusste sie konnte ihn sonst nicht beruhigen. "Komm lass uns was essen, wir haben wahrscheinlich Beide Hunger, Anna hat heute eingekauft und auch deinen Kühlschrank gefüllt. Daran sehe ich, dass sie dich wirklich mag und akzeptiert." Jens half ihr beim Aufstehen. Sie war geschwächt, das konnte er spüren und sie wollte es mal wieder nicht zugeben.
Nach dem Essen saßen sie noch eine Weile auf der Terrasse und beobachteten die Sterne. Jens erzählte was die Woche über los war. Sabrina hatte sich an ihn gekuschelt, sie war still, hörte zu und genoss seine Nähe. Als sie eingeschlafen war trug er sie ins Bett, sie musste wirklich angeschlagen sein, sonst hätte sie es nicht geduldet. Früh am nächsten Morgen stand er auf, fuhr erst zum Bäcker und dann nach Hause. Er wollte sich von Anna verabschieden die mit Freunden für ein paar Tage zum Zelten wegfahren wollte. Dann kehrte er zu Sabrina zurück, sie schlief immer noch. Er richtete den Frühstückstisch und entschloss sich zu Karin und Michael zu gehen. Durch die Vorfälle in den letzten Wochen war eine schöne Freundschaft zwischen ihnen entstanden, mit begünstigt durch die Nähe die ihre Wohnungen zueinander hatten und die Arbeit im Team 3.
"Guten Morgen Jens, ist Sabrina schon da?", fragte Karin. "Ja, sie ist früher gekommen, sie hatte eine harte Woche. Ich wäre dir dankbar wenn du nachher mal nach ihr sehen könntest, sie hat wieder ein paar Verletzungen davon getragen." "Mach ich gleich. Ich bin froh, dass sie uns an sich ran lässt und wir die Informationen von Christian haben. Dadurch haben wir die nötigen Medikamente da, falls wir etwas brauchen. Ist sie schon wach? Wie schlimm ist es?", sagte Karin. "Sie sagt Kratzer, aber für mich sieht es etwas schlimmer aus. Eben hat sie noch geschlafen, dadurch erholt sie sich recht gut." "Ich gehe am Besten gleich hoch zu ihr. Michael macht Besorgungen und ich habe noch etwas Zeit bis zum Dienst." Karin nahm einen kleinen Koffer und ging nach oben. Als sie die Tür zu Schlafzimmer öffnete wurde Sabrina wach. "Guten Morgen, na gut geschlafen?" Karin setzte sich zu ihr. Sabrina blinzelte sie an. "Morgen, ja. Jens kann es wohl nicht lassen." "Er macht sich Sorgen um dich, sei nicht sauer." "Bin ich nicht, ich finde es irgendwie süß. Es ist so lange her, dass ich mit jemandem zusammengelebt habe der sich so um mich gekümmert hat, ich muss mich nur wieder daran gewöhnen." "Jetzt lass mich mal nach den Verletzungen sehen, dann lasse ich dich gleich in Ruhe." Sabrina zeigte ihr eine große Schramme am Oberarm. "Da hat es dich ganz schön erwischt, wäre besser ich klammere das, sonst gibt es eine hässliche Narbe", sie besprühte die Wunde mit Kodan, reinigte sie nochmals und setzte mehrere Klammerpflaster. Sabrina sagte nichts, aber Karin konnte sehen, dass sie Schmerzen hatte die sie ohne zu murren ertrug. "Tut es sehr weh? Soll ich dir etwas für die Schmerzen geben?" "Nein, ist schon o.k. Du weißt, ich will das nur, wenn es gar nicht anders geht", sie zuckte leicht zusammen. "Wo bist du noch verletzt?" "Am Unterschenkel, ist nur eine kleine Schürfwunde die ein wenig nässt", Sabrina zeigte ihr das Bein und Karin öffnete den Verband "Nur ist gut, das hätte viel früher versogt werden müssen", Karin sah sie streng an. "Wann ist das passiert?" "Gestern Morgen, zwei meiner Leute wurden schwer verletzt, da war es mir wichtiger ihnen zu helfen. Meine Verletzungen schienen mir nicht so schlimm, es hat die ganze Zeit kaum weh getan. Nach dem Duschen habe ich es gestern Abend versorgt." "Da sind noch Dornen in der Wunde, die haben sich verkapselt, ich hole unten schnell etwas Procain. Wenn ich dir das lokal spritze kann ich sie ohne Schmerzen heraus holen. Bleib liegen, bin gleich wieder da." Noch bevor sie zurück war, kam Jens zu ihr. "Hey, was ist los?" "Es sind noch Dornen in der Schürfwunde, die muss ich übersehen haben. Karin will sie raus ziehen, holt aber noch ein Lokalanästetikum. Mist, ich hasse Spritzen", Sabrina hatte sich aufgesetzt. In diesem Moment kam Karin durch die Tür "Jens setzt dich hinter Sabrina und halte sie fest", wies sie Jens an. "Was soll das? Ich .......", wollte Sabrina protestieren, merkte aber, dass sie keine Chance hatte. Sie lehnte sich an Jens und suchte seine Hand, er hielt sie fest. Er konnte ihre Anspannung spüren und das sie leicht zuckte als Karin das Procain spritzte. "Versuch dich zu entspannen, ich bin bei dir", beruhigte er sie. Sabrina schloss die Augen und legte den Kopf auf seine Schulter. Mit einem Skalpell und einer Pinzette entfernte Karin drei Dornen, reinigte die Wunde und legte einen frischen Verband an. "So, fertig, das müssen wir beobachten. Das war ganz schön leichtsinnig von dir, das hätte sich böse entzünden können. Am Besten du schonst den Fuß heute ein wenig." "Danke Karin, ich habe mal wieder zu wenig an mich gedacht, aber die Dornen habe ich wirklich nicht gesehen", antwortete Sabrina etwas geknickt. "Ich werde sie heute hüten wie meinen Augapfel, wir haben sowieso nichts vor. Michael kann später zu uns kommen und sich das gegen Abend nochmals ansehen", Jens sah Karin an. "Oh Karin bitte las das nicht zu, gegen zwei Männer komme ich doch nicht an", sagte Sabrina gespielt hilflos. "Das tut dir vielleicht mal ganz gut und sorgt für Ruhe, die brauchst du für den Heilungsprozess. Ich muss los, macht es gut", Karin grinste und verschwand. "Versprich mir bitte, dass du etwas mehr an dich denkst, du bist ganz schön leichtsinnig. Sonst muss ich mir in Zukunft überlegen ob ich dich begleite wenn du Einsätze hast. Keine Widerrede und jetzt gibt es Frühstück", Jens stand auf und reichte Sabrina die Hand.
Nach dem Frühstück setzten sie sich auf die Terrasse und erzählten, irgendwann schlief Sabrina ein. Jens wusste, dass das gut für die Heilung war und blieb bei ihr sitzen, er hatte sich ein Buch geholt und las. Am späten Nachmittag kam Michael die Treppe herauf, er brachte eine Flasche Wein mit. "Hallo Jens, wie geht es ihr?" "Sie hat sich ausgeruht und viel geschlafen" Michael setzte sich neben Sabrina und berührte ihre Stirn. "Temperatur hat sie keine, das ist gut, ich sehe mir die Verletzungen nachher nochmals an." "Hmmm, hallo Michael", Sabrina rieb sich die Augen. "Was machst du denn wieder für Sachen?" "War eigentlich gar nicht so schlimm, ich bin beim Rückzug in einem Dornenbusch hängen geblieben. Da wir zwei Verletzte hatten, habe ich mich um sie gekümmert und nicht groß um mich. Aber soll ich euch was sagen, ich habe Hunger." "Bleib liegen, ich schau mal was wir machen können", sagte Jens, stand auf und ging in die Küche. Michael wollte ebenfalls aufstehen, aber Sabrina hielt ihn fest. "Was ist los? Was bedrückt dich, ist etwas mit Dirk?" "Woher weißt du ......? Michael sah sie irritiert an. "Ich dachte du kennst mich langsam, ich kann das spüren, außerdem hast du dein Handy dabei." "Dirk hatte doch die Einladung für 3 Wochen zu seinem Schulfreund, Andrés Paolos, nach Brasilien auf die Familienhazienda zu kommen. Ich habe den Vater, einen Geschäftsmann, vor einem Jahr kennen gelernt, er hat einen guten Eindruck auf mich gemacht. Da wir so schnell nach Deutschland zurück sind und er sich eigentlich riesig darauf gefreut hatte, habe ich ihn fliegen lassen. Er hat sich seitdem jede Woche regelmäßig gemeldet, nur diese Woche nicht. Sie wollten einen Tour mit dem Jeep machen über mehrere Tage in die Wildnis, seitdem habe ich nichts mehr gehört. Eigentlich sollte er am kommenden Mittwoch zurückfliegen, da wäre es langsam an der Zeit, dass er sich meldet." "Na nun mach dir mal nicht allzu viel Gedanken, die haben sicher eine tolle Zeit in der Wildnis. Du wirst sehen, er wird sich bestimmt morgen melden", versuchte Sabrina ihn zu beruhigen.
Sie verbrachten trotz allem einen gemütlichen Abend und erzählten viel. Relativ früh sagte Michael "Ich möchte noch nach deinen Verletzungen sehen und werde dann gehen." Sabrina ging mit ihm ins Schlafzimmer da dort das Licht besser war. "Sieht schon sehr gut aus. Es überrascht mich immer wieder wie schnell das bei dir geht, lass uns trotzdem morgen nochmals danach sehen." "Danke Michael ich bin froh euch Beide in der Nähe zu haben. Bis morgen, schlaf gut." "Schlaft auch gut und pass auf sie auf Jens", Michael drehte sich um und ging. "Willst du nicht gleich liegen bleiben?" "Geht nicht, ich muss noch etwas überprüfen" "Du wirst doch jetzt nicht arbeiten wollen? Was ist los?" besorgt sah Jens sie an. "Ich bin mir nicht sicher, es kann Zufall sein. Du weißt wo Dirk ist? Hast du vorhin mein Gespräch mit Michael mitbekommen? Es gibt einen Drogenboss in Brasilien, er heißt Victor Paolos. Soweit ich mich erinnere, hat er zwei Söhne Andres und Christo. Ich wollte Michael nicht beunruhigen, und dass Dirk sich noch nicht gemeldet hat kann andere Gründe haben. Siggi hat Dienst und soll das mal mit unseren Leuten in Südamerika abklären, vielleicht gibt es aktuelle Bilder. Morgen muss ich Michael noch nach dem Namen des Vaters fragen, wobei die Paolos eine große Hazienda in Brasilien haben." "Warte, ich helfe dir, das beunruhigt mich jetzt auch ein wenig." Jens half Sabrina beim Aufstehen und ging mit ihr in das Büro. Sie führte ein längeres Gespräch mit Siggi und erklärte ihm den Sachverhalt. "Mehr können wir im Moment nicht tun, warten wir bis morgen und hoffen auf Bilder und andere Namen." Sie gingen zurück ins Schlafzimmer. "Nun warte mal bis morgen, vielleicht ist es falscher Alarm", Jens konnte die Unruhe spüren. "Ich weiß nicht, ich habe ein ganz schlechtes Gefühl dabei und das trügt mich sehr selten." "Komm schon, wir sollten optimistisch sein, sicher ruft Dirk morgen an", meinte Jens und nahm Sabrina in den Arm. Sie legten sich ins Bett und waren kurz darauf eingeschlafen.
"Guten Morgen", Michael und Karin kamen mit Brötchen die Treppe herauf. "Habt ihr schon Gefrühstückt?" "Nein, ich bin gerade aufgestanden, Sabrina schläft noch, sie entwickelt sich wieder zum Murmeltier", antwortete Jens "Wollen wir zusammen frühstücken?" "Deshalb sind wir ja hier, ich sehe vorher noch nach Sabrina," Karin ging in Richtung Schlafzimmer. Sie setzte sich zu Sabrina ans Bett die sie bereits anblinzelte "Morgen, was macht ihr denn schon wieder für einen Lärm so früh?" "Früh, es ist gleich 10 Uhr. Das Frühstück ist fertig, nur du fehlst noch. Ich möchte mir nur deine Wunden ansehen. Es ist wirklich erstaunlich wie schnell das bei dir heilt, wenn du Ruhe hast."
Nach dem Frühstück fuhren sie gemeinsam zur Basis wo sich alle trafen. Thomas, Mark und Peter hatten Frühschicht und damit sie bei dem herrlichen Wetter nicht so allein waren wurde ein Familientag gemacht der dann in die Spätschicht mit Karin, Gina und Enrico überging. Sie hatten ausnahmsweise nur einen kurzen Einsatz und konnten den Sonntag genießen. Für Oliver hatten sie einen kleinen Swimmingpool mitgebracht und selbst die ´großen Kinder´, Lisa und Laura, hatten ihren Spaß damit. Biggi beklagte sich darüber, dass sie immer dicker wurde, es waren nur noch wenige Wochen bis zum Geburtstermin.
Der einzige der den Tag nicht richtig genießen konnte war Michael, immer wieder wanderte sein Blick zum Handy und seine Gedanken waren bei Dirk. Sabrina spürte seine Sorgen, aber sie wollte ihn erst am Abend ansprechen. Gegen 20 Uhr fuhren sie zu ihren Wohnungen zurück. Sabrina überprüfte als erstes ihren Anrufbeantworter und die Mails im Computer. "Nichts bis jetzt, aber wir müssen die Zeitverschiebung mit berücksichtigen. Ich gehe noch schnell zu Michael und frage nach Bildern." Sie ging nach unten und klopfte an der Terrassentür. "Entschuldige wenn ich dich noch störe, hast du eine Nachricht von Dirk erhalten?" "Nein leider immer noch nicht. Ich mache mir ziemliche Sorgen." "Sag mal, hast du vielleicht ein Bild von Dirk und seinem Freund? Und wie heißt der Vater? Wenn du willst kann ich dort anrufen, ich spreche portugiesisch und kann mich erkundigen, falls die Eltern nicht da sind. So wohlhabende Familien haben meist eine Haushälterin." "Ein Bild habe ich, ein Klassenfoto, ich suche es dir raus. Der Vater hieß, warte mal, soweit ich mich erinnere Victor. Die Telefonnummer habe ich, Dirk hat sie mir für Notfälle gegeben, aber da meldet sich niemand." Michael ging in Dirks Zimmer und kam mit einem Bild zurück. "Hier, der ist es", er deutete auf einen Jungen neben Dirk. "Kann ich das mitnehmen? Ich versuche morgen von der Basis aus ob ich etwas in Erfahrung bringen kann. Sag mir nur Bescheid wenn Dirk sich noch meldet. Jens kann mich jederzeit erreichen." Michael sah sie dankbar an "Vielen Dank, ich hoffe es ist nichts passiert, ich mache mir solche Sorgen, das ist nicht Dirks Art sich nicht zu melden." "Hey, ich bin sicher, das löst sich ganz schnell auf." Sabrina nahm ihn in den Arm und ging dann nach oben.
Jens sah ihren sorgenvollen Blick. "Was ist los?" "Michael hat noch immer keine Nachricht. Der Vater des Jungen heißt Victor und ich habe jetzt ein Bild. Nachdem sich Siggi nicht gemeldet hat, muss ich sehen was ich morgen in Erfahrung bringen kann. Brasilien ist groß und die Zeitverschiebung spielt auch eine Rolle. Wir haben dort wenig zuverlässige Leute." Jens nahm sie in den Arm "Du wirst dein Möglichstes tun, das weis ich. Vielleicht machen wir uns ja unnötig Sorgen. Wir stehen in Verbindung und halten uns auf dem Laufenden, o.k.?" "Gut, lass uns Schlafen gehen, wir haben morgen viel zu tun. Wie habt ihr eigentlich Schicht?" "Damit Thomas in den Ferien etwas Zeit mit seinen Mädels verbringen kann haben wir uns bereit erklärt für die nächsten 3 Wochen die Nachtschicht zu übernehmen." "Finde ich toll wie viel Rücksicht ihr auf euere Kollegen nehmt." Sie gab ihm einen langen Kuss und lies sich mit ihm auf das Bett fallen. Dann vergaßen sie alle Sorgen und sie liebten sich leidenschaftlich.Mittwochabend auf der Basis"Hallo Thomas, wie war der Nachmittag?" Jens ging zu Thomas an den Flipper. "Naja, für Sommer relativ ruhig, nur 3 leichte Einsätze, aber die Hitze macht allen zu schaffen. Ich freue mich schon auf´s Schwimmbad mit den Mädels morgen Vormittag." "Hallo Leute, Schichtwechsel", Michael kam durch die Tür. "Oh Gott, ich glaube ich werde noch verrückt, die Warterei halte ich bald nicht mehr aus." "Hast du immer noch nichts gehört von Dirk?" "Nein, wir haben jetzt schon die Polizei in Brasilien eingeschaltet, aber ich habe das Gefühl das bringt nichts. Sabrina hat mit der Haushälterin gesprochen, die konnte uns ebenfalls nichts Neues sagen." Michael setzte sich und schlug die Hände vors Gesicht. Thomas ging zu ihm und legte den Arm um ihn, er wusste nicht was er zum Trost sagen sollte. Im Büro klingelte das Telefon und Jens nahm ab. Nach einem längeren Gespräch kam er zurück und sah sich um wer zuhören konnte. "Sabrina hat angerufen, sie hat Informationen von Ihren Kontaktleuten erhalten und es gibt eine Spur. Sie wird morgen früh fliegen und sehen was sie Vorort erreichen kann." "Was,...." Michael war aufgesprungen. "Ich komme mit, es ist mein Sohn, ich kann hier nicht mehr rumsitzen." "Michael, ich glaube nicht, dass du mit solltest, lass sie ihre Arbeit machen, Sabrina weiß was sie tut." "Nein Jens, ich will mit, wenn sie mich nicht mitnimmt fliege ich alleine los. Bitte ruf sie an." Michael hatte Jens an den Armen gepackt und flehte ihn an. "Komm schon Jens, ruf sie an, es ist sein Sohn", Thomas unterstützte Michaels drängen. "O.K. ich rufe an, wartet hier", damit ging er ins Büro.
Kurz darauf kam er zurück "Sie ist einverstanden, ich soll dich morgen früh nach unserer Schicht zur Basis bringen. Du sollst deinen Pass und ein paar Kleider mitbringen. Jetzt müssen wir uns nur noch etwas einfallen lassen wie wir das mit unserer Schicht für die nächsten Tage regeln." "Auf jeden Fall, vor allem weil ich mit komme, ich lasse meinen besten Freund nicht im Stich", sagte Thomas. "Nein, Sabrina hat gesagt nur Michael und außerdem ist Biggi hoch schwanger, du kannst sie nicht alleine lassen." "Es ist mir egal, ich komme mit. Biggi wird das verstehen. Ich rede gleich mit ihr und ihr solltet mit Mark und Gina reden, am Besten fahrt ihr hin. Für heute Nacht lassen wir uns sperren, dann können wir alles in die Wege leiten." "Thomas bitte, wenn Sabrina mich mitnimmt reicht das doch", sagte jetzt Michael. "Nein auf keinen Fall, ich komme mit. Am Besten treffen wir uns in zwei Stunden bei dir", Thomas setzte sich in sein Auto und fuhr los. Michael lies sie für die Nacht sperren und anschließend fuhr er mit Jens zu Mark und Gina. Die waren total überrascht als sie die Tür öffneten und Michael und Jens sahen. Schnell schilderten sie die Sachlage. "Wir wollten euch bitten ab morgen für ein paar Tage längere Schichten zu machen. Ich werde mit Sabrina reden, sie kann dafür sorgen, dass Felix als Ersatzpilot für mich kommt, ich gehe nämlich auch mit", schloss Jens ihre Schilderungen. "Ich hoffe ihr wisst was ihr tut. Ebensieder wird sauer sein weil er wieder überrumpelt wird. Wir wünschen euch viel Glück", sagte Mark. Er und Gina sahen sie beide an und nahmen sie zum Abschied in die Arme. "Ich versuche auf jeden Fall Herrn Ebensieder noch persönlich zu erreichen, er wird hoffentlich Verständnis haben", meinte Michael als sie zur Tür gingen.
Zur gleichen Zeit war Thomas bei Biggi und seinen Mädels. "Hallo ihr seid ja noch garnicht im Bett, nun aber mal los." "Och Papa, es sind doch Ferien", maulten Lisa und Laura, machten sich aber auf den Weg ins Bad. "Was ist los, es sind Ferien, du hättest sie nicht so scheuchen müssen", Biggi sah ihn überrascht an. "Ich muss etwas mit dir besprechen, da wollte ich sie nicht direkt dabei haben." Thomas schilderte was los war. Biggi hatte die Sorgen von Michael und Karin um Dirk aus den Gesprächen auf der Basis bereits mitbekommen. "Michael ist dein bester Freund und ich kann es verstehen, dass du ihn begleiten willst. Es wäre mir zwar lieber du würdest hier bleiben falls das Baby früher kommt, aber ich weiß wie wichtig dir die Freundschaft ist. Also geh und passt ja auf euch auf, wir brauchen euch noch. Ich will nicht am Ende mit drei Kindern hier alleine sein." "Ich wusste, dass du das verstehst und ich liebe dich dafür. Es wird schon gut gehen, du wirst sehen in ein paar Tagen sind wir alle wohlbehalten zurück." Schnell packte Thomas noch ein paar Sachen, suchte seinen Pass und sprach dann mit seinen Mädchen. Anschließend fuhr er zu Michael.
Michael und Jens, der schnell zu Hause war und ebenfalls ein paar Sachen gepackt und seinen Ausweis geholt hatte, waren schon da. Karin lag in Michaels Armen. "Hoffentlich geht alles gut, aber Sabrina und ihre Leute haben Erfahrung und wissen was sie tun. Ich wünsche euch viel Glück und meldet euch regelmäßig sonst werde ich hier verrückt." Tränen rannen ihr über das Gesicht. "Es wird alles gut werden, ich glaube daran", Michael drückte sie ganz fest und gab ihr einen Kuss.
Kurz darauf saßen sie im Auto und waren auf dem Weg nach München. "Oh Mann, Sabrina wird sauer sein, ich bringe Thomas mit und noch mehr, wenn ich ihr sage, dass ich auch mit will. Ihr müsst mir nachher einen Gefallen tun, macht euere Augen zu oder verbindet sie euch, so die letzte halbe Stunde. Die Basis soll geheim bleiben und Sabrina will nicht das jemand den Weg kennt. Könnt ihr das bitte machen?" Jens rieb sich mit der Hand die Schläfe. "Moment mal, das ist doch nicht nur ein normales Sonderkommando, was ist hier los?" fragte Thomas der nun stutzig wurde. "Thomas tu mir einen Gefallen, stell jetzt keine Fragen. Wir erklären dir das wenn wir da sind und etwas mehr Zeit haben", sagte Michael. "Jetzt sag nur du weißt Bescheid?" "Nur das Nötigste um Sabrina, ihre Leute und die Organisation nicht zu gefährden. Akzeptiere das vorerst und nerv jetzt nicht", antwortete Michael gereizt.
Sie hatten das Zentrum von München erreicht als Jens sagte "Seit so gut und macht die Augen zu, in einer halben Stunde sind wir da." Thomas und Michael schlossen die Augen und die Zeit dehnte sich endlos. Plötzlich wurde das Auto langsamer. Jens hielt vor einem großen Tor und gab mit den Scheinwerfern Lichtzeichen. "Ihr könnt die Augen auf machen wir sind am Ziel." Das Tor öffnete sich und sie fuhren zu einem heruntergekommenen Hangar. Er hupte kurz und gleißendes Licht fiel durch das Hangartor als es sich öffnete. Geblendet schlossen sie die Augen. Jens fuhr in den Hangar und parkte den Wagen. Michael und Thomas staunten nicht schlecht als sie die moderne Einrichtung und die zahlreichen Fahrzeuge und Flugzeuge sahen. Es herrschte hektische Betriebsamkeit und sie konnten zahlreiche Leute sehen. "Kommt mit", sagte Jens kurz. Sie folgten ihm zum hinteren Ende des Hangars.
Oben am Geländer konnte Jens Sabrina erkennen, sie war im Gespräch mit Norbert. "Nein, Nein und nochmals Nein! Werde ich nicht! Das ist zu riskant!" Jens hörte Sabrinas laute Stimme. "Einer alleine reicht, ich kann nicht auf drei aufpassen. Dafür haben wir nicht genug Leute, das brauche ich dir wohl nicht zu sagen." "Du geht’s jetzt, reagierst dich ab und duschst, ich rede mit ihnen und dann unterhalten wir uns noch mal." Norbert hatte sie fest an den Oberarmen gepackt. Sabrina drehte sich abrupt um und verschwand.
Jens, Michael und Thomas waren oben angekommen. "Hoppla, was ist denn hier los?" fragte Jens. "Kannst du dir das nicht denken? Sabrina ist sauer auf dich weil du einen Fremden mitbringst. Aber am Meisten ist sie auf sich selbst sauer, weil sie euch so nah an sich heran gelassen hat und jetzt wahrscheinlich nicht verhindern kann, dass ihr mitkommt. Sie hat große Angst das euch etwas passiert", antwortete Norbert, "Hast du eine Ahnung was du ihr damit antust?" "Ich rede mit ihr, ich will doch nur in ihrer Nähe sein." "Las sie jetzt, sie reagiert sich erst mal ab. Sie hat die letzten Tage kaum geschlafen wegen der Nachforschungen und Vorbereitungen und ist ein wenig gereizt. Wenn sie sich abgekühlt hat kommt sie wieder." "Was heißt das nun schon wieder?" "Na ja, in solchen Situationen geht sie in unseren Trainingsparcour, wenn sie danach kalt geduscht hat kann man wieder mit ihr reden. Oder wäre es dir lieber wenn sie sich anders abreagiert? Auf ein Wortgefecht mit ihr würde ich mich momentan nicht einlassen." "Was für ein Parcour?" "Komm ich zeig ihn dir, er ist Videoüberwacht." Norbert führte Jens zu einem Bildschirm. Thomas und Michael folgten. Mit Staunen verfolgten sie Sabrina im Parcour. "Wohw, das ist ja Irrsinn, macht sie das öfter?" fragte Thomas. "Wenn sie da ist fast täglich, sie ist die Beste, keiner von uns schlägt sie bis jetzt. Normalerweise nimmt sie nur Personen auf Einsätze mit die den Parcour innerhalb einer bestimmten Zeit schaffen, du kannst es ja mal versuchen." Norbert sah ihn von der Seite an. "Pffff, ..... danke, das muss nicht sein. Das ist doch verrückt." "Wenn du da draußen überleben willst, bei dem Job den wir machen, ist ein solch hartes Training lebenswichtig. Sie scheucht uns regelmäßig da durch und es hat uns schon in vielen Fällen das Leben gerettet." "Norbert kommst du mal", rief plötzlich eine Stimme von unten. "Bin gleich da", antwortete er. "Jens tut mir einen Gefallen und bleibt hier oben, Sabrina oder ich sind bald wieder da." Er eilte die Treppe hinunter.
"So, jetzt will ich endlich ein paar Erklärungen von euch. Diese Frau leitet doch kein einfaches Sonderkommando! Was ist hier los? Raus mit der Sprache!" Thomas sah Jens und Michael an. "Weißt du, das ist gar nicht so einfach", Jens holte tief Luft "Sabrina leitet hier in Deutschland eine Gruppe der Organisation ‚People For People´ die es sich zur Aufgabe gemacht hat Menschen, wie auch immer, zu helfen. Das Wichtige dabei ist, sie sind unabhängig von Regierungen und Wirtschaft. Ihre Einsätze führen sie weltweit durch und helfen den Menschen auf vielfältige Weise. Sie helfen im Kleinen wie bei Michael oder im Großen z.B. bei Naturkatastrophen. Das ganze läuft im Verborgenen weil sie weiterhin unabhängig bleiben wollen und in Ruhe arbeiten möchten. Je weniger du darüber weißt desto besser."
"Das hast du wirklich gut ausgedrückt", Sabrina stand plötzlich hinter ihnen. "So früh hatte ich nicht mit euch gerechnet. Was ist mit euerem Dienst?" sie gab Jens einen Kuss. Dafür, dass sie gerade ein gewaltiges Trainingsprogramm durchgezogen hatte, wirkte sie erstaunlich frisch fand Thomas. Er kannte sich bislang nur von den Treffen auf der Basis und hatte einen ganz anderen Eindruck von ihr bekommen. "Wir haben uns für heute Nacht sperren lassen um rechtzeitig hier zu sein und die Vertretung für die nächsten Tage zu regeln", antwortete Jens. "Was heißt wir, ich nehme nur Michael mit." "Wir lassen Michael nicht im Stich und begleiten ihn", Thomas sah sie fordernd an. "Ihr wisst doch überhaupt nicht auf was ihr euch einlasst. Außerdem seit ihr nicht ausgebildet und habt keine Erfahrung. Auf einen von euch kann ich aufpassen, aber nicht auf drei." "Sabrina, bitte nimm uns mit, ich habe eine Ausbildung bei der Polizei gemacht und Thomas war beim Militär, ein wenig Erfahrung haben wir schon. Wir wollen Michael nicht im Stich lassen und ich möchte bei dir sein." "Oh Gott, mach es mir doch nicht so schwer. Das was da draußen auf euch zu kommt kannst du damit nicht vergleichen. Außerdem weiß ich nicht wie ihr in gewissen Situationen reagiert und das könnte gefährlich werden. Mit meinen Leuten bin ich eingespielt." "Sabrina, lass sie mitgehen, sie werden keine Ruhe geben und hier sind sie auch schon". Michael hatte lange geschwiegen und unterstützte seine Freunde nun. "Na komm schon Mädchen, gib dir einen Ruck, wir haben im Moment sowieso nicht genug Leute", Norbert war wieder da.
"Jetzt fall du mir auch noch in den Rücken", Sabrinas Augen funkelten ihn an und resigniert hob sie die Schultern. "Von mir aus. Aber ich stelle Bedingungen: Ihr macht euch nützlich so gut es geht und haltet euch an meine Anweisungen ohne Widerrede, wenn es darauf ankommt." "O.K." kam es einstimmig von den Dreien. "Wie sieht es aus, sind alle Vorbereitungen abgeschlossen?" fragte Sabrina Norbert. "Wenn alles weiterhin nach Plan läuft kommen gegen vier Uhr die LKW´s mit der Fracht. In einer knappen Stunde ist dann alles verladen und wir können um fünf Uhr starten, sobald es hell wird. Die Kurskorrekturen des Satelliten sind soweit abgeschlossen, die ersten Daten erhältst du dann während dem Flug. Das Einzige was mir im Moment noch ein wenig Kopfzerbrechen macht ist die Besetzung der Basis wenn wir weg sind. Aber Christian sagte er bringt Beatrix und Paul mit. Basisdienst können sie übernehmen, meint er." "Es freut mich wenn die Beiden soweit fit sind. Dann sollten wir uns alle noch ein wenig ausruhen, die Nacht ist kurz genug." "Machen wir, bis später", er drehte sich um und ging.
"Nun zu euch! Wer fliegt eigentlich wenn ich dich und Thomas mitnehme?" fragte Sabrina Jens. "Na ja, ich wollte dich bitten Felix zur Medicopter-Basis zu schicken. Herr Ebensieder kennt ihn schon und die anderen ebenfalls. Den Schichtdienst haben wir mit Mark, Gina und Karin besprochen. Alle springen ein und arbeiten länger bis wir wieder zurück sind. Michael will morgen früh noch selbst versuchen Herrn Ebensieder zu erreichen und ihn informieren. Wir gehen davon aus das er zustimmt, eine andere Wahl hat er ja nicht." Jens sah Sabrina an. "Felix sollte eigentlich bei uns mitfliegen, dann müsst ihr euch eben mit der Maschine vertraut machen. Ich habe sonst nicht genügend Piloten. Norbert fliegt morgen früh mit einem Teil unserer Leute in das Erdbebengebiet in der Türkei, deshalb wird es personell etwas eng bei uns. Michael bitte erwähne bei Herrn Ebensieder nur meinen Namen nicht, der kann mich sowieso nicht leiden." "Was weißt du von Dirk?" Michael hielt es nicht mehr aus. "Noch nicht allzu viel, sie waren auf einem Ausflug und sind nicht zurück gekommen. Die Haushälterin sagte Ziel war eine Sommerhütte in den Bergen. Andres hatte das auf eigene Faust beschlossen ohne seinen Vater zu fragen. Der Hausherr sei ziemlich zornig gewesen und hinterher gefahren, aber bisher ebenfalls noch nicht zurück. So wie sie mir die Gegend beschrieben führt der Weg zur Hütte teilweise durch Drogenanbaugebiete. Ich vermute die zwei haben etwas gesehen was nicht für ihre Augen bestimmt war, oder sind den falschen Leuten in die Quere gekommen. Die ganze Sache wird dadurch brisant weil Victor Paolos einer der ganz großen Drogenbarone in Brasilien ist. Am Anfang hielt ich es für einen Zufall als du die Namen genannt hast, aber das Bild und die Telefonnummer haben es bestätigt. Über Satellit und bei der Zwischenlandung in New York erhalten wir während dem Flug noch weitere Informationen. Die Kontakte nach Südamerika sind schwierig und teilweise wenig zuverlässig. Einer unserer Leute verfolgt eine Spur, da warte ich momentan noch auf eine Rückmeldung. Vorort werden wir hoffentlich mehr erreichen." Sabrina hatte sich gesetzt, sie wirkte müde. "Warum hast du mir nicht früher etwas gesagt?" fragte Michael. "Das Meiste habe ich gestern erfahren durch den Kontakt mit der Haushälterin, die hatte übers Wochenende frei, deshalb hast du auch niemanden erreicht. Die Zeitverschiebung macht das ganze nicht leichter. Außerdem wollte ich dich nicht mit Aussagen beunruhigen die nicht abgesichert sind. Wir werden Dirk schon finden und da rausholen. Es ist nicht das erste Mal das wir so etwas machen. Nun sollten wir uns ebenfalls noch etwas ausruhen, die nächsten Tage werden anstrengend werden." Sabrina war aufgestanden und hatte Michael in den Arm genommen. "Das Sofa lässt sich zum Bett umbauen, Jens kann mit mir kommen."
"Meine Güte Michael, ich kann das gar nicht glauben", sagte Thomas als sie sich das Sofa zurecht machten. "Ich habe Sabrina schon erlebt und näher kennen gelernt, ich vertraue ihr, sie weiß was sie tut. Obwohl mich die Sache doch sehr beunruhigt." Michael legte sich hin und Thomas konnte sehen das er fix und fertig war.
Sabrina hatte sich in ihrem Zimmer aufs Bett gesetzt und die Hände vor das Gesicht geschlagen. Jens setzte sich zu ihr und nahm sie in die Arme "Du bist ganz schön fertig Mädchen, die Sache nimmt dich mehr mit als du zugeben willst." "Ja, du hast Recht, es hängt viel persönliches darin und es fällt mir nicht leicht euch mitzunehmen. Michael und dich kann ich ja einigermaßen einschätzen, aber Thomas noch dazu .... Außerdem habe ich die letzten Tage kaum geschlafen." "Auf Thomas kannst du dich verlassen, der geht durch dick und dünn. Und ich will auf dich aufpassen damit du dich nicht wieder übernimmst. Ich liebe dich doch." Eine Träne rann ihr übers Gesicht, Jens wischte sie weg. "Hey, so stark wie du immer tust bist du glaube ich gar nicht." Sie schmiegte sich an ihn "Du machst mich schwach", sagte sie und küsste ihn. Sabrina kuschelte sich an ihn und beide schliefen kurz darauf ein.
Um 4 Uhr morgens weckte Norbert Jens. Mit Zeichen gab er ihm zu verstehen das er mitkommen sollte. Vor der Tür sagte er "Ihr könnt uns beim Verladen helfen und Felix wird euch in der Maschine einweisen. Sabrina soll noch schlafen, sie hat das bitter nötig."
Auf dem Rollfeld standen zwei Frachtmaschinen und mehrere LKW´s. Eine Menge Leute waren bei der Arbeit um die LKW´s schnell zu entladen und die Fracht in den beiden Maschinen zu verstauen. Die ganze Aktion verlief ruhig, jeder wusste was er zu tun hatte. Felix erklärte Jens und Thomas wie sie die Frachtmaschine zu fliegen hatten. "Ihr solltet euch abwechseln, Sabrina und Alex werden auch fliegen, haben aber noch andere Aufgaben während dem Flug. Ihr könnt sie damit entlasten. Ich wäre lieber mitgeflogen anstatt euch zu vertreten. Tut uns einen Gefallen, hört auf Sabrina und vertraut ihr, auch wenn es euch schwer fällt, sie hat immer recht, das weiß ich aus Erfahrung. Sie wird nie etwas von euch verlangen was sie nicht selbst bereit ist zu tun. Jeder von uns verdankt ihr mindestens einmal sein Leben. Im Ernstfall würde sie ihres für euch opfern." "Das kriegen wir schon hin, wir haben versprochen zu helfen und ich werde auf sie aufpassen", antwortete Jens und klopfte Felix auf die Schulter.
Michael war gerade dabei noch die letzten Kisten zu verstauen als er von hinten eine Stimme hörte "Danke, dass du geholfen hast." "Oh, guten Morgen Christian, was machst du denn hier?" "Ich werde das Ablenkungsmanöver durchführen und euch somit Deckung geben. Erkläre ich dir wenn wir unterwegs sind, muss noch was erledigen", damit drehte er sich um und ging in Richtung Hangar.
"Soweit ist jetzt alles abgeschlossen. Macht euch fertig wir starten demnächst!" rief Norbert. "Kommst du mit Jens, wir wecken Sabrina." "Logisch", antwortete Jens und sie gingen gemeinsam in ihr Schlafzimmer. "Hey meine Süße, aufwachen", Jens kitzelte sie am Kinn. "Schon, wie spät ist es?" "Kurz vor fünf, es ist alles fertig." "Warum habt ihr mich nicht früher geweckt?" "Du hattest den Schlaf nötig. Ich werde dann starten Richtung Türkei und wünsche euch viel Glück, wir sind in Gedanken bei euch", Norbert gab Sabrina die Hand.
"Euch auch viel Glück und seid vorsichtig, es könnte durchaus zu Nachbeben kommen." Norbert stand auf und verabschiedete sich draußen noch von den anderen. "Dann werde ich mich mal fertig machen. Habt ihr eigentlich geeignete Kleider dabei? Vor allem feste Schuhe? Alex soll sich das mal ansehen, evtl. haben wir noch ein paar Sachen für euch."
Sabrina reichte Jens die Hand und er half ihr hoch. Mit einem Kuss bedankte sie sich. Kurz darauf erschien sie im Wohnzimmer wo alle ein schnelles Frühstück zu sich nahmen. "Guten Morgen! Hallo Bea! Hallo Paul! Ich bin froh euch zu sehen, geht es euch soweit gut?" "Klar, mit deiner Hilfe und für Basisdienst reicht es allemal. Ihr könnt jede Hilfe gebrauchen", antwortete Paul. "Gut das beruhigt mich ein wenig. Michael hast du noch mal versucht Herrn Ebensieder zu erreichen?" "Noch nicht, wann wollen wir starten? Ich denke so um 6 Uhr dürfte er auf der Basis erreichbar sein." "O.K., mach das, dann starten wir anschließend. Hallo Christian, tut mir leid, dass wir dich schon wieder brauchen. Hat alles geklappt?" "Kein Problem, ich habe alles bekommen was ich brauche. Und die Sache reizt mich." Von draußen hörten sie die Motoren der ersten Frachtmaschine starten.
"Gut macht euch fertig, wir treffen uns um 6 Uhr im Flugzeug." Die Versammlung löste sich auf und Sabrina holte sich nun auch einen Kaffee. Jens sah sie lange an "Geht es die gut?" "Was heißt gut? Ich hab Bauchweh. Die ganze Sache ist so schnell auf die Beine gestellt, ich hoffe das unser Kartenhaus nicht vorzeitig zusammenbricht. Vielleicht können wir das Ganze unterwegs noch ein wenig absichern." Sie holte tief Luft, schloss die Augen und lehnte sich an ihn. "Ausgerechnet jetzt muss ich noch einige Leute in die Türkei schicken, aber das ist auch wichtig. Das Rote Kreuz hat um Unterstützung gebeten und wir haben die nötigen Geräte." Schweigend saßen sie noch eine Weile auf dem Sofa, seine Nähe tat ihr gut und beruhigte sie ein wenig. Irgendwie war sie froh das Jens da war, obwohl sie es nicht offen zugeben wollte. "Ich packe noch schnell ein paar Sachen zusammen, wir treffen uns im Flugzeug", Sabrina löste sich von Jens obwohl wenn es ihr schwer fiel.
Einige Minuten später ging sie die Treppe hinunter. Auf dem Absatz zur Computer- und Funkzentrale machte sie Halt. Bea und Paul hatten sich dort schon eingerichtet. "Gute Besserung euch beiden. Vielen Dank das ihr da seit." Bea kam auf sie zu "Wir halten hier die Stellung, zieht die Sache durch und kommt bald wieder, wir sollten mal wieder feiern", sie nahm Sabrina in den Arm.
Langsam ging sie durch den Hangar, er war ausgestorben. Die Hektik und Betriebsamkeit der Nacht waren vorbei. Nachdem sie die Hangartore geschlossen hatte ging sie mit schnellen Schritten zum Flugzeug.
"Michael hast du Herrn Ebensieder erreicht?" "Ja, begeistert war er nicht gerade, hat dann aber doch Verständnis gezeigt, zumal wir schon alles geregelt haben. Ich vermute da kommt noch was nach, darüber zerbreche ich mir nur jetzt nicht den Kopf." "Na dann können wir, setzt euch, schnallt euch an und so weiter .....", sie verschwand in der Pilotenkanzel und nahm neben Alex Platz.
Nachdem sie ihre Reiseflughöhe erreicht hatten erschien sie wieder. Zu Jens und Thomas gewandt sagte sie "Könnt ihr uns bitte ablösen, wir haben noch ein wenig Arbeit." "Klar", Jens und Thomas sprangen sofort auf und gingen nach vorne.
"Na Michael, wie geht es dir?" Sabrina setzte sich neben ihn. "Ich mach mir solche Sorgen um Dirk, hätte ich ihn nur nicht gehen lassen. Und was du hier alles in Bewegung setzt ......" "Du konntest das doch nicht vorhersehen. Nun mach dir darüber mal keine Gedanken, dafür ist unsere Organisation da und außerdem sind wir Freunde." Sie nahm seine Hände und drückte sie fest. "Christian zeigst du Michael mal was für Möglichkeiten und welche Ausrüstung wir hier an Bord haben, vielleicht lenkt ihn das ein bisschen ab." "Tu ich doch gerne." Christian nahm Michael mit nach hinten wo für Notfälle eine kleine medizinische Station mit Labor eingerichtet worden war. Er erklärte Michael alles und machte ihn mit allem vertraut. "Ich bin überrascht wie modern ihr hier eingerichtet seit, darüber würde sich manches Krankenhaus sehr freuen." "Für unsere Einsätze und Leute ist uns nichts gut genug und hat schon manches Leben gerettet. Ich bin des öfteren dabei und kann dir einiges erzählen." Darüber verging für Michael die Zeit und er war tatsächlich etwas abgelenkt.
Inzwischen schaute Sabrina in die Kanzel. "Und, kommt ihr klar?" "Eine normale Frachtmaschine ist das nicht, oder?" Thomas sah Sabrina fragend an "Du hast recht, wir haben sie für unsere Arbeit etwas umgebaut, modernisiert und bequemer gemacht. Gefällt sie dir?" "Was soll ich dazu sagen, mich wundert hier bald gar nichts mehr", brummte Thomas.
"Sabrina kommst du mal ich brauche deinen Code", Alex saß am Computer und rief nach ihr. "Bin sofort da", antwortete sie und ging zu ihm. "Wir haben jetzt Zugriff auf den Satelliten." "Gut, ich gebe meinen Code ein und dann machen wir so viele Aufnahmen wie möglich, vor allem in hoher Auflösung. Haben wir noch einen zweiten Durchlauf um später Infrarot-Aufnahmen zu machen?" "Ja, in 6 Stunden" "Super, drucke mir bitte alles aus damit ich mir das im Überblick ansehen kann. Ich lege mich noch ein bisschen hin bis wir in New York sind, die anderen sollen sich auch ausruhen, sobald wir am Ziel sind werden wir wenig Gelegenheit dazu haben." Sabrina holte sich eine Decke und rollte sich auf dem Sofa zusammen. Im Hintergrund lief der Drucker, ansonsten kehrte langsam Ruhe ein.
"Sag mal Jens, wie lange kennst du Sabrina schon, ich werde aus ihr nicht schlau", Thomas hatte sich umgedreht und sah Jens an. "Seit Anfang Juni, aber es kommt mir wie eine Ewigkeit vor. Es war auf der Schulung, .... wir haben uns von Anfang an super verstanden, zuerst war es nur eine schöne Freundschaft ....., wir spürten bald da war mehr. Sabrina hat mir nach und nach viel erzählt von ihren Reisen und Ausbildungen. Irgendwie habe ich gespürt das sie eine besonderer Mensch ist. Sie zeigt mir neue Wege und Möglichkeiten von denen ich nie zu träumen gewagt hätte und es ist wunderschön mit ihr zusammen zu sein. Von der Organisation habe ich erst erfahren als sie den Kontakt mit Michael hergestellt und dann dafür gesorgt hat, dass er zurück kommen kann. Sie hat es mir so nach und nach schonend beigebracht und ich erfahre immer noch Neues. Es hat gute Gründe warum sie nicht über alles redet, sie versucht uns zu schützen." Jens machte eine Pause "Ihr liebt euch sehr, das kann man sehen. Kommst du damit zurecht was sie tut?" "Ich gewöhne mich langsam daran, sie hat eine Aufgabe übernommen und die erfüllt sie mit ganzem Herzen, so wie wir unsere Arbeit lieben. Sie bringt sich dadurch oft in Gefahr, so wie wir, dadurch komme ich einigermaßen damit zurecht. Wenn wir zusammen sind gibt es nur uns und wir reden nicht viel über die Arbeit." "Bei unseren Treffen auf der Basis oder Privat habe ich einen ganz anderen Eindruck von ihr gewonnen, sie scheint ein ganz anderer Mensch zu sein." "Sie versucht die Arbeit und das Private zu trennen. Da sie viele Einsätze und Arbeit haben nutzt sie die Freizeit um total abzuschalten und zu entspannen. Ich helfe ihr dabei so gut ich kann." "Sie scheint wirklich eine interessante Frau zu sein. Näher kennen gelernt habe ich nur diesen Felix der zwei Wochen Vertretung bei uns gemacht hat. Der hat auch seine Eigenheiten und war manchmal etwas wortkarg was seine Arbeit angeht, so langsam verstehe ich warum." "Ich denke mal du wirst noch einige Überraschungen erleben solange wir zusammen sind." "Du sprichst in Rätseln, was meinst du damit?" "Lass dich einfach überraschen und frag nicht so viel", Jens grinste ihn von der Seite an "Hast du Durst? Ich hol uns was. Was soll ich dir mitbringen?" "Ein Kaffee wäre in Ordnung." Jens ging nach hinten, Alex sah vom Computer auf als er ihn hörte "Alles O.K. bei euch?" "Ja, ich wollte uns nur was zu trinken holen. Wo sind die anderen?" "Die meisten haben sich hingelegt. Michael und Christian sind im Med-Center und Sabrina liegt auf dem Sofa. Könnt ihr nachher die Landung in New York übernehmen, dann kann ich hier dran bleiben." "Denke schon, dürfte nicht so schwierig sein."
Der Rest des Fluges verlief ruhig. Christian und Michael tauschten sich aus und Michael erfuhr noch eine ganze Menge über Sabrinas Eigenheiten und die ihrer Mitarbeiter.
Jens und Thomas brachten eine einwandfreie Landung mit der Frachtmaschine zustande und waren Stolz auf sich. Siggi verlies sofort das Flugzeug um einen Kontaktmann zu treffen und war schon nach kurzer Zeit zurück. Sabrina und ein Großteil der Anderen schliefen einfach weiter. Als Siggi zurück und die Maschine betankt war starteten sie sofort wieder. Gemeinsam mit Alex sichtete Siggi das Material. "Wir sollten Sabrina wecken, das müssen wir uns zusammen betrachten, außerdem müssen wir den Ablauf noch festlegen. Christian übernimmst du das mal bitte?" Christian der noch immer mit Michael erzählte stand auf und setzte sich neben Sabrina. Aus Gewohnheit strich er ihr über die Stirn und Wange und fühlte nach dem Puls. "Hey Mädchen, langsam aufwachen, die Arbeit ruft", sanft rüttelte er sie an der Schulter. Michael viel auf wie Rücksichtsvoll alle mit ihr umgingen, es war eine außergewöhnliche Gemeinschaft. "Hhmmmm... , wo sind wir? Habe ich lange geschlafen?" sie wollte sich aufsetzen. Christian hielt sie an der Schulter fest "Mach langsam", mahnte er sie "Wir haben in New York aufgetankt und sind bereits wieder in der Luft. Siggi hat sich mit dem Kontaktmann getroffen und sichtet die Unterlagen. Hast du dich ein wenig erholt?" "Ja, danke. Wir sollten sehen das ihr euch jetzt ein wenig ausruht, wer wieß wie es die nächsten Tage möglich ist. Ich werde mich an die Arbeit machen. Haben wir noch Kaffee?" "Ja, ich sag den anderen Bescheid", antwortete Christian. Sabrina stand auf, holte sich Kaffee und ging zuerst zu Jens und Thomas. "Na ihr zwei, ihr habt euch gut geschlagen, danke für die Entlastung." "War doch selbstverständlich. Hast du gut geschlafen?" Jens stand auf, stellte Sabrinas Tasse zur Seite und nahm sie in den Arm. "Ich habe dich noch gar nicht richtig begrüßt kleine Wildkatze" ,flüsterte er ihr ins Ohr. Sabrina fauchte ihn liebevoll und sanft an "Das holen wir nach, du hast mir gefehlt", flüsterte sie zurück. "Wenn ihr euch auch ein bisschen hinlegen wollt, dann macht das jetzt, wir wissen nicht, wie wir die nächsten Tage Gelegenheit dazu haben. Alex wird euch ablösen. Ich werde mit Siggi die Daten auswerten und den Infrarot-Durchlauf des Satelliten steuern." "Wo fliegen wir eigentlich hin? Brasilien ist groß", wollte Thomas wissen. "Da ist ein kleiner Flughafen in Boa Vista das wird unser Ausgangspunkt, in der Region muss Dirk sein", antwortete Sabrina. Thomas gab die Koordinaten ein und rief einige Informationen ab. "Ahm....., die Landebahn ist mindestens 500 Meter zu kurz für unsere Maschine", meinte er. "Weiß ich, hast du ein Problem damit?" Sabrina sah ihn an. "Sie ist zu kurz!" "Glaub mir sie reicht, mit einer Punktlandung geht das, ich habe das schon gemacht!" antwortete Sabrina und grinste ihn an. "Du bist verrückt das klappt nicht!" "Habe ich je behauptet das ich normal bin? Es geht, glaube es mir einfach, ich mach das schon." Sie zwinkerte Jens zu, drehte sich um und beendete damit die Diskussion. "Jens sag mir das dies nicht wahr ist, sie ist total verrückt." "Ist sie nicht, sie weiß was sie tut." Jens sah ihn grinsend an. "Oh mein Gott, sind jetzt alle hier verrückt?" Thomas stand auf und ging nach hinten. "Michael bitte sag mir das ich träume!"
Alex löste Jens ab, er ging nach hinten und beobachtete Sabrina. Sie saß mit Christian und Siggi über Bildern und jeder Menge Papier. Nach einiger Zeit stand sie auf "O.K. gib mir bitte Bescheid wenn der Satellit über dem Gebiet ist. Christian versuch auch du noch ein wenig zu schlafen, wir haben soweit alles besprochen."
Jens, Thomas und Michael hatten versucht zu Schlafen, was aber nicht so recht klappen wollte. Sabrina kam zu ihnen. Michael sah sie erwartungsvoll an. "Wir haben eine Spur und Hinweise wo Dirk ist, unsere Leute haben gute Arbeit geleistet. In etwas mehr als vier Stunden werden wir landen. Unser UNO Auftrag wurde bestätigt und wir haben die Überfluggenehmigungen für Brasilien und die Nachbarländer Venezuela und Guayana. Wir haben mit Hilfe unserer Leute um den Ort Limao eine Sperrzone für eine fingierte Epidemie eingerichtet. Dort ist ein kleines Krankenhaus. Christian wird mit ein paar Leuten hin fahren um Medikamente und Geräte zu bringen und die Ärzte zu unterstützen. Wir helfen mit unserer Lieferung den kranken Menschen dort. Die fingierte Epidemie und die Sperrzone verschaffen uns die Deckung die wir für unsere Aktion benötigen. Wir fahren ein Stück mit und steigen dann unterwegs aus. Christian meint er kann die Sperrzone etwa 3 bis 5 Tage aufrecht halten. Diese Zeit müsste uns reichen um zu unserem Ziel zu kommen und Dirk rauszuholen", erklärte Sabrina. "Was für ein Aufwand, warum nehmen wir nicht einen Hubschrauber, fliegen hin und holen Dirk raus?" fragte Thomas. "So einfach geht das nicht. Wir haben hier einen dichten Urwald, du kannst praktisch nicht landen und ein Hubschrauber erregt zu viel aufsehen, zumal wir noch nicht genau wissen wie viel Leute in dem Lager sind. Wenn irgendjemand zu früh auf uns aufmerksam wird oder die Sache mit der Epidemie auffliegt, dann besteht die Gefahr, dass die Sache schief läuft. Es handelt sich hier um Drogenhandel, das ist eine ganz heißes Ding und ein Großteil der Beamten und Politiker sind bestochen oder sogar darin verwickelt. Aus diesem Grund liegt mir nichts daran Aufsehen zu erregen, sonst haben wir das Militär am Hals und somit ein gewaltiges Problem. So wie das Ganze geplant und besprochen ist müsste es ganz gut klappen und wir sind spätestens in 5 Tagen auf dem Rückweg. Je schneller wir die Sache durchziehen können, desto weniger besteht die Gefahr entdeckt zu werden." Sabrina hatte sich zu Michael gesetzt "Oh mein Gott was für eine Aktion, du bringst deine Leute und dich ganz schön in Gefahr für uns. Ich weiß nicht was ich dazu sagen soll", sagte Michael und sah sie an. "Michael, das ist unsere Arbeit, wir würden das für jeden anderen auch tun, wenn wir darum gebeten werden. Alleine hättet ihr Dirk vermutlich nie gefunden, geschweige denn ihn da rausholen können. Wir helfen dir und dem Krankenhaus, vielleicht gelingt es uns außerdem noch die Anbauflächen und das Labor zu vernichten, dann haben wir mit einem Schlag viel Gutes getan, das ist unser Ziel." "Und was habt ihr davon?" fragte Thomas. "Was heißt was habt ihr davon? Wir helfen dadurch anderen Menschen in vielfältiger Weise. Dem Krankenhaus z.B. mit Medikamenten und Geräten die dadurch die Bevölkerung besser versorgen können. Dirk kommt zurück zu Michael. Und wenn es uns gelingt die Felder und das Labor zu vernichten ist das ein herber Schlag für den Drogenhandel, dadurch sind weniger Drogen im Umlauf und es werden vielleicht ein paar Leben gerettet und einige weniger abhängig. Wir können helfen und glückliche Menschen sind unser Lohn." "Das ist doch purer Idealismus", meinte Thomas. "Dann ist es eben Idealismus, aber vielleicht hilft es die Welt ein Stückchen besser zu machen und ein paar Leben zu retten, das genügt uns schon." "Aber warum riskiert ihr dafür euer Leben?" "Weißt du es gibt einen Spruch `Das woran du glaubst dafür sollst du leben und sterben` und so ist das bei uns, wir glauben das wir Gutes tun können und dafür sterben wir notfalls. In euerem Job setzt ihr doch auch oft euer Leben auf´s Spiel. Warum tust du das? Nur weil es deine Arbeit ist und du damit Geld verdienst oder weil du es gerne tust und anderen helfen kannst? Wir tun das Selbe nur in anderen Bereichen und einem anderen Stil." Thomas sah sie an und schüttelte den Kopf. "Woher nehmt ihr die Kraft und Motivation?" "Wir sind füreinander da und geben uns gegenseitig Kraft. Die Motivation kommt aus dem Miteinander und aus dem Glück der Menschen denen wir helfen", antwortete Sabrina. "Lass gut sein Thomas, mit der Zeit wirst du es besser verstehen, ich habe es so nach und nach auch besser verstanden", Jens war aufgestanden und hatte seine Hand auf die Schulter von Thomas gelegt. Sabrina nahm die Hände von Michael und sah ihm in die Augen. "Alles in Ordnung?" Michael hatte plötzlich ein seltsames Gefühl, als ob ein Teil seiner Last von ihm abfallen würde. "Ruht euch noch ein wenig aus", sagte sie und stand auf um ins Cockpit zu gehen. Jens folgte ihr, er hatte Sehnsucht nach ihrer Nähe. Michael fühlte sich leichter und schlief tatsächlich ein.
"Versuch ob du noch ein wenig schlafen kannst", sagte Sabrina zu Alex. Er verstand ohne weitere Worte das sie allein sein wollte und ging. "Kannst du nicht schlafen?" "Nein, ist alles irgendwie so aufregend und neu. Ich hatte keine Vorstellung wie so etwas abläuft." "Willkommen in meinem Leben, es ist immer etwas los. Deshalb genieße ich die Ruhe so sehr wenn wir Beide zusammen sind, das ist mein Ausgleich. Ich bin so froh, dass wir uns gefunden haben, du bedeutest mir so viel. Ich liebe dich." Sabrina hatte ihn in die Arme genommen und drückte sich fest an ihn. Jens nahm ihren Kopf zwischen seine Hände sah sie an und gab ihr einen langen innigen Kuss "Ich liebe dich und will dich nie mehr loslassen." Lange blieben sie so stehen und genossen ihre Nähe bis Siggi sie aus der Zweisamkeit riss.
"Sabrina kommst du bitte, der Satellit ist im Zielgebiet." "Tut mir leid, ich hoffe wir haben bald mal wieder ein paar Tage für uns. Kannst du noch ein wenig hier bleiben?" Sabrina gab Jens noch einen Kuss und ging nach hinten.
Die Infrarot-Aufnahmen lieferten ihnen die noch fehlenden Informationen für ihren Einsatz. Sie bekamen einen Eindruck mit wie viel Personen sie es vermutlich zu tun bekamen und wo die einzelnen Gebäude lagen. Nachdem sie alle Bilder ausgewertet hatten ging Sabrina wieder zu Jens ins Cockpit. "Warum schläfst du nicht ein wenig, du kannst es sicher gebrauchen." Sie fuhr mit ihrer Hand durch sein Haar und lies sie an der Schläfe liegen. Tatsächlich fühlte er sich plötzlich müde. "Du hast recht, ich werde mich noch ein wenig hinlegen." Jetzt kehrte wieder Ruhe ein im Flugzeug. Siggi setzte sich zu Sabrina ins Cockpit. "Kommst du zurecht? Ich möchte versuchen zu meditieren und Kontakt mit PauPa herstellen. Wenn wir von ihm Unterstützung erhalten, können wir das leichter durchziehen." "Nur zu, ich bin da." Sabrina schloss die Augen, ihre Gesichtszüge entspannten sich und die Atemzüge wurden tief und langsamer. Siggi beobachtete sie um notfalls eingreifen zu können. Er konnte sie mit seiner Kraft unterstützen falls es erforderlich wurde. Die Zeit dehnte sich, nach einer halben Stunde stand er beunruhigt auf und kniete sich neben sie. Kurz darauf schlug sie die Augen auf, sie holte tief Luft und atmete schneller. Sofort waren seine Hände an ihrem Gesicht. "Ich bin da, es ist alles o.k., mach langsam," Siggi spürte, dass die Verbindung sie Kraft gekostet hatte. Sabrina hob ihre Hände und fasste nach seinen. "Danke, du hast mir sehr geholfen, es geht schon. Du wirst stärker." "Ich habe eine gute Lehrerin. Hat es geklappt?" "Ja, er schickt uns drei seiner Leute mit kleinen Booten und wir können in seinem Lager übernachten." "Das freut mich, die Umstände werden immer besser. Ruh dich aus, ich hole dir etwas zu trinken." Kurz darauf kam er zurück. "Hier. Demnächst können wir die Landung vorbereiten. Soll ich die anderen wecken?" "Lass sie mal noch schlafen, wir machen das erst kurz vorher. Jens, Thomas und Michael wecken wir erst nach der Landung, die sind spät eingeschlafen."
Die Landung verlief ohne Zwischenfälle und wie Sabrina vorausgesagt hatte war die Landebahn lang genug, d.h. sie reichte gerade aus. Thomas staunte nicht schlecht nachdem sie ihn geweckt hatten, am Meisten ärgerte er sich darüber, dass er die Landung verschlafen hatte. Sofort fingen sie an die Fahrzeuge und das Material zu entladen. Zwei Stunden später waren sie fertig und konnten losfahren. Die Vorbereitungen waren gut verlaufen und keiner am Flughafen stellte Fragen. Bevor sie in die Fahrzeuge stiegen ging Sabrina noch auf Michael zu "Ruf Karin an damit sie Bescheid weiß, wir werden dann erst mal Funkstille halten, zur Sicherheit." Michael erreichte Karin sofort, sie war total verschlafen, freute sich aber von ihm zu hören. Anfangs war die Straße noch relativ gut ausgebaut und sie kamen gut voran. An einer Kreuzung hielt die kleine Kolonne und Sabrina, Jens, Thomas, Michael, Siggi und Johannes stiegen aus. "O.K. hier trennen sich vorerst unsere Wege. Jeder kennt seine Aufgabe und ihr habt euch die Gegend gut eingeprägt. Falls etwas schief läuft kennt ihr die Fluchtwege und Treffpunkte. Wir stehen wie immer in Kontakt." Aus dem Gebüsch tauchten 6 Personen auf die Sabrina kurz begrüßte "Ola José, danke für die Unterstützung und euere Hilfe." "Dafür ist die Organisation doch da, ich wünsche dir viel Erfolg. Wir sollten uns hier nicht allzu lange aufhalten falls wir beobachtet werden. Einsteigen Leute." Alle folgten dem Aufruf bis auf Alex. Dieser ging auf Sabrina zu und sie berührten sich gegenseitig an den Schläfen. "Du kannst dich auf mich verlassen, wenn du rufst bin ich da", damit drehte er sich um und stieg in den Wagen. "Es geht los, lasst uns verschwinden und nehmt euer Gepäck." Sabina hob ihren Rucksack auf und lief in Richtung Dschungel. "Was war das denn eben?" fragte Thomas. Siggi der hinter ihm ging antwortete "Die 6 Leute sind von unserer Organisation hier in Südamerika und haben unsere Plätze eingenommen. Falls man die Fahrzeuge beobachtet sind noch genauso viel Personen darin wie am Flughafen." "Und das mit Alex?" fragte Thomas nochmals. "Das ist eine ganz besondere Verabschiedung die Sabrina mit sehr guten Freunden macht", antwortete Jens weil er nicht noch weitere Erklärungen liefern wollte. Über die ´Indigo` Fähigkeiten sollte gegenüber Thomas vorerst nicht gesprochen werden, so hatte er es mit Sabrina vereinbart.
Über 2 Stunden liefen sie auf verschlungenen Pfaden schweigend durch den Urwald. Jens der direkt hinter Sabrina ging wunderte sich immer wieder wie sie den Weg fand. Zielsicher lief sie auf einem Pfad den er nicht erkennen konnte, der aber da war. Die Luft war heiß und schwül, langsam wurden sie müde. Als ob sie seine Gedanken gespürt hätte hielt sie an, sie befanden sich auf einer kleinen Lichtung. "Wir machen eine kleine Pause, in etwa einer Stunde sind wir am Fluss, dann geht es mit Booten weiter." Aus ihrem Rucksack holte sie eine Flasche Wasser und trank. Die anderen folgten ihrem Beispiel. "Sag mal wie findest du dich eigentlich hier zurecht, du hast ein Tempo und eine Sicherheit, ich habe Mühe dir zu folgen", fragte Michael. "Ich habe fast ein Jahr hier im Urwald bei den Eingeborenen gelebt, da lernt man eine ganze Menge, wenn man sich darauf einlässt und dafür bereit ist. Einen Teil meiner Fähigkeiten habe ich hier trainiert. Bin ich zu schnell? Ich habe schon versucht langsam zu machen. Wenn euch die Hitze zu schaffen macht, dann trinkt viel und in eueren Rucksäcken sind Salztabletten, das hilft ein wenig. Ruht euch etwas aus, ich gehe mit Johannes ein Stück vor", sagte Sabrina und verschwand im Gebüsch. "Die Hitze und das Tempo sind ganz schön anstrengend, wenigstens gönnt sie uns eine Pause", Thomas setzte sich hin. "Ihr wolltet unbedingt mit, Sabrina hat euch gewarnt. Wir sind für solche Einsätze trainiert, sie erfordern viel Kondition und ein Zögern oder Pausen können das Leben kosten", Siggi war im Gegensatz zu den anderen stehen geblieben und lauschte in den Urwald. "Wie lange machst du das eigentlich schon?" fragte Michael. "Ich bin seit 3 Jahren bei ihr und habe vorher eine Ausbildung als Kampfschwimmer gemacht. Trotzdem habe ich in dieser Zeit noch viel dazugelernt und das ist enorm wichtig bei dem was wir tun", antwortete Siggi. "Du als Kampfschwimmer, das kann ich mir gar nicht vorstellen", meldete sich Thomas wieder zu Wort. "Doch, Sabrina hat ein enormes Wissen und Erfahrungen in Dingen, die man uns dort nicht beigebracht hat. Glaub mir, ich war am Anfang auch überrascht, dass sie mir als Frau noch etwas vormacht. Inzwischen habe ich das akzeptiert und beobachte und lerne. Sie hat mir immerhin 7 Jahre Wildniserfahrung und leben mit Naturvölkern voraus, das kannst du mit nichts vergleichen. Außerdem macht es Spaß von ihr zu lernen, wenn du dafür offen bist." "Warum werde ich das Gefühl nicht los, dass da noch mehr ist. Ihr seit irgendwie seltsam", Thomas sah ihn an. "Sabrina ist ein besonderer Mensch, sie beschützt uns und wir sie. Sie hat uns einen neuen Weg gezeigt den wir gerne gehen. Wir lernen von ihr und sie lernt von uns." "Du sprichst in Rätseln, aber das tut ihr inzwischen alle", resigniert hob Thomas die Schultern. "Vielleicht wirst du es verstehen wenn du noch etwas Zeit mit uns und Sabrina verbracht hast, wir haben alle etwas Zeit gebraucht." "Glaub mir Thomas es ist in Ordnung und du wirst es auch noch verstehen", sagte nun Jens. "Sie kommen zurück." "Ich höre nichts, du Jens?" fragte Thomas. "Nein, aber ich kenne mich hier draußen nicht aus." Tatsächlich kamen Sabrina und Johannes zurück. "Es wird bald dunkel, am Fluss können wir übernachten, es gibt einen kleinen Lagerplatz. PauPa hat uns wie versprochen drei seiner Leute und Kanus geschickt." "Wer ist denn das schon wieder?" wollte Thomas wissen. "Das sind Einheimische die uns helfen werden, Freunde von mir." "Warum frag ich überhaupt noch, ich verstehe das ja doch nicht." Thomas schüttelte seinen Kopf. "Seit ihr soweit damit wir aufbrechen können?" Alle nickten. "Johannes gehst du vor, ich mach den Schluss." Sabrina packte ihren Rucksack und sie gingen wieder los. Jens blieb bei ihr. "Hat Thomas Probleme?" fragte Sabrina. "Was heißt Probleme, er versteht einiges nicht und das ist ein wenig schwierig für ihn. Wenn wir ihm die Sache erklären könnten wäre es vielleicht einfacher." "Was willst du ihm erklären? Das wir anders sind? Das hat er doch schon gemerkt. Er sperrt sich und will es nicht verstehen, er müsste sich nur öffnen. Sobald sich eine Gelegenheit ergibt werde ich ihm helfen. Die Natur hier bietet viele Möglichkeiten, wenn du möchtest kann ich dir helfen einige Dinge neu zu sehen." Jens war abrupt stehen geblieben und drehte sich um "Zeig mir deine Welt, ich möchte lernen mit deinen Augen zu sehen und zu verstehen." "Du brauchst meine Augen nicht, du kannst mit deinen Augen das sehen und verstehen was ich sehe, du musst nur dein Herz und deine Sinne öffnen. Die Welt kann so wunderbar und schön sein. Ich werde dir am Anfang helfen, du wirst sehen es ist leicht und du kannst das auch alleine." Sabrina war ebenfalls stehen geblieben und hatte sein Gesicht in ihre Hände genommen. "Ich freue mich das du bereit bist, wir werden es heute Abend versuchen. Nun lass uns gehen, sonst vermissen uns die anderen", sagte Sabrina und gab ihm einen Kuss. Sie liefen etwas schneller um die anderen einzuholen und kurz darauf waren sie am Fluss. "Wir werden hier unser Nachtlager aufschlagen, es hat keinen Sinn im Dunkeln den Fluss hinaufzufahren. PauPa´s Leute werden morgen früh wieder da sein."
Innerhalb kurzer Zeit hatten sie Holz gesammelt für ein kleines Feuer. Johannes und Siggi hängten zwischen den Bäumen einige Hängematten auf da es dort sicherer war zu schlafen. Sabrina und Siggi verschwanden im Urwald und kamen mit einigen Früchten zurück. Johannes zeigte den anderen wie sie fischen konnten und bereits nach kurzer Zeit hatten sie genug für das Abendessen gefangen. Über dem Feuer waren die Fische schnell gerillt. "Ich hätte nicht gedacht ein so leckeres Abendessen mit so wenig Mitteln und in so kurzer Zeit zu haben", sagte Michael bewundernd. "Die Natur hat ein sehr reichhaltiges Angebot, man muss nur wissen was man verwenden kann und wie man ihre Schätze nutzt. Eigentlich ist es relativ einfach hier zu überleben und genau genommen sogar gesünder. Ich habe nie erlebt, dass die Menschen die in Einklang mit der Natur leben irgendwelche Mangelerscheinungen oder Krankheiten haben wie wir sie in unserer sogenannten Zivilisation kennen. Sie wissen aus der Erfahrung was ihr Körper braucht und die Natur liefert ihnen alles was nötig ist." Sabrina starrte ins Feuer. "Aber das Leben hier ist doch primitiv und beschwerlich", erwiderte Thomas. "Das ist eine Sache der Sichtweise. Die Menschen hier sind glücklich, sie haben alles was sie brauchen, genaugenommen sogar noch viel mehr. Sie kennen unsere Zivilisation und Technik, aber sie haben sich ganz bewusst für dieses Leben mit seiner Einfachheit entschieden. Dadurch, dass sie im Einklang mit der Natur leben sind sie in vielem reicher als wir, weil sie die Dinge anders sehen und nicht unseren Zwängen unterliegen." Sabrina machte eine Pause und legte noch etwas Holz nach. "Weißt du, ich hatte bis vor 10 Jahren auch ein anderes Leben. Ich habe mich den Regeln unserer modernen Gesellschaft untergeordnet, eine Schule besucht, eine Ausbildung gemacht und bin einer geregelten Arbeit nachgegangen. Irgendwann habe ich geheiratet und ein Kind bekommen. Wir haben ein Haus gebaut, ein Auto gekauft und uns in das Gefügt was von uns erwartet wurde. Aber irgendwie hatte ich immer das Gefühl das mir etwas fehlt und das es das nicht sein kann bis zum Lebensende, immer zu tun was andere von dir erwarten. Als mein Mann und mein Sohn bei einem Bombenanschlag ums Leben kamen wollte ich zuerst auch nicht mehr leben. Dann ist ein Mensch in mein Leben getreten der mich wieder auf die Füße gestellt hat und mich hinaus in die Welt geschickt hat. Sieben Jahre habe ich auf allen Kontinenten verbracht und bei verschiedenen Naturvölkern gelebt und viel von ihnen gelernt. Gelernt, dass es wichtig ist im Einklang mit der Natur zu leben und von ihr zu lernen. Sie haben mir ihr Leben gezeigt und ihr Wissen mit mir geteilt, es ist alles im Gleichgewicht. Die Welt an sich ist gut, lediglich der Mensch, der nicht um die Zusammenhänge weiß, zerstört dieses Gleichgewicht. Irgendjemand hat einmal gesagt: Das größte Raubtier auf dieser Welt ist der Mensch. Das stimmt. Überall wo wir in die Gebiete der Naturvölker einbrechen mit unserer sogenannten Kultur haben wir nur Zerstörung und Krankheiten gebracht. Mit allem was wir zerstören und was verschwindet wird unsere Welt ein Stückchen ärmer. Wir sehen die Schätze nicht mehr die wir eigentlich haben." Sabrina machte eine Pause und legte Holz auf dem Feuer nach. "Das sehen wir als unsere Aufgabe an, zu versuchen mit unserer Arbeit ein wenig davon zu erhalten und Gutes zu tun. Die Welt wie sie ist verändern können wir nicht, aber wir können vielleicht gewisse schlechte Entwicklungen verhindern oder beeinflussen. Vor allem versuchen wir das Denken der Menschen zu verändern indem wir auf Missstände aufmerksam machen. Wenn wir nicht lernen mit unserer Umwelt umzugehen und zu leben werden wir als erstes auf der Strecke bleiben, die Natur wird eine Möglichkeit finden zu überleben, das hat sie schon immer getan." Sabrina hielt inne und blickte ins Feuer. Ohne ein weiteres Wort stand sie auf und ging hinunter zum Fluss wo sie sich ans Ufer setzte. Jens folgte ihr, er wollte einfach nur bei ihr sein.
Thomas und Michael sahen ihr nach. "Ich wusste nicht ......" fing Thomas an. "Wir wissen vieles nicht, weil wir es nicht sehen wollen. Vieles ist weit weg und interessiert uns deshalb nicht, obwohl es eigentlich wichtig wäre. Der Urwald hier ist eine enorme Schatzkammer die wir systematisch zerstören. Er hat einen langen Zeitraum gebraucht um zu wachsen und wir vernichten ihn innerhalb kürzester Zeit, ohne uns Gedanken zu machen was die Konsequenzen sind. Wir denken nur in einem kurzen Zeitrahmen und nicht an das Ganze. Sabrina zeigt uns das immer wieder, sie sieht die Dinge aus anderen Perspektiven. Sie schickt uns im Rahmen unser Ausbildung auch für einige Zeit auf die Kontinente zu den Naturvölkern damit wir das lernen. Wir bleiben nicht so lange wie sie, es genügt aber um die Ansätze zu lernen, den Rest bringt sie uns bei. Auf eine gewisse Art und Weise wandelt sie zwischen den Welten und das ist nicht leicht, deshalb zieht sie sich oft zurück." Siggi sah hinunter zum Fluss. "Aber warum gibt sie ihr Wissen nicht weiter, Medizin und Wissenschaft könnten enorm davon profitieren?" fragte Michael. "Das tut sie, sie versucht uns sensibel zu machen für die Zusammenhänge. Was Medizin und Wissenschaft angeht, überlege doch einmal selbst was passieren würde wenn sie z.B. zeigen würde welche Pflanzen oder Tiere uns helfen würden Krankheiten zu besiegen. Wir würden noch stärker in dieses Paradies einbrechen, Pflanzen und Tiere sammeln und jagen und dadurch evtl. ausrotten und noch mehr zerstören." "Aber man kann sie doch züchten,....." "Was ist wenn sie ihr natürliches Umfeld brauchen um gewisse Stoffe zu produzieren?" fragte Siggi. "Du siehst, das ist nicht so einfach." "So habe ich das noch nicht betrachtet", antwortete Michael. "Denkt mal über alles nach was ihr heute gehört habt und dann reden wir noch einmal darüber." Siggi war aufgestanden "Jo machst du die erst Nachtwache? Ich leg mich dann hin." "Sollten wir auch machen", sagte Michael zu Thomas. "Ich glaube, ich muss wirklich über einiges Nachdenken", Thomas sah erst Michael an und dann runter zum Fluss. "Hast du das gewusst?" fragte er. "Was? Wir haben einige Zeit mit Sabrina auf der Hütte verbracht, sie erzählte ab und zu etwas, aber ich erfahre immer wieder Neues. Sie regt zum Nachdenken an und überrascht mich immer wieder, ich lerne sie erst langsam kennen", antwortete Michael.
Jens hatte sich zu Sabrina an das Flussufer gesetzt. "Du hast mir wieder interessante Einblicke in eine andere Welt geöffnet und einiges zum Nachdenken gegeben. Ich glaube, so langsam verstehe ich dich immer mehr. Fällt es dir nicht enorm schwer in unserer Welt zu leben nach dem was du hier draußen erfahren hast?" Sabrina sah ihn lange an. "Leg dich hin", forderte sie ihn auf und deutete auf ihren Schoß. "Ich versuche beide Welten zu vereinigen da ich das Gute in Beiden sehe. Außerdem möchte ich beiden Welten helfen und das kann ich nur, wenn ich in unserer modernen Welt lebe. Was würdest du denn tun wenn ich mich für die Wildnis entscheide? Könntest du hier leben? Was ist mit Anna und deinen Freunden?" "Wenn du da bist und mir hilfst ....." "Genaugenommen sind wir nicht geschaffen um auf Dauer hier zu leben, aber wir können lernen und in unserer Welt davon profitieren." Sabrina strich ihm verspielt durch die Haare. "Mach die Augen zu und lausche auf die Stimmen der Natur. Schalte ab, lass los und versuche alles andere zu vergessen. Höre auf das Rauschen des Wassers und der Bäume, die Stimmen der Tiere und lausche was sie dir erzählen. Jedes Lebewesen hat seine Geschichte", sie hatte ihre Hand auf seine Stirn gelegt und half ihm mit ihren Fähigkeiten sich fallen zu lassen und alles in sich aufzunehmen. Jens hatte das Gefühl zu schweben und je länger er lauschte desto mehr konnte er hören, eine wunderbare Welt offenbarte sich ihm. Immer mehr Bilder tauchten auf und er konnte Dinge sehen die er bislang noch nicht entdeckt hatte. Es war eine wunderbare Reise in eine neue Welt und er nahm alles in sich auf. Wie lange er so gelegen hatte konnte er später nicht mehr sagen. "Es wird Zeit zurück zu kommen", leise drang Sabrinas Stimme in seine neue Welt ein. Er schlug die Augen auf, sah ihr Gesicht und darüber die Sterne. "Danke, das war wunderschön." "Nimm es in dein Herz auf und bewahre es, es wird dir Kraft geben so wie mir." Lange blieben sie noch am Fluss liegen ohne zu reden.
"Guten Morgen, aufstehen!" rief Sabrina. Sie hatte nach Jo und Siggi die letzte Nachtwache übernommen. Jens schlug die Augen auf, Sabrina hatte ihn mit einem Kuss geweckt. Er hielt sie sanft fest und flüsterte ihr ins Ohr "Ich liebe dich." "Hast du gut geschlafen?" "Ja, sogar sehr gut, hätte ich nicht gedacht in einer Hängematte." Nach dem Frühstück tauchten plötzlich drei Einheimische am Fluss auf. Sabrina begrüßte sie und nachdem sie das Feuer gelöscht und ihre Sachen zusammengepackt hatten fuhren sie mit den Booten los. Jens, Michael und Thomas saßen jeweils in der Mitte der Boote. Sabrina, Johannes, Siggi und die drei Einheimischen hatten sich auf die vorderen und hinteren Enden verteilt. Kräftig und gleichmäßig tauchten die Paddel ins Wasser ein. Obwohl sie stromaufwärts paddelten kamen sie zügig voran. Es wurde kaum gesprochen. Jens saß hinter Sabrina, beobachtete sie und die Umgebung. Sie spürte seinen Blick und sagte "Entspanne dich und öffne deinen Geist für die Umgebung." "Ich kann das nicht", antwortete er. "Versuch es einfach, gestern hast du es auch gekonnt." "Da hast du mir geholfen." "Es ist nicht schwer, versuch es." Jens versuchte sich zu entspannen, er lies alles los was ihn bedrückte und nahm die Natur in sich auf. Das Boot, Sabrina und die anderen verblassten immer mehr. Er entdeckte plötzlich Tiere und Pflanzen die er zuvor nicht gesehen hatte. Das bunte Stimmengewirr löste sich auf und einzelne Stimmen taten sich hervor und erzählten ihre Geschichten. Eine phantastische neue Welt tat sich vor ihm auf die er so noch nie erlebt hatte, es war als ob er bislang blind gewesen wäre. Sabrina hatte recht, man musste die Welt mit anderen Augen sehen um sie zu verstehen. Das klicken der Gewehrsicherung riss ihn aus seiner neuen Welt. Es geschah so plötzlich das er zuerst etwas irritiert war. "Was ist los?" wollte er wissen. Sabrina hatte aufgehört zu paddeln und die anderen Boote hatten aufgeschlossen. Sie wechselte ein paar Worte mit den Einheimischen die er nicht verstand. Jetzt viel ihm auf, dass es vollkommen still geworden war. Nur der Fluss und die Bäume waren noch zu hören. "Irgendetwas schlimmes ist passiert, das Gleichgewicht wurde gestört und Tod liegt in der Luft." Während sie das sagte hatte sie einen Teil ihrer Kleidung ausgezogen. "Ich werde mich mit Minu und Racu umsehen. Ihr fahrt weiter den Fluss hinauf, nicht weit ist eine kleine Bucht am Ufer, wartet dort bitte und verhaltet euch still. Kannst du damit umgehen?" Sabrina reichte Jens das Gewehr. Noch bevor er etwas erwidern konnte waren sie im Wasser. "Pass auf dich auf", war alles was er noch sagen konnte, dann waren sie schon außer Reichweite. "Ist sie immer so kurz angebunden und so schnell? Das ist meiner Meinung nach reichlich unvorsichtig", sagte Thomas. "Ist es dir nicht aufgefallen wie still es plötzlich geworden ist? Das ist nicht normal. Sie kennt sich hier aus und Minu und Racu sind hier zuhause. Sie werden bald wieder zu uns stoßen. Nun aber los und leise", sagte Siggi. Schweigsam paddelten sie weiter und bis sie die kleine Buch erreichten. "Wir bleiben in den Booten bis wir mehr wissen", Jo beobachtete den Wald und lauschte angestrengt. "Oh man, die Sache wird mir immer unheimlicher, ich fühle mich überhaupt nicht wohl." Thomas rieb sich nervös die Hände. "Das liegt daran, dass du viel zu verkrampft bist und Sabrina und ihren Leuten nicht vertraust." Jens sah ihn an und legte eine Hand auf seine. "Wie soll ich einer Frau vertrauen die ich nicht verstehe und die sich seltsam benimmt? Michael sag doch auch mal was." "Jens hat Recht, du bist viel zu verkrampft, aber ein wenig kann ich dich verstehen. Es braucht seine Zeit um sich an gewisse Eigenheiten von Sabrina zu gewöhnen, wenn du den Weg gefunden hast ist es nicht so schwer." "Ihr beide sprecht in Rätseln, ich schaff das nicht." "Hab Geduld, das kommt noch", meinte Michael. Dann kehrte wieder Stille ein und jeder hing seinen Gedanken nach. Wie viel Zeit darüber verging konnte keiner genau sagen. Wie aus dem Nichts stand Sabrina plötzlich am Ufer. Ihre Hände und das T-Shirt waren blutverschmiert. "Um Gottes willen, was ist passiert?" Michael war sofort an Land gesprungen. Sabrina sah ihn an "Ich, .... das ist nicht von mir", sie kniete sich ans Ufer um sich die Hände zu waschen, über das Gesicht liefen ihr stille Tränen. Jens war ebenfalls ans Ufer gesprungen und nahm sie in den Arm. "Bitte, was ist passiert?" Siggi hatte ihre Hand genommen. "Sie haben alle umgebracht, eine ganze Familie, Frauen, Kinder, ... sie haben vor nichts Halt gemacht, ... 11 Menschen, .... sie haben doch niemandem etwas getan. Warum tun sie das?" "Bring mich hin, ich will helfen, schließlich bin ich Arzt", Michael war aufgesprungen. "Du kannst nicht mehr helfen, sie sind tot, es muss heute Nacht geschehen sein. Siggi geh mit Jo und Tipau, er wird helfen wollen die Toten zu bestatten. Haltet euch im Hintergrund und gebt ihnen Rückendeckung." Sie wechselte noch ein paar Worte mit Tipau und die drei verschwanden. Michael wollte ihnen folgen aber Sabrina hielt ihn fest und sah ihm in die Augen. "Michael bitte bleib hier, ich kann dich verstehen, aber das Letzte was die Indios jetzt bei ihrer Zeremonie dabei haben wollen sind Weiße. Weiße waren es die ihre Angehörigen getötet haben, respektiere das bitte." Sabrina hatte ihr Gesicht in den Händen vergraben und an das Ufer gesetzt. Jens hielt sie fest und versuchte sie zu trösten indem er einfach bei ihr war. "Hast du sie gekannt?" "Ja, sie waren von PauPa´s Stamm. Sie sind zu dieser Jahreszeit in kleinen Familiengruppen unterwegs um Früchte, Wurzeln und Harze zu sammeln. Sie würden nie jemandem etwas tun und gehen den Menschen eher aus dem Weg." Jens sah Thomas und Michael an, sie konnten ihre Verzweiflung spüren. "Es tut mir leid, ich glaube langsam verstehe ich was du uns mit deinen Erzählungen versuchst verständlich zu machen." Thomas war auf sie zugegangen und hatte seine Hand auf ihre Schulter gelegt. Die Geschichte und ihre Reaktion hatten ihn getroffen. "Wer tut so etwas?" fragte Michael. "Da gibt es verschiedene Möglichkeiten, Holzarbeiter, Schatzsucher und in diesem Fall wahrscheinlich Leute die auf den Drogenplantagen arbeiten. Sie durchstreifen den Wald auf der Suche nach Fleisch, sie jagen Tiere und die Indios sind ihnen im Weg bzw. vermutete Konkurrenz obwohl sie kaum Fleisch essen. Es sind so viele, man geht von über 60.000 Glücksrittern aus. Die Zahl der friedlichen Indios wird immer geringer, wir vermuten das es noch etwa 10.000 sind, sie haben kaum Chancen " Mit einer Hand voll Wasser wusch sich Sabrina die Tränen aus dem Gesicht. "Warum ist die Welt nur so grausam, wann werden wir endlich lernen in Frieden miteinander zu leben?" Sabrina sah Jens an. "Ich weiß es nicht, aber dafür kämpft ihr und manchmal sorgt ihr dafür, dass es ein wenig besser wird." "In solchen Momenten könnte ich verzweifeln, es tut so weh. Es geschieht überall auf der Welt und wir können nicht überall sein. Wir sind so wenige, wer will schon die Risiken eingehen die wir auf uns nehmen?" "Wenn ihr weiter macht werdet ihr noch viele finden die euch unterstützen, ich glaube fest daran, euere Sache ist gut. Gute Dinge finden immer Unterstützung." Jens hielt sie fest im Arm. "Danke", Sabrina war froh, das er da war. Er gab ihr viel Kraft und es musste Fügung gewesen sein, dass sie sich gefunden hatten. Thomas und Michael hatten das Gespräch gehört. "Michael was weißt du darüber?" fragte Thomas. "Sie redet nicht viel über ihre Arbeit, ich kann dir nur erzählen was ich gelegentlich mitbekommen habe. Als sie uns z.B. damals vom Flughafen abgeholt hat war da eine Sache. Ihre Leute hatten einen Einsatz bei dem sie Sprengköpfe mit Giftgas unter Wasser geborgen haben. Sie wurden angegriffen, es ging aber gut aus. Sie hat uns dann erklärt das die Chinesische Mafia die Sprengköpfe ebenfalls wollte. Wenn die Giftstoffe unter Wasser freigesetzt worden wären, dann hätten sie die Fischbestände in einem ganzen Golf vernichtet. Nach der Bergung haben sie die Sprengköpfe vernichtet. Norbert ist mit ein paar Leuten nun im Erdbebengebiet in der Türkei. Die Organisation hat weltweit Stützpunkte und sie versuchen zu helfen wo sie können. Im großen Stil bei Katastrophen und auch im Kleinen so wie bei mir und Dirk." "Und sie leitet das?" "Hier in Deutschland ja, sie hat die Gruppe aufgebaut und bildet ihre Leute aus. Die Einsätze sind oft schwierig und hart. Sie hat Karin und mich eingeweiht weil sie ab und zu Verletzungen davon trägt. Und durch die Rückholaktion haben wir so manches erfahren. Da sie mit ihren Aktionen manchmal gewissen Leuten in die Quere kommen wenn sie versuchen Schlimmes für andere zu verhindern werden sie verfolgt. Dadurch, dass sie unabhängig von wirtschaftlichen und politischen Interessen arbeiten, haben sie Feinde. Das ist der Grund warum sie wenig Informationen weitergibt um die Personen in ihrem Umfeld nicht zu gefährden." "Jetzt verstehe ich einiges. Das ist bestimmt nicht leicht für sie soviel Verantwortung zu haben. Sie hängt mit dem Herzen an der Sache, das spürt man. Danke Michael." "Wofür Thomas, es tut mir leid, dass ich dir das nicht früher sagen konnte, wir hatten es Sabrina versprochen und es ist mir nicht leicht gefallen. Aber so wie ich die Sache sehe, stecken wir alle schon ziemlich tief drin und du solltest es wissen. Ich bin froh, dass du mich begleitet hast und uns vertraut hast auch wenn wir dir nicht alles gleich sagen konnten." "Wofür sind Freunde da? Wir haben euch sehr vermisst in den Jahren, wenn es wenigstens möglich gewesen wäre Kontakt zu haben, dann wäre das etwas leichter gewesen. Wie kommt Jens damit klar?" "Er weiß sehr viel und er macht sich große Sorgen um sie, vor allem wenn sie selbst auf Einätze geht. Am liebsten wäre er immer bei ihr. Deshalb bin ich froh, dass wir in einem Team sind, er hat jemanden mit dem er reden kann und wenn etwas mit Sabrina ist sagt er uns sofort Bescheid. Sie lässt Fremde nicht an sich ran, du weißt jetzt warum." "Oh Gott ist das alles kompliziert", stöhnte Thomas "Ich hoffe, es ist bald vorbei." Thomas sah zu Jens und Sabrina. Jens hielt sie schweigend im Arm, es war für Beide bestimmt nicht leicht, aber er hatte den Eindruck das sie sich gegenseitig Kraft gaben und eine sehr intensive Beziehung zueinander hatten. Sabrina hob plötzlich den Kopf und er konnte ein leises Geräusch hören. Siggi und Johannes kamen zurück. Siggi ging gleich zu Sabrina und sah ihr in die Augen "Geht es wieder?" "Muss es, wir haben noch eine Aufgabe vor uns." "Wie sieht es aus?" "Sie sind fertig, ich habe das Gefühl sie haben sich unseretwegen beeilt. Sie werden bald hier sein." Kurz darauf waren die drei Indios wieder da und sie fuhren mit den Booten los. Schweigsam und gedrückt war die Stimmung, die Ereignisse lasteten auf ihnen. Jens hatte den Eindruck, dass sie sich noch mehr anstrengten beim Paddeln um schneller voran zu kommen. Nach etwa drei Stunden bogen sie in einen kleinen Seitenarm des Flusses ein. Der Urwald wurde noch wilder und undurchdringlicher, aber die Stimmen des Waldes waren seit einiger Zeit wieder zu hören. In einer kleinen Bucht hielten sie an und zogen die Boote an Land. Auf einem schmalen Pfad liefen sie noch einige Zeit bis sie ein Lager erreichten. Sabrina wechselte einige Worte mit Racu und sie trennten sich. Am Ende des Lagers war eine kleine Hütte an der sie halt machten. "Hier können wir übernachten, ist etwas komfortabler als nur in Hängematten. Die Frauen werden uns etwas zu Essen bringen, frisches Wasser gibt es am Bach", sagte Sabrina an Siggi und Jo gewandt. "Ich gehe und rede mit PauPa." Damit verschwand sie in Richtung Lager. "Ruht euch aus. Wenn ihr ein kurzes Stück den Bach hoch lauft könnt ihr dort sogar baden um euch frisch zu machen", sagte Siggi zu Jens, Thomas und Michael. "Sag bloß du kennst dich hier aus", fragte Thomas. "Ja, ich war 3 Monate hier, das gehört zur Ausbildung und ich habe hier viel gelernt. Die Zeit reichte zwar nicht um all das zu lernen was Sabrina weiß, aber den Rest bringt sie uns dann bei." Gemeinsam richteten sie sich die Hütte und das Lager her. "Eine Abkühlung wäre wirklich nicht schlecht", meinte Michael dann. Die Drei folgten dem Weg den Siggi beschrieben hatte und kamen an einen kleinen See der smaragdgrün in der Abendsonne schimmerte und vom samtgrün des Urwaldes eingerahmt war. Über einen Felsvorsprung fiel ein kleiner Wasserfall in den See. "Das ist wunderschön hier, fast wie im Paradies", meinte Jens bewundernd. Kurz darauf waren sie im Wasser. "Das ist herrlich und tut gut", sagte Thomas. Sie schwammen im klaren Wasser und alberten herum. Plötzlich wurde Thomas an den Füßen nach unten gezogen und kurz darauf Jens. Als die Beiden prustend wieder auftauchten und sich umsahen blickten sie in Sabinas grinsendes Gesicht. "Ihr Beide behauptet noch mal ich sei unvorsichtig. Wo ist euer Wachposten?" "Wozu Wachposten?" fragte Thomas. "Nach dem was heute passiert ist müssen wir besonders Vorsichtig sein. Aber ich kann euch beruhigen, Siggi hat auf euch aufgepasst." Thomas drehte sich um und konnte Siggi am Ufer unter einem Baum erkennen. "Das ist ein fantastisches Plätzchen, hier könnte ich mir ein paar Tage Urlaub vorstellen." Thomas hatte sich auf das Wasser gelegt. "Klar, und am Besten schlagen wir eine Bresche in den Urwald, bauen ein bequemes großes Hotel mit allem Komfort und in der Nähe noch einen Landeplatz für Flugzeuge damit jeder hier her kann. Was glaubst du wie schnell dieses Paradies zerstört ist. Und was ist mit dem Lebensraum der Indios?" "Herrgott man darf ja noch träumen, stell das doch nicht immer so krass dar." "Was heißt hier krass, so läuft es immer wenn Menschen Plätze entdecken die sie toll finden, es wäre nicht das erste mal, da gibt es bereits viele Beispiele. Deshalb versuchen wir diese Regionen zu schützen um sie zu erhalten. Nimm diesen Ort in dich auf und bewahre ihn in deinem Herzen dann kannst du dich jederzeit dorthin zurückziehen. So mache ich das, es sind meine Inseln auf die ich mich zurückziehe und regeneriere." "Es gibt noch viele solche Orte?" Jens war von hinten gekommen und hatte sie umarmt. "Ja, ich könnte dir noch viele zeigen, sogar noch viel schöner. Bei all unserer Arbeit entdecken wir immer wieder wunderbare Orte die wir in unseren Herzen tragen und hoffen, dass sie nicht zerstört werden. Wie oft haben Menschen behauptet sie wollen schöne Orte schützen um sie anderen zu zeigen und zu erhalten. Nur, indem sie für alle zugänglich gemacht werden, zerstören wir sie." "Du siehst die Dinge wirklich mit anderen Augen und stellst sie in einer Art und Weise dar die ich so noch nicht gesehen habe. Aber du hast Recht, ich verstehe immer mehr was hinter euerer Arbeit und deinem Einsatz steht." Michael sah Sabrina an. Durch ihr Leben bei den Naturvölkern und in der Wildnis hatte sie die Welt von einer anderen Seite kennen und sehen gelernt. Es waren Blickwinkel und Einsichten die aus ihrer Sicht nie entstanden, da das Verständnis für die Zusammenhänge fehlte. "Lasst uns noch ein wenig Schwimmen", sagte Sabrina und tauchte unter. "Mir reicht es eigentlich", meinte Thomas und schwamm Richtung Ufer. Michael folgte ihm, er wollte Jens und Sabrina etwas Zeit für sich geben. Jens schwamm hinter Sabrina her. "Wie machst du das?" "Was?" "Du bringst die Dinge so schrecklich auf den Punkt." "Na ja, ich muss oft genug Diskussionen führen und unsere Sache vertreten wenn wir Sponsoren suchen. Außerdem gilt es Menschen zu überzeugen für die Sache einzutreten und für sie zu kämpfen. Was denkst du wie ich meine Leute überzeugt habe?" "Mich hast du auf jeden Fall überzeugt", Jens hörte auf zu schwimmen und lies sich treiben ebenso wir Sabrina. Sie kamen sich immer näher, umarmten sich und küssten sich leidenschaftlich. Irgendwann lösten sie sich wieder voneinander. "Ich liebe dich und ich bin froh, dass du mich begleitest, obwohl ich das eigentlich nicht wollte." Sabrina blickte ihm tief in die Augen. "Ich liebe dich und möchte immer bei dir sein. Es ist schwer für mich wenn du Einsätze hast und ich nicht in deiner Nähe bin, deshalb wollte ich dich begleiten. Je mehr ich über dich und deine Arbeit erfahre, desto weniger möchte ich dich allein lassen." "Danke, vielleicht sollte ich dich wirklich öfter mitnehmen, aber das wird schwierig mit deiner Arbeit und außerdem möchte ich nicht, dass du deine Tochter so oft alleine lässt. Wenn wir alles hinter uns haben und zurück sind sollten wir mal darüber reden." "Ja, sollten wir." "Würdest du mir noch ein wenig helfen? Auf dem Grund des Sees in der Nähe des Wasserfalls liegen Diamanten, Smaragde und Saphire. Ich möchte ein paar sammeln, wir müssen unser Kapital mal wieder aufstocken." Jens sah sie fragend an. "Was glaubst du wie wir unsere Einsätze und unser Leben finanzieren? Mit Luft und Liebe funktioniert das leider nicht." "Willst du damit sagen, dass du reich bist? Du könntest dir alles kaufen was du willst und müsstest nicht arbeiten. Du bist ein Phänomen, ich werde dich wohl nie ganz verstehen." Das verdutzte Gesicht von Jens sprach Bände. "So ein paar kleine Geheimnisse musst du mir schon lassen. Den Erlös den wir durch den Verkauf der Edelsteine bekommen ist für die Organisation, ich mache mir nichts aus Reichtum, ich habe alles was ich brauche. Reichtum erzeugt nur Neid und Gier, er macht nicht wirklich glücklich", Sabrina gab ihm einen Kuss und tauchte ab. Innerhalb kurzer Zeit hatten sie eine beachtliche Menge Edelsteine eingesammelt und gingen dann mit Siggi, der in der Nähe geblieben war, zum Lager zurück.
Die Frauen aus dem Lager brachten ihnen etwas zu essen und sie setzten sich um ihr kleines Feuer. Die Dämmerung war nur sehr kurz und ging sehr schnell in die Nacht über. "Wir sollten uns heute früh hinlegen. Ich werde euch etwa gegen 1.30 Uhr in der Frühe wecken, bis zum Lager sind es ca. 3 Stunden. Wir gehen davon aus, dass es dann am ruhigsten im Lager ist und wir ohne viel Aufsehen Dirk rausholen können. Drei Indios werden uns wieder begleiten und unterstützen. Ich hoffe das wird reichen, mehr geht leider nicht. Es ist mir gelungen PauPa zu überreden dieses Gebiet zu verlassen, sie sind zu nahe am Anbaugebiet und nach unserer Aktion ist mit einem Rachefeldzug zu rechnen. Wir haben weiter Nordwestlich große Gebiete Urwald aufgekauft und haben Optionen auf weitere Gebiete bei der Regierung. PauPa´s Stamm wird sich dorthin zurückziehen in der Hoffnung, dass sie dort in Ruhe leben können. Sie werden noch vor uns aufbrechen da sie langsamer vorankommen, ich hoffe sie kommen alle gut dort an. Wenn alles nach Plan verläuft sitzen wir morgen Mittag im Flugzeug und sind auf dem Rückweg." "Du versuchst an alles zu denken, oder?" Michael hatte ihre Hand genommen. "Ich würde es mir nicht verzeihen wenn die Indios darunter leiden müssten was wir morgen vor haben und tun werden. Diese Leute können so grausam sein, es geht ihnen nur um Geld und Macht." Sabrina hatte ihr Gesicht in den Händen vergraben. "Hey, das wird schon klappen, ich glaube daran." Siggi versuchte sie aufzubauen. "Ich werde euch jetzt Luftaufnahmen vom Lager zeigen und anhand einer Zeichnung die wir gemacht haben erkläre ich euch was ihr zu tun habt." Sabrina breitete Bilder und einen Plan aus. "Hier ist die Hütte wo sie Dirk und Andres festhalten. PauPa´s Leute haben das Lager ausgekundschaftet und haben mir die zwei Personen in der Hütte beschrieben. Euere Aufgabe ist es Dirk und Andres da rauszuholen. Da Andres ebenfalls in der Hütte ist glaube ich nicht, dass er etwas mit den Geschäften seines Vaters zu tun hat und haben will. Sobald ihr sie befreit habt macht ihr euch auf den Weg, da ist ein Trampelpfad der nach knapp einer Stunde auf eine Lichtung führt. Meine Leute und ich werden die Wachen ausschalten und uns um die Felder kümmern. Wir Treffen uns auf der Lichtung, Alex wird uns um 6:30 Uhr dort abholen. Sollte uns etwas dazwischen kommen und wir nicht rechtzeitig dort sein, wartet nicht auf uns, wir haben für einen späteren Zeitpunkt einen anderen Treffpunkt vereinbart. Ich möchte von euch keine Heldentaten, ich habe Siggi und Jo dabei und wir wissen was wir tun. Jens und Thomas ihr bekommt Waffen von uns damit ihr euch notfalls verteidigen könnt. Habt ihr noch Fragen?" Sabrina sah sie der Reihe nach an. "Wie weit ist das Lager entfernt und wie kriegen wir die Tür auf?" fragte Thomas. "Ein Stück mit dem Boot den Fluss hinauf und dann noch zu Fuß, wir werden ca. 2 ½ Stunden unterwegs sein. Da es vermutlich ein Schloss gibt bekommt ihr eine kleine Menge Spezialsprengstoff, damit lässt sich das Schloss fast geräuschlos öffnen. Siggi wird dir erklären wie er angewendet wird. Ihr solltet nachher noch alles packen, damit wir heute Nacht schnell fertig sind." Jens sah Sabrina an "Ich möchte dich begleiten." "Nein, das geht nicht, ich bin allein im Urwald schneller. Außerdem brauchen Dirk, Andres und Michael euch Beide als Deckung. Vergiss bitte nicht, ich war hier fast 1 Jahr Zuhause." Sabrina hatte seine Hände genommen und drückte sie. "Wenn alles klar ist sollten wir uns ausruhen", sie stand auf und packte ihren Rucksack. Nachdem sie fertig war ging sie zu Michael "Glaubst du ihr schafft das?" "Ja, glaube ich schon, ihr habt alles gut vorbereitet und wir Drei schaffen das. Ich hoffe nur wir finden den Pfad im Urwald." "Es ist ein richtiger Trampelpfad, ihr könnt ihn nicht übersehen. Ich werde euch im Auge behalten und den Weg markieren, damit ihr dem richtigen Pfad folgt. Dirk wird wach sein und dich erwarten, er hofft, dass du in der Nähe bist." Michael sah Sabrina fragend an. "Wie machst du das?" "Dirk glaubt im Moment noch an sehr intensive Träume. Er wird auch Fragen haben, ich erkläre es euch später gemeinsam, einverstanden?" "Ich weiß nicht, ob ich es überhaupt wissen will, vielleicht ist es einfacher es so zu akzeptieren. Hängt das mit deinen Fähigkeiten zusammen?" "Ja", sagte Sabrina und ging noch zu Jens. Sie hatte darauf geachtet, dass niemand ihr Gespräch mit Michael mitbekommen hatte. "Na, alles fertig?" sie nahm ihn in die Arme und sah ihm in die Augen "Ich weiß, dass du lieber bei mir wärst, aber vertrau meinen Katzenfähigkeiten, ich komme alleine wirklich besser zurecht. Thomas könnte die zwei Jungs und Michael nicht ausreichend schützen, sie brauchen dich." "Du hast bestimmt recht, aber dein Zusatz mit dem zweiten Treffpunkt hat mir noch mehr Angst um dich gemacht." "Ich wollte dir damit die Sicherheit geben, das wir an alles gedacht haben. Siggi und Jo passen schon auf mich auf, o.k.?" sie studierte sein Gesicht und küssten ihn. Langsam kehrte Ruhe in ihrem Lager ein. Sabrina und Jens kuschelten sich aneinander und versuchten etwas zu schlafen, was keinem so recht gelingen wollte.
Jens wachte auf weil er leise Stimmen hörte. Sabrina unterhielt sich mit PauPa. Soweit er in der Dunkelheit erkennen konnte war das Lager geräumt und die Indios aufbruchbereit. PauPa berührte Sabrina mit beiden Händen an den Schläfen und sie tat es ihm gleich, nach einigen Minuten lösten sich ihre Hände und PauPa verschwand im Urwald. Einige Zeit blickte ihm Sabrina noch nach um dann die anderen zu wecken.
Drei Stunden später hatten sie fast den ganzen Weg zurück gelegt. Alle waren schweigsam und folgten den Indios die mit unglaublicher Sicherheit den Weg fanden. Plötzlich konnten sie zwischen den Bäumen einen schwachen Lichtschein erkennen und die sie wurden langsamer. Mit Zeichen verständigten sich Sabrina und die Indios die sofort in der Dunkelheit verschwanden. Langsam gingen sie weiter bis sie eine Hütte sahen die etwas Abseits stand. "Das ist euer Ziel, konzentriert euch darauf die Beiden da rauszuholen und macht euch so schnell wie möglich auf den Weg. Ich setzte noch eine kleine rote Leuchtmarkierung wo der Weg beginnt, ihr müsst euch in diese Richtung halten, nehmt sie mit wenn ihr dort seit. Die Dämmerung setzt bald ein, sodass ihr den Weg gut sehen werdet. Wartet noch 10 Minuten bevor ihr losgeht, wir schalten hier noch die Wachen aus. Viel Glück, wir sehen uns in einer Stunde", sie drückte Jens die Hand und verschwand. "Jens, du lässt sie einfach so gehen?" flüsterte Thomas und sah Jens an. "Ja, ich habe sie schon kämpfen sehen, sie versteht ihr Handwerk. Wir sollten uns auf unsere Aufgabe konzentrieren", antwortete Jens leise. Um die Hütte konnte er Schatten huschen sehen und glaubte Sabrinas Umriss zu erkennen. "Die Zeit ist um, lasst uns gehen", sagte Michael und sie schlichen vorsichtig auf die Hütte zu. Wie erwartet hing an der Tür ein Schloss. Thomas brachte den Sprengstoff an wie es ihm Siggi erklärt hatte und tatsächlich erfolgte die Sprengung fast geräuschlos. Langsam öffneten sie die Tür und Michael rief leise "Dirk, wir sind es, seit ihr wach?" und betraten langsam den Raum. Thomas blieb an der Tür um Wache zu halten. "Oh Gott Papa, was bin ich froh dich zu sehen", antwortete Dirk, folgte im Dunkeln der Stimme und fiel Michael in die Arme. "Ich habe die letzten zwei Tage so intensiv geträumt, fast als ob ich deine Nähe gespürt hätte und jetzt bist du tatsächlich da. Wer ist bei dir?" "Was glaubst du wie froh ich bin, wir haben uns solche Sorgen gemacht als du dich nicht gemeldet hast. Jens und Thomas sind bei mir. Sabrina ist mit ihren Leuten draußen. Was ist mit Andres?" "Können wir ihn mitnehmen? Er ist aus allen Wolken gefallen als er erfahren hat was hier läuft und dass sein Vater hinter dem Drogenhandel steckt, er will mit der Sache nichts zu tun haben." "Schläft er noch?" "Ja, ich werde ihn wecken, wir haben gestern lange diskutiert und sind spät eingeschlafen." "Habt ihr Gepäck?" "Nicht viel, die haben uns fast alles abgenommen." "Wecke Andres und nehmt euere Sachen, wir müssen los." Dirk ging zu Andres und weckte ihn. Etwas verschlafen sagte er "Senor, es tut mir so leid, ich habe das nicht gewusst, ich hasse meinen Vater dafür was er tut." "Es ist gut Andres, wir nehmen dich mit, es wird sich schon eine Lösung finden." "Hallo Dirk, alles o.k.?" fragte Jens "Ich bin ja so froh euch zu sehen, lasst uns von hier verschwinden, ich halte es hier nicht mehr aus", antwortete Dirk. Jens konnte die Verzweiflung und auch die Freude in Dirks Stimme hören. Gemeinsam gingen sie zur Tür. "Ist alles ruhig Thomas?" fragte Jens. "Ja, wir sollten aber zusehen, dass wir loskommen, es wird langsam hell." Sie schlossen die Tür hinter sich und gingen in die Richtung die Sabrina ihnen gezeigt hatte. An einem Baum hing eine kleine rote Lampe und zwischen den Bäumen konnten sie gut einen Trampelpfad erkennen. Jens nahm die Lampe und löschte das Licht. Sie beeilten sich dem Pfad zu folgen was ihnen, wie Sabrina gesagt hatte, nicht allzu schwer viel. Thomas führte die Gruppe an und Jens bildete den Schluss. Nach einer knappen Stunde erreichten sie tatsächlich eine Lichtung und gingen am Rand in Deckung. Es war 6:15 Uhr, sie hatten ihre Sache ohne Zwischenfälle und in der vorgesehenen Zeit erledigt. "Worauf warten wir?" fragte Dirk. "Wir warten auf Sabrina und ihre Leute. Außerdem werden wir hier abgeholt", antwortete Jens. "Ich hoffe sie kommen bald und es hat alles geklappt." Michael sah ihm an, dass er sich Sorgen machte. Die Wartezeit dehnte sich endlos. Plötzlich konnten sie leise das Geräusch eines Hubschraubers hören und gleich darauf entdeckte Thomas die Maschine die zur Landung ansetzte. Thomas und auch Jens waren überrascht wie leise das Motorengeräusch war und wie gut getarnt die Maschine war. Der Pilot nahm den Helm ab und winkte ihnen zu, es war Alex. Er drosselte die Motoren noch mehr und die Gruppe lief geduckt auf die Maschine zu. "Mensch bin ich froh dich zu sehen", sagte Jens. "Steigt ein und macht es euch bequem, es wird leider etwas eng werden weil wir so viel Leute sind. Einer von euch sollte zu mir vor und setzt die Headsets auf." Er reichte Thomas, Michael und Jens je ein Set. "Wo ist Sabrina?" "Die ist noch unterwegs, ich hoffe sie kommt bald", sagte Jens. "Sie hat gesagt ich soll maximal 5 bis 10 Minuten warten, sonst wird es zu gefährlich, obwohl die Maschine so leise ist kann man sie doch hören und entdecken", antwortete Alex. "Warum haben wir den Hubschrauber nicht gleich benutzt?" fragte Thomas der sich neben ihn gesetzt hatte. "Ganz einfach, wir hätten ein Problem mit dem Sprit bekommen und die Zeit von der Landung bis zum Lager und wieder zurück hätte in keinem Fall gereicht. Wir wären mit ziemlicher Sicherheit entdeckt worden. So wie wir es durchziehen war es die beste Lösung." Alex sah auf die Uhr, die Zeit ist gleich um. Gebannt starrten sie auf den Waldrand. "Behaltet den Waldrand im Auge, ich bereite den Start vor." Alex setzte sich den Helm wieder auf und beobachtete einen kleinen Bildschirm. "Da sind sie", rief Jens erleichtert. Sabrina, Siggi und Johannes waren aufgetaucht. Nicht weit von ihnen entfernt konnte er die drei Indios entdecken. "Ich hab sie auch auf dem Schirm", murmelte Alex und beobachtete angestrengt die Punkte. Sabrina und Siggi verabschiedeten sich anscheinend von Johannes der zu den Indios lief, dann rannten sie auf den Hubschrauber zu. Alex fuhr die Turbinen hoch und rief plötzlich "Mist, da ist noch jemand." In diesem Moment vielen Schüsse, sie hatten den Hubschrauber schon fast erreicht. Siggi der hinter Sabrina lief fiel ins Gras, sie ging in Deckung und war sofort bei ihm. Thomas und Jens reagierten und schossen in Richtung Waldrand. Alex hob mit dem Hubschrauber ab und flog in Richtung von Siggi und Sabrina. Während Thomas weiter Schüsse in Richtung Waldrand feuerte halfen Jens und Michael Siggi in den Hubschrauber. Sabrina sprang hinterher und Alex hob mit einem Schnellstart ab. "Alex flieg nicht über die Felder, die müssten jeden Moment hoch gehen." Er gab ein Zeichen und änderte seine Flugrichtung. Thomas reichte ihr ein Headset und sie schlossen die Türen. "Michael, wie sieht es aus?" Sabrina sah ihn fragend an. "Die Kugel steckt im Oberschenkel, er wird es überleben. Haben wir etwas für die Erstversorgung an Bord?" Sabrina stand auf um Michael eine Notfalltasche und eine Vakuummatratze aus einem Fach zu holen. "Hier, ich hoffe das reicht." "Danke, ich denke schon", antwortete Michael mit einem schnellen Blick auf den Inhalt. In diesem Moment konnten sie mehrere Explosionen hören und sahen Rauchfahnen aufsteigen. "Kann ich dir helfen Michael?" Sabrina sah ihn fragend an. "Ja, dann kann ich ihn schneller versorgen. Hast du das gelernt? Ich habe eine Sani-Ausbildung gemacht wie alle meine Leute. Da wir immer wieder verletzt werden hat uns das schon viel geholfen." "Welche Überraschungen hast du eigentlich noch für mich?" Sie arbeiteten Hand in Hand und bald war Siggis Wunde versorgt. "Mehr können wir im Moment nicht tun. Die Kugel kann ich hier nicht herausholen. Der Druckverband wird den Blutverlust erst mal in Grenzen halten, über die Ringerlösung und mit Medikamenten können wir ihn stabilisieren. Wie geht es jetzt weiter?" Michael wischte sich den Schweiß aus der Stirn. "Alex wie lange bis zum Treffpunkt?" fragte Sabrina "Ziemlich genau 2 Stunden. Dadurch, dass ich das Radar unterfliege muss ich ein paar kleine Umwege machen, aber das Risiko müssen wir eingehen. Christian ist bereits unterwegs und müsste pünktlich an der Kreuzung sein. Das wird dort verdammt eng, aber es wird gehen", Alex war die Konzentration in der Stimme anzuhören. "Wirst du so lange durchhalten? Von der Kreuzung sind es nochmals 2 Stunden bis zum Flugzeug", Sabrina sah Siggi an. "Es ist o.k. Ich überlege die ganze Zeit wo der herkam, wir hatten doch alle ausgeschaltet." "Anscheinend doch nicht, aber es ist soweit gut gegangen und wir haben unser Ziel erreicht, den Rest schaffen wir auch noch." Sabrina drehte den anderen den Rücken zu, nur Michael und Jens konnten sehen was sie jetzt tat. Sie legte eine Hand auf die Wunde, eine Hand auf seine Stirn und ganz schwach konnten sie ein Leuchten sehen. "Spar deine Kraft und ruh dich aus", sagte sie und stand auf um sich dann zu Dirk und Andres zu setzen. Jens folgte ihr, er setzte sich neben sie und legte einen Arm um sie. "Du bist erschöpft und solltest dich auch ausruhen." "Lass mich noch Dirk begrüßen dann ruhe ich mich etwas aus", sie drehte sich zur anderen Seite "Hallo Dirk, schön das wir dich rausholen konnten, alles o.k.?" Dirk beugte sich zu ihr und umarmte sie "Danke, dass du Papa, Thomas und Jens geholfen hast." "Geholfen ist gut, die haben mich fast gezwungen sie mitzunehmen. Wir reden später darüber", Sabrina sah ihm in die Augen und er verstand ohne Worte. Dann lehnte sie sich zurück und legte ihren Kopf auf die Schulter von Jens. "Jetzt kann ich mir eine kleine Pause gönnen. Bei euch ist alles ohne Probleme gelaufen wie ich sehe." "So wie du gesagt hattest. War es nicht gefährlich das Feld in die Luft zu jagen?" "Die Wachen waren betäubt und die Leute in den anderen Hütten haben wir eingeschlossen. Wenn sie alle dort geblieben sind wo sie waren, dann sind keine Menschen zu schaden gekommen, sondern nur Pflanzen und das Labor sind zerstört worden. Auf jeden Fall werden einige Leute ziemlich sauer sein. Die Ernte eines ganzen Jahres ist vernichtet, dürfte sich um einen Marktwert von 2 bis 3 Millionen Dollar handeln." "Du denkst sogar noch daran keine Menschen zu verletzten, obwohl das alles Verbrecher sind." "Ich tue das nur sehr ungern und wenn es gar nicht anders geht. Selbst wenn ich an die Toten im Wald denke, ich bin überzeugt sie erhalten ihre gerechte Strafe, meine Aufgabe ist das nicht." "Warum ist Johannes nicht mitgekommen?" fragte Thomas. "Er begleitet PauPa´s Leute und bleibt dann 3 bis 4 Monate hier um zu lernen und seine Ausbildung fort zu setzen." "Was kann man hier lernen?" "Nun z.B. das Überleben im Urwald ohne Waffen, seine Sinne zu nutzen und im Einklang mit der Natur zu leben", schaltete sich Alex ein "Ich möchte die Erfahrung nicht missen, sie ist sehr wertvoll." Thomas sah ihn von der Seite an, er entschied sich nicht weiter zu fragen. Michael war bei Siggi geblieben, dieser hatte die Augen geschlossen, und kontrollierte seine Werte. Im Hubschrauber kehrte Ruhe ein.
Nach einer Weile fragt Sabrina "Hat der Zeitrahmen für den Zusammenbau gut gereicht oder war es eng? Wie bist du mit den Modifizierungen zufrieden Alex?" "Die Zeit war ausreichend, das System ist perfekt und gut von einem Mann zu bewältigen. Sie fliegt sich super, ist enorm leise und vom Radius her auch nicht schlecht. Das Einzige, die Reichweite des kleinen Radars am Boden könnte etwas größer sein, ich habe den Mann vorhin zu spät gesehen, er war im Grenzbereich." "Müssen wir eben daran arbeiten", meinte Sabrina. "Wie lange noch?" "In einer Stunde haben wir die Kreuzung erreicht." Sabrina bat Dirk mit ihr den Platz zu tauschen damit sie neben Andres sitzen konnte und unterhielt sich mit ihm in portugiesisch. Sie wollte so mehr über ihn und seine Einstellung erfahren. Im Laufe des Gesprächs nahm sie seine Hand und sah ihm in die Augen. Nach einem kurzen o.k. und einer Frage stand sie auf und setzte sich wieder zu Jens. "Was hast du mit ihm gesprochen?" "Ich wollte mehr über ihn und seine Einstellung zu dem Vorfall erfahren. Er soll jetzt selbst entscheiden welchen Weg er weiter geht. Mit nach Deutschland nehmen können wir ihn nicht. Er kann mit nach New York und ich bringe ihn bei einer befreundeten Familie auf dem Land unter bis er die Schule abgeschlossen hat oder er bleibt bei unseren Leuten hier. Er kann ebenfalls die Schule beenden und wenn er alt genug ist, sich überlegen wie er weitermachen will. Entweder er ergreift einen Beruf oder er schließt sich unseren Leuten und unserer Sache an. Seine Einstellungen und Anlagen könnten uns hilfreich sein, wenn er will. Bis tur Landung muss er sich entschieden haben." Jens merkte das Sabrina das nicht leicht gefallen war. "Du kannst ihn nicht wegschicken", Dirk sah sie an. "Dirk, ich schicke ihn nicht weg, ich gebe ihm die Möglichkeit sich zu entscheiden. Er will nicht zu seiner Familie zurück, obwohl ihm das sehr schwer fällt. Sein Ziel ist es den Kampf gegen die Drogen aufzunehmen, aber er ist noch zu jung dazu. Er soll erst einmal die Schule beenden und solange in einer Familie leben in der er sich geborgen fühlt und sicher ist, seine Familie wird ihn suchen. In 5 Jahren kann er sich dann entscheiden wie sein Weg weiter geht. Ihr könnt über mich in Verbindung bleiben, einverstanden? Glaub mir, es ist besser so, du wirst das noch verstehen." Sabrina hatte ihre Hand an seine Wange gelegt und Dirk nickte. "Wir sind gleich da, ich fliege einmal über das Gebiet damit wir einen Eindruck bekommen", sagte Alex. In einem großen Bogen flog er über die Kreuzung und die Umgebung. "O.K. ich kann nichts entdecken und Christian ist bereits da. Wir sind sogar etwas früher als geplant." Vorsichtig setzte er zur Landung an. Es war Maßarbeit und er schaffte es ohne Probleme. Alex fuhr die Turbinen herunter, schaltete aber nicht aus. In aller Eile stiegen sie aus und brachten Siggi in einem der LKW´s unter. Thomas konnte sehen, dass Sabrina einen der Männer begrüßte und ein paar Worte mit ihm wechselte. In der Zwischenzeit betankten die anderen Männer den Hubschrauber. "Dirk mach´s gut, ich habe mich entschieden, ich bleibe hier. Brasilien ist meine Heimat und ich liebe dieses Land und seine Menschen. Sie bringen mich in einer Familie unter und ich werde die Schule fertig machen. Wenn ich alt genug bin und eine Ausbildung gemacht habe will ich mich diesen Leuten anschließen. Vielleicht kann ich das wieder gut machen was mein Vater verbrochen hat. Auf jeden Fall bleiben wir in Kontakt, ich möchte dir nochmals danken, dass du dich für mich eingesetzt hast. Ich werde dich vermissen und wünsche dir alles gute in Deutschland. Du hast einen tollen Vater und tolle Freunde. Ich hoffe, ich werde auch solche Freunde finden", sagte Andres und umarmte Dirk. "Wirst du ganz bestimmt, Sabrinas Leute sind in Ordnung und kämpfen für eine gute Sache. Ich drücke dir die Daumen und wünsche dir einen guten Neuanfang", antwortete Dirk. Noch bevor die letzten Kanister ganz eingefüllt waren fuhren sie mit den LKW´s los. Es waren nur noch zwei Fahrzeuge. Thomas hatte sich mit Alex zu Nicole und Katharina in das eine Fahrzeug gesetzt. Sabrina steuerte das zweite, neben ihr saßen Jens und Dirk. Christian war zu Michael nach hinten gegangen um bei Siggi zu bleiben. "Sagt mir bitte Bescheid wenn es da hinten zu unruhig wird oder sich sein Zustand verschlechtert, wir werden etwas schneller fahren um Zeit zu gewinnen." Rief Sabrina nach hinten. "O.K. machen wir, je schneller wir auf dem Flugplatz sind desto besser", antwortete Christian. Sabrina gab Gas und fuhr so schnell sie konnte. Es gelang ihr spielerisch die Schlaglöcher zu umfahren und bald darauf wurde die Straße besser. Nach knapp 1 ½ Stunden konnten sie den Flughafen sehen und sie nahm die Geschwindigkeit weg. In weiser Voraussicht hatten sie die Frachtmaschine bei der Ankunft gleich am Anfang der Startbahn geparkt und vollgetankt, so konnten sie wieder Zeit sparen. Sabrina hielt, stieg aus und winkte dem Tower. Sie eilte die Leiter hinauf, öffnete die Tür und rannte dann in den Frachtraum um die Laderampe herunter zu lassen. Nicole war in den anderen LKW gestiegen und sie fuhren die Fahrzeuge in den Laderaum. "Gut, beeilen wir uns die Wagen zu sichern, je schneller wir hier wegkommen, desto besser. Michael und Christian wie lange braucht ihr um Siggi die Kugel rauszuholen?" Die beiden trugen zusammen mit Alex und Thomas den verletzten bereits in Richtung Krankenstation. "Kann ich noch nicht genau sagen, wir müssen uns die Wunde genau ansehen, ich gebe dir gleich Bescheid", antwortete Christian und sie waren verschwunden. Sabrina schloss die Laderampe. "Jens, Dirk könnt ihr den Mädchen helfen die Fahrzeuge zu sichern, ich schicke gleich noch Thomas und Alex runter. Ich checke die Maschine und hole die Starterlaubnis ein." "Klar, ich bin auch froh wenn wir endlich wieder in der Luft sind", antwortete Jens. Trotz aller Eile vertäuten sie die Fahrzeuge sorgfältig. Nachdem noch Alex und Thomas da waren hatten sie ihre Arbeit innerhalb einer halben Stunde erledigt. "Sabrina, es sieht gut aus, wir haben die Kugel rausgeholt, es sind keine wichtigen Gefäße verletzt. In ca. einer halben Stunde sind wir fertig und können los", informierte Christian zwischenzeitlich Sabrina über die Sprechanlage. "Gott sei Dank", antwortete Sabrina erleichtert. In diesem Moment kamen Alex, Thomas und Jens ins Cockpit. "Könnt ihr bitte übernehmen, es ist soweit alles klar, Startfreigabe haben wir bereits", sagte Sabrina zu Alex und Thomas. "Ich gehe mit Jens noch nach unten und will mir das eine Fahrwerk ansehen, die Kontrolllampe ist rot", Sabrina stand auf. "Katharina kannst du mir den Funkverkehr der Polizeistation durchstellen und selbst den des Towers abhören?" "Kommt sofort! Welches Set hast du?", rief Katharina Sabrina hinterher die mit Jens den Gang hinuntereilte. "Die Drei!" "Ist irgendetwas nicht in Ordnung weil du den Funkverkehr abhören willst?" fragte Jens. "Na ja, wir haben mit unserer Aktion eine Menge Staub aufgewirbelt, das wird sich rumsprechen und man wird die Verursacher suchen. Deshalb bin ich lieber informiert. Es ist bis jetzt alles gut gegangen, ich möchte zum Abschluss keine Überraschungen mehr erleben." Über zwei Leitern hatten sie die Fahrgestelle erreicht. "Holst du mir bitte mal den Werkzeugkasten da hinten?" sorgenvoll betrachtete Sabrina das Fahrgestell. Dann entdeckte sie den Fehler der das Warnlicht ausgelöst hatte, eine Hydraulikleitung war gerissen. "Hier! Hast du die Ursache gefunden?" "Ja, die Hydraulikleitung hat ein Leck, aber mit einem Stück Gummischlauch und Isolierband können wir das soweit Abdichten, dass es ein paar Starts und Landungen aushält." Jens reichte ihr das Werkzeug "Woher kennst du dich mit den Sachen aus?" "Das verdanke ich Igor, der hat mich viele Maschinen erst dann fliegen lassen wenn ich über die Technik und Mechanik Bescheid wusste. Wir hatten in Russland oft das Problem, dass keine Ersatzteile zu bekommen waren und mussten viel improvisieren. Er hat es mir manchmal ganz schön schwer gemacht, das kommt mir heute oft zu Gute." Sabrina führte die Arbeiten sorgfältig und mit Geschick aus. Plötzlich lauschte sie angestrengt dem Funkverkehr. "Mist, die haben einen Verdacht", sie drückte einen Knopf und sagte "Alex starte die Motoren, wir sollten sehen, dass wir hier weg sind bevor die tatsächlich auf die Idee kommen uns zu kontrollieren. Sag Michael und Christian Bescheid, wir müssen unbedingt weg hier." Sabrina beeilte sich um die Arbeiten zu beenden. Sie hörten die Motoren anlaufen. Immer wieder lauschte Sabrina dem Funkverkehr. "Alex sobald sie warm sind starte, sonst wird es eng, die haben die Regierung eingeschaltet. Wir sind hier gleich fertig." "Probleme?", fragte Jens. "Ja, sie suchen und wollen uns vorsichtshalber kontrollieren, das UNO-Mandat wird uns nicht ausreichend schützen." Sie konnten spüren das die Maschine anrollte. "Sabrina kommt ihr hoch, wir starten", fragte Alex über Funk. "Starte und mach das du weg kommst, da sind noch zwei Bolzen locker die will ich noch festziehen, sonst können wir das Fahrgestell nicht richtig einziehen. Wir werden uns festhalten." Mit einem Schraubenschlüssel zog sie den ersten Bolzen fest. Sie konnten spüren wie die Maschine beschleunigte. "Hier, zieh du die andere fest, du bist näher dran", sagte Sabrina zu Jens und reichte ihm den Schraubenschlüssel. In diesem Moment löste sich der Bolzen. Sabrina sah das und sprang nach vorn um Jens aus der Schusslinie zu bringen. Dadurch traf sie der Bolzen an der Schläfe, benommen blieb sie liegen. Jens war sofort bei ihr. "Sabrina!" rief er besorgt als er die Wunde an der Stirn und das Blut sah. "Es geht schon. Setz den Bolzen ein und zieh ihn fest", stöhnte sie. Jens folgte ihrer Anweisung und beeilte sich. Kaum war er fertig, hob die Maschine ab. "Sobald wir an Höhe gewonnen haben sollten wir zusehen das wir nach oben kommen. Wie geht es dir?" fragte Jens beunruhigt und drückte ein Taschentuch auf ihre Wunde. "Ich habe Kopfschmerzen und mir ist schlecht. Lass uns noch einen Moment warten bis wir an Höhe gewonnen haben, dann können wir hoch gehen." Sabrina setzte sich auf. "Mach nicht so schnell", sagte Jens. Er stützte sie und hielt sie fest. Sie konnten hören wie das Fahrgestell eingekappt wurde. "Ich glaube wir sollten nach oben gehen. Wirst du es schaffen?" Jens sah Sabrina an. "Ich denke schon. Kannst du mir helfen?" Vorsichtig stand sie mit seiner Hilfe auf, ihr schwindelig und sie gingen langsam Richtung Leiter. "Kannst du klettern?" "Muss ich wohl, alleine kriegst du mich kaum rauf." Mühsam kletterte sie die Leiter hoch, sie musste sich sehr konzentrieren aufgrund des Schwindelgefühls. Es kam ihr wie eine Ewigkeit vor bis sie endlich beide Leitern überwunden hatten. Oben angekommen lehnte sie sich an die Wand und wartete bis Jens bei ihr war. Er legte ihren Arm um seine Schulter und brachte sie zum Sofa. "Dirk hol schnell Michael oder Christian!" rief er. Er wollte ihr gerade helfen sich hinzusetzen als sie das Bewusstsein verlor und zusammensackte. Vorsichtig legte er sie auf das Sofa und nahm ihr das Headset ab. Michael kam aus dem Behandlungsraum und war sofort bei ihnen "Was ist passiert Jens?" "Ein Bolzen hat sich gelöst, sie hat mich zur Seite gestoßen und ihn am Kopf abbekommen." "Wie lange ist das her? War sie gleich bewusstlos?" "Etwa 15 Minuten. Sie hat eben erst das Bewusstsein verloren nachdem wir hochgestiegen sind", antwortete Jens. "Dirk hol mir Verbandszeug, Klammerpflaster und den Blutdruckmesser", wies Michael seinen Sohn an während er den Puls fühlte und ihre Augenlieder hob. "Michael nun sag schon was", Jens sah ihn an. "Sie hat eine Gehirnerschütterung. Warum sie aber erst hier oben bewusstlos geworden ist liegt vermutlich an der Anstrengung durch das Klettern, das wird schon wieder", versuchte Michael ihn zu beruhigen. "Hat sie irgendetwas gesagt?" "Sie hat über Kopfschmerzen geklagt und gesagt ihr sei schlecht. Ich hatte das Gefühl, dass ihr schwindelig war, sie hatte Schwierigkeiten sich zu orientieren und die Sprossen zu greifen. Dirk kam mit dem Blutdruckmesser und Verbandmaterial zurück. Michael kontrollierte zuerst den Blutdruck. "Gefällt mir nicht, ist viel zu niedrig. Dirk hol bitte bei Christian etwas für den Kreislauf, ein Schmerzmittel und eine Ringerlösung. Es wird besser sein ihr gleich einen Zugang zu legen, damit wir sie etwas stabilisieren können." Dann säuberte er die Wunde und setzte mehrere Klammerpflaster. Dirk eilte in die kleine Krankenstation. Als er zurück kam war Christian bei ihm. Er reichte Michael die Kanüle für den Zugang, dieser legte sie sofort und spritze das Kreislaufmittel. "Müsste sie nicht langsam wieder zu sich kommen?" Jens sah Michael fragend an. "Eigentlich schon", antwortete Michael stirnrunzelnd, verabreichte das Schmerzmittel und hängte die Ringerlösung an. "Vermutlich nimmt ihr Körper jetzt die Auszeit die er schon lange braucht", Alex kam aus dem Cockpit da er die Aufregung mitbekommen hatte. Inzwischen hatten sie ihre Flughöhe erreicht und bereits den brasilianischen Luftraum verlassen. Michael und Jens sahen ihn fragend an. "Hab ihr eine Vorstellung was sie in den letzten Tagen geleistet hat? Mal abgesehen davon, dass sie wenig geschlafen hat, sie hat z.B. eine geistige Verbindung mit PauPa aufgebaut. Woher waren sonst die Kanus und die Indios? Sie hat zweimal mit Dirk Kontakt aufgenommen und den Kontakt mit mir gehalten, so wusste ich wann ich am Treffpunkt sein musste. Dann hat sie Siggi einen Teil ihrer Kraft gegeben und Andres geprüft. Kein Wunder, dass sie nun erschöpft ist. Lasst sie einfach schlafen und sich ausruhen. Jens bleib du bei ihr, das wird ihr helfen und gibt ihr Kraft und Ruhe, das braucht sie jetzt." " Alex hat Recht, sie braucht einfach Ruhe und Schlaf. Spätestens in 3 bis 4 Tagen ist sie dann wieder fit. Ich bring dir noch etwas falls sie zu sich kommt und über Übelkeit und Schwindel klagt", sagte Christian zu Michael. Alex hatte sich zu ihr gesetzt, strich ihr über die Stirn und lies die Hand dort liegen. Die andere Hand legte er auf ihr Herz. Er schloss die Augen und konzentrierte sich, kurz darauf stand er auf. "Bist du auch ....?" fragte Jens. "Ja, aber ich bin nicht so gut wir Sabrina, ich trainiere noch nicht lange genug und habe nicht so vielseitige Fähigkeiten wie sie. Sie hat uns schon oft geholfen, jetzt kann ich ihr auch mal helfen", antwortete Alex und ging wieder zurück ins Cockpit. Sabrina bewegte sich und schlug die Augen auf "Hmmm, .... Haben wir es geschafft?" "Ja, du hast es geschafft. Als wir abgehoben haben ist die Polizei am Flughafen eingetroffen. Wir sind bereits aus dem brasilianischen Luftraum heraus und auf dem Weg nach New York." Nicole stand neben dem Sofa. Sabrina hob die Hand und griff nach Jens. Er setzte sich neben sie und nahm ihren Kopf auf seinen Schoß. "Michael ruf Karin an, die wird sich Sorgen machen. Ihr solltet alle euere Familien anrufen", murmelte Sabrina. "Machen wir, und du ruhst dich aus, das haben wir jetzt alle verdient. Wie fühlst du dich? Ist dir noch übel oder schwindelig?" Michael strich ihr über die Wange und kontrollierte Puls und Blutdruck nochmals. "Es geht wieder", antwortete Sabrina. Jens sah ihn an. "Besser, bleib bei ihr." Er stand auf um mit Karin zu telefonieren, nun hatte er endlich auch Zeit und Ruhe für Dirk. Jens streichelte Sabrina zärtlich im Gesicht und sagte "Danke, mein Schatz." "Wofür?" "Dafür, dass du mich gerettet hast. Es tut mir nur leid, dass du dadurch verletzt worden bist." "So bin ich eben, ich halte ständig meinen Kopf für andere hin", grinste sie, schloss die Augen und schlief ein.
Der Rest des Fluges verlief ruhig. Während der kurzen Zwischenlandung in New York wurde aufgetankt und der Flug ging weiter über den Atlantik in Richtung München. Alex und Thomas hatten sich abgesprochen und wechselten sich ab, so konnte jeder ein wenig schlafen. Dirk und Michael erzählten sich ihre Abenteuer und waren überglücklich, dass alles vorbei war und sie wieder zusammen waren. Ihre Anrufe bei den Familien hielten sie kurz weil sie doch alle müde waren und Erläuterungen in Ruhe zu Hause geben wollten. Christian blieb bei Siggi der sich sehr gut erholte. Sabrina verschlief den kompletten Flug und Jens nickte ebenfalls auf dem Sofa ein.Sonntag Spätnachmittag Basis München
Die Maschine setzte zur Landung an. Christian hatte alle, außer Sabrina, kurz vorher geweckt und Thomas und Alex führten die Landung gemeinsam durch. Die Maschine kam kurz vor dem Hangar zum stehen. "So, das war´s, Mission erfolgreich durchgeführt. Danke für die Hilfe Thomas", Alex kam aus dem Cockpit. "Ich nehme Siggi vorsichtshalber noch für ein paar Tage mit ins Krankenhaus. Wenn ihr so weiter macht richte ich bald eine Station nur für die Teammitglieder ein", sagte Christian. "Es soll dir doch nicht langweilig werden, wir sind froh das wir dich haben", grinste Alex. "Sabrina lassen wir hier schlafen, wenn sie wach wird steht sie auf isst etwas, trinkt und legt sich dann wieder hin. In spätestens zwei bis drei Tagen ist sie wieder fit." Jens sah ihn irritiert an. "Macht sie das öfter?" fragte er. "Was heißt öfter, wenn sie ihre Kräfte total aufbraucht ist der Schlaf die beste Erholung, das müsstest du inzwischen doch kennen. Einer von uns bleibt in ihrer Nähe, aber sie schafft das gut alleine." "Ich bleibe bei ihr, dann könnt ihr nach Hause gehen", sagte Jens.
Michael, du Dirk und Thomas ihr könnt mein Auto nehmen. Ich komme mit Sabrina nach wenn sie wieder fit ist. Felix soll solange weiter meinen Dienst machen. Anna rufe ich an, sie wird Verständnis dafür haben. Die Autoschlüssel liegen in Sabrinas Zimmer." Keiner wollte Jens widersprechen, sie wussten, dass er nicht von ihrer Seite weichen würde. Nach und nach gingen alle von Bord und es wurde ruhig.
Michael holte den Autoschlüssel und sie gingen zum Auto. "Michael, warte noch einen Moment", rief Alex und kam auf ihn zu. "Du und Dirk ihr kennt die Regeln, informiert Thomas noch einmal, je weniger nach außen dringt, desto besser. Ich lasse euch alleine fahren, aber versucht euch den Weg zur Basis nicht zu merken." "Verstanden, ich rede mit Thomas. Vielen Dank euch allen nochmals für die Hilfe und Gute Besserung an Siggi, das werde ich euch nicht vergessen." "Ist schon o.k. dafür sind wir da."
Als sie Traunstein erreichten wurde es bereits dunkel. Michael setzt Thomas Zuhause ab, er hatte ihm unterwegs eingeschärft wie wichtig es für Sabrina und ihre Organisation war über gewisse Dinge zu schweigen. Thomas hatte ihm am Schluss sein Versprechen gegeben. Dann fuhr auch er endlich nach Hause. Karin war total überrascht als Dirk und Michael zur Tür herein kamen. "Oh mein Gott bin ich froh, ich hatte so bald noch gar nicht mit euch gerechnet." Tränen liefen ihr über die Wangen als sie beide in die Arme nahm. "Ihr müsst mir alles ganz genau erzählen. Sind Sabrina und Jens auch da?" "Wenn du uns etwas zu essen machst können wir erzählen, wir haben einen Bärenhunger, geschlafen haben wir im Flugzeug. Sabrina hat sich total verausgabt und ist auf der Basis geblieben. Jens ist bei ihr und kommt mit ihr nach sobald es ihr besser geht", antwortete Michael. "Ist sie verletzt?" "Nicht schlimm, nur eine Schramme an der Schläfe. Sie ist nur total erschöpft weil sie mehrfach ihre Fähigkeiten eingesetzt hat." Es wurde eine lange Nacht in der Dirk und Michael ihre Geschichten erzählten, Karin erfuhr fast alles da sie eingeweiht war.
Auch Biggi war überrascht als Thomas plötzlich in der Tür stand. Seine Mädels waren noch wach und die Begrüßung war überwältigend. Thomas hatte ebenfalls Hunger und nach dem Essen erzählte er noch bis weit nach Mitternacht, wobei er einige Dinge nicht erzählen konnte, da er Verschwiegenheit geschworen hatte bzw. einige Vorgänge nicht mitbekommen hatte. Montagmittag Medicopter-Basis
Michael hatte Thomas abgeholt und war mit ihm zur Basis gefahren. Sie wollten sich Herr Ebensieder stellen und die vermutete Gardinenpredigt hinter sich bringen. Zuerst einmal war die Begrüßung groß da noch keiner mit ihnen gerechnet hatte. Da der Schichtwechsel bevorstand waren alle anwesend. Noch bevor Herr Ebensieder aus seinem Büro kam nahm Michael Felix auf die Seite und informierte ihn kurz über Sabrinas Zustand und das Jens bei ihr geblieben war. Felix war sofort einverstanden noch einige Tage länger Dienst zu tun. Herr Ebensieder hatte den Aufruhr nun mitbekommen und kam aus dem Büro. "Ach, die Herren Lüdwitz und Wächter sind auch mal wieder anwesend. Kommen sie doch gleich mal in mein Büro", sagte er säuerlich und machte auf dem Absatz kehrt. Michael und Thomas sahen sich an "Auf in die Löwenhöhle", meinte Thomas und sie folgten ihm. Hinter ihnen fiel die Tür ins Schloss. "Sagen sie mal was haben sie sich eigentlich dabei gedacht? Diese Extratouren häufen sich seit sie wieder zurück sind Herr Lüdwitz, ich weiß nicht was ich davon halten soll. Sie haben sich hinter meinem Rücken mit den Kollegen abgesprochen und mich wieder vor vollendete Tatsachen gestellt. Da steckt doch wieder diese Frau dahinter, oder woher hatten sie so schnell Ersatz durch diesen Felix?" wütend stand Herr Ebensieder hinter seinem Schreibtisch. "Das mein Sohn sich fast eine Woche nicht aus seinem Urlaub gemeldet hat habe ich ihnen ja bereits erzählt. Frau Wagner die in München ein Sondereinsatzkommando leitet, war so freundlich und konnte mir mit Hilfe ihrer internationalen Kontakte den Aufenthaltsort meines Sohnes ermitteln. Herr Wächter und Herr Köster haben dann darauf bestanden mich zu begleiten als ich mich aufmachte ihn zu befreien. Das ist uns, Gott sei Dank, ohne große Schwierigkeiten und Komplikationen geglückt. Auch mit den Flugverbindungen hat es sehr gut geklappt und deshalb sind wir so schnell zurück. Lediglich Herr Köster wurde leicht verletzt und wird erst in ein paar Tagen wieder zur Verfügung stehen. Frau Wagner war einverstanden, dass Felix deshalb noch einige Tage hier bleibt. Ich verspreche ihnen, dass so etwas nicht mehr vorkommen wird." "Das will ich schwer hoffen, sollte das noch einmal passieren wird es für sie Konsequenzen haben. Bedanken sie sich bei ihren Kollegen für deren Einsatz, wenn die nicht hinter ihrer Aktion gestanden wären, dann hätten sie bereits Schwierigkeiten. Und jetzt raus hier meine Herren." Michael und Thomas beeilten sich das Büro zu verlassen. Thomas sah Michael an "Da waren aber ein paar Lügen dabei." "Es wäre für Sabrina und ihre Organisation nicht gut gewesen mehr zu erwähnen", meinte Michael. "Das war heftiger als ich erwartet hatte, uns gegenüber war er ruhiger", sagte Karin zu Michael. "Hey Leute, habt ihr was dagegen erst ab morgen früh wieder dem Schichtplan zu folgen? Wir kämpfen noch mit der Zeitumstellung." Mark sah Gina und die anderen an "Ich denke das schaffen wir gerade noch, wir hatten sowieso nicht vor Mittwoch mit euch gerechnet. Erholt euch heute noch ein wenig. Michael du bist morgen gleich mit der Frühschicht dran. Aber spätestens am Wochenende seid ihr uns eine Grillfete und einige Geschichten schuldig."
Der Dienst am nächsten Tag lief für alle relativ ruhig. Felix ging auf Michael zu und wollte wissen wie die Aktion gelaufen war, achtete aber darauf, dass niemand in der Nähe war. Thomas hatte mit Mark und Peter die Nachmittagsschicht und da auch diese ruhig verlief konnte er ihnen einiges erzählen.
Dienstagnachmittag in Sabrinas Wohnung
"Endlich wieder Zuhause", Sabrina setzte sich erschöpft auf das Sofa. "Soll ich dir einen Kaffee machen?", fragte Jens. "Wäre nicht schlecht, danke", antwortete Sabrina. Jens ging in die Küche und kam kurz darauf mit zwei Tassen Kaffee zurück. "Willst du dich nicht ein wenig hinlegen? Ich kann sehen, dass dich das Ganze noch ziemlich anstrengt. Ich werde einkaufen und dann in meine Wohnung fahren, Anna wartet sicher schon." "Tu das, sie musste lange genug auf dich verzichten. Ich lege mich ins Bett, sehen wir uns morgen?" "Sogar heute Abend, ich lasse dich noch nicht allein, du gefällst mir nicht." Jens gab ihr einen Kuss. "Versprich mir langsam zu machen, o.k." Sabrina nickte und stand auf um ins Schlafzimmer zu gehen. Jens wartete bis sie sich hingelegt hatte. Als er die Wohnung verlies klingelte er noch bei Michael und Karin die einen Stock tiefer wohnten. Michael öffnete "Hallo Jens, ihr seit schon da? Geht es ihr besser?" "Sie erholt sich langsam und schläft sehr viel. Die Fahrt hat sie wieder etwas angestrengt. Ich wollte dich bitten ab und zu nach ihr zu sehen, ich habe die Balkontür offen gelassen. Es sind Einkäufe zu machen und ich muss nach Hause, Anna wartet. Gegen Abend bin ich wieder da." "Ich werde regelmäßig nach ihr sehen, versprochen." Michael hielt sein Versprechen und war regelmäßig bei Sabrina. Wie es Ärzte so an sich haben kontrollierte er immer wieder den Puls und die Temperatur. Sabrina schlief tief und fest und schien nichts zu bemerken. Am Abend kam Jens wieder und blieb bei ihr. Zum Essen weckte er sie sanft und liebevoll auf. "Hallo kleines Murmeltier, Zeit etwas zu essen. Außerdem hast du Besuch." "Besuch?" blinzelte sie ihn an. Michael, Karin und Dirk steckten den Kopf in das Zimmer. Karin setzte sich zu ihr. "Wir wollten uns ganz herzlich bei dir bedanken und auch bei deinen Leuten. Ich weiß nicht wie wir das wieder gut machen können." "Ihr seid doch für mich da wenn ich euch brauche. Nun macht nicht schon wieder so viel Wind, ihr wisst doch ich mag das nicht", antwortete Sabrina verlegen. "Das ist der Vorteil wenn man uns nicht kennt, dann können wir einfach verschwinden." "Danke", sagte Karin nochmals und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. "Ich glaube wir lassen euch jetzt besser allein, ich muss auch los zur Nachtschicht. Ihr wisst ja wo ihr uns findet wenn ihr uns braucht." Zum Wochenende war sie dann wieder voll einsatzfähig und ganz die Alte.Drei Monate später
Der Alltag der drei Teams hatte sich eingespielt und im September war Ralf zum dritten Team gestoßen. Jens verstand sich auf anhieb gut mit Ralf und auch seine Freundin wurde von allen akzeptiert. Biggi brachte Mitte September einen gesunden Jungen den sie Florian nannten zur Welt. Thomas und seine Mädchen waren komplett aus dem Häuschen da Biggi bis zum Schluss nicht verraten hatte was es werden würde. Nun hatte Thomas einen Sohn und die Mädchen einen Bruder.
Sabrina pendelte zwischen München und Traunstein. Sie und Jens nutzten jede freie Minute um sie gemeinsam zu verbringen. Damit Anna nicht auch noch um Jens zittern musste blieb er vorerst bei Medicopter obwohl es ihm schwer viel. Sabrina hatte zwar immer wieder Einsätze und war oft einige Tage weg, aber es kam zu keinen größeren Unfällen mehr. Gelegentlich verwandelte sie sich von einer Katze in ein Murmeltier, aber Jens wusste Bescheid und gab ihr Ruhe und Kraft durch seine Nähe.Freitagabend Medicopter Basis
Sabrina fuhr mit dem Motorrad auf die Basis und parkte vor dem Hangar. "Hallo Max du bist noch da?" fragte sie. "Ich war noch am tüfteln, werde jetzt aber Schluss machen, schließlich ist Wochenende", antwortete Max. "Hier hab ich was für dich, das Ersatzteil das du noch brauchst. Sind die Jungs noch unterwegs?" "Hey, danke das du es mitgebracht hast. Die Jungs hatten einen schweren Einsatz was ich so mitbekommen habe, die A-Crew ist schon da, die wissen Bescheid." "Danke Max", sagte Sabrina und verschwand durch die Tür. "Hallo guten Abend, wie geht es euch?" "Gut soweit und dir? Wird das nicht langsam etwas kalt auf der Maschine?" fragte Thomas. "Wie würdest du dich fühlen nach einem 8 Stunden Langstreckenflug mit einem Prototypen der mucken macht? Das Motorradfahren war der Ausgleich den ich brauchte. Wenn man seine Maschine liebt und sich richtig anzieht ist das kein Problem, solange es nicht in strömen gießt macht mir das nichts aus. Es ist auf jeden Fall schöner als Autofahren." "Da spricht die Leidenschaft, bleibt da noch was für Jens übrig?" fragte er keck. Sabrina hatte sich vor ihn gestellt und die Hand an sein Kinn gelegt "Das wüsstest du wohl gern genau wie viel Feuer ich noch habe?" Sie war ihm so nahe gekommen das er zurück wich. In diesem Moment ging die Tür auf und Max kam herein "Sag mal Sabrina das Ersatzteil ist aber nicht maschinell gefertigt, das ist saubere Handarbeit wo hast du das her?" "Bedank dich bei Felix wenn er mal wieder hier ist, das ist sein erstes Meisterstück", antwortete Sabrina. "Ich denke Felix ist Pilot", Thomas sah sie fragend an. "Ist er, ich lege nur Wert darauf, dass sich meine Piloten auch mit der Mechanik und Elektrik ihrer Maschinen auskennen und Notfalls Ersatzteile herstellen können." "Übertreibst du da nicht ein bisschen?" "Bei unseren Einsätzen und Einsatzorten hast du bei Zwischenfällen meistens keinen Mechaniker dabei. Ich habe das in meiner Ausbildung auch lernen müssen und es hat mir nicht geschadet, im Gegenteil, ich war schon oft dankbar dafür. Obwohl ich meinen Ausbilder damals oft dafür verflucht habe." Sabrina sah ihn schmunzelnd an. "Ich werde mich auf jeden Fall persönlich bei ihm bedanken. Und dir Thomas könnte ein bisschen technisches Verständnis auch nicht schaden", sagte Max und ging wieder in den Hangar. "Wie geht es übrigens Biggi und deinem Sohn?" Sabrina versuchte das Thema zu wechseln. "Seit du bei ihr warst und sie den Tragerucksack benutzt ist er tagsüber viel ruhiger und umgänglicher geworden und die Nächte sind ebenfalls ruhiger geworden. Mit dem Stillen klappt es inzwischen auch sehr gut. Ich bin total überrascht gewesen was das bewirkt hat", antwortete Thomas sichtlich erleichtert. "Ja, Thomas hat das erzählt, woher wusstest du das?" fragte Mark. "Ich hatte selbst mal so einen kleinen Racker den habe ich insgesamt 20 Monate gestillt, davon ein halbes Jahr voll, und viel im Tragerucksack getragen. Wenn man mal sieht wie Naturvölker mit ihren Kindern umgehen und man darüber nachdenkt ist es natürlich und logisch. Die Mütter haben die Kinder viel bei sich, der Herzschlag der Mutter und die Nähe beruhigen. Nur in unserer modernen Gesellschaft glaubt man ständig die Kinder irgendwo ablegen zu müssen, dadurch fehlt ihnen etwas natürliches, die Nähe zur Mutter. Überleg doch mal das Kind hört 9 Monate den Herzschlag der Mutter. Ich habe sogar meine Hausarbeit gemacht mit dem Baby im Tragerucksack. Wie hat meine Hebamme damals gesagt, was dem Kind gut tut, tut auch der Mutter gut. Uns war beiden geholfen, er war bei mir und ich hatte soviel Bewegungsfreiheit, dass ich noch etwas tun konnte." "Du verblüffst mich immer wieder, du setzt dich mit allen Dingen genau auseinander, oder?" fragte Mark. "Hat sich so ergeben, ich versuche den Dingen auf den Grund zu gehen und hinterfrage vieles, nur so kann man dazulernen, außerdem hält es mich fit", schmunzelte Sabrina. "Sollten die anderen nicht schon längst da sein?" "Die hatten einen schwierigen Einsatz und es dauert wohl noch etwa eine Stunde", antwortete Peter. Da klingelte das Telefon und Thomas nahm den Hörer ab. "Ist für dich, Norbert Bach", sagte er und reichte ihr den Hörer. "Danke", sagte sie und nahm ihn. "Hallo Norbert was gibt´s?" sie lauschte kurz. "Hast du ihn auf der anderen Leitung und kannst ihn mir durchstellen?" Sabrina hatte sich an den Schreibtisch gelehnt. "Igor ......" abwechselnd hörte sie zu und sprach in russisch. Mark, Thomas und Peter konnten nichts verstehen und beobachteten Sabrina. Sie sah auf die Uhr, rieb sich mit einer Hand an der Stirn und schüttelte einige Male den Kopf. Mark ging auf sie zu weil sie plötzlich blass geworden war, dann war das Gespräch beendet. Sie wählte schnell eine Nummer "Norbert, wir treffen uns in 1 ½ Stunden am Flughafen", und legte wieder auf. "Ist etwas passiert?" fragte er. "Passiert ist gut. Ich glaub das nicht. Ich muß für einige Tage weg nach Russland, ein paar Freunden helfen. Sagt bitte Jens Bescheid es tut mir leid, aber es ist Wichtig. Wenn er genaueres wissen will soll er Norbert anrufen." Sie machte ihre Jacke zu und eilte zu ihrem Motorrad. Peter, Mark und Thomas sahen sich verdutzt an und zuckten mit den Schultern. Thomas ahnte, dass sie einen wichtigen Einsatz haben musste und wusste sie konnte nicht darüber reden. Vielleicht würde er später etwas von Jens erfahren. Montagmorgen Medicopter Basis
Thomas war etwas früher als gewohnt zum Dienst erschienen. "Hallo Leute wie war die Nachtschicht?" fragte er in die Runde. "Relativ ruhig, nur ein Einsatz heute Nacht. Du bist aber früh heute, hat dich der Junior geweckt?" Jens grinste ihn an. "Nein ich bin wach geworden und habe dann beschlossen, dass es sich nicht lohnt noch mal ins Bett zu gehen, dachte ich kann dich etwas früher ablösen." Thomas sah sich um und fragte dann leise "Hast du was von Sabrina gehört?" Jens nickte und deutete Richtung Hangar. Unauffällig gingen sie hinaus. "Wenn alles gut geht kommt sie bald zurück. Die Russen hatten einen Notfall, alle Piloten für die Sojus Flüge sind an einem Virus erkrankt und die Raumstation ISS brauchte einen dringenden Versorgungsflug. Der Flug wurde schon seit Wochen mehrmals aufgrund des schlechten Wetters verschoben worden. Die Amerikaner fliegen seit dem Unfall nicht mehr und die ESA hatte auch keine Rakete zur Verfügung. Sabrina ist die einzige Pilotin die zur Verfügung stand. Sie hatten nur ein Zeitproblem aufgrund der schlechten Witterung, deshalb musste sie so kurzfristig weg, es war für einige Stunden eine Wetterbesserung in Aussicht." "Sie kann tatsächlich die Sojus fliegen?" "Sie war im Rahmen eines Austauschprogramms für ein Jahr in Russland und hat da gelernt fast alle Maschinen zu fliegen die es in Russland gibt. Sie fliegt leidenschaftlich und fast alles was sie zwischen die Finger kriegt, du hast doch schon in Brasilien gemerkt was sie kann." Thomas schüttelte den Kopf "Dein Mädchen hält immer wieder Überraschungen bereit. Hast du das gewusst?" "Ja, sie erzählt mir oft von ihren Ausbildungen und was sie alles gelernt hat, ist sehr interessant. Ich mach mich dann mal auf den Weg und wünsche euch einen ruhigen Dienst." Jens ging sich umziehen und machte sich auf den Weg nach Hause.Mittwochabend Medicopter Basis
"Hallo Karin, wie war die Spätschicht?" Jens kam zur Tür herein. "Total ruhig, wir hatten keinen Einsatz, es wird etwas weniger, Gott sei dank, tut mal wieder gut", fragend sah Karin Jens an. Er hatte die wortlose Frage verstanden und schüttelte mit dem Kopf. Karin stand auf und nahm ihn in den Arm "Sie kommt bestimmt bald! Kontakte mit Russland sind immer noch schwierig", flüsterte sie. Dankbar sah er sie an. Michael und Ralf trafen ein und Enrico und Gina verabschiedeten sich. Plötzlich hörten sie ein Mofa vor der Basis und einen Moment später stand Anna in der Tür. "Anna was ist denn los?" "Hat Norbert dich erreicht? Ich konnte dich auf dem Handy auch nicht erreichen." Verdutzt sah Jens auf sein Handy "Mist, habe ich nicht gemerkt die Batterie ist leer, was ist den?" "Norbert sagte nur, er habe versucht dich seit 18 Uhr zu erreichen und kein Glück gehabt. Es gibt Probleme und ich soll dir deinen Pass bringen, er holt dich nachher ab." Jens war beunruhigt und wählte eine Nummer, niemand meldete sich, er runzelte die Stirn. "Eagle an Medicopter Basis, bitte um Landeerlaubnis", hörten sie aus dem Mikro. "Landeerlaubnis erteilt, Norbert bist du das?" antwortete Jens. "Ja, bin gleich bei euch." Jens eilte nach draußen, er konnte den Helikopter schon hören. Norbert landete die Maschine und stieg aus. "Norbert was ist passiert?" fragte Jens ganz besorgt. Karin, Anna und Michael waren inzwischen zu ihnen gestoßen. "Ich will es kurz machen, unterwegs kann ich dir alles genauer erzählen. Sabrina ist wie vorgesehen zur ISS geflogen. Es hat alles einwandfrei funktioniert, allerdings konnten die Beobachter aufgrund der Schlechtwetterfronten über Russland und weiten Teilen der nördlichen Halbkugel einen Meteoritenschwarm nicht rechtzeitig orten. Da sie auch auf der Raumstation einige Ausfälle haben, wurden sie somit nicht rechtzeitig gewarnt. Die Meteoriten haben viele wichtige Teile beschädigt unter anderem die Sauerstoffversorgung. Eine Reparatur ist mit den vorhandenen Mitteln derzeit nicht möglich. Sabrina ist mit einem Wissenschaftler auf der Raumstation geblieben. Einen Wissenschaftler und den Piloten haben sie in der Sojuskapsel zurückgeschickt. Es gibt noch einen Gleiter den sie Momentan umbauen und ausrüsten um mit ihm zur Erde zurück zu fliegen. Der Gleiter ist nur nicht für Flüge in der Atmosphäre und für Landungen auf der Erde vorgesehen. Wir hatten die Möglichkeit eine Stunde lang miteinander zu reden und sie wollte auch mit dir reden, deshalb haben wir verzweifelt versucht dich zu erreichen. Sabrina hat eine Nachricht für dich hinterlassen die ich aufgezeichnet habe, kannst du dir nachher ansehen. Sie sind jetzt in den Gleiter umgestiegen und warten auf eine Lücke in der Schlechtwetterfront um loszufliegen. In der Hoffnung, dass der Sauerstoff so lange reicht." Norbert machte eine Pause. "Gibt es keine andere Möglichkeit? Die Amerikaner oder die ESA?" fragte Michael. "Die Amerikaner fliegen seit dem Unfall damals nicht mehr und die ESA hat derzeit nichts zur Verfügung, außerdem sind das unbemannte Kapseln. Sabrina sagte sie will es auf jeden Fall versuchen, sie verbrennt lieber in der Atmosphäre als dort oben zu ersticken. Sie glaubt mit den Umbauten eine Chance von 50 Prozent zu haben, dass es ihr gelingt. Wir wollen in einer Stunde losfliegen um da zu sein wenn sie landet und ich dachte du willst bestimmt mit, deshalb in ich da, außerdem könnte ich noch einen Piloten brauchen." "Ich komme auf jeden Fall mit! Wer fliegt noch mit? Kommt Christian mit?" "Unsere Leute sind fast alle im Einsatz und so weit weg, dass sie nicht kurzfristig dort sein können. Christian ist in Südamerika, der schafft es zeitlich überhaupt nicht. Daniel und Nicole kommen noch mit, sie machen gerade die Maschine startklar. Ich lasse Sabrina diesmal nicht wieder im Stich." "Was soll das heißen?" "Erkläre ich dir später! Kommst du jetzt?" fragt Norbert. Jens drehte sich um "Anna, danke das du mir den Pass gebracht hast, es tut mir leid wenn ich dich schon wieder alleine lasse." "Geh nur Papa und bring sie nach Hause, wir brauchen sie noch", sagte Anna und nahm Jens in den Arm. Michael sah Karin an "Ich gehe mit, ich bin ihr noch was schuldig. Zum Glück habe ich meinen Pass im Auto", sagte er und rannte zum Wagen. "Klärst du das Bitte mit der Zentrale, Ebensieder hat Urlaub und muss das ja nicht unbedingt erfahren. Und sag den anderen Bescheid, es ist Wichtig. Erklärungen liefern wir später." Michael nahm Karin in den Arm und lief dann zum Helikopter. "Bringt sie wieder heil zurück", sagte Karin die sich ebenfalls große Sorgen machte. "Wartet ich komme mit", rief Michael Jens und Norbert hinterher. Karin und Anna gingen zurück zur Basis. "Was ist denn jetzt los?" fragte Ralf. "Kurz gefasst: ein Notfall, eine Rettungsmission für Sabrina", sagte Karin. "Für Sabrina? Da gehe ich mit, ich glaube da habe ich noch etwas gut zu machen. Sagt meiner Freundin was los ist", rief er und rannte winkend zum Helikopter. Norbert wollte gerade abheben als er ihn sah. Jens öffnete das Fenster. "Was ist?" "Ich komme mit, ich bin ihr noch was schuldig!" "Du?" "Ja, nehmt mich mit, ich erkläre es euch später."Zwei Stunden später
Sie waren mit der Frachtmaschine auf dem Weg nach Baikonur. Im Frachtraum hatten sie zwei Hubschrauber verankert, die Maschine war vollgetankt und der Sprit sollte bis zum Ziel reichen. Igor hatte ihnen inzwischen alle erforderlichen Überfluggenehmigungen besorgt. Jens hatte Norbert beim Start geholfen und sich dann die Videoaufzeichnung von Sabrina angesehen. Als er zurück ins Cockpit kam standen ihm Tränen in den Augen. Norbert sah ihn von der Seite an "Alles o.k.?" fragte er. "Ja", schluckte Jens "Ich ärgere mich nur, dass die Batterie von meinem Handy leer war. Sie hat bis zum Schluss gewartet, dass ihr mich erreicht. Sie war so ruhig und gefasst und ist überzeugt, dass ihr das Manöver gelingt. Wie schätzt du ihre Chancen ein?" "Ganz gut, es könnte tatsächlich funktionieren. Der Gleiter ist sehr stabil konstruiert und hat eine ideale Form, mit dem Schutzschild den Sabrina und Dimitri eingebaut haben können sie sogar die Reibungshitze überstehen, sie muss nur den Eintrittswinkel stabil halten. Sie ist eine gute Pilotin und ich glaube daran, dass sie es schafft. Das Einzig schwierige wird die Landung, der Gleiter hat kein Fahrgestell. Es kommt darauf an wo sie runter kommen und wie das Gelände dort ist." "Wie erfahren wir wann sie losfliegen und wo sie runter kommen?" fragte Michael der in das Cockpit gekommen war und den Schluss der Unterhaltung mitbekommen hatte. "Der Funk im Gleiter ist zwar defekt, aber sie können ein Signal senden. Über Satellit ist es dann möglich die Flugbahn zu verfolgen, zumindest großteils. Wenn sie unten sind müssen wir rechnen und hoffen, dass wir sie bald finden. In Russland ist bereits Winter und es wird ziemlich kalt. Was uns ein wenig hilf ist der Sender den Sabrina seit dem Zwischenfall in Nord-Korea trägt. Sie wird ihn aktivieren bevor sie starten, allerdings ist seine Reichweite begrenzt." "Was hat du vorhin eigentlich damit gemeint, dass du sie nicht wieder im Stich lässt?" fragte Jens. "Als Sabrina damals in Gefangenschaft geriet gab es unsere Gruppe erst ein knappes Jahr. Sie hatte uns Zeichen und Hinweise gegeben und wir haben sie nicht verstanden. Die Regierung hat uns damals mitgeteilt sie seien Tod und haben uns hingehalten. Wir waren nicht hartnäckig und konsequent genug. Erst als Igor bei uns nachgefragt und gebohrt hat ist uns klar geworden, dass wir Fehler gemacht haben. Dadurch haben wir viel Zeit verloren. Wenn wir früher reagiert hätten wäre Bernd damals vielleicht nicht gestorben und Sabrina wäre einiges erspart geblieben. Deshalb habe ich gesagt ich lasse sie nicht wieder im Stich. Sie hat jedem von uns schon mindestens einmal das Leben gerettet und in vielen Bereichen so viel für uns getan. Sie sagte hol mich nach Hause, egal wie. Ich hätte mich aber auch ohne diesen Satz auf den Weg gemacht. Wir brauchen sie alle als Mensch und als Vorgesetzte wir können noch so viel von ihr lernen. Außerdem brauchen wir sie für unsere Organisation, sie ist die Seele von `People For People`." Norbert schwieg und starrte zum Fenster hinaus. "Ich bin froh, dass ihr dabei seid. Deine Nähe Jens wird ihr Kraft geben, sie will überleben. Dir danke ich auch Michael, vor allem weil Christian nicht zur Verfügung steht. Es wird vermutlich nicht ohne größere Verletzungen abgehen." "Das war gar keine Frage, sie hat schon so viel für mich getan, vielleicht kann ich jetzt einen Teil wieder gut machen. Wie lange werden wir noch fliegen?" fragte er. "Noch gut 6 Stunden, ich hoffe wir sind am Ziel bevor sie starten damit wir sie verfolgen können und schnell bei ihnen sind", Jens konnte die Sorge aus seiner Stimme hören. "Wir sollten uns abwechselnd schlafen legen damit wir ausgeruht sind wenn wir ankommen, ich weiß nicht was uns erwartet und wie sich alles entwickelt. Geh du zuerst, ich brauche noch ein bisschen." "O.K. ich löse dich in 3 Stunden ab", sagte Jens und ging mit Michael nach hinten. Michael konnte spüren, dass Jens sich Sorgen machte und beunruhigt war. "Es wird schon gut gehen, sie ist stark und will zu dir, das wird ihr helfen." "Wenn sie nur schon zurück wäre, die Ungewissheit ist so schlimm ....." Michael hatte Jens in den Arm genommen und versuchte ihn zu trösten. "Gibt es Probleme? Kann ich helfen?" Ralf kam mit Nicole aus dem kleinen Med-Center. Nicole hatte ihm das Flugzeug gezeigt um den anderen Gelegenheit zu geben sich ungestört zu unterhalten. "Schon in Ordnung, aber nun erkläre mal warum du mitkommen wolltest", Michael sah ihn fragend an. "An dem Tag als Peter bei mir war und gefragt hat ob ich nicht zu Medicopter zurückkommen will, hat mich Sabrina auch besucht. Ich wusste nicht wer sie war und was sie will. Meine erster Impuls war nicht zurückzukehren, ihr wisst schon wegen Gabi. Sabrina hat sich lange mit mir unterhalten, mir von ´People For People` erzählt und von ihrer Arbeit. Als sie gegangen war habe ich nachgedacht und irgendwie vieles plötzlich in einem anderen Licht gesehen. So gesehen war sie der Auslöser dafür, dass ich dann zu euch zurück gekommen bin, worüber ich heute sehr glücklich bin. Es hat mir immer etwas gefehlt nachdem ich weggegangen war. Ich war dann überrascht sie auf der Basis mit dir Jens wieder zu treffen und ich bin ihr dankbar, dass sie mir geholfen hat einiges zu erkennen." Jens und Michael sahen sich verblüfft an. "Auf jeden Fall bin ich froh, dass du dabei bist, ich denke mal ich werde deine Hilfe noch gebrauchen können. Wir sollten uns alle ein wenig ausruhen."Einige Stunden später, Baikonur
Die Frachtmaschine setzte zur Landung an. Igor und seine Truppe erwarteten sie schon. "Schön, dass ihr so schnell da sein konntet. Man hat mir eben mitgeteilt, dass sie gestartet sind. Gehen wir in die Zentrale um ihren Flug zu verfolgen." "Kannst du uns ein paar Leute geben die helfen die Helikopter
auszulanden?" Igor winkte und seine Leute liefen zur Frachtmaschine um Daniel und Nicole zu helfen. Es war empfindlich kalt auf dem Rollfeld und sie beeilten sich ins Warme zu kommen. Igor unterhielt sich mit einem Mann am Bildschirm und kam dann wieder zu ihnen. "Es sieht relativ gut aus, die Winterstürme haben sich beruhigt und wenn Sabrina die Flugroute so beibehält schafft sie es hier in der Nähe, in der Hungersteppe, zu landen. Wie viele Hubschrauber konntest du mitbringen Norbert?" "Zwei, ich hoffe das reicht", antwortete er. "Gut, haben wir vier. Hast du die Senderfrequenz?" fragte Igor. "Ja, übermittle ich dir dann wenn wir losfliegen. Kann ich den Flug verfolgen?" "Hier drüben auf dem Schirm", Igor zeigte auf einen Bildschirm in der Nähe. Gebannt verfolgten sie die Flugbahn bis der Punkt plötzlich verschwand. "Warum ist sie verschwunden?" fragte Michael. "Sie ist unter der Radargrenze, wir sollten los, die Richtung haben wir." Norbert sah Igor an, dieser nickte. "Ich habe noch warme Jacken für euch." Als sie zurück zum Rollfeld gingen erhielt jeder noch eine dicke Jacke die sie auch bitter nötig hatten.
Jens, Michael und Ralf hatten ein Team gebildet ebenso wie Norbert, Nicole und Daniel. Von Norbert hatten sie die Frequenz des Senders erhalten den Sabrina trug. Fächerförmig flogen sie nun mit vier Hubschraubern in Richtung der `Hungerwüste`, in der Hoffnung den Gleiter bald zu finden. Im Team von Igor flog ebenfalls ein Arzt mit, da es sich bei Dimitri um einen von seinen Leuten handelte. Ralf beobachtete angestrengt den kleinen Radarschirm und lauschte dem Frequenzsucher. Die Zeit dehnte sich endlos. "Piep, ....." hörten sie es plötzlich. "Ich glaube ich hab was, ändere die Richtung Jens, etwas mehr westlich", sagte Ralf. "Piep, Piep, ...." "Das muss es sein, halte die Richtung", rief er aufgeregt." "Jens an alle, ich glaube wir haben sie gefunden, wir haben ein stabiles Signal", gab Jens über Funk durch und nannte die Koordinaten die er von Ralf erhalten hatte. "Da vorne, der Streifen im Boden ......" dunkel zeichnete sich eine Schleifspur im hellen Steppenboden ab und plötzlich konnten sie den Gleiter sehen, oder das was von ihm übrig war. Jens setzte zur Landung an. "Oh Gott, das sind ja nur noch Trümmer, ob das jemand überlebt hat?" fragte Ralf als sie ausstiegen. "Sie lebt, ich weiß es, .... ich kann es spüren", antwortete Jens der beim Anblick der Trümmer fast in Tränen ausbrechen wollte, aber das Ziel war jetzt Sabrina zu finden. Jens rannte regelrecht zum Gleiter, Michael und Ralf folgten mit der Notausrüstung. Mühsam kämpfte sich Jens durch die Trümmer uns bog immer wieder Teile zu Seite. "Ich habe jemanden gefunden", in einem Hohlraum hatte er eine Person gefunden, es war Dimitri. Michael war sofort bei ihm. Verzweifelt suchte Jens weiter. Die Trümmer waren scharfkantig und er musste aufpassen, dass er sich nicht selbst verletzte. "Michael wie geht es Dimitri?" fragte er. "Schleudertrauma und schwere Gehirnerschütterung, der Arm und ein paar Rippen sind gebrochen und schwere Prellungen am ganzen Körper. Das Schwierige ist ihn aus dem Anzug raus zu bekommen ohne ihn noch mehr zu verletzen. Hast du Sabrina gefunden?" erklärte Michael. Draußen hörten sie die anderen Hubschrauber. "Nein noch nicht, warte ......" Jens bog eine Deckenplatte zur Seite und sah sie. Er drängte sich durch die Trümmer zu ihr. "Hast du sie? Ist sie bei Bewusstsein?" Das Visier des Helms war offen und er langte mit der Hand an ihre Wange. Er konnte ihre Wärme spüren und durch die Berührung schlug sie die Augen auf. "Sie hat eben die Augen aufgemacht. Kann ich ihr den Helm abnehmen?" fragte Jens. "Nein, warte! Sprich erst mit ihr und sieh wie sie reagiert", hörte er Michaels Anweisung. "Hey, was machst du denn für Sachen?" Jens sah Sabrina in die Augen und strich ihr über die Wange. "Ich wollte nicht dort oben sterben, ich wollte zurück zu dir", brachte sie mühsam hervor. "Wie fühlst du dich? Hast du Schmerzen?" Bislang hatte sich Jens auf ihr Gesicht konzentriert, nun sah er, dass zwei Verstrebungen ihren Anzug zerrissen hatten. Eine hatte den rechten Oberschenkel verletzt, sie blutete stark aus der Wunde. Die andere hatte ihre Seite verletzt und vermutlich Rippen gebrochen, hier konnte er kaum Blut sehen. "Mein Kopf, ..... wenn ich den Kerl erwische ...." murmelte Sabrina. "Welchen Kerl?" "Den mit dem Hammer in meinem Kopf....." stöhnte sie. "Gehirnerschütterung, das lässt gleich nach, ich lege dir einen Zugang und gebe dir was für die Schmerzen. Kannst du Arme und Beine bewegen? Zeig es mir, rede nicht so viel", wies Michael sie an und zog ihr die Handschuhe aus. Mühsam und mit Schmerzen, das konnte er sehen, bewegte sie die Arme und Beine. "O.K. das ist gut, mach eine Faust für den Zugang. Jens öffne die Verschlüsse vom Helm, ich helfe dir gleich." Sabrina machte eine Faust und er konnte ihr den Zugang legen. Sofort verabreichte er ihr das Schmerzmittel. Gemeinsam nahmen sie ihr vorsichtig den Helm ab. Michael hielt
ihren Kopf fest und tastete nach den Halswirbeln und fühlte den Puls. Als Sabrina die Augen schloss schlug er ihr leicht auf die Wange. "Bleib hier, ich brauche dich noch. Sind die Schmerzen irgendwo besonders stark? Jens stütze ihren Kopf." "Es tut einfach alles weh", stöhnte sie. "Wie geht es ihr?" Norbert war da. "Wir müssen sie hier raus kriegen, genaues kann ich noch nicht sagen. Könnt ihr die Verstrebungen entfernen? Wie können wir ihr den Anzug ausziehen? Die Wunde im Oberschenkel blutet sehr stark da muss ich abbinden." "Hier ist eine Schere, damit geht es am schnellsten", Ralf reichte ihm eine Schere und holte einen Arterienabbinder. "Was ist mit Dimitri?" fragte Sabrina. "Igor und seine Leute sind da, sie haben ihn schon in einen Heli gebracht" antwortete Ralf. "Es geht ihm besser als dir", sagte Michael. Die erste Verstrebung hatten sie bereits beseitigt. "Wartet noch, ich muss erst abbinden." Schnell und sorgfältig arbeitete Michael am Bein. Ralf sah ihn an. "Ein offener Bruch, sie verliert viel Blut, es sind wichtige Gefäße verletzt. O.k. ihr könnt sie entfernen. Sabrina? Bist du noch da?" "Weglaufen kann ich schlecht." "Können wir den Anzug hier ausziehen, ich will erst die Wirbelsäule abtasten bevor wir sie bewegen." "Ich helfe euch", Igor war da. "Hey Igor, du hattest recht", begrüßte Sabrina ihn. "Womit?" wollte Jens wissen. "Ich habe ihr gesagt Wildkatzen haben neun Leben und werden sehr alt, ist ein altes Sprichwort bei uns. Sie hat ihre neun Leben noch nicht aufgebraucht." Mit sicheren aber vorsichtigen Griffen öffnete er den Anzug und berührte sie unauffällig an Stirn und Nacken. Michael legte ihr vorsorglich einen Stifneck an und untersuchte dann ihren Rücken. "Wir müssen vorsichtig sein, sie hat zwar eine kräftige Muskulatur aber ich kann Wirbelsäulenverletzungen nicht ganz ausschließen. Sabrina kannst du uns unterstützen?" Michael hatte seine Hand an ihre Wange gelegt und sah sie an. "Ich versuche es, sag mir wie", antwortete sie schwach.
Gemeinsam bewegten sie Sabrina vorsichtig und legten sie auf eine Pneumo-Matratze. Nun konnte Michael sie genauer untersuchen während Ralf den Blutdruck maß. "55 zu 85, ziemlich niedrig, wir sollten ihr etwas für den Kreislauf geben." "Gibt ihr Effortil, das verträgt sie und anschließend gleich eine Ringerlösung", wies Michael Ralf an. Jens hielt Sabrinas Hand und streichelte ihre Wange. "Mir ist so kalt. Ich bekomme kaum Luft ....." sie hustete plötzlich
und Blut rann ihr aus dem Mundwinkel. "Michael!", rief Jens alarmiert. "Pneumothorax, die gebrochenen Rippen müssen die Lunge beim Umlagern verletzt haben. Ralf schnell......" Dieser reichte ihm schon was er benötigte. Sabrina hatte das Bewusstsein verloren. Gemeinsam arbeiteten sie schnell und ohne viele Worte. Nach einiger Zeit sagte Michael "Für den Augenblick haben wir sie soweit stabilisiert. Igor wo ist das nächste Krankenhaus?" "Baikonur, aber das Med-Center in euerem Flugzeug ist fast besser ausgestattet." "Gut, dann so schnell wie möglich dorthin. Jens starte den Heli. Ralf hol noch ein paar Decken, draußen ist es sehr kalt." Ralf war schnell zurück und gemeinsam trugen sie die Matratze zum Helikopter. Jens beeilte sich zu starten und flog so schnell es die Maschine hergab in Richtung Baikonur. Er hatte sich die ganze Zeit zurück gehalten um Michael nicht bei der Arbeit zu stören aber nun hielt er es nicht mehr aus. "Michael, bitte sag mir wie es um sie steht", flehte er. "Sie hat eine schwere Gehirnerschütterung, mehrere Rippen sind gebrochen und die Lunge wurde dadurch verletzt. Innere Verletzungen kann ich noch nicht ganz ausschließen. Am Bein hat sie einen offenen Oberschenkelbruch und viel Blut verloren. Die Wirbelsäule scheint mir nicht verletzt zu sein, aber genaueres kann ich erst nach einer CT sagen, auf jeden Fall ist sie extrem geprellt. Wir konnten sie stabilisieren, es geht ihr den Umständen entsprechend. Jens sie ist stark und sie schafft das auch, da bin ich zuversichtlich. Wir bereiten sie jetzt schon für die Narkose vor, dann kann ich sie im Flugzeug gleich operieren. Das kleine Med-Center ist hervorragend ausgestattet." Michael nickte Ralf zu der ihm alles reichte was er benötigte. Ralf kontrollierte nochmals ihre Werte. "Blutdruck, Herz und Kreislauf sind stabil", informierte er Michael.Fünf Stunden später im Flugzeug
"Ich halte die Warterei bald nicht mehr aus", Jens war aufgestanden und lief verzweifelt hin und her. Norbert stellte sich vor ihn und hielt ihn fest. "Michael und Ralf sind ein gutes Team und Nicole unterstützt sie. So eine Operation braucht Zeit und sie haben eine gute Ausrüstung. Michael hat alles was er benötigt und kann praktisch alle Untersuchungen machen. Sabrina ist stark, sie schafft das. Als ich den Trümmerhaufen gesehen habe hatte ich viel schlimmere Verletzungen befürchtet. Ich bin sicher Igor kommt und hilft ihr und sobald wir wieder in München sind können Alex und Siggi ihr helfen wenn sie zurück sind. Du wirst sehen, sie erholt sich schneller als du jetzt glaubst." Daniel kam und brachte jedem einen Kaffee. Die Warterei war zermürbend für alle. Sie hörten eine Tür und Igor kam. "Wie geht es Sabrina?" fragte er gleich "Sie operieren noch", antwortete Norbert "Und wie geht es Dimitri?" "Er ist über dem Berg, er ist gut davon gekommen, kann in drei Wochen aus dem Krankenhaus." In diesem Moment öffnete sich die Tür und Ralf kam aus dem Med-Center. Alle sprangen auf. "Und wie sieht es aus?" fragte Norbert. Igor ging sofort hinein. "Es ist soweit alles gut verlaufen. Die Lunge war nicht so stark verletzt, andere innere Verletzungen hat sie nicht davon getragen, den Oberschenkelbruch und die verletzten Gefäße konnten wir auch gut versorgen." Erschöpft aber zufrieden setzte sich Ralf auf das Sofa. Jetzt kam endlich Michael aus dem Raum. "Wir haben sie vorsorglich in ein künstliches Koma versetzt damit sie sich nicht bewegt und der Körper ausreichend Ruhe bekommt. Die Wirbelsäule ist zwar nicht ernsthaft verletzt, aber auf den Bildern sind zahlreiche Mikrofrakturen zu erkennen und ich will verhindern, dass da mehr daraus wird. Ihre gut trainierten Rückenmuskeln haben das Schlimmste verhindert. Den hohen Blutverlust konnten wir mit den vorhandenen Blutkonserven ausgleichen und sie ist stabil." Michael nahm Jens in den Arm "In ein paar Wochen ist sie wieder die Alte, geh zu ihr." "Danke Michael", antwortete Jens und eine Träne rann ihm über die Wange. Jens ging zu Sabrina. Obwohl er schon des öfteren seine verletzten Kollegen besucht hatte erschrak er doch, mit all den Infusionen und Schläuchen wirkte sie so zerbrechlich. Igor stand bei ihr und hatte seine Hände auf ihrer Stirn und über dem Herzen liegen. Als er Jens hörte sah er auf und ging auf ihn zu. "Sie wird wieder gesund. Du bist der wichtigste Mensch in ihrem Leben, bleib bei ihr. Ich bin sehr froh, dass ihr beide euch gefunden habt. Wenn Du nicht gewesen wärst zu dem sie zurück wollte hätte sie vermutlich nicht ausreichend Kraft gehabt", sagte er und reichte ihm die Hand. Jens konnte spüren welche Kraft und Ruhe von ihm ausging. "Danke für deine Hilfe Igor, ich weiß was du für sie getan hast." "Sie ist wie eine Tochter, ich werde immer für sie da sein solange ich kann." Er verlies den Raum und Jens blieb mit Sabrina allein. "Ich verspreche dir ich werde immer bei dir bleiben, ich liebe dich. " Jens beugte sich über sie, gab ihr einen Kuss auf die Stirn und streichelte ihre Wange.
Igor suchte Norbert und sprach ihn an. "Ihr solltet euch ausruhen und bald zurück fliegen. Ich weiß nicht wie lange ich die Militärs und Behörden von hier fern halten kann, sie werden den Zwischenfall untersuchen wollen. Das Schutzschild ist aus dem Gleiter ausgebaut und die Trümmer haben wir gesprengt. Die Technologie soll nicht in falsche Hände geraten." "Kannst du uns noch 6 Stunden Zeit verschaffen?" "Mit Sicherheit!" "Danke Igor", antwortete Norbert. "Wir haben zu danken, ohne Sabrina und euch hätten wir wichtige Leute verloren." Er drehte sich um und verlies das Flugzeug. "Scheiß Zeitdruck", fluchte Norbert. "Daniel kümmerst du dich bitte darum, dass die Maschine aufgetankt wird und die zwei Helikopter im Frachtraum gut verankert werden?" "Geht klar", antwortete er und war schon verschwunden. "Michael denkst du 6 Stunden Ruhe reichen bis wir starten? Wir müssen möglichst bald weg sonst könnte es Probleme geben." "Sabrina ist soweit stabil, wir können jederzeit los. Ich kann mich mit Ralf bei ihr abwechseln, das geht schon, je eher wir sie nach Deutschland in die Klinik bringen desto besser."24 Stunden später zurück in München
Jens lag erschöpft in einem Krankenhausbett und war eingeschlafen als Michael die Tür zum Zimmer öffnete. Gemeinsam mit Christian hatte er Sabrina nochmals untersucht. "Ich muss dir gratulieren Michael du hast hervorragende Arbeit geleistet. Auch die Entscheidung sie ins Koma zu versetzen war sehr gut. Sobald sie sich nur einigermaßen fit fühlen würde ist sie nicht mehr zu halten, das verschafft ihr die beste Ruhe. Sie wird vermutlich sauer sein wenn wir es ihr hinterher sagen, aber ich kenne sie inzwischen zu gut." "Wie lange willst du sie im Koma lassen?" "Bei einem normalen Menschen würde der Heilungsprozess bei den Verletzungen 10 bis 12 Wochen dauern. Sabrina benötigt voraussichtlich ein Drittel der Zeit. 10 bis 14 Tage denke ich, ich mache es von den Untersuchungen und Werten abhängig. Ich halte dich auf dem Laufenden. Nimm Jens mit zurück, er kann ihr im Moment nicht helfen und nichts tun. Es reicht wenn er sie täglich besucht, sie wird seine Anwesenheit spüren. Außerdem wird ihn die Arbeit ablenken.
Michael weckte Jens und schleppte ihn unter Protesten mit zum Ausgang wo ein Taxi auf sie wartete. Es brachte sie zurück zur Basis. Sie waren Beide komplett aus ihrem Tagesrhythmus und wollten ihre Kollegen informieren. Ralf war nach der Landung direkt nach Hause gefahren.
Sie hatten Glück und der abendliche Schichtwechsel stand bevor, so waren alle auf der Basis. Karin entdeckte sie zuerst und rannte hinaus "Michael, ihr seid schon wieder da?", rief sie und fiel ihm in die Arme. Alle anderen kamen hinterher. "Mensch ihr seht ganz schön fertig aus, schon wieder so eine Gewaltaktion?" fragte Thomas. "So ungefähr, habt ihr noch Kaffee? Lasst uns reingehen, dann können wir erzählen." "Wo sind Ralf und Sabrina?" wollte Mark wissen. "Ralf ist Zuhause und Sabrina im Krankenhaus. Nun aber mal langsam und der Reihe nach." Nachdem er seinen Kaffee hatte erzählte er in groben Zügen was vorgefallen war und wie es Sabrina ging. Natürlich lies er einige Details weg, es waren ja nicht alle eingeweiht. "Ich muss schon sagen, seit ihr Sabrina kennt ist euer Leben ganz schön aufregend geworden und es überrascht mich mit welchem Tempo und welcher Präzision diese Aktionen immer laufen. Können wir Sabrina besuchen?" Mark sah Michael an. "Christian, mein Studienkollege, schirmt sie komplett ab um ihr Ruhe zu gönnen. Ich denke es macht erst dann Sinn, wenn er sie aus dem künstlichem Koma holt. Ich bin total aus dem Tritt, wie arbeitet ihr momentan?" fragte Michael. "Ich habe Schichtende", antwortete Karin "Und wenn ich euch Beide so ansehe, dann bringe ich euch schleunigst in die Betten." Michael sah sie von der Seite an "Ich werde mich ausnahmsweise nicht wehren. Komm hoch Jens, wir bringen dich nach Hause. Macht es gut bis Morgen." Karin brachte erst Jens nach Hause und fuhr dann in ihre Wohnung. Dirk freute sich sehr und wollte natürlich nochmals einen ausführlichen Bericht und auch Karin erfuhr noch einiges was er auf der Basis verschwiegen hatte.
Zwei Tage später arbeiteten sie wieder im normalen Schichtbetrieb. Jens
lies es sich nicht nehmen jeden Tag einige Stunden an Sabrinas Bett zu sitzen. Christian telefonierte regelmäßig mit Michael und hielt ihn und die anderen auf dem Laufenden. Alex und Siggi besuchten Sabrina sobald sie von ihren Einsätzen zurück waren und ihr Heilungsprozess machte gute Fortschritte. Nach 13 Tagen bat Christian Michael und Jens darum nach Schichtende in die Klinik zu kommen.
Christian und Michael untersuchten Sabrina nochmals gemeinsam und waren mit den Ergebnissen sehr zufrieden. "Obwohl ich es inzwischen weiß, verblüfft es mich doch immer wieder wie schnell der Heilungsprozess bei ihr verläuft." "Es wird schon noch eine Weile dauern, vor allem das Bein sollte sie noch schonen, aber ich denke wir können sie jetzt langsam aufwachen lassen." Sie brachten sie zurück in ihr Zimmer in dem Jens schon voller Aufregung wartete. "Schaut mich nicht so an, sagt mir was los ist", forderte er sie auf. "Wir können sie aus dem Koma holen, es sieht sehr gut aus." Michael nahm ihn in den Arm. Zusammen mit Christian nahm er ihr dann die Infusionen ab und sie entfernten nach und nach die meisten Geräte, lediglich das EKG blieb noch angeschlossen um die Aufwachphase zu überwachen. Jens setzte sich zu ihr und nahm ihre Hand. Er beobachtete sie angestrengt. "Michael, wie lange wird es dauern?" "Schwer zu sagen, bleib einfach bei ihr, ich informiere inzwischen Karin die anderen", antwortete Michael und verlies den Raum. Wie lange es gedauert hat bis sich ihre Finger bewegten konnte er nicht mehr sagen. Seine Hand schloss sich fester um ihre. "Sabrina hörst du mich?" fragte er und strich ihr mit der anderen Hand über die Wange. Ihre Lieder flatterten und sie schlug die Augen auf. Sie war glücklich, dass er an ihrem Bett saß und sie lebte. Jens gab ihr einen Kuss. "Gott bin ich froh, dass du wieder da bist." Sie versuchte zu sprechen brachte aber nur ein Krächzen heraus. In diesem Moment kam Michael zurück und brachte etwas zu trinken mit. Sie halfen ihr hoch und stützten sie damit sie etwas trinken konnte. "Danke. Was ist passiert?" fragte sie. "Woran kannst du dich noch erinnern?" Michael beobachtete sie aufmerksam. "Das letzte an was ich mich erinnere ist der Landeanflug, ich habe krampfhaft versuch den Kurs und Winkel zu halten. Dann ein gewaltiger Lärm, Glassplitter und Metallteile. Verschwommen sind da noch euere Gesichter", antwortete sie. Michael und Jens erzählten abwechselnd was vorgefallen war und welche Verletzungen sie davongetragen hatte. "Nun erzähl du mal wie es dort oben ist", sagte Jens. "Wunderschön, die Sterne sind zum greifen nah und unsere Erde sieht wie eine riesige blau weiße Murmel aus. Wenn die Sonne aufgeht ist das ein phantastisches Schauspiel. Auf dem Mond kann man die Landschaften und Krater ganz deutlich sehen und sie laden zu einem Spaziergang ein. Ich konnte es nur aufgrund der Vorfälle nicht richtig genießen, schade. Eine solche Gelegenheit werde ich wohl nicht mehr erhalten." "Jetzt werde erst mal wieder gesund. Und falls du wirklich noch mal da rauf fliegt werde ich dich begleiten. So etwas machst du mir nicht noch mal alleine", sagte Jens. Sabrina musste schmunzeln. "Ich würde es dir wirklich gerne zeigen." "Jetzt hör sich einer das an, gerade mal wieder unter den Lebenden und will schon wieder fliegen!" Michael schüttelte den Kopf. Relativ schnell wurde Sabrina wieder müde und sie kämpfte damit wach zu bleiben. Michael sah das und sagte "Ruh dich aus, es ist normal das du müde bist, wir kommen morgen wieder." "Danke, es war schön euch zu sehen." Jens gab ihr noch einen Kuss, da war sie bereits eingeschlafen. "Komm schon Jens, du kannst hier nichts für sie tun, wir besuchen sie morgen wieder und sobald sie nach Hause kommt nimmst du dir Urlaub. Christian passt auf sie auf." In den nächsten Tagen erhielt sie viel Besuch sowohl von der Medicopter Basis als auch von ihren Leuten und es ging ihr von Tag zu Tag besser. Jens war jeden Tag viele Stunden bei ihr. Ihre Beziehung wurde noch intensiver und die Zuneigung wuchs immer mehr. Christian erlaubte ihr erste Ausflüge im Rollstuhl und nach einer Woche fing sie langsam an mit Krücken zu laufen.Samstagvormittag Krankenhaus
Jens hatte während der Nachtschicht geschlafen da sie keinen Einsatz hatten und stürmte voller Vorfreude mit einem riesigen Blumenstrauß in Sabrinas Zimmer. Zu seiner Überraschung war das Bett leer. Auf dem Bett lag eine Zeitung und ein Artikel war markiert. Daneben stand geschrieben: `Der Kreis schließt sich! So findet alles sein gerechtes Ende. Ich möchte endlich nach Hause.´ Jens lies die Blumen fallen und rannte auf den Flur "Wo ist Frau Wagner? Wo ist Dr. Sauer?" rief er aufgeregt. "Dr. Sauer ist in seinem Büro am Ende des Flurs. Frau Wagner müsste in ihrem Zimmer sein." Jens rannte zum Büro und riss die Tür auf "Christian, Sabrina ist weg." "Was heißt weg?" er sprang auf und rannte in ihr Zimmer. Sein Blick fiel auf die Zeitung. "Ich wusste es ist ein Fehler, ich hätte sie anbinden oder einsperren sollen, hoffentlich macht sie keinen Unsinn. Kannst du damit etwas anfangen?" "Nein, leider nicht!" "Teilen wir uns auf, ich fahre auf die Basis und versuche mit Hilfe von Norbert etwas herauszufinden. Du fährst zurück zu euerer Basis und in ihre Wohnung. Wir halten Kontakt und hoffen das sie irgendwo auftaucht." Jens fuhr zuerst zur Medicopter Basis. Aufgeregt sprang er aus dem Auto. "Was ist los", wollte Mark wissen. "Ist Sabrina hier aufgetaucht? Sie ist aus dem Krankenhaus verschwunden. Wenn sie auftaucht ruft bitte durch, ich bin Zuhause bei Anna oder in ihrer Wohnung." "Das kann doch fast nicht möglich sein mit ihren Verletzungen. Wir melden uns wenn sie auftaucht", antwortete Mark beunruhigt, aber Jens war schon wieder weg. Nächste Station für Jens war seine eigene Wohnung. "Papa was ist den passiert?" Kurz erzählte Jens was vorgefallen war. "Hoffentlich meint sie mit Zuhause ihre Wohnung, ich weiß sonst nicht mehr wo ich suchen soll." "Fahr zu ihr Papa, ich bleibe auf jeden Fall hier und melde mich falls sie auftaucht." Anna war sehr besorgt, sie hatte Sabrina in ihr Herz geschlossen. Verzweifelt stieg Jens in sein Auto und fuhr zu Sabrinas Wohnung. Inständig hoffte er sie dort vorzufinden. Seine Hoffnungen wurden nicht erfüllt. Er griff zum Telefon und versuchte Norbert und Christian zu erreichen. "Könnt ihr sie nicht über den Sender orten den sie trägt?" "Er ist deaktiviert und wird von ihr in Notfällen selbst aktiviert", erfuhr er von Norbert. Auch Sie wussten noch nichts Neues außer, dass sie sich ein Taxi gerufen hatte mit unbekanntem Ziel. Außerdem warteten sie auf einen Rückruf eines Freundes aus Paris und sie hatten versucht ihren Bruder zu erreichen. Jens nahm sein Handy und ging einen Stock tiefer zu Karin und Michael. Michael sah es Jens sofort an, dass etwas vorgefallen war, er war total fertig. "Ich verstehe nicht warum sie so etwas tut." Er berichtete kurz was im Krankenhaus vorgefallen war. "Man müsste wissen was hinter dem Zeitungsartikel steckt, dann könnte man Rückschlüsse ziehen", Michael versuchte Jens zu beruhigen. "Du hast alle informiert, wir können nur warten." "Ich mache uns mal Kaffee und dann muss ich zum Dienst", sagte Karin und stand auf. Irgendwann am Nachmittag klingelte das Handy von Jens. "Norbert habt ihr sie gefunden?" er lauschte. "Und?" fragte Michael. "Sie haben den Freund in Frankreich erreicht, er sagt der Name der im Artikel erwähnt wird, es ist der Mann der für den Bombenanschlag damals in Barcelona verantwortlich war bei dem ihr Mann und ihr Sohn gestorben sind. Norbert hat auch ihren Bruder erreicht, er ist auf den Friedhof gefahren, auf dem Grab stehen frische Blumen und Kerzen sind angezündet worden. Ihr Bruder meint das könne nur Sabrina gewesen sein." "Kein Wunder, dass sie durcheinander ist, nach über 10 Jahren kommt das wieder hoch, dabei hat sie doch versucht damit abzuschließen", meinte Michael. "Wo wohnt der Bruder bzw. ist das Grab?" Jens grübelte. "Ich glaube, sie hat mal den Namen Hockenheim erwähnt, das liegt im Raum Mannheim/Heidelberg. Warum?" "Wenn sie dort nicht geblieben ist, von der Entfernung, hin und zurück, dürften das so 8 bis 9 Stunden sein. Wenn hier ihr Zuhause ist taucht sie vielleicht bald auf. Wann ist sie aus dem Krankenhaus verschwunden?" "Als ich gegen 10 Uhr dort war, war sie schon weg." Jens sah auf die Uhr. "Es ist jetzt vier." Michaels Telefon klingelte, er war sofort dort. "Nein Karin, noch nicht, aber wir haben ein paar Spuren." Jens hörte wie Michael Karin ihre Schlussfolgerungen mitteilte. Er stand auf und ging zum Balkon, die Ungewissheit und das Warten beunruhigten ihn sehr. Die Zeit verging schleppend langsam. Irgendwann klingelte es an der Tür und Felix stand draußen. Michael sah ihn verdutzt an. "Norbert schickt mich, ich soll für Jens den Dienst übernehmen", sagte er. "Das ist eine gute Idee, ich denke nicht, dass er dazu in der Lage wäre", antwortete Michael. "Ich richte mich oben im Gästezimmer ein", sagte er und verschwand über die Treppe. Wenn er für Jens Vertretung machte wohnte er immer bei Sabrina. Kurz darauf war er wieder da. "Es sind kaum Lebensmittel da, ich gehe noch schnell was besorgen." Jens nickte nur, draußen war es schon dunkel geworden. Kurz darauf hörten sie ein Geräusch aus der Wohnung. "Kann es sein, dass Felix so schnell zurück ist?" Michael war aufgesprungen und eilte zur Treppe, dicht gefolgt von Jens. "Sabrina?!" rief Michael. "Ja, ich bin hier", kam ihre Antwort aus dem Schlafzimmer. Sofort waren sie bei ihr, sie hatte sich auf das Bett gesetzt. "Meine Güte, wo warst du? Hast du eine Ahnung was wir uns für Sorgen gemacht haben. Was zum Teufel hast du dir dabei gedacht?" fragte Jens. "Ich war in meiner alten Heimat auf dem Friedhof beim Grab meines Mannes und meines Sohnes. Jean-Pierre hatte recht, irgendwann findet jeder Verbrecher seine gerechte Strafe. Der Mann der vor 10 Jahren für den Bombenanschlag verantwortlich war und nie gefasst wurde ist jetzt selbst durch eine Bombe umgekommen. Das wollte ich ihnen sagen. Nun hat die ganze Sache ein Ende gefunden und ich kann hier wirklich neu anfangen. Es tut mir leid wenn ich euch beunruhigt habe, ich musste das einfach tun." Jens hatte sie in den Arm genommen. Sie war geschwächt und müde, der Tag hatte sie angestrengt, das konnte er spüren. Auch Michael sah, dass sie sehr mitgenommen war, aber trotzdem wirkte sie zufrieden und glücklich. "Leg dich hin und ruh dich aus, du siehst müde aus", sagte er. Jens half ihr und Michael fühlte nach ihrem Puls. "Bleib bei ihr, ich bin gleich wieder da", meinte er. Mit dem Blutdruckmesser und dem Stethoskop kam er zurück. Vorsorglich hatte er noch ein Kreislaufmittel mitgebracht. Sabrina hatte die Augen geschlossen und war schon fast eingeschlafen. Als Michael sie untersuchte reagierte sie kaum. Jens sah Michael erwartungsvoll an. "Blutdruck und Puls sind halbwegs in Ordnung. Sie hat sich nur etwas überanstrengt. Das Beste wird sein, wenn sie sich jetzt ausruht und schläft. Zur Unterstützung gebe ich ihr aber noch etwas für den Kreislauf", sagte er während er ihr die Spritze verabreichte. "Ich rufe alle an, bleib du bei ihr." "Danke Michael", sagte Jens und legte sich zu ihr auf das Bett, er war ebenfalls erschöpft.
Im Flur traf Michael Felix der wieder zurück gekommen war und informierte ihn. Felix übernahm die Telefonate mit Norbert und Anna. Michael rief auf der Basis an und sprach sich noch mit Christian ab. Da Sabrina im Krankenhaus sowieso nicht mehr zu halten war und es ihr soweit ganz gut ging sollte sie in Traunstein bleiben. Michael versprach zusammen mit Karin und Mark regelmäßig nach ihr zu sehen und darauf zu achten, dass sie es langsam anging. Auf jeden Fall waren alle erleichtert, dass sie wieder da war. Als Michael Jens informieren wollte fand er ihn ebenfalls schlafend im Bett neben Sabrina. Er musste schmunzeln und deckte ihn zu. Felix kam und warf auch einen Blick ins Schlafzimmer. "Anna kommt gleich und bleibt über Nacht hier. Nimmst du mich nachher mit?" fragte er. Michael nickte.Sonntagnachmittag Sabrinas Wohnung
Anna hatte Kaffee gekocht und einen Kuchen gebacken. Michael, Karin, Dirk und Felix waren da. Michael hatte sie für den Sonntag alle sperren lassen nach all den Aufregungen. Jens und Sabrina saßen auf dem Sofa. "Du bist viel entspannter als sonst, was ist los?" fragte Jens. "Ich habe endgültig ein richtiges neues Zuhause." "Hat das mit gestern zu tun?" "Ja, es ist endlich abgeschlossen. Schon seltsam welche Wege das Schicksal manchmal nimmt. Ich wollte das nie zugeben, aber erst jetzt hat die Sache ein wirkliches Ende." "Warum hast du niemanden informiert und gebeten dich zu fahren?" fragte Michael. "Hättet ihr es zugelassen oder verstanden?" "Christian hatte mir ja schon angedroht mich einzusperren, also musste ich heimlich verschwinden. Es war einfach wichtig für mich." "Aber du gibst zu, dass es verdammt leichtsinnig war. Mal abgesehen von den Sorgen die wir uns gemacht haben", meinte Michael. "Ja, wird auch nicht mehr vorkommen", antwortete Sabrina geknickt. "Ich bin sowieso dafür das Papa zu Sabrina zieht, er verbringt die meiste Zeit mit ihr und kann sie dann im Auge behalten", sagte Anna. "Und was wird mit dir?" fragte Jens überrascht. "Na ich bleibe in der Wohnung, vielleicht bin ich ja nicht mehr lange alleine", grinste Anna. "Was soll das nun schon wieder heißen? Habe ich etwas verpasst?" Jens sah seine Tochter an. "Ich habe da einen Verdacht, ist mir aber auch erst heute aufgefallen, ich hoffe du hast nichts dagegen", Sabrina sah Jens von der Seite an. "Was ...? Wer ...?" stotterte er. "Na sieh sie dir doch an!" Sabrina knuffte ihn in die Seite und deutete mit dem Kopf auf Felix und Anna die nebeneinander saßen. Felix hatte seinen Arm um Anna gelegt. "Oh Gott, noch mehr Aufregungen, ich glaub das nicht", stöhnte Jens. "Seit wann kennt ihr euch schon?" "Als du in Brasilien warst und Felix für dich Vertretung gemacht hat bin ich in Sabrinas Wohnung über ihn gestolpert, wir fanden uns sympathisch und haben uns dann regelmäßig getroffen." "Was meinst du Sabrina?" "Du bist der Vater, ich bin nur die Chefin", antwortete Sabrina. "Anna muss wissen, ob sie damit leben kann. Vielleicht sollte sie erst mal ihr Abitur machen und nichts überstürzen. Vor allem sollten wir sie einweihen. Eine Alternative wäre es eventuell wenn du und Felix tauschen. Aber ob ich das dann aushalte wenn du ständig bei mir bist, ich weiß nicht recht ....." Sabrina erhielt einen heftigen Knuff von Jens der sie entsetzt ansah. "Aua, das tut weh", meinte sie. "Moment, da habe ich wohl noch ein Wörtchen mitzureden", maulte Felix. "Und was ist mit mir, sollte ich da etwas wissen?" fragte Anna. "Nein! Ja!" kam es einheitlich aus Sabrinas und Jens Mund. Die beiden sahen sich an. "Und jetzt? Ich glaube, das sollten wir später unter uns ausdiskutieren", meinte Sabrina dann. "Einverstanden, darüber reden wir später", antwortete Jens. "Sag mal Michael hat Herr Ebensieder eigentlich etwas von euerem Ausflug nach Russland mitbekommen?" fragte Sabrina. "Nein, der hatte Urlaub. Aber nach den Vorfällen in letzter Zeit habe ich eine Beschwerde eingereicht und es sieht so aus als ob er versetzt wird. Er war nicht nur dir gegenüber so abweisend und aggressiv", antwortete Michael. Der Nachmittag wurde noch gemütlich und als Karin und Michael merkten, dass Sabrina müde wurde verabschiedeten sie sich. Jens begleitete Sabrina ins Schlafzimmer da sie dort mit ihrem Bein besser liegen konnte. "Habe ich dir eigentlich gesagt, dass ich drei Wochen Urlaub habe?" fragte er. "Nein, noch nicht, da freue ich mich riesig. Hast du schon was geplant?" "Bei dir bleiben und auf dich aufpassen", flüsterte er ihr ins Ohr und küsste sie.
In den nächsten Wochen genossen sie ihre gemeinsame Zeit und Jens achtete sehr darauf, dass Sabrina sich nicht zuviel zutraute. Mit Schwimmen und leichtem Sport kräftigte sie ihre Muskeln und baute sich langsam wieder auf. Michael und Karin überwachten ihren Gesundheitszustand und den Trainingplan. Entgegen ihren Befürchtungen Sabrina würde sich überfordern konnten sie feststellen, dass sie sich Zeit lies und sich an ihre Vorgaben hielt. Durch die regelmäßige Bewegung konnten sie bald die erforderlichen Thrombosespritzen weglassen die Sabrina sowieso hasste. Mark war total verblüfft über ihre schnellen Fortschritte und den guten Heilungsprozess und stellte Fragen, da das medizinisch gesehen praktisch nicht möglich war. Weil auch er regelmäßig nach Sabrina sah, wurde er in einem kleinen Rahmen eingeweiht. Vor allem da sie sich nicht sicher sein konnten ob sie ihn nicht in einem Notfall benötigten.
Bald standen Weihnachten und Silvester vor der Tür und sie verbrachten mit allen ein gemütliche Feiertage.
Anna wurde von Felix, Sabrina und Jens eingeweiht und über die Organisation informiert. Sie war zuerst total überrascht, vor allem auch weil ihr Vater ihr einiges verschwiegen hatte, verstand dann aber die Gründe. Sie wollte mit Felix zusammen bleiben. Es wurde aber vereinbart, dass sie zuerst in Ruhe ihr Abitur im Frühjahr machen und eine Ausbildung beginnen sollte bevor sie mit Felix in eine gemeinsame Wohnung zog. Außerdem musste auch Felix noch einige Ausbildungsabschnitte bewältigen und wollte die Organisation nicht verlassen, weil sie für ihn inzwischen zur Familie geworden war.
Ein für alle aufregendes Jahr ging zu Ende.
Ende
Copyright Regina Schubert Juli 2004