Heiße Zeiten

 

Mitspielende:

Karin, Michael, Dirk, Gina, Marc, Peter, Stella, Oliver, Jens, Anna, Florian, Max, Höppler, Biggi, Enrico, Andrés, Julio, Mario, Vivienne, Helena, Richard, Lukas, Antoinette, Jean

Anfang Januar

Es war bereits dunkel, als sie nach Hause kam. Vor zwei Wochen hatte sie das Haus das letzte Mal betreten. Nun war ihr Urlaub zu Ende, doch eigentlich wäre sie am liebsten für immer in den USA geblieben. Das einzige, was sie in Deutschland hielt, waren ihr Job und ihre Kollegen. In den USA gab es jedoch auch ein paar gute Gründe. Zum einen ihr Mann und zum anderen hatte er einen gutbezahlten Job für sie gefunden. Sie liebte ihn und seinen Sohn über alles und es gäbe für sie nichts Schöneres, als endlich wieder mit ihm zusammen zu leben. Doch andererseits bekam sie ein schlechtes Gewissen, wenn sie daran dachte, die Kollegen zurückzulassen. So war sie schweren Herzens zurück geflogen. Sie betrat den dunklen Flur des leeren Hauses. Sie lebte, seit Biggi und Enrico nach Italien gegangen waren, alleine hier. Ganz früher wohnte sie mit ihrem Mann, seinem Sohn, Thomas und dessen Töchtern hier. Dann ist Ihr Mann in ein Zeugenschutzprogramm gekommen und musste mit seinem Sohn in die USA. Einige Zeit später starb Thomas und die Mädchen kamen zu ihrem Patenonkel. Das Haus war für einen allein einfach zu groß. Oft kam sie sich verloren darin vor. Trotzdem ließ sie das Licht aus und ging die Treppe hoch. Langsam, geschafft vom Flug, betrat sie ihr Zimmer und legte sich ins Bett. Sie wollte erst mal nur schlafen, vielleicht sah die Welt am nächsten Tag viel besser aus. Doch sie konnte nicht einschlafen. Das Bett war viel zu groß und leer. Vorsichtig kroch sie wieder raus und schlurfte zu ihrem Koffer. Sie öffnete ihn. Oben lag ein Zettel drauf.

Hey mein Engel,

ich bin mir sicher, du hast den Koffer jetzt geöffnet, weil du nicht schlafen kannst, stimmt’s? Na ja, das hab ich mir schon gedacht. Deswegen hab ich dir einen Pulli von mir mit rein gelegt. Den kannst du neben dich legen und hast das Gefühl, ich wäre bei dir. Schließlich durfte ich auch eines deiner T-Shirts behalten. Ich liebe dich. Pass auf dich auf.

Megamäßiges Bussi

Dein Michael

Ihre Augen füllten sich mit Tränen und sie sank zurück auf ihr Bett. Zaghaft zog sie den blauen Pulli aus dem Koffer und drückte ihn an sich. Anschließend packte sie sich wieder unter die Decke, den Pulli ganz nah am Kopf, und schnüffelte an ihm. Während die letzten Tränen auf ihren Wangen trockneten, wich sie langsam ins Land der Träume.

Anfang Mai

Die junge braunhaarige Frau stand am Eingang des Hangars und diskutierte heftig mit einem jungen Mann. Er war gut einen Kopf größer als sie und hatte ebenfalls dunkles Haar. Ein paar Minuten später stürmte er zum Parkplatz und raste mit einem Cabrio davon. Ziemlich entnervt betrat sie die Basis. An der Tür standen zwei Männer und der eine zog sie zu sich. "Worum ging denn diesmal, Gina?" Die Pilotin schüttelte resignierend den Kopf. "Ach, Andrés hat sich mit Onkel Julio gestritten. Das alte Thema.", antwortete sie stöhnend und gab Marc einen Kuss. Florian grinste und meinte: "Nur weil er nicht heiraten will. O Mann ey, nee. Wie stur ist der Alte denn?" Der Arzt und seine Verlobte zuckten die Achseln. "Wenn ich Pech habe, muss ich das Geschäft übernehmen. Und selbst wenn Andrés sich endlich trauen würde Anna zu fragen, wäre Onkel Julio nicht zufrieden. Erst wenn die beiden vor dem Altar stehen, wird er Ruhe geben. Allerdings glaube ich, dass Jens das solange wie möglich herauszögern würde."

Währenddessen fuhr ein Wagen auf den Parkplatz und kurze Zeit später verschwand Karin, ohne den anderen Guten Morgen zu sagen, in die Umkleide. "Was ist denn mit ihr los?", fragte Flo stirnrunzelnd. Gina sah ihn ebenfalls unwissend an, dann stand sie auf und folgte ihrer Kollegin. Karin saß leichenblass auf der Bank vor den Spinten und Tränen rollten über ihre Wangen. Gina blickte sie entsetzt an, als sie die Umkleide betrat. "Hey, was ist den mit dir los?" Karin schreckte auf und wischte sich schnell die Tränen weg. Gina setzte sich neben sie und wollte ihren Arm um ihre Schultern legen, doch die Ärztin sprang auf und schüttelte abwehrend den Kopf. "Nichts, schon gut. Lass mich einfach in Ruhe, ja?", schluchzte sie leise. Ihre Freundin sah sie mitleidig an. "Erzähl schon, Karin. Warum weinst du?" Karin, die sich von Gina weggedrehte hatte, schnellte nun wieder rum und schrie: "Ich hab gesagt, du sollst mich in Ruhe lassen. Ich will nicht darüber reden." Mit diesen Worten stürmte sie aus der Umkleide ins Freie. Gina ging zurück in den Aufenthaltsraum. Marc sah sie schockiert an: "Was war das denn?" Gina antwortete besorgt: "Sie hat gesagt, ich soll sie in Ruhe lassen." Florian nickte, um so seine Aussage zu verstärken: "Das haben wir gehört." "Sie hat geweint und war ganz blass, als ich reingekommen bin."

Karin rannte aus dem Gebäude und Peter direkt in die Arme. "Hey, nicht so stürmisch.", begrüßte er sie lachend, bevor er bemerkte, dass ihre Wangen tränennass waren. "Was ist los?", fragte er sofort besorgt. Die Notärztin sah ihn mit tränengefluteten Augen an und schluchzte leise. "Peter." Entsetzt nahm er sie in seine Arme und versuchte sie zu beruhigen. "Erzähl, was ist passiert?" Er führte sie vorsichtig zum Hangar, damit sie sich setzen konnten. Nach ein paar Minuten hatte Karin sich soweit beruhigt, dass sie schluchzend antwortete: "Ich bin schwanger." Er blickte sie perplex an und schüttelte dann lächelnd den Kopf. "Aber das ist doch kein Grund zum Weinen, Karin. Freu dich, du wirst Mutter." "Die Situation selbst ist nicht das Problem. Der Vater..." Wieder schluchzte sie. "Ein One-Night- Stand?", fragte Peter sie ungläubig. Sie schaute strafend und meinte: "Nein." Peter verstand gar nichts mehr. Was für ein anderes Problem sollte sie denn sonst mit dem Vater haben. "Was ist denn sonst mit ihm?" Sie blickte betreten zu Boden und stotterte leise: "Nicht was...wer? Es ist Michael." Ihre rotgeweinten Augen schielten ihn verlegen an. "Michael...Lüdwitz?", fragte er skeptisch. Die blonde Frau nickte schwach und berichtete: "Ich habe meinen Urlaub bei ihm und Dirk in den USA verbracht. Wir haben geheiratet. Eigentlich wollte er nicht, dass ich zurückfliege. Aber ich wollte euch nicht im Stich lassen. Jetzt erreiche ich ihn nicht mehr. Peter, ich habe Angst, die Schwangerschaft alleine durchstehen zu müssen und dass ihm was passiert ist." Peters Augen zeigten, dass er auch traurig wurde, sich aber gleichzeitig den Kopf über eine Lösung zermarterte. Plötzlich erhellte sich sein Gesicht wieder. "Ich hab eine Idee. Stella ist mit Oliver ja nun in Italien. Ich fühl mich ziemlich einsam zu Hause. Ich könnte doch zu dir ziehen, das Haus ist groß genug und wenn Stella und Oli wiederkommen sollten, können sie auch miteinziehen. Dann wärst du nie allein, bis wir einen Weg gefunden haben, Michael zu informieren." In Karins Augen flammte ein wenig Hoffnung auf und sie nickte leicht lächelnd. Peter strich ihr daraufhin sanft über die Wange um die Tränen zu beseitigen. Er half ihr wieder auf die Füße und fragte: "Gehen wir rein?" Sie stockte in ihrer Bewegung und blickte verunsichert zu ihm. "Noch nichts den anderen erzählen, ja?" Zuerst war er verwundert, nickte dann aber, um sein Einverständnis zu zeigen.

Gina und Marc saßen auf der Couch und kuschelten, während Florian und Jens, der inzwischen gekommen war, in der Küche standen und sich angeregt unterhielten. Langsam betraten Karin und Peter den Aufenthaltsraum und sie sah sich schüchtern um. Gina und ihr Verlobter blickten zu ihnen. "Na, wieder beruhigt?", fragte Gina leicht ärgerlich. Marc, Florian und Jens, dem man erzählt hatte, was passiert war, guckten die Notärztin wartend an. Die atmete tief ein. "Tut mir leid, Leute. Ich hab die halbe Nacht nicht geschlafen und ziemliche Kopfschmerzen." Gina stand auf und ging zu ihr. Sie breitete ihre Arme auffordernd aus und sagte wieder ganz lieb: "Komm her!" Karin nickte lächelnd und umarmte die Pilotin.

Zwei Wochen später hatten alle den Tag vergessen, nur Karin und Peter nicht. Er wohnte inzwischen mit bei ihr und kümmerte sich so gut er konnte um ihr Wohlbefinden. Ihm war aber bewusst, dass er Michael niemals ersetzen konnte, wobei es vorkam, dass Karin abends auf seinen Schoß einschlief und er sie dann ins Bett brachte. So war es auch den letzten Abend gewesen. Nun am nächsten Morgen schlurfte er gerade in die Küche. Karin stand am Herd und holte gerade die Eier aus dem Topf. "Morgen Langschläfer.", begrüßte sie ihn fröhlich. Er murrte nur und setzte sich an den Tisch. "Ich hab `nen Termin beim Arzt. Komm also etwas später zur Schicht. Sagst du Bescheid?", plauderte sie, während sie ihm einen Teller mit frischen Brötchen und eine Tasse schwarzen Kaffee vor die Nase stellte. "Hmm.", nickte er schläfrig und schlürfte an seinem Kaffe. Dann fing er an zu husten. "Willst du mich umbringen? Seit du keinen Kaffe mehr trinkst, kochst du nur noch Mokka." Sie fing an zu lachen. "Irgendwie muss ich dich ja morgens wach kriegen. Hab ja keine Ahnung, wie das mit Stella war.", gluckste sie vergnügt. Er beruhigte sich wieder und sah sie, nun hellwach, grinsend an. "Werd ich auch nicht verraten. Erfährst du heute, was es wird?" Lächelnd strich sie über ihren Bauch und nickte. "Japp, wenn ich will. Ich befürchte nur, dass mein Arzt mir heute sagt, dass fliegen ab jetzt flach liegt."

Eine Stunde später kam Peter auf der Basis an. Marc und Jens saßen bereits in ihren Overalls im Aufenthaltsraum und spielten Mau-Mau. "Morgen Jungs." Die beiden sahen ihn beeindruckt an. "Neue Frisur?", fragte Jens grinsend. Peters Haare standen zur jeder Seite vom Kopf ab. "Nee, Karin hat das Bad besetzt. Kommt heut übrigens etwas später, weil sie noch `nen Termin hat." Marc seufzte. "Das heißt für mich wieder Überstunden." Peter schlug ihm wohlwollend auf die Schulter. "Wenn die Untersuchung gut verläuft, nicht nur heute." Er grinste übers ganze Gesicht. Jens und Marc sahen ihn nur fragend an, doch bevor sie etwas sagen konnten, klingelte Peters Telefon. "Ja, Berger. Guten Tag. Ja. Das ist wunderbar, danke. Warten sie einen Moment, ich schreib mit. Mmh, ja, gut danke. Frau Lüdwitz wird sich, so schnell es geht, bei ihm melden. Auf wiederhören." Er legte auf und fing an verhaltend zu jubeln. "Ja, ja, ja." Nun verstanden seine Kollegen überhaupt nichts mehr. Aber Peter machte sich auch nicht die Mühe, ihnen zu erklären, was sein Freudentaumel zu bedeuten hatte und wer Frau Lüdwitz war. Sein einziger Kommentar zu diesem Telefonat war: "Das werdet ihr noch alles früh genug erfahren." Danach verschwand er in der Umkleide. Marc und Jens waren sich nicht so ganz sicher, was sie davon halten sollten. Klar hatten sie schon bemerkt, dass Karin und Peter seit geraumer Zeit etwas verheimlichten. Nur schafften sie es nicht, dieses Geheimnis den beiden zu entlocken. Der Vormittag verlief ruhig, so dass sie nur einen Einsatz hatten. Eine ältere Frau war die Treppe runtergefallen und hatte sich den Oberschenkelknochen gebrochen. Nichts besonders Aufregendes, so was geschah jeden Tag mindestens einmal in Deutschland. Um die Mittagszeit trudelten Gina und Florian ein. Die erste Handlung von Ginas Seite war, Marc zusammen zu scheißen, weil er versprochen hatte, ihr Auto aufzutanken, es aber verpennt hatte und sie so auf der Hälfte der Fahrt zur Basis liegen geblieben war. Florian, Peter und Jens beobachteten das Schauspiel belustigt, was darauf hinaus führte, dass Marc sie wütend anfuhr: "Was glotzt ihr so?" Gina, stinkig über diesen Vorfall, machte sich dran, den Heli für die Einsätze zu checken. Sie beschäftigte sich schon eine Weile mit dem Rotor, als plötzlich Karin unter ihr stand. "Na du?", begrüßte sie die Pilotin, die vor Schreck fast das Gleichgewicht verlor. "Musst du mich so erschrecken?", fuhr sie die Notärztin an, als sie wieder ruhig auf der Leiter stand. Karin sah sie entsetzt an und lachte dann: "Was hat er denn diesmal angestellt?" Gina winkte ab und berichtete Karin kurz, was ihr heute morgen widerfahren war. "Jaja, Männer.", griente Karin vergnügt. "Du scheinst wenigstens bessere Laune zu haben. Was ist los?", fragte Gina und lehnte sich an den Heli an. Karin grinste von einem Ohr zum anderen. "Du sollst endlich mein Geheimnis erfahren.", verkündigte sie. Die dunkelhaarige Pilotin wurde hellhörig und sah ihre Freundin auffordernd an. "Peter weiß es schon." Gina nickte gespannt, was jetzt wohl kommen würde. "Du kannst dich sicher noch an das Photo von mir und Michael erinnern?" "Ja-a. Marcs Vorgänger.", versicherte Gina. "Mein Urlaub im Januar habe ich bei ihm und seinem Sohn in den USA verbracht. Wir haben geheiratet." Gina sah die Notärztin verblüfft an. "Gratuliere.", war das Einzige, was sie raus bekam. "Danke. Aber da ist noch was. Doch bevor ich es dir erzähle, solltest du runter kommen, damit du nachher nicht runterfällst. Wir brauchen dich noch." Gina war verwirrt, folgte aber Karin Anweisung und setzte sich auf die unterste Stufe der Leiter. "Nichts den anderen sagen.", wies Karin sie noch an und beugte sich dann zu ihr runter. "Ich bin mit Zwillingen schwanger." Gina riss die Augen weit auf und ihr Mund öffnete sich: "Oh." Karin grinste nur und beobachtete Ginas Minenspiel, bis diese fragte: "Welcher Monat?" "Im Vierten.", antwortete sie locker. Ginas Blick wechselte von Überraschung zu Entsetzen. "Und da fliegst du noch? Darf ich dich erinnern, was bei mir passiert ist." Karin fing an zu lachen. "Darfst du, denn mein Arzt hat mir erlaubt nur noch diese Woche zu fliegen, damit Höppler die Chance bekommt, `ne Vertretung zu finden. Dann bin ich offiziell schwanger. Fazit: noch nichts zu den anderen sagen." Gina nickte und erwiderte, während sie Karin den Arm um die Schulter legte: "Du weißt aber, dass ich jetzt ein besonderes Auge auf dich haben werde." Karin nickte: "Kann ich mit leben." Dann lachten beiden vergnügt. "Was ist mit Papa?", wollte Gina wissen, als die beiden auf den Weg zu den anderen waren. "Ich hab gerade mit ihm telefoniert. Wenn alles glatt geht, kommt Michael in zwei Wochen." Sie strahlte übers ganze Gesicht. So gingen die beiden in den Aufenthaltsraum. "Ihr scheint ja sehr gut gelaunt zu sein.", bemerkte Jens amüsiert, als er sie sah. Marc stand auf und wollte sich schnell in die Küche verziehen, doch Gina hielt ihn am Arm fest. "Bin wieder lieb.", flüsterte sie und gab ihm einen leidenschaftlichen Kuss. Florian und die anderen sahen sie verblüfft an. "Karin, was hast du mit ihr gemacht? Vor `ner halben Stunde hat sie ihn noch in der Luft zerrissen." Karin zuckte lächelnd mit den Schultern und richtete sich an Peter, flüsterte ihm was ins Ohr, woraufhin auch er große Augen bekam, sie dann aber lachend umarmte. Nun war die Aufmerksamkeit der anderen auf die beiden gerichtet. Bevor jemand fragen konnte, was der Freudentaumel zu bedeuten hatte, ertönte die Sirene. "Medikopter 117. Die Polizei erbittet ihre Hilfe bei der Suche eines Entführers. Sein Opfer, eine 15jährige Schülerin ist vermutlich verletzt." Gina griff zum Walkie und sagte: "Verstanden, wir übernehmen." Sie gab Marc noch einen Kuss und flitzte dann mit den anderen zum Heli. Es dauerte nicht lange und sie hatten die Gegend, in der sich der Entführer aufhalten sollte, erreicht. Sie flogen nun bereits seit fast einer halben Stunde immer wieder Kreise über die Wälder und Wiesen. Plötzlich rief Flo: "Dort läuft eine Person. Die Klamotten passen zur Beschreibung des Mädchens." Karin schaltete sich dazu: "Ich kann sie sehen, sie humpelt." "Und sie wird verfolgt.", stellte Gina trocken fest und fragte die andern: "Angriffsmanöver?" "Japp, ich geh dann raus und kümmere mich um den Typen.", erwiderte Flo mit ernster, ärgerlicher Stimme. Als das Mädchen und kurze Zeit später ihr Verfolger eine Wiese erreichten, setzte Gina zum Tiefflug an. Die BK 117 berührte den Mann fast mit den Kufen, doch er schmiss sich zu Boden. Florian, der inzwischen zu Karin nach hinten gekommen war, sprang raus und überwältigte ihn. Circa 200 Meter weiter saß das völlig verängstigte Mädchen. Gina landete in ausreichenden Abstand und Karin lief sofort zu der 15Jährigen. Florian hatte den Typen bewusstlos geschlagen und half Karin nun, dass Mädchen zu versorgen. Gina teilte der Polizei mit, wo sie waren, nahm dann eine der Binden, um den Typen zu fesseln und lief zu ihm. Sie kniete sich gerade zu ihm, als er mit einem Ruck seine Beine bewegte und ihre wegschlug. Sie landete äußerst unsanft auf dem Boden und sah kurz drauf etwas auf sich zu schnellen. Als sie erkannte, dass es ein Messer war, verspürte sie bereits einen brennenden Schmerz im Bauch. Sie kniff die Augen zusammen und biss sich auf die Lippe. Im nächsten Augenblick suchte sie aber schon wieder nach dem Typen. Als sie ihn entdeckte, griff sie einen Ast, der neben ihr lag, richtete sich auf und zog ihn ihm über den Schädel. Abermals sank er zu Boden und blieb bewusstlos liegen. Auch sie knickte ein und landete neben ihm. Vorsichtig griff sie an die schmerzende Stelle an ihrem Bauch. Sie blickte auf ihre Hand und den Overall. Sie blutete und das nicht wenig. Wieder verzog sie das Gesicht vor Schmerzen, riss sich dann aber zusammen und fesselte den Typen. In der Zwischenzeit hatten Karin und Florian das Mädchen versorgt und auf der Trage in den Heli gebracht. Nun rief Flo: "Gina, wir sind fertig. Abflug." Sie holte tief Luft und zwang sich auf die Beine, fest entschlossen, die anderen nichts bemerken zu lassen. Zu dem merkte sie nun, dass auch ihr linker Fuß schmerzte. Etwas unbeholfen humpelte sie zurück. Karin erkundigte sich sofort besorgt: "Hey, alles o.k.?" Gina nickte: "Bin nur umgeknickt, kannst du dir nachher ansehen, Frau Doktor." Dann besetzte sie ihren angestammten Platz und startete die Rotoren. Während des Fluges sprach sie kein Wort, was auch nicht nötig war, da Karin und Flo so und so nur fachsimpelten. Sie waren gerade im Landeanflug auf die Klinik, als sie bemerkte, dass ihr langsam schwarz vor Augen wurde. Jedoch schaffte sie es das Baby weich zu landen. Karin lief noch mit rein und Florian räumte hinten etwas auf. Gina stieg langsam aus und hielt sich am Heli fest, um nicht zusammen zu klappen. Sie drückte wieder auf die Wunde und versuchte zum Eingang des Krankenhauses zu laufen. Da sie ziemlich schwankte, kam Florian besorgt hinter ihr her. "Hey, Gina. Was ist denn mit dir?" Vor ihren Augen verschwamm alles und sie sah ihn noch kurz an: "Mir ist schlecht?", bevor sie ohnmächtig wurde. "Gina.", rief er erschrocken und fing sie auf. Dann sah er das Blut an ihrer Hand und auf dem Overall. Just in dem Moment kam Karin wieder raus. "Karin! Gina ist verletzt.", schrie er und rannte mit der Pilotin auf dem Arm auf sie zu. "Ich denke, sie ist nur umgeknickt." Er lief an ihr vorbei und sagte: "Sie blutet stark aus einer Wunde am Abdomen."

Währenddessen waren die Kollegen im Hangar und spielten eine Runde Tischfußball. "War wohl nichts mit 3 Toren Vorsprung geben? Ihr liegt inzwischen 7 hinter uns.", meinte Jens, der mit Marc ein Team bildete. "Wir kriegen euch schon noch.", erwiderte Max lachend. Plötzlich kam Höppler mit ernster Mine in den Hangar. "Meine Herren. Frau Dr. Thaler hat mich gerade angerufen. Sie, Herr Köster, müssten zum Krankenhaus "Barmherzigen Schwestern" in Rosenheim fahren und den Heli zurückfliegen." Die vier Tischfußballer sahen ihn verwirrt an und Marc wollte gerade fragen, was mit Gina ist, als Höppler fortfuhr: "Bei der Überwältigung des Täters wurde Frau Aigner schwer verletzt. Sie ist zur Zeit im OP." Marc wurde kreidebleich, seine Beine wurden weich und er schüttelte nur stumm den Kopf. Jens hielt ihn am Arm, damit er nicht wegsackte. "Komm, wir fahren hin.", sagte er und führte den Notarzt zu seinem Auto.

"Karin, Flo. Was ist mit Gina?" Marc und Jens kamen den Flur entlang gerannt und blieben außer Atem vor ihren Kollegen stehen. "Stichverletzung im Abdomen und vermutlich eine eines Fußknochens. Sie operieren aber noch.", berichtete die blonde Frau kurz. Marc sank auf einen der Plastikstühle und schlug die Hände vors Gesicht. Man konnte das gedämpfte Schluchzen hören. Karin setzte sich neben ihn und nahm ihn in ihre Arme. "Das wird schon wieder. Sie ist sehr stark." "Ich fliege mal besser zurück.", sagte Jens traurig, drehte sich um und verschwand hinter der nächsten Ecke. Nach einer qualvollen Stunde kam Jens mit Peter, Max und Höppler zurück. "Gibt es schon was Neues?", erkundigten sie sich. Florian schüttelte nur den Kopf. Karin stand auf und ging zu Herrn Höppler. "Herr Höppler. Können wir reden?" Er sah sie an und nickte: "Natürlich, kommen sie." Die beiden entfernten sich ein wenig von den anderen. "Was gibt es, Frau Thaler?", fragte er. Karin blickte betreten zu Boden und begann: "Es ist so: Ich bin im vierten Monat schwanger und mein Arzt hat mir verboten, dass ich weiterhin fliege, weil es sonst zur einer Fehl- oder Frühgeburt kommen könnte." Höppi seufzte und nickte dann. "Ich verstehe. Also muss ich jetzt zwei Vertretungen auftreiben, für sie und Frau Aigner." Nun musste auch Karin nicken. "Ist o.k. Gesundheit geht vor. Ruhen sie sich schön aus, damit alles glatt läuft." "Danke." Höppler nahm Karin bei der Schulter und sie kehrten zu den Kollegen zurück. Plötzlich öffnete sich die Tür und der Arzt erschien. Sofort standen alle angespannt und warteten, was er zu sagen hatte. "Wer von ihnen ist Herr Harland?" Marc ging einen Schritt vor und flüsterte: "Ich." "Herr Harland. Ich kann sie soweit beruhigen, dass Frau Aigner außer Lebensgefahr ist. Sie hat viel Blut verloren, aber es waren glücklicherweise keine großen Gefäße oder Organe verletzt. Ihren gebrochenen Mittelfußknochen haben wir mit Drähten gestützt, so dass sie bald wieder laufen kann. Allerdings haben wir ein kleines Problem während der OP gehabt." Die sowieso angespannten Körper der Medikoptercrew verkrampften sich nun noch mehr. "Dieses Problem wird uns in der nächsten Zeit allerdings auch weiter verfolgen, da sie unbedingt die Thrombosespritzen bekommen muss." Bei Florian riss nun der Geduldsfaden und er fragte lautstark: "Was ist das denn für ein Problem?" Da niemand mit so einer Reaktion gerechnet hatte, zuckten alle zusammen, selbst der Arzt. "Frau Aigner ist in der 10 Woche schwanger und durch die Blutverdünnungsspritzen könnte es zum Abgang kommen.", platzte der Arzt nun mit der Wahrheit raus. Marc drehte sich um und schüttelte nur den Kopf: "Nein, das darf nicht geschehen. Das würde Gina nicht aushalten, nicht noch mal." Er schlug wieder die Hände vors Gesicht und fing an zu schluchzen. Dann aber riss er sich zusammen, wischte die Tränen weg und ging zurück zum Arzt: "Kann ich zu ihr?" Der Arzt nickte. In diesem Moment wurde Ginas Bett aus dem OP- Bereich geschoben. "Gehen sie mit.", wies der Arzt ihn an und Marc folgte der Anweisung. "Wir schauen morgen nach euch.", rief Peter ihm noch hinter her. Dann legte er den Arm um Karin und sagte: "Lasst uns fahren. Hier können wir heute sowieso nichts mehr machen." Die anderen stimmten ihm zu und so verließen sie das Krankenhaus.

Marc saß an Ginas Bett und wartete, dass sie die Augen öffnete. Er hielt ihre Hand fest umklammert, gab ihr immer wieder einen Kuss und beobachtete jede einzelne Regung ihres Körpers. Irgendwann muss er so erschöpft gewesen sein, dass er schließlich einschlief. Er erwachte erst wieder, als er spürte, wie ihm jemand über den Kopf strich. Ruckartig richtete er sich auf und sah in Ginas braune Augen. "Hab ich dich sehr erschreckt?", wollte sie lächelnd wissen. Er nahm sie nur in seine Arme und vergrub seinen Kopf zwischen ihren Haaren. Nach einer Weile flüsterte er: "Ja, ich hatte solche Angst, dass ich dich verliere." Wieder strich sie ihm über den Kopf und seinen Rücken. "Ich lebe ja noch." Langsam löste er sich von ihr und gab ihr einen sanften, zaghaften Kuss. Daraufhin sah sie ihn entsetzt an. "Was war denn das? Ich bin nicht aus Glas. Ich will `nen richtigen Kuss haben." Das ließ er sich nicht zweimal sagen und küsste sie nun leidenschaftlicher. "Wie spät ist es?", erkundigte Marc sich, nachdem sie sich wieder entknotet hatten. "Mittwoch morgen, 08.15Uhr, ungefähr.", erwiderte sie. "Dann habe ich die ganze Nacht geschlafen. War die Schwester schon drin?" Sie nickte: "Ja, und ich hab bereits die Spritze bekommen." Marcs Blick wurde traurig und er schluckte hart. Gina schüttelte lächelnd den Kopf und strich ihm mit ihrem Handrücken über die unrasierte Wange. "Hey, ich weiß, dass ich schwanger bin und was für ein Risiko es ist. Der Arzt hat mich heute morgen bei der Visite aufgeklärt.", erklärte sie mit ruhiger Stimme und gab ihm dann einen Kuss.

Die Zeit verging schnell. Höppler hatte eine neue Pilotin und Notärztin organisiert und Gina geisterte auch wieder auf der Basis rum. Zwar mit noch mit Krücken, aber so fit wie vor dem Angriff. Auch die Thrombosespritzen hatten sie und das Kind gut verkraftet. Es geschah regelmäßig, dass sie und Karin sich ein stilles Plätzchen suchten um über Babyklamotten and so on zu plaudern. Noch immer wussten die anderen nichts von Karins Schwangerschaft, warum sie sich auch sehr wunderten, dass sie nicht mehr flog. Die neuen Kolleginnen hießen Helena Schaft und Dr. Vivienne Lamoirielle. Vivienne war Schweizerin und war im französischen Teil der Schweiz aufgewachsen. Ihr Studium und den Doktor machte sie aber in Deutschland. Sie war mit einem waschechten Franzosen, er hieß Jean, verheiratet, der die Damen der Crew gern mal zum Essen einlud. Zusammen hatten sie eine 6jährige Tochter namens Antoinette, kurz Toni. Helena hatte auch zwei Kinder, die allerdings zurzeit bei ihrem Vater in Australien lebten. Die beiden waren 15 und 13 Jahre alt und hießen Richard und Lukas. Helena und Philip waren geschieden. Die Jungs lebten ein halbes Jahr bei ihr und das andere bei ihrem Vater. Beide Frauen waren 36 Jahre alt und verstanden sich ausgezeichnet mit dem Rest der Crew, besonders mit den Damen. Just in diesem Moment saßen die vier wieder zusammen und tratschten, was das Zeug hält. Das Gegacker konnten die Herren bis in den Aufenthaltsraum hören und schüttelten jedes mal nur die Köpfe. "Solche Plappermäuler.", bemerkte Jens mal wieder und grinste vor sich hin. Er, Max und Flo spielten gerade Skat, als Marc reinkam. "Du bist dran.", sagte Max zu Flo. In diesem Moment haute Marc Flo ein paar Blätter vor die Nase. "Und zwar mit Bericht schreiben.", kommentierte er seine Tat. Flo rollte die Augen, nahm die Blätter und entschuldigte sich: "Ihr habt es gehört, die Partie ist zu Ende." Peter kam mit einer Kanne frischen Kaffee in den Aufenthaltsraum und fragte: "Möchte jemand?" "Ja! Ich bin von Flug total müde.", ertönte eine altbekannte Stimme von der Tür. Peter dachte, er würde nicht richtig sehen, stellte die Kanne auf den Tisch und ging zu dem Mann. "Michael. Ist das schön, dich zu sehen." Die beiden fielen sich um den Hals und klopften sich gegenseitig auf die Schulter. "Ich freue mich auch, Peter." "Komm setz dich. Ich hol dir `ne Tasse.", forderte Peter. Michael ging zum Tisch und begrüßte die anderen: "Guten Tag, Michael Lüdwitz." Peter kam zurück ins Zimmer geschossen und goß ihm eine Tasse voll schwarzen, dampfenden Kaffee ein. "Michael, das sind Marc Harland, dein Nachfolger, Jens Köster, Thomas‘ Nachfolger und Florian Lenz, Enricos Nachfolger." Er gab allen die Hand. "Dr. Harland, wir kennen uns ja noch." Marc nickte. Im Hintergrund stand Max und beobachtete das Geschehen ungläubig. Michael bemerkte die zur Salzsäule erstarrte Person. "Hey, Max. Willst du mich gar nicht begrüßen?" Nun löste er sich aus seiner Starre und rief lachend: "Mensch Michael. Das ist Wahnsinn, das du hier bist." Als erstes wurden ihm alle Veränderungen offenbart, die sich während seiner Abwesenheit abgespielt hatten. "Das mit Enrico und Biggi wusste ich ja schon, da Karin Anfang des Jahres bei mir war. Apropos, wo ist mein Engel?" Die Herren um ihn herum sahen sich vielsagend an und Marc sagte schließlich: "Karin, Gina, Vivienne und Helena sind irgendwo draußen in der Sonne und tratschen." Dann fing er an zu lachen und Florian fügte hinzu: "Ihre Lieblingsbeschäftigung." Just in diesem Moment betraten die Tratschtanten lachend den Raum, Karin rückwärts gehend, weil sie den andern etwas erzählte. Michael stand auf und stellte sich so hin, dass sie unweigerlich gegen ihn laufen musste. Vivienne und Helena wollten sie warnen, aber er legte seinen Finger auf seinen Mund, um sie Ruhe zu strafen. Wie nicht anders zu erwarten, knallte die blonde Ärztin auch gegen ihn. "Oh, entschuldi... Michael." Sie fiel ihm freudig um den Hals und er schlang wie von einem Reflex gesteuert seine Arme um sie und schaukelte sie hin und her. Dann versanken die beiden in einem Kuss. Gina ging zu Marc und ließ sich auch in den Arm nehmen. Alle beobachteten die beiden, bis sie sich endlich wieder von einander lösten. Als Karin bemerkte, dass sie alle anstarrten, lief sie rot an und schaute verlegen zu Boden. "Ich denke ihr Herren habt euch schon vorgestellt. Also bleiben nur die beiden. Michael, dass sind.." "Vivienne und Helena, die Kollegen waren sehr redselig.", unterbrach er sie. "Oh schön, na gut. Helena, Vivienne, dass ist mein Mann Michael Lüdwitz.", stellte sie den Herren, der sie zärtlich umarmte, den beiden Damen vor. "Dein Mann?", kam es von allen, außer Gina und Peter, im Chor. "Japp, die beiden sind seit Anfang des Jahres verheiratet.", erklärten Peter und Gina zusammen. "Und ihr wusstet das?", fragte Max entsetzt. "Ich bin das Urgestein, ich muss alles zu erst wissen.", sagte er schmollend. "Wir wollen dich nicht noch mehr ärgern, aber wir wissen noch ein bisschen mehr als ihr.", sagte Peter frech zu Karin schielend. Die Kollegen folgten dem Blick und warteten nun darauf, dass Karin mit der Sprache rausrückte. "Stimmt. Michael, sag du es." Er blickte sie überrascht an, meinte dann aber: "Wenn du willst. Also, damit ihr endlich versteht, warum Karin nicht mehr fliegt. Sie ist im vierten Monat schwanger." "Im Doppelpack.", fügte sie noch grinsend dazu. Bei den anderen verbreitete sich eine ungewöhnliche Stille bis Max und Florian plötzlich ohnmächtig wurden. Sofort wuselten alle um sie herum. Als sie einige Minuten später wieder zu sich kamen, fingen die Wachgebliebenden an zu lachen. "Ich glaube, Max nimmt euch das wirklich übel, dass er erst so spät davon erfährt.", gluckste Jens und fächelte ihm Luft zu. Florian setzte sich taumelnd auf und stotterte: "Ich fliege mit ihr und hab nichts mitbekommen, überhaupt nischt." Gina fasste ihm auf die Schulter und meinte wohlwollend: "Lass mal. Bis zum Tag meines Unfalls wusste ich auch nichts." In diesem Moment betrat Höppler den Raum und sah sich verwundert um. "Was ist denn hier los?" Alle schauten zu ihm und Karin begann zu erklären: "Mein Mann ist gekommen und wir haben den Kollegen eröffnet, dass ich mit Zwillingen schwanger bin. Da haben sich Flo und Max kurz verabschiedet." Höppler verkniff sich ein Lachen und kommentierte die Geschichte mit nur einem Wort: "Singlemänner!", und verschwand darauf hin wieder in seinem Büro. "Wie lange bleibst du eigentlich?", wollte Karin wissen und sah Michael hoffnungsvoll an. Er strich ihr über die Wange und flüsterte liebevoll: "Für immer." Augenblicklich begannen ihre Augen zu strahlen und sie gab ihm einen langen Kuss. "Wisst ihr was?", fragte Marc energisch. Helena fing an zu lachen und antwortete: "Nee, weißt du mehr?" Er sah sie vorwurfsvoll an. "Zu Feier des Tages schlage ich vor, dass wir heute Abend alle zusammen schön essen gehen." Von allen Seiten wurde ihm zugestimmt und Vivienne ergänzte: "Am besten gehen wir zu Jean, dann brauchen wir nicht so viel zu zahlen." Es brach wieder Gelächter aus und Peter meinte: "Ein Mann mit Restaurant ist eben doch zu was gut."

Ende August

Es war noch nicht mal um 9.00 Uhr, aber die Sonne brannte bereits wie Feuer. Das Thermometer war schon auf 28°Celcius im Schatten geklettert. Karin, nun im siebten Monat schwanger, und Gina, welche mit einem 6 Monatsbauch rumlief, hielten sich hauptsächlich im kühlen Aufenthaltsraum auf. Auch ihre Kollegen versuchten sich abzukühlen, in dem sie sich draußen mit dem Wasserschlauch abspritzten. "Ich möchte nicht wissen, wieviel das Thermometer heute Mittag wieder anzeigt.", stöhnte Karin und trank einen Schluck vom lauwarmen Fencheltee, den ihnen Helena zubereitet hatte. Gina, die gerade von draußen hereingekommen war, nickte: "Ja, und ich will nicht wissen wie hoch unsere Wasserrechnung ist. Inzwischen waren die schon so oft unterm Schlauch, dass Jens und Flo Sonnenbrand haben und sich die Wiese bald in ein Matschfeld verwandelt. Ich glaube in ganz Süddeutschland haben wir den grünsten Rasen." Mit diesen Worten ließ sie sich lachend neben Karin auf die Couch fallen. "Eins bin ich mir sicher, dass nächste mal werd ich im Winter schwanger.", seufzte Karin schwermütig. "Auf jeden Fall, im Sommer kann man ja wirklich überhaupt nichts machen.", stimmte Gina zu und Karin fügte an: "Wenn es so heiß ist." Sie saßen eine Weile schweigend da. Plötzlich hörten sie lautes Gegröle von draußen. Ihre Blicke trafen sich und ein paar Minuten später standen sie im Hangar, um zu sehen, was los war. Der Himmel hatte sich verdunkelt und es fielen dicke, fette Regentropfen zur Erde. Florian, Jens, Peter und der Rest der Kollegen hüpfte vergnügt über den Rasen. Vivienne und Max gaben eine eher schlechte Fassung von ‚I’m singing in the rain‘ zum besten und tanzten dabei albern hin und her. Die beiden Schwangeren stellten sich einfach nur mit dem Gesicht nach oben in den Regen und genossen jeden Tropfen, der ihre Haut berührte. Bereits eine viertel Stunde später war der Schauer wieder vorbei und die Sonne schien erbarmungsloser, als zuvor. "Mann, hoffentlich ist es am Wochenende nicht so heiß.", maulte Gina verzweifelt. Marc nahm sie in den Arm und gab ihr einen sanften Kuss. "Wir schaffen das schon, und wenn einer ohnmächtig wird, haben wir genug Ärzte vor Ort." Nun lächelte sie wieder und nickte zuversichtlicher. Er drückte sie zärtlich, als plötzlich die Sirene erklang: "Medikopter 117, Badeunfall am Südufer des Chiemsees. Genauere Angaben während des Fluges." Die Jungs der A-Crew rollten mit den Augen und Jens antwortete eher widerwillig: "Verstanden, wir übernehmen." Von Gina bekam Marc noch einen Kuss, dann hetzte er zum Heli. "Seid vorsichtig.", riefen Helena und Gina ihnen nach. Die neue Pilotin und Jens verstanden sich von Anfang an gut, so dass sie bereits einen Monat später zusammen waren. Kaum hatten Jens, Peter und Marc abgehoben, standen Vivienne, Karin und Helena schon wieder bei Gina. "Du wolltest uns die Kleider zeigen.", sagten sie vorwurfsvoll. Gina seufzte schwer und schlenderte wieder in den Aufenthaltsraum, um ihren Autoschlüssel zu holen. Sie öffnete gerade das Auto, als Helena neben ihr stand und den Schlüssel aus der Hand nahm. "Ich fahr." Karin und Gina zuckten die Schultern und stiegen hinten ein. Nach einer halben Stunde erreichten sie einen kleinen Modeladen. Nachdem sie ihn eingetreten waren, rief Gina: "Pierrot, Pierrot." Von hinten kam ein groß gewachsener Mann mit blondgefärbten, streichholzkurzen Haaren herangeeilt. "Gina, Liebes." Er gab ihr ein Küsschen links, eins rechts. "Blass siehst du aus.", stellte er ihre Hände tätschelnd fest. "Die Hitze.", meinte sie nur kurz. "Da müssen wir aber noch was bis Sonnabend machen. Komm!" Er forderte sie mit seiner Gestik auf, nach hinten zu gehen. "Wir wollten bloß die Kleider sehen.", protestierte Gina, aber er gab ihr einen Klaps. "Können wir auch hinten, Liebes." Helena, Vivienne und Karin sahen sich entsetzt an. "Der ist doch anders rum, oder?", flüsterte Helena zweifelnd. Die beiden Kolleginnen nickten unsicher. "Meine Schneckchen kommt, ihr auch.", rief er die drei zu sich. Sie folgten ihn hinter die Theke in einen angrenzenden Raum. Dort standen mehrere Schaufensterpuppen, bekleidet mit Kleidern und Anzügen. Gina saß auf einem Stuhl und hielt eine Tasse mit Tee. "Setzt euch, ihr Süßen. Möchtet ihr auch etwas zu trinken?", erkundigte sich ihr Gastgeber freundlich. "Wasser.", kam es bei allen, wie aus einem Mund. Sofort verschwand er in einen weiteren Raum. "Was sind das alles für Kleider?", fragte Vivienne und bestaunte die hochwertigen Roben. Gina trank einen Schluck und antwortete gelassen: "Die gehören uns." Ihre Kolleginnen starrten sie ungläubig an. "Die kosten doch Vermögen. Das können wir uns nie leisten und als Geschenk können wir das nicht annehmen, Gina.", meinte Helena den Kopf schüttelnd. "Außerdem werde ich wohl kaum in eins von denen reinpassen, mit meinem Bauch.", protestierte auch Karin. "Um die Kosten macht euch mal keine Sorgen. Mein Onkel bezahlt alles. Und Karin, verlass dich drauf, du passt rein.", versuchte Gina die drei zu überzeugen. Nun kam Pierrot mit einem Tablett, wo Gläser und eine Karaffe mit Wasser und Zitronenscheiben draufstanden, herein. "Das löscht den Durst hervorragend.", erwähnte er, während er die Gläser mit dem kühlen Nass füllte. "Pierrot! Karin glaubt nicht, dass sie in eins der Kleider passt. Können wir sie vom Gegenteil überzeugen?" Der Mann verstand Ginas Wink und huschte augenblicklich an allen Kleidern vorbei. An der sechsten Schaufensterpuppe blieb er stehen. "Ah, Karin, hier. Ein knappes Oberteil aus feiner Spitze und Satin. Der Rock ist direkt am Oberteil angesetzt und besteht ebenfalls aus leichtem, dehnbarem Satin. Das ganze ist in einem frischen Champagnerton gehalten.", beschrieb er das Kleid und wies auf kleine Einzelheiten hin, die das Kleid zum Unikat machten. So fuhr er auch bei den anderen Damen fort. "Für Helena haben wir ein vorn geschnürtes Korsett mit einem mehrstufigem Rock aus schwerem Damast, ebenfalls champagnerfarbend. Dazu gehören diese Handschuhe." Bei dem Anblick des Kleides wurde Helena tomatenrot und stotterte: "V-vorn ge-geschnürt." Gina fing an zu lachen und meinte keck: "Ich bin mir sicher, dass das Jens gefallen wird." Auch Karin und Vivienne mussten bei dem Gedanken an sein Gesicht lachen. Schließlich setzte Helena mit ein. "Dieser Traum aus Brokat und schlichter Baumwolle, verziert mit ein wenig Spitze ist für Vivienne." Sie zeigte überrascht auf sich und lächelte verlegen. "Anprobieren die Damen.", befahl Gina nun, während sie einen weiteren Schluck des Tees zu sich nahm. "Und was ist mit dir? Deines kennen wir noch nicht.", widersprach Karin energisch. Gina sah Pierrot an und er öffnete einen Vorhang. "Dieses Kleid ist für die Braut. Das Oberteil besteht aus einem wunderbarem Spitzenmuster und der Rock aus leichtem Satin umhüllt von glänzendem Chiffon. Der Schleier ist ebenso aus Chiffon gemacht. Das ganze hält sich in einem schneeweiß.", leierte Pierrot die Beschreibung ziemlich gelangweilt herunter. "Dir scheint das Kleid ja nicht besonders zu gefallen?", fragte Vivienne vorsichtig. "Ich..", setzte Pierrot an, sich aufzuregen, doch Gina sprach ihm dazwischen: "Er wollte mir ein Kleid schneidern, wie es Marie Antoinette getragen hätte, total pompös. Ich wollte aber nicht wie eine Puppe aussehen." "Das Kleid ist für eine Braut viel zu schlicht. Eine Braut muss großartig aussehen, wie eine Prinzessin." Ginas Freunde lachten und schüttelten ungläubig die Köpfe. "Sie wird auch so wie eine Prinzessin aussehen." Pierrot seufzte geschafft, fasste sich mit der linken Hand an den Kopf und winkte mit der rechten: "Anziehen, los!" Die vier Damen verschwanden in den Umkleidekabinen.

"Sag mal, Max. Wo sind denn unsere Damen geblieben?", fragte Peter, nachdem er, Jens und Marc sie einige Zeit gesucht hatten. "Die sind vor zwei Stunden mit Ginas Wagen weggefahren.", muffelte Florian, der sich gerade das letzte Stück einer Banane in den Mund gestopft hatte. "Irgendwas wegen Samstag.", fügte Max hinzu. Man konnte regelrecht sehen, wie sich bei Marc jeder Muskel anspannte. "Es ist erst Mittwoch und du bist jetzt schon nervös, wie soll das dann am Samstag werden?", grinste Jens. "Ich werde nur nervös, wenn ihr den Tag ansprecht.", korrigierte Marc Jens‘ Aussage. Alle nickten und Peter sagte: "Jaaa, klar." Plötzlich hörten sie das Gelächter der Frauen, die wenig später um die Ecke kamen. "Hier, wir haben euch schon mal eure Anzüge mitgebracht." Die Herren atmeten erleichtert auf. "Ihr wart bei Pierrot? Dann müssen wir da wenigstens nicht mehr hin.", meinte Flo seufzend. "Ich hätte das auch nicht noch mal ausgehalten.", begründete Jens diese Erleichterung. Helena lachte und meinte: "Ich verstehe voll und ganz, was ihr meint. Mir ist es schon ein Graus, das wir Sonnabend noch mal hin müssen." Jens nahm sie in den Arm und sagte mitleidsvoll: "Meine arme Maus."

Marc lief nervös auf dem Landeplatz hin und her. Sein schwarzer Anzug und das weiße Hemd glänzten in der Sonne. Andrés, Mario und Julio beobachteten ihn amüsiert. "Ob er weiß, was er sich mit Gina antut?", fragte ihr Vater locker. Andrés sah ihn entsetzt an. "So schlimm ist sie nun auch wieder nicht, Onkelchen." Er zuckte mit den Schultern. Julio schüttelte sorgenvoll den Kopf: "Wenn das arme Ding nur halb so aufgeregt ist, wie ihr zukünftiger Mann, können wir damit rechnen, dass du heute noch Opa wirst, Mario." Nun war es Mario, der geschockt zu seinem Schwager blickte. "Na hoffentlich nicht. Das ist viel zu früh." Plötzlich stand Enrico neben den dreien. "Na, wie oft hat er die Welt schon umrundet?", fragte er schmunzelnd. Auch Max, Jens, Flo, Höppi, Michael, Dirk und Peter gesellten sich zu ihnen und beobachteten Marc grinsend. Alle hatten wie Marc einen schwarzen Anzug und ein weißes Hemd an. So in Reih‘ und Glied sahen sie aus wie ein Schwadron Pinguine. "Bleibt zu hoffen, dass Frau Aigner ruhiger ist.", sagte Höppi seufzend. "Na, wenigstens haben wir Glück mit dem Wetter. Die Sonne scheint, brennt aber nicht so wie die letzte Woche."

Währenddessen wuselten in Pierrots Laden Friseure, Kosmetiker und was man sonst noch alles für die Schönheit braucht, um Gina und die anderen Frauen herum. Gina stand auf einem Hockerchen und versuchte ihren Blutdruck auf annehmbare Höhe zu bringen, während Pierrot den Chiffon nochmals zurecht zupfte. Plötzlich ertönte ein Schrei. Gina fuhr zusammen und schrie zurück: "Wer war das?" "Tschuldigung Gina, aber der Typ will mich nicht in Ruhe lassen.", rief Anna aus der anderen Ecke des Raumes. "Da bist du nicht die einzige, Kleine. Finger weg, der Rock sitzt so gut.", fuhr Helena einen der Modefuzies an. Gina raffte ihren Rock zusammen und stieg vom Hocker runter. Schnurstracks ging sie auf eine Tür zu. "Wenn mich einer sucht, ich bin auf dem Dach, um Ruhe zu finden." Sie knallte die Tür und augenblicklich war es im Raum totenstill. "Ich glaube, es wächst ihr etwas über den Kopf.", meinte Biggi vorsichtig. "Ich geh mal zu ihr. Fahrt ihr schon vor.", erwiderte Karin und verschwand auch durch die Tür. Gina stand auf dem Dach und atmete tief ein und aus. Karin trat langsam neben sie und lächelte. "Karin, ich glaub, ich schaffe das nicht.", jammerte die Braut und sah ihre Freundin leidend an. Karin schüttelte nur den Kopf. "Soll ich dir mal sagen. Mir ging es genauso. Aber als ich dann neben Michael gestanden habe, wusste ich, warum ich das tat. Ich liebe ihn und du liebst Marc. Und noch eins. Ich könnte wetten, dass Marc genau in diesem Moment noch nervöser als du über den Landeplatz läuft, nichts mitbekommt und der Rest der Herren ihm schmunzelnd dabei zusieht." Gina nickte: "Du hast vermutlich Recht." "Gut, dann lass uns los fahren. Sonst kippt er noch um, bevor alles vorbei ist."

Auf der Basis wurden die Herren langsam ungeduldig. "Jetzt könnten sie aber endlich kommen.", beschwerte sich Flo. "Du kennst doch unsere Damen.", beruhigte ihn Peter. Just in diesem Moment fuhr ein Wagen auf den Parkplatz. Marc blieb wie angewurzelt stehen und schaute nervös hinüber. Lachend stiegen nach einander Anna, Helena, Vivienne und Stella aus. Die Männer blieben staunend stehen. "Biggi, Karin, und die Braut kommen auch gleich.", verkündete Anna fröhlich und stellte sich zu Andrés, der nichts sagen konnte, sondern sie einfach nur küsste. "Ihr seht überwältigend aus.", stellte Jens fest und der Rest stimmte ihm stumm zu. "Dann schaut euch erst mal Gina an, wie eine Prinzessin.", schwärmte Stella ein bisschen. "Lasst uns mal zu Marc gehen. Der steht da so steif." Vorsichtig pirschten sie sich an ihn ran. "Marc, sie ist noch nicht da.", erklärte Helena, doch er blieb starr wie eine Salzsäule. "Wir versuchen es hiermit.", entschied Michael und hielt dem Bräutigam Riechsalz unter die Nase. Dies erzielte den gewünschten Effekt und Marc verzog das Gesicht. "Was soll das?", fragte er empört. "Du warst gerade festgefroren.", rechtfertigte Vivienne die Maßnahme. "Ist Gina schon da?", wollte er nun hektisch wissen. "Beruhige dich, sie kommt gleich.", redeten mehrere auf ihn ein. "Guten Tag, mein Name ist Karl Overbeck. Ich bin der Standesbeamte.", wurde die Medikoptercrew von einem älteren Herren unterbrochen. Marc zwängte sich durch seine Kollegen und gab dem Mann die Hand. "Guten Tag, Herr Overbeck." "Dr. Harland. Der Anzug steht ihnen genauso gut wie der Kittel." Marc schaute verlegen zu Boden. "Herr Overbeck, bitte nicht. Kommen sie hier entlang. Gina wird auch gleich da sein." Er geleitete den Mann zum Hangar und setzte sich an einen der Tische. Marcs Kollegen sahen den beiden positiv beeindruckt hinterher. "Marc hat seine Haltung zurück.", stellte Vivienne bewundernd fest. "Ja, aber das liegt meiner Meinung nach daran, dass die beiden sich bereits kennen.", meinte Peter darauf locker. Alle schauten ihn fragend an. "Wie kommst du denn darauf?" "Ganz einfach. Hat einer von euch Marc schon mal in einem Kittel gesehen? Ich nicht und er arbeitet schon seit drei Jahren hier. Folglich ist es eine Begegnung vor unserer Zeit." Die anderen verstanden, was Peter meinte und wenn sie sich Marc und Herrn Overbeck ansahen, konnten auch sie feststellen, dass die beiden gut miteinander klar kamen. Sie zuckten die Schultern und begaben sich zu ihnen. "Und Frau Aigner ist schwanger? Ich kann mich noch sehr gut an eine Zeit erinnern, wo sie im Krankenhaus geschlafen haben, weil sie beide sich wieder gestritten hatten." Marc winkte lachend ab: "Ach, Herr Overbeck. Gina und ich hatten uns auch getrennt, sind dann aber hier wieder zusammen gekommen." Stella setzte sich neben den Standesbeamten und forschte: "Sie kennen Gina und Marc?" Der Mann nickte schmunzelnd. "Ja. Vor vier Jahren musste ich für einige Zeit ins Krankenhaus. Dr. Harland war Stationsarzt und Frau Aigner hatte ihn öfters besucht, was meistens im Streit endete." Auch Flo grinste und fügte verschmitzt hinzu: "Was heute oft immer noch so ist." Alle fingen an zu lachen, nur Marc wurde puterrot. Was sich schlagartig legte, als ein zweiter Wagen vorfuhr. Allerdings verkrampfte er sich nun wieder. Michael und Enrico liefen sofort hin und halfen ihren Frauen beim Aussteigen. Nachdem Marc von Herrn Overbeck angestupst worden war, bewegte auch er sich aufs Auto zu. Als Gina dann ausstieg, schien seine ganze Nervosität zu verfliegen. Wortlos schwebte er zu seiner lächelnden Braut. Nachdem er sie eine Weile fasziniert angesehen hatte, flüsterte er kaum hörbar: "Du siehst wunderschön aus." Sie blickte verlegen zu Boden und brachte ein noch leiseres "Danke." heraus. Marc wollte ihr gerade einen zarten Kuss geben, als ihn Overbeck unterbrach: "Na, ich hab noch nicht ‚Sie dürfen die Braut jetzt küssen‘ gesagt." Gina sah ihn überrascht an. "Herr Overbeck." Er ging auf sie zu und nahm ihre Hände. "Frau Aigner, sie sehen traumhaft aus." Abermals blickte sie verlegen zur Erde. Dann forderte der Standesbeamte das Brautpaar und die Gäste dazu auf, sich doch im Hangar zu versammeln, damit sie die Zeremonie abhalten konnten. Nachdem er einiges über die beiden gesagt hatte, kam er nun zum, für alle Anwesenden, wichtigsten Teil: "Nun möchte ich von ihnen, Marc Harland, wissen, ob sie die hier Anwesende Gina Aigner zu ihrer rechtmäßigen Ehefrau nehmen wollen und sie lieben und ehren in guten sowie schlechten Tagen, bis das der Tod sie scheidet. Wenn dies ihr Wille ist, antworten sie mit ‚Ja, ich will.‘." Marc sah Gina liebevoll an, dann den Standesbeamten und erwiderte mit fester Stimme: "Ja, ich will." Overbeck nickte und wandt sich Gina zu. "So frage ich auch sie, Gina Aigner: Wollen sie den hier Anwesenden Marc Harland zu ihrem rechtmäßigen Ehemann nehmen und ihn lieben und ehren in guten sowie schlechten Tagen, bis das der Tod sie scheidet. Wenn dies ihr Wille ist, antworten sie mit ‚Ja, ich will.‘." Gina blickte Marc fest in die Augen und sagte lächelnd: "Ja, ich will." "Dann bitte ich nun um die Ringe." Stella gab Oliver ein Kissen, auf dem die goldenen, glänzenden Ringe lagen, und der Kleine stiefelte in seinem Minianzug zu Gina und Marc nach vorne. Übers ganze Gesicht grinsend hielt er das Kissen hoch und sagte: "Bitte." Marc strich ihm übers blonde Haar und flüsterte: "Danke Oliver." Dann nahm er den Ring und steckte ihn Gina an den Finger. Nachdem sie es ihm gleich getan hatte, eröffnete Herr Overbeck: "Kraft meines Amtes erkläre ich sie zu Mann und Frau. Sie dürfen die Braut jetzt küssen." Marc ließ sich das nicht zweimal sagen und zog Gina liebevoll an sich heran. Fast zaghaft berührte er ihre Lippen mit seinen, doch dann versanken sie in einem tiefen Kuss. Während Andrés den Korken einer Champagnerflasche knallen ließ und mit Helenas und Biggis Hilfe die Gläser füllte, jubelten alle. "Jetzt haben wir wenigstens einen der beiden unter der Haube.", sagte Julio zu Mario und beide nickten strahlend. Anschließend feierte die ganze Truppe bis spät in die Nacht.

Ende September

Karin saß dösend auf der Wiese vorm Hangar und genoß die letzten warmen Strahlen der Sonne, während Jens und Helena gemeinschaftlich den Heli putzten. Marc und Florian spielten gegen Peter und Max Tischfußball und Michael half Vivienne beim auffüllen der Medikamente im Heli. Zur selben Zeit spielten Dirk, Anna, Richard und Lukas, die nun bei ihrer Mutter waren, mit Oliver und Toni Fußball. Gina stand zusammen mit Andrés auf dem Parkplatz und unterhielt sich. Auf einmal fing sie an zu schreien. "Vergiss es." "Lugia, es Vaters Wille." "Das ist mir scheißegal. Ich werde mein Kind in Deutschland zur Welt bringen, nirgendwo anders. Da kann der Alte sich auf den Kopf stellen." "Ihr wolltet wegen der kirchlichen Hochzeit doch sowieso nach Spanien kommen. Da wird das Kleine dort zur Welt gebracht und kann gleich getauft werden." "Andrés, ich habe mich entschieden. Babbo hat es mir freigestellt, wo ich sein Enkelkind bekomme. Da kann mir Onkel Julio nichts vorschreiben, denn ich bin schon 18." Andrés ließ, der Diskussion leid, den Kopf in den Nacken fallen. "Gina, du kennst doch Papa." "Ja, deswegen. Er will mich wieder kontrollieren. Weil ich da raus wollte, bin ich damals nach Deutschland gegangen." Plötzlich stand Marc hinter ihnen. "Alles in Ordnung?", fragte er besorgt. "Ja, wir haben alles geklärt. Du kannst dem Altem sagen, er soll sich das ganze schnell wieder aus Gedächtnis streichen.", schnaufte Gina wütend und zog davon. Marc und die Kollegen, die ihm gefolgt waren, sahen Andrés fragend an. "Papa will, dass Gina das Kind in Spanien bekommt." Nun blickten sie etwas gleichgültig zu ihm und Peter sagte: "Und sie ist dagegen.", bevor alle wieder ihrer Beschäftigung nachgingen. Gina holte ihre Jacke und den Autoschlüssel und stiefelte dann zu Karin auf die Wiese, die als einzige an ihrem Platz geblieben war. "Kommst du mit? Ich habe letzte Woche in München einen Babyladen gesehen, in dem wir noch nicht waren.", fragte sie und blickte missmutig auf die Ärztin hinunter. Karin richtete sich langsam in der Liege auf und schaute ihre Freundin lächelnd an: "Wenn du mich noch hoch bekommst." Nun musste auch Gina wieder schmunzeln. Vorsichtig beförderte Gina Karin in die Senkrechte. Dann schlenderten sie gemeinsam zum Auto, wo Anna auf sie wartete. "Darf ich mit?", erkundigte sie sich. Gina und Karin zuckten die Schultern. "Wenn du dich mit zwei Kugeln sehen lassen willst." Das nahm die 19Jährige als ein Ja und stieg in den Wagen. Um die Fahrt so gut wie möglich zu verkürzen, bog Gina bald auf die A8. "Hoffentlich kommen wir in keinen Stau.", grübelte Karin auf dem Rücksitz. "Quark mit Soße, nicht um die Mittagszeit.", entkräftete Gina die Zweifel. Anna schwieg eine Weile, meinte aber, als sie auf der Autobahn waren: "Gina, du darfst Andrés nicht böse sein." Gina schüttelte nur den Kopf: "Ich bin nicht auf ihn böse, sondern auf Onkel Julio. Was fällt den überhaupt ein, auf so eine Idee zu kommen?", fing sie wieder an sich aufzuregen. Dabei blickte sie immer wieder zu ihrer Beifahrerin. "Sag mal, dass du das einfach so bei dem aushältst. Ich wäre schon längst wieder abgehauen. Er muss dich doch andauernd belagern, dass du und Andrés endlich heiratet." "Gina, pass auf.", schrie Karin plötzlich von hinten. Vor ihnen waren gerade drei Autos in einen umgestürzten LKW gerast. "Festhalten.", forderte die Pilotin sofort und trat auf die Bremse. Doch nicht früh genug, so dass sie mit Vollspeed auf die bereits entstandenen Autotrümmer rauffuhren und abhoben. Durch den Aufprall wurde Anna, die nicht angeschnallt war, durch die Windschutzscheibe nach draußen geschleudert. Sie schlug unsanft auf den Asphalt auf und blieb bewusstlos liegen. Auch das Auto landete hart und rutschte noch einige Meter, bis es von der Leitplanke gestoppt wurde.

Auf der Basis lief alles ganz ruhig. "Sag mal Marc, wo sind denn Karin und Gina geblieben?", erkundigte sich Michael, nachdem er und Vivienne mit den Medikamenten fertig waren, und in den Aufenthaltsraum kamen. "Ach, die beiden sind noch mal nach München. Babysachen gucken.", antwortete Marc augenrollend. Michael seufzte und ließ sich erschöpft neben ihn auf die Couch fallen. "Meine Güte, die Schränke platzen bald aus allen Nähten." "Ach, bei euch auch?", fragte Marc grinsend und seufzte dann ebenfalls. Die beiden schreckten zusammen, als urplötzlich der Alarm losging. "Medikopter 117. Schwere Massenkarambolage auf der A8. Mehrere Schwer- und Leichtverletzte sind zu erwarten." Florian griff zum Walkie und gab durch: "Verstanden. Medikopter 117 übernimmt." Marc und Michael sahen sich besorgt an. "Hoffentlich sind sie die Fernverkehrsstrasse gefahren.", ließen beide gleichzeitig verlauten.

Währenddessen erwachte Anna und versuchte sich aufzurichten. "Mein Kopf.", stöhnte sie und stand schließlich extrem wackelig mitten auf der Autobahn. Sie schaute sich um mit dem Ziel, Ginas Auto zu finden. Als sie es erblickte, torkelte sie im Zickzack darauf zu. "Gina, Karin.", flüsterte sie und brach vor dem Wagen zusammen. Vorsichtig lehnte sie sich an das schrottplatzreife Auto an. "Karin? Gina?", rief sie in ihr selbst erträglichem Maß der Lautstärke. Nachdem sich niemand meldete, zog sie sich langsam hoch, bis sie endlich reinschauen konnte. Karin lag auf dem Rücksitz und Gina saß immer noch angeschnallt vorne, beide bewusstlos. Mit größter Kraftanstrengung schaffte Anna es die Hintertür zu öffnen und sich über Karin zu beugen. Sie merkte wie ihr Kopf langsam wieder klarer wurde. Vorsichtig schüttelte sie Karin und redete ruhig auf sie ein: "Karin, wach auf. Komm schon. Das ist doch alles halb so schlimm." Nach einigen Minuten stöhnte Karin und schlug die Augen auf. "Aah. Anna?" "Karin, das wird alles gut." Karins Gesicht verzog sich vor Schmerzen. "Die Wehen, meine Babys.", jammerte sie und ihr stiegen Tränen in die Augen. Über ihnen konnten sie das Geräusch eines Helis hören. Anna kletterte zügig aus dem Auto und versuchte die BK 117, wie sie erkannt hatte, auszumachen. "Das sind die Kollegen. Ich hole sie schnell."

"Das sieht ja zum Gott erbarmen aus.", stellte Helena aus der Luft fest und landete auf der freien Seite des Unfalls. Auf der anderen hatte sich in den letzten zwanzig Minuten bereits ein ellenlanger Stau gebildet. Vivienne und Florian sprangen raus und sahen ein Mädchen auf sich zulaufen. "Das ist doch Anna.", erkannte Florian die leicht wankende Person. "Vivi, Flo. Schnell, bei Karin haben die Wehen eingesetzt und Gina ist immer noch bewusstlos.", erklärte sie kurz die Situation. "Was ist denn eigentlich passiert?", ermittelte Flo, während sie zum Wagen rannten. "Ich weiß es nicht.", schluchzte Anna. Am Wagen angekommen, bemerkte Vivienne sofort, dass Karin wieder weggetreten war. "Sie hat eine stark blutende Kopfwunde und einige Prellungen. Äußerlich kann ich nichts weiter feststellen." Dann wandt sie sich nach vorne zu Gina. "Gina, kannst du mich hören? Nicht ansprechbar, ebenfalls eine stark blutende Wunde an der Stirn und eine am Hinterkopf. Schnittwunden an beiden Armen. Vermutlich hat es auch ein paar Rippen erwischt. Beide müssen so schnell es geht ins Krankenhaus. Florian, mach für beide ne Ringer fertig." Florian hatte sich inzwischen um die Platzwunde und die Abschürfungen von Anna gekümmert. "Für können Gina nichts geben.", sagte er und sah Vivienne ängstlich. "Warum denn das nicht?", fragte sie ungläubig. "Sie ist Allergikerin. Aus diesem Grund hat sie schon mal einen ganzen Einsatz mit Schmerzen durchgezogen." Helena stand nun neben ihnen. "Einen von beiden müssen wach kriegen, sonst schaffen wir es nicht, beide mitzunehmen." Von hinten erklang wieder ein Stöhnen. "Ich bin wach.", flüsterte Karin. "Na dann, ab mit Gina auf die Trage und abgehoben." Behutsam zog Florian Karin an sich heran und nahm sie auf den Arm. "Komm ich trag dich. Anna, nimm die Taschen." In Windeseile befreiten Vivienne und Helena Gina aus dem Auto und transportierten sie auf der Trage zum Heli. Während des Fluges nahm Helena Kontakt zur Basis auf. "Medikopter 117 ruft Basis." "Basis hört. Wie sieht es aus?", meldete sich Jens am anderen Ende. "Sind Marc und Michael in der Nähe?" "Ja-a, warum?" "Hört zu, ihr drei schnappt euch jetzt eure Jacken und fahrt sofort zum Klinikum Rosenheim." "Was ist los?" "Die Karambolage, Gina, Karin und Anna sind verletzt." Am anderen Ende blieb es mucksmäuschenstill. "Seid ihr noch dran?" "Nein, sie sind gerade weg.", hörte man nun Peters Stimme.

Anna und die B-Crew saßen vor dem OP-Bereich und warteten darauf, dass sich endlich was tat. Völlig außer Atem kamen auf ein Mal Marc, Michael, Jens und Andrés um die Ecke. "Papa, Andrés." "Anna." Die beiden Männer nahmen die junge Frau in die Arme. "Wie geht es dir?" "Halb so schlimm.", schluchzte sie. "Was ist mit Gina?" "Und Karin?", fragten Michael und Marc angsterfüllt. Helena schüttelte traurig den Kopf. "Nichts neues. Sie operieren.", berichtete Vivienne kläglich. "Es tut mir so leid. Das ist alles meine Schuld.", schluchzte Anna und drückte sich an Andrés. Er versuchte sie zu trösten und Michael informierte sich: "Wie meinst du das?" Sie blickte zu Andrés und erzählte: "Euer Streit, ich hab gesagt Gina soll nicht auf dich böse sein. Sie meinte, dass ist sie überhaupt nicht, sondern auf Julio. Sie hat wieder angefangen sich über ihn aufzuregen und deswegen nicht auf die Straße gesehen." Michael und Marc sahen sich an und nickten, dann ging Marc zu Anna und legte ihr seine Hand auf die Schulter. "Es ist nicht deine Schuld. Einzig und allein Julio hat an dieser Katastrophe Schuld." Seine Stimme zitterte und er hatte Mühe die Tränen zurückzuhalten. Nach einer schier ewig dauernden halben Stunde kam ein Arzt aus dem OP. "Herr Lüdwitz, Herr Harland." Die beiden standen auf und stellten sich kurz vor. Auch die anderen blickten sorgenvoll, aber mit einem Funken Hoffnung zu dem Arzt. "Ich habe schlechte und gute Nachrichten für sie. Die Gute: Allen drei Babys geht es gut. Zwei Mädchen und ein Junge." Marc sah den Arzt perplex an. "Ich denke nur Karin hatte Wehen." "Das ist richtig, aber durch den Aufprall ist es bei ihrer Frau zur Plazentaablösung gekommen. Deswegen haben wir ihre Tochter per Kaiserschnitt geholt." Michael trat einen Schritt vor und wollte zitternd wissen: "Und die schlechten Nachrichten?" "Frau Thaler hat einen Milz- und Leberriss. Meine Kollegen operieren gerade. Das wird noch eine Weile dauern." Andrés hielt es nun nicht mehr aus und erkundigte sich. "Und was ist Gina?" "Frau Harlands Kopfverletzungen machen mir große Sorgen. Sie hat ein heftiges Schädelhirn- und Halswirbelsäulentrauma. Sie wird in einigen Minuten auf die Intensivstation gebracht, im künstlichen Koma, damit es nicht zu unvorhergesehenen Komplikationen kommt. Beten sie für beide." Mit diesen Worten verschwand der Arzt wieder im OP-Bereich. Die beiden Notärzte sackten je auf einen der Plastikstühle und gaben keinen Mucks mehr von sich. Anna und Andrés standen an die Wand gelehnt und er schluchzte wütend: "Dafür wird Papa büßen. Ich muss ihn und Mario anrufen." "Ich komm mit.", flüsterte Anna elend. Dann verschwanden die beide um die Ecke. Jens hielt währenddessen Helena und Vivienne in seinen Armen und hatte den Kampf gegen die Tränen, genau wie die beiden, verloren. "Die beiden werden überleben, ganz bestimmt."

Einige Stunden später. Peter, Dirk, Max und die anderen waren inzwischen auch da und alle zusammen warteten auf Neuigkeiten. Marc saß seit zwei Stunden bei Gina auf der Intensivstation und hielt unentwegt ihre Hand. Neben ihm und dem Bett stand das kleine Bettchen mit der Kleinen. Immer wieder strich er ihr über den Kopf und flüsterte: "Mama hat dich ganz doll lieb. Bald nimmt sie dich auf den Arm und dann fahren wir zusammen nach Hause. Da wartet ein wunderschönes Zimmer auf dich." Dann brach er wieder in Tränen aus.

Auch Michael und Dirk saßen bei den beiden Kleinen und erzählten ihnen, was sie zu Hause erwartete. Plötzlich kam eine Schwester lächelnd herein. "Herr Lüdwitz, ihre Frau ist jetzt auf der Intensivstation. Sie können zu ihr." Dirk legte seinem Vater die Hand auf die Schulter und nickte: "Geh, ich bleib unseren Engelchen." Michael drückte ihn und folgte dann der Schwester. Karins Zimmer lag neben dem von Gina, so dass Marc und Michael sich sehen konnten. Beide nickten sich zu und konzentrierten sich dann auf ihre Frauen.

Es vergingen drei Wochen, bis die Ärzte Gina aus dem künstlichen Koma holten und auf die normale Station verlegten. Karin, die im richtigen Koma lag, wurde ebenfalls mit Gina in einem Zimmer auf die Station gebracht. Vom ersten Tag an war Gina voll da und freute sich riesig über ihre kleine Maus, die noch immer ohne Namen war. Michael hatte wie besprochen den Jungen Thomas und das Mädchen Gabriele genannt. "Und? Es wird langsam Zeit, dass eure Kleine auch einen Namen bekommt.", sagte Michael, als er mit Gabriele und Thomas bei Karin war. Gabriele schlief tief und fest in ihrem Körbchen und Thomas bekam gerade die Flasche. Gina hielt ihr Mäuschen sanft in den Armen und Marc saß daneben auf dem Bett. "Ich finde, Nadja ist ein schöner Name." Die drei blickten überrascht und Michael rief freudig: "Karin, du bist wach." Sie öffnete langsam die Augen. Gina war sofort zu ihr ans Bett gekommen und Marc stand auch direkt hinter ihr. "Na ihr?", sagte sie lächelnd. "Schau mal mein Engel.", meinte Michael und legte Thomas direkt neben den Kopf seiner Frau. "Oh, ist er süß.", hauchte sie und gab dem Kleinem einen zarten Kuss. Marc hatte Gabriele vorsichtig aus dem Körbchen gehoben und übergab sie an Michael. "Hier ist noch jemand." Karin streichelte ihre Tochter lächelnd. "Und das ist eure?", flüsterte sie dann und schaute zu Gina und ihrem Baby. Die nickte mit Tränen in den Augen und wisperte: "Ja, und Nadja ist wirklich ein schöner Name, oder Marc?" Er umarmte seine Frau und fuhr sanft über die Wange seiner Tochter. "Ja, Nadja ist sehr gut." Dann stand er auf und flüsterte zu Gina: "Komm, wir lassen die beiden alleine." Sie bejahte es und richtete sich ebenfalls auf. "Wir gehen ein Stück.", sagte sie noch und verschwand dann mit Nadja und Marc aus der Tür. Karin hielt ihre Zwillinge in den Armen und blickte glücklich zu Michael. "Jetzt sind wir eine richtige, große Familie." Er beugte sich erleichtert zu ihr runter und gab ihr einen zarten Kuss. "Ich hatte solche Angst um dich. Ich glaube nicht, dass ich es ohne geschafft hätte. Ich wäre eingegangen wie eine Blume ohne Sonne und Wasser. Ich liebe dich so sehr." "Ich liebe dich auch."

Auf der Basis ging es drunter und drüber. Die Vorbereitungen für die Überraschungsparty, welche die Kollegen für Karin und Gina organisiert hatten, liefen auf vollen Touren. "Was ist mit den Luftballons?", rief Max von der Leiter hinunter. "Kommen sofort.", verkündigten Richard und Lukas, Helenas Söhne, und liefen mit einem Dutzend zu ihm. Oliver und Toni spielten zwischen dem ganzen Chaos fangen, während ihre Eltern die Tische deckten. "Jean kommt in ein paar Minuten mit den Platten, dann müssen wir fertig sein.", teilte Vivienne den anderen mit und rannte mit einigen Tellern zum letzten Tisch. "Ist der Sekt und die anderen Getränke kühl gestellt?", erkundigte sich Biggi, als sie die verschiedenen Gläser verteilte. "Japp, Florian, Jens und ich machen jetzt die Boxen und die Anlage klar.", erwiderte Enrico und stieg gerade eine Leiter hoch. "Vivi, dein Mann kommt.", schrie Helena um die Ecke. Vivienne schnappte sich Anna, Höppler und Andrés und rannte zum Parkplatz. "Beeilung, die Ehrengäste kommen bald.", forderte Jean mit Französischakzent. Er gab jedem eine Platte und selbst nahm er zwei. Auf jeden der Tische kam eine und jede hatte einen anderen Inhalt. "Sie kommen.", schrie Max von der Leiter. In Windeseile räumten alle die letzten Reste weg und der Mechaniker rutschte die Leiter runter. "Appell.", forderte Höppler. "Tische gedeckt, Musik organisiert, Beleuchtung perfekt, Dekoration fertig.", ertönte es nach einander. "Perfekt. Aufstellung." Marc musste grinsen, als er um die Kurve fuhr und die Luftballons über dem Hangar sah. "Hey, schaut mal." Karin und Gina blickten aus dem Fenster, dann sich an und fragten gleichzeitig: "Luftballons?" Dirk zuckte die Schultern und meinte grinsend: "Lasst euch überraschen." Michael kicherte vor sich hin, hielt aber die Klappe. Marc parkte den Medikopterbus auf dem Parkplatz. Anna und Andrés standen bereits wartend und halfen ihnen beim Aussteigen. Andrés verbeugte sich und Anna machte einen Knicks, während er sagte: "Dürfen wir bitten, Senoras?", und auffordernd die Hand in Richtung Hangar hielt. Gina begutachtete das Ganze argwöhnisch und sagte: "Gracias." Dirk, Michael und Marc nahmen je eine der Tragetaschen, in denen Nadja, Gabriele und Thomas friedlich schliefen. "Na, geht!", forderten auch die drei die Damen auf, Andrés und Anna zu folgen. Ohne Scheu gingen die drei mit den Babys vor. Etwas unsicher, was sie erwarten wird, blieben Gina und Karin noch eine Weile stehen. "Ich krieg `ne Krise.", verkündete Gina plötzlich und Karin folgte ihrem Blick und führte ebenfalls fassungslos den Satz fort. "Die haben den Heli geschmückt." Da blickte Marc um die Ecke. "Kommt ihr?" Die beiden Frauen schauten sich an und atmeten tief ein. Anschließend machten sie sich auf den Weg um die Ecke und wurden mit einem "Herzlich Willkommen zurück." begrüßt. Sofort stürzten alle auf sie und umarmten sie. Vom anfänglichen Schock erholten sich Gina und Karin schnell und fingen irgendwann an zu lachen, so nach der zehnten Umarmung, und scherzhaft um Hilfe zurufen. Die Kollegen, die sowieso lachten, führten die beiden anschließend zu ihren Plätzen und es wurden Jeans Platten verschmaust. Irgendwann zwischen Hummer und Schweinekeule sahen Gina und Karin sich an und schworen sich: "Nie wieder..." , und der Rest ging im Gelächter unter.

Copyright 2004: Kristina

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