Flug in den Tod

Von Mareike

Biggi flog. Sie flog ein letztes mal mit ihrem Baby. ``Baby´´ so nannten sie ihren Helikopter. Tränen liefen ihr übers Gesicht. Sie konnte kaum noch etwas sehen. Es war ihr egal. Alles war ihr egal. Sie wusste, wenn ihre Freunde in ein, zwei Stunden erfuhren was sie getan hatte würden sie Traurig sein. Nach der Trauer würden Fragen kommen. Fragen über Fragen. Vielleicht auch der eine oder andere Vorwurf sich selbst gegenüber doch das war ihr egal. Bald würde sie nicht mehr hier sein. ``Tut mir leid kleines´´ flüsterte Biggi und strich über ihren Bauch. Sie war im zweiten Monat schwanger. Sie hatte sich alles so schön vorgestellt. Ihr Leben hätte ein Traum werden können. Doch er hatte alles zerstört. ER! Biggi dachte an ihn und wieder liefen ihr Tränen über die Wangen. Sie sah nach draußen. Über den Bergen ging gerade die Sonne auf. Der Schnee auf den Bergspitzen leuchtete weiß. So früh hier draußen war es wunder schön. Deswegen hatte Biggi sich diese zeit ausgesucht. Erst ihn zwei Stunden würden die anderen zum Dienst auf die Basis kommen. Dann erst würden sie merken das der Heli weg war. Doch wenn sie es merkten war Biggi schon lange da wo sie jetzt hin wollte. Sie hatte es einfach nicht mehr ausgehalten. Mark, der Mann ihrer Träume, der Vater ihres Kindes, er hatte alles zerstört. Er hatte sie betrogen. Sie hatte ihm Verziehen nach dem er geschworen hatte das es das einzige mal gewesen währe. Gestern hatte sie heraus gefunden das er mit dieser Frau schon seit einem Halben Jahr ein Verhältnis hatte. Es war wie ein Schlag auf den Kopf. All ihre Träume zerplatzten. Als sie ihn Abends darauf ansprach gab er alles zu. Er war auf einmal kalt ihr gegenüber. Diese Frau bekam ein Baby von ihm und er würde zu ihr Ziehen. Von dem Baby in Biggis Bauch wusste er nichts. Sie wollte es ihm sagen. Gestern! Gestern wollte sie es ihm sagen doch dann hatte sie es nicht geschafft. Die letzten Wochen liefen wie ein Film vor ihrem Auge ab. Sie war so oft alleine gewesen und hatte geglaubt er würde arbeiten. Doch da hatte sie sich getäuscht. In ihm hatte sie sich getäuscht. Nichts auf dieser Welt schien für sie noch einen Sinn zu haben. Nicht einmal das wachsende Baby konnte ihr den Lebensmut wieder geben. Thomas hätte ihr geholfen wenn sie zu ihm gegangen währe. Er war ihr bester Freund. Mit ihm konnte man reden oder er nahm einen mal tröstend in den arm. Er konnte zuhören und er konnte schweigen. Bei ihm waren Geheimnisse sicher. Er bewarte sie in seinem Herzen, führ immer. Doch zu ihm wollte sie jetzt nicht. Sie wollte zu ihrer Besten Freundin. Hier hatte sie keine mehr. Gaby war ihre beste Freundin gewesen. Sie war wie Thomas. Sie konnte zu hören und schweigen. Doch Gaby war seit einem Jahr da wo sie jetzt hin wollte. Sie wollte jetzt von Gaby in den arm genommen werden. Sie wollte Gabys stimme hören wie sie ihr sagte das alles wieder gut werden würde. Biggi wollte das die sonne wieder schien. Da wo sie her kam würde für sie nie wieder die Sonne scheinen. Graue, große hässliche Wolken würden die Sonne in ihrem Herzen immer verdecken. Doch da wo sie hin wollte würde immer die Sonne scheinen. Für einen kurzen Augenblick huschte ein Lächeln auf ihr Gesicht. Sie hatte die Stelle fast erreicht. Hier war das Tor für Gaby gewesen und hier wollte Biggi durchs Tor gehen. Biggi wischte die Tränen weg doch es kamen sofort neue. Noch ein paar Meter dann war sie da. Biggi flog langsamer. Schließlich schwebte der Heli auf der Stelle. Vor sich sah Biggi eine große Schnee bedeckte wiese. Hier war Gaby gestorben und hier wollte Biggi sterben. Sie nahm ihren Glücksteddy, den Thomas ihr an ihrem ersten Tag bei Medicopter geschenkt hatte, in die Hand. Sie Küsste den Bären auf die kleine Nase und strich einmal, ein letztes mal zärtlich über ihren Bauch. Dann drückte sie den Steuerknüppel nach unten. Langsam senkte sich die Nase des Helikopters Richtung Boden. Er wurde schneller und schneller. Biggi sah die Erde auf sich zurasen. Sie schloss die Augen, tränen liefen ihr wie Bäche über die Wangen. Ein letztes mal dachte sie an alle ihre Kollegen. Ein letztes mal spürte sie das Brummen der Rotoren bevor der gelb- Rote Helikopter hart auf dem Boden aufschlug. Biggi spürte nichts. Ohne schmerzen trat sie durch das Tor. Das Tor zum Paradies.

Eine Woche später wurde sie Beerdigt. Ihre Kollegen und Freunde standen an ihrem Grab und weinten. Mark stand auch am Grab doch er weinte nicht. Er konnte nicht weinen. Noch immer stand der Schock in seinem Gesicht. Er konnte es noch immer nicht glauben. Auf der Schleife des Großen Kranzes der auf dem Grab lag stand:

``Dein letzter Flug ging in den Tod. Wir werden dich NIE vergessen! Deine Freunde von Medicopter 117´´

Biggi stand zusammen mit Gaby oben im Himmel. Eine kleine Träne lief über Biggis Gesicht doch sie war immer noch froh diesen schriet gegangen zu sein. ``Ich werde immer auf euch aufpassen!´´ Flüsterte sie, bevor sie sich umdrehte und mit Gaby in die weiten des Himmels lief.

Copyright 2005: Mareike

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