Familienbande
Marc, Peter und Jens saßen im Aufenthaltsraum und spielten Skat. Nebenbei lief der Fernseher, den Höppi spendiert hatte. Bald war Schichtende und dann wäre auch der Tag zu Ende. "Anna will mich heute abend noch ins Kino schleppen und was macht ihr?", sagte Jens und spielte eine Karte. "Ach, Gina und ich wollen es uns so richtig gemütlich machen. Wie geht es eigentlich Biggi?", fragte Marc an Peter gerichtet. Er schmiss seine Karten auf den Tisch und antwortete: "Ich geb auf. Stella hat gestern mit ihnen telefoniert. Scheint alles glatt zu laufen. Abgesehen von den typischen Problemen einer Schwangerschaft, Übelkeit, etc. geht es ihr gut." "Rettungsleitstelle für Medicopter 117. Verletzter Mann nach einem schweren Autounfall auf der Landstraße Richtung Prien. Bitte übernehmen sie." Marc und Peter hechteten sofort zum Heli und Jens rief ins Walkie: "Verstanden, Rettungsleitstelle. Wir übernehmen.", und folgte seinen Kollegen. "Ausgerechnet so kurz vor Dienstschluss.", meckerte Peter. "Stella wollte heute kochen." Bereits nach ein paar Minuten kamen sie am Unfallort an. Der Mann war aus seinem Auto geschleudert worden und lag auf der Straße. Ersthelfer waren schon Vorort und kümmerten sich um ihn. "Guten Tag. Ich hab den Notruf abgesetzt.", begrüßte sie eine junge Frau und führte Marc und Peter zu dem Verletzten. "Er ist jetzt bei Bewusstsein und klagt über Schmerzen in seinem rechten Bein.", berichtete die Rothaarige knapp. Marc beugte sich zu ihm. "Hallo, mein Name ist Dr. Marc Harland. Ich bin der Notarzt." Der Mann sah ihn überrascht an. Seine braunen Augen funkelten geheimnisvoll so, dass Marc ein Schauer über den Rücken lief. "Ich gebe ihnen erst mal etwas gegen die Schmerzen, dann bringen wir sie mit dem Heli in eine Klinik." Der Mann nickte kurz und sagte: "Gracia, Senor Harland. Würden Sie Gina Bescheid sagen, wo sie mich hingebracht haben. Ich bin Andrés." Marc starrte den Mann mit aufgerissenen Augen an. "Woher kennen Sie Gina?", wollte er wissen. "Ich bin fertig, Marc. Wir können fliegen." "Sagen Sie ihr Bescheid.", bat der Mann abermals und schloß die Augen. Sie brachten ihn zum Heli und ins Krankenhaus. Auf dem Rückflug war Marc äußert still so, dass Jens erfahren wollte: "Was ist denn los? Du bist so schweigsam." Er schüttelte den Kopf und antwortete: "Irgendwie war der Typ komisch. Er hat mich gebeten, Gina zu sagen, was passiert ist. Sie hat aber nie einen Andrés erwähnt." Peter und Jens sahen sich ratlos an. "Vielleicht ein Schulfreund.", vermutete Peter schließlich. Marc schüttelte wieder den Kopf. "Dafür war er zu jung. Er ist mindestens fünf Jahre jünger als Gina."
Eine halbe Stunde später kam Marc nach Hause, wo Gina bereits alles für einen gemütlichen Abend vorbereitet hatte. "Hallo, mein Schatz." Sie nahm ihm die Jacke ab und umarmte ihn. "Na, mein Engel? Hier ist es ja schon richtig wohlig." Sie küssten sich lange, ehe sie ins Wohnzimmer gingen und sich auf dem Sofa aneinander kuschelten. "Hattet ihr noch einen Einsatz, du bist etwas später als gesagt." Marc nickte, küsste sie und sah sie dann zweifelnd an. Sie merkte, dass irgendwas nicht stimmte und schaute ihm tief in die Augen. "Ist was passiert?", forschte sie. "Der Verletzte hat gesagt, ich soll die erzählen, was passiert ist. Er scheint dich zu kennen." Sie richtete sich nun auf und schaute ihn direkt an. "Sein Name ist Andrés, hat er gesagt." Ihr Blick verriet großes Entsetzen. "Ist er schwer verletzt?" "Nein, nur Beinbruch. Kennst du ihn? Du hast noch nie von ihm erzählt." Gina sprang auf und lief in den Flur. "In welches Krankenhaus habt ihr Andrés gebracht?", rief sie von draußen. "Barmherzigen Schwestern Rosenheim. Was hast du vor?" Er war ihr inzwischen gefolgt und sah sie nun vollständig angezogen im Flur stehen und nach ihren Autoschlüsseln suchen. Als sie sie fand, ging sie zu ihm und drückte ihm einen Kuss auf die Lippen. "Nicht böse sein, aber ich muss zu ihm. Ich komm dann morgen zum Dienst." Mit diesen Worten war sie aus der Tür verschwunden und Marc stand allein im Flur und starrte auf die Tür. Andrés, wie sie den Namen ausgesprochen hat, besorgt und voller Liebe wie sie sonst nur seinen aussprach. Er seufzte schwer und ging zum Telefon. "Jens, ich bin’s, Marc. Habt ihr noch nen Platz im Kino frei. Gina ist zu diesem Andrés gefahren."
Gina stand an der Rezeption des Krankenhauses und stritt sich mit der Oberschwester. "Ich möchte jetzt sofort zu Andrés da Viega. Ich bin mit ihm verwandt, verdammt noch mal. Ich habe ein Recht darauf ihn zu sehen." Die Schwester schüttelte mitleidig den Kopf, was Gina noch mehr in Rage brachte. "Es tut mir leid, Frau Aigner. Die Besuchszeit ist vorbei." Gina haute ihre Hände auf den Tresen und schrie: "Die Besuchszeit war schon vorbei, als er eingeliefert wurde." Ein Arzt kam um die Ecke und erkundigte sich, was der Lärm zu bedeuten hatte. "Diese Dame möchte zu Herrn da Viega, Herr Doktor." Dieser nickte und nahm Gina beim Arm. "Ich kümmere mich darum, Schwester Inga." Nachdem sie ein Stück gegangen waren, fragte der Arzt Gina: "Sie wissen, was für ein bedeutender Patient Herr da Viega ist?" Gina riss sich los und richtete sich mit ihren 1,60 m vor dem Arzt auf. "Natürlich. Wie gesagt, ich bin mit ihm verwandt und sie werden gewaltigen Ärger mit seinem Vater bekommen, wenn ich nicht sofort zu ihm darf." "Schon gut, wir sind direkt auf dem Weg zu seinem Zimmer.", versuchte der Arzt Gina zu beruhigen. Vor der Tür stand ein fast zwei Meter großer Mann mit kurzen, schwarzen Haaren und einem Kreuz wie ein Schrank. Als der Arzt und Gina um die Ecke kamen, blickte er zu ihnen und sein ernsthaftes Gesicht hellte sich auf. "Senora. Es ist mir eine Freude, Sie wieder zu sehen.", begrüßte er sie und nahm die zierliche Frau in seine bulligen Arme, dass man denken konnte, er zerquetscht sie jeden Moment. "Pedro, ich freue mich auch." Sie gab ihm einen zärtlichen Kuss auf die Wange, worauf er errötete. Der Arzt war weitergegangen und nun nicht mehr in Sicht. "Schläft er schon?", erkundigte sie sich bei dem Hünen. "Nein, Senora. Er wartet auf sie." Gina öffnete die Tür und betrat das fast stockfinstere Zimmer. Nur der Mondschein erhellte das Zimmer leicht. Langsam steuerte sie auf das Bett zu. "Hey, Gina. Wenn du hier bist, war es also doch dein Marc." Sie setzte sich auf das Bett und strich ihm über die Haare. "Ja! Sag mal, was machst du bloß." Er richtete sich auf und umarmte sie. "Dich besuchen, was sollte man sonst in Deutschland machen." "Pferderennen?", sagte sie vorwurfsvoll. "Ok, erwischt. Ich bin mit Marc Aurel und Juanita Fidelis hier. Morgen ist ein Rennen." Sie sah ihn entsetzt an und meinte böse: "Schön, dass ich das auch mal erfahre. Du kannst Marc nicht einfach anmelden, schließlich ist er mein Pferd." Er schüttelte lachend den Kopf. "Falsch, er ist Lugia da Viegas Hengst. Du bist Gina Aigner." Sie knuffte ihn und zog einen Schmollmund vom feinsten.
"Das kann ich nicht glauben. Sie hatte alles vorbereitet und ist, als du den Namen genannt hast, auf und davon?", fragte Jens und schüttelte ungläubig den Kopf. Marc zuckte mit den Schultern und sah betrübt zu Boden. "Und wie heißt der Typ?", erkundigte sich Anna. "Andrés........Andrés da Viega.", antwortete Marc bedrückt. Annas Mund öffnete sich langsam und sie blickte ihren Vater und Marc entgeistert an. "Habt ihr eine Ahnung, wer das ist?", brachte sie nach einer Weile stockend heraus. "Nein, aber nach deinem Blick zu urteilen, wirst du es und gleich sagen.", erwiderte Jens locker. "Andrés da Viega ist der Sohn einer, der bekanntesten Milliardäre Spaniens: Julio da Viega. Julio versucht seinen Sohn gerade dazu zu bringen sich eine Frau zu suchen. Der Typ ist 25 Jahre und hat die geilsten braunen Augen der ganzen Welt. Er ist das Gesprächsthema überhaupt bei uns auf Arbeit und in der Ausbildung." Die Bewunderung in Annas Stimme wurde immer größer so, dass ihr Vater und Marc sich zu erschlagen fühlten um etwas zu entgegnen. "Und Gina kennt ihn. Wenn ich das morgen erzähle, dass glaubt mir keiner. Vielleicht stellt sie ihn uns ja vor." Anna lief aufgeregt zum Auto, Marc und Jens schüttelten bloß die Köpfe und trabten hinterher. "Woher kennt sie den Typen bloß?", fragte Marc, doch Jens kannte die Antwort genauso wenig wie er selbst.
"Wo ist Frau Aigner?", fragte Höppi, als er in den Aufenthaltsraum kam und alle da waren außer ihr. "Gute Frage, nächste.", knurrte Marc. Karin, Michael und die restlichen zuckten nur mit den Schultern. "Sie kommt sicher gleich.", meinte Michael. Inzwischen wussten alle von den Geschehnissen des letzten Tages. Plötzlich hörten sie von draußen Gelächter und wenig später lief Gina mit zwei Männern, beide größer als sie, am Fenster vorbei. Der kleinere der beiden lief mit Krücken. Er und Gina schienen sich angeregt zu unterhalten und so manchen Scherz zu machen, da sie gar nicht aufhörten zu lachen. "Morgen.", kicherte sie, als die drei den Raum betraten. "Frau Aigner, sie sind zu spät. Ihre Schicht hat schon vor zwanzig Minuten angefangen." Sie versuchte sich das Lachen zu verkneifen und sah Höppi schuldbewusst an. "Entschuldigung, aber wir waren noch was einkaufen.", antwortete sie und deutete auf den größeren der beiden Männer, der nun einen Korb mit Essen und Trinken hochhielt. Anschließend ging sie zu Marc um ihn ein Tag-Küsschen zu geben. Er drehte sich jedoch weg so, dass sie gezwungen war ihn aufs Haar zu küssen. Gleich darauf bekam er eine Kopfnuss. "Ich sagte, nicht böse sein." Sie sah ihn eindringlich an, Marc starrte aber weiter stur auf den Boden. "Eben nicht." Sie ging zurück zu den Männern und forderte: "Stell den Korb hier ab, Pedro. Ich zeig euch erst mal mein Baby." Damit verließen die drei den Aufenthaltsraum und gingen zur Hangartür. Anna saß neben ihrem Vater und starrte in die Richtung, als Stella plötzlich feststellte: "Meine Güte, du hast nicht untertrieben, der hat wirklich geile Augen." Anna und Karin nickten stumm und letztere bekam strafende Blicke von Michael. Von draußen hörten sie einen der Männer Lisa rufen. "Sogar den Hund kennt er, ich kriege nen Anfall.", brüllte Marc und seine Kollegen sahen ihn ängstlich an.
Andrés knuddelte die Hündin, deren Schwanz sich wie ein Propeller drehte. Höppi war ihr gefolgt und richtete sich an sie: "Frau Aigner, dürfte ich erfahren, wer die Herren sind?" Sie lächelte ihn verspielt an und meinte lediglich: "Alles zu seiner Zeit." Dann geleitete sie die Männer zur BK117 und erklärte ihnen einige Dinge. Nach einer halben Stunde kehrten sie in den Aufenthaltsraum zurück, wo kräftig geraten wurde, woher sie sich kannten. Nur Marc saß stumm zwischen ihnen und brütete vor sich hin. Nachdem er fast vollkommen ausgeflippt war, hatten die anderen sich entschieden ihn links liegen zu lassen. Gina stand nun in der Tür und beobachtete die rege Unterhaltung, bis Peter es bemerkte und die anderen auf sie hinwies. "Weiter, weiter. Es ist köstlich euch zuzuhören. Echt interessant, was ihr mir zutraut, aber es ist wesentlich simpler, meine Lieben.", lachte sie vergnügt. Auch Andrés und Pedro konnten sich das Lachen nicht wirklich verkneifen. "Ich stelle euch erst mal vor. Also Andrés, Pedro, die Schmollkugel in der Mitte ist mein Verlobter Marc Harland. Das sind Peter Berger, seine Frau Stella und ihr Sohn Oliver. Karin Thaler und Michael Lüdwitz, ihres Zeichens Notärzte, wie die Schmollkugel. Florian Lenz ist der Sani in meiner Truppe, Peter in der anderen. Und last but not least, Jens Köster, Pilot A Crew, und seine Tochter Anna. Zu Michael und Karin gehören eigentlich noch Lisa und Laura. Max habt ihr gerade draußen kennengelernt und Höppi auch. Und für euch anderen, darf ich euch meinen Sandkastenkumpel Andrés da Viega und seinen Bodyguard Pedro Fernandez vorstellen." Manche Gesichter wurden vor Überraschung bleich andere rot. "Und wir haben uns die schlimmsten, absurdesten Gedanken gemacht.", sagte Karin verlegen. Gina blickte Marc an, der seinen Kopf auf die Hände stützte. Sie lächelte und ging zu ihm. Sanft strich sie ihm über das Haar. Er lehnte seinen Kopf an ihren Bauch und umarmte sie ganz fest. "Es tut mir leid. Aber deine Reaktion gestern." Sie Hockte sich hin, um ihn in die Augen zu schauen. "Schon gut, ist meine Schuld, schließlich habe ich nie was erzählt. Krieg ich jetzt nen Kuss.", sah sie ihn flehend an. Kaum waren die Worte ausgesprochen, klebten seine Lippen an ihren und er zog sie auf seinen Schoß. "Ok, die können wir kurz vergessen." Anna wandte sich Andrés zu und lächelte ihn an. "Ein Problem hätte ich da aber noch. Ich dachte, Ginas Vater ist Italiener und nicht Spanier. Wie haben sie sich da kennen gelernt?" Er lachte kurz und antwortete: "Ihr könnt mich ruhig duzen. Gina soll ich erzählen?" Die Leutchen nickten und Gina winkte bloß, was im Moment, wohl ja heißen sollte. "Also, unsere Mütter, Österreicherinnen, waren Freundinnen. Claudia, Ginas Mutter hat Mario Aigner geheiratete und Bella, meine Mama, meinen Vater Julio. Unsere Mütter haben sich oft besucht so, dass ich teilweise in Italien und Gina teilweise in Spanien aufgewachsen ist.", führte er kurz aus. "Und sie?", richtete Michael sich an Pedro, der wie eine Salzsäule in der Tür stand und das Geschehen mit ausdrucksloser Miene verfolgte. "Ich passe seit 22 Jahren auf Senor da Viega und Senora Aigner auf.", erläuterte er knapp. "Senora Aigner?", fragten Karin und Flo wie aus einem Mund und sahen den Hünen unverständlich an. Gina löste sich von Marc. "Er besteht darauf mich so zu nennen." Sie drehte sich so, dass sie Höppler ansehen konnte. "Entschuldigen Sie, Herr Höppler. Denken Sie, es ist möglich, dass ich zwei Wochen frei bekomme?", bettelnd sah sie ihn an und auch von Andrés kam ein wunderbarer Hundeblick auf ihn zu. "Wenn ich Ersatz für Sie bekomme, von mir aus, ja. Wenn nicht, sieht‘s schlecht aus." Mit diesen Worten verließ er den Aufenthaltsraum und begab sich in sein Arbeitszimmer um zu telefonieren. Nun blickte Stella zu dem jungen Mann und fragte: "Wie alt bist du?" Andrés grinste sie frech an, blickte dann zu Gina und machte kurz ein nachdenkliches Gesicht. Beide Damen sahen in wartend und gespannt an. "Ich denke auf jeden Fall jünger als du, Stella." Sofort war sein Blick auffordernd auf die junge Pilotin gerichtet. Stella sah ihn nur verblüfft an und selbst die anderen waren gespannt wie Gina reagieren würde. Doch bevor sie etwas erwidern konnte, sagte Anna: "Richtig, ein Jahr. Denn du wurdest am 13.06.1979 geboren, oder Andrés." Er nickte bewundernd. "Du bist ja sehr gut über mich informiert. Hoffentlich weißt du nicht zu viel.", erwiderte er ernst und blickte zu Gina, die noch immer auf Marcs Schoß saß und Anna ebenfalls mit ernster Mine ansah. Karin unterdrückt einen Lacher und meinte: "Ihr beiden schaut, als ob Anna euch gesagt hätte, dass eure Eltern gestorben sind. Was ist so schlimm daran, dass sie sich über ihn informiert?" Gina schüttelte betrübt den Kopf und Pedro antwortete in seiner trockenen Art: "Nichts ist schlecht, wenn ein Fan alles über sein Idol wissen will. Gefährlich wird es erst, wenn er ihn persönlich kennenlernt." Seine Stimme war rau und tief so, dass allen ein Schauer über den Rücken lief. "Wie meinen Sie das?", erkundigte sich Jens. Gina stand auf und ging zu Andrés und Pedro rüber. Sie starrte Andrés lange an, während ihre Kollegen eine Antwort von Pedro erwarteten. Dieser blieb stumm, wodurch die Spannung wuchs. Plötzlich drehte Gina sich ruckartig um. Kaum merklich hatten sie und Andrés Informationen und Entscheidungen ausgetauscht. "Pedro hat Recht. Es ist zu gefährlich. Ihr müsst, egal was kommt, das Treffen mit Andrés geheim halten, sonst könntet ihr Opfer von Entführung und Erpressung werden und dass würde ich mir nie verzeihen. Wenn mein Urlaub gewährt wird, werdet ihr mich erstmal nicht sehen." In dem Moment kam Höppi rein und bestätigte, dass Gina zwei Wochen frei bekam. Sie lächelte gezwungen und ging zurück zu Marc. Sanft nahm sie seinen Kopf zwischen ihr Finger und beugte sich zu ihm. "Wir sehen uns in zwei Wochen.", flüsterte sie liebevoll und gab ihm einen zärtlichen Kuss. Im nächsten Moment verließ sie mit den beiden Spaniern den Aufenthaltsraum, in dem eine unheimlich Stille herrschte, die als erstes Flo durchbrach: "Was war denn das für ein Auftritt?" Peter nahm Stella in den Arm und sah seine Kollegen zweifelnd an. "Meiner Meinung nach, haben sie uns nicht die Wahrheit gesagt oder etwas verheimlicht." Nun richteten sich alle Blicke auf Marc. "Hey, ich war es, der die ganze Zeit geschmollt. Warum sollte ich mehr wissen?" Anna stellte sich neben Herrn Höppler und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Er nickte und sie verschwand in seinem Büro. "Was will Anna in ihrem Büro?", fragte Max, der das ganze Szenario stillschweigend beobachtet hatte. "Sie wollte im Internet etwas suchen."
Anna saß am Computer und tippte ein paar Befehle ein. Nach einander öffneten sich ein paar Fenster, die in verschiedenen Sprachen waren. "Da haben wir’s.", ließ sie leise verlauten. Sie druckte den gefundenen Artikel und das Bild mit der Überschrift: "Andrés da Viega e su prima Lugia da Viega: los herederos de Julio da Viega.", was soviel hieß wie ‘Andrés da Viega und seine Cousine Lugia da Viega: die Erben von Julio da Viega.’ "Eure Mütter waren nur Freundinnen. Ja ja Gina.", sie grinste, schüttelte sacht den Kopf und schaute sich das Foto an.
Fortsetzung
Drei Tage später. "Morgen ist das Rennen und du willst wirklich reiten?" Andrés stand neben seiner Cousine, die gerade ihren Hengst Marc Aurel striegelte. "Ja, du weißt, dass er mit mir zu Hochform aufläuft.", antwortet Lugia und lächelte den sieben Jahre jüngeren Spanier verschmitzt an. "Ist doch klar, bevor du nach Deutschland gegangen bist, hast du ihn ja auch die ganze Zeit trainiert." Er klopfte dem dunkelbraunen Rheinländer an den Hals und reicht ihm eine Karotte. Von draußen hörte man das Geschnatter und die Blitzlichter der Journalisten. "Die werden staunen, dass meine verschollene Cousine bei einem internationalen Wettrennen wieder auftaucht. Hast du deinen Kollegen die Karten geschickt.", sah er sie fragend an. Ihre braunen Augen blitzten verschwörerisch. "Sind deine Leute darüber unterrichtet, dass sie höchste Priorität haben?", konterte sie im geschäftsmäßigen Ton. Langsam kam wieder die ‚Im-Geschäft-des-Onkels-Auskennende’Seite von ihr zum Vorschein, die sie zurückgesteckt hatte, als sie sich in Deutschland Arbeit suchte. So hatte sie es auch geschafft, ihr Hobby zum Beruf zu machen: Pilotin. Einfach immer frei wie der Wind sein. Genau das selbe Gefühl hatte sie, wenn sie mit Marc Aurel über die Piste flitzte. "Sie wissen, was ihnen blüht, wenn meinen Kollegen hier was passiert.", stellte sie trocken fest und fuhr fort Marc Aurel für das Training fertig zu machen. Plötzlich kam eine junge blonde Frau in die Stallung gerauscht. "Andrés. Was soll dass bedeuten?", schrie sie außer sich. Locker drehte er sich zu ihr um und blickte sie unbeteiligt an: "Was meinst du, Graciela?", fragte er gelassen. "Mein Name steht nicht in den Listen. Wer wird Marc reiten? Es ist ihm noch kein Jockey zugeteilt, wobei du es mir versprochen hast.", brüllte sie. "Würdest du bitte etwas leiser sein? Die Presse brauch nicht jedes Problem im Hause da Viega zu erfahren." Diese Worte brachten die kleine Furie nur noch mehr in Rage. "Ich werde nicht ruhig sein. Versprochen ist versprochen, das hast du selbst gesagt." Er wandt sich wieder Marc zu und gab ihm jetzt einen Apfel, der sofort im Maul des Hengstes verschwand. "Die Umstände haben sich geändert. Tut mir wirklich leid, aber Marc Aurel ist nicht dein Pferd, womit du nicht das Recht hast zu entscheiden, wer ihn bei einem Rennen reitet." Das blonde Gift stützte die Arme in die Hüften und blickte Andrés böse funkelnd und selbst überschätzend an. "Ja, schon. Er ist dein Hengst, aber du hast es versprochen, oder kann man jetzt nichts mehr auf das Wort eines da Viegas halten.", sagte sie schnippisch. Nun kam Lugia aus der Box und stellte sich vor ihren Cousin. "Falsch, ich bin seine Besitzerin, Graciela. Da dieses Rennen hier in Deutschland stattfindet, habe ich mich entschieden, es reiten und von eurer kleinen Abmachung hab ich keinen Schimmer, sorry." Graciela entwichen für einen kurzen Moment die Gesichtszüge, doch genauso schnell hatte sie sich wieder gefangen und ihr überhebliches Lächeln kehrte zurück: "Gina, ach nee, das ist ja eine Überraschung." "Na, für dich immer noch Senora da Viega.", verbesserte Lugia cool. "Tja, wenn Sie da sind, Senora, werde ich mich wohl geschlagen geben müssen." Mit diesen Worten verließ das Luder den Stall. "Sie hatte es schon von Anfang an auf Marc Aurel abgesehen.", sagte Lugia kurz und kümmerte sich dann weiter um das Pferd. "Du solltest vorsichtig sein, Cousinechen. Die heckt bestimmt was aus."
"Aaaahhhh." Graciela stand in ihrem Zimmer und eine Vase musste in einem Tobsuchtsanfall daran glauben. Augenblicklich kamen zwei Hünen in das Zimmer gestürmt. "Senora Conzales, was ist geschehen?", fragte der blonde während der andere sich im Zimmer umsah. Sie reagierte überhaupt nicht, was die beiden allerdings bereits gewohnt waren. "Das werd ich ihr heimzahlen. Taucht einfach auf, wenn ich endlich meinen Durchbruch als Jockey haben könnte.", schrie sie und ein paar Kissen landeten auf dem Boden. "Lou, Emil, was bedeutet Lugia da Viega mehr als ihr eigenes Leben?" Die beiden sahen sich unverständlich an. Dann sagte Emil, der blonde Hüne: "Ihre Tiere und ihr Cousin." Graciela grinste heimtückisch. "Nicht ganz, denkt an Deutschland." Lou legte die Kissen zurück auf die Couch und erwiderte währenddessen: "Ihre Kollegen." Das blonde Aas klatschte zustimmend in die Hände. "Richtig, und wie bring ich sie dazu, dass sie mich morgen reiten lässt?" Emil verstand langsam, worauf seine Chefin heraus wollte. "Wie wäre es, wenn wir sie entführen." Sie sah ihn mit stechend grünen Augen bewundernd an. "Gute Idee, aber sie hat zu viele Kollegen." "Dann müssen wir herausfinden, wen sie am meisten mag, Donna." (donna=span.:Herrin) "Gut und schön, aber wie kriegen wir das raus?", erkundigte sich Lou. "Jedes, ihrer Tiere hat ein Anagramm des Namens irgendeines Kollegen." Graciela sah ihn vorwurfsvoll an. "Wer sind denn ihre Lieblingstiere, ihre ersten?" "Der Rheinländer, Marc Aurel, und die Budjonnystute, Kariin Katharos." "Genau und die entsprechen ihren Kollegen Marc Harland und Karin Thaler. Schnappt sie euch, heute noch." Sie winkte einmal und forderte die beiden so auf, ihre Arbeit zu erledigen. "Ja wohl, Donna." Sie verließen das Zimmer und Graciela ging zum Fenster. "Vorsichtig schob sie die Gardine zur Seite und blickte auf die Straße. "Du wirst schon sehen, was du davon hast, Lugia da Viega."
"Sag mal, Michael. Wo bleibt denn Karin, die hat doch schon seit ner Stunde Dienstschluss. Das Essen wird kalt.", beschwerte sich Laura, die heute für das Abendbrot zuständig war. "Ich weis ja auch nich. Am besten ruf ich mal bei der Basis an." Michael begibt sich zum Telefon und wählt die Nummer. Erst nach dem fünften Klingeln nimmt jemand ab. "Medicopter Basis, Berger." "Hey, Peter ich bin es. Sag mal, wann ist denn Karin losgefahren, wir warten schon ne ganze Weile." "Ähm ja, wir suchen sie gerade. Ihr Auto steht hier noch." "Wie? Die Schicht war doch schon vor einer Stunde zu Ende." "Sie hatten kurz vorher noch einen Einsatz reinbekommen." "Uns warum seid ihr nicht geflogen?" "Weil Marc noch nicht da war, übrigens immer noch nicht." "Und warum sucht ihr Karin? Jetzt lass dir doch nicht alles aus der Nase ziehen." "Sie hatte ihre Kette im Heli liegen lassen und wollt sie holen, das war vor einer viertel Stunde. Sie ist verschwunden." "Habt ihr die Polizei benachrichtigt?" "Ja, natürlich und da Marc irgendwie auch vom Erdboden verschluckt zu sein scheint, haben wir ihn gleich mit als vermisst gemeldet. Die Polizei sagt, es heißt warten, bis sie sich melden oder ein Erpresserschreiben kommt."
Langsam öffnete Karin ihre Augen. Um sie herum war alles schwarz, nur allmählich zeigten sich vor ihr Umrisse. Eine bekannte Männerstimme fragte: "Na, wie fühlst du dich?" Jetzt merkte sie, dass sie mit ihrem Kopf auf seinem Schoß lag. "Müde und Kopfschmerzen.", flüsterte sie. "Wo sind wir?" Er lachte kurz. "Gute Frage, nächste. Ich bin auch erst hier aufgewacht." Sie versuchte sich aufzusetzen, was aber nicht so Recht funktionieren wollte. Es war ihr nicht möglich, sich abzustützen. "Wir sind gefesselt.", stellte er trocken fest. "Was wollen die von uns, Marc?" Endlich hatten sich ihre Augen so weit an die Dunkelheit gewöhnt, dass sie ihren Kollegen erkennen konnte. Vorsichtig stützte Marc sie mit seinen Beinen so, dass Karin sich aufrichten und neben ihn an die Wand lehnen konnte. "Wenn ich das wüsste, wäre ich schon wieder hier raus, hoffe ich.", erwiderte er.
Lugia saß in ihrem Schlafzimmer und konnte nicht fassen, was in dem Brief stand, welchen sie in den Händen hielt.
Senora da Viega!
Wir haben ihre Medicopterkollegen Marc Harland und Karin Thaler in unserer Gewalt. Wir fordern 3 Millionen Euro und dass Graciela Conzales das am heutigen Tage stattfindende Wettrennen mit Marc Aurel reitet. Andernfalls werden ihre Kollegen den Aufenthalt bei uns nicht unversehrt und lebend überstehen.
Tränen schossen ihr in die Augen und schluchzte kaum hörbar: "Marc, Karin. Das darf nicht wahr sein." Es klopfte und Andrés betrat den Wohnraum der gemieteten Suite. "Gina? Bist du soweit? Wir müssen los. Die Rennen beginnen bald und möchte als Mitsponsor nicht unbedingt zu spät zur Eröffnung kommen. Gina?" Er betrat das Schlafzimmer, wo sie noch immer im Bademantel auf dem Bett saß und fassungslos auf den Erpresserbrief sah. "Du bist ja noch nicht mal angezogen. Hey, was ist denn los? Warum weinst du?" Er kniete sich vor sie und sie reichte ihm den Brief. Er überflog ihn kurz und sah sie dann entsetzt an. "Marc und Karin entführt. Wer macht sowas?" "Das liest du doch, Graciela ist dafür verantwortlich, wer sonst?", regte Gina sich auf und fing an im Zimmer auf und ab zu laufen. "So fies kann sie gar nicht sein. Aber ich werde erst mal Papa anrufen, damit die Bank mir soviel Geld auszahlt." "Vergiss es, sie wird das Rennen auf gar keinen Fall machen..... Ich muss Michael anrufen, der macht sich bestimmt schon Sorgen." Sie lief in den Wohnraum und griff zum Telefon. "Wächter.", meldete sich eins der Mädels. "Hey, hier ist Gina. Ist Michael da?" "Nee, sorry, Gina. Micha ist zur Basis. Karin und Marc sind seit gestern Abend verschwunden." "Ich weiß, bei mir ist heute morgen der Erpresserbrief angekommen. Ich ruf die anderen jetzt schnell an, ciao." Schon hatte sie aufgelegt und wählte die Basisnummer. "Medikopterbasis, Lenz." "Flo, hier ist Gina. Hol mir bitte sofort Michael ans Telefon." "Ok." "Was gibt es, Gina?", erkundigte sich Michael, als er am Telefon war. "Wir sind gerade ziemlich beschäftigt. Marc und Karin sind seit gestern Abend verschwunden." "Deshalb ruf ich an. Ich habe heute morgen ein Erpresserschreiben bekommen, in dem die Entführer 3 Millionen Euro verlangen." Es war still am anderen Ende, bis Michael etwas konfus fragte: "Woher sollst du so viel Geld bekommen?" "Das ist doch jetzt unwichtig. Ich werde zahlen, das ist nicht das Problem. Die zweite Forderung macht mir mehr zu schaffen." "Was wollen die denn noch?", hörte sie Jens aus dem Hintergrund fragen. Michael hatte da Telefon auf laut gestellt, damit alle mitbekamen, was sie besprachen. "Ich würde heute mit meinem Pferd an einem Rennen teilnehmen, wozu ich euch karten geschickt habe. Sie verlangen das nicht ich, sondern eine bekannte reitet mit der ich nicht besonders gut klar komme." Plötzlich tippte ihr Andrés auf die Schulter. "Wartet mal kurz, Andrés will mir was sagen." Sie nahm den Hörer runter und hielt ihre Hand davor. "Ich hätte eine Idee, wo sie sein könnten, wenn Graciela etwas damit zu tun hat. Papa hat ihrem Vater für die lange Treue eine Hütte in der Nähe vom Königssee geschenkt. Ich glaube es lag 13°Ost und 47,27°Nord." Sie nickte und nahm den Hörer wieder hoch. "Bin wieder dran." "Du wirst sie doch hoffentlich reiten lassen. Wer weiß, was die sonst mit ihnen machen." "Michael, ich werde dieses Aas auf gar keinen Fall auf Marc Aurel rauflassen, entweder ich oder er startet gar nicht." "Bist du wahnsinnig? Wegen deiner Sturheit bringen die Typen Karin und Marc noch um. Das kannst du doch nicht wirklich wollen?", empörte sich Peter aus dem Hintergrund. "Natürlich nicht, Peter. Andrés hat mir gerade erzählt, dass Gracielas Vater eine Hütte am Königssee besitzt. Sie liegt in etwa 47,27°Nord und 13°Ost." Jetzt meldete sich Jens: "Ich verstehe, wir sind auf dem Weg und du versucht diese Graciela hinzuhalten." "Ihr werdet sie finden, dass weis ich. Viel Glück." Sie legte auf und sah ihren Cousin mit festem Blick an. "Ich ziehe mich jetzt an und dann fahren wir zur Rennbahn. Dort knöpfe ich mir Graciela vor."
Jens und die anderen begaben sich unverzüglich zum Heli. "Trotzdem wüsste ich gern, woher sie das Geld nehmen will.", ließ Florian verlauten. "Das kann ich erklären." Sie hatten gar nicht bemerkt, dass Anna mit eingestiegen war und nun neben Florian saß. "Was machst du hier, Engelchen?", fragte ihr Vater und wollte schon wieder landen, um sie rauszulassen. "Flieg weiter und ich erkläre euch, was es mit der ganzen Sache auf sich hat." Er gehorcht und machte sich auf den Weg zu den angegebenen Koordinaten. "Gina und Andrés sind Cousine und Cousin." Damit stutzten die ersten und Michael sagte: "Ich denke ihre Mütter waren Freundinnen und die Väter können keine Geschwister sein, der eine Spanier, der andere Italiener." "Ihre Mütter waren Schwestern, auch wenn sie es anders erzählt haben. Es kommt aber noch interessanter. Gina ist mit 10 Jahren von ihrem Onkel Julio da Viega adoptiert worden, weil ihre Eltern und ihre Tante bei einem Segeltörn verschollen sind. Jahre später ist ihr Vater wieder aufgetaucht. Sie war überglücklich, weil sie so der Gesellschaft ihres Onkels entfliehen konnte. Da sie die einzige weibliche Person im Hause da Viega war, musste sie zu allen möglichen Veranstaltungen, seit sie 14 Jahre war. Am Ende ist sie dann nach Österreich und Deutschland. Sie hatte immer ein gutes Verhältnis zu ihrem 7 Jahre jüngeren Cousin, auch als sie zu ihrem Vater zurück ist und das zu ihrem Onkel hat sich seitdem auch wieder verbessert. Ich denke, von ihm bekommt sie das Geld." Die Herren hatten Annas Ausführungen still zugehört. "Wow. Unsere Gina hat einen stinkreichen Onkel und arbeitet als Pilotin, wo das Gehalt nicht gerade berauschend ist.", brachte Peter schließlich raus. "Warum arbeitet sie überhaupt? Ich würde mich auf die faule Haut legen, wenn ich die Chance hätte.", regte sich Florian mehr künstlich, als wirklich auf. "Hey, Leutchen. Königssee in Sicht. Haltet die Augen nach dieser verdammten Hütte offen.", forderte Jens seine Kollegen auf.
Karin schlief, noch bevor es hell geworden war, wieder ein. Inzwischen schien die Sonne auf das Gebäude in dem sie festgehalten wurden. Marc versuchte Geräusche in der Umgebung aus zu machen, die darauf hin weisen konnte, dass hier Menschen lebten. Doch das einzige, was er vernahm, war das Vogelgezwitscher. Langsam erwachte Karin. Ihren Kopf hatte sie an Marcs Schulter gelegt. Schläfrig sah sie sich um, bevor sie die Augen ganz öffnete und herzhaft gähnte. Marc lächelte und sah sie liebevoll an. "Na, Schlummermaus." Sie hob den Kopf und wandt sich ihm zu. "So hat mich noch keiner genannt." Er zuckte die Schultern und erwiderte grinsend: "Hab auch die ganze Zeit überlegt, wie ich dich nennen könnte, wenn du dann mal wieder erwachst." "Wir scheinen in einer Scheune oder so zu sein.", stellte sie fest, nachdem sich ihre Augen wieder an das Licht gewöhnt hatten. Durch einige Ritzen in den Wänden fiel das Sonnenlicht in das Gebäude. Vor ihnen türmte sich ein Hügel von trockenem Stroh auf. Lediglich im oberen Abschnitt gab es an jeder Giebelseite ein Fenster und rechts von ihnen war ein Tor. Plötzlich knurrte Karins Magen auch für Marc gut hörbar. Sie errötete leicht und grinste. "Lass mal, mir geht es genauso.", beruhigte er sie. Von draußen waren Schritte zu hören. Zwei Männer flüsterten miteinander. Dann öffnete sich die Tür und grelles Sonnenlicht fiel auf die beiden Gefesselten. Kurz darauf kamen die zwei Meter langen Männer mit dem Kreuz eines Bärens in die Tür. Sie trugen Masken, damit man sie nicht erkennen konnte. "Aah, die Doktoren sind wach.", sagte der Rechte und sie kamen auf Mark und Karin zu. Ziemlich unsanft wurden sie auf die Beine gezogen. "Los mitkommen." Als sie aus der Scheune kamen, bot sich den Entführten ein atemberaubender Blick auf den Königssee. Die beiden Hünen schubsten sie in Richtung einer Hütte. "Ich versteh gar nicht, warum wir denen was zu essen geben sollen. Wenn die da Viega zahlt, lassen wir sie doch so und so wieder frei.", flüsterte einer der beiden und trieb Marc dabei mit einer Waffe an, schneller zu gehen. "Gott, hier geht es doch nicht ums Geld, sondern um den Gaul und den Ruhm, den der erhält, der heute mit dem Mistvieh das Rennen gewinnt." Am Haus angekommen, stolperten die gefesselten in die Küche und musste sich auf eine Gartenbank setzen, die unterm Fenster stand. Einer der Männer löste die Fesseln, machte eine Hand der beiden aber wieder an der Bank fest. Anschließend stellten sie ihnen zwei Teller mit geschmierten Broten. "Hier, für eure Mägen." Die Entführer verließen die Küche und begaben sich ins Wohnzimmer. Marc machte sich sofort ran die Fesseln zu lösen. Da es nur Stricke waren, schaffte er es nach einigem hin und her Karins Hand frei zu bekommen. Sie drehte sich zum Fenster und öffnete es leise. In der Zwischenzeit war auch Marc frei. Vorsichtig stiegen sie raus und liefen einen Weg, der vermutlich zur Straße führte, hinunter.
"Meine Güte, hier gibt es viel zu viele Hütten. Sie könnten über all sein.", stellte Peter frustriert fest, während er mit einem Fernglas die Wälder am Ufer des Sees absuchte. "Das ist sinnlos, so finden wir sie nie.", meinte Florian geknickt. "Flieg genau zu den angegebenen Koordinaten, Jens. Vielleicht bringt das ja mehr, als Ewigkeiten hier hin und her zu fliegen.", schlug Michael vor. "Ey, Doc."
"Sag mal, ist das nicht ein Heli?", meinte einer der Hünen und lief in die Küche. "Scheiße, die sind aus dem Fenster getürmt.", schrie er und kehrte ins Wohnzimmer zurück. "Los zum Auto, wenn sie den Weg genommen haben, kriegen wir sie." Sie hechteten zum Auto und schlugen die selbe Strecke, wie die Fliehenden ein.
Die waren an der Straße angelangt und liefen einfach ziellos weiter. Als auch sie den Heli hörten stoppten sie und sahen zum Himmel. "Das ist eindeutig eine BK117.", meinte Karin fest überzeugt. "Dein Funkgerät. Hast du das noch?" Sie griff an die Tasche in der Hose und zog es raus. Sofort versuchte sie Kontakt herzustellen. "Medikopter 117. Hier spricht Karin." Nichts. "Versuch eine andere Frequenz.", forderte Marc sie auf und zog sie inzwischen weiter. "Medikopter 117. Hier spricht Karin." Wieder nichts. "Versuch es weiter." Sie wollte gerade zum dritten Mal funken, als sie gegen Marc rannte. "Sackgasse.", stellte er tonlos fest. Dann ertönte ein Schuss und hinter ihnen erschien der Wagen der Entführer. Marc nahm Karins Hand und zog sie in den Wald. "Verdammt, Medikopter. Meldet euch, sie schießen auf uns.", schrie sie verzweifelt ins Funkgerät.
Fortsetzung
Gina und Andrés waren auf dem direkten Weg zu den Stallungen. Dort angekommen, begaben sie sich als erstes zu den beiden Rennpferden Marc Aurel und Juanita Fidelis um nach ihnen zu sehen. Bei Marc Aurel trafen sie, wie Gina es vermutete, Graciela an. Sie striegelte den Hengst gerade. "Guten Morgen, ihr beiden.", begrüßte die blonde Frau den Spanier und seine Cousine. "Was machst du hier schon so früh?", wollte Gina sofort erfahren. "Ich dachte, ich nehme ihnen etwas Arbeit ab und bereite Marc schon auf das Rennen vor.", erwiderte Graciela arschfreundlich, wie Gina es titulierte. "Kann es sein, dass das auch einen anderen Grund hat?", erkundigte sich Andrés und sah seine Bekannte streng an. "Nein. Was denn auch?" Gina kramte aus ihrer Tasche den Brief raus und hielt ihn ihrer Erzfeindin hin. Die nahm ihn und las ihn in Ruhe durch. Gespielt fassungslos schüttelte sie den Kopf und schaute die beiden Herrschaften geschockt an. "Das ist ja furchtbar. Habt ihr eine Ahnung, wer so etwas machen könnte?" Andrés und Gina sahen sich kurz an, bis er dann antwortete: "Eigentlich haben wir da an dich gedacht, da du die einzige bist, die davon profitiert." Graciela blickte ihn entsetzt an und fing anschließend an zu lachen. "Wie könnte ich so etwas machen? Wir waren die letzten drei Tage fast jede Minute zusammen. Ich hätte überhaupt keine Zeit.", spottete sie kichernd. "Wo sind denn deine Kampfpudel, Lou und Emil? Die hängen dir doch sonst immer an der Schleppe.", forschte Gina und streichelte dabei Marc Aurel über den Hals. "Sie wären stark genug Marc und Karin zu überwältigen.", fügte Andrés verschwörerisch hinzu. Graciela wurde langsam nervös und schaute sich unsicher um. Daraufhin winkte Andrés und zwei Polizisten betraten den Stall. "Frau Graciela Conzales, wir verhaften Sie wegen der Anstiftung zur Entführung von Karin Thaler und Marc Harland." Der Jüngere legte ihr Handschellen an. "Das können sie gar nicht beweisen.", beschwerte sie sich. "Meine Kollegen sind deinen Bluthunden auf der Spur und werden Marc und Karin finden. Ich bin mir sicher, sie werden singen wie die schönsten Kanarienvögel.", entgegnete Gina ruhig. Als die Polizisten und Graciela die Stallungen verlassen hatten, drehte Andrés sich zu Gina und blickte sie besorgt an. "Wollen wir hoffen, die anderen finden sie auch." Sie nickte stumm und drückte ihr Gesicht fest an den Hals des Hengstes.
"Karin, wir hören dich. Wo seid ihr?", meldete sich Jens hastig. Karin vor Glück an zu lachen. "Ich weis nicht genau. Im Wald an einem See, oder so." Marc zog sie weiter durch Gebüsch. Hinter ihnen knallten noch immer die Schüsse der Waffen, welche die Männer bei sich trugen. Auch sie schlugen sich durchs Unterholz, hatten durch ihre Größe aber Probleme vorwärts zu kommen. "Versucht zum Ufer des Sees zu kommen. Wir sind irgendwo in der Nähe.", hörte man abermals die Stimme des Piloten aus dem Walkie. Augenblicklich schlugen die beiden Flüchtigen die Richtung zum See ein.
"Da steht ein Wagen. Die Türen sind offen.", sagte Peter, der das Ufer nach den Kollegen absuchte. "Dann sind sie sicher hier irgendwo. Ich geh raus.", führte Flo aus und öffnete die Tür. Vorsichtig stellte er sich auf die Kufen und harkte sich an der Seilwinde ein.
"Karin, da sind sie. Lauf zum Ufer, los.", rief Marc und schubste sie den kleinen Abhang hinunter. "Was ist mit dir?", wollte sie wissen. "Ich komme gleich nach." Sie warf ihm das Walkie zu und rief noch: "Sei vorsichtig.", bevor er sich umdrehte und weiter lief. Die Ärztin rannte bis zum Ufer und ins Wasser, damit ihre Kollegen in der Luft sie besser sehen konnten.
"Da ist Karin.", stellte Michael fest. "Gut, lass mich runter.", sagte Flo und Michael betätigte die Seilwinde. Langsam sank der Sanitäter zu der blonden Frau hinunter. Ihre Haare und das Wasser wurden durch den Rotorwind umher gewirbelt so, dass sie gezwungen war nach unten zu schauen. Plötzlich baumelte Flo vor ihr und legte ihr die Halteschleife um. Genauso gemächlich wie er zu ihr gekommen war, ging es wieder hinauf. "Wo ist Marc?", schrie er auf dem Weg. Sie schüttelte nur den Kopf und rief zurück: "Er hat das Walkie." Oben angekommen, wurde sie von Michael empfangen, der sie sofort umarmte und sie küsste. "Bist du in Ordnung?" Sie gab ihm auch einen Kuss und schrie, um gegen den Lärm der Motoren anzukommen: "Ja, war halb so schlimm." "Willkommen an Bord, Frau Doktor.", begrüßten sie Peter und Jens. Auch Anna umarmte sie, als Karin endlich saß. "Jetzt wollen wir doch mal hören, wo unser Herr Doktor ist.", meinte Jens von vorn.
"Marc, komm zum Ufer. Karin ist schon an Bord.", meldete sich Peter. Marc griff in die Tasche und holte das Walkie raus, wobei er fast stolperte. Wieder ertönte ein Schuss hinter ihm. Der Notarzt rutschte den inzwischen größer gewordenen Abhang hinunter und antwortete außer Atem: "Gut. Lauf auf einen Steg zu." Vor ihm wurden die Bäume lichter und eine kleine Wiese breitete sich aus, an deren Ufer ein Steg lag. Auf der Wiese lagen ein paar Sonnenbader. "Weg. Hauen sie ab. Ich werde verfolgt.", schrie er und fuchtelte mit den Armen. Die Leute sahen sich verwirrt um, als oben am Abhang Emil und Lou auftauchten und wieder auf Marc schossen. Sofort sprangen die Leute kreischend auf und liefen wie aufgescheuchte Hühner zu ihren Autos, die auf einem Parkplatz in der Nähe standen. Der Medikopter war inzwischen über dem Steg. Flo und Peter standen auf den Kufen. Ihr Kollege lief auf den Steg gefolgt von den beiden Hünen. Kaum waren sie unter ihnen, sprangen die Sanitäter hinunter und landeten mit ihnen im Wasser. Gracielas Handlanger waren so überrumpelt, dass sie es nicht mal schafften sich zu wehren so, dass sich beide je, von Flo und Peter, eine harte Rechte einhandelten. Marc stand schwer atmend am Ende des Steges und beobachtete das Szenario. Während die Sanitäter sich mit den Hünen abmühten, sie aus dem Wasser zu zehren, landete Jens auf der Wiese. Michael, Karin und Anna liefen sofort zu ihnen um zu helfen. Sie legten die Männer mit den Rücken aneinander und Karin fesselte ihre Hände mit Mullbinden. "Die reißen nicht so leicht.", kommentierte sie ihre Arbeit. Anna tat dasselbe mit den Füßen. Michael hatte sich neben die nassen Pudel gehockt und knuffte sie an die Oberarme. "Gute Arbeit, aber nächstes Mal bitte ohne solche Wellen." Sie sahen ihn vorwurfsvoll an und er grinste frech. "Haha.", antworteten sie im Duett. Jens hatte sich zu Marc begeben, der inzwischen zu seinen Kollegen an Land gekommen war. "Na, wieviel Fett ist weg?" Marc schüttelte abwehrend den Kopf. "Null Ahnung. Ich weiß jetzt aber, was Gina meinte. Bloß das es nichts genutzt hat, dass sie abgehauen ist, entführt wurden wir ja trotzdem." Alle lachten und Karin ging zu ihm. "Schön, dass jetzt alles wieder gut ist." Er blickte sie an und lächelte erschöpft. Anna sah auf die Uhr und sagte: "Ähm, ich will ja nicht stören, aber das Rennen beginnt in ein paar Minuten." Alle, außer Karin und Marc, die ja nichts von Annas Erklärungen mitbekommen hatten, sahen sich hektisch an. "Oje, eine da Viega lässt man lieber nicht warten.", meinte Jens und hechtete zum Heli gefolgt von Anna, Michael, Peter und Flo. Karin und Marc sahen sich unverständlich an. "Das haben die Typen vorhin doch auch gesagt, eine da Viega." Karin blickte den Notarzt fragend an. Der nickte und rief den Kollegen hinterher. "Wer ist diese da Viega?" Dabei liefen die beiden Notärzte auch zum Heli. Karin war schon eingestiegen als Michael antwortete: "Deine Verlobte." Marc stoppte vor der Tür und sah ihn zweifelnd an. "Gina?" Der ältere Kollege blickte ihn nickend an und zog Marc ins Innere der BK117.
Gina saß bereits auf dem Rheinländer und blickte nervös auf die Zuschauertribüne. "Ich reite nicht, solange ich nicht weiß, ob es Karin und Marc gut geht." Andrés stand neben ihr. Auch er versuchte sie auszumachen. "Es sind aber nur noch fünf Minuten, dann beginnt das erste Rennen. Wenn Marc Aurel alle gewinnt, ist er der Champion der Saison." Die braunhaarige Frau nickte stumm. "Ich muss jetzt hoch zur Eröffnung. Abermals nickte sie. Der Spanier begab sich zur nächsten Treppe. Marc wieherte laut und schlug unruhig mit seinem Schweif um sich. "Du merkst, dass ich nervös bin. Macht dir keine Sorgen, nachher bin ich ruhiger." Sie klopfte ihn an den Hals, aber er trabte weiter unruhig auf der Stelle.
Anna voran hechtete die Medikoptercrew eine der hinteren Treppen der Tribüne hoch. Oben sah sich die erste hektisch nach einem bekannten Gesicht um. "Da oben ist Andrés.", rief Jens‘ Tochter und winkte die anderen heran. Gemeinsam liefen sie in die Richtung und Anna rief: "Andrés. Andrés." Er drehte sich um und schaute genau zu ihr nach unten. "Anna.", schrie er erfreut. Sie deutete hinter sich und brüllte, um den Lärm der Zuschauer zu übertönen: "Marc und Karin." Er blickte zu ihnen und nickte, dann drehte er sich zu Pedro: "Hol sie hoch.", befahl er und Pedro war innerhalb einer Minute eine Etage tiefer. "Kommen sie her.", forderte er die beiden auf, griff über die Brüstung und hob Karin rüber. Kurze zeit später stand auch Marc neben ihnen. Zusammen gingen sie wieder die Treppe hinauf. Der Sprecher hatte die internationalen Pferdewettrennenwochen bereits eröffnet und las gerade ein paar Sponsoren auf. "Seid ihr beide o.k.?", fragte Andrés, als sie bei ihm standen. "Ja, alles halb so schlimm." "Wir sind unverletzt.", antworteten die beiden. "Was ist mit Gina? Sie muss doch wissen, dass wir hier sind.", meinte Marc und sah den jungen da Viega gespannt an. Der nickte nur: "Ich hab schon eine Idee."
"Verdammt, taucht endlich auf.", flüsterte Gina fast den Tränen nahe und streichelte dem Rheinländer schon zum Millionsteln mal über den Hals. Immer wieder schweifte ihr Blick über die Tribüne, aber sie konnte niemanden erblicken. Sie wollte schon absteigen als der Sprecher sagte: "... und der letzte aber damit nicht unwichtigste Sponsor, Senor Andrés da Viega. Er wird uns jetzt die Aufstellung des ersten Rennens verraten. Senor." Der Mann übergab ihm das Mikro und Andrés begann zu sprechen. "Danke. Bevor ich die Liste der Teilnehmer des ersten Rennens vorlese, möchte ich doch ganz gerne meine Cousine, Lugia da Viega, beruhigen, die heute als Jockey auf ihrem Rheinländer Marc Aurel sitzt. Hier sind zwei, die dir was sagen wollen." Sie sah verwirrt hinauf, konnte ihn jedoch wegen der Höhe nicht ausmachen. "Lugia, uns geht es gut.", hörte sie Karins Stimme und kurz darauf auch Marcs: "Du schaffst das, ich liebe dich." Schon fiel alle Last von ihr ab und sie fing an zu lachen: "Marc, Karin. Hast du das gehört? Ihnen geht es gut. Jetzt starten wir beide durch." Zufrieden streichelte sie den Rheinländer, der es genau merkte, dass seine Besitzerin nun nicht mehr so angespannt war und stand jetzt ganz ruhig auf einer Stelle. Andrés las die Namen der Pferde und ihre Startnummern vor und sie wurden in die Startboxen geführt. Kaum fiel der Startschuss, schnellten die Pferde über die Rennbahn. "Welche Nummer hat Gina?", fragte Max, der inzwischen gekommen war und schaute auf seine Wettzettel. Andrés, Karin, Marc und Pedro setzten sich zu ihnen. "Ich glaub die 11.", antwortete Peter und versuchte ihre Position mit einem Feldstecher auszumachen. "Die 12 liegt vorn, dicht gefolgt von der 2 und 7. Der Favorit, die Nummer 11, ist im Moment auf Platz 5.", meldete der Sprecher. "Sie ist sehr weit hinten, Andrés.", meinte Jens und schaute zu Ginas Cousin. "Ihre Masche.", kommentierte er knapp und verfolgte sie ebenfalls mit einem Fernglas. "Die letzte Kurve vor der Siegesgraden und der Champion ist auf Platz 6 zurückgefallen." "Los jetzt und zeig, was du drauf hast.", flüsterte die junge Piloten dem braunen Hengst zu. Als hätte er jedes Wort verstanden, legte er an Tempo zu und begann ein Überholmanöver auf der äußersten Bahn. "Schauen sie sich das an. Die Nummer 11 startet eine Aufholjagd. Platz 4, Platz 2, er überholt die Nummer 12, liegt nun vorne und entfernt sich immer mehr vom Feld." Das Publikum jubelte vor Überraschung und auch die Medikoptercrew hielt es nicht auf ihren Plätzen. "Nur noch wenige Meter.... Marc Aurel gewinnt mit riesigem Vorsprung das erste Rennen.", verkündigte der Sprecher und die Zuschauer jubelten vor Begeisterung, am lautesten aber wohl Max. "Gewonnen, gewonnen.", rief er aus und hastete zu den Schaltern. Seine Kollegen lachten vergnügt und Andrés bat sie mit ihm zu kommen.
"Das hast du gut gemacht, mein Großer.", lobte Gina ihr Pferd und trabte langsam zu den Stallungen. Mit einem Satz sprang sie runter und führte ihn in seine Box, wo sie ihn absattelte und abrieb. Die ganze Zeit grinste sie wie ein Honigkuchenpferd vor sich hin und seufzte ein paar mal. "Gina.", wurde sie plötzlich aus den Gedanken gerissen. Schreckhaft drehte sie sich um und sah in zwei blaue Augen, die sie anfangs überhaupt nicht zu ordnen konnte. Erst als sie sich gefangen hatte, merkte sie das Karin direkt vor ihr stand. "Hast es aber ganz schön spannend gemacht.", sagte sie und lächelte glücklich. "Karin.", rief Gina jubelnd aus und fiel der Notärztin überglücklich um den Hals. "Hey, nicht so stürmisch.", lachte diese und hatte Probleme das Gleichgewicht zu halten. "Und was ist mit mir?", fragte Marc und schaute schmollend zu ihnen. "Marc.", flüsterte seine Verlobte und löste sich von ihrer Freundin. Langsam ging sie zu ihm und legte vorsichtig ihre Hände auf seine Wangen. Dann zog sie ihn an sich und küsste ihn. "Ich lass dich nie mehr allein.", flüsterte sie liebevoll. "Dreitausend Euro.", schrie Max und lief auf die Gruppe zu. "Gina, du hast mir dreitausend Euro eingebracht." Er umarmte sie stürmisch und küsste sie auf die Wange. Sie sah ihn nur verblüfft an, ohne was sagen zu können, so überrascht war sie von diesem Überfall. Der Mechaniker fuchtelte ihr mit einigen Scheinen vor der Nase rum. Sofort fingen wieder alle an zu lachen. "Oh, Max.", kicherte Peter und schlug ihn freundschaftlich auf die Schulter. "Bedank dich bei Marc Aurel.", forderte Gina glucksend und warf ihm zwei Äpfel zu. Max fang und gab sie dem Hengst. "Das hast du gutgemacht, Doktor." Andrés sah ihn fragend an. "Doktor, wie kommst du denn darauf." Von Gina und ihren Kollegen kamen vorwurfsvolle Blicke. Flo legte seine Hand auf die Schulter des Spaniers und schüttelte ungläubig den Kopf, während Michael sagte: "Nach wem ist das Tier wohl benannt?" Andrés fasste sich an den Kopf und nickte stumm. "Wie geht das jetzt weiter hier?", fragte Anna und schaute lächelnd zu Andrés. "Na ja, heute sind noch 12 weitere Rennen. 11 Ausscheidungsrennen und eins mit den Siegern von allen Rennen. So läuft das jetzt sieben Tage lang ab. Ich hoffe persönlich, dass am Ende entweder Marc Aurel oder Juanita Fidelis, der endgültige Sieger ist. Aber ich vermute, es wird Marc sein, zu mindestens wenn Gina uns treu bleibt. Somit steigt auch sein Züchtungswert und das wird meinem Vater gefallen." Gina knuffte ihn in die Seite und funkelte ihn böse an. "Das meiste Geld bekomme so wie so ich." Marc zog sie, kaum das sie zu ende war, wieder an sich ran. "Kommst du wieder nach Hause?", fragte er mitleidhaschend und blickte sie mit großen Hundeaugen an. Sie strich ihn zärtlich durchs Haar und hauchte kaum hörbar: "Ja." Dabei glänzten ihre braunen Augen freudestrahlend und die beiden küssten sich abermals.
Bereits eineinhalb Wochen später verlief auf der Medikopterbasis wieder alles nach Plan. Wie Andrés es erwartet hatte, wurde Marc Aurel Champion der Wettrennenwoche. Er, Pedro und die Pferde waren inzwischen nach Spanien zurückgekehrt. Die Crew saß gerade im Aufenthaltsraum. Michael und Karin, sowie Marc und Gina kuschelten auf der Couch. Jens, Florian und Peter spielten Skat. Höppler saß in seinem Büro und Max war im Hangar und kümmerte sich um die Walkies. Plötzlich kam Anna hinein gestürmt und rief ganz aufgeregt: "Gina! Papa! Ich habe einen Brief von Andrés bekommen. Er lädt mich nach Spanien ein." Gina sah sie überrascht an. Jens stand auf sah seine Tochter ernst an. "Das kommt gar nicht Frage. Ich lass dich doch nicht alleine in ein fremdes Land." Anna war entsetzt. "Ich bin doch keine 4 mehr, sondern 18.", beschwerte sie sich. "Außerdem wird ihr dort nichts passieren. Dafür sorgt Pedro schon.", meinte Gina versöhnlich. "Darf ich dich daran erinnern, dass Marc und Karin erst vor kurzem entführt wurden, weil man dich erpressen wollte.", empörte der Pilot sich. Marc grinste und sagte: "Du übertreibst, da ging es lediglich um ein Pferderennen. Lass sie fahren." Karin nickte und stimmte ihrem Kollegen zu: "Ja, Gina hat Recht. Pedro wird nicht zulasse, dass Anna etwas zustößt. Komm schon, nicht jeder hat das Glück von einem Milliardärssohn eingeladen zu werden." Anna sah ihren Vater bittend an. "Bitte.", bettelte sie mit treudoofen Blick. Alle schauten ihn flehend an, selbst Peter, Flo und Micha. "Verderb deiner Tochter doch nicht den Spaß.", meinte Michael noch abschließend. Jens sah sich einer Übermacht von flehenden Gesichtern entgegen. "Na gut, aber mach keine Dummheiten." Anna fiel ihrem Vater glücklich um den Hals. "Danke, Paps."
Am nächsten Tag waren alle am Flughafen um Anna zu verabschieden. "Verdreh meinen Cousin ja nicht den Kopf. Mein Onkel würde dich sofort mit ihm verheiraten, so wartet er darauf, dass Andrés sich endlich eine Frau sucht.", flüsterte Gina ihr noch als Warnung ins Ohr, bevor sie sich von den anderen verabschiedete. "Viel Spaß.", wünschten sie ihr noch, als sie eincheckte und ins Flugzeug stieg. "Was hast du ihr gesagt?", fragte Marc seine Verlobte und zog sie fest an sich. Die winkte und flüsterte: "Sie soll nicht mit Andrés flirten, sonst verheiratet mein Onkel die beiden gleich." Marc zuckte mit den Schultern und meinte grinsend: "Ach, dann wären wir doch so ne richtige Familienbande."
The End
Copyright 2003: Kristina