Vom Winde verweht…

 

Leise hörte man durch das geschlossene Fenster die Blätter rauschen. Immer wenn der kalte Herbstwind mit seiner vollen Kraft durch die Bäume fegte, wirbelten die bunten Blätter am Fenster vorbei. Am Fenster von Biggi und Thomas Schlafzimmer. Ihnen machte der tobende Herbstwind vor dem Fenster jedoch wenig aus. Sie lagen eng aneinander gekuschelt unter ihrer Decke und genossen einfach nur die Nähe des andern. Wie auf ein unsichtbares Zeichen hin, öffnet die beiden im selben Moment die Augen. Glücklich blickten sie sich in die Augen. In die Augen, die nichts als Liebe wieder spiegelten. Lange sahen sie sich in die Augen. Thomas liebte den Anblick von Biggis Augen, würde er Biggi nicht vor sich sehen, könnte man ihre braunen Augen glatt, mit denen eines Rehs im Wald verwechseln. „Ich liebe dich.“ Flüsterte Thomas und küsste sie mit seinen warmen Lippen sanft auf die Stirn. „Ich liebe dich auch.“ Gab Biggi ebenfalls flüsternd zurück. Langsam Zentimeter für Zentimeter, unaufhaltsam kamen sich ihre Lippen näher. Sie spürten den heißen Atem des andern auf ihrer Haut. Dann ganz sanft berührten sich ihre Lippen und sie versanken in einen unendlich zärtlichen Guten Morgen Kuss, der einige Minuten andauerte. Als sie sich wieder langsam voneinander lösten sahen sie sich tief in die Augen und lächelten, sie lächelten so glücklich wie sie es waren. Langsam ließ Biggi ihren Kopf auf Thomas Brust sinken. Während er ihr liebevoll durchs Haar strich, lauschte sie den gleichmäßigen Herzschlägen. Sie liebte dieses Geräusch, es verriet ihr so viel über Thomas…

 

Während Biggi und Thomas im Bett lagen und die Nähe des andern genossen, stand jemand einsam und alleine vor dem Hangar. Der rot-gelbe Engel, der auf den Schichtbeginn wartete, doch dies würde noch eine gute Stunde dauern. Die wenigen Sonnstrahlen, die durch die dicke Wolkendecke am Himmel fielen, ließe den Lack, des Helikopters leicht schimmern. Wirbelnd strich der Herbstwind um die Motorhaube auf der das gelbe Medicopter 117 Wappen bangte. Leise heulte der Wind, der Wind, der nur dem Herbst gehörte. Ahnungslos stand der Engel der Lüfte auf seiner Landeblattform vor dem Hangar. Noch wusste niemand, niemand,  nicht einmal der Engel selbst, wusste was in wenigen Stunden geschehen würde. Welche harte Probe er bestehen müsste…

 

Genüsslich schlürfte Biggi ihren ebne gemachten Kaffe. Den sie wie immer zum Frühstück trank.  Thomas saß ihr gegenüber, in seine Zeitung vertieft. Ab und zu blickte er auf um einen Schluck von seinem Kaffe zu nehmen, oder Biggi einfach nur in die Augen zu blicken, in ihre rehbraunen Augen, die die er so sehr liebte. Seit einem Jahr durfte er Biggi schon seine Biggi nennen. Ein Jahr war schon fast vergangen, ein Jahr, das so schön wie noch keines in seinem Leben gewesen war. Das schönste Jahr seines Lebens…  „Komm Thomas, wir müssen los.“  Meinte Biggi und ein leichter Anflug von Wehmut war in ihrer Stimme zu hören. Gerne hätte sie noch länger die Zweisamkeit mit Thomas genossen, das Frühstück in die Länge gezogen, doch die Uhr, die über der Küchentüre hing, war schon wie so oft, anderer Meinung. „Ist gut.“ Meinte Thomas, bevor er den letzten Schluck seines Kaffees austrank und die Zeitung zu Seite legte.

 

Seit etwa einer halben Stunde wartete der Engel nun nicht mehr alleine auf einen Einsatz, die Notärztin Karin Thaler war heute schon ein wenig früher gekommen, da sie noch einige Berichte liegen hatte, die nur so darauf warteten bearbeite zu werden. „Mann ich hasse das.“ Meinte Karin zu sich selbst, während sie über einem Bericht hing. Das kratzen des Kugelschreibers auf dem Blatt Papier, das leise heulen des Windes, der um die Basis fegte, sonst war nichts zu hören.

 

Doch die Stille wurde jäh gestört. Zwei Autotüren knallten, schnelle Schritte waren zu hören. Der Schotter auf dem Basishof knirschte unter den Füßen von Biggi und Thomas die auf den Eingang zu liefen. Die Türe wurde aufgerissen und die beiden Piloten standen bei Karin im Aufenthaltsraum. Der Windstoß, der kurz durch die offene Basistüre gefegt war, hatte die Berichte von Karin durcheinander gebracht. „Oh sorry!“ entschuldiget Biggi sich und half ihr die Berichte vom Boden auf zu heben.

 

Eine halbe Stunde später saßen alle im Aufenthaltsraum um den runden Tisch und unterhielten sich. Nur Biggi und Thomas hatten sich auf dm Sofa nieder gelassen und blätterten gemeinsam eine Helicopter Zeitschrift durch. Peter, Michael und Ralf unterhielten sich angeregt, während Karin noch immer an den Berichten saß. „kann ich dir vielleicht irgendwie helfen?“ wollte Ralf wissen und bat ihr so mit seine Hilfe an. „Nein danke Ralf, das ist leib von dir, aber das sind nur medizinische Berichte und die müssen vom Arzt persönlich bearbeitet und ausgefüllt werden.“ Winkte Karin dankend ab. Sicher hätte sie Hilfe gut gebrauchen könne doch hierbei hätte ihr niemand helfen können. „Rettungsleitstelle an Medicopter 117. Schwere Explosion in einer Fabrik, mehrere Verletzte. Sie werden um Hilfe bei der Bergung gebeten. Wenn mögliche beide Teams. Rosenheim ist bereits vor Ort.“ Können sie übernehmen?“ drang plötzlich, die der Medicopter Crew bekannte Stimme aus dem Lautsprecher. „Medicopter 117 hat verstanden, wir übernehmen.“ Rief Michael noch schnell ins Walki, bevor er zum Heli lief.

 

„Medicopter 117 an Rettungsleitstelle starten jetzt unseren Einsatz. Erbitte genauer Informationen und GPS Koordinaten zum Einsatztort.“ Meldete sich Biggi bei der Leitstelle während sie die Turbinen hochfuhr. „Die GPS Koordinaten sind. 23,98 Nord zu 12,06 West.“ Gab die Rettungsleitstelle zur Antwort und Biggi hob gekonnt ab, sie startete wie immer zu einem Einsatz, immer breit neue Leben zu retten. Doch dieser Einsatz sollte nicht wie jeder andere sein, nicht wie ein Einsatz, wie sie ihn bereits kannten. Nein, der sollte anders Enden und das das Leben eines Menschen völlig auf den Kopf stellen.

 

„Erreiche des Einsatztortes in etwas…30 Sekunden. Over an out.“ meldete sich Biggi noch kurz bei der Rettungsleitstelle, bevor sie auch schon zur Landung ansetzte. Wie auf Federn ließ sei den sie den Helicopter auf dem Boden aufsetzten. Am Einsatzort herrschte bereits reges Treiben, Feuerwehr, Rettungsleute eilten über das Gelände. Die Fabrikhalle  stand teilweise noch unter Flammen. Flammen, die noch von den Feuerwehr Leuten bekämpft wurden. Thomas wartete am Heli, während Karin, Peter, Michael, Ralf und auch Biggi in die Halle gingen, um sich um letzten die Verletzten zu kümmern. Der Pilot war angewiesen hier zu warten, damit immer jemand am Heli war. Thomas war gar nicht wohl bei dem Gedanken, dass Biggi in die Halle ging, gerne währe er gegangen, doch sie hatte sich mit dem Worten: „Ich hab das ja schon öfters gemacht.“ Gewehrt.

 

 

„Alles raus, da hinten sind Spiritusfässer, die können jeden Moment in die Luft fliegen“ hörte Thomas den Feuerwehrmann schreien. Sein Magen krampfte sich zusammen, da drinnen war seine Biggi, die Halle konnte jeden Moment in die Luft fliegen. „Lauf Biggi, lauf.“ Flüsterte Thomas immer und immer wieder. Und da kamen auch schon vier Leute in roten Overalls heraus. Michael, Peter, Karin, Ralf…Biggi?  Wo war Biggi! Sie befand sich nicht unter seinen Kollegen… Thomas wurde panisch. Doch plötzlich das, da hinten am Ausgang sah er sie. Ein Ohrenbetäubender Knall, ein letzter Schrei von Biggi, der von dem Lärm der Explosion verschluckt wurde. Thomas musste sich weg drehen, die heiße Luft brannte in Augen und Lungen.

 

Sie war so schnell vorbei wie sie gekommen war. Thomas wandte sich wieder dem Eingang zu. Was er dort sah, ließ sein Herz kurz aussetzten, seine Augen weiteten sich geschockt, dann rannte er, er rannte so schnell wie noch nie auf Biggi zu. Biggi ja, sie brannte lichterloh, immer und immer wieder schrie sie einen Namen „Thomas!“ „NEIIIIN!“ schrie Thomas auf. Ein Feuerwehrmann stürzte sich auf die brennende Pilotin und versuchte die Flammen mit einer Decke zu ersticken. Dies gelang ihm auch. Immer und immer wieder stöhnte Biggi unter den Schmerzen auf. Michael, Karin, Peter und Ralf starrten ebenso gebannt auf die Pilotin, deren verbrannter Overall sich in die Haut gefressen hatte.

 

Doch sogleich fassten sich die Leute von Medicopter und begannen mit der Versorgung. „Biggi.“ Flüsterte Thomas unter Tränen und fasste vorsichtig nach ihrer völlig verbrannten Hand. Biggi sagte gar nichts, sie hatte ihren Thomas nicht gehört. In dem Moment  der Explosion hatte sie so viel heiße Luft eingeatmet, das sie momentan nichts hören konnte. Außerdem hatte sie die Augen geschlossen, Biggi schien bewusstlos zu sein. „Karin, ich muss ihr einen zentralen Zugang legen, ihre Arme sind zu verbrannte, ich komm nirgends an eine Wähne.“ Meinte Michal verzweifelt Karin nickte und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht, damit sie wieder klar sehen konnte. Peter und Ralf blieb der Mund offen stehen. „Du musst was?“ fragte Thomas entsetzt unter Tränen. „Ich muss ihr einen Zentralen Zugange legen, direkt ins Herz.“ Erklärte Michael ihm und seine Stimme zitterte. Michael legte ihr vorsichtig den Zugang, mitten ins Herz. In das Herz von Biggi, in dem nur einer einen Platz gefunden hatte, ein Mann namens Thomas, der noch immer vorsichtig ihre Hand hielt und sich immer und immer wieder die Tränen aus den Augen wischte. Da lag sie nun seine Biggi, völlig verbrannte, das einzige, das von den Flammen verschont geblieben war, ihr Gesicht. Dieses Gesicht das Thomas so sehr liebte. Würde er das Gesicht nicht sehen, könnte er es nie glauben, dass es Biggi, die Frau seiner Träume war, die vor ihm lag. Völlig entstellt, von den Flammen verbrannte…

 

Plötzlich öffnete Biggi ihre Augen. In ihren Augen war nichts, nichts als Schmerz zu sehen, Schmerzen, die ihr die Flammen, die gnadelosen Flammen zugefügt hatten. Vor ihr sah sie denn Mann, nach dem sie geschrieen hatte, von dem sie die Hilfe erhofft hatte. Doch auch wenn er ihr nur die Hand hielt war es die größte Hilfe, die Biggi je bekommen hätte könnten. „Thomas.“ Flüsterte sie nur kurz, ihr Stimme klang so ganz anders so verändert. Nicht so wie sie Thomas in Erinnerung hatte. „Nicht sprechen..“ flüsterte Thomas leise und strich ihr sanft über die Wange. „So wir müssen sie jetzt ganz schnell auf die Trage heben.“ Wies Michael seine Kollegen an. Biggi schrie kurz auf, als sie die Kollegen hoch hoben, dann fiel sie wieder in die Bewusstlosigkeit zurück. Die Schmerzen die sie verspürte mussten unerträglich sein, doch sie blieb stark, so unendlich stark.

 

Nach 10 Minuten Flugzeit, in denen Michel und Karin unzählige male um das Leben von Biggi gekämpft hatten, erreichten sie endlich die Klinik. Jeder Berührung ihres Körpers war für Biggi trotz des Schmerzmittels eine Qual. Alle liefen neben ihrem Bett her, Thomas hielt die ganze Zeit ihr Hand, wollte ihr die Schmerzen erträglicher machen, doch er konnte nicht, auch wenn er noch so sehr wollte. Widerwillig ließ er Biggis Hand los. Dann schloss sich die Türe hinter den Ärzten, hinter Biggi. Schluchzend sank Thomas in die Knie, da drinnen lag sie nun, seine große Liebe völlig verbrannt, um ihr Leben kämpfend. Vorsichtig legte Michael seinem Freund die Hand auf die Schulter. „Wird sie es schaffen?“ stellte nun Thomas unter Tränen die Frage, die sich alle, jeder einzelne von ihnen stellte. „Ich weiß es nicht Thomas, das kommt ganz darauf an wie viele Prozent Haut verbrannt worden sind.“ Sagte Michael ehrlich. Doch er als Arzt wusste er, das Biggi nicht viele Chancen hatte, wollte jedoch seinem Freund nicht die letzte Hoffnung nehmen, eine Hoffung so klein wie eine Strohalm. Ein Strohalm, der jederzeit brechen könnte und mit ihm die letzte, aller letzte Hoffnung.

 

Mit dem Strohalm würde ein Herz brechen, Thomas Herz es würde brechen und nie wieder würde es sich zu einem ganzen vereinigen. Denn er liebte diese Frau, mehr als sein eigenes Leben. Was würde das Leben für ihn schon ohne sie bedeuten? Für was sollte er denn Leben? Nichts, nichts war die Antwort auf all diese Fragen, die sich Thomas in Gedanken stellte. Seine Gedanken, die sich bei Biggi, bei seiner Biggi befanden. Bei der Pilotin, die um ihr Leben kämpfte, sie kämpfte für Thomas doch der Kampf schien aussichtslos…. Thomas war es müde geworden sich die Tränen aus den Augen zu wischen, es kamen ja ohnehin wieder neue nach.  Sein Overall war schon total feucht, feucht von den Tränen, die dieser Mann für eine Frau vergossen hatte. Immer und immer wieder schickte er Gebete in den Himmel, in den Himmel in dem er schon so oft mit seinem Engel geflogen war. Doch die Gebete, das Flehen, dieses Mannes schienen nicht gehört zu werden…

 

Mit einem leisen surren öffnet sich die Türe zum OP Bereich. Heraus trat ein Arzt, ein Arzt der einen Kittel trug, auf dem Blutflecken zu sehn waren. Thomas wusste wem dieses Blut gehörte, es gehörte einer Frau die er liebte, mehr als sein eigenes Leben. Langsam blickte er ihn in seinen Rotgeweinten Augen in das Gesicht des Arztes, das alles andere als fröhlich drein blickte. „Wie… wie geht es ihr?“ wagte sich Karin dann mit tränen erstickter Stimme zu fragen. „Es tut mir leid, aber ich muss ihnen leider sagen, dass ihre Kollegin nicht mehr länger als eine halbe Stunde zu leben hat…es tut mir aufrichtig leid, aber es sind mehr als 50% ihrer Haut verbrannt.“ Meinte der Arzt leise. „Sie hat was?“ schrie Michael schon fast. „Sie hat nur mehr eine habe Stunde zu leben…“ wiederholte der Arzt betroffen. Thomas wurde bleich, sagte kein Wort. Plötzlich… dieser Schmerz, dieser unbeschreiblich starke Schmerz, in der Mitte seines Herzens. Er steigerte sich von Sekunde zu Sekunde. Immer wenn die Worte des Arztes in Thomas Kopf wieder hallten wurde er stärker. Thomas drohte zu fallen, doch er riss sich zusammen, er wollte noch ein letztes Mal stark sein, ein aller letztes Mal…für Biggi.

 

Langsam öffnete der Arzt die Türe. Da lag sie nun die leidenschaftliche Pilotin. Unzählige Maschinen an ihrem Körper, den Schweiß des Schmerzes und der Anstrengung auf der Stirn.  Mühevoll öffnete Biggi ihre Augen und blickte ihre Kollegen an. Ihre Kollegen hatten Tränen in den Augen, Tränen die sie nur für sie vergossen. Doch Thomas, ja Thomas er war völlig fertig, er vergoss noch mehr Tränen als all die anderen. „Ich weiß, wie es um mich steht…“ krächzte Biggi nur langsam. Betroffen sah jeder von ihnen auf den Boden. „Seht mich an…“ bat Biggi leise. Langsam blickte jeder einzelne von ihnen auf. Jeder blickte in die Augen, in die Augen von Biggi, die jegliche Glanz verloren hatten. „Komm her…“ meinte Biggi leise kaum noch hörbar und versuchte unter größter Anstrengung zu lächeln. Immer und immer wieder rang sie nach Luft. Leise hallte es an den kahlen Wänden wieder. Vorsichtig setzte sich Thomas neben sie und strich ihr über die Wange.  Tränen rannen ihm wie jedem andern auch über die Wangen. „Ich…liebe dich…“ flüsterte Biggi. „Ich liebe dich auch Biggi und ich werde nie damit aufhören.“ Versprach er ihr, bevor er sich zu ihr beugte und sie ein letztes Mal leidenschaftlich küsste. Als sie wieder voneinander abließen hustete Biggi, rang nach Luft, nach der Luft die jeden Moment weniger wurde. Mit ihr ging es zu ende, sie spürte es, sie war dem Tode schon so nahe, bald würde sie sich nicht mehr wehren könne. Bald würde sie von  hier gehen, Thomas hinter sich lassen müssen. Gehen in eine Welt, so fern von dieser…Sie hatte Angst, Angst vor dem Tod danach alleine zu sein, ohne Thomas. Doch was sollte sie tun, der Tod, er hatte sie fast erreicht, lange würde es nicht mehr dauern und er würde sie mit sich ziehen. In eine andere Welt….

 

Rasselnd ging ihr Atem. Jeder Atemzug brannte in ihren Lungen. Lange würde es nicht dauern und ihre Lungen würden versagen. Sie würde ihr Leben und Thomas verlieren.  „Bitte vergesst…mich.. nicht.“ Waren die letzten Worte, die Biggi sprach, bevor sie die Augen schloss und aus diesem Leben austrat. Ein Lahngezogenes piepsten erfüllte den Raum. Tränen rannen ihnen allen über die Wangen. Plötzlich,  die Beine des Piloten sackten unter im weg, er fiel, fiel in ein tiefes schwarzes Loch. Der Schmerz in seinem Herzen hatte sich zum unermesslichen gesteigert, würde er dies überleben Fragte er sich. Wenn nicht war es ihm auch egal, wo zu leben? Mann hatte ihm doch gerade, vor wenigen Sekunden seinen Lebenssinn genommen. Mann hatte ihm alles genommen war, was ihm wichtig gewesen war, in diesem Leben. Nun hatte er nichts, nichts das ihn kämpfen ließ…

 

Thomas hatte gestern einen Kreislaufzusammenbruch erlitten. Michael war nicht zu hause, er wollte die Beerdigung von Biggi organisieren. Die Beerdigung einer Frau, die Thomas so viel bedeute hatte. Tränen rannen ihm über die Wangen, er hatte alles verloren, was ihm lieb war, warum sollte er denn noch weiterleben? Er sah keinen Grund. Langsam stand er auf, er hatte einen Entschluss gefasst, einen Folgenschweren Entschluss. In Gedanken stieg er in sein Auto, startete den Motor und schlug die ihm bekannte Strecke zur Basis ein. Sonst war Biggi immer neben ihm gesessen, hatte ihn begleitet. Doch heute, ja heute war alles anders, er war alleine aufgewacht, er saß alleine im Auto…vorsichtig strich er mit der eine Hand über den Sitze, dort hatte Biggi gesessen. Ja hatte und nun weilte sie nicht mehr unter ihnen, war nicht mehr an Thomas Seite. Er war alleine auf dieser Welt, dachte er jedenfalls.

 

Thomas parkte seien Auto vor dem Hangar und stieg aus. Langsam ging er auf seinen Engel zu, der Wind wehte durch seine Haare. Behutsam strich er dem Helicopter über die Motorhaube. Tränen rannen ihm wieder über die Wangen. „Warum hast du sie nicht gerettet…?“ schluchzte Thomas. Doch war der Engel wirklich schuld am Tod der Pilotin? Hatte er nicht alles getan um das Leben von ihr zu retten? Thomas ließ sich in den Pilotensitz sinken. Gedankenverloren startete er die Turbinen, er liebte diese Geräusch, doch es erinnert ihn wieder so wahnsinnig an seine verloren Liebe Biggi, die ihm jetzt noch so fern war. Ja noch…. Es würde das letzte Mal sein, dass er den Engel flog, dass er den Medicopter 117 Helm,  den Overall trug, dann würde es aus sein, aus für immer…

 

Thomas steuert den Heli auf eine Wiese, auf der er und Biggi oft gewesen waren. Auf der sie so viele schöne Stunden verbracht hatten. Ja HATTEN, die Betonung lag auf hatten, nun war dies alles vorbei. Nur die Erinnerung an diese schöne Tage würde immer, was auch passieren möge, in seinem Gedächtnis bleiben. Immer und immer wieder sah er die Bilder vor seinen Augen, wie sie in der Wiese lagen, wie sie sich küssten, wie sie sich immer und immer wieder den Satz sagten, den Satz, der ihnen so viel bedeutete, er lautete: „Ich liebe dich.“ Nie wieder würde er es aus dem Munde von Biggi hören. Nie wieder. Langsam stieg er aus, die Rotoren seines Engels drehten sich noch immer langsam. Die Wiese lag auf einem kleinen Hügel, wo der Wind nur so heulte, doch das hinderte Thomas wenig an seinem Vorhaben. Am höchsten Punkt des Hügels stand einsam und alleine eine uralte Eiche, deren Äste sich mit einem leisen Knarren hin und her bewegten. Zielstrebig ging er auf den Riesen Stamm der Eiche zu. Vorsichtig strich er darüber, auf diesem Stamm fand er etwas ganz besonders, etwas, dass für immer an die beiden Piloten erinnern würde. In der dicken Rinde des Baumes waren zwei Buchstaben geschrieben und mit einem Herz umrahmt worden. B+T Lauteten diese und darunter stand Zahlen, doch nicht irgendwelche Zahlen, es war ein Datum, ein ganz besonderes für Biggi und Thomas. Genau am 8. August 2002 waren die beiden zusammen gekommen. Der schönste Tag im Leben der beiden. Ja und heute war der 8. August 2003 genau heute vor einem Jahr hatten sie sich kennen gelernt. Und nun von heute auf morgen war diese Liebe, die heute ein Jahr alt geworden währe, zerstört worden…

 

Während er über die leichten Wölbungen in der Rinde strich rannen ihm wieder Tränen über die Wangen. Die Erinnerung an Biggi tat noch zu weh, die Wunden waren noch zu frisch… Thomas blickte in das kahle Äste Gewirr. Da, da ganz oben hingen einsam und alleine zwei Blätter, sie hatten bis jetzt dem starken Herbstwind widerstehen können. Doch plötzlich, wurde eines der Blätter los gerissen und vom Herbstwind davon getragen. „Vom  Winde verweht…“ flüsterte Thomas und zog ein Foto von Biggi und sein Taschenmesser aus der Tasche. Was danach passierte weiß niemand so genau nur der alte Baum, unter dem Thomas mit dem Foto von Biggi an sein Herz gepresst gestorben war. Im Moment von Thomas Tod hatte sich auch noch das letzte Blatt vom Baum gelöst und war vom Winde verweht worden

 

Ende

© 2003: Bettina

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