The Great Comeback
Personen:
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A-Crew |
B-Crew |
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Dr. Mark Harland |
Dr. Karin Thaler / Dr. Michael Lüdwitz |
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Peter Berger |
Florian Lenz |
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Jens Köster |
Molly Willmer |
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Gunnar E. Höppler, Max, Stella Berger, Oliver Berger, Anna Köster, Andrés da Viega, Gina Aigner, Dirk Lüdwitz, Alexander Lenz, Thomas Wächter, Lisa Wächter, Laura Wächter, Biggi Schwerin, Ralf Staller | |
Inhalt: Vorwissen "Todkrank" nötig. Es spielt 6 Monate nach dem Ende der Geschichte. Es werden seeehr viele zurückkommen ^-^ Verweis Personen
Disclaimer: Mir gehören keine dieser Personen und mögliche Ähnlichkeiten zu realen Personen sind rein zu fällig. Gehört alles RTL und der Produktionsfirma, blablabla
Hitze und das liebe Erinnerungsvermögen
Samstag, Medikopterbasis
Die Sonne brannte unerträglich vom Himmel und ganz Deutschland schien in eine Art Sommerschlaf verfallen zu sein. Selbst im Schatten betrugen die Temperaturen um die 35°Celcius. Dies bewirkte, dass die meisten Menschen in ihren Häusern und Wohnungen blieben, da es dort oft noch angenehmer war als draußen. Die armen Schweine, die arbeiten mussten, hatten die Rollos ihrer Arbeitsräume bis zum Anschlag geschlossen und ließen keinen Sonnenstrahl hindurch. Die Krankenhäuser hatten voll auf mit Leuten zu tun, die einen Hitzschlag hatten oder bei denen einfach der Kreislauf sich nicht mit dem Wetter einigen konnte. So ging es auch den Medikoptermitgliedern nicht anders. Höppi hatte sich überreden lassen, eine Klimaanlage im Basisgebäude installieren zu lassen. Die ganze Truppe hockte daher im Aufenthaltsraum und begnügte sich damit, keinen Fuß vor den anderen tun zu müssen. Langsam versuchte Karin sich in eine andere Sitzposition zu bringen, damit ihr Siebenmonatsbauch nicht so störte, gab es aber schließlich ohne Erfolg auf und seufzte stattdessen schwer. Michael, der neben ihr auf der Couch saß, hatte den Kopf auf der Rückenlehne zu liegen und die Augen fest geschlossen. Matt ließ Karin den Kopf an seine Schulter sinken und seufzte abermals.
"Wir haben sie schon wieder ewig nicht gesehen.", flüsterte sie leise und schloss ebenfalls die Augen.
"Mmhh. Sie ist gesund, das ist das wichtigste."
"Trinken?", stand Peter vor ihnen und hielt zwei Gläser Eistee bereit. Er, genauso wie alle anderen männlichen Wesen in diesem Raum, hatte nur seinen Overall an, Hosenbeine hochgekrempelt und den oberen Teil schlaff nach unten hängend. Die beiden Angesprochenen gähnten und nahmen ihm schließlich die Gläser ab. Der Sanitäter schritt bedächtig zurück zu seinem Stuhl und ließ sich darauf fallen. Doch kaum war es ihm möglich einen Schluck seines Eistees zu nehmen, als auch schon die Sirene schrill ertönte. Stöhnend erhoben sich die drei Mitglieder der A-Crew, was Karin ein Lächeln auf das Gesicht lockte.
"Lach du nur. Du brauchst dich nicht zu bewegen bei dieser Hitze.", maulte Jens gekränkt und meldete sich schließlich am Funk: "Medikopter hört!"
"Am Chiemsee wird ein Schwimmer vermisst. Die Polizei erbittet ihre Hilfe bei der Suche."
"Medikopter hat verstanden."
Damit begab auch er sich zum Heli und man hörte kurz darauf, wie sich die Rotorengeräusche mühsam entfernten.
Samstag, Flugschule >Babyangel<
"Also, noch mal. Wie war das?"
Lisa saß im Schneidersitz auf dem kühlen Boden des Hangars und hatte einige Aufschriften vor sich zu liegen. Sie sah ihrem Gegenüber in die Augen und versuchte optimistisch zu wirken. Da dieser zu überlegen schien, schweifte ihr Blick von ihm ab, im Hangar umher. Er war ungewöhnlich groß, was man eigentlich auch nicht anders erwarten sollte in einer Flugschule, die bereits nach einem halben Jahr Arbeit Unmengen Preise errungen hatte. Eine schmiedeeiserne Treppe führten zum Büro im oberen Stockwerk des Gebäudes und wenn man sie hinauflief, hatte man das Gefühl die Tonleiter abzuspielen. Oben erschien Laura und lächelte kopfschüttelnd beim Zögern des Mannes, der vor ihrer Schwester hockte.
"Nun komm schon Paps.", forderte sie ihn auf und ging langsam zu ihnen nach unten. Auch ihr Blick wanderte durch das große Gebäude. Ihr fielen zwei Helikopter, drei Segelflugzeuge und ein Motorflugzeug ins Auge. Alle fein säuberlich geputzt und weiß angestrichen beziehungsweise lackiert. Das zweite Motorflugzeug war mit Schüler und Lehrerin, der Besitzerin der Flugschule, unterwegs. Inzwischen stand die 16jährige neben ihrem Vater und stupste ihn leicht mit dem Fuß an. Thomas seufze:
"Reicht es denn nicht, dass ich mich an euch erinnere."
"Nein!", kam es einstimmig von den beiden Mädchen. Der Mann seufzte gequält und sah die beiden wehleidig an.
"Okay. Michael, mein bester Freund, einen Sohn, Dirk, geschieden, USA Zeugenschutzprogramm, jetzt wieder in Deutschland. Sein Nachfolger, Mark, aus Hamburg, mit Gina zusammen gewesen." Die beiden nickten ihm aufmunternd zu.
"Gabriele, Notärztin der B-Crew, mit Ralf zusammen, tot, und Ralf mit Jenny und Gonzo weg. Pilotin in der B-Crew: Biggi. Mit Enrico, Ralfs Nachfolger, nach Italien. Gina war ihre Nachfolgerin. Enricos Schwester, Stella, ist mit Peter, Sani A-Crew, verheiratet, einen Sohn, Oliver."
"Das hört sich ja schon alles sehr gut an.", kam plötzlich vom Eingang des Hangars. Dort stand eine braunhaarige Frau und lächelte die drei vergnügt an. Langsam setzte sie sich in Bewegung, blieb schließlich neben Thomas stehen und pflanzte sich neben ihn.
"Weiter!", forderte sie den Piloten auf. Er nickte kurz und starrte dann wieder gerade aus, so wie er es bereits davor gemacht hatte. Nun setzten sich auch endlich die Mädchen um ihrem Vater weiter zuzuhören.
"Also, die die ich noch kenne, ist Karin, die Notärztin der B-Crew nach Gabi. Jetzt zusammen mit Michael. Nach mir sind jetzt noch Florian und Jens gekommen. Urgestein ist Max, unser Mechaniker und momentaner Basisleiter ist Herr Höppler."
Die drei Damen um ihn herum nickten zufrieden.
"Geht doch.", flötete die junge Frau, schlug ihm kameradschaftlich auf die Schulter und stand auf.
"Ohne dich, wäre das sicher nicht so leicht gewesen, Gina." Braune Augen lächelten ihn verschmitzt an.
"Tja, Thomas. Ich bin sehr, sehr stur." Damit machten sich diese sturen 1,62m auf den Weg zum Ausgang um mit einem ratterten Geräusch das Tor zum Hangar zu öffnen. Sofort wurde dieser mit purem Sonnenlicht geflutet und die Hitze traf die drei in ihm befindlichen Personen wie ein Hammer. Symbolisch stöhnten die drei und ließen sich rücklings auf den Boden fallen. Zu dem riefen sie übertrieben atemlos nach Wasser. Gina grinste nur und ging geblendet und sich Luft zu fächelnd zu der draußen stehenden Maschine. Seufzend zog sie die Handschuhe wieder über und versuchte die Maschine so zu drehen, dass sie diese gut zurück in den Hangar rollen konnte. Nach einigen Minuten Geschiebe war sie in guter Position. Gina pfiff einmal laut und rief dann:
"Wenn ihr mir helft, geb ich euch einen leckeren Eistee aus."
Sie musste nicht lange warten und wenige Minuten später war die Maschine in der ‚Garage‘ verstaut. Lachend gingen die vier die eiserne Treppe hinauf. In dem geräumigen Büro ließen sie sich erschöpft in ein paar Sessel und auf die Couch fallen. Gina öffnete den Kühlschrank und schmiss jedem eine eiskalte Dose zu. Dann ließ sie sich ebenfalls in einen bequemen Sessel sinken und öffnete die Dose mit einem lautem Zischen. Die vier prosteten sich zu und nahmen einen erfrischenden Schluck des Tees, um genüsslich zu seufzen.
Samstag, Medikopterbasis
Inzwischen war es Abend geworden und die Temperaturen um wenige Grade gesunken. Die Crews saßen zusammen vor dem Hangar an dem langen Biertisch und Jens stand mit Mark ein Stück weiter am Grill. Es roch bereits köstlich nach gebratenen Steaks und Würstchen. Stella kam auf die beiden zu und reichte Mark noch einen Teller mit Spießen. Mark fragte, wo sie diese noch auf dem Grill platzieren sollten, jedoch Stella zuckte nur mit den Schultern und meinte, dass dies nun wirklich ihr Problem wär, da sie ja die Grillmeister schlechthin mimten. Schelmisch grinsend ging sie zurück und setzte sich zu Karin und Molly, die wieder einmal über ihr altes Streitthema redeten: Mark. Stella, die durch Zufall ein Gespräch zwischen Michael und der blonden Notärztin gehört hatte, pflichtete dieser über alles zu.
"Gina wird schon wieder auftauchen. Die Sehnsucht wird die beiden schon wieder zusammen treiben.", war ihr Kommentar zu dieser Problematik und Karin nickte beipflichtend.
"Das versuche ich ihr ja auch schon seit Ewigkeiten klar zu machen."
"Ja, aber nach über einem Jahr. Denkt ihr denn nicht, dass sie das Ganze nicht so ernst zu nehmen scheint.", versuchte Molly, die beiden zu überzeugen. Doch die schüttelten entschieden den Kopf. Weiterhin bequatschten sie die junge Pilotin. Peter der gerade mit Oliver vom Fußball spielen auf dem Rasen an den Tisch kam, schüttelte lächelnd den Kopf. Der kleine Blondschopf neben ihm, griff sich eine der Gurken, die auf einem Teller auf dem Tisch lagen und wollte sie sich in den Mund stopfen. Peter bemerkte es und nahm sie ihm wieder ab, mit der Begründung, dass man sich vor dem Essen die Hände waschen muss, vor allem nach dem Spielen im Garten, etc. Der kleine wirbelt auf den Eingang zu und riss dabei fast Florian um, der zwei Schüsseln mit Salaten balancierte. Im Rennen rief er noch Entschuldigung und verschwand dann im Inneren des Gebäudes, während Florian weiter ging und mit einiger Mühe die Schüsseln auf dem Tisch zum Stehen brachte. Max und Michael belächelten die Versuche vergnügt und schließlich meinte der Notarzt:
"Nicht so übernehmen, Flo. Ansonsten müssen wir dich noch ärztlich versorgen. Wär schade um das Verbandsmaterial."
Grinsend zwinkerte er ihm zu. Flo setzte sich ihnen gegenüber und die drei versanken in einem Gespräch beziehungsweise eher einer Diskussion über den Namen des Nachwuchses. Obwohl niemand wusste, was es wird, Karin behielt es still für sich, kamen nur Jungennamen zum Vorschein. Die Damen, welche dieser Diskussion nun eine Weile zu gehört hatten, fingen an herzlich zu lachen. Karin wollte wissen, wie die drei darauf kämen, es würde ein Junge werden. Ihr Mann und die anderen blickten sie nun irritiert an, bis Michael das Wort wieder fand und seinerseits erfahren wollte, ob die Damen so unverschämt gewesen wären, zu lauschen. Mit Unschuldsminen blickten sie nun drei Augenpaare an. Peter kam seiner Frau zu Hilfe und setzte seinen besten Hundeblick auf, der alsbald von Oliver, der sich nun doch die Gurke in den Mund schob, verstärkt wurde. Dieser geballten Ladung konnten weder Michael, noch Max oder Florian etwas entgegensetzen, stattdessen fingen sie an lauthals zu lachen. Die Bettelblickler setzten fröhlich mit ein, bis sie von Mark und Jens unterbrochen wurden, die der vergnügten Mannschaft zwei Teller mit Gegrilltem vorsetzten.
"Zugreifen!", forderten sie die Kollegen auf und setzten sich ebenfalls. Nach dem Essen saßen sie noch im Schein einiger Kerzen zusammen und genossen den herrlichen Sommerabend. Stella saß im Gras und blickte in den sternenklaren Himmel, an dessen Firmament der Vollmond ein gespenstisch schönes Licht über die Basis und die dort befindlichen Menschen verbreitete. Oliver lag mit seinem Kopf auf ihrem Schoß und befand sich im Kindertraumland. Leise hatte sich Karin genähert und legte ihm eine Decke über, dann beförderte sie sich mit einiger Mühe in die selbe Position wie Stella.
"Was ist? Du scheinst weit weg.", fragte die Notärztin, als sie bequem saß.
"Ja, in Italien."
"Biggi und Enrico?"
Stella nickte stumm und blickte traurig zum Himmelszelt.
"Sie waren doch so glücklich und jetzt streiten sie unentwegt."
"Doch so schlimm?" Die Stimme Karins klang besorgt.
"Ja. Biggi kommt einfach nicht mit Mutter zu recht und Enrico hält nie zu ihr, wenn es Disparitäten zwischen ihr und Mama gibt."
"Biggi hat erzählt, dass deine Mutter wohl verlangt, dass sie unbedingt ein Kind bekommen soll."
Traurig nickend, streichelte die Italienerin ihren Sohn über den Kopf.
"Sie erträgt den Druck nicht, und um so länger es dauert, um so mehr drängt Mama sie und Biggi kann sich erst recht nicht darauf konzentrieren, geschweige denn, will es überhaupt. In Sturheit überbieten die beiden sich noch. Ich befürchte die Beziehung zerbricht daran, und zwar bald."
Mitleidig sah sie zu Karin hinüber, die genauso deprimiert dreinschaute und schließlich tief seufzte. Beiden war es unvorstellbar, dass diese beiden jemals getrennt werden konnten. Enrico war bereits nach Kurzem sehr an Biggi interessiert und auch ihr gefiel der neue Sani. Recht unvorstellbar, dass dieses Traumpaar sich nun trennen sollte. Die beiden Frauen blickten verträumt in den Nachthimmel und hingen ihren Gedanken nach.
Traurige Wahrheit
Sonntag, Medikopterbasis
Die fröhliche Gesellschaft hatte sich am Tage zuvor erst um ein Uhr getrennt. Nun saß die B-Crew etwas müde um sieben Uhr in der Frühe im Aufenthaltsraum und war damit beschäftigt Papierkram zu erledigen. Da Höppler zur Zeit im Urlaub war, hatte sich einiges angesammelt, was nun bearbeitet werden wollte. Michael stöhnte, ließ den Stift fallen und reckte sich gähnend in alle Himmelsrichtungen. Anschließend stand er auf und ging augenreibend in die Küche. Murrend goß er sich dort eine Tasse voll mit schwarzen, heißen Kaffee. Seine Gedanken schweiften zu seiner Liebsten, die noch immer im Bett gekuschelt lag und vor sich hin schlummerte. Er grinste bei dem Gedanken an die verquere Lage ihres Körpers und dessen Gliedmaßen, da sie aufgrund des Babybauches keine geeignete Schlafposition fand. Mit den Gedanken an dieses Bild setzte er sich wieder und nahm die Arbeit wieder auf. Molly musste auch grinsen, als sie Michael so sah.
"So fröhlich plötzlich, Herr Doktor?"
Michael blickte irritiert auf, bevor er verstand, wovon sie redete. Er nickte und fing abermals an zu grinsen.
"Jap, schöne Gedanken muss man sich machen.", verkündigte er. Molly nahm neben ihn Platz, um ebenfalls Berichte zu schreiben. Florian kam aus der Umkleide und gähnte herzhaft. Schwerfällig ließ er sich fallen. Jedoch schien ihm etwas einzufallen und er sprang wieder auf, was sein Körper mit einem Schwindel beantwortete. Murrend dachte er an den letzten Abend, etwas fiel getrunken hatte er schon, aber nicht so, dass er einen Kater hatte. Es war ein schöner Abend gewesen. Langsam schwankte er zur Tür und verschwand schließlich in den Hangar. Michael und Molly blickten ihm grinsend hinterher.
"Etwas viel hatte er ja gestern getrunken.", bemerkte Michael und kicherte, wo Molly mit einfiel. So verging der Morgen. Inzwischen war es um 11 und die Crew war noch von keinem Einsatz gequält worden. Karin war in der Zeit auch auf der Basis angekommen und beklagte wieder einmal die schwüle Hitze, die sich wie am Tage davor, ja die ganzen letzten Tage, ausgebreitet hatte. Am Himmel war keine Wolke zu sehen. Auch Mark, Peter mit Anhang und Jens waren erschienen. Gemeinsam beratschlagte man den von Herrn Höppler gemachten Vorschlag. Da es in letzter Zeit öfter geschehen war, dass während eines Einsatzes der Pilot ausgefallen war, meinte er, es wäre eine gute Idee, einen Grundkurs fürs Helifliegen zu nehmen so, dass jeder wusste, wie man startet, landet und eben fliegt.
"Ich finde, dass ist eine gute Idee. Wenn ich daran denke, als Biggi so schwer verletzt war und Enrico fliegen musste. Ein bisschen flau war mir da schon.", meinte Karin mit sorgenvollen Gesicht. Alle, außer Molly und Flo nickten, da sie nicht dabei gewesen waren. Jens lachte etwas krampfhaft.
"Oh ja, daran erinnere ich mich noch zu gut."
Mark grinste, doch dann wurde sein Gesicht traurig.
"Hätten wir Gina nicht gehabt, die unseren Heli übernommen hat, wärst du nicht rüber gesprungen und das ganze hätte schlimmer enden können."
Die Wehmut mit der er dies sagte, tat Karin und Michael innerlich weh. Die beiden sahen sich betroffen an. Wie gern würden sie ihm sagen, ihr geht es gut, jedoch konnten sie nicht mal das mit sich vereinbaren, zu lange hatte die Pilotin nichts von sich hören lassen. Stella, die schon die ganze Zeit nicht zugehört hatte, wurde nun von Peter angestupst.
"Denkst du an Biggi."
Sie nickte und sah ihn zweifelnd an.
"Ich wusste, dass es bald geschehen würde. Hoffentlich macht sie keine Dummheiten."
"Hey, was ist los mit euch?", erkundigte sich Max, der sich auch zu den beiden Crews gesellt hatte. Stella und Peter seufzten schwer.
"Irgendwann müsst ihr es ja erfahren. Biggi und Enrico haben sich seit geraumer Zeit nur noch gestritten und sie hat nun gestern ihre Sachen gepackt und ist abgehauen.", berichtete Peter schwermütig. Alle blickten betroffen zu ihnen, auch Molly und Flo, genug hatten sie schon über die beiden gehört.
Sonntag, Haus Aigner/Wächter
Gina saß am Computer und tippte Berichte über die in letzter Zeit mager ausgefallenen Flugstunden. Sie lehnte sich in ihrem Stuhl zurück und schweifte mit den Gedanken hinfort. Sie schloß die geöffneten Dateien und auf dem Bildschirm erschien ein Photo von ihr und Mark, wie sie vor der BK117 standen. Sanft strich sie über den Bildschirm, wo Marks Gesicht war. Wieder einmal spürte sie die verdammte Leere in sich aufsteigen. In ihren Augen sammelten sich Tränen und das Bild verschwamm. Zart kullerte erst eine, dann mehrere Tränen über ihre Wangen. Sie schniefte und wühlte zwischen ihren Unterlagen, welche sich auf ihrem Schreibtisch hoch aufgetürmt hatten, nach der Taschentuchpackung. Doch nichts fand sich. Verzweifelt wischte sie mit der Hand über den Tisch und alle Unterlagen verstreuten sich auf den Boden. Schluchzend vergrub sie ihren Kopf in ihren Armen auf dem Schreibtisch und flüsterte tränenerstickt:
"Mark, ich vermiss dich so sehr."
Still und von ihr unbemerkt stand Thomas in der Tür und beobachtete sie. Er lehnte am Türrahmen und sah diese Frau, die ihm sein Leben zurück gebracht hatte, vor sich, traurig und verzweifelt. Hinter sich hörte er wie seine Töchter näher kamen. Er drehte sich um und sah, dass sie eine Frage auf den Lippen hatten. Beschwörend legte er seinen Zeigefinger auf seine Lippen. Die Mädchen schlichen näher und schauten durch die Tür. Wobei sie das Schluchzen bereits vernommen hatten, schauten sie nun auch traurig einander an. Thomas gab ihnen ein Zeichen ihm zu folgen. In der Küche angekommen, setzten sich alle schweigend an den Tisch.
"So geht das nicht weiter. Weder mit Gina noch mit uns. Wir müssen zurück. Die anderen sind unsere Familie und man sollte immer bei seiner Familie sein.", bestimmte Lisa mit fester Stimme und bekam ein Nicken von beiden.
Rückkehr der Pilotin
Sonntag, Medikopterbasis
Der späte Nachmittag war angebrochen und man saß nun gemütlich zusammen und unterhielt sich. Die A-Crew hatte bereits einen Einsatz nach dem Schichtwechsel hinter sich gebracht. Er war anstrengend gewesen und nun war man froh, die Füße hoch legen zu können. Auf der Autobahn war ein LKW in einen Bus gefahren. Mehrere Jugendliche waren verletzt worden und mussten in die Krankenhäuser gebracht werden so, dass der Einsatz ganze 4 Stunden verschlang. Peter wurden gerade die Füße von Stella massiert und er brummte dabei wie ein Bär, was großes Gelächter bei den Kollegen verursachte. Max beschäftigte sich, in dem er das Baby nach diesem Einsatz wieder auf Vordermann brachte. Er stand auf der Leiter und checkte gerade die Rotoren, als von der Straße her ein Motorrad erschien. Es hielt vor der Basis. Neugierig verließ der Mechaniker seinen Platz und ging zum Parkplatz um den Gast zu begrüßen. Gerade als er um die Ecke bog, nahm die Person den Helm ab und er identifizierte ein ihm wohlbekanntes Gesicht.
Die große Runde saß um den kleinen Tisch im Aufenthaltsraum und erfreute sich eines, wie Michael meinte, recht heiteren Kartenspielchen. Vergnügt lachten die Damen in der Runde, wenn einer der Herren wieder einmal eine Karte oder sogar mehrere ziehen musste. Max hatte dem Gast ein Zeichen gegeben kurz zu warten und stand nun im Türrahmen. Man sah, dass er merklich Mühe hatte, sich das Lachen zu verkneifen. Doch dann räusperte er sich laut und zog somit die Aufmerksamkeit auf sich.
"Wir haben Besuch.", verkündete er grinsend und machte eine kurze Handbewegung. Die braunhaarige Frau erschien nun hinter ihm und lächelte alle glücklich an.
"Hey, lang nicht gesehen.", meinte sie verlegen. In den Gesichtern breitete sich staunen aus und Peter war der erste, der seine Stimme wieder fand. Lächelnd ging er auf sie zu.
"Biggi, ist das schön dich zu sehen." Die beiden umarmten sich und nun lösten sich auch die anderen aus ihrer Starre und begrüßten die Kollegen herzlich. Sofort bat man ihr einen Platz und Kaffee an, was sie dankend annahm. Stella holte eine Tasse des heißen Gebräus aus der kleinen Küche und alles setzte sich wieder, um zu erfahren wie es Biggi ging.
"Soweit geht es mir ganz gut. Ich bin froh wieder hier zu sein. Italien ist doch nichts für mich.", erzählte sie mit bekümmerter Stimme und einem schmerzlichen Lächeln im Gesicht. Traurig sah sie in die Runde und konnte auf mehreren Gesichtern Fragen sehen.
"Ich werde die Scheidung einreichen. Enrico und ich haben bereits heute morgen per Telefon darüber gesprochen." Sie machte eine Pause und blickte noch einmal zu den anderen.
"Und was hast du jetzt vor?", erkundigte sich Jens. Sie zuckte mit den Schultern und sah auf ihre Hände, die auf dem Tisch ruhten.
"Keine Ahnung. Auf jeden Fall hier bleiben, bei euch. Ihr seid doch meine Familie." Ihre Finger fingen an zu zittern und Tränen sammelten sich in ihren Augen. Hastig wischte sie die Tränen weg.
"Erstmal muss ich mir eine Wohnung suchen und dann Arbeit." Michael und Karin sahen sich an. Er nickte kurz.
"Biggi, es ist selbstverständlich, dass du zu uns kommst. Ich kann sowieso Hilfe gebrauchen. Der Bauch ist im Haushalt nämlich ganz schön im Weg. Außerdem wär mir dann nicht mehr so langweilig, wenn Michael Dienst hat." Michael nickte zustimmend.
"Wir haben so viel Platz. Früher wohnten wir zu sechst in dem Haus, jetzt zu zweit. Das haut doch nicht hin.", pflichtete er Karin bei.
"Danke ihr zwei. Ich glaube, es wird mir gut tun, wieder unter euch zu sein."
Guter Vorschlag
Freitag, Flugschule >Babyangel<
Der Vorschlag doch endlich die anderen aufzusuchen, war bei Gina auf taube Ohren gestoßen. Ihr war um keinen Preis danach, sich bei den anderen sehen zu lassen, geschweige denn überhaupt mal zu melden. Allerdings ließen Thomas und seine Mädchen nicht locker.
"Gina, du hast dich seit einem halben Jahr nicht bei ihnen gemeldet. Denkst du nicht, sie machen sich langsam Sorgen." Thomas war bereits wieder laut geworden, weil ihn die Sturheit der jungen Frau jedesmal auf die Palme brachte.
"Ich war vor einem Monat bei Andrés und Anna in Spanien, das muss reichen. Und nur zur Info, bei Karin und Michael habe ich mich seit einem halben Jahr nicht gemeldet, bei den anderen ein ganzes Jahr." Auch Gina war nicht weniger leise und die Stimmen dröhnten durch den Hangar.
"Noch ein Grund mehr, sie mal zu besuchen. Als würde es nicht reichen, dass du schwer krank warst und ihnen nichts gesagt hast. Aber solange gar nichts von sich hören zu lassen, ist ein Unding." Gina sah ihn nun nur wütend an und er konnte sehen, dass sich ihre Augen mit Tränen füllten. Er hatte ihren wunden Punkt getroffen. Ruckartig drehte sie sich um und sagte mit scharfer Stimme:
"Raus, sofort."
"Gina.", versuchte er es mit ruhigerer Stimme. Abwehrend hob sie die Hand.
"Als deine Chefin befehle ich dir, das Büro zu verlassen." Ihre Stimme ließ keinen Zweifel und keine Widerrede zu so, dass Thomas mit hängenden Schultern das Büro verließ und die Treppe runter zu den Maschinen ging. Dort kamen gerade Lisa und Laura durch die Tür. Sie sahen ihn erwartungsvoll an, doch er schüttelte nur resignierend den Kopf.
"Sie hat mich rausgeschmissen."
"Du hast doch nicht etwa?"
"Doch hab ich. Sie muss damit konfrontiert werden. Irgendwann erfahren sie es. Karin und Michael brauchen sich nur zu verplappern, oder Anna und Andrés." Seufzend ließ er sich auf die unterste Stufe sinken, um gleich wieder aufzustehen und hinter den Maschinen zu verschwinden. Die Mädchen schüttelten mit den Köpfen und setzten sich an den Tisch, der unter der eisernen Treppe stand. Nach wenigen Minuten kam ein Herr mittleren Alters in den Hangar und sprach die beiden an.
"Entschuldigung. Ich wollte mich nach Flugstunden erkundigen. An wen muss ich mich da wenden?" Lisa lächelte ihn freundlich an, hatte sie ihn doch erkannt. Jedoch schien der Mann nicht gewahr zu sein, wen er vor sich hatte.
"Da sollten sie zur Chefin. Ich bring sie hoch. Bitte folgen sie mir." Lisa begann die Treppe zu erklimmen und der Mann folgte ich. Oben angekommen wand sie sich ihm zu.
"Warten sie einen Moment. Ich sage ihr bloß Bescheid." Er nickte und Lisa klopfte an. Nachdem ein herein erklungen war, verschwand sie in der Tür. Der Mann schaute von der Treppe hinab in den Hangar. Er war sich sicher hier richtig zu sein. Er hatte während seines Urlaubs alles mit ganz oben abgeklärt. Sie hatten seinen Vorschlag befürwortet und versprochen alle benötigten Mittel zu Verfügung zu stellen. Währenddessen stand Lisa vor Gina, die ein paar Aufschriften vor sich hatte und las.
"Kunde, er möchte sich nach Flugstunden erkunden." Gina sah auf und meinte:
"Herein mit ihm." Lisa konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
"Noch was?" Gina war durch Lisas Verhalten unsicher.
"Du wirst lachen. Es ist Höppler. Aber er hat mich nicht erkannt." Ginas Augen wurden größer. Das hatte ihr zum Streit mit Thomas gerade noch gefehlt. Ausgerechnet Höppler. Sie atmete tief ein und forderte:
"Herein mit meinem Chef." Lisa nickte und öffnete die Tür.
"Kommen sie." Höppler betrat das Büro und Lisa schloß die Tür hinter ihm.
"Herr Höppler." Gina versuchte überrascht zu tun, stand auf und kam auf ihn zu, um ihm die Hand zu reichen. Der Mann sah sie perplex an, lächelte dann doch leicht verlegen und begrüßte sie mit Handschlag.
"Frau Aigner. Mit ihnen hätte ich ja nun gar nicht gerechnet." Gina lächelte ebenfalls und bat ihn Platz zu nehmen.
"Sie wollen also fliegen lernen." Sie hatte ihre Ellenbogen auf den Tisch gestützt und den Kopf auf den Händen abgelegt. Abwartend sah sie ihn verschmitzt an. Er lachte kurz.
"Nicht ganz. Aber das können wir später klären. Sag sie erst mal, wie es ihnen geht." Gina winkte ab und legte sich im Sessel zurück.
"Wunderbar. Meine Flugschule läuft perfekt, ich bin gesund und habe wunderbare Menschen um mich." Er sah sie ernst an.
"Aber nicht ihre Freunde, die sie vermissen, vor allem Doktor Harland." Ginas Blick wurde traurig. Er hatte ihr Tarnung durchschaut.
"Ich vermisse sie auch."
"Warum haben sie sich nie bei ihnen gemeldet?"
"Neues Leben? Nein, ich laufe vor ihnen weg. Ich habe Angst." Sie grinste ihn schief an. Er nickte nur.
"Das sie ihnen Vorwürfe machen.", stellte er trocken fest. Gina nickte.
"Aber lassen wir das jetzt. Was ist ihr Wunsch?"
"Wie sie selbst wissen, geschieht es manchmal, dass bei einem Einsatz der Pilot wegen irgendetwas ausfällt. Ihnen selbst ist das schon passiert. Aus diesem Grund wurde beschlossen, auf meinen Vorschlag hin, dass die Sanitäter und Notärzte eine Grundausbildung für das Fliegen der BK117 bekommen sollen. Tja, und ich habe mir nun ihre Flugschule ausgesucht, die diese Ausbildung mit meinen Leuten machen soll.", erläuterte der ehemalige Chef von Gina sein Anliegen. Sie hatte aufmerksam zu gehört und schien nun über dieses Angebot nach zu denken. Einerseits hätten Thomas und die Mädels endlich ihre Ruhe, andererseits müsste sie es auf jeden Fall mit den anderen aufnehmen, wovor sie sich noch immer fürchtete.
"Ich werde darüber nachdenken und mich so bald wie es mir möglich ist bei ihnen melden. Das ganze gewinnt mir viel Überwindung ab."
"Das ist selbstverständlich. Jeder muss irgendwann mal über seinen eigenen Schatten springen."
"Allerdings verspreche ich ihnen, dass die Ausbildung stattfindet. Wenn nicht ich, so doch mein Kollege. Der will die Leutchen so und so endlich wieder sehen." Höppler sah sie unverständlich an. Sie stand kurz auf und ging raus auf die Treppe.
"Hey, kommt mal hoch." Wenige Minuten später hörte man mehrere Personen die Treppe hochkommen. Gina bat sie herein und Herr Höppler drehte sich zu ihnen um. Er war fest der Überzeugung, dass er gerade Halluzinationen hatte.
"Guten Tag Herr Höppler. Es ist mir eine Freude sie wieder zu sehen. Meine Töchter kennen sie ja sicher noch.", begrüßte Thomas den Basisleiter und die Mädchen nickten ihm lächelnd zu.
"Wie ist das möglich?", konnte Höppi als einziges rausbringen. Alle vier zuckten mit den Schultern und grinsten unschuldig. Man unterhielt sich noch eine Weile bis der ehemalige Chef sich auf den Weg machen musste. Thomas versprach ihm die Ausbildung auf jeden Fall mit den einstigen Kollegen zu absolvieren, würde sich für die Termine aber noch mal mit ihm in Verbindung setzen.
Die Wahrheit verbreitet sich
Freitag, Haus Lüdwitz/Thaler/Schwerin
Biggi stand auf der Leiter, um an der oberen Kante der Wand eine Bordüre anzubringen. Sie hielt die Schablone mit kleinen Bärchen an die Wand und tupfte sie in einem warmen Braunton aus. Das Zimmer, welches für den neuen Erdenbürger gestalten wurde war in einem freundlichen Vanilleton gestrichen. Die Möbel waren vollständig aus Holz und die geschreinerte Wiege, welche Dirk aus den USA geschickt hatte, bekam von Karin gerade einen weißen Himmel aufgesetzt. Die Vorhänge vor dem großen Fenster, welches viel Licht ins Zimmer ließ, erschienen in einem hellen Pastellgrün. Auf dem Laminat lag ein wuscheliger Teppich mit Bärchenmuster.
"Fertig, das war der letzte Bär.", ließ Biggi vergnügt hören.
"Das ist schön. Ich danke dir.", meinte Karin und setzte sich in den weichen Schaukelstuhl, der am Fenster stand.
"Ach. Du musst dich nicht immer bedanken. Ich bin froh, dass ich dir etwas Arbeit abnehmen kann." Sie stieg von der Leiter und schaute sich glücklich im Zimmer um, dann nickte sie.
"Hier wird sich das Kleine wohl fühlen."
"Hoffentlich.", erwiderte Karin und strich sacht über ihren Bauch.
"Sag mal, was mich, schon seit ich hier bin, interessiert. Was ist mit Gina?" Karin sah sie mit leeren Augen an. Vor ihren Augen spielten sich die Geschehnisse der letzten Zeit ab, vor allem die Zeit im Krankenhaus.
"Sie hat sich von Mark getrennt und ist verschwunden.", antwortete sie schließlich tonlos. Ihr Gegenüber sah die Ärztin verwundert an.
"Aber du hast sie doch zwischendurch gesehen?!"
"Wie kommst du denn darauf?" Karin sah sie unangenehm überrascht an.
"Als ich vor zwei Tagen Staub gewischt hatte, habe ich das Foto von euch in der Vitrine gesehen. Anfänglich dachte ich, das wäre von bevor sie gegangen ist, doch vorgestern habe ich das Datum am unteren Rand des Photos gesehen. Es wurde vor 5½ Monaten gemacht." Karin blickte betroffen und erwischt zu Boden. Langsam fing sie an zu Schaukeln.
"Die anderen wissen nichts davon, oder?" Karin schüttelte leicht den Kopf. Sie schluckte schwer.
"Hast du es dir genauer angesehen?", fragte sie schließlich leise.
"Ja. Du willst darauf hinaus, dass sie ziemlich schlecht aussah, habe ich Recht?" Ein Nicken wurde angedeutet.
"Nur Michael, ich, Andrés und Anna wussten davon."
"Wovon?" Karin schaute sie ernst an.
"Du musst versprechen, es für dich zu behalten." Die ehemalige Pilotin nickte.
"Gina hat das Team damals verlassen, weil bei der alljährlichen Gesundheitskontrolle die Diagnose Leukämie gestellt wurde. Ich habe sie durch Zufall zwei Monate später in einem Krankenhaus angetroffen. Sie hatte die Chemo schlecht vertragen. Irgendwann ist es ernst geworden und wir haben nach einem Knochenmarkspender gesucht, weil sie ins Koma gefallen war. Alle haben sich untersuchen lassen. Mark war es. Gina wollte es nicht, aber ihr Zustand ließ keine andere Möglichkeit zu. Sie war uns ewig böse. Aber nach einen Monat, sie hatte sich schon gut erholt, habe ich sie zur Rhea begleitet. Daher ist das Photo. Danach haben wir nichts mehr von ihr gehört. Michael und ich hatten öfters darüber gesprochen und irgendwie hat es Stella mitbekommen, aber auch sie ist verschwiegen." Biggi hatte sich ihr gegenüber auf die Leiter gesetzt und hörte aufmerksam zu. Irgendwie hörte sich das für sie wie ein schlechter Albtraum an.
"Was ist mit ihrem Cousin? Hat sie sich bei ihm gemeldet?" Karin zuckte mit den Schultern.
"Kann sein. Ich glaube Jens hat so etwas erwähnt." Biggi merkte, dass es Karin unangenehm war über dieses Thema zu sprechen. Da sie sie nicht in ihrem Zustand aufregen wollte, schlug sie ein anderes an.
"Haben Michael und du schon einen Namen?" Karin Gesicht hellte sich schlagartig auf.
"Einen? Viel zu viele."
"Lass hören." Forderte Biggi lachend.
"Na ja, wenn es ein Mädchen wird, haben wir unter anderem an Gabriele gedacht und bei einem Jungen an Thomas. Aber wir haben noch viele andere Ideen und sind uns noch überhaupt nicht einig. Jedoch haben wir es schon so geteilt, dass ich den Mädchennamen und er einen Jungennamen sucht." Biggi war froh, Karin wieder aus dieser deprimierten Stimmung raus geholt zu haben. Die beiden lachten noch viel, während die möglichen Namen diskutiert wurden.
Rückkehr der Ex
Freitag, Medikopterbasis
Herr Höppler fuhr auf den Parkplatz und stellte das Auto an die gewohnte Stelle. In ihm brodelte es und ihm war es schleierhaft, wie er den Anwesenden seine Freude über die Wiederfindung der Crewmitglieder verbergen sollte. Er stieg gerade aus, als ein Wagen neben ihm hielt. Dem entstieg eine Frau, ungefähr im Alter von Dr. Thaler. Ihre langen, blonden Haare hatte sie zu einem Zopf geflochten. Höppi fiel auf, dass sie sehr edel gekleidet war. Erst als sie ihn ansprach, bemerkte er, dass er sie fasziniert angestarrt hatte. Hinter einer randlosen Brille blitzten ihm zwei freundliche, grüne Augen an.
"Entschuldigung, ich möchte gern zu Doktor Harland." Höppi schloß sein Auto und ging zu der Frau.
"Gunnar E. Höppler, ich bin der Basisleiter. Herr Harland ist sicher im Aufenthaltsraum." Mit einer Handbewegung forderte er sie auf ihr zu folgen.
"Sara Steiger. Danke.", stellte sie sich kurz vor und folgte ihm. Höppi betrat den Aufenthaltsraum und fand dort die beiden Crews beim Kartenspielen vor. Sie lachten vergnügt und schienen ihn nicht zu bemerken. Geräuschvoll räusperte er sich und die Aufmerksamkeit lag bei ihm.
"Herr Höppler. Willkommen zurück.", meinte Molly vergnügt und die anderen nickten ihm zu.
"Danke, Frau Willmer. Ich bringe gute Nachrichten. Die Flugstunden wurden genehmigt und ich habe bereits mit einer Flugschule besprochen, die sich bereit erklärt haben, diese Ausbildung zu übernehmen. Die Termine stehen noch nicht fest. Doktor Harland sie haben Besuch.", erläuterte er knapp und zog sich dann zurück. Sara Steiger erschien nun in der Tür und lächelte die Gruppe freundlich an. Mark blickte erstaunt zu ihr und stand dann auf, um auf sie zuzugehen.
"Sara."
"Hallo Mark." Sie umarmte ihn und er erwiderte es herzlich.
"Wie lange ist das her?"
"Seitdem du mich wegen Gina Aigner verlassen hast, sieben Jahre." Sein Blick wurde traurig.
"Ja, stimmt. Wegen Gina."
"Sie kennen Gina?", fragte Molly interessiert. Sara nickte.
"Ja, aber erstmal Sara Steiger. Marks Ex." Sie lachte und gab dem verdattert dreinschauenden Notarzt einen Kuss auf die Wange. Der lächelte sie bitter an.
"Bist du noch mit ihr zusammen?", informierte sich die junge Frau. Resignierend schüttelte er den Kopf.
"Seit einem Jahr nicht mehr. Sie ist einfach gegangen, nur weil wir uns wegen Fußball gestritten haben." Tränen stauten sich in seinen Augen.
"Tschuldigung, aber ich kann es immer noch nicht glauben." Sie strich ihm sanft über die Wange.
"Vielleicht hatte sie ja noch ganz andere Gründe.", sagte sie mit weicher Stimme.
"Ihr kennt euch jetzt so lange. Die kommt schon wieder zurück."
"Das sagen wir ihm auch dauernd.", meinte Jens vorwurfsvoll grinsend. Er stand auf und ging zu den beiden hin. Lächelnd reichte er ihr die Hand.
"Jens Köster, Pilot. Das sind Peter Berger und seine Frau Stella. Peter, Mark und ich sind ein Team und das andere besteht aus Molly Willmer, Florian Lenz und Karin Thaler, die momentan im Schwangerschaftsurlaub ist und von ihrem Freund Michael Lüdwitz vertreten wird.", stellte er knapp, die Anwesenden vor. Alle lächelten und nickten zur Begrüßung.
"Freut mich Marks Kollegen kennen zu lernen."
"Wie lange kannst du bleiben?", lachte Mark sie wieder fröhlicher an.
"Solange du mich aushältst. Ich wohne jetzt in Traunstein.", verkündigte sie mit einem Tausend-Watt-Lächeln. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht und er nickte.
Rückkehr einer Freundin
Samstag, Medikopterbasis
Seit Höppis Ankunft waren zwei Wochen vergangen und er hatte mit der Flugschule verhandelt, dass ab diesen Wochenende die Stunden für Sanitäter und Notärzte beginnen sollten. Im Hangar hatte man einen langen Tisch aufgebaut und eine Leinwand, sowie einen Polylux. Mit Spannung erwartete man nun die Fluglehrer. Selbst die Piloten waren anwesend und saßen mit ihren Kollegen am Tisch. Stella schenkte gerade allen Kaffee ein, als Herr Höppler den Hangar betrat.
"Meine Damen, meine Herren. Ich möchte ihnen nun ihre Fluglehrerin vorstellen." Er wies auf die Tür und eine junge Frau in Jeans, T-Shirt, Sonnenhut und Sonnenbrille betrat bewaffnet mit Koffer und Aktentasche den Hangar. Ohne federlesen begab sie sich an die Spitze des Tische, an dem die Leinwand stand und legte die Taschen auf dem Tisch ab. Dann lächelte sie in die Gruppe. Höppi hatte sich bereits gesetzt. Die Frau sah sich kurz die Gesichter an, um Veränderungen zu erkunden. Mit Freude stellte sie fest, dass sich unter ihren Lehrlingen Biggi befand, allerdings vermisste sie Enrico etwas. Es waren alle da, selbst Max hatte Platz genommen. Bei Mark stoppte ihr Blick kurz. Zu ihrer Verwunderung musste sie neben ihm eine alte Bekannte entdecken. Die größte Freude breitet sich aber bei Jens aus, der von Anna und Andrés gesäumt wurde so, dass ihr Lächeln breiter wurde. Schließlich atmete sie tief ein.
"Es ist mir eine Freude euch das Fliegen mit unsere geliebten BK117 beibringen zu dürfen." Mit diesem Satz setzte sie Hut und Brille ab. Sie konnte beobachten, wie manche Gesichter regelrecht entgleisten, auf anderen ein Lächeln immer breiter wurde.
"Ich habe es geahnt, mein Cousinechen." Andrés war aufgestanden und zu ihr hin gegangen.
"Hey, mein großer." Die beiden umarmten sich kurz, bevor auch Karin nach vorne kam und sie freudig begrüßte.
"Gina, warum hast du dich denn nicht gemeldet?"
"Tut mir leid, ich hatte viel zu tun und auch ein bisschen Angst. Aber lass dich mal ansehen. Meine Güte, hast wohl `ne Bowlingkugel verschluckt, mmh?"
"Nein, nur ein Baby.", antwortete die Ärztin keck. Gina beugte sich zum Bauch runter.
"Hallo, Baby. Ich bin deine Tante Gina.", und gab ihm einen Kuss. Karin lachte und Michael meinte:
"Wie geht es dir?"
"Ach, wunderbar. Toller Job, tolle Freunde, die ich euch noch vorstelle." Die braunhaarige Frau lachte ausgelassen. Dann wandt sie sich den anderen zu.
"Sagt mal, was seid ihr denn für Salzsäulen. Wird man heutzutage nicht mehr begrüßt, wenn man nach lange Zeit wieder da ist?", fragte sie provozierend. Einige fingen an die Köpfe zu schütteln und begaben sich auch zu ihr und umarmten sie. Mark jedoch blieb sitzen. Zu unwirklich kam ihm das vor. Erst Sara, jetzt Gina. Irgendwie fühlte er sich wie damals, als er sich für Gina entschied.
"Was hast du gemacht?", fragte Peter.
"Ich bin umher gereist und seit knappen fünf Monaten habe ich eine eigene Flugschule.", berichtete sie fröhlich.
"Uns wie heißt sie?", erkundigte sich Florian.
"Babyangel!", wieder lachte sie ausgelassen.
"Davon habe ich schon gehört. Sie hat bereits zwei Preise eingeheimst und die kürzeste Ausbildungszeit der Welt. Dabei sind die Schüler am Ende Profis." Jens war total beeindruckt.
"Das liegt aber weniger an meinem Unterricht, als an den Schülern selbst. Ich habe unglaublich begabte Schüler. Es ist Wahnsinn. Die kürzeste Ausbildung ging zwei Monate und der Herr ist jetzt schon bei der Lufthansa engagiert. Ein anderer arbeitet seit einer Woche bei British Airlines und die einzige Frau, die ich bis jetzt hatte, ist mit dem Motorflugzeug von München über New York, San Francisco und Sydney nach Neu-Delhi geflogen. Ich habe gedacht, ich spinne, als sie mir von ihrem Vorhaben erzählt hat, aber ich bin echt stolz.", erzählte Gina frei heraus und lachte immer wieder. Karin, Michael, sowie Andrés und Anna stellten mit Freude fest, dass die junge Frau die schwere Zeit, welche sie hinter sich hatte, gut verkraftet zu haben schien. Lange hatten sie Gina nicht mehr so ausgelassen und offen erlebt.
"Aber erzählt, wie ist es euch ergangen. Biggi, wo hast du Enrico gelassen?" Biggi zuckte etwas traurig mit den Schultern.
"In Italien, wir haben uns getrennt."
"Das tut mir leid, ihr wart so ein schönes Paar.", meinte Gina wahrheitsgemäß. Biggi winkte ab und lächelte wieder munterer. Plötzlich zog etwas an Ginas Hose und als sie runterschaute, erblickte sie Oliver, der sie wie ein Honigkuchenpferd angrinste.
"Hallo.", sagte er mit schief gelegtem Kopf. Gina ging in die Hocke.
"Hallo, kleiner Mann. Du bist aber groß geworden." Sanft struppelte sie ihm durch das blonde Haar.
"Gina, darf ich dir Molly Willmer vorstellen. Sie ist deine Nachfolgerin.", richtete Flo die Aufmerksamkeit auf sich und die rothaarige Frau. Gina war wieder aufgestanden, reichte Molly die Hand und meinte augenzwinkernd:
"Ich hoffe doch meine Truppe hat dich nicht zu sehr geärgert. Sie können einen schon Mal den letzten Nerv rauben." Ein verschmitztes Lächeln huschte über ihr Gesicht und Molly grinste genauso frech.
"Ach, anfangs hat ich ganz schön zu knabbern, aber inzwischen bin ich gut akzeptiert, denke ich." Die Frauen lachten ausgelassen darüber und jeder merkte, dass sie sich auf Anhieb verstanden. Gina blickte nun in die Runde und bemerkte, dass Mark mit Sara noch immer auf der Bank saß und sie still beobachtete. Sie lächelte ihn aufmunternd an, doch er drehte den Kopf zur Seite so, dass er nun Sara ansah. Ihr Lächeln erstarb und sie seufzte unbemerkt von den anderen. Dann atmete sie tief durch und eröffnete:
"Ich hatte euch doch versprochen, euch meine Freunde vorzustellen. Um genau zu sein ist er mein Kollege und wird mir helfen, euch zu unterrichten. Herr Höppler?" Dieser nickte und ging zur Tür. Gina folgte ihm in kurzem Abstand.
"Darf ich euch meinen Kollegen, unseren Kollegen vorstellen.", berichtigte sie sich.
Rückkehr des Piloten
Etwas schüchtern und von seinen Töchtern geführt betrat Thomas den Raum und lächelte verlegen.
"Hey, Leute. Lange nicht gesehen." Wieder einmal entgleisten die Gesichtszüge und in mehreren Augen sammelten sich Tränen. Eine bedrückende Stille hatte sich über den Raum ausgebreitet und schien sich hartnäckig halten zu wollen.
"Ich bin kein Geist.", versuchte der großgewachsene Pilot die Lage etwas zu entschärfen. Die Überraschung stand seinen Freunden nun buchstäblich ins Gesicht geschrieben und niemand wagte es sich auch nur einen Millimeter zu bewegen. Seine Töchter sahen sich zweifelnd an.
"Vielleicht hätten wir doch nicht euch beide so kurz hinter einander zurückbringen sollen, Gina.", flüsterte Lisa und sah unsicher in die Runde, die noch immer wie zu Stein erstarrt standen. Ihr Blick blieb bei Karin und Michael hängen. Die blonde Ärztin zitterte und ihre Lippen bebten. Langsam rann ihr eine Träne über die Wange.
"Thomas, du lebst." Sie löste sich aus ihrer Starre und fiel ihm schluchzend um den Hals.
"Oh Gott, wie ist das möglich." Die Tränen liefen unentwegt über ihre Wangen und sie klammerte sich wie eine Ertrinkende an ihn. Thomas legte vorsichtig die Arme um sie und zog sie somit etwas näher an sich.
"Oh Thomas.", flüsterte Michael und ging langsam zu ihm und seiner Frau. Auch er konnte die Tränen kaum zurück halten. Der Arzt legte seinen Kopf an die Schulter seines Freundes. Mit der einen Hand strich er seiner Frau übers Haar, die andere legte er dem Piloten um die Schultern. Immer mehr lösten sich aus ihrer Starre und kamen zu ihnen, begrüßten den totgeglaubten Freund und seine Töchter, hießen sie willkommen und umarmten sie fest, mussten sich immer wieder die Tränen von den Wangen wischen. Nachdem er von so gut wie jedem umarmt wurde, fragte Peter:
"Sag mal, was ist passiert? Wie kommt es, dass du..." Der Sanitäter zögerte in seiner Frage, doch Thomas grinste ihn nur frech an und meinte:
"Dass ich noch lebe?" Die Anwesenden nickten verlegen, da die Frage einem schon etwas bizarr vorkam.
"Na ja, ich hatte mein Gedächtnis verloren. Durch irgendeinen Zufall hat mich Gina gefunden. Noch eine Sache, die ich vergessen habe. Anfangs hat sie sich nichts anmerken lassen, hat mich einfach bei sich eingestellt. Irgendwann hat sie mir Laura und Lisa vorgestellt, wo ich immer noch nicht weiß, wie sie an die beiden rangekommen ist. Tja und die beiden haben wie ihr angefangen zu weinen und sind mir um den Hals gefallen.", erzählte er und lächelte milde zu Karin, um die er einen Arm gelegt hatte.
"Ich habe überhaupt nichts verstanden, aber mit Mühe und Not haben die Drei mir wieder alles ins Gedächtnis gerufen.", endete er mit seinem kleinen Bericht. Lisa und Laura, die von Michael im Arm gehalten wurden, grinsten bei dem letzten Satz.
"Oh ja und das war gar nicht so einfach. Papa war ganz schön stur.", meinte die achtzehnjährige Lisa und knuffte ihrem Vater in die Seite. Der streckte ihr spielerisch die Zunge raus und alle fingen an zu schmunzeln und zu kichern.
"Wo ist eigentlich meine edle Retterin?", erkundigte sich der Pilot, nachdem sich alle wieder beruhigt hatten. Unwissend zuckte man mit den Schultern und drehte sich zu allen Seiten. Jedoch war Gina nicht auszumachen.
"Sie sitzt in der BK.", erklang eine sanfte Stimme und Thomas erblickte zum ersten Mal, seitdem er den Hangar betreten hatte, Biggi. Sie saß etwas schüchtern auf einer der Bänke und beobachtete das Szenario. Er schaute sie verdattert an, löste sich von Karin und aus der Gruppe, um zu ihr rüber zu gehen und kniete sich vor sie, als sie keine Anstalten machte aufzustehen.
"Du hast mich noch nicht begrüßt, oder?", fragte er mit verwirrten Gesichtsausdruck. Irgendwie hatte er das Gefühl, sie in dem ganzen Trubel übersehen zu haben. Doch als sie leicht den Kopf schüttelte und ihm ein zurückhaltendes Lächeln schenkte, atmete er erleichtert auf, was sie mit hochgezogenen Augenbrauen bemerkte. Ohne Vorwarnung zog er sie an den Händen auf ihre Beine und umarmte sie dann fest. Erst zögerlich, dann erleichterter erwiderte sie diese Geste.
"Ich habe dich so vermisst.", flüsterte sie ihm ins Ohr, so dass die anderen es nicht hören konnten. Sachte strich Thomas ihr über den Rücken und antwortete in gleicher Lautstärke:
"Ich dich auch, meine Liebe." Er löste sich von ihr und lächelte sie zärtlich an. Ihr überraschter Blick wich einem liebevollem Lächeln und sie nickte kaum merkbar. Andrés hatte sich das Ganze in Ruhe angeschaut, meinte aber nun:
"Ich finde ihr solltet mal nach eurer Lehrerin sehen, sonst fliegt sie euch noch weg." Alle sahen sich an und grinsten schuldig, da sie über die Freude diesen Kollegen zurück zu haben, ganz den anderen, der ja auch gerade erst wieder aufgetaucht war, vergessen hatten. Zusammen verließen sie den Hangar und die Sonne blendete sie mit ihrer ganzen Intensität. Die Hitze schlug sie wie mit einer Keule und der kleine Trupp fächelte sich sofort Luft zu. Nachdem man sich an die Helligkeit gewöhnt hatte, sah man zum Heli rüber. Auf dem Pilotensitz saß Gina mit geschlossenen Augen und die Hände in den Schoß gelegt. Ihre ganze Körperhaltung machte einen zutiefst entspannten und zufriedenen Ausdruck. Langsam begab man sich zu ihr und Michael ging näher an sie ran und betrachtete die junge Pilotin genauer. Dann grinste er und schüttelte sich das Lachen verkneifend den Kopf. Seine Kollegen sahen ihn verwirrt an. Weil der Arzt sich nicht auskäsen konnte, gesellte sich Andrés zu ihm und seiner Cousine. Auch er schaute sie genauer an, dann Michael und flüsterte:
"Das kann es doch nicht geben."
"Was?", kam es aus mehreren Mündern gleichzeitig. Michael zuckte mit den Schultern und antwortete:
"Sie schläft." Die Crews sahen sich perplex an und Höppler sagte:
"Sie machen Witze, Doktor Lüdwitz." Doch der schüttelte nur den Kopf und Andrés bestätigte seine Aussage mit einem Nicken.
"Nein, sie schläft tief und fest und das bei der Hitze." Thomas kam nun auch zu der Tür.
"Genau aus diesem Grund sollten wir sie reinbringen, nicht dass sie einen Sonnenstich bekommt." Langsam fasste er um ihren Rücken und unter ihre Beine. Vorsichtig hob er sie aus dem Heli und ging zurück zum Gebäude. Lisa öffnete ihm die Tür und zusammen mit Gina verschwand Familie Wächter im Hangar. Sich verwirrt anschauend, zuckten die Kollegen die Schultern und folgten den Vieren.
"Schläft ein.", bemerkte Jens noch kurz.
Fortsetzung
Drinnen hatte Thomas Gina auf die Couch gelegt und strich ihr lächelnd eine Strähne aus dem Gesicht, während die Mädchen sich aus der Küche etwas zu trinken holten. Gerade als sie zu den Beiden zurückgingen, kamen auch die anderen.
"Wie kann man so einfach einschlafen?", fragte Florian stirnrunzelnd, worauf Thomas breit grinste.
"Sie war so nervös, euch wieder zu sehen, dass sie die ganze Nacht nicht geschlafen hat.", griente er und die Mädchen nickten übers ganze Gesicht strahlend. Karin kicherte hierauf und setzt sich zu ihrer Freundin und Thomas. Sie strich ihr übers Haar und flüsterte:
"Schön dich wieder zu haben, Gina." Die anderen nickten zustimmend und Peter meinte:
"Ja, und ich habe irgendwie das Gefühl, wir sind in einer regelrechten Wiederkehrwelle." Nun mussten alle anfangen zu lachen, doch Höppi brachte sie schnell wieder zur Ruhe, damit man Gina nicht weckte und scheuchte alle zurück in den Hangar, wo Thomas mal einfach Ginas Job übernahm und mit der ersten Theoriestunde anfing. Nach zwei Stunden sturen Vortrages öffnete sich die Tür zum Aufenthaltsraum und Gina kam gähnend und augenreibend hinein getrottet. Verschlafen blinzelte sie die Kollegen an. Diese saßen auf ihren Plätzen und betrachteten sie leicht grinsend. Als Gina ihre Blicke bemerkte, grinste sie breit und schlenderte zu Thomas um auf den Zettel zu schauen, wie weit er schon war. Andrés biss sich auf die Lippe um nicht in lautes Gelächter auszubrechen und auch Anna, ihr Vater, sowie die Wächters und Karin inklusive Michael hatten Mühe nicht zu lachen. Gina lächelte mit großen Augen:
"Was?" Nun schüttelte Stella kichernd den Kopf.
"Du bist ne Nummer, Gina. Kaum hier und schläft und fragt dann, was ist." Gina zuckte unschuldig mit den Schultern und zog einen Schmollmund. Dann grinste sie wieder breit und alle fingen an zu lachen. Gina atmete tief ein und meinte dann:
"Es tut so gut wieder hier zu sein.", während sie ihre Glieder in alle Richtungen streckte. Anschließend setzte sie sich und zog Thomas mit sich.
"Schluss für heute. Erzählt mal, was bei euch so los war. Immerhin war ich ein Jahr nicht da, ist sicher viel passiert, oder?", bestimmte sie und schaute fragend in die Runde. Ihr Blick blieb bei Sara und Mark hängen.
"Du zum Beispiel, Sara. Seit wann bist du hier? Wir haben uns ja lange nicht gesehen.", sagte sie mit fröhlicher Stimme, wobei Andrés aber merkte, dass es mehr gespielt, als ehrlich war.
"Erst seit zwei Wochen, Gina. Ich wurde nach Traunstein versetzt und habe durch Zufall erfahren, dass Mark auch hier ist. Da habe ich ihn einfach mal aufgesucht.", erklärte die blonde Frau und lächelte Gina freundlich an. Gina machte große Augen.
"Aha, und du arbeitest noch immer bei dieser riesen Firma für Stadt- und Bauplanung, ja?" Sara nickte knapp und Gina brachte nur ein beeindrucktes ‚Wow‘ raus. Mark sah Gina die ganze Zeit abschätzig an.
"Was soll das Gina? Wir drei wissen doch ganz genau, dass ihr Beide euch nicht leiden könnt.", fragte er sie mit abfälliger Stimme. Sara sah ihn entsetzt an.
"Mark!", meinte sie kopfschüttelnd, doch Gina lächelte nur.
"Lass mal Sara. Er ist böse, weil ich ihn vor einem Jahr ohne Grund verlassen haben." Sie lächelte noch mal wohlwollend und wandt ihren Blick dann weiter. Mark funkelte sie aber weiter wütend an. Jedoch kümmerte sie sich nicht darum und löcherte im Moment Molly, wie sie es mit der Bande ausgehalten hatte und lachte immer wieder laut. Nach einer weiteren Stunde verabschiedeten sich Gina und Familie Wächter und fuhren nach Hause. Auch die anderen machten sich so langsam auf den Weg.
Erkenntnisse
Samstag Abend, Wohnung Harland
Mark kam gerade mit zwei großen Tellern ins Esszimmer balanciert und platzierte einen vor Sara und den anderen auf der gegenüberliegenden Seite des Tisches. Lächelnd goß er ihr noch etwas Wein ein und setzt sich dann. Sie schwiegen während des Essens und als Beide fertig waren, räusperte sich Sara. Mark schaute sie daraufhin fragend an.
"Was sollte das heute Nachmittag, Mark?"
"Was meinst du, Sara?"
"Das mit Gina. Mark, es ist sieben Jahre her. Ich glaube nicht, dass wir uns jetzt noch bekämpfen würden." Mark zuckte mit den Schultern. Sein Blick richtete sich nach unten.
"Erst verschwindet sie von einem Tag zum anderen und dann taucht sie genauso plötzlich wieder auf und tut dann auch noch so überfreundlich zu dir."
"Denkst du sie wird wieder eifersüchtig auf mich?", fragte Sara belustigt grinsend. Mark zuckte wieder mit den Schultern.
"Keine Ahnung. Ich weiß ja nicht mal, ob sie mich noch liebt. Wie soll ich da wissen, ob sie auf dich eifersüchtig ist." Sara stand lächelnd auf und ging zu Mark. Sanft legte sie einen Arm um seine Schultern und beugte sich zu ihm runter.
"Und wenn, kannst du sie beruhigen. Ich bin verheiratet, habe zwei Kinder und in Kürze wird meine Familie auch herkommen." Mark lächelte darauf gequält und nickte. Sie stupste ihn freundschaftlich in die Seite.
"Nu komm schon. Freu dich, dass sie wieder da ist." Mark seufzte geräuschvoll und erhob sich dann.
"Du hast ja Recht. Die Liebe meines Lebens ist wieder in mein Leben zurückgekehrt." Er grinst sie breit an, was Sara mit einem genauso breiten Grinsen quittierte.
"Jetzt muss ich aber los. Morgen habe ich schon recht früh eine Besprechung.", meinte sie und war schon auf dem Weg in den Flur. Mark trottete ihr stirnrunzelnd hinterher.
"Am Sonntag?"
"Jap. Wichtige Kunden aus Japan. Du weißt doch, wie die Ausländer sind." Mark seufzte augenrollend.
"Oh ja, ich kann mich dunkel daran erinnern." Saras Grinsen wurde noch breiter und sie drückte ihm noch einen Kuss auf, bevor sie aus der Tür verschwand. Mark schüttelte lächelnd den Kopf und ging zurück ins Wohnzimmer. In Windeseile deckte er den Tisch ab und räumte die Küche auf. Danach setzt er sich an seinen Laptop. Seit gut einem halben Jahr e-mailte er sich mit einer jungen Frau, die er in einem Chat kennengelernt hatte. Irgendwie hatte er immer das Gefühl, er würde sie schon seit Ewigkeiten kennen. Schnell öffnete er das Internet und loggte sich in sein Mailprogramm ein. In großen Buchstaben stand dort drei neue Mails. Zwei davon waren nur Werbung, die er schnell löschte. Aber die andere war von der jungen Frau. Ungeduldig öffnete er die Mail und begann zu lesen.
Hey SuperMedi
Wie geht es dir? Bei mir ist alles klar. Habe heute großes vollbracht...........bin während der Arbeit eingeschlafen. Hättest meinen Kollegen sehen sollen. Der war total perplex. Zum Glück war es aber nur Theorie und nicht Praxis. Naja auf jeden Fall hat er dann meinen Part übernommen und ist wirklich weit gekommen mit den neuen Schülern. Mal sehen, ob ich nächstes Mal auch so müde bin. Bezweifle ich aber, außerdem macht es einen schlechten Eindruck auf die Schüler, denke ich. Aber sie haben nichts gesagt. Was hast du morgen vor? Ich geh mit meinem Kollegen und seinen Kindern baden. Bei der Hitze kann man auch nichts anderes machen, oder? Aber vermutlich musst du wieder arbeiten, oder? Vielleicht war euer Basischef ja auch gnädig mit euch. Auf jeden Fall wünsche ich dir viel Spaß morgen. Melde dich doch bald.
Gruß
BabyEngel
Mark grinste breit, während er dies las. Das musste er ihr lassen, sie schrieb immer so, dass er lachen musste. Trotzdem konnte er sich nicht vorstellen, dass sie wirklich eingeschlafen sein sollte, so sehr, wie sie ihren Job liebte. Immer noch lächelnd machte er sich ran, ihre Mail zu beantworten.
Hey mein Engelchen
Bei mir ist auch alles klar. Ich habe dir doch vor zwei Wochen oder so von Sara erzählt und vor noch längerer Zeit von Gina, meiner Verlobten. Ich meinte, dass nun Sara da sei und mein Leben wieder einigermaßen Bergauf ging. Heute ist aber etwas passiert, mit dem ich nie gerechnet hätte. Wir machen doch jetzt alle eine Grundausbildung, damit alle die BK117 fliegen können, für den Notfall. Auf jeden Fall ist unsere Fluglehrerin Gina. Ja, du hörst richtig. Sie ist wieder da. Genauso plötzlich wie sie verschwunden ist. Und sie hat unseren totgeglaubten Kollegen Thomas mitgebracht mit seinen Töchtern. Es ist einfach so unglaublich. Er lebt und das die ganzen Jahre über. Ich weiß gar nicht wie ich das alles kapieren soll. Thomas, die Mädchen und meine Gina. Alle wieder da, einfach umwerfend, oder? Leider war ich nicht sehr nett zu ihr. Irgendwie bin ich glücklich, aber auch wütend auf sie. Ich werde mit ihr reden müssen, nur weiß ich nicht, wie ich das machen soll, nach heute. Naja, wieder mal belaste ich dich mit meinen Problemen. Morgen habe ich übrigens frei und werde den Tag in meiner schönen kühlen Wohnung verbringen, falls mich keiner meiner Kollegen rauslockt. Auch ich wünsche dir nen schönen Tag.
Grüßle
SuperMedi
Zufrieden drückte er Senden und machte anschließend den Laptop wieder aus. Von der Hitze und Thomas‘ elend langen Vortrages geschafft viel er schließlich todmüde ins Bett und schlief sofort ein.
Samstag Nacht, Haus Lüdwitz/Thaler/Schwerin
Unruhig wälzte Biggi sich in ihrem Bett umher. Genervt drehte sie sich auf den Rücken und schlug die Augen auf. Was sie auch tat, sie konnte einfach nicht einschlafen. Seufzend schaute sie auf die Uhr. Dort zeigte die rote LCD-Anzeige 02.47Uhr. Das konnte es doch einfach nicht geben. Sie litt doch sonst nie an Schlaflosigkeit. Laut schnaufend setzte sie sich auf und sah sich in dem dunklen Zimmer um. Unschlüssig stand sie auf und ging zum Fenster. Draußen war es dunkel, nur ein paar Sterne und der Halbmond erhellten die Nacht. Abermals seufzend trottete sie wieder zum Bett und setzte sich drauf. Ihre Gedanken schweiften zu Enrico und Italien. Es war richtig, hierher zu kommen. Das wusste sie und auch Enrico wusste es. Sie waren in Frieden aus einander gegangen. Gähnend rieb sie sich durchs Gesicht und die Haare. Irgendwie hatte sich ihr Leben ziemlich geändert in den letzten Wochen. Grinsend musste sie an Karin denken. Als sie nach Italien gegangen war, hätte sie nie daran gedacht, dass Michael zurückkommen würde und die Beiden sogar noch ein Kind bekommen. Irgendwie war wirklich viel geschehen in den letzten Jahren, in denen sie mit Enrico in Italien gelebt hatte. Michaels Rückkehr, Ginas Krankheit, von der gerade mal, Thomas und die Mädchen eingeschlossen, sieben Leute wussten. Ja und dann war da Thomas. Sie hatte gedacht, ihr würde das Herz in die Hose rutschen, als er mit den Mädchen den Hangar betrat. Wie versteinert saß sie auf ihrem Platz und hatte ihn angestarrt. Und als er sie dann gesehen hatte und sie umarmte, machte ihr Herz Sprünge. Sie konnte es noch immer nicht ganz glauben. Thomas lebte. Er lebte wirklich. Niemand hatte damals realisiert, wie sehr sie unter seinem Tod gelitten hatte, auch Enrico nicht. Und jetzt stand er wieder vor ihr und lächelte sie an. Biggi spürte wie sich ihr Herzschlag beschleunigte, als sie an ihn dachte. Ihr wurde warm und sie fing an zu zittern, als sie die Augen schloß und sich die Umarmung vorstellte. ‚Ich dich auch, meine Liebe.‘ hatte er ihr ins Ohr geflüstert, nachdem sie ihm gesagt hatte, dass sie ihn vermisst hatte. Von der Erkenntnis getroffen, fing sie verträumt an zu lächeln. ‚Ja, sie hatte ihn vermisst, mehr als Enrico, als sie in den USA gewesen war‘, dachte sie sich und ließ sich laut seufzend nach hinten aufs Bett fallen. Mit den Gedanken bei Thomas schlief sie schließlich doch ein.
Badespaß und Volleyball
Sonntag, Traunstein, Badeanstalt
Entspannt lag Gina auf einer großen Decke und ließ sich die Sonne aufs Fell brennen. Thomas und die Mädchen waren vor wenigen Minuten aus dem Wasser gekommen und hatten sich etwas weiter vom Wasser entfernt im Schatten eines Baumes ihre Decken hingelegt und alberten jetzt rum. Sie waren schon früh hergekommen, um auch noch gute Plätze zu bekommen. Nun zwei Stunden später war die Anstalt bereits reichlich gefüllt und die Leute lagen teilweise wie die Heringe. Viele waren im Wasser, andere sonnten sich oder spielten Ball. Eben solcher landete plötzlich auf Ginas Bauch und sie fuhr erschrocken hoch. Sie ergriff den Ball und schaute sich böse nach seinem Besitzer um, während die Mädchen hinter hier laut lachten. Selbst Thomas musste sich das Lachen verkneifen. Böse funkelte sie die Drei an.
"Lacht nicht so blöd.", forderte Gina, doch die Mädchen kringelten sich weiter vor Lachen. Grummelnd schaute Gina wieder in die Runde. Sie sah einen Mann auf sich zu kommen, konnte sein Gesicht allerdings nicht erkennen, weil direkt hinter ihm die Sonne war. Es war ziemlich offensichtlich, dass er den Ball holen wollte.
"Können sie denn nicht aufpassen, wo sie den Ball hinwerfen?", fauchte sie ihn gleich an.
"Sorry Gina. Es war keine Absicht.", grinste der Mann und Gina blinzelte ihn überrascht an.
"Jens, was machst du denn hier?", begrüßte sie den Kollegen. Der ließ sich zu ihr auf die Decke fallen und grinste breit.
"Baden, ausspannen, die Hitze erträglicher machen, such dir was aus." Gina nickte lächelnd. Die Mädchen und Thomas kamen nun mit ihren Decken auch näher gerückt.
"Hallo Jens.", begrüßten sie ihn und gaben sich die Hand.
"Hey Leute. Ihr wart wohl gerade im Wasser, was?", erkundigte er sich und deutete auf die nassen Haare. Die drei nickten und Thomas fragte:
"Bist du ganz allein oder mit Anna und Andrés da?"
"Andrés, Anna, Flo, Mark, Peter, Stella und Klein-Oli. Alle irgendwo da drüben." Jens zeigte in die Richtung, aus der er gekommen war. Dann stand er auf und nahm den Ball.
"Naja, ich geh mal wieder zurück. Die warten sicher schon auf den Ball.", zwinkerte er. Lisa und Laura sprangen auch auf.
"Wir kommen mit. Ein bisschen Ball spielen wird Spaß machen.", riefen sie und liefen ihm hinterher. Gina und Thomas beobachteten die Drei, wie sie in den Massen verschwanden. Daraufhin ließ sie sich lächelnd nach hinten fallen und schloß wieder die Augen, um sich weiter zu sonnen. Thomas legte sich auf die Seite und stützte sich auf seinen Ellenbogen. Lächelnd beobachtete er Gina. Nach einer Weile schmulte sie ihn an.
"Was?", fragte sie irritiert. Doch er schüttelte nur den Kopf.
"Nu sag scho!", forderte sie ihn auf.
"Ich bin froh, dass du mich gefunden hast. Ohne dich würde ich vermutlich noch immer irgendwo ohne Gedächtnis rumtümpeln." Gina lächelte verlegen und strich ihm mit dem Handrücken über die Wange.
"Schon okay, Thomas. Ich bin ja auch froh, denn ohne deine Überredungskunst hätte ich wohl kaum den Mut aufgebracht auf die Basis zurückzukehren." Nun musste Thomas verlegen lächeln. Er nickte und gab ihr ein Küsschen auf die Wange. Dann legte er sich richtig hin und Gina platzierte sich in seinem Arm, den Kopf auf seiner Schulter. So dösten die Zwei vor sich hin, bis Thomas laut aufschrie, weil irgendetwas kaltes, nasses auf seinem Bauch war. Erschrocken blickten sie in zwei blaue, strahlende Augen über denen ein nasser, blonder Pony hing.
"Oliver.", lachte Thomas erleichtert und Gina grinste noch immer etwas geschockt. Der Kleine grinste sie breit an.
"Hallo.", rief er freudig und kletterte auf Thomas Bauch. Der hielt augenblicklich die Luft an.
"Meine Güte bist du kalt, Oliver." Der Junge grinste spitzbübisch und antwortete frech:
"Ich komme auch gerade aus dem Wasser." Gina grinste verschmitzt.
"Da wären wir jetzt nicht drauf gekommen, kleiner Mann.", antwortet sie und strich ihm durch das nasse Haar.
"Deswegen sag ich es ja.", meinte er daraufhin und strahlte wie ein Honigkuchenpferd. Plötzlich stand Stella neben den Dreien und schaute auf sie runter.
"Hallo. Oliver, da bist du ja, du kleiner Ausreißer." Ihn böse anschauend hob sie Oliver hoch und schüttelte den Kopf.
"Du sollst doch nicht weglaufen. Mama und Papa machen sich doch Sorgen, wenn du einfach weg bist und dann sind wir ganz traurig." Schuldbewusst schaute der blonde Junge seine Mutter aus großen blauen Augen an. Stella lächelte nun milde und strich ihm liebevoll über das Haar.
"Mach das nicht normal, okay mein Kleiner?" Oliver nickte und strahlte seine Mutter dann wieder breit an. Zusammen mit ihm setzte sie sich zu den beiden anderen auf die Decke. Oliver krabbelte sofort wieder rüber zu Thomas und nahm seinen Platz auf dessen Bauch ein. Stella schüttelte nur schmunzelnd den Kopf.
"Ich hoffe die Mädchen nerven euch drüben nicht.", meinte Thomas und spielte auf seine Töchter an. Stella winkte aber ab und antwortete:
"Ach Quatsch, die haben das Volleyballfeld in Beschlag genommen und spielen ein paar Partien.", erklärte sie. Gina und Thomas sahen sich grinsend, und dann Stella an.
"Volleyball?", fragten die Beiden wie aus einem Mund. Stella nickte und schien etwas verwirrt über ihre Reaktion.
"Na dann, da dürfen wir nicht fehlen Cat.", sprach Thomas zu Gina und überreichte Oli an seine Mutter. Gina nickte und fast zeitgleich standen die zwei auf.
"Ich hol nur schnell unsere Sachen.", sagte Thomas und verschwand zu dem Baum, wo alles lag.
"Was ist denn nun?", fragte Stella perplex, bekam aber keine Antwort. Dafür wurde sie von Gina von der Decke geschubst. Konfus beobachtete die Italienerin, wie Gina und Thomas ihre Sachen zusammenpackten und dann grinsend vor ihr standen.
"Führe uns hin. Wir lieben Volleyball.", bekam sie nun endlich eine Erklärung von einer übers ganze Gesicht grinsenden Gina. Stella zuckte daraufhin mit den Schultern und zusammen schlängelten sie sich durch die Leute rüber zum Volleyballfeld. Dort war gerade ein Spiel im vollem Gange. Inzwischen waren, wie man erkennen konnte, auch Max und Molly aufgetaucht. Es wurde drei gegen drei gespielt. Auf der einen Seite waren Lisa Laura und Andrés und die gegnerische Mannschaft bestand aus Florian, Mark und Jens. Max stand am Netz und machte den Schiedsrichter. Gina schlich sich an ihn ran und schaute ihm über die Schulter.
"Und wie steht es?" Max sah sie überrascht an.
"Ah, Gina. Hallo. Zweiter Satz, 13:4 für die Mädels und Andrés." Gina nickte zufrieden und hob einen Daumen in Richtung Thomas, der dies strahlend quittierte. Max sah sie fragend an.
"So, wie wir es erwartet haben.", erklärte sie und beobachtete das Spiel.
"Ciao Gina.", begrüßte Anna sie und die Beiden umarmten sich.
"Hey Anna. Macht sich gut mein Cousin, was?", grinste sie die Verlobte von Andrés an. Die nickte und blickte auf das Spielfeld. Wie bereits am Spielstand zu sehen war, gewannen die Mädchen diesen und auch den nächsten Satz. Vollkommen erschöpft ließen sich Jens, Mark und Flo auf ihre Handtücher fallen.
"Man habt ihr ein paar Schläge drauf, Mädels.", seufzte Mark und trank einen Schluck von seinem Wasser. Die grinsten ihn frech an.
"Das hast du supi gemacht, Schatz.", gratulierte Anna dem Spanier und belohnte ihn mit einem dicken Kuss. Der strahlte daraufhin fast heller als die Sonne, wodurch alles anfingen zu lachen.
"Lasst uns etwas ins Wasser gehen und anschließend spielen wir noch ne Runde, aber diesmal sechs gegen sechs.", schlug Thomas vor. Seine Töchter und Gina grinsten ihn breit an.
"Willst du ihnen das wirklich antun, Paps?", fragte Lisa grienend. Doch der Pilot zuckte nur mit den Schultern.
"Warum denn nicht? Wir spielen doch ganz normal. Es geht um nichts.", funkelte er seine Tochter an. Die zuckte nur mit den Schultern, griff die Hand ihrer Schwester und zusammen rannten sie zum Wasser. Ziemlich schnell folgten dann auch Molly, Flo, Anna, Andrés, Thomas, Jens und Mark. Gina schaute ihnen kopfschüttelnd hinter her und setzte sich nieder zu Peter und seiner Familie.
"Wollt ihr nicht?", fragte sie. Peter und Stella schüttelten den Kopf.
"Wir waren ja erst gerade mit Oli drin. Aber was ist mit dir?"
"Nöööö, keine Lust.", murmelte Gina vor sich hin. Peter fing breit anzugrinsen.
"Lass mich raten. Thomas taucht dich immer gerne." Sie sah ihn überrascht an und grinste dann verlegen.
"Ja, und das ist nicht nett, wenn man sowieso ein paar Köpfe kleiner ist.", erklärte sie leicht schmunzelnd. Nun kicherten Stella und Peter und Gina zog einen Schmollmund, der sich bald zu einem Grinsen entwickelte. Nach einer halben Stunde hatten sich wieder alle bei den Decken eingefunden und rubbelten sich etwas ab.
"Sagt mal, hattet ihr nicht gesagt, Karin, Michael und Biggi wollen auch kommen?", fragte Mark, während er mit dem Handtuch das Wasser aus seinem Haaren rubbelte.
"Ja, aber erst Nachmittags, weil sie endlich mal wieder einkaufen müssen.", grinste Peter.
"Aha, Karin frisst ihnen wohl die Haare vom Kopf, was?", scherzte Thomas etwas.
"Das stimmt überhaupt nicht, und selbst wenn, ich muss für zwei essen.", rechtfertigte sich eine Stimme hinter ihm. Überrascht drehte er sich um und schaute Karin direkt an. Leicht rot werdend, stotterte er:
"Oh, ..hallo...Karin. Schön, dass ... ihr auch da ... seid." Die Ärztin lachte ihn breit an und auch ihr Liebling und Biggi konnten es sich nicht verkneifen.
"Schon gut, Thomas. Hast ja recht.", klopfte Michael ihm auf die Schulter. Thomas atmete erleichtert aus. Dann begrüßten sich alle lachend. Nach dem man ein bisschen was zu sich genommen hatte, kam Thomas auf seinen Vorschlag von vorhin zu sprechen.
"Also, wie wär es mit einem Spielchen? Sechs gegen sechs." Die meisten zuckten nur mit den Schultern, andere nickten. Thomas schlug in die Hände und meinte:
"Okay. Als Captain nehmen mich und Jens. Schön nach Piloten Art.", grinste er. Jens stand auf und stellte sich neben den Kollegen. Abwechselnd wählten sie ihre Mannschaftsmitglieder. Da Stella nicht mitspielen wollte und Karin nicht konnte, hatte jedes Team einen Auswechselspieler. Thomas hatte sich für seine Mannschaft seine Töchter, Gina, Andrés, Biggi und Michael gewählt. Jens wollte mit Mark, Peter, Flo, Max, Molly und Anna spielen. Stella erklärte sich bereit Schieri zu machen. Durch ausknobeln wurde entschieden, dass Thomas‘ Team Aufschlagsrecht hatte. Gina schaute locker grinsend zu der anderen Mannschaft rüber. In einer fließenden Bewegung beförderte sie den Ball übers Netz und Florian hatte zu tun ihn zu bekommen. Nach einem guten Zuspiel zwischen ihm, Peter und Jens flog der Ball wieder rüber. Angenommen von Biggi wurde er zu Thomas gespielt.
"Katty!", rief er kurz und Lisa schmetterte den Ball übers Netz, ohne den anderen eine Chance zu lassen ihn zu bekommen. Sie und ihr Vater schlugen ein und Gina bekam wieder den Ball. Schon wie beim ersten Mal flog dieser elegant übers Netz. Mark wollte ihn zurück schmettern, doch Lisa und Laura blockten ihn, so dass der Ball im Sand landete. Auch die Schwestern schlugen grinsend ein. Während der Ball zu Gina geworfen wurde, hatten sie und Thomas einen stillen Augenkontakt und sie nickte kurz. Biggi schaute sie fragend an.
"Pass auf! Bis jetzt waren die Bälle lasch. Aber jetzt zeig ich ihnen mal, was ein richtiger Aufschlag ist.", flüsterte sie grinsend. Dann konzentrierte sie sich auf den Ball. Mit ernstem Gesichtsausdruck schaute sie zum gegnerischen Team. Der Ball flog in die Höhe und gekonnt schlug sie ihn übers Netz. Peter nahm ihn baggernd an und verlor durch die Wucht des Balles das Gleichgewicht. Unsanft landete er auf seinen vier Buchstaben und der Ball kam wieder direkt über ihm runter. Anna reagierte und beförderte ihn zurück zu seinem Absender. Mit einem schönen Zuspiel schmetterte Thomas ihn zurück. Von Ginas Aufschlag noch etwas erschrocken reagierten Jens und sein Team nicht schnell genug und er landete kurz vor dem Netz auf der anderen Seite. Vollkommen perplex schaute das Team zu ihrem Gegner rüber. Die schlugen gerade alle mit einander ein.
"Was war denn das?", fragte Molly reichlich konfus. Doch ihre Teamkollegen zuckten nur mit den Schultern. Peter reib sie die Handgelenke und schüttelte fassungslos den Kopf.
"Der Ball war der Wahnsinn. Eine Kraft steckte dahinter. Ich glaube, wir sollten das Ganze etwas ernster nehmen. Die spielen uns sonst wirklich in Grund und Boden.", flüsterte er und seufzte danach. Jens lachte kurz auf.
"Das machen sie sowieso. Wir haben es ja vorhin auch nicht gegen Andrés und die Mädchen geschafft. Und die drei sind in der Mannschaft." Alle nickten zustimmend.
"Hey, wir werden doch nicht aufgeben. Wir kämpfen, egal wie der Punktstand ist.", motivierte Mark das Team und lächelte zuversichtlich. Sie setzten das Spiel fort, hatten allerdings noch mehrere von solchen Angriffen zu ertragen. Am Ende hatten sie dann 7:15 verloren. Gina kam auf ihre Seite rüber und gab Peter die Hand.
"Ich hoffe, es tat nicht zu sehr weh." Er schüttelte den Kopf und lächelte.
"Schon vergessen, aber einen ganz schönen Schlag hast du ja schon drauf." Die Pilotin lächelte verlegen, während auch die anderen ihres Teams rüber kamen. Auch Thomas und Jens gaben sich die Hand.
"Gutes Spiel. Das können wir mal Sonnabends als Ausgleich zur Ausbildung wiederholen.", schlug Thomas vor.
"Warum nicht? Aber bitte schont uns etwas und lasst uns auch mal gewinnen. Sonst verlieren wir noch die Lust.", knuffte Jens ihn in die Seite und alle fingen an zu lachen. Um sich nach diesem Spiel abzukühlen, gingen noch mal alle ins Wasser. Übermütig spritzten sie sich voll und stuckten einander unter. Gina, die sich wieder vorm Wasser drücken wollte, wurde unsanft von Andrés in eben dieses befördert. Hustend und prustend kam sie wieder hoch, während alle laut lachten. Böse und einen Schmollmund ziehend schaute sie sie an und verschränkte die Arme, wodurch alle nur noch mehr lachen mussten. Andrés gab ihr zur Versöhnung einen Schmatzer auf die Wange und sie lächelte wieder leicht, spritzte ihn dann aber volle Kanne voll. Am späten Nachmittag verabschiedete man sich und verließ die Badeanstalt.
Etwas Romantik
Sonntagabend, Haus Aigner/Wächter
Thomas stand unschlüssig vor seinem Schrank und schaute sich ein Oberteil nach dem Anderen an. Irgendwie konnte er sich einfach nicht entscheiden, welches er anziehen sollte. Seine Töchter standen nun schon seit einiger Zeit im Türrahmen und beobachteten ihn belustigt. Immer wieder kicherten sie leise, doch Thomas bemerkte sie nicht.
Gina saß an ihrem Laptop und schrieb einige Berichte, als ein leiser Piepton ertönte, der anzeigte, dass eine Mail gekommen war. Schnell schloß sie das Programm und öffnete die Mail. Freudig stellte sie fest, dass sie von ihrem Chatfreund war.
Hey mein Engelchen.
Wie war dein Tag? Meiner war seeeeeehhhhhhr schön. Meine Kollegen haben mich ins Strandbad gelockt. Da haben wir uns alle getroffen. Uns gesonnt, im Wasser vergnügt und abgekühlt und Volleyball gespielt, gegen Gina, Thomas und seine Töchter. Andrés, Ginas Cousin, Biggi und Michael waren auch in dem Team. Bei uns die anderen. Karin und Stella haben nicht mitgespielt. Leider haben wir verloren, aber sie spielen auch verdammt gut. Das hätte ich nicht erwartet. Peter hat bei der Annahme von Ginas Aufschlag sogar das Gleichgewicht verloren, weil sie so doll war. Überhaupt scheint das ganze Team echte Volleyballasse zu sein. Naja, Revanche gibt es bei einem Ausbildungssamstag. Mal sehen, wie wir da abschneiden. Aber es hat sehr viel Spaß gemacht. Ich habe heute richtig bemerkt, wie sehr ich Gina das ganze Jahr über vermisst habe. Ihr Lachen oder nur ein kleiner Blick. Es ist so schön, sie wieder hier zu haben.
Bis dann
Dein SuperMedi
Zufrieden lächelnd lehnte sie sich zurück und las die Mail noch mal. Ihr Mark, wenn er wüsste, dass sie BabyEngel ist, würde er ihr vermutlich den Kopf abreißen. Aber wenigstens wusste sie so immer, wie es den anderen ging. Vor allem in dem halben Jahr, wo sie keinen weiteren Kontakt zu ihnen hatte. Sie war froh gewesen, Mark noch immer in den Chat wiederzufinden, in dem er schon gewesen war, bevor sie wegen der Krankheit gegangen war. Lächelnd machte sie sich daran, ihm zu antworten.
Hallo SuperMedi
Mir geht es gut. Ich war mit meinem Kollegen und seinen beiden Kindern auch im Strandbad. Ich habe mich vor allem gesonnt und war nur einmal im Wasser. Und wie kann es anders sein, habe ich jetzt einen Sonnenbrand. Dabei habe ich einen extra hohen Lichtschutzfaktor genommen. Aber naja, es wird wieder vergehen. Ab morgen muss ich wieder arbeiten. Du bestimmt auch. Es warten einige Schüler und einige Flugstunden auf mich. Das wird wieder lustig. Ich freu mich richtig. Bin schon gespannt, wie es aussieht. War ja übers WE nicht in der Schule. Hoffentlich wurde nicht eingebrochen, oder so. Aber eigentlich ist bei mir immer alles gut abgeriegelt. Also, ich wünsche dir morgen einen nicht zu anstrengenden, aber schönen Tag.
Dein BabyEngel
Schnell versandt sie die Mail und rieb sich dann vorsichtig den Nacken. Sie hätte es wirklich nicht so mit der Sonne übertreiben sollen. Sich streckend stand sie auf und schlurfte aus ihrem Zimmer. Überrascht entdeckte sie Laura und Lisa, wie sie in der Tür zum Zimmer ihres Vaters standen und immer wieder leise kicherten. Auf Zehenspitzen schlich sie zu den Beiden und schaute auch ins Zimmer. Noch immer stand Thomas unschlüssig vor seinem Schrank und betrachtete die verschiedenen Oberteile.
"Darf man fragen, was das wird, wenn es fertig wird?", wollte die Pilotin wissen. Sowohl Thomas, als auch die Mädchen fuhren erschrocken zusammen.
"Gina, musst du uns so erschrecken?", blaffte Lisa sie an. Gina grinste nur breit und schaute dann zu Thomas. Der blickte die Drei erschrocken und verlegen an.
"Wie lange steht ihr da schon?", fragte er.
"Ich bin gerade erst gekommen, aber ich glaube, deine Töchter schauen dir schon länger zu.", meinte Gina mit ernstem Gesicht. Thomas seufzte laut und meinte dann, sich wieder dem Schrank zuwendend:
"Ich habe noch eine Verabredung." Unschlüssig griff er nach zwei T-Shirts und betrachtete beide genauer. Gina blickte erst ihn, dann die Mädchen überrascht an.
"Eine Verabredung?", sprach Laura das aus, was alle dachten. Thomas nickte kurz und drehte sich dann mit den beiden Shirts zu ihnen um.
"Welches soll ich nehmen?"
"Was hast du denn vor?", fragte Gina etwas perplex.
"Wir wollen zum Griechen und danach vielleicht noch etwas spazieren gehen.", meinte er und starrte wieder auf die Shirts.
"Dann würde ich das Schwarze nehmen."
"Das Schwarze."
"Am besten schwarz.", antworteten die drei Damen fast gleichzeitig. Belustigt schauten sie sich an. Thomas nickte und legte das andere zurück in den Schrank.
"Mit wem bist du denn verabredet, wenn man fragen darf?", schaltete sich Laura nach einer Weile wieder ein. Thomas schaute die Drei überrascht und dann breit grinsend an.
"Thomas?"
"Paps?"
"Mit Biggi!", antwortete er grinsend und zog sich das Shirt über. Wieder schauten sich die Damen überrascht an. Gina lachte breit.
"Dann wünsche ich euch Zweien viel Spaß. Macht nichts, wenn du etwas später kommst, oder Mädels?"
"NEIN!!!", ließen die Zwei einstimmig hören und schüttelten heftig den Kopf. Thomas lächelte verlegen.
"Danke.", dann wandt er sich wieder dem Spiegel zu. Gina nahm die Mädchen an den Schultern und zusammen gingen sie in die Küche.
Sonntagabend, Haus Lüdwitz/Thaler/Schwerin
Währenddessen stand Biggi vor einem ähnlichen Problem wie Thomas. Unschlüssig hielt sie sich ein Oberteil nach dem anderen an und Karin, die auf dem Bett saß, beobachtete sie dabei lächelnd.
"Ihr hattet heute im Wasser viel Spaß zusammen, du und Thomas.", meinte Karin, während Biggi sich das weiße Shirt schon zum vierten Mal anhielt. Verlegen schaute Biggi zu ihrer Freundin.
"Ja, ich glaube......." Sie brach ab und drehte sich verträumt lächelnd wieder zum Schrank. Karin schaute sie groß an.
"Was denkst du?", wollte die Ärztin interessiert lächelnd wissen. Biggi drehte sich lächelnd zu ihr um.
"Ich glaube, ich bin verliebt.", flüsterte Biggi verlegen und ihre braunen Augen strahlten Karin an. Karin registrierte dies überrascht, lächelte ihre Freundin aber an.
"Das freut mich, Biggi. Hier zwei habt es verdient."
"Danke.", flüsterte Biggi und wand sich wieder dem Schrank zu.
"Zieh doch ein Kleid an. Das Sommerkleid.", schlug Karin vor. Biggi holte es aus dem Schrank und hielt es sich an. Skeptisch betrachtete sie sich im Spiegel, als Michael rein kam.
"Was ist denn hier los?", schaute er die beiden Damen stirnrunzelnd an.
"Schickes Kleid, Biggi. Hast du noch was vor?" Karin schüttelte grinsend den Kopf.
"Was?", unschuldig blickte er sich um.
"Ja, ich bin eingeladen.", meinte Biggi und verschwand aus dem Zimmer ins Bad. Michael schaute überrascht zu seinem Liebling. Die lächelte ihn an.
"Thomas hat sie eingeladen. Ich glaube, die Beiden sind ganz arg in einander verknallt.", meinte sie grinsend. Michael beugte sich zu ihr runter.
"So, wie wir zwei?.", flüsterte er verführerisch und gab ihr einen zärtlichen Kuss.
"Hey, nicht in meinem Zimmer.", empörte sich Biggi grinsend. Michael richtete sich auf und grinste sie frech an.
"Das sieht gut aus. Thomas wird wegschmelzen, wenn er dich so sieht.", schmeichelte Karin ihr. Biggi lächelte verlegen und schaute sich dann im Spiegel an.
Fortsetzung
Sonntagabend ein griechischen Restaurant
Biggi saß verlegen lächelnd am Tisch in der kleinen Nische und das Licht der Kerze spiegelte sich in ihren braunen Augen. Thomas hatte gerade einen Schluck Rotwein genommen und stellte nun das Glas wieder weg. Sie hatten viel geredet, doch nun waren ihnen die Themen ausgegangen und ein angenehmes Schweigen lag zwischen den Beiden. Lächelnd saßen sie sich gegenüber und schauten einander an. Schließlich räusperte sich Thomas und beugte sich über den Tisch zu ihr.
"Das war wirklich sehr schön Biggi.", lächelte er. Sie strahlte zurück und beugte sich auch zu ihm, wobei sie seine Hand ergriff.
"Ja, sehr schön. Ich fände es schön, wenn wir das wiederholen können.", flüsterte sie und er nickte zustimmend. Wieder sahen sie sich schweigend an. Gegenseitig versanken sie in den Augen des anderen, die geheimnisvoll im Licht der Kerzen schimmerten. Lange schauten sie einander so an, bis der Kellner kam und fragte, ob sie noch etwas wünschten. Dies verneinten Beide und Thomas fragte nach der Rechnung. Nach einigen Minuten kam der Kellner mit dieser und der Pilot bezahlte. Anschließend verließen die Zwei das Restaurant und schlenderten noch etwas durch die Straßen. Die Luft war angenehm warm und in vielen kleinen Cafés war noch viel Betrieb. Die Menschen saßen an Tischen vor den Cafés und den Restaurants, genossen den schönen Abend, plauschten und vergnügten sich. Biggi und Thomas spazierten lächelnd an ihnen vorbei und redeten leise mit einander.
"Wie lange bist du eigentlich schon Traunstein?", fragte Thomas schließlich und sah sie interessiert an. Biggi sah ihn nachdenklich an.
"Das müsste jetzt so zwei, drei Wochen her sein, dass ich wieder gekommen bin.", meinte sie mit nachdenklichem Blick gen Himmel gerichtet. Keine Wolken waren zu sehen und die Sterne funkelten munter über der Stadt. Thomas nickte nur.
"Und nun wohnst du bei Karin und Michael. Weißt du schon, was du machen willst?" Biggi schüttelte nur knapp den Kopf.
"Nein, aber ich bin auf der Suche nach einem Job. Fliegen bei Medikopter entfällt ja leider, was ich sehr schade finde. Aber ich kann Karin und Michael nicht ewig auf der Tasche liegen, vor allem jetzt, wo das Baby kommt.", sprach sie leise und schlenderte vor Thomas her. Thomas grinste breit bei dem Anblick.
"Ich weiß ja nicht, ob du dir das zu traust, aber wir könnten für die Flugschule noch einen Lehrer gebrauchen. Natürlich müsstest du vorher eine Prüfung ablegen, damit du als Fluglehrer zu gelassen bist.", meinte er und schaute sie aufmunternd lächelnd an. Biggi hielt inne und drehte sich ruckartig zu ihm um.
"Ist das dein Ernst?" Mit großen brauen Augen sah sie ihn fragend an und er nickte mit einem breiten Grinsen.
"OH Thomas, das wäre wundervoll.", fiel sie ihm stürmisch um den Hals. Durch diesen überraschenden Angriff verlor der Pilot das Gleichgewicht und zusammen landeten die Beiden auf dem Pflaster der Straße. Erschrocken blickte Biggi ihn an, doch Thomas Blick war kein bisschen böse. Er war weich und mit einer sanften Bewegung strich er über ihre Wange. Ein zufriedenes, glückliches Lächeln umspielte seine Lippen. Biggi merkte, wie sie langsam rot anlief und schaute verlegen nach unten auf seine Brust. Seine Hand legte sich unter ihr Kinn und hob ihren Kopf leicht an, so dass die Zwei sich ansahen.
"Das steht dir. Du solltest öfters rot werden.", flüsterte er mit sanfter Stimme. Durch dieses Kompliment vertiefte sich das Rot auf ihren Wangen nur noch mehr und ein scheues Lächeln glitt über ihre Lippen. Nun erschien auf Thomas‘ Gesicht ein breites Grinsen.
"So kenn ich dich ja gar nicht. Du bist doch sonst nicht so schüchtern, liebe Biggi.", griente er.
"Das muss wohl an dir liegen, lieber Thomas.", antwortete sie, nachdem sie sich wieder einigermaßen gefasst hatte. In einer flüchtigen Bewegung gab sie ihm einen Kuss auf den Mund und stand dann schnell auf. Etwas verdutzt sah er ihr hinterher, als sie rüber zum Brunnen lief, bevor er aufstand und ihr folgte. Sie hatte ihre Schuhe ausgezogen und stand nun im Wasser.
"Und was wird das, wenn es fertig ist?", stand Thomas am Rand und sah sie fragend an. Ein breites, freches Grinsen erschien auf ihrem Gesicht und im nächsten Moment hatte er auch schon einen Schwall Wasser abbekommen. Hustend und prustend antwortete er: "Na warte, das bekommst du zurück.", und keine Minute später stand er auch im Brunnen und die Beiden bespritzten sich vergnügt.
Partytime
Samstag, Medikopterbasis
Heute traf man sich nun schon zum vierten Mal zu einer Flugstunde. Der Unterricht war meist sehr langweilig und schwer verständlich für die Schüler. Da man aber so wundervolle Unterstützung von mehreren Piloten hatte, wurde es sich um jeden einzelnen sehr gut gekümmert. Wenn es ihnen dann zu streßig wurde, machte man eine Pause oder beendete den Unterricht für diesen Tag. So war es auch an diesem Samstag schon 16.00 Uhr, als Gina ihre Schüler endlich entließ. Heute hatte sie es gewagt und Peter und Florian das erste Mal selbst den Steuerknüppel in die Hand gedrückt. Mit einiger Zufriedenheit stellte sie ihre Begabung für das Fliegen fest. Zumindest schafften es die Beiden, natürlich mit etwas Hilfe, zu starten, eine Runde überm Hangar zu drehen und wieder zu landen. Nun hatte man sich etwas zu trinken geholt und erzählte noch etwas über die Planung für den Abend und den kommenden Sonntag.
"Und was wollt ihr heute machen, Thomas?", fragte Michael und schaute seinen Kumpel interessiert an. Der zuckte mit etwas leidlichen Blick die Schultern und antwortete:
"Lisa und Laura wollen uns zwei in eine Disco schleppen." Dies vernahmen seine beiden Töchter und schauten ihn entsetzt an.
"Also, wirklich Papa. Wir dachten du freust dich und nun müssen wir erfahren, dass du gar keine Lust hast, etwas mit deinen Töchtern zu unternehmen." Vollkommen überrascht schaute Thomas die Zwei an.
"Aber so war das doch gar nicht gemeint.", stotterte er vollkommen verwirrt. Als sie das Gesicht ihres Vaters sahen, fingen sie an laut zu lachen und Thomas, der erkannte, dass sie ihn verarscht hatten, zog einen Schmollmund. Eine grinsende Biggi setzte sich daraufhin zu ihm und gab ihm einen zärtlichen Kuss.
"Nicht schmollen, Schatzi.", neckte sie ihn.
"Ich komm doch auch mit.", versuchte sie ihn zwinkernd zu besänftigen. Woraufhin der Pilot auch breit grinste und sie in eine sanfte Umarmung zog, um sie zu küssen. Michael schüttelte grinsend den Kopf und wandt sich zu seiner geliebten Karin. Diese unterhielt sich gerade sehr angeregt mit Gina und Molly, wodurch sie nicht bemerkte, dass er sie ganz genau betrachtete. Schließlich mussten Gina und Molly so grinsen, dass Karin sie verdattert ansah.
"Was?", wollte sie stirnrunzelnd wissen. Die Beiden nickten zu einem Punkt hinter ihr und sie schaute in diese Richtung und somit auch genau in Michaels Augen.
"Weißt du eigentlich, dass du wunderschön bist?", fragte er mit einem todernsten Gesicht. Karin schluckte darauf hart und küsste ihn schließlich, um aus dieser peinlichen Situation zu entfliehen. Gina und Molly mussten lauten lachen, so dass Peter und Flo auf sie aufmerksam wurden.
"Was ist so lustig?", wollten die Beiden wissen. Doch Gina schüttelte nur den Kopf.
"Nichts. Wir hatten einfach das Bedürfnis zu lachen.", griente sie die zwei Sanis an. Herr Höppler runzelte die Stirn und meinte darauf:
"Das ist ja schön, Frau Aigner.", während er ein paar Gläser zusammen räumte. Plötzlich sprangen Lisa und Laura, nachdem sie etwas getuschelt hatten, gemeinsam auf und baten um Ruhe. Als alle Augen auf sie gerichtet waren, ragte Lisa mit strahlenden Augen:
"Was haltet ihr davon, wenn wir heute abend alle zusammen in die Disco gehen? Dann können wir mal richtig feiern." Die Gruppe sah sich etwas unsicher an. Schließlich nickten einige, andere waren sich noch nicht so sicher.
"Ich weiß noch nicht. Ich mag Stella nicht allein zu Hause lassen und wenn sie mitkommen wollte, müssten wir erst einen Babysitter finden.", entschuldigte sich Peter bei den Beiden. Doch die Mädchen nickten nur verständlich mit dem Kopf und lächelten ihn an. Sara diskutierte etwas mit Mark und schließlich stimmten auch die Zwei zu. Florian war sich auch noch nicht sicher, weil heute noch sein kleiner Bruder kommen wollte. Im Endeffekt verabredete man sich für 20 Uhr vor der Disco.
Samstagabend, Disco Firefly
Gina stand zusammen mit Familie Wächter, Biggi, ihrem Cousin und Anna vor der Disco und wartete ungeduldig auf die Anderen. Mit 10minütiger Verspätung trafen Familie Berger und Mark zusammen mit Sara ein.
"Entschuldigt, aber die Damen haben so lange gebraucht.", grinste Mark und bekam sofort einen Rippenstoß von Sara, worauf die Anderen lachten.
"Wir können ja schon mal reingehen. Lukas kann ihnen sagen, dass wir schon drin sind.", meinte Lisa lächelnd. Die Freunde nickten zustimmend und zusammen betrat man die Disco. Schnell hatte man sich eine Tischreihe gesucht, wo man sich nach dem Tanzen ausruhen konnte. Die Herren besorgten das Trinken, während Anna, die Schwestern und Gina schon auf der Tanzfläche verschwanden. Biggi und Sara warteten an den Tischen und versuchten der Truppe zu folgen, was aber unmöglich war bei dem Gewusel. Schließlich gaben sie es auf und quatschten miteinander, bis die Jungs zurück kamen.
"Wo sind die anderen?", versuchte Mark die Musik zu übertönen. Sara nickte nur in Richtung Tanzfläche. Mit etwas Mühe versuchte man ein paar Gespräche zu führen, bei denen viel gelacht wurde.
"Und wann ziehst du Thomas?", wollte Stella von Biggi wissen. Die zuckte mit den Schultern.
"Noch nicht, wir sind ja noch nicht mal einen Monat zusammen." Die Italienerin nickte und lächelte milde.
"Du bist sehr glücklich oder?" Biggi nickte nun auch und schaute etwas verlegen auf ihr Getränk.
"Hey, mach dir keine Vorwürfe. Ich habe gestern mit Einrico telefoniert und er hat auch schon was neues in Aussicht." Biggi bedachte Stella mit einem überraschten Blick, lächelte dann aber erleichtert.
"Entschuldigt die Verspätung, aber wir haben noch Besuch bekommen.", platzten plötzlich Karin und Michael in die Gespräche.
"Macht nischt. Die Mädchen, Gina und Anna tanzen schon die ganze Zeit. Die würden vermutlich nicht mal mitbekommen, wenn ihr gar nicht kommt.", grinste Thomas seine Freunde an. Die Neuankömmlinge lachten daraufhin.
"Und wer hat euch besucht?", wollte Molly wissen, die in der Zwischenzeit auch gekommen war. Michael grinste nur frech und schaute kurz hinter sich. Kurz darauf stand ein groß gewachsener Junge vor ihnen. Thomas sah ihn perplex an und fragte in selben Ton:
"Dirk?" Als der Junge grinsend nickte, klappte Thomas buchstäblich die Kinnlade runter.
"Meine Güte, bist du groß geworden.", meinte nun Biggi und schaute den Jungen genauso überrascht an.
"Ich freue mich euch mal wieder zusehen.", sprach er mit ungewohnt tiefer Stimme. Kaum hatte man sich dann begrüßt, erschien auch Flo mit seinem Bruder Alexander.
"Was ist mit Jens und Max?", wollte Flo nach einer Weile wissen und sah fragend zu Andrés. Doch der zuckte nur mit den Schultern. Schließlich verschwanden auch die jüngeren Herren auf der Tanzfläche, um die Mädels zu suchen. Als Dirk seine beiden Freundinnen entdeckt hatte, schlich er sich an sie ran und hielt Laura schließlich die Augen zu. Lisa, die das durchs Tanzen nicht mitbekam, wurde von Gina darauf aufmerksam gemacht, als Laura sie gerade aus der Umarmung befreite und den Jungen ansah. Lisa kam zu den Beiden und zusammen starrten die Mädchen Dirk nun an.
"Erkennt ihr mich nicht mehr?", griente der Lüdwitzsproß seine Kleinen an. Die Mädchen sahen sich dann ihn und dann wieder sich an, schüttelten schließlich den Kopf und fragten kaum hörbar:
"Dirk?" Der nickte breit grinsend und die Zwei fielen ihn lachend um den Hals. Anschließend stellten sie ihn Anna und Gina vor und er ihnen Alexander. Zusammen tanzten sie dann noch weiter.
Versöhnung und Willkommen kleine Pascale Céline
Langsam wurde es spät und alle hatten sich wieder in der reservierten Ecke eingefunden. Schon einige Gläser hatten den Weg zu ihnen gefunden, trotzdem waren alle nur leicht angeheitert. Ihre Gespräche waren locker und man lachte viel. Durch das Stimmengewirr merkte keiner, dass Karin schon seit geraumer Zeit ganz ruhig war. Sie lehnte an der Wand und versuchte ruhig zu atmen, während die Anderen begeistert quatschten und plauderten.
"Genau wie Karin damals. Stimmt es?", wandt sich Biggi lachend zu ihr. Sofort bemerkte der Pilot, dass etwas nicht stimmte.
"Hey Süße, alles in Ordnung?", strich sie ihr über die Wange. Auch die anderen Damen sahen ihre Kollegin und Freundin besorgt an. Die nickte mit einem misslungenen Lächeln.
"Geht schon.", flüsterte sie und schloß die Augen, während sie tief einatmete und über ihren Bauch strich.
"Herrje, sag bloß, es ist soweit.", platzte es aus Gina raus. Total alarmiert schauten die Frauen zu ihr. Karin nickte nur ganz schwach.
"Wie lange schon?", wollte Stella wissen, während Lisa und Laura versuchten Michaels Aufmerksamkeit zu bekommen. Da er patu nicht reagieren wollte, schrien sie schließlich laut
"Michael, du wirst Papa." Augenblicklich waren die Herren ruhig und sahen Karin ganz entgeistert an. Die lächelte gequält und schloß dann wieder die Augen. Michael hatte sich zu ihr gedreht und strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht.
"Warum sagst du denn nichts, Liebes?", fragte er sie besorgt. Sie zuckte nur mit den Schultern.
"Ich bin Ärztin. Ich dachte, ich wüsste schon, wann es brenzlich wird.", grinste sie schwach. Michael schüttelte nur den Kopf und half ihr dann aufzustehen.
"Wir kommen mit.", entschieden ziemlich alle wie aus einem Mund. Michael nickte nur knapp und zusammen verließ man die Disco, um Karin ins Krankenhaus zu bringen. Nach einer halben Stunde kam man dort an und Karin wurde in den Kreissaal gebracht. Michael begleitete sie, während der Rest draußen Platz nahm und gespannt darauf wartete, dass der neue Erdenbürger da sein würde. Die Nacht zog sich langsam dahin und nach drei Stunden schliefen die Meisten sehr friedlich. Peter und Stella waren wegen dem Babysitter nach Hause gefahren und auch Molly hatte sich verabschiedet. Mark saß den Kopf an die Wand gelegt auf einem der harten Stühle und starrte Andrés an, der auf der anderen Seite des Flurs am Boden saß und Anna im Arm hielt. Diese schlief genauso fest, wie Sara und Gina, die je eine Schulter von Mark als Kopfkissen nutzten. Lisa hatte ihren Kopf in Ginas Schoß gebettet und war auch im Land der Träume. Dirk lief etwas nervös den Flur entlang und wurde mehrmals von Thomas ermahnt, sich doch zu setzen, damit er niemanden weckte. Der Pilot hatte seine andere Tochter und Biggi im Arm, wobei Laura allerdings Dirk immer mit dem Blick folgte und ab und zu leise gähnte.
"Oh Gott, wie lange dauert das denn noch?", stöhnte Dirk mit ungeduldiger Stimme.
"Hey, bei Lisa hat es 23 Stunden gedauert, ehe sie da war und bei Laura immer noch 15.", grinste Thomas und beobachtete Dirks Reaktion. Der Junge sah den Piloten vollkommen entsetzt an.
"So lange? Und seit wann sind wir hier?", wollte er ziemlich resigniert wissen. Andrés sah auf die Uhr und flüsterte:
"Hm, seit gut drei Stunden. Aber wir wissen ja nicht, seit wann Karin schon Wehen hatte." Dirk nickte und ließ sich seufzend auf einen Stuhl nieder. Laura erhob sich langsam und torkelte schläfrig zu ihm rüber. Gähnend ließ sie sich vor ihm nieder und nahm seine Hände.
"Hey, das wird schon. Karin ist stark und ich bin mir sicher, dass du ein wunderschönes kleines Geschwisterchen bekommst.", versuchte sie ihn aufzumuntern, legte dann aber schläfrig den Kopf auf sein Knie. Daraufhin zog er sie auf den Stuhl neben sich und sie legte den Kopf auf seinen Schoß. Nach wenigen Minuten schlief auch sie tief und fest. Währenddessen starrten Andrés und Mark noch immer einander an. Schließlich brach der Spanier aber das Schweigen und fragte:
"Sollte deine Freundin nicht nach Hause gehen? Ihre Familie wartete doch sicher." Mark sah ihn nun etwas überrascht an.
"Herrje, du hast Recht." Vorsichtig hob er die Hand und strich Sara übers Gesicht. Diese murrte nur leise.
"Sara, du solltest nach Hause gehen. Duncan und die Jungs warten sicher auf dich und machen sich Sorgen.", flüsterte er, um Gina nicht zu wecken. Sara sah ihn nun verschlafen an.
"Was?" Sie murrte und schloß die Augen wieder. Allerdings nicht für lange. Plötzlich riss sie diese wieder auf und starrte Mark groß an.
"Du hast Recht. Duncan wird krank vor Sorge sein. Ich habe gesagt, dass ich spätestens um Zwei wieder da bin und jetzt ist es.." Sie schaute auf die Uhr. "..halb 4. Wenn der nicht schon die Polizei benachrichtigt hat. Gott oh Gott." Sie stand schnell auf und suchte ihre Sachen zusammen. Etwas belustigt beobachteten die Herren ihre Hektik.
"Aber du rufst mich an, wenn das Kleine da ist, ja?", fragte sie Mark noch und als er nickte, verschwand sie um die Ecke. Der Arzt grinste und schüttelte leicht den Kopf. Dann sah er zu Gina, die davon nichts mitbekommen zu haben schien. Noch immer ging ihr Atem ganz ruhig und sie regte sich nicht. Sanft strich er ihr eine Strähne aus dem Gesicht und lächelte ganz milde. Andrés beobachtete das mit Zufriedenheit und auch Thomas nickte froh, dies zu sehen. Vielleicht gab es ja wirklich noch Hoffnung für die Beiden.
"Mark?", flüsterte Andrés und der Arzt schaute zu ihm herüber.
"Ja?" Andrés legte den Kopf leicht schief und schien zu überlegen, ob er das, was er dachte, jetzt sagen sollte. Mark blickte fragend zu ihm, als nichts kam. Schließlich holte Andrés tief Luft und meinte:
"Du weißt schon, dass sie dich noch über alles liebt, oder?", und deutete dabei auf Gina. Mark schaute den Spanier mit großen Augen an und dann zu Gina.
"Aber...?", wollte er fragen, doch Andrés schien es schon zu ahnen.
"Glaube mir, sie hatte ihre Gründe und es fiel ihr nicht leicht, dich zurückzulassen. Aber Gina ist sehr stur, das weißt du, und sie wollte dich da nicht mit rein ziehen.", flüsterte er mit belegter Stimme. Mark sah ihn perplex und unverständlich an.
"Was meinst du?", fragte er tonlos. Andrés schluckte allerdings nur schwer und sah betroffen zu Boden.
"Andrés?", versuchte Mark ihn zum Reden zu bekommen, doch der junge Mann regte sich kein Stück.
"Warum sagst du es mir nicht? Ihr seit alle so komisch. Du, Anna, Karin, Michael und auch du Thomas.", schaute Mark nun auch zu dem Piloten. Der hob nur abwehrend die Hand.
"Ich kann dir dazu nichts sagen, Kumpel. Tut mir leid.", bedauerte Thomas seine Verschwiegenheit.
"Wir haben es ihr alle versprochen.", erklärte er dann noch. Mark blickte nun nur noch perplexer drein, als er plötzlich ein ganz leises Schluchzen hörte. Etwas erschrocken schaute er zu Gina und sah, dass sie aufgewacht war und weinte. Vollkommen überrumpelt wischte er die Tränen von ihren Wangen.
"Hey, warum weinst du denn? Gina.", zitterte seine Stimme. Gina schluchzte nun nur etwas lauter und umarmte ihn dann ganz fest, um ihr Gesicht an seinem Hals zu bergen. Etwas ratlos schaute er zu Thomas und Andrés, doch diese machten keine Anstalten ihm zu helfen. Sie schauten die Zwei nur mitleidig an.
"Es tut mir leid, Mark. Bitte verzeih mir.", flüsterte sie schließlich kaum hörbar. Sanft strich er ihr übers Haar und den Rücken.
"Was ist denn überhaupt los, meine Süße?", fragte er sie mit sanfter Stimme und versuchte sie so von sich weg zu drücken, dass er sie ansehen konnte. Mit einigem Schluchzen und Stoppen erzählte sie ihm, was ihr im letzten Jahr widerfahren war.
"Versteh ich das richtig? Ich habe dir das Leben gerettet?", fragte er und sah sie vollkommen fassungslos an. Sie nickte nur schwach und sah ihn verunsichert an. Andrés und Thomas hielten sich noch immer raus und beobachteten das Gespräch nur, um falls nötig doch eingreifen zu können. Mark schüttelte den Kopf und stand auf. Nicht sicher, wie er reagieren sollte, lief er unschlüssig im Flur auf und ab.
"Ich kann das nicht verstehen Gina. Du weißt, doch wie sehr ich dich liebe und trotzdem lässt du mich sitzen, um das Ganze alleine durchzumachen. Ich wäre doch für dich dagewesen. Warum nur?", schaute er geknickt zu ihr. Sie schaute betroffen zu Boden und flüsterte nur:
"Es tut mir leid.", bevor sie aufsprang und wegrannte. Mark sah ihr erschrocken hinterher und Andrés rief:
"Gina, nu bleib doch da." Durch das Geschrei geweckt und den plötzlichen Aufsprung von Gina, schauten sich Anna, Lisa, Biggi und Laura verschlafen in die Runde.
"Was ist los?", fragte Biggi sich die Augen reibend. Auch die anderen Damen schauten die Jungs fragend und gähnend an.
"Is das Baby schon da?", wollte Laura wissen, aber Dirk schüttelte nur den Kopf. Biggi sah fragend zu Thomas und der meinte:
"Gina hat es gerade Mark erzählt und naja, sie ist geflohen."
"Oh.", entkam es Biggi und sah unsicher zu Mark. Der schaute die Runde ein wenig verwirrt an.
"Moment, wusstet ihr alle davon?", fragte er ganz entsetzt. Andrés schüttelte den Kopf.
"Nein nicht alle. Karin, Michael, wir beide, Thomas, die Mädchen, Biggi und Stella. Wobei Biggi und Stella es durch Zufall herausbekommen haben.", erklärte der Spanier und alle sahen Mark abwartend an. Dieser sah alle böse an.
"Verdammt. Habt ihr auch irgendwann mal an meine Gefühle gedacht? Was ich durchmache, wenn sie so einfach verschwindet?", schrie er sie an. Andrés stand auf und baute sich vor Mark auf.
"Und kannst du dich daran erinnern, wie Karin drauf war die ganze Zeit über? Genau das wollte Gina verhindern, in dem sie es uns verschweigt. Dass Karin es erfahren hat, war genauso Zufall, wie, dass ich es erfahren habe. Gina wollte, wenn sie gesund ist, einfach wieder auftauchen, als wenn nichts gewesen wäre. Als hätte die Krankheit nicht existiert und sie nur eine Auszeit gebraucht hat." Andrés sah Mark streng an und dieser seufzte traurig.
"Aber das wär doch nicht nötig gewesen. Ich hätte mich um sie gekümmert. Ich liebe sie doch so sehr.", ließ er sich niedergeschlagen auf einen Stuhl sinken. Lisa legte einen Arm um ihn und lächelte mitfühlend.
"Aber du hattest sie nicht verloren. Sie liebt dich auch und du bist schon seit langem wieder mit ihr in Kontakt." Mark blickte wieder irritiert zu ihr. Laura und Thomas nickten zustimmend.
"Wie?", wollte der Arzt wissen und schaute zwischen den Dreien hin und her. Auch Andrés, Anna und Biggi blickten interessiert zu Familie Wächter.
"Also wirklich. Kommst du da echt nicht drauf, du SuperMedi.", provozierte ihn Laura und grinste dabei breit.
"SuperMedi?", runzelte er etwas irritiert die Stirn. Dann schaute er Laura mit weit aufgerissenen Augen an.
"Du meinst, Gina ist BabyEngel?", schien es ihn, wie der Blitz zu treffen. Laura nickte und auch Lisa und Thomas stimmten ihr zu. Mark schlug sich vor den Kopf.
"Oh Mann. Warum habe ich das nicht selbst gemerkt? Klar! Jetzt, wo ich es weiß, kapiere ich auch einige Anspielungen in den Mails." Er seufzte und vergrub das Gesicht in den Händen. Andrés legte ihm eine Hand auf die Schulter.
"Hey, ihr zwei liebt euch so sehr, das wird schon wieder.", sprach er und zwinkerte dem Arzt zu. Auch die Anderen stimmten Andrés lautstark zu. Kaum hatten sie sich wieder beruhigt, stand eine ziemlich schüchterne Gina hinter ihnen und spielte mit ihren Händen. Anna sah sie überrascht an.
"Gina.", ging sie zu ihr und legte einen Arm um sie. Gina lächelte leicht, vermied es aber Mark anzusehen. Das merkte dieser natürlich und gab Anna ein Zeichen. Diese lächelte der Pilotin aufmunternd zu und ging zurück zu Andrés, der seiner Cousine nur zuzwinkerte. Gina lächelte ihn unsicher an. Mark ging langsam auf sie zu und stoppte dicht vor ihr. Allerdings machte Gina keine Anstalten zu ihm hoch zu blicken, waren ihre Finger doch viel interessanter. Mark grinste nur über ihre Schüchternheit, weil er sie so nicht kannte. Sanft nahm er ihr Gesicht in seine Hände, hob ihren Kopf und zwang sie so, ihn anzusehen.
"Ich liebe dich und verzeihe dir.", flüsterte er und gab ihr einen zarten Kuss. Ginas Augen weiteten sich vor Überraschung und sahen ihn vollkommen verwirrt an. Doch Mark lächelte nur, so dass sie ihm schließlich um den Hals viel.
"Ich liebe dich auch, Mark." Dann versunken Beide in einem sehnsüchtigen Kuss. Thomas und die Mädchen, sowie Andrés und Anna seufzten erleichtert und Biggi meinte:
"Na endlich. Ihr kostet vielleicht Nerven." Daraufhin fingen alle an zu lachen und Gina schmiegte sich überglücklich in Marks Umarmung, der diese nur verstärkte. Anschließend unterhielten man sich noch darüber und als Andrés daran erinnerte, wie sauer Gina gewesen war, als sie ihr erzählten, dass Mark ihr doch gespendet hatte und sie daraufhin nen Monat nicht mit ihnen geredet hatte, mussten alle laut lachen. Gina meinte zwar, dass dies gar nicht lustig sei, doch trotzdem konnte man sich nicht beruhigen und selbst sie lachte. Ganz in das Gespräch vertieft, bemerkten sie gar nicht, wie schnell weitere zwei Stunden vergingen oder dass zwischendurch Michael kurz den Kopf herausgestreckt hatte, um zu schauen, wie es den Anderen ging. Als er sah, dass sie sich angeregt unterhielten und sogar Gina und Mark Arm und Arm da saßen, ging er lächelnd zurück zu Karin und erzählte ihr die frohe Neuigkeit. Karin meinte nur lächelnd: "Welch Glück!", bevor sie von der nächsten Wehe gequält wurde. Lisa gähnte gerade und steckte die Anderen damit an, als Michael freudestrahlend aus dem Kreissaal kam und die Truppe ansah. Dirk sprang sofort auf und fragte das, was alle dachten.
"Und, was ist es?"
"Eine kleine Pascale Céline.", strahlte der Vater seine Freunde an.
"Ein Mädchen!", rief Gina und fiel Mark um den Hals und auch Thomas und Biggi, sowie Anna und Andrés umarmten sich vergnügt. Dirk und die Mädchen gratulierten Michael überschwänglich.
"Und wie geht es Karin?", wollte Biggi wissen, nachdem auch sie ihm gratuliert hatte.
"Ja, und wie groß ist die Kleine denn?", platzte es auch aus Thomas raus.
"Karin ist erschöpft, aber es geht Beiden sehr gut. Unsere Kleine ist 50 cm groß und 3480 g schwer.", erzählte der stolze Vater übers ganze Gesicht strahlend.
"Aber jetzt muss ich erstmal ihre Eltern anrufen. Wenn ihr leise seid, könnt ihr zu ihnen.", verschwand Michael um die Ecke. Die Truppe sah sich breit grinsend an und schlich dann auf Samtpfoten in den Kreissaal, wo Karin mit der Kleinen im Arm lag und sie stillte.
"Hallo Mama.", flüsterte Dirk und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. Karin lächelte geschafft und strich das Handtuch etwas zur Seite, so dass man Pascale gut sehen konnte.
"Wir gratulieren alle ganz herzlich, liebe Karin und wünschen dieser kleinen Prinzessin alles Gute für ihr Leben.", sprach Mark und die Freunde nickten zustimmend.
"Danke!", flüsterte die frischgebackene Mama erschöpft.
"Sie ist so süß.", meinten die Mädchen wie aus einem Mund und Lisa strich dem kleinen Baby vorsichtig übers Köpfchen.
"Wir wollen euch aber auch nicht lange stören. Du brauchst sicher etwas Ruhe, deswegen werden wir jetzt mal wieder gehen.", zwinkerte Thomas und strich Karin eine Strähne aus der Stirn. Diese lächelte dankbar, als Michael reinkam.
"Deine Eltern freuen sich und wollen übermorgen kommen.", verkündigte er. Karin seufzte daraufhin nur und rollte mit den Augen, wodurch alle lachen mussten. Dann verabschiedeten sie sich und ließen die kleine Familie alleine.
Copyright 2005: Kristina